denken wir mit starker innerer Freude an jenes er- hebende nationale Ereignis zurück, das damals allenthalben die Volksgenossen in Gießen gewaltig begeisterte, lieber die Ausbreitung und Vertiefung des Fliegergedankens in Gießen wird weiter in der Schrift ausführlich gesprochen. Dabei wird geschildert, daß neben der Freude an der Motorfliegerei auch der Gedanke des Segelfluges hier schon seit vielen Jahren eine gute Heimstatt besitzt. Dann kann man weiter lesen, aus welch' einfachen Verhältnissen heraus unser Gießener Flughafen entstanden ist. Man sieht dabei im Bild u. a. das bekannte alte kleine Blockhaus des Flugplatzes, in dem die ersten Besprechungen der damals in der Führung des Gießener Luftfahrtoereins tätigen Männer über die Errichtung des Flughafens stattfanden. Wir selbst erinnern uns beim Lesen dieser Zeilen an die mannigfachen Beratungen in diesem kleinen Häuschen, an die große Begeisterung, aber auch an die vielen Sorgen und Schwierigkeiten, mit denen damals die Vorkämpfer der Fliegerei in Gießen bei der Verwirklichung ihres großen Planes zu kämpfen hatten. Vier Männer, Wegbereiter und Förderer des großen Werkes, seien in diesem Zusammenhang vor ollem genannt: Geheimrat Professor Dr. König, Bankdirektor G r i e ß b a u e r, Regierungsrat Schmidt und Oberbürgermeister a. D. Dr. K e l - l e r. Die beiden erstgenannten Herren wirkten übrigens schon seit vielen Jahren vorher in der vordersten Front der Männer, die sich in Gießen zu eifrigen Pionieren der Luftfahrt gemacht hatten. Im Bild sehen wir vor diesem Kleinen Blockhaus auch das bekannte, den Kinder besonders ans Herz gewachsene kleine Gespann des beliebten Flughafen-Esels, der damals auch den erwachsenen Besuchern oft viel Freude bereitet hat. Wir sehen weiter im Bild neben der ausführlichen Schilderung im Wort die Einweihung des Flughafens im Jahre 1925, eine Aufnahme nach dem Jungfernflug des damaligen Flugzeugs „Gießen", dann aus der Frühzeit des Flughafens das alte Kaffeehäuschen, weiter können wir in Wort und Bild die übrigen bedeutsamen Etappen der Entwicklung des Flughafens verfolgen und dabei auch die hingebungsvolle Arbeit der Segelflieger bemerken. Dann wird man in die Zeit der Errichtung des Flughafengebäudes im Jahre 1927 mit der feierlichen Einweihung des neuen Hauses am 27. September 1927 versetzt. Vielerlei Interessantes wird uns auf den folgenden Seiten über die Entwicklung der Segelfliegerei und des Motorflugs, mit dem Gießener Flughafen als Stützpunkt, in die Erinnerung zurückgerufen, Ereignisse und Manner treten in Wort und Bild wieder vor unsere Augen und lassen rückschauend noch einmal ein eindrucksvolles Bild des durch viel Mühe und Arbeit 3uftanbegefommenen Werkes lebendig werden. Den Abschluß dieses Teils bildet ein zusammengefaßter Bericht über das Werden und Wachsen der SA.-Fliegerei, von der in Gießen der Motorfliegersturm Gießen und der Segelfliegersturm stationiert finb. Bedeutsame Etappen in diesem Aufbauwerk sind u. a. die Flugzeugtaufe und Der Flugtag 1933, der Besuch des Reichsstatthalters Gauleiter Sprenger, im vorigen Jahre die Luftfahrtwerbewoche, der Besuch des damaligen Vizekanzlers P a p e n und das große Fieseler-Flugfest mit dem für unsere Stadt und die weitere Umgegend allezeit denkwürdigen Kunstflug des Weltmeisters F i e f e l e r. Erwähnt sei auch noch, daß unsere Gießener Fliegerin Martha Men- bet in Wort und Bild in gebührender Weise in dieser Geschichte der Gießener Fliegerei ihren Platz gefunden hat.
Das Buch, erschienen im Druck und Verlag von Albin Klein, Gießen, verdient in seiner Gesamt- beit ein aufrichtiges Wort der Anerkennung. Die Schreibweise ist flott und in ollen Teilen lebendig, der Leser wird — zumal es sich um die zusammenfassende Darstellung eines großen Teiles persönlicher Erlebnisse handelt — in hohem Maße gefesselt. Die beigefügten vielen Bilder bringen wertvolle Erinnerungen. Erfreulich ist, daß das Buch, in dem man nunmehr eine geschlossene Geschichte der Gießener Luftfahrt-Arbeit vor sich hat, zu dem durchaus angemessenen und für viele Volksgenossen crschwingbaren Preis von 1 Mark abgegeben wird. Um mit diesem Werk auch der dankenswerten und immer wieder der Förderung würdigen Arbeit der RS. - Volkswohlfahrt eine Stütze zu geben, hat der Führer der Fliegerortsgruppe Gießen 500
WiMchM»«....
Roman von Charlotte prenzel.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).
34 Fortsetzung Nachdruck oerbotenl
Liane wandte sich hastig nach dem Tischgrammophon, das sie sich ins Zimmer hatte bringen lassen. Mit zitternden Fingern zog sie es auf.
„Ja! Legen Sie mir den Schlüssel ins Zimmer. Ich fahre erst morgen früh!"
Liane atmete erleichtert auf.
„Was hast du, Liane? Du bist plötzlich ganz blaß geworden?" fragte Fred, als Betty gegangen war.
„Nichts, nichts!" stieß sie hervor, auf das tiefste erschrocken, daß er ihre Angst bemerken konnte.
Sie setzte hastig die Nadel in Bewegung. Um die Erregung zu bezwingen, machte sie ein paar groteske, übermütige Tanzschritte. Da war er an ihrer Seite, wollte sie in die Arme nehmen und mit ihr tanzen. Sie wehrte ihm lachend, entschlüpfte ihm mit einer jähen Drehung. Er ließ sie nicht aus den Augen.
War das wirklich die kleine Liane, die ihn neckte, die vor ihm davonlief, die mit Blicken kokettierte, deren Lächeln warb?
Endlich hatte er sie erwischt. Er zog sie fest an sich, tanzte mit ihr weiter, lange... Endlos lange, wie es ihnen schien. Immer, wenn die Tanzplatte abgespielt war, setzten sie die Nadel von neuem in Bewegung.
Aus die Dauer fühlte Liane, wie ihr der Atem verging, wie ihr die Sinne zu schwinden drohten. Die Erregung, die in ihr zitterte, ließ sie erschlaffen. Schließlich sank sie erschöpft, ihrer Sinne kaum mächtig, auf ihren Stuhl.
Er beugte sich bestürzt über sie.
„Was hast du, Liane?" fragte er wieder.
Sie lag einige Augenblicke wie leblos in dem Stuhl, fühlte, wie er ihr das Sektglas an Die Lippen drückte. Sie trank es hastig, in durstigen Zügen leer.
Ich darf nicht versagen!, betete sie heiß. Lieber Gott, laß über mich kommen, was fein muß — nur rette ihn vor dieser Frau!
Sie lachte, sprang auf, taumelte ein wenig und fühlte, wie sich seine Arme wieder um sie legten.
„Liane!" klang feine Stimme erregt an ihr Ohr. Sein Antlitz beugte sich zu ihr nieder. Da hoben sich ihre Arme, legten sich um feinen Hals, ihre Lippen boten sich den feinen dar.
