Ur. 99 Zweiter Statt
Siebener Anzeiger tSeneral-Aazeiger für Gberheiien»
Montag, 29. April I9ZS
vor
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(Kurhesfen) in Kassel (Nassau) in Hanau a. M (Oberhessen) in Gießen (Rheinhessen) in Mainz (Starkenburg) in Darmstadt (Rheinland-Koblenz) in Koblenz (Rheinland-Trier) in Trier (Frankfurt/M.) in Franfurt/M
am Luftschutz interessierten Organisationen aufzunehmen, um auf diese Weise eine einheitliche Zusammenarbeit von vornherein zu erreichen.
Das Gebiet der Landesgruppe wurde in folgende acht Bezirksgruppen unterteilt:
Aber die Strafe kam, ehe die Polizei etnschritt.
In der Zeitung stand es, daß der Mechaniker Ernst Sachs beim Radfahren einen schweren Sturz erlitten hatte.
ÄerZahrestag der Gründung desReichslusischuhbundes
Bezirksgruppe Bezirksgruppe Bezirksgruppe Bezirksgruppe Bezirksgruppe Bezirksgruppe Bezirksgruppe Bezirksgruppe
Aber genau nach fünfzig Jahren war die Draisine wieder aufgetaucht. Ein Franzose, Michaux, hatte sie wieder hervorgeholt und nach der Idee eines Schweinfurters, namens Fischer, mit einem Pedalantrieb versehen.
Er führte dieses Fahrrad auf der Pariser Weltausstellung vor, aber die Leute wollten auch von diesem Fahrzeug nichts wissen. Wenn man damit eine Fahrt machen wollte, mußte man vorher seine Knochen numerieren. Es war ein echter Knochenschüttler, wie es der Volksmund charakteristisch nannte. Und deshalb konnte Michaux, ebenso wie Drais fünftig Jcchre früher, kaum jemanden bewegen, sich seinem Fahrrad anzuvertrauen.
Und da bald darauf die Franzosen und die Deutschen einen Krieg begannen, hatte jeder Wichtigeres zu tun, als sich um den Knochenschüttler zu kümmern.
nicht ganz. Es ging ihm zu schwerfällig und zu umständlich, mußte man doch, wenn man eine abfallende Straße hinunterfuhr, mit seinen Beinen so schnell treten, wie es die Neigung des Weges vorschrieb.
Aber es war schließlich nichts dagegen zu machen.
Vor der Jahrhundertwende siedelte der noch nicht dreißigjährige Mechaniker Ernst Sachs nach der Stadt Schweinfurt über, die sich einmal durch ihre grüne Farbe einen Namen gemacht hatte.
Das war die Stadt, die einmal den Pedalantrieb hervorgebracht hatte.
Der junge Mechaniker hatte hier zwar viel Arbeit, aber soviel Zeit mußte an jedem Tage bleiben, daß er sich etwas dem Radfahrsport hingeben konnte.
Die Stadtväter, die große Sorge hatten, wie sie den wirtschaftlichen Rückgang ihrer Stadt aufhalten konnten, lachten über den eifrigen Radfahrer, der wie ein Windhund durch die Straßen fuhr, und die Polizei warf ein Auge auf ihn.
Denn man konnte sich doch nicht gefallen lassen, daß sich der Neuling der Stadt solche Gewaltfahrten erlaubte
Die Landesgruppe jähtt heute einen Bestand von 495 000 Mitgliedern, 8 Bezirksgruppen. 340 Ortsgruppen und etwa 4000 Gemeindegruppen. In mehr als 180 Ortsgruppen sind Luflschuh- fchulen eingerichtet worden. 1430 Reichslufl- schuhbundtehrkräfte haben über 120 000 Volksgenossen lm Luftschutz ausgebildet. Der Reichs- durchfchnilt der Dachbodenentrümpelung liegt bei 60 v. h.
