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ben hat, müßte zwangsläufig England vor die Ent­scheidung stellen, zu dulden, daß Abessiniens Klage in Genf kein Gehör fände und das Ansehen des Völkerbundes damit einen neuen, vielleicht tödlichen Stoß erhielte oder dem italienischen Imperialismus in den Arm zu fallen und damit Italien, dessen Begeisterung für die Genfer Institution niemals überwältigend war, zum Verlassen des Völkerbun­des Anlaß zu geben, womit dann von den Groß­mächten England und Frankreich mit dem bolsche­wistischen Rußland allein in Genf bleiben würden. Gewiß kein sehr reizvolles Bild für einen britischen Außenminister. Aber' wenn auch Eden in Rom, beschwingt von dieser Sorge, mit Engelszungen geredet haben mag und wenn auch offenbar auf britisches Zureden hin aus Addis Abeba Nachrich­ten von der Bereitwilligkeit des Kaisers zu sehr weitgehenden wirtschaftlichen Zugeständnissen ka­men, so scheint der Duce doch hartnäckig auf einer radikalen Operation dieser eiternden Wunde am Körper des italienischen Kolonialreichs bestanden zu haben. Ob die Errichtung eines italienischen Protektorats über Abessinien ähnlich dem französi­schen über Marokko den Vorstellungen Mussolinis entspricht, ist noch nicht ganz deutlich geworden. Jedenfalls steht hier die englische Politik vor einer ungeheuer schwierigen Aufgabe, die vielfach in die verzwickten europäischen Dinge hineinspielt. Inter­essen und Freundschaften liegen keineswegs sauber -"Zeordnet nebeneinander, sie überschneiden sich viel­fach und die britischen Staatsmänner werden sehr behutsam sein müssen beim Entwirren der Knoten und Knüpfen der Fäden, damit aus vielen Einzel­maschen das große Netz einer dauerhaften Frie­denssicherung sich über Europa spannen kann, das wie jeder ehrliche Friedensfreund nicht zuletzt Deutschland dringend wünschen muß.

Wozu ist Abessinien bereit?

Eine Unterredung mit dem Kaiser.

'.London, 29. Juni. (DNB. Funkspruch.) In einer Unterredung mit einem Sonderberichterstatter desNews Chronicle" erklärte der Kaiser von Abessinien u. a., wenn es zu einem Krieg komme, werde er. seine Truppen selb st an­führen. Auf d'ie Frage, ob er wirklich an einen Krieg glaube, antwortete er, er vertraue immer noch darauf, daß der Völkerbund und die Großmächte den Krieg verhindern könnten. England und Frankreich hätten hilfreiche Bemühungen für eine friedliche Regelung des Streitfalles gemacht. Die Mitteilung, dag Eng­land wirtschaftliche Zugeständnisse Abessiniens an Italien vorgeschla­gen habe, sei nur ein Pressebericht. Ita­lien habe niemals irgendeine Forde­rung nach wirtschaftlichen oder gebietsmäßigen Zugeständnissen vorgebracht. Abessinien g e - währe rein wirtschaftliche Konzessio­nen nur an Privatleute oder Firmen, nicht aber an Regierungen. Die italienischen Staats­angehörigen würden wie bisher auf der Grundlage vollkommener Gleichberechtigung mit den anderen Ausländern behandelt werden. Der Kaiser .rklärte ferner, daß neutrale Ausländer im Kriegsfall nicht das Land zu ver­lassen brauchten, da die abessinische Regie­rung für ihre Sicherheit sorgen werde. Abessinien habe bei keinem Lande und bei keiner Gruppe um finanzielle Unter st ützung n a ch g e s u ch t oder eine solche angeboten erhal­ten. Abessinien suche außerdem keine Vergröße­rung seines Gebietes, z. B. einen Zugang zum Roten Meer.

Die abessinische Regierung lenkt die Aufmerksam­keit auf die fortgesetzte Entsendung ita­lienischer Truppen, die weit über alle möglichen Erfordernisse für die Verteidigung der italienischen Kolonien hinausgingen. Abessinien habe keinen Schritt zur Mobilmachung getan. Es habe förmlich erklärt, daß, wenn der Spruch der Schiedsrichter gegen Abessinien aus­falle, Italien volle Genugtuung erhalten werde. Der Kaiser habe den Völkerbund ersucht, neutrale Beobachter zu entsenden, um die tatsächliche Lage im Lande festzustellen. Das Vorhandensein von Sklaverei werde nicht geleugnet. Es werde aber Nachdruck auf die F o r t- schritte gelegt,' die in Richtung auf Befreiung der Sklaven, Schaffung von Schulen und anderen Reformen gemacht worden seien.

Japans Führungsanspruch in Osiasien.

Forderungen des japanischen Heeres.

Tokio, 28. Juni. (DNB.) Die japanische Kwantungarmee hat eine Erklärung ver­öffentlicht, die sich auf die Grundlagen der japa­nischen Politik gegenüber China bezieht. In der Erklärung werden folgende Forderungen an das japanische Außenamt gestellt: Japan soll bei der Zusammenarbeit von Japan, Mundschukuo und China die verantwortliche Führung übernehmen. China soll die ausländi­schen Einflüsse beseitigen und anerken­nen, daß Japan China vor einer Aufteilung geret­tet hat. Die Regierung Tschiangkaischek und die Kuomintang sein zu einer Politik der Verständigung mit Japan unfähig und daher lon Japan abzulehnen. Im Fernen Osten müsse eine grundsätzliche Neuorientierung unter der Lo­sungDer Orient für die Orientalen" verlangt werden. Auch Sowjetrußland müsse Japans Führung im Fernen Osten anerkennen und seine Politik darauf abstellen. Zunächst wird von Japan in N o r d ch i n a die po­litische Führung gefordert bei völliger Unab­hängigkeit von Nanking.

Der Sprecher des japanischen Außenamtes er­klärte, daß er sich bei den Forderungen der Kwan­tungarmee, daß es sich bei diesem lediglich um eine grundsätzliche Darlegung der Haltung der Kwan­tungarmee handele. Das japanische Kriegsministe­rium erklärte, daß es sich um Forderungen des ganzen japanischen Heeres handele, das geschlossen hinter ihnen stehe. Nordckina müsse für das ganze übrige China den Ausschlag geben bei der Zusammenarbeit von Javan, Mandschukuo und China. Solange ober Tschiangkaischek seine Doppelpolitik betreibe, sei an einen Erfolg nicht zu denken.

Mißglückter Handstreich auf peiping.

Peiping, 28. Juni. (DNB.) Am Donnerstag machten etwa 200 Soldaten, die früher in der Pro­vinz Hupei lagen und dem 5. Armeekorps angehör­ten, einen Hand ft reich auf das Peipinger Stadttor Pungsing. Vorher hatten sie die Eisenbahnstation Fengtai der Linie Peiping-Tiensm besetzt. Die Japaner verhängten sofort über Pei»

Wirtschasiliche Wiederbelebung ist nur in einem entspannten Europa möglich." Dämmernde Erkenntnis in Frankreich. - Demokratie und Autorität, die pole der inner- politischen Linie Lavals. - Die Militär-Zusatzkredite zurückgestellt.

Parlamentsferien.

Der Senat verweigert Nachtarbeit.

Paris, 29. Juni. (DNB.) Die Nachtsitzung der Kammer hat einen unvorhergesehenen Verlaus genommen. Zunächst behauptete der sozialistische Abgeordnete Ramadier, das Wettrüsten habe wieder begonnen und es sei zu befürchten, daß die Verabschiedung der Militärzu­satzkredite die laufenden diplomatischen Verhandlungen beeinträchtigen könne. Ueberdies müsse man sich fragert, ob diese Kredite überhaupt nützlich und zweckentsprechend verwendet würden. Es müsse für eine entsprechende Beauf­sichtigung der Rüstungsindustrie, an die Auftrage vergeben würden, gesorgt werden, damit nicht von irgendeiner beteiligten Seite skan­dalöse Gewinne erzielt würden.

Kurz darauf erklärte Ministerpräsident Laval, es seien noch mehrere dringliche Ge­setzesvorlagen zu verabschieden, die erledigt werden müßten, damit die Regierung im Rahmen der ihr zuerkannten Vollmachten ihre Aufgaben erfüllen könne. Um die Verabschiedung dieser Gesetze zu ermöglichen, ziehe er die Vorlage über die Militärzusatzkredite zurück. Der Beschluß ist darauf zurückzuführen, daß im Senat Senator Caillaux als Vorsitzender des Finanzausschusses sich entschieden gewei­gert haben soll- in einer so späten Nacht­sitzung über eine so wichtige Angelegenheit wie die Zusatzkredite für die Landesverteidigung zu be­raten. Dadurch sei dem Ministerpräsidenten nichts anderes übrig geblieben, als die Aussprache vor­läufig abzublasen.

