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Hr.99 Erster Blatt

185. Jahrgang

Montag, 29. April 1935

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Englands Luftverteidigung soll überholt werden.

Reorganisation der Flugzeug-Industrie. Vermehrung der Heimatstreitmacht.

Am Donnerstag Rüstungs­aussprache im Unterhaus.

London, 29. April. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" schreibt, die Tatsache, daß England in der Luft in eine Stellung ernster Unter­legenheit gegenüber Deutschland ge­raten sei, habe in ministeriellen Kreisen große Sen­sation hervorgerufen. Das Kabinett werde jetzt ver­schiedene Pläne prüfen, die bestimmt seien, Großbritanniens Luftverteidigung auf eine ge­sunde Grundlage zu stellen. Die schnelle Ver­größerung der deutschen Luftwaffe, die von einer Flotte von zivilen Flugzeugen gestützt werde, die von schnellen Bombenflugzeugen nicht zu unterschei­den seien, habe die Frage akut gemacht. Es werde aber erkannt, daß die wirkliche Stärke der deut­schen Bemühungen in der Luft in der auf nationaler Grundlage beruhenden Organisation der Flugzeug-Industrie liege. Man könne er­warten, daß diese Seite der Angelegenheit die be­sondere Aufmerksamkeit der britischen Re­gierung in Anspruch nehmen werde. Der Nieder­gang der britischen Luftfahrt-Industrie sei zurückzu­führen auf Mangel an Bestellungen von Militärflugzeugen und aus das Fehlen eines natürlichen Jnlandsmarktes für schnelle Zivil-Fernflugzeuge. Hierzu kornrüe noch die Ab­neigung der Regierung gegen Unterstützungen und ferner das dadurch verursachte Bestreben der Luft­verkehrs-Gesellschaften, nur rentable Maschi­nen bauen zu lassen. Dies schließe den Bau von Schnell-Fernflugzeugen mit der Fähigkeit zur Be­förderung großer Lasten aus. Die notwendigen Mehrausgaben würden das britische Luftprojekt vor­aussichtlich aus über 25 Millionen Pfund Sterling bringen.

Die außenpolitische Unterhaus-Aus­sprache am nächsten Donnerstag habe ursprüng­lich den Beschlüssen von Stresa und Genf gelten sollen. Aber die Tatsache, daß Deutschland in der Luft die britische Heimatstreit- mucht bei weitem überflügelt habe, müsse den Charakter der Aussprache wie der Regierungs­erklärung gründlich verändern. Baldwin habe seinerzeit erklärt, daß -England keine Unterlegen­heit in der Luft gegenüber irgendeiner anderen Macht dulden werde, die sich in Reichweite der Küste befinde. Die neue Lage erfordere nicht eine Abänderung der Politik, sondern eine Revision des Programms der nationalen Ver­teidigung. Durch Deutschland sei die Suche nach Sicherheit in Europa durch Vereinbarungen in eine Suche nach anderen Friedens­sicherungen verwandelt worden. Wenn der britische Einfluß genügendes Gewicht in den inter­nationalen Versammlungen haben solle, müsse Großbritannien Gleichheit in der Lust er­reichen. Die Aussprache vom Donnerstag sollte es ganz unzweifelhaft machen, daß Großbritannien entschlossen sei, dafür zu sorgen, daß der Friede, wenn er sich nicht auf einen besseren Weg er­reichen faßt, nicht durch Mangel an Vor­sicht in Gefayr komme.

DerO b s e r v e r" vergleicht die kommende Un­terhaus-Aussprache mit derjenigen vom Frühjahr 1909, als Edward Grey Erklärungen über die veränderte Flottenlage abgab. Das Blatt erwartet von der Regierungdrastische Offenbarun­gen" und schreibt, die militärische Stärke Englands müsse im Hinblick auf die englische Rolle als Friedensgarant wiederhergestellt werden. In jedem früheren Zeitabschnitt der briti­schen Geschichte würde eine Lage wie die heutige völlig undenkbar gewesen sein. Wie eine nationale Regierung es fertiggebracht habe, diesen Dingen bis jetzt tatenlos zuzusehen, sei unvorstellbar. Auch sämtliche übrigen Sonntagsblätter geben dem deutsch-englischen Luftfahrtproblem breitesten Raum. Die Schlußfolgerung ist natürlich die Forde­rung nach schnellster Aufrüstung der britischen Luftstreitkräfte. DieSundcu) Expreß widmet fast ihre gesamte erste Seite diesem Thema und schreibt unter den BalkenüberschriftenDeutsch­lands erstaunliche Luftslotte Gewaltige Ueber- legenheit", daß das britische Kabinett am Montag die Lage überprüfen werde. Man glaube, daß dem Unterhaus am Donnerstag ein neues britifchesLuftrüstungsprogramm vor­gelegt werden würde.