Der Werbung von Mitgliedern im Bereich der Landesgruppe stehen nicht unerhebliche Schwierigkeiten im Wege Die Bevölkerung in der Großstadt ist eher von der Notwendigkeit des Selbstschutzes zu überzeugen und damit leichter als Mitglied für die Mitarbeit zu gewinnen, als die Volksgenossen auf dem flachen Lande. Hinzukommt, daß im Bereich der Landesgruppe einige Gebiete zu den ausgesprochenen Notstandsgebieten zählen, so die (Eifel, der Hunsrück, das Rhein-, Nahe- und Moselgebiet und andere. Dennoch kann auch hier erfreulicherweise in zunehmendem Maße die Feststellung gemacht werden, daß die Einsicht für die Notwendigkeit des zivilen Luftschutzes sich Bahn bricht. Als nicht zu unterschätzender Werbefaktor ist daneben
Das dachte sich auch der Mechaniker Ernst Sachs aus Konstanz am Bodensee und fing an, sich dem neu aufkommenden Radfahrsport zu widmen.
Er errang nicht nur auf dem Niederrad, sondern auch auf dem Hoch- und Dreirad gute Erfolge und Meisterschaften und hatte sich bald soviel Erfolgsorden und Anerkennungsmedaillen erworben, daß er sie sich zu Dutzenden anstecken konnte.
Aber dennoch behagte ihm das Radfahren noch
Eine der ersten Maßnahmen nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus war die Gründung des Reichsluftschutzbundes durch den Reichsminister der Luftfahrt und General der Flieger Hermann Göring. Aus seinen Erfahrungen als Flieger im Weltkrieg leitete er die Notwendigkeit ab, in weitgehendstem Maße den Selbstschutz der Zivilbevölkerung zu organisieren.
Am 29. April 1933 wurde der Reichsluftschutzbund gegründet. Um die Organisation des zivilen Luftschutzes planmäßig durchführen zu können, wurde zunächst das Reich in 15 Landesgruppen gegliedert, deren Grenzen, abgesehen von vereinzelten Abweichungen, mit denen der Gaue zusammenfallen. In diesem Zuge wurde auch die Landesgruppe Hessen-Rheinland-Süd am 13. Juni 1933 mit dem Sitz der Geschäftsstelle in Frankfurt a M. gebildet.
Auch der 16. März 1935 wird in der Geschichte des Reichsluftfchuhbundes ein Markstein bedeuten. da mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht die Aussicht besteht, daß jene ketten gesprengt werden, die der Versailler Vertrag dem deutschen Volke auferlegt hat. Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages war bekanntlich dem deutschen Volk jede Maßnahme untersagt, die geeignet war. den Gefahren aus der Luft in wirksamer Weise entgegentreten zu können. Mit der Einführung der Wehrpflicht haben daher die Aufgaben des Reichsluftfchuhbundes, die der Landesverteidigung gelten, eine wesentlich höhere Bedeutung erhalten.
Als eine der vordringlichsten Aufgaben betrachtete es die Landesgruppe nach ihrer Gründung, die Verbindung mit der Partei und ihren Gliederungen, ferner mit der Polizei, den Behörden und anderen
Aus den Kindertagen des Fahrrades
Zum 150. Geburtstage des Freiherr« von Drais.
Don Hermann lllbrich-Hannibal.
Die Stadtväter waren beruhigt, und die Polizei war auch beruhigt. Nun würde man ja wohl vor dem radelnden Windhund Ruhe haben.
Aber Ernst Sachs dachte nicht daran, das Radfahren aufzugeben.
Warum habe ich das Unglück gehabt, so sagte er sich; doch nur wegen dieser unvollständigen Fahrräder, bei denen sich die Pedale immer mitdreht, wenn man bergab fährt und gar fein Treten nötig hat.
Und als er sich von seinem Sturz erholt hatte, ging er in seiner Werkstatt an die Arbeit. Er wollte Abhilfe schaffen. Es sollte kein Radfahrer mehr auf diese Art und Weise einen Unfall erleiden
So erfand der Mechaniker Ernst Sachs, der das Radfahren liebte und es wegen feiner Rückständigkeit haßte, Freilauf und Rücktrittbremse und konstruierte ein eigenes Kugellager
Das war eine Sache.
Nun ging das Radfahren viel leichter, und man brauchte, wenn man bergab fuhr, nicht wie ein Verrückter auf die Pedalen zu treten.