Ministerpräsident Laval

erklärte, daß die Regierung die Militärzusatzkredit­vorlags nicht etwa zurückziehe, sondern nur auf ihre dringliche Beratung verzichte, da ihr zeitlich nicht die Möglichkeit gegeben sei, sie noch im Laufe der Nacht im Senat durchzubringen. Die Sicherheit Frankreichs werde hierdurch nicht beein­trächtigt, da die Regierung auf Grund des Ermäch­tigungsgesetzes und eines Gesetzes von 1929 alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen könne. Die Regierung besitze die Vollmacht, für Lan­desverteidigungszwecke aus eigener Initiative her­aus Ausgaben einzusetzen, die e r st n a ch t r ä g l i ch der Genehmigung des Parlaments unterliegen.

Laval wies daraufhin, daß die Regierung eine große Aufgabe zu erfüllen habe. Sie werde alles tun, um ihre Pflicht zu erfüllen. Aber sie habe das Recht, hierbei auf die Unter ft Ützung aller Franzosen zu zählen. Kürzlich hätten sich Kundgebungen ereignet, die den Eindruck er­wecken konnten, daß die bestehenden Einrichtungen bedroht seien.

Die Regierung werde ohne Schwäche d i e Achtung vor den Gesehen alten gegenüber durchsetzen. Die Demokratie könne nur durch Autorität verteidigt werden. Die Regierung sei für die Ordnung verantwortlich. Sie allein habe die Autorität und werde sie nicht in Vergessenheit geraten lassen. Sie werde die freien Einrichtungen und den republikanischen Staat gegen jede Beein­trächtigung schützen und erinnere an den Grundsatz, daß keine Einzelperson und keine Teilgruppe von Bürgern sich die Souveränität anmahen könne.

Das französische Heer habe die vornehme und hohe Ausgabe, die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Ihm gebühre die Anerkennung, die man ihm für seinen Geist der Selbstverleugnung und der Opferbereitschaft schuldig sei. Die notwen­dige Ueberlegenheit der zivilen Gewalt lege aber gegenüber dem Heer Pflichten auf, die die Regie­rung nicht verletzen werde. Die Regierung werde es vor allen Versuchungen und aller propagandistischen Agitation zu schützen wissen. Die politischen Leidenschaften von außen her dürften nicht in die Heeresstellen Einlaß finden. Sie dürften auch nicht in die Kasernen ein­dringen. Die Agitation, über die man sich mit Recht beunruhigte, konnte nur entstehen, im Zeichen der K r i s e n - M i ß st i m m u n g. Die Regierung werde das Hebel an seiner Wurzel fassen und von den ausgegebenen Vollmachten reiflich Gebrauch machen, um die Finanzen zu ordnen und für eine wirtschaftliche Wiederbelebung sorgen.

Aber diese Wiederbelebung sei nur möglich im entspannten Europa. Die Regierung werde nach außen eine Politik der Ver- ständigung und der Versöhnung betreiben. Sie werde die Achtung der Rechte Frankreichs gewährleisten und den Frieden

durch die kollektive Organisierung der Sicherheit festigen.

Die Regierung werde für das Wohl des Landes arbeiten. Das Land täuschen, hieße, an ihr Verrat üben! Es habe ein Recht auf Wahrheit und fei auch bereit, diese Wahrheit, so ernst sie auch sein mag, zu hören. Die Regierung fordere daher von der Kammer, dem Lande diese Wahrheit zu sagen, wie die Regierung es selbst tun werde. Opfer seien die notwendige Vorbedingung und die Bürgschaft für das Wohl des Landes. Laval verlas darauf um 4 Uhr das Schlußdekret, worauf Kammer und Senat in die Ferien gingen.

Die Fenerkreuzler.

Oberst de la Roque über die Ziele seiner Bewegung.

Paris, 28.Juni. (DNB.) Oberst de la Ro- q u e, der Vorsitzende der Frontkämpfervereini­gung Feuerkreuz, hat einem Mitarbeiter desPe­tit Journal" Aufschluß über die Ziele seiner Be­wegung gegeben. Er stellte fest, daß die Bewegung von Monat zu Monat anwachse. Im Fe­bruar v. I. habe sie 30 000 Mitglieder gezählt, ge­genwärtig seien es mehr als 320 000, die vielen nichteingeschriebenen Freunde und Gönner gar nicht zu rechnen. Er wolle die Vereinigung erst neu ordnen, de la Roque bestritt, daß er und seine Leute es auf die Erregung der Geister abgesehen hätten. Die Agitation komme vielmehr von links. Er gebe zu, daß seine Vereinigung für alle Fälle alarmbereit stehe; denn bei dem Feh-len jeder Reaierungsautoritat könnten schlimme Ereignisie eintreten. Im übrigen aber wolle er nur d i e Ruhe und entschlos­sene Kraft bekunden.Wir werden", erklärte der Feuerkreuzführer,nur die rote Revo­lution angreife n". Oberst t)e la Roque möchte nicht von einer Machtergreifung als seinem Ziel sprechen. Es werde aber offensichtlich bald der Tag kommen, an dem man gewisse Ideen zur Geltung bringen könne. Wenn diese Ideen eines Tages die Türen der Regierungsgewalt einrennen würden, dann sei er bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Er scheue sie nicht. Wenn die Feuerkreuzler wieder Ordnung schaffen sollten, dann werde er selber diese Ordnung gegen selbst- süchttge Umtriebe sicherstellen.

ping den Belagerungszustand. Der Peipin­ger Ordnungspolizei und den Truppen des Gene­rals Wanfulin gelang es in kurzer Zeit, die Meu­terei zu unterdrücken. Die Besatzung eines Panzer­wagens der Aufständischen wurde teilweise gefan­gen genommen, teilweise entkam sie in nordwest­licher Richtung, Der mißglückte Handstreich kostete die etwa 300 Mann zählenden Angreifer 30 Tote, zahlreiche Verwundete und Gefangene, von denen der größere Teil Uniform trägt. Die Hintergründe des Handstreichs hat man bisher noch nicht aufklären können. Viel verbreitet ist jedoch die Behauptung, daß es sich um eine Aktion von Separati­sten handelt und der sogenannte graue General Shihyusan oder der frühere Sekretär des Marschalls Wupeifu, Paichienwu, ihre Hand im Spiele haben.

In Peiping verbreitete sich das Gerücht, daß sich etwa 30 0 Meuterer in Zivil in d i e Stadt eingeschlichen hätten. Diese Mittei­lung soll angeblich von den Gefangenen gemacht worden sein. Daraufhin wurde in der Nacht zum Samstag erneut der Belagerungszustand über Peiping verhängt. Der Eisenbahnver­kehr auf der Strecke PeipingTientsin wurde nach Beseitigung aller Zerstörungen wieder aus­genommen.

Der japanische General D o i h a r a erklärte, daß Japan an der Meuterei der Hopei-Truppen völ­lig uninteressiert sei, diese Zwischenfälle an sich jedoch sehr bedauere. Doihara stellte alle Ge­rüchte über die beabsichtigte Bildung eines autonomen Staates in Nordchina sowie das Heranziehen japanischer Truppen zur Aufrechter­haltung der Ordnung in Abrede.

Für eine europäische Solidarität.

Der Arbeitsausschuß deutscher Verbände zum Jahrestag von Versailles.

Der Arbeitsausschuß deutscher Ver­bände veröffentlicht zum Jahrestag von Versailles einen von seinem Präsidenten Gouverneur' a. D. Dr. Schnee und dem geschäftsführenden Vizeprä-- sidenten Dr. h. c. Draeger unterzeichneten Auf­ruf, in dem es u. a. heißt:

Am 28. Juni vor 16 Jahren wurde das deutsche Volk gezwungen, einen Friedensvertrag zu unterzeichnen, der eine Grundlage für einen auf­bauenden Frieden nicht bilden konnte. Die Sieger waren nicht imstande, gesunde Grund­lagen für dasZusammenlebender Völ­kerzuschaffen, Grundlagen, die der ungeheuer­lichen Blutopfer würdig gewesen wären, die der Weltkrieg vier Jahre lang allen Völkern auferlegt hatte. Der so laut verkündete Gedanke eines Rechtsfriedens wurde in fein Gegen­teil verkehrt. Der Gedanke des S e l b st b e - stimmungsrechtes der Völker wurde ver­zerrt. Wirtschaftlich widersinnige Tri­butzahlungen ruinierten nicht nur die Volks­wirtschaften, denen sie erpreßt wurden, sie erschüt­terten auch das Gefüge der gesamten Weltwirtschaft. Die Lüge daß Deutschland der Urheber des Weltkrieges gewesen sei, wurde zur moralischen Grundlage des sogenannten Friedensoertrages gemacht.

