Somstag, 28. Dezember 1955
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Ur. 502 viertes Blatt
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angesichts der Berge von Paketen, die durch das Gießener Postamt gingen, wohl kaum vorstellbar, welche Fülle der Freude die Post für das Weihnachtsfest vermitteln durfte. Die Beamten der Paketpost waren, wenn sie auch überall nur Sekunden verweilen konnten, gerne gesehene Gäste. Ueberall war freundliches Lächeln um ihren Weg. ..
In den Räumen und Hallen unseres Elektrizitätswerkes herrschte eine fast greifbare Stille. Alles war feiertäglich blank und sauber. Aber an einigen Posten standen doch Männer im Dienst, die dafür sorgten, daß sich Lichtstrom- und Kraftzufuhr zur Stadt in genau geregelter Weise vollzogen. yn der Schaltwarte stand stets ein Mann auf dem Posten, beobachtete die zahlreichen Uhren, ihre vibrierenden Zeiger und machte die entsprechenden schriftlichen Aufzeichnungen. Im riesigen Maschinenraum summten Generatoren und Dynamos so gleichmäßig und fein, daß diese Geräusche ast zu einem Bestandteil der herrschenden Stille vurden. Maschinisten standen im Dienst der Beauf- ichtigung der Maschinen.
Mit auf schwerstem Posten arbeiteten aber sicherlich jene Männer im Gaswerk unserer Stadt, die vor den Retorten standen, diese Retorten mit Steinkohlen zu beschicken und die vergaste Kohle als Koks aus dem Feuerloch zu holen und abzulöschen
hatten. Biel Rauch und Kohlenstaub war im Raum, wenig Licht und oft heftiger Feuerschein, glühende Hitze ging von dem rotglühenden Koks aus, der aus den Feuerlöchern geholt wurde Hin und wieder zischte eine hohe weiße Dampfwolke auf, wenn der Koks abgelöscht wurde. Für den zufälligen Besucher war das Retortenhaus fast ein phantastisches, romantisches Erlebnis, für jene aber, die dort im Dienst an der Volksgemeinschaft standen, eine harte
kaum jemand daran denken wird, Ruhe und Ordnung ernsthaft zu gefährden, so sind die Straßen unserer Stadt doch nicht möglich ohne die Aufsicht der Polizei und die Kaserne nicht denkbar ohne den Wachtposten an seinem Schilderhaus.
Es ist sicher eine Pflicht der Dankbarkeit, sich all der Volksgenossen, die während des Heiligen Abends und während der Feiertage Pflichten zu erfüllen hatten, für einige Augenblicke zu erinnern. Können wir alle doch immer nur dann geruhsam und in aller Harmonie Weihnachten feiern, wenn wir das sichere Bewußtsein haben können, daß überall pflichtbewußte Männer auf ihren Posten stehen.
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und wahrhaft wenig feiertägliche Arbeit. Auch die Straßenbahn konnte zum Feste nicht feiern. So hatte also auch der Straßenbahner seinen Dienst, auch wenn er manchmal seinen Wagen ohne Gäste fahren mußte.
Wieder andere Volksgenossen stehen m Bereitschaftsdienst, und zwar die Männer der Städtischen Feuerwache und die Helfer der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz. Für sie hieß es nicht gerade am Heiligen Abend irgendeine angestrengte Arbeit zu leisten, sondern nur: da sein, bereit sein, für den Fall, daß es brennt oder ein Unglück passiert, das raschen hilfreichen Einsