ben hat, müßte zwangsläufig England vor die Entscheidung stellen, zu dulden, daß Abessiniens Klage in Genf kein Gehör fände und das Ansehen des Völkerbundes damit einen neuen, vielleicht tödlichen Stoß erhielte oder dem italienischen Imperialismus in den Arm zu fallen und damit Italien, dessen Begeisterung für die Genfer Institution niemals überwältigend war, zum Verlassen des Völkerbundes Anlaß zu geben, womit dann von den Großmächten England und Frankreich mit dem bolschewistischen Rußland allein in Genf bleiben würden. Gewiß kein sehr reizvolles Bild für einen britischen Außenminister. Aber' wenn auch Eden in Rom, beschwingt von dieser Sorge, mit Engelszungen geredet haben mag und wenn auch offenbar auf britisches Zureden hin aus Addis Abeba Nachrichten von der Bereitwilligkeit des Kaisers zu sehr weitgehenden wirtschaftlichen Zugeständnissen kamen, so scheint der Duce doch hartnäckig auf einer radikalen Operation dieser eiternden Wunde am Körper des italienischen Kolonialreichs bestanden zu haben. Ob die Errichtung eines italienischen Protektorats über Abessinien ähnlich dem französischen über Marokko den Vorstellungen Mussolinis entspricht, ist noch nicht ganz deutlich geworden. Jedenfalls steht hier die englische Politik vor einer ungeheuer schwierigen Aufgabe, die vielfach in die verzwickten europäischen Dinge hineinspielt. Interessen und Freundschaften liegen keineswegs sauber -"Zeordnet nebeneinander, sie überschneiden sich vielfach und die britischen Staatsmänner werden sehr behutsam sein müssen beim Entwirren der Knoten und Knüpfen der Fäden, damit aus vielen Einzelmaschen das große Netz einer dauerhaften Friedenssicherung sich über Europa spannen kann, das wie jeder ehrliche Friedensfreund nicht zuletzt Deutschland dringend wünschen muß.
Wozu ist Abessinien bereit?
Eine Unterredung mit dem Kaiser.
'.London, 29. Juni. (DNB. Funkspruch.) In einer Unterredung mit einem Sonderberichterstatter des „News Chronicle" erklärte der Kaiser von Abessinien u. a., wenn es zu einem Krieg komme, werde er. seine Truppen selb st anführen. Auf d'ie Frage, ob er wirklich an einen Krieg glaube, antwortete er, er vertraue immer noch darauf, daß der Völkerbund und die Großmächte den Krieg verhindern könnten. England und Frankreich hätten hilfreiche Bemühungen für eine friedliche Regelung des Streitfalles gemacht. Die Mitteilung, dag England wirtschaftliche Zugeständnisse Abessiniens an Italien vorgeschlagen habe, sei nur ein Pressebericht. Italien habe niemals irgendeine Forderung nach wirtschaftlichen oder gebietsmäßigen Zugeständnissen vorgebracht. Abessinien g e - währe rein wirtschaftliche Konzessionen nur an Privatleute oder Firmen, nicht aber an Regierungen. Die italienischen Staatsangehörigen würden wie bisher auf der Grundlage vollkommener Gleichberechtigung mit den anderen Ausländern behandelt werden. Der Kaiser .rklärte ferner, daß neutrale Ausländer im Kriegsfall nicht das Land zu verlassen brauchten, da die abessinische Regierung für ihre Sicherheit sorgen werde. Abessinien habe bei keinem Lande und bei keiner Gruppe um finanzielle Unter st ützung n a ch g e s u ch t oder eine solche angeboten erhalten. Abessinien suche außerdem keine Vergrößerung seines Gebietes, z. B. einen Zugang zum Roten Meer.
Die abessinische Regierung lenkt die Aufmerksamkeit auf die fortgesetzte Entsendung italienischer Truppen, die weit über alle möglichen Erfordernisse für die Verteidigung der italienischen Kolonien hinausgingen. Abessinien habe keinen Schritt zur Mobilmachung getan. Es habe förmlich erklärt, daß, wenn der Spruch der Schiedsrichter gegen Abessinien ausfalle, Italien volle Genugtuung erhalten werde. Der Kaiser habe den Völkerbund ersucht, neutrale Beobachter zu entsenden, um die tatsächliche Lage im Lande festzustellen. Das Vorhandensein von Sklaverei werde nicht geleugnet. Es werde aber Nachdruck auf die F o r t- schritte gelegt,' die in Richtung auf Befreiung der Sklaven, Schaffung von Schulen und anderen Reformen gemacht worden seien.
Japans Führungsanspruch in Osiasien.
Forderungen des japanischen Heeres.
Tokio, 28. Juni. (DNB.) Die japanische Kwantungarmee hat eine Erklärung veröffentlicht, die sich auf die Grundlagen der japanischen Politik gegenüber China bezieht. In der Erklärung werden folgende Forderungen an das japanische Außenamt gestellt: Japan soll bei der Zusammenarbeit von Japan, Mundschukuo und China die verantwortliche Führung übernehmen. China soll die ausländischen Einflüsse beseitigen und anerkennen, daß Japan China vor einer Aufteilung gerettet hat. Die Regierung Tschiangkaischek und die Kuomintang sein zu einer Politik der Verständigung mit Japan unfähig und daher lon Japan abzulehnen. Im Fernen Osten müsse eine grundsätzliche Neuorientierung unter der Losung „Der Orient für die Orientalen" verlangt werden. Auch Sowjetrußland müsse Japans Führung im Fernen Osten anerkennen und seine Politik darauf abstellen. Zunächst wird von Japan in N o r d ch i n a die politische Führung gefordert bei völliger Unabhängigkeit von Nanking.
Der Sprecher des japanischen Außenamtes erklärte, daß er sich bei den Forderungen der Kwantungarmee, daß es sich bei diesem lediglich um eine grundsätzliche Darlegung der Haltung der Kwantungarmee handele. Das japanische Kriegsministerium erklärte, daß es sich um Forderungen des ganzen japanischen Heeres handele, das geschlossen hinter ihnen stehe. Nordckina müsse für das ganze übrige China den Ausschlag geben bei der Zusammenarbeit von Javan, Mandschukuo und China. Solange ober Tschiangkaischek seine Doppelpolitik betreibe, sei an einen Erfolg nicht zu denken.
Mißglückter Handstreich auf peiping.
Peiping, 28. Juni. (DNB.) Am Donnerstag machten etwa 200 Soldaten, die früher in der Provinz Hupei lagen und dem 5. Armeekorps angehörten, einen Hand ft reich auf das Peipinger Stadttor Pungsing. Vorher hatten sie die Eisenbahnstation Fengtai der Linie Peiping-Tiensm besetzt. Die Japaner verhängten sofort über Pei»
„Wirtschasiliche Wiederbelebung ist nur in einem entspannten Europa möglich." Dämmernde Erkenntnis in Frankreich. - Demokratie und Autorität, die pole der inner- politischen Linie Lavals. - Die Militär-Zusatzkredite zurückgestellt.
Parlamentsferien.
Der Senat verweigert Nachtarbeit.
Paris, 29. Juni. (DNB.) Die Nachtsitzung der Kammer hat einen unvorhergesehenen Verlaus genommen. Zunächst behauptete der sozialistische Abgeordnete Ramadier, das Wettrüsten habe wieder begonnen und es sei zu befürchten, daß die Verabschiedung der Militärzusatzkredite die laufenden diplomatischen Verhandlungen beeinträchtigen könne. Ueberdies müsse man sich fragert, ob diese Kredite überhaupt nützlich und zweckentsprechend verwendet würden. Es müsse für eine entsprechende Beaufsichtigung der Rüstungsindustrie, an die Auftrage vergeben würden, gesorgt werden, damit nicht von irgendeiner beteiligten Seite skandalöse Gewinne erzielt würden.
Kurz darauf erklärte Ministerpräsident Laval, es seien noch mehrere dringliche Gesetzesvorlagen zu verabschieden, die erledigt werden müßten, damit die Regierung im Rahmen der ihr zuerkannten Vollmachten ihre Aufgaben erfüllen könne. Um die Verabschiedung dieser Gesetze zu ermöglichen, ziehe er die Vorlage über die Militärzusatzkredite zurück. Der Beschluß ist darauf zurückzuführen, daß im Senat Senator Caillaux als Vorsitzender des Finanzausschusses sich entschieden geweigert haben soll- in einer so späten Nachtsitzung über eine so wichtige Angelegenheit wie die Zusatzkredite für die Landesverteidigung zu beraten. Dadurch sei dem Ministerpräsidenten nichts anderes übrig geblieben, als die Aussprache vorläufig abzublasen.