Auf einer Fußdrehbank hatte er unter den einfachsten Verhältnissen das Modell seines Kugellagers hergestellt, das später Weltberühmtheit erlangte, den Stadtvätern von Schweinfurt alle Sorgen für die Stadt nahm und durch seine außeroroentlich sinnreiche Zusammenfassung von Antrieb, Freilauf und Rücktrittbremse dem Fahrrad zum Siegeszug verhalf, es zum vollkommenen Volksfahrzeug machte.
Aber heute ist fast vergessen, wie Drais das Laufrad erfand, Michaux den Pedalantrieb einführte, Dunlop mit dem Luftreifen hervorkam und Sachs dem Fahrrad mit dem Freilauf fast ein Perpetuum mobile schenkte
konnte also sozusagen im Sitzen gehen.
Aber die Leute wollten von der Erfindung des Oberforstmeisters nicht viel wissen. Wenn sie sitzen wollten, dann setzten sie sich auf einen Stuhl' in ihrer Wohnung, und wenn sie gehen wollten, dann gingen sie, so wie sie Gott zum Gehen geschaffen hatte, durch die Straßen. Aber zusammen sitzen und gehen, das kam ihnen gar zu närrisch
Und der Mann, der die Draisine ers
Einige Jahre, nachdem die Franzosen und die Deutschen ihren Krieg beendet hatten, kamen von England neue Fahrräoer auf den Markt, und zwar Hochräder und Dreiräder, und sogar mit Stahlspeichen und mit Vollgummireifen.
Das war eine andere Sache; mit solch einem Fahrzeug konnte man es schon eher wagen. Und deshalb gab es bald hier und dort im Lande Anhänger dieser neuen Fortbewegungsart.
Dann kam das Jahr 1885, in welchem der schottische Tierarzt Dunlop die Luftreifen erfand, und dann dauerte es auch nicht mehr lange, daß es Fahrräder mit Luftreifen gab.
Das ging besser als früher mit dem Knochenschüttler. Die Erschütterungen während des Fahrens waren stark beschränkt.
Nun hatte man das Fahrzeug, das man sich wünschte, um sich schneller als auf feinen eigenen Beinen auf der Erde fortzubewegen.
Am 28. April 1785 wurde in Karlsruhe Karl Freiherr Drais v. Sauerbrunn, der Erfinder des Fahrrades, geboren.
Der badische Oberforstmeister von Drais hatte ein zweirädiges Laufrad erfunden, das er nach feinem Namen als „Draisin e" bezeichnete, und führte es im Jahre 1817 zum ersten Male in Mannheim vor.
Das war ein lustiges Fortbewegungsmittel, man fetzte sich auf einen Sattel und strampelte sich dann mit seinen Beinen auf der Erde vorwärts Man
Und der Mann, der die Draisine erfunden hatte, fo dachten sie, mußte wohl nicht ganz richtig sein, er mußte wohl von einer Idee befallen sein, hatte er doch einmal an einer Straßenecke seinen eigenen Landesherrn beinahe im Fahren umgelaufen oder im Gehen umgefahren.
Deshalb geriet die Draisine in Vergessenheit
Or.Goebbels empfing AngelaSalloker.
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Reichspropagandaminister Dr. Goebbels empfing die Filmschauspielerin Angela S a l l o k e r , die in dem Film „Das Mädchen Johanna" die Hauptrolle spielt; daneben Regisseur Gustav Ucicky. vorn die kleine Helga Goebbels.
die Schulung zu nennen. Die theoretische und praktische Ausbildung in der wirksamen Bekämpfung der Gefahren aus der Luft trägt am ehesten mit dazu bei, immer neue Mitglieder dem Bunde zuzuführen und damit auch gleichzeitig den Wehrgeoanken im deutschen Volk zu beleben.
Wenn die Landesgruppe am heutigen Jahrestag ihres zweijährigen Bestehens auf ihre Tätigkeit zurückblickt, fo ist das Erreichte lediglich Ansporn, den bisher beschrittenen Weg planmäßig forkzusetzen, um auch den letzten Volksgenossen als Mitglied und Mitarbeiter zu gewinnen.
So wird an der Schwelle des dritten Jahres des Bestehens des Reichsluftschutzbundes die Landesgruppe weiterhin der unbeugsame Wille beseelen, die vom Führer gestellte Aufgabe restlos zu erfüllen.
Heiratsschwindler nach der Verlobung verhaftet.
Lorsch, 27. April. (LPD.) Der Mjährlge Ml» Helm Schupp aus Darmstadt leistete sich in Lorsch ein tolles Stück von Hochstapelei Obwohl er verheiratet und Vater zweier Kinder ist, gab er sich in einer Bauernfamilie, bei der er seit Wochen logierte, als ledig aus, legte sich einen adligen Namen zu und bezeichnete sich als Ingenieur und Baumeister. Schließlich begann er mit der 19jährigen Tochter des Hauses ein Verhältnis. Am Ostermontag wurde die Verlobung gefeiert. Inzwischen hatte die Polizei Wind von der Sache bekommen und nahm Schupp f e ft, als er sich in der Nacht zur Ruhe begeben wollte. Schupp soll sich bereits an anderen Orten in ähnlicher Weise strafbar gemacht haben.
Die Märchenmuhme.
Zum Tode von Martha Frohwein-Büchner.
Vor einigen Tagen ist Frau Martha Frohwein-Büchner, die bekannte und allseits beliebte Märchendichterin in Ebsdorf bei Marburg einer tückischen Krankheit erlegen. Ihre Vaterstadt war Gießen, wo sie als Tochter des daselbst ebenfalls schriftstellerisch tätig gewesenen Schulrates Friedrich Büchner — sie gehörte der nämlichen Familie an, Der auch der bekannte Dramatiker Georg Büchner entstammte — eine frohe Jugend verlebte, um dann ihrem Gatten, einem Arzte, nach Ebsdorf zu folgen, wo sie, nachdem sie sich im geräumigen Doktorhaus ein romantisches Tuskulum errichtet hatte, bis an ihr Lebensende verblieb. Mit ihr ist der Sonnenschein aus dem Hause, ja aus dem ganzen Dorfe gegangen, und es ist nicht zu viel von ihr gesagt, auch sie sei von Gott begnadet gewesen, „daß noch keine Menschenseele mißvergnügt von ihr roeggegangen sei, wes Standes, Alters und Geschlechts sie auch gewesen sei".
Harmlose Vorgänge, die in ihrem Familienkreise, in dem Sprechzimmer, namentlich aber in der Kinderstube sich ereigneten, gab sie gern in gereimter und humoristischer Weise wieder, statttte fie aber noch mit einer ganzen Fülle von Scherzen und Witzen aus, die ihr von Jugend auf eigen waren. Ste waren ursprünglich nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt und sind fast ohne ihr Zutun als „H e s s e s p ä ß", gereimte Schwänke, unter die Presse geraten. Diese Kinder ihrer heiteren Laune, einer schalkhaften Ironie und eines lebendigen sprühenden Witzes erfreuten sich aber bald einer ungeahnten Beliebtheit, nicht allein im Hessenlande, sondern auch weit darüber hinaus. Das Büchlein hat sich die Herzen aller Leser für alle Zeiten erobert.
Bei ihrem tiefen Verstehen der Kinderwelt und der Natur lag der Heimgegangenen aber die Märchendichtung näher, und sie hat Hervorragendes darin geleistet. Bald wurde sie nicht anders als „die Märchenmuhme" genannt, und unter diesem Namen hat sie auch eine Märchensammlung herausgegeben: „Nebelreich und R o s e n l a n ö" (Elwertsche Verlagsbuchhandlung in Marburg). Aus fast ganz persönlichen Erlebnissen sowie wiederum aus Späßen in Gedichten und Prosa entstand ein weiteres Büchlein, benannt .,D a s Mäuschen und andere s".
Wenn Frau Frohwein-Büchner als Märchendichterin auch keinen Weltruf erlangt hat, so verstand sie es doch trefflich, ihre reichen Gaben auszunutzen und durch ihre gereimten Schwänke
und Märchen in unserem enteren Vaterland Tausenden von Menschen unzählige frohe Stunden zu bereiten. Stolz sah sie drein, wenn die Kinder ihre Puppen und ihr geliebtes Spielzeug, sowie die Gassenjungen ihre Spielplätze und Verstecke fluchtartig verließen, um fie zu hören, sobald der Ruf erscholl: „Die Märchenmuhme ist da und erzählt". Doch auch die Alten lauschten ihr gar gerne, und mancher Gießener wird sich noch mit Freuden der festlichen Veranstaltungen erinnern, in denen die Märchenmuhme mit ihreist kleinen Töchterlein in der Tracht des Ebsdorfer Grundes auf dem Podium erschien und ihre neuen Schwänke und Märchen ootrug, die begeistert ausgenommen wurden. —
Argonnerwakd.