Die Verteidigung des Empire.

Ein gemeinsames Rüstungsprogramm der Dominions-

London, 29. April. (DNB.) Die Ministerpräsi­denten der Dominions sind zum größten Teil zur Teilnahme an den bevorstehenden Jubiläumsfeier­lichkeiten in London einoetroffen. Der Ministerpräsi­dent von Australien, Lyons, weilt bereits seit einigen Wochen in London, wo er die Zeit zu Be­sprechungen über die für Australien lebenswichtigen Fragen der Fleischausfuhr ausgenutzt hat. Der ka­nadische Regierungschef B e n n e t, der Vertreter von Indien Sir Joseph B h o r e und der Minister­präsident von Süd-Rhodesien H u g g i n s weilen ebenfalls bereits in London. Im Laufe der kom­menden Woche werden noch der Ministerpräsident von Neuseeland F o r b e s und der Ministerpräsident von Südafrika General H e r tz o g erwartet. Wirt­schaftsfragen lind Meinungsverschiedenheiten in der Auslegung der in Ottawa getroffenen Abma­chungen werden bei den kommenden Verhandlungen

eine Rolle spielen.Sunday Chronicle" weiß auch von einer bevorstehenden gemeinsamen Sitzung zu berichten, die sich mit den Problemen der britischen Reichsverteidiguna beschäftigen soll. Für diese. Konferenz sei als Arbeitsprogramm vorge­sehen:

1. Eine Vermehrung der Luft st reit- kräfte der Dominions und ein regelmäßiger Austausch von Ofsizieren und Flugzeugführern.

2. Die Anlegung einer Kette von Luft­fahrt st ützpunkten zwischen Großbritannien und Indien, Südafrika und Australien sowie die Errichtung weiterer Flugzeugstützpunkte im Stillen Ozean bis nach Kanada.

3. Eine Verstärkung der australischen Marine.

4. Größere Zuwendungen der Domi­nions für die Unterhaltung der briti- tische Flotte, notfalls eine weitere Flottenauf­rüstung für einen besseren Schutz der Dominions.

5. Die Ausdehnung der Verteidigungsan­lagen von Singapore zum Schutze Austra­liens und Neuseelands und die ständige Unterbrin­gung einer Luftflotte in Singapore.

Außerdem soll das Problem der britischen Aus­wanderung nach den einzelnen Teilen des Im­periums überprüft werden. Die Konferenz soll un­ter dem Vorsitz des Dominion-Ministers Thomas stattfinden.

Einehart«

Mussolini fordert Anspanr

Rom, 28. April. (DNB.) Ganz Italien stand am Sonntag im Zeichen des F e st e s d e r na­tionalen Arbeit. Die Hauptfeiern bestanden in Rom in einem Empfang der Akademie von Italien, bei dem in Gegenwart des Königs Preise für wissenschaftliche und künstlerische Lei st ungen verteilt wurden, und in einer Massenveranstaltung auf der Piazza Venezia, bei der Mussolini Arbeitsauszeichnungen, Verdienstkreuze und an mehrere tausend Arbeiter für ihren Lebensabend Renten verteilte. Bei dieser Gelegenheit hielt Mussolini eine Ansprache, in der er folgendes aus­führte:

Die Unterscheidung, die immer noch zwischen Hand- und Kopfarbeitern gemacht werde, habe aus­schließlich theoretischen Charakter. Der Tag werde kommen, wo die sogenannten intellektuellen Ar­beiter das Bedürfnis verspüren würden, auch ein­mal mit b en Händen zu arbeiten, um mit der Materie Fühlung zu bekommen, die gemeistert werden müsse und die den Reichtum und die Macht bringe. Immer gebe es noch einige klägliche lieber« reste intellektueller Kreise, die dem Leben der Nation fernbleiben, die aber nicht mehr wert seien als der Staub auf dem Schuhzeug eines im Marsch be- sindlichen Giganten, und dieser Gigant sei das ita­lienische Volk. Die Lage habe sich übrigens ge­bessert, die Arbeitslosigkeit sei zurückgegangen und der Horizont könnte sich noch mehr aufhellen, wenn die Politik dieWirtschaft unter stützen würde, wenn in Europa der wahre Friede er st arten würde, der niemand unterdrückt.Ich kenne euch wohl und lese in euren Augen eure intimsten Hoffnungen. Ich weiß, daß ihr kein

Die Donau-Konfei

Vorbesprechungen Italiens mit C

Ungarische Wünsche.