Ministerpräsident Laval
erklärte, daß die Regierung die Militärzusatzkreditvorlags nicht etwa zurückziehe, sondern nur auf ihre dringliche Beratung verzichte, da ihr zeitlich nicht die Möglichkeit gegeben sei, sie noch im Laufe der Nacht im Senat durchzubringen. Die Sicherheit Frankreichs werde hierdurch nicht beeinträchtigt, da die Regierung auf Grund des Ermächtigungsgesetzes und eines Gesetzes von 1929 alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen könne. Die Regierung besitze die Vollmacht, für Landesverteidigungszwecke aus eigener Initiative heraus Ausgaben einzusetzen, die e r st n a ch t r ä g l i ch der Genehmigung des Parlaments unterliegen.
Laval wies daraufhin, daß die Regierung eine große Aufgabe zu erfüllen habe. Sie werde alles tun, um ihre Pflicht zu erfüllen. Aber sie habe das Recht, hierbei auf die Unter ft Ützung aller Franzosen zu zählen. Kürzlich hätten sich Kundgebungen ereignet, die den Eindruck erwecken konnten, daß die bestehenden Einrichtungen bedroht seien.
Die Regierung werde ohne Schwäche d i e Achtung vor den Gesehen alten gegenüber durchsetzen. Die Demokratie könne nur durch Autorität verteidigt werden. Die Regierung sei für die Ordnung verantwortlich. Sie allein habe die Autorität und werde sie nicht in Vergessenheit geraten lassen. Sie werde die freien Einrichtungen und den republikanischen Staat gegen jede Beeinträchtigung schützen und erinnere an den Grundsatz, daß keine Einzelperson und keine Teilgruppe von Bürgern sich die Souveränität anmahen könne.
Das französische Heer habe die vornehme und hohe Ausgabe, die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Ihm gebühre die Anerkennung, die man ihm für seinen Geist der Selbstverleugnung und der Opferbereitschaft schuldig sei. Die notwendige Ueberlegenheit der zivilen Gewalt lege aber gegenüber dem Heer Pflichten auf, die die Regierung nicht verletzen werde. Die Regierung werde es vor allen Versuchungen und aller propagandistischen Agitation zu schützen wissen. Die politischen Leidenschaften von außen her dürften nicht in die Heeresstellen Einlaß finden. Sie dürften auch nicht in die Kasernen eindringen. Die Agitation, über die man sich mit Recht beunruhigte, konnte nur entstehen, im Zeichen der K r i s e n - M i ß st i m m u n g. Die Regierung werde das Hebel an seiner Wurzel fassen und von den ausgegebenen Vollmachten reiflich Gebrauch machen, um die Finanzen zu ordnen und für eine wirtschaftliche Wiederbelebung sorgen.
Aber diese Wiederbelebung sei nur möglich im entspannten Europa. Die Regierung werde nach außen eine Politik der Ver- ständigung und der Versöhnung betreiben. Sie werde die Achtung der Rechte Frankreichs gewährleisten und den Frieden
durch die kollektive Organisierung der Sicherheit festigen.
Die Regierung werde für das Wohl des Landes arbeiten. Das Land täuschen, hieße, an ihr Verrat üben! Es habe ein Recht auf Wahrheit und fei auch bereit, diese Wahrheit, so ernst sie auch sein mag, zu hören. Die Regierung fordere daher von der Kammer, dem Lande diese Wahrheit zu sagen, wie die Regierung es selbst tun werde. Opfer seien die notwendige Vorbedingung und die Bürgschaft für das Wohl des Landes. — Laval verlas darauf um 4 Uhr das Schlußdekret, worauf Kammer und Senat in die Ferien gingen.
Die Fenerkreuzler.
Oberst de la Roque über die Ziele seiner Bewegung.