Bucher der NSV. kostenlos überlassen, damit durch deren Verkauf für das Werk der NS.'Volkswohlfahrt 500 Mark flüssig gemacht werden können. Dieser Entschluß verdient alle Anerkennung. /
Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang noch, daß es dem Verfasser des Buches, Dr. Karl Rudolf Fischer, und der Leitung der Fliegerortsgruppe Gießen gelungen ist, ein außerordentlich umfangreiches Bildmaterial zu- fammenzutragen, das nur zum kleinen Teil m dem reich illustrierten Buche Aufnahme finden
konnte. Um aber auch die übrigen Bilder den Volksgenossen in Stadt und Land zur .Besichtigung zugänglich zu machen, ist eine Bild-Aus st e l - lung geplant, die voraussichtlich noch Ende dieser Woche in Gießen eröffnet werden soll und alle photographischen Aufnahmen enthalten wird, Die bei Gelegenheit Dieses Werkes zusammei^etragen werden konnten. Auf diese Ausstellung mochten wir hier ebenso empfehlend Hinweisen, wie wir auch das Buch „Gießen und Die Luftfahrt" allen deutschen Volksgenossen in Stadt und Land nur bestens zum Kauf empfehlen können.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Oer Himmelfahrtstag und seine Bräuche.
Am vierzigste» Tag nach Ostern, stets an einem Donnerstag, feiern wir Christi Himmelfahrt, dieses rein christliche Fest, das weder an jüdische, noch an heidnische Feste anknüpft. Bereits ums Jahr 400 ist es sowohl im Morgen-, als auch im Abendland völlig eingebürgert.
Die Kirche feierte schon im Mittelalter Den Tag Der Himmelfahrt Christi durch Prozessionen auf einen Berg oder Hügel, die ursprünglich vielleicht an den Gang Der Jünger auf Den Delberg erinnern sollten. Solche Himmelfahrtsprozefsionen sind noch heute in katholischen Gegenden gana und gäbe. In Schwaben z. B. werden große „Oeschgänge" (Pro- Zessionen) durch Die Gemarkungen veranstaltet, bei Denen viermal angehalten und je ein Stück aus den vier Evangelien oorgelesen und ein Wettersegen gesprochen wird. Auch in Ostdeutschland finden solche Flurumzüge statt, ebenso im Rheinland an den Rogationstagen (Den Drei Tagen vor Himmelfahrt). Am Tag nach Himmelfahrt vollzog sich in Weingarten in Schwaben Der sogenannte „Blutritt". Es ist Dies eine Prozession zu Pferd — die Zahl der Reiter geht in die Hunderte —, Die, von Musik begleitet, unter ständigem Läuten Der mit- geführten heiligen Blutglocke einen Tropfen vom Blute Christi Durch Die Felder geleitet. Schon für das Jahr 1500 ist dieser eindrucksame Reiterumzug bezeugt.
Der Himmelfahrtstag ist jedoch nicht nur der Tag Der frommen Umgänge, auch weltliches Ergötzen kommt zu feinem Recht: in Ostdeutschland machen Die Mädchen gemeinsam einen Gang Durch Die Felder, während in Berlin selbst, alter Sitte gemäß, der Himmelfahrtsausflug zunächst nur für Die Männer üblich war. Heute steilich fliegen an Himmelfahrt Männlein und Weiblein aus, groß und klein. Im Waldeckfchen unternehmen Die Jungen eine Eichhörnchenjagd, im Mansfeldschen wird in Der Umgebung der Dörfer an einem schönen Platz ein Faß Bier aufgelegt (Das bis auf Den letzten Tropfen geleert werden muß) und Der Tag bei luftigem Tanz in einer eigens dazu errichteten Scheune gefeiert; in Reichenbach gingen Die Leute in Die Dörfer „auf Die Semmelmilch". In Ostfriesland, namentlich in Den Gehölzen um Aurich, war eine ausgelassene Frühlingsmorgenfeier Himmelfahrtsbrauch: die Jugend zog in Den Wald und fang Dort Frühlingslieder, eine Anzahl Burschen blies dazu auf Bastflöten oder pfiff auf Blatträndern; zur Kirchzeit zogen die jungen Leute und Die Kinder bann blumengeschmückt wieder in die Stadt zurück. Im Kreis Molsheim zieht man am Tag vor Himmelfahrt auf Die Berge und schmaust Dort gemeinsam unter Musikbegleitung beim Schein lodernder Feuer. Früher wurden Dabei auch allerlei Spiele — Springen, Wettlaufen usw. — getrieben. In Bentheim zieht man am Himmelfahrtsmorgen zum glücfbringenDen „Tautreten" aus.