Revision und Wiederaufrüstung.

Rom, 28.April. (DNB.) Am 4. Mai wird in Venedig eine Besprechung zwischen Vertretern Italiens, Oesterreichs und Ungarns stattfinden. Dabei wird Italien durch Staatssekretär Suv ich vertreten sein. Die Aussprache wurde auf Grund der konsultativen Verpflichtung der Dreier­protokolle von Rom, die zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn im März v.J. abgeschlossen worden sind, vereinbart und trägt vorbereitenden Charakter für die Donaukonferenz.

H a v a s schreibt, daß diese Konferenz durch eine Reihe von Fragen notwendig geworden sei, die die ungarische Regierung aus der römi­schen Konferenz auswerten wolle. Ungarn werde wahrscheinlich darauf bestehen, daß der Grundsatz der Revision, der bereits in den Verträgen fest­gelegt ist, unangetastet bleibt und daß jede revisionistische Bewegung nicht ohne weiteres als im Wiederspruch zum Nichteinmischungsvertrag an« gesehen werde. Die ungarische Regierung wünsche außerdem, daß die Minderheitenrechte genau festgelegt würden, damit ein Schritt dieser Minderheiten nicht als eine Verletzung des Nichteinmischungsoertraaes angesehen werden könne.

Die Wiederaufrüstung Ungarns werde von Ungarn in Rom ebenfalls aufgeworfen werden, obgleich das Arbeitsprogramm der Konferenz eine Behandlung dieser Frage nicht vorsehe. Ungarn werde sich jedoch weigern, irgendein Abkommen zu unterzeichnen, bevor es nicht die Gewißheit habe, daß seine M i l i t ä r o o r s ch r i f t e n ab ge­ändert würden. Man halte es sogar nicht für

Oieristzeiiverlängerurig für englische Kriegsflieger.

London, 27. April. (DNB.) Die Beschleuni­gung der englischen Luftaufrüstung hat bereits begonnen. Wie das englische Luftfahrtministe­rium mitteilt, wird einebegrenzte Anzahl" eng­lischer Kriegsflieger über ihre Dien st zeit hinaus für eine Zeitdauer unter den Fahnen zurückbehalten werden. Die amtliche Mittei­lung darüber lautet:

Die Ansprüche aller zur Zeit dienenden Flieger, deren Gesuche auf Verlängerung ihrer Dienstzeit bisher abgelehnt wurden, werden je nach Verdienst einer neuen Prü­fung unterzogen. Der Luftausschuß hat beschlossen, eine begrenzte Anzahl von Fliegern weiter zu verpflichten."

Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß sofort mit der Errichtung eines neuen Kriegsflug- planeszwecks Ausbau der englischen Heirnat- oertetbigung" in Cranfielb in ber Grafschaft Bebforbshire begonnen wirb. Im biesjährigen Haushalt ist eine Summe von 335 000 Pfunb für den Bau eines großen Kriegsflugplatzes bereit« gestellt worben.

Zeit" naht.

nng aller Kräfte Italiens.

bequemes Leben erwartet unb sage euch beshald, daß das Herannahen einer har - ten Zeit sehr nahe ist, die die Anspan­nung aller Kräfte des italienischen Volkes erheischen wird, um jene Ziele zu erreichen, die wir längst klar umrissen haben."