Paris, 28.Juni. (DNB.) Oberst de la Ro- q u e, der Vorsitzende der Frontkämpfervereinigung Feuerkreuz, hat einem Mitarbeiter des „Petit Journal" Aufschluß über die Ziele seiner Bewegung gegeben. Er stellte fest, daß die Bewegung von Monat zu Monat anwachse. Im Februar v. I. habe sie 30 000 Mitglieder gezählt, gegenwärtig seien es mehr als 320 000, die vielen nichteingeschriebenen Freunde und Gönner gar nicht zu rechnen. Er wolle die Vereinigung erst neu ordnen, de la Roque bestritt, daß er und seine Leute es auf die Erregung der Geister abgesehen hätten. Die Agitation komme vielmehr von links. Er gebe zu, daß seine Vereinigung für alle Fälle alarmbereit stehe; denn bei dem Feh-len jeder Reaierungsautoritat könnten schlimme Ereignisie eintreten. Im übrigen aber wolle er nur d i e Ruhe und entschlossene Kraft bekunden. „Wir werden", erklärte der Feuerkreuzführer, „nur die rote Revolution angreife n". Oberst t)e la Roque möchte nicht von einer Machtergreifung als seinem Ziel sprechen. Es werde aber offensichtlich bald der Tag kommen, an dem man gewisse Ideen zur Geltung bringen könne. Wenn diese Ideen eines Tages die Türen der Regierungsgewalt einrennen würden, dann sei er bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Er scheue sie nicht. Wenn die Feuerkreuzler wieder Ordnung schaffen sollten, dann werde er selber diese Ordnung gegen selbst- süchttge Umtriebe sicherstellen.
ping den Belagerungszustand. Der Peipinger Ordnungspolizei und den Truppen des Generals Wanfulin gelang es in kurzer Zeit, die Meuterei zu unterdrücken. Die Besatzung eines Panzerwagens der Aufständischen wurde teilweise gefangen genommen, teilweise entkam sie in nordwestlicher Richtung, Der mißglückte Handstreich kostete die etwa 300 Mann zählenden Angreifer 30 Tote, zahlreiche Verwundete und Gefangene, von denen der größere Teil Uniform trägt. Die Hintergründe des Handstreichs hat man bisher noch nicht aufklären können. Viel verbreitet ist jedoch die Behauptung, daß es sich um eine Aktion von Separatisten handelt und der sogenannte graue General Shihyusan oder der frühere Sekretär des Marschalls Wupeifu, Paichienwu, ihre Hand im Spiele haben.
In Peiping verbreitete sich das Gerücht, daß sich etwa 30 0 Meuterer in Zivil in d i e Stadt eingeschlichen hätten. Diese Mitteilung soll angeblich von den Gefangenen gemacht worden sein. Daraufhin wurde in der Nacht zum Samstag erneut der Belagerungszustand über Peiping verhängt. Der Eisenbahnverkehr auf der Strecke Peiping—Tientsin wurde nach Beseitigung aller Zerstörungen wieder ausgenommen.
Der japanische General D o i h a r a erklärte, daß Japan an der Meuterei der Hopei-Truppen völlig uninteressiert sei, diese Zwischenfälle an sich jedoch sehr bedauere. Doihara stellte alle Gerüchte über die beabsichtigte Bildung eines autonomen Staates in Nordchina sowie das Heranziehen japanischer Truppen zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Abrede.
Für eine europäische Solidarität.
Der Arbeitsausschuß deutscher Verbände zum Jahrestag von Versailles.