Eine eigene Sitte finden wir in Aurich: Die des sogenannten „Brautpfads". Kaum graut am Him- melfahrtstag der Morgen, so tauchen aus allen Häusern Frauen, Kinder und junge Mädchen auf und legen behutsam Girlanden zu beiden Seiten des von Tür zu Tür leitenden Fußpfads, Der zu- oor mit weißem Sand bestreut wurde. Grüne Kräuter säumen Den Pfad, Die innere Fläche wird abwechselnd mit blauen und gelben Blumen belegt, namentlich mit Veilchen und Butterblumen. Die Veilchen haben die kleinen Kinder nach der
Schule gepflückt, Die Sumpfdotterblumen Die größeren an schulfreien Nachmittagen, ebenso das grüne Schierlings kraut und Die Schwertlilienblatter, Die nun Den Brautpfad seitlich einfassen und ihn teppich- beetartig in Felder teilen. Bei Sonnenaufgang müssen Die Brautpfade beendet sein, und schlecht geht es Dem, dessen Haus Des lieblichen Fruhlmgs- pfads entbehrt. Die in aller Frühe ausziehende Jugend tut Dem Säumigen allerlei Schabernack an, hängt Gartentore aus, wirft Gartenstuhle in den Brunnen, sa, schleppt Den Bauern Ackergerät, wenn möglich sogar ganze Wagen, aufs Scheunendacn zur Strafe für ihre Langschläferei. Ursprünglich war der Brautpfad — eine uralte Sitte — wohl gedacht als Teppich für Die Füße Der „Pfingst- braut", Der „Maikönigin", an Die mancherlei (Erinnerungen noch vielfach fortleben.
Nicht nur beim ostfriesischen „Brautpfad , auch sonst kommt an Himmelfahrt Der Blume eine besondere Bedeutung zu. So verlangt eine altmärkische Volkssitte, daß die Burschen an Himmelfahrt das Pimpinellenkraut ausgraben und den zum König machen, dem es gelang, der Erde die größte Wurzel zu entreißen. (Die Pimpernelle oder Bimbinell galt übrigens im Mittelalter und auch noch späterhin als treffliches Heilmittel gegen Pest und andere ansteckende Krankheiten.) Den an Himmelfahrt gepflückten Kräutern schrieb man vielerorts eine besondere Heilkraft zu. In Schwaben windet man aus Himmelfahrtsblümchen (Gnaphalium divicum) Kränzlein, die, im Haus aufgehängt, es gegen Blitzschlag schützen; Denn ein Gewitter an Himmelfahrt ist gar nicht so selten, glaubt man doch in vielen Gegenden, das sich an diesem Tage der Himmel stets aufs neue unter Blitz und Donner öffne zur siegreichen Auffahrt Christi. Der Mecklenburger hütet sich, an Himmelfahrt mit dem Bleuel zu klopfen, denn fönst zerstört ihm, soweit Der Bleuel gehört wurde, Gewitterhagel Die Felder. Auch soll man nicht nähen, sonst schlägt Der Blitz ein.
Doch nicht nur der Himmel sendet am Himmelfahrtstag Gefahren, auch das Waffeffr birgt sie: die Flüffe fordern nach dem Glauben Des Volkes an diesem Tag einen Tribut. So die Enz bei Vaihingen einen Laib Brot, ein Schaf und einen Menschen (man soll deshalb an diesem Tay nicht im Fluß baden), der Neckar bei Kirchentellinsfurt bas gleiche und außerdem noch einen Bienenkorb. Ein anderer Aberglaube knüpft an Den in katholischen Kirchen üblichen Brauch an, eine geschnitzte Christusfigur in die Kirchenwölbuna emporzuziehen (um den Andächtigen Die Himmelfahrt Christi zu versinnbildlichen): aus der Richtung, in die Der Heiland Dabei blickt, kommen im folgenden Jahr die meisten Gewitter. Oder: so oft im Dom zu Münster das zum Apostelgang emporgezogene Kreuz knackt, soviel Taler kostet das Jahr hindurch der Malter Roggen. Dieser Brauch der Darstellung der Himmelfahrt, hat sich übrigens auch in Der evangelischen Kirche bis zum Jahr 1540 erhalten, ebenso, wie die lleberroinbung des Satans, bie dadurch veranschaulicht wurde, baß eine den Satan darstellende Strohpuppe aus der Kirchenwölbung ober vom Kirchturm herabgeschleudert wurde, durchge- peitscht und zerrissen. In Hildesheim besteigen bie jungen Mäbchen am Nachmittag ben Kirchturm unb läuten mit allen Glocken. Das Mäbchen, das vom schwingenden Glockenseil am höchsten mit emporgezogen wird, bekommt. den längsten Flachs.