Als Auftakt zum Fest der Arbeit war die neuge­gründete Fliegerstadt G u i b o n i a, benannt nach bem italienischen Fliegerhelben Guibonia, am Samstag von Mussolini eingeweiht worben. Die technischen unb wissenschaftlichen Anlagen biefer Fliegerstadt, in ber auch bie Abteilung f ü r Strotospärenflug ihren Sitz hat, würben vom Regierungschef eingehend besichtigt. Auf bem Hauptplatz ber Stabt, bie in ber Nähe Roms einige Kilometer vor Tivoli liegt unb bereits neben den Verwaltungsgebäuben und den großen technischen Prüfungsanstalten viele Privathäuser zählt, wurde von Mussolini zusammen mit 20 Jungsaschisten der erste Spaten st ich für einen weiteren Neu­bau vorgenommen. Dann folgte die Führung durch die technischen Anlagen, die mit den modernsten Prüfungsinstrumenten für Druck, Widerstandsfähig­keit, Blind- und Höhenflug usw. ausgestattet sind. Neben besten italienischen Apparaten sind hier die modernsten Meß- und andere Instrumente des Flugzeugbaues aus deutschen und franzö­sischen Werken ausgestellt. Mussolini erinnerte an die Entsumpfung und Urbarmachung großer Gebiete und die damit verbundene Gründung von neuen Städten, denen heute eine Neugründung zur Eroberung der Lüfte folge als Beweis für den un­beugsamen Machtwillen des faschistischen Italiens.

eng kunorgi sich an.

»sterreich und Ungarn in Venedig.

unwahrscheinlich, daß die ungarische Regierung eine Art Garantie dafür fordern und Vorschlägen werde, das Nichteinmischungsabkommen nur bedingt zu unterzeichnen. Auf der anderen Seite sei man jedoch der Ansicht, daß der gegenseitige B e i - st a n d s p a k t, der auf dem Arbeitsprogramm der römischen Konferenz steht, ohne besondere Schwie­rigkeiten von Ungarn zusammen mit Oe st erreich und Italien unterzeichnet werde.

po!en dementiert.

Warschau, 29. April (DNB. Funkspruch). Pol­nische Blätter weisen darauf hin, daß Beck und Suvich in Venedig nach französischen Be­hauptungen sich über eine Politik verständigt hätten, die den französisch - sowjetrussischen Verhandlungen über einen gegenseitigen Hilfspakt Schwierigkeiten bereiten solle. Alle Nachrichten in der ausländischen Presse über den angeblichen Inhalt der Unterredung seien freie Erfindung. Man müsse sich erinnern, daß Polen lange vor Frankreich die besten Beziehun­gen zu Italien gehabt habe. Die letzte Unter­redung Becks mit Suvich beweise lediglich das Be­stehen der seit langem guten Beziehungen und eine entsprechende Fühlungnahme zwischen Polen und Italien.

Italien wolle den Rücken gesichert und eine Garantie haben, daß die Donaustaaten und vor allem Oesterreich von keinen Ueberraschungen be­troffen werden, wenn Italien in Afrika beschäftigt sei. Daraus erkläre sich die Annäherung Italiens an Frankreich, die Kleine Entente und die Balkan­entente. Die Haltung Polens gegenüber dem Do- naupaft fei sowohl im Hinblick auf sein Verhält­

nis zu Deutschland als in Rücksicht auf seinen Einfluß auf Ungarn sehr wichtig. Polen stelle sich positiv zur römischen Konferenz und zum Projekt des Donaupaktes ein. Das könne auch nicht anders sein, denn durch ein unabhängiges Oe st erreich führe die einzige bequeme Landverbindung Polens nach Westen, die nicht von Deutschland abgeschnitten werden könne. Die Zusammenkunft in Venedig sei die beste Widerlgeung der Gerüchte über einen polnisch-deut­schen Geheimvertrag.

Öer Negremngsmechstl in Bulgarien.

Von unserem Or. L.-Berichierstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Sofia, April 1935.

Die Bildung des neuen Kabinetts Tofcheff vollzog sich unter Umstünden, wie sie die politische Geschichte Bulgariens noch nicht aufzuweisen hatte. Als der mit der Neubildung der Regierung beauf­tragte ehemalige Gesandte Andrej Toscheff sich am Sonntagvormittag ins Schloß begab, um, wie er der Presse erklärte, dem König sein Mandat zurückzureichen, hatte angesichts der schwie­rigen und völlig unklaren Lage wohl niemand da­mit gerechnet, daß innerhalb von sieben Stunden die neue Regierung Zustandekommen würde. Das gelang nur dank des energischen und beharrlichen Eingreifens des Königs, der kur­zerhand Toscheff zum Ministerpräsidenten ernannte, ihn im Schloß zurückhielt und nun eine Anzahl maßgeblicher Offiziere und Politiker zu sich berief, mit denen er in siebenstündiger ununterbrochener Beratung alle jenen Schwierigkeiten aus dem Wege räumte, die sich am Vortage gezeigt hatten. Diese Schwierigkeiten waren hauptsächlich aus der Be­dingung des zum Wiedereintritts ins Kabinett auf- gesorderten bisherigen Justizminister D i ck o f f ent­standen, der die sofortige Freilassung des vor einigen Tagen verbannten Professor Z a n k o f f s verlangte. Dieser Forderung hatten sich indessen jene Osfizierskreise kategorisch widersetzt, die im zurück- getretenen Kabinett Slateff die erste Geige ge­spielt hatten und deren Vertreter mit Innenminister Oberst Koleff an der Spitze teilweise in die neue Regierung zurückkehren sollten.