Das deutsche Volk hat sich innerlich be­freit, indem es seine innere Schwäche und Un­einigkeit überwand. Es hat im Bewußtsein seines guten Rechtes aus eigener Machtvollkom­menheit das Gesetz von Versailles, die künstliche Scheidung von Siegern und Besiegten, von Hochge­rüsteten- und Wehrlosen durchbrochen und seine Wehrhoheit wiederhergestellt. Unzweideutig hat der Führer und Reichs­kanzler kundgetan, daß dem deutschen Volke das Heer nicht aum Angriff und zur Unterjochung und Eroberung dienen soll, sondern lediglich zur Auf- rechteryaltung des Friedens, als Grund­

lage einer Friedenspolitik, die aus weltanschaulichen Gründen den Krieg ablehnt.

Die Friedensoerträge von 1919 haben Europa ge­schwächt, weil sie keine Ordnung für Europa schufen. Wenn die Umwelt erkennt, daß das deutsche Volk aus sich heraus die Voraussetzun­gen für einen wahren Frieden gebildet hat, kann sie dazu übergehen, an Stelle von Versailles zu setzen die europäische Solidarität.

Reichs- und Gauleitertagung in München.

Berlin, 29. Juni (DNB.) Am Freitag fand im Münchener Rathaus unter dem Vorsitz des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley und in Anwe­senheit mehrerer Reichsleiter eine Tagung der Gauleiter der NSDAP, statt. Dr. Ley machte Mitteilungen über die Organisation und Durchführung des Reichsparteitages. Die für den 4. Juli in der Berliner Krolloper in Aus­sicht genommene Konstituierung des

Reicharbeits- und W i r t s ch a f t s r a t s wurde verschoben und wird im Rahmen des Reichsparteitages stattfinden.

Die Tagung befaßte sich anschließend mit den ak­tuellen Problemen, die sich aus der Führungs­aufgabe der Partei ergeben.

Um 17 Uhr trafen die R e i ch s l e i t e r der Par­tei im Braunen Haus zu einer Tagung zusammen, die namens des Stellvertreters des Führers von Reichsschatzmeister Schwarz eröffnet und geleitet wurde.

Die Ergebnisse der Gauleitertaaung wurden zu­sammengefaßt und ausgewertet, sowie eine Reihe wichtiger Einzelfragen des Verhältnisses zwischen Partei und Staatsapparat eingehend behandelt. Die Aussprache über die politischen, organisatorischen und weltanschaulichen Aufgaben war von grund­sätzlicher Bedeutung für die gesamte Arbeit der Partei. An den Führer und Stellvertreter des Füh­rers, die an der Teilnahme verhindert waren, wur­den Begrüßungstelegramme gesandt. Der Abend versammelte das Führerkorps der Partei zu einem kameradschaftlichen Beisammensein.

Neugestaltung des Studiums der Landwirtschaft.

Berlin, 28. Juni (DNB.) Anläßlich des Reichs­treffens der deutschen Diplomlandwirte hat Reichs­minister Rust die neue Studienordnung für das künftige landwirtschaftliche Studium verkündet. Bereits am Ende vorigen Jahres hat Reichsminister Rust durch die Ein­gliederung der beiden preußischen bisher selb­ständigen landwirtschaftlichen Hoch­schulen Berlin und Bonn-Poppels- dorf in b i e t Universitäten Berlin und Bonn die neue Linie des landwirtschaft­lichen Hochschulwesens vorgezeichnet. Diese orga­nisatorische Maßnahme erfolgte aus dem Willen des Nationalsozialismus zu einer neuen und grö­ßeren Universitas heraus. Die neue Stu- dienordnung setzt diese Linie fort und fügt nun auch das landwirtschaftliche Studium aufs engste in den Wirkungsbereich der Universität ein.