Von Walter persich
Der stille Buchhalter eines Kaufmannshauses, Karl Beuck, der vier Jahre im vordersten Graben lag und nie von seinen Kriegsabenteuern erzählt, hat eine Tagebuchseite hergesucht und mir gegeben.
Der Vormarsch durch die Argonnen war geglückt. Wir hatten uns in den französischen Stellungen festgesetzt. Die Linien blieben verzerrt und unübersichtlich, weil die Gräben oft auf Kilometerlänge völlig zerstört waren und die Mannschaften von Granattrichter zu Granattrichter Notgräben buddelten. Unser Kommando bezog einen Gefechtsunterstand. Das Haus darüber bestand nur noch aus Andeutungen, die Kellerfenster waren zersprungen, und die Treppe lag halbverschüttet. Am Boden stand fußhoch der Wein, den die abziehenden Franzosen einfach hatten auslaufen lassen. Aber ihre gezimmerten Pritschen genügten uns. Halbert, der Berliner Leutnant, der junge Johannsen aus Bremen, Peter aus Hamburg, Hansen, der Holsteiner, und ich, wir hofften, hier etwas Ruhe zu finden. Einer sollte wachen, wenn wir andern schliefen. Unsere Burschen mußten drüben in den Gräben helfen. Gelegentlich feuerten die Feldhaubitzen der Franzmänner, unregelmäßig und nicht sehr aufregend.
Johannsen, als Jüngster, hatte die erste Wache. Er war vierzehn Tage draußen, direkt von der Schule in die Front gerutscht, sehr rosig und neigte dazu, bei Geschoßeinschlägen bleich zu werden. Wird sich gewöhnen, der Junge, dachten wir und schoben ihn als ersten auf Wache an den Eingang, damit er bald vom Dienst erlöst sein würde. Vier Mann schnarchen nach achtundvierzig Stunden Kampf und Marsch. Ich schrecke plötzlich auf, das Geknalle ist draußen heftiger geworden, scheint mir. Quatsch,
die Nacht ist ganz still, habe nur geträumt. Stehe auf. Sitzt der Bengel nicht mehr auf der verschütteten Treppe — draußen finde ich ihn, wie er die Sterne anftiert und vor sich hinredet: „Nimmt es denn gar kein Ende?" Ich buffe ihn freundlich auf seinen Posten zurück und will mir den Mantel über die Knie wickeln, da höre ich Schritte auf dem Dach des Unterstandes. Ein paar Steine rollen. Ich springe auf. Johannsen sitzt, steif vor Schreck, auf der Treppe, und schon kullert vor seine Füße eine feindliche Handgranate
„Alarm!" schreie ich, „Franzosen!" Halbert schläft zu fest, den kann ich nicht wecken, Peter und Hansen springen auch auf und reißen ihre Handgranaten vom Gürtel. Wir andern hatten keine mehr. Wir haben noch Glück diesmal — das Ding, das die uns reinqeroorfen haben, zündet nicht, ich hebe es auf, schmeiße es durch die nächste Lucke wieder raus, drücke Johannsen schnell den Revolver in die Hand:
„Marsch — stelle dich auf die unterste Stufe und knalle, sobald du jemand siehst!"