Die Tatsache, daß sich unter den drei ins neue Kabinett eingetretenen Offizieren nur ein Ex­ponent der sogenannten Militärliga der Innen­minister Generalmajor A t a n a s s o f befindet, zeigt deutlich, daß der Einfluß dieser politisch inter­essierten und bisher allgewaltigen Offiziersgruppe stark in den Hintergrund gedrängt worden ist. Hier­für spricht vor allem auch das Ausscheiden des bis­herigen Innenministers Koleff, der als einer der aktivsten Vertreter der Militärliga gilt und vom Könige einfach fallen gelassen worden ist. Die Betrauung des bisherigen Befehlshabers der Sofio­ter Garnison, Generalmajors Z a n e f f, mit der Leitung des Kriegsministeriums wurde von der ge­samten Oeffentlichkeit mit Erleichterung ausgenom­men. General Zanefs, ein dem Könige unbedingt er­gebener Offizier, der stets gegen die Einmischung des Heeres in das politische Leben des Landes war, ist ein Garant dafür, daß die Wehrmacht wieder in ihre Schranken verwiesen und in kürzester Zeit in die Kasernen zurückkehren wird. Daß Zaneff energisch gewillt ist, das Land von jenen Erschütterungen zu bewahren, vor denen Professor Zankoff in seinem aufsehenerregenden Briefe warnte, zeigte schon die von ihm befohlene Kundgebung, die sich am Sonn­tagvormittag im Hofe des königlichen Schlosses vor den Auaen einer mehrtausendköpfigen Menge ab­spielte. Zu einem Zeitpunkt, wo die wildesten Ge­rüchte durch die Luft schwirrten und von Putsch- plänen der Militärliga wissen wollten, rückte eine Kompanie Fähnriche mit aufgepflanztem Seitengewehr unter Gesang vor das Palais und brachte, als der wachhabende Offizier dem aus dem Schloß tretenden General Zaneff Meldung erstattet hatte, ein dreifaches Hurra auf den K ö - n i g aus. Dann wurden die Fähnriche in der Schloßwache untergebracht, worauf alle beunruhi­genden Gerüchte rasch verstummten. Wie wenig diese von der Hand zu weisen waren, zeigte die Tatsache, daß sämtliche Truppenkörper der hauptstädtischen Garnison in Alarmzustand gesetzt worden waren. Eine deutliche Warnung für gewisse Abenteurer!

Die neue Regierung, die, wie schon erwähnt, nur dank der Bemühungen des Königs gebildet werden konnte, ist ein Kabinett des rest­losen Vertrauens der Krone. Hierfür spricht auch der Umstand, daß zusammen mit der Bekanntgabe der Ministerliste auch ein Manifest des Kö­nigs erging, das dem bulgarischen Volke eine von diesem selbst gebilligte Verfassung versprach, in der die nationalen Traditionen aus den Be­freiungsjahren wie auch die Ideen des autoritären Kurses verankert werden sollen. Zum ersten Male sprach sich der König in diesem Manifest offen für das am 19. Mai 1934 in Bulgarien errichtete Regime aus und forderte das Volk auf, geschloffen mit ihm am Wiederaufbau der Nation zusammen­zuarbeiten.

Viel bemerkt wird, daß es dem König gelungen ist, Vertreter der drei wichtigsten politischen Strö­mungen des Landes zum Eintritt in die Regierung zu bewegen. Es sind dies der Verkehrsminister Koschucharoff, der als Anhänger der volks­sozialen Zankoff-Bewegung bekannt ist, der Wirtschaftsminister Stoitscho M o s ch a n o f f von der im Vorjahre aufgelöstenDemokratifchen Vereinigung" (Liaptscheff-Richtung) und der Bautenminister I o t o f f, Abgeordneter der Bau­ernpartei im letzten Sobranje. Justizminister Karagiososs, der bisherige Präsident oes