Mit der Neuregelung ist die Landwirtschafts­wissenschaft aus der Gewerbe- und Erwerbsatmv- sphäre ^ausgenommen und in eine politische Auf­fassung hineingefügt worden, die ihre Aufgbe darin sieht, w i e der deutsche Lebensraum am besten genutzt wird, um unserem Volke die Gesunderhaltung und das Bauerntum zu gewähr­leisten. Der künftige Landwirt soll aus seinem Wirkungsbereich heraus die G e \ a m 13 u \ a.m - menhänge sehen und von hier aus seine Ein­stellung finden. b-

In der neuen Studienordnung heißt es: Eine nationalsozialistische Landwirtschaftswissenschaft muß von den großen volkspolitischen Auf­gaben des Bauern und Landwirts ausgehen und von dorther die landbau­technischen und betriebswirtschaft­lichen Fragen sehen und lösen. Wer künftig Landwirtschaft studiert, soll daher mit einem g e - biegenen sachlichen Wissen unb Hand- merklichen Können auch bie tiefere Einsicht in bie überragenben bevölkerungs-, fultur- unb wirtschaftspolitischen Aufgaben des Nährstanbes vermittelt erhalten. Es gilt nicht mehr wie bisher lebiglich wirtschaftliche Fähigkeiten zu entwickeln, fonbern durch ein verbreitertes Stubium einen neuen Menschen zu erziehen, ber eine stärkere Bin- bung unb Verantwortlichkeit gegenüber bem Volks- ganzen besitzt.

Es wirb ein fester Stubienplan auf­gestellt. Der Besuch ber Haupt- unb Sondervor- lesungen ist jebem Stubenten völlig freigestellt. Pflichtvorlesungen gibt es nicht mehr. Entscheidend ist nur bie Leistung in ber Prüfung. Zum Stubium ber völkisch-politischen Grunblage unb ber Wirtschaftswissenschaften sinb bie gleich­laufenden Vorlesungen zu besuchen, bie sich in ben Richtlinien für bas Stubium ber Wirtschaftswissen­schaft finben. Der Aufbau bes Studiums sieht sechs Halbjahre vor. Grundsätzlich ist neu hinzugekommen, baß nur ber bie Prüfung ab­legen kann, ber bauernfähig im Sinne bes Reichserbhofgesetzes ist. Außerbem ist bie Möglich­keit geschaffen worben, baß befonbers tüchtige Leute, bie nicht bas 21 b i t u r i u m haben, auf Grunb befonberer Leistungen zum vollberechtigten Stubium zugelassen werben können.

Das ZReid) 6 treffen

der deutschen Diplom-Landwirte.

In ber Reichsbauernstadt Goslar eröffnete Ministerialrat Dr. Kummer ben Schulungs­lehrgang ber beutfdjen Diplomlanb- wirte, ben dieser anläßlich bes Reichstreffens 1935 veranstaltet. Er wies auf ben Sinn biefer Arbeits­tagung hin unb gab ber Hoffnung Ausbruck, baß sie bazu beitrage, bem Berufsstand ben tämpferi- scheu Geist zu erhalten, bamit bie beutschen Diplom- lanbwirte nach bem Willen ihres Führers, bes Reichsführers SS., Diplomlanbwirt Himmler, als ein Regiment in ber Armee ber beutschen Bauern jeberzeit rückhaltlos für bie Idee von Blut unb B 0 ben einsatzbereit bleiben. Es gelte, nicht allein fachliche Schulung für Diplom­landwirte zu erzielen, sondern die Voraussetzung für die Entwicklung des Endzieles aller Wirtschaft zunächst durch immer tiefere Durchdringung unserer Tagesarbeit mit nationalsozialistischem Gedanken­gut zu sichern.

Im 1. Abschnitt des Schulungslehrganges, ber zugleich Jahresversammlung der Reichsfachgruppen Industrie",Pflanzenbau unb -zücht",Praxis" undLandwirtschaftliche Sachverständige" des Reichsbundes Deutscher Diplomlandwirte war,.be­richtete Reichsabteilungsleiter Walter Ahrens vom Reichsnährstand überD i e Ordnung des Marktes zur Sicherung der Ernäh-