Früher achtete man in vielen Gegenden streng darauf, daß an Himmelfahrt „fliegendes Fleisch", d. i. Geflügel, auf den Tisch kam, ein Brauch, der sich heute mehr ober weniger verloren hat, ebenso.
wie 6k alte, in Elbing (Ostdeutschlanii) bestehende Sitte, an Himmelfahrt Gäste zum Proben be» Märzbiers zu laben, während in Königsberg t. Pr. bie Sitte fortbesteht, im „Kneiphost an Himmel« fahrt ein Bankett abzuhalten, bas sog. „Sdjmea* hier". E-
NSDAP. - Amt für Dolkswohlfahrt.
Ortsgruppe Glehen-Nord. Lebensmittelopferring.
Am Montag unb Dienstag, 3. unb 4. Juni, finbet die Einziehung des Lebensmittelopferringes statt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpakete bereitzuhalten und ben Inhalt auf ben Umhüllungen anzugeben.
Deutsche Arbeitsfront.
NS.-Gemelnfchast „Kraft durch Freude".
Achtung! Dringend! Wichtig! Litt!
Wir erhalten soeben folgenbe Melbungen unserer Gaubienststelle Frankfurt: Für folgenbe Fahrten sinb noch einige Plätze frei:
Fahrt vom 1. bis 12. Juni: Bodensee (Meersburg).
Fahrt vom 3. dis 11. Juni: Nordsee („O c e a n a").
Fahrt vom 6. bis 16. Iuni: Chiemfee.
Anmeldungen hierfür können sofort bis spätestens Freitag, den 31. Mai, auf unserer Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, abgegeben werden.
Line soziale Tat!
Der Betriebsführer des Sägewerks T r o v p in V i l l i n g e n macht mit feiner Belegschaft am 23. Juni die Rheinfahrt der NS.-Gemeinfchaft „Äraft durch Freude" mit. Die Gefamtkosten werden von dem Betriebsführer getragen, i
Die Firma I. B. Noll hat der Belegschaft chres Betriebes in Wiefeck für die gleiche Fahrt pro Person einen namhaften Zuschuß gewährt. Wir danken beiden Betriebsführern auch an dieser Stelle und freuen uns, festzustellen, daß Der Gedanke der Betriebsgemeinschaft immer mehr Platz greift.
LandschastsbundDolkstum undHeimat
Ortsring Gießen.
Morgen früh, 7 Uhr, Abmarsch an der Universitäts-Bibliothek zum Frühgottesdienst auf dem
Go ruhig fließt er nicht immer, -er Rhein . . .
wie's in dem alten Liede heißt. Wenigstens nicht zwischen Kaub und Bingen. Was da los ist, das weiß wohl keiner besser als der Lotse Kimpel aus Kaub. Der kennt die Strecke ganz genau, jeden Stein, jede Untiefe. Da muß man gehörig aufpassen! Na, der Kimpel ist noch immer gut durchgekommen: „Wenn mir an Bord komme, trinke mir erst amol was Heißes, e ordentlich Taß Kathreiner. Der wärmt jzine uff, aber der regt eine nif uff!" Sehr gut gesagt, Küptn Kimpel! Immer" kalt Blut und „a heiß Taß Kathreiner" —,fo geht's besser. Immer und überall nicht i><fr zwischen Kaub und Dingen!