Der Arbeitsausschuß deutscher Verbände veröffentlicht zum Jahrestag von Versailles einen von seinem Präsidenten Gouverneur' a. D. Dr. Schnee und dem geschäftsführenden Vizeprä-- sidenten Dr. h. c. Draeger unterzeichneten Aufruf, in dem es u. a. heißt:
Am 28. Juni — vor 16 Jahren — wurde das deutsche Volk gezwungen, einen Friedensvertrag zu unterzeichnen, der eine Grundlage für einen aufbauenden Frieden nicht bilden konnte. Die Sieger waren nicht imstande, gesunde Grundlagen für dasZusammenlebender Völkerzuschaffen, Grundlagen, die der ungeheuerlichen Blutopfer würdig gewesen wären, die der Weltkrieg vier Jahre lang allen Völkern auferlegt hatte. Der so laut verkündete Gedanke eines Rechtsfriedens wurde in fein Gegenteil verkehrt. Der Gedanke des S e l b st b e - stimmungsrechtes der Völker wurde verzerrt. Wirtschaftlich widersinnige Tributzahlungen ruinierten nicht nur die Volkswirtschaften, denen sie erpreßt wurden, sie erschütterten auch das Gefüge der gesamten Weltwirtschaft. Die Lüge daß Deutschland der Urheber des Weltkrieges gewesen sei, wurde zur moralischen Grundlage des sogenannten Friedensoertrages gemacht. —
Das deutsche Volk hat sich innerlich befreit, indem es seine innere Schwäche und Uneinigkeit überwand. Es hat im Bewußtsein seines guten Rechtes aus eigener Machtvollkommenheit das Gesetz von Versailles, die künstliche Scheidung von Siegern und Besiegten, von Hochgerüsteten- und Wehrlosen durchbrochen und seine Wehrhoheit wiederhergestellt. Unzweideutig hat der Führer und Reichskanzler kundgetan, daß dem deutschen Volke das Heer nicht aum Angriff und zur Unterjochung und Eroberung dienen soll, sondern lediglich zur Auf- rechteryaltung des Friedens, als Grund
lage einer Friedenspolitik, die aus weltanschaulichen Gründen den Krieg ablehnt.
Die Friedensoerträge von 1919 haben Europa geschwächt, weil sie keine Ordnung für Europa schufen. Wenn die Umwelt erkennt, daß das deutsche Volk aus sich heraus die Voraussetzungen für einen wahren Frieden gebildet hat, kann sie dazu übergehen, an Stelle von Versailles zu setzen die europäische Solidarität.
Reichs- und Gauleitertagung in München.
Berlin, 29. Juni (DNB.) Am Freitag fand im Münchener Rathaus unter dem Vorsitz des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley und in Anwesenheit mehrerer Reichsleiter eine Tagung der Gauleiter der NSDAP, statt. Dr. Ley machte Mitteilungen über die Organisation und Durchführung des Reichsparteitages. Die für den 4. Juli in der Berliner Krolloper in Aussicht genommene Konstituierung des
Reicharbeits- und W i r t s ch a f t s r a t s wurde verschoben und wird im Rahmen des Reichsparteitages stattfinden.
Die Tagung befaßte sich anschließend mit den aktuellen Problemen, die sich aus der Führungsaufgabe der Partei ergeben.
Um 17 Uhr trafen die R e i ch s l e i t e r der Partei im Braunen Haus zu einer Tagung zusammen, die namens des Stellvertreters des Führers von Reichsschatzmeister Schwarz eröffnet und geleitet wurde.
Die Ergebnisse der Gauleitertaaung wurden zusammengefaßt und ausgewertet, sowie eine Reihe wichtiger Einzelfragen des Verhältnisses zwischen Partei und Staatsapparat eingehend behandelt. Die Aussprache über die politischen, organisatorischen und weltanschaulichen Aufgaben war von grundsätzlicher Bedeutung für die gesamte Arbeit der Partei. An den Führer und Stellvertreter des Führers, die an der Teilnahme verhindert waren, wurden Begrüßungstelegramme gesandt. Der Abend versammelte das Führerkorps der Partei zu einem kameradschaftlichen Beisammensein.
Neugestaltung des Studiums der Landwirtschaft.
Berlin, 28. Juni (DNB.) Anläßlich des Reichstreffens der deutschen Diplomlandwirte hat Reichsminister Rust die neue Studienordnung für das künftige landwirtschaftliche Studium verkündet. Bereits am Ende vorigen Jahres hat Reichsminister Rust durch die Eingliederung der beiden preußischen bisher selbständigen landwirtschaftlichen Hochschulen Berlin und Bonn-Poppels- dorf in b i e t Universitäten Berlin und Bonn die neue Linie des landwirtschaftlichen Hochschulwesens vorgezeichnet. Diese organisatorische Maßnahme erfolgte aus dem Willen des Nationalsozialismus zu einer neuen und größeren Universitas heraus. Die neue Stu- dienordnung setzt diese Linie fort und fügt nun auch das landwirtschaftliche Studium aufs engste in den Wirkungsbereich der Universität ein.