Er gehorcht, müde, zerschlagen und traurig, wie er ist, wir andern drei springen an die Luken vorsichtig, damit unsere Köpfe nicht zu sehen sind — keine Minute zu früh. Ich bekomme einen Schlag gegen den Kiefer, wanke, halte mich und feuere nach draußen. Peter holt aus und wirft mit rundem Schwung feine eine Handgranate nach oben aufs Dach, zwischen das Geröll — sie platzt, es wird geschrieen Füße trappeln, und die Granate von Hansen folgt auf dieselbe Art — nur bekommt er im selben Augenblick einen Kopfschuß. Was mit mir ist, weiß ich nicht richtig, ich hab" Blut im Mund, zwänge mich aber noch durch die Klappe und feuere ein paar Schüsse ab — die zweite Granate und der Revolver wirken, die Franzosen rennen zurück, was sie können, ein Toter und ein Verwundeter liegen auf dem Unterstand Johannsen ist vollkommen verknackst — zuviel Aufregungen liegen in fünfzig Stunden hinter uns! Er rast mit dem Revolver durch den Unterstand und feuert wie ein Wilder gegen die Wände — nur mit Gewalt können wir ihm die Waffe abnehmen.
Ich habe einen Schuß durch den Kiefer, der hinten am Halse wieder herausgegangen ist und werde ohnmächtig.
Erst im Lazarett zu Godesberg erwache ich.
Wenn meine dreijährige Tochter, die mich kaum kennt, nach ihrem Vater gefragt wird, erzählt sie: „Papa is in Dödesberg . . "
Leutnant Beuck lag vier Jahre draußen Wenn andere groß von ihren Taten berichten, schweigt er. Nur einmal, als man von den Erinnerungen an die Front sprach, sagte er leise: „Manchmal träumt
mir, ich liege im Trommelfeuer und kann nicht raus und sehe ganz genau, wie eine große Granate ranfommt — es gibt nichts Schlimmeres als der Schreck — den man draußen kaum kannte!" — Im übrigen sitzt er acht Stunden pflichttreu in einem Büro an der Buchhaltungsmaschine.
poiizeifluazeug verfolqt Brieftaube.
Als ein Kaufmann aus Braine l'Alleud, bas in der Nähe von Waterloo gelegen ist, kürzlich unter feiner Morgenpost einen Brief fand, in dem ihm der beabsichtigte Raub feines Kindes mitgeteilt wurde, war er zunächst aufs tiefste bestürzt. Dann aber überlas er mit erzwungener Gelassenheit die in dem Brief mitgeteilten Bedingungen zur Vermeidung des Raubes. Es hieß da, der Kaufmann werde im Laufe des Tages durch die Post einen Käfig mit einer Brieftaube erhalten. Wenn er diese Taube mit einem Brief, der fünftausend Franken enthalten mußte, auffteigen lasse, so würden die Erpresser von dem sorgfältig vorbereiteten Kindesraub in letzter Stunde Abstand nehmen. Nun benachrichtigte der Kaufmann unverzüglich die Polizei und überbrachte ihr sofort die Brieftaube, die tatsächlich mit der nächsten Post ankam Man versah die Taube mit einem Antwortschreiben, in dem um Aufschub gebeten wurde, so daß man Zeit gewonnen hätte, auch wenn der Plan der Polizei fehlschlug. Man hatte sich nämlich vorgenommen, die Taube auffteigen und von einem Flugzeug verfolgen zu lassen, das von einem geschickten Piloten gesteuert wurde und einige Polizeibeamte als Passagiere aufnehmen konnte. Der Plan gelang über Erwarten gut. Das Flugzeug verlor die jchnellfliegende Taube nie außer Sicht, und es konnte genau festgestellt werden, daß fie in das Gehöft eines Dorfes nieder« flog. Nach der Landung des Flugzeuges drang die Polizei in das Haus ein und nahm den Besitzer der Taube fest. Als er sah, daß leugnen ihm nichts mehr helfen konnte, gestand er ein, daß ein Mann, der sich im nahen Wald versteckt halte, seine Brieftaube für diesen Streich gemietet hatte. So konnte auch der Erpresser selbst, der der Polizei kein Unbekannter mehr war, in kürzester Zeit festgenommen werden.
Hochschulnachnchien.
Zur stärkeren Betonung rassischer Grundsätze in der Hochschulausbildung des juristischen Nachwuchses hat Reichsminister R u ff dem a<’f(häfts?ührenb?n Direktor des Reichsausschusses für Nosksgesundl'"ifs. dienst, Dr. R u 11 k e, einen 2ehrrmftrap für .Rasse und Recht" im Rahmen der juristischen Fakultät der Universität Berlin erteilt.