„Liane!" sagte er noch einmal. „Ich habe schlecht an dir gehandelt, und die liebst mich dennoch noch immer?"
„Dennoch, Fred! Dennoch — nur du...!"
„Du hast keine Frage an mich?"
„Keine!"
„Liane! Du mußt den Mann erst richtig kcn- nenlernen, dem du dich schenken willst. Wenn Du dich ihm dann noch schenken willst...", klang eindringlich seine Stimme.
„Ich habe dich lieb!" antwortete sie kaum hörbar. „Was brauche ich von dir zu wissen, als daß ich dich liebe?"
„Kind, du weißt nicht, wem du Vertrauen schenkst!"
„Ich werde nie aufhören, dich zu lieben!"
„Auch wenn an dem Namen, den du trägst, ein Makel hängt?"
„Auch dann!" erwiderte sie, ohne zu zucken.
„Auch wenn ich dir sage..."
Sie wankte plötzlich, sank in sich zusammen.
Er hielt sie fest.
„Was hast Du?" fragte er zum Dritten Male, ängstlicher noch als zuvor.
„Ich habe dich lieb!" flüsterte sie tapfer, barg den Kopf an seiner Brust und fühlte ihr Herz laut und schwer klopfen.
Da zog er sie fest an sich. Seine Lippen suchten die ihren, und alle Sehnsucht, alle Zweifel, alles Verlangen losten sich auf in jubelndes, jauchzendes Glück.
*
Endlos und schleichend schienen die frühen Morgenstunden des nächsten Tages für Ernst zu vergehen.
Er war den ganzen vorherigen Tag nicht von seinem Beobachtungsposten gewichen, und schon hatte er sich, mißgestimmt von der Erfolglosigkeit seiner Aufgabe, nach Hause wenden wollen, als ein Auto an ihm vorbei sauste und vor dem Hause der Frau Kommerzienrat hielt. Deutlich hatte er beobachten können, daß die schone Frau dem Wagen entflieg und ein junges Mädchen ihr folgte.
2n der ersten (Erregung hatte er sich sofort dem Hause zuwenden wollen, doch als er davor stand, war er dbrübergegangen. In dieser späten Stunde würde ihn Kitty nicht empfangen. Mit Gewalt gegen sie vorzugehen, schien ihm nicht rat- fam. In Güte war sicher weit mehr bei ihr zu erreichen. Bis zum nächsten Morgen würde nichts weiter geschehen.
Nun aber schlichen die Stunden dahin. (Er war ftets ein Frühaufsteher; an diesem Tage trieb ihn bie Unruhe noch viel früher als sonst aus dem
Bett. Er hielt das Sßarmi zu Haus, nicht länger aus, umkreiste die Wohnung Kittys in zu^st großen, bald immer kleineren Bogen, und, als die Kirchturmuhr neun Uhr schlug, klingelte er an der Wohnung der Frau Kommerzienrat.
Die Zofe öffnete; ein hübsches, kokettes Ding, das den Besucher kritisch musterte und ihn etwas von oben herab abfertigen wollte.
„Die gnädige Frau empfängt um diese Stunde keine Besuche!" sagte sie schnippisch.
„Ich muß die gnädige Frau in einer Angelegenheit sprechen, die sich unmöglich länger aufschieben läßt! erwiderte Ernst, mit einem Fuß schon in der Wohnung stehend.
„Die gnädige Frau ist noch nicht aufgestanden. Vielleicht kommen Sie später wieder."
„Ich kann ja auch hier warten."
Das Mädchen schloß halb die Tür.
„Nein! Ich darf niemand vorlassen — außer in den Besuchsstunden."
In der letzten Minute kam Ernst ein glücklicher Einfall. Er zog einen Geldschein aus der Tasche, ließ ihn durch die Finger gleiten und sagte bedauernd:
„Dann muß ich wohl wiederkommen."
Die Augen des Mädchens funkelten. Es öffnete wieder die Tür, sagte in plötzlich ganz verändertem, liebenswürdigem Ton:
„Ich werde Sie der gnädigen Frau melden. Treten Sie einstweilen ein."