Mit der Neuregelung ist die Landwirtschaftswissenschaft aus der Gewerbe- und Erwerbsatmv- sphäre ^ausgenommen und in eine politische Auffassung hineingefügt worden, die ihre Aufgbe darin sieht, w i e der deutsche Lebensraum am besten genutzt wird, um unserem Volke die Gesunderhaltung und das Bauerntum zu gewährleisten. Der künftige Landwirt soll aus seinem Wirkungsbereich heraus die G e \ a m 13 u \ a.m - menhänge sehen und von hier aus seine Einstellung finden. b-
In der neuen Studienordnung heißt es: Eine nationalsozialistische Landwirtschaftswissenschaft muß von den großen volkspolitischen Aufgaben des Bauern und Landwirts ausgehen und von dorther die landbautechnischen und betriebswirtschaftlichen Fragen sehen und lösen. Wer künftig Landwirtschaft studiert, soll daher mit einem g e - biegenen sachlichen Wissen unb Hand- merklichen Können auch bie tiefere Einsicht in bie überragenben bevölkerungs-, fultur- unb wirtschaftspolitischen Aufgaben des Nährstanbes vermittelt erhalten. Es gilt nicht mehr wie bisher lebiglich wirtschaftliche Fähigkeiten zu entwickeln, fonbern durch ein verbreitertes Stubium einen neuen Menschen zu erziehen, ber eine stärkere Bin- bung unb Verantwortlichkeit gegenüber bem Volks- ganzen besitzt.
Es wirb ein fester Stubienplan aufgestellt. Der Besuch ber Haupt- unb Sondervor- lesungen ist jebem Stubenten völlig freigestellt. Pflichtvorlesungen gibt es nicht mehr. Entscheidend ist nur bie Leistung in ber Prüfung. Zum Stubium ber völkisch-politischen Grunblage unb ber Wirtschaftswissenschaften sinb bie gleichlaufenden Vorlesungen zu besuchen, bie sich in ben Richtlinien für bas Stubium ber Wirtschaftswissenschaft finben. Der Aufbau bes Studiums sieht sechs Halbjahre vor. Grundsätzlich ist neu hinzugekommen, baß nur ber bie Prüfung ablegen kann, ber bauernfähig im Sinne bes Reichserbhofgesetzes ist. Außerbem ist bie Möglichkeit geschaffen worben, baß befonbers tüchtige Leute, bie nicht bas 21 b i t u r i u m haben, auf Grunb befonberer Leistungen zum vollberechtigten Stubium zugelassen werben können.
Das ZReid) 6 treffen
der deutschen Diplom-Landwirte.
In ber Reichsbauernstadt Goslar eröffnete Ministerialrat Dr. Kummer ben Schulungslehrgang ber beutfdjen Diplomlanb- wirte, ben dieser anläßlich bes Reichstreffens 1935 veranstaltet. Er wies auf ben Sinn biefer Arbeitstagung hin unb gab ber Hoffnung Ausbruck, baß sie bazu beitrage, bem Berufsstand ben tämpferi- scheu Geist zu erhalten, bamit bie beutschen Diplom- lanbwirte nach bem Willen ihres Führers, bes Reichsführers SS., Diplomlanbwirt Himmler, als ein Regiment in ber Armee ber beutschen Bauern jeberzeit rückhaltlos für bie Idee von Blut unb B 0 ben einsatzbereit bleiben. Es gelte, nicht allein fachliche Schulung für Diplomlandwirte zu erzielen, sondern die Voraussetzung für die Entwicklung des Endzieles aller Wirtschaft zunächst durch immer tiefere Durchdringung unserer Tagesarbeit mit nationalsozialistischem Gedankengut zu sichern.
Im 1. Abschnitt des Schulungslehrganges, ber zugleich Jahresversammlung der Reichsfachgruppen Industrie", „Pflanzenbau unb -zücht", „Praxis" und „Landwirtschaftliche Sachverständige" des Reichsbundes Deutscher Diplomlandwirte war,.berichtete Reichsabteilungsleiter Walter Ahrens vom Reichsnährstand über „D i e Ordnung des Marktes zur Sicherung der Ernäh-