Sie empfang den Geldschein mit leichtem Neigen des Kopfes.
Ernst trat über die breite Diele in den luxuriösen Salon.
Sie hat es weit gebracht!, ging.es ihm durch den Sinn beim Anblick der prächtigen Gemälde, des wertvollen Porzellans, das in einer prunkvollen Glasoitrine sich den Blicken darbot. Er blieb ge- dankenvoll vor dem Schrank stehen, betrachtete Die feinen Nippfiguren. An einer Gruppe blieb fein Blick hängen. Kolumbine und Pierrot: Kolum- bine schon, das Kleid zierlich gefaßt, mit tänzeln- den Schritten sich drehend, ihr zu Füßen Bajazzo, zusammengesunken. Die Laute im Schoß, ohne sie zu bewegen...
Das ist ihr Fall!, dachte Ernst. Sie vergißt nur, daß der Mann, mit dem sie spielen will, kein tanzender Tor ist.
Er muß geraume Zeit warten. Je länger er in dem Raum saß, desto ruhiger uckd zuver- sichtlicher wurde er.
Endlich kam Kitty. Sie ging mit leichten Schritten auf ihn zu, streckte ihm lächelnd Die Hand entgegen.
„Ah!, der getreue Pylades! Wie freut es mich, Sie endlich einmal wiederzufehen!" sagte sie liebens- würdig.
„Die Freude wäre ganz auf meiner Seite, gnädige Frau, wenn mein Besuch einen anderen Grund hätte."
Sie bedeutete ihn mit der Hand, Platz zu nehmen und fetzte sich ihm gegenüber. Sie tat harmlos:
„Welcher Grund führt sie denn her? Eigentlich läge es an mir, mich bei Ihnen zu bebauten. Haben Sie mir doch fast das Leben gerettet."
Sie lachte.
„Ich wüßte nicht . . ."
Ihr Lachen girrte durch den Raum.
„Mein (Bott! Wenn mich damals der Stuhl getroffen hätte! Wer weiß, ob er nicht meinem armseligen Leben ein Ende gemacht hätte!"
,Kitty, ich möchte ernst mit Ihnen sprechen. Saften Sie allen Scherz beiseite. Es geht um Ihre Tochter!"
"Ah!" machte sie, sich weit in den Sessel zurück- lehnend, mit der Hand die Zigarettendose erfassend. „Rauchen Sie? — Nein? — Haben Sie immer nod) so gute Eigenschaften, Ernst? Wahrhaftig, Sie haben sich nicht ein bißchen verändert!"
„Kitty! Ich fordere das Kind im Namen des Vaters von Ihnen zurück!"
Sie zündete sich umständlich eine Zigarette an.
„Unb wie bachten Sie sich meine (Entgegnung auf biefe Forderung?"
„Sie werben Gerba bem Vater zurückgeben!"
„Ich benke gar nicht daran!"
„So wird Gerda es selbst von Ihnen verlangen!" „Glauben Sie, daß die Mutter es nicht fertig» bringt, ihr Kind zu halten?"
Ihm entfuhr es entsetzt:
„Gerda weiß schon ...?"
Kitty antwortete nicht sofort. Sie blies den Rauch ihrer Zigarette in die Luft, tat hastig ein paar neue Züge, um Zeit zu gewinnen. Sie wußte selbst nicht, was sie antworten sollte. Ach, der ver- gangene Tag war so niederbrückend für sie gewesen. Sie hatte bas Mäbchen Hinhalten, hatte sich mit 'hm mehr befreunben wollen. Aber Gerba war auf nichts eingegangen. Bald ängstlich flehend, bald zornig unb wild hatte sie heim verlangt zu der Großmutter ober nach Frankfurt. Auch zu Liane wollte sie nicht mehr. Viel lieber ging sie
?cm Wickel wie sie Ernst nannte. Ganz Freundin geworden. Wie hatte' Frau Scholz gerade dieser Bekannten den Auftrag geben können, Gerda mit sich zu nehmen.
(Fortsetzung folgt!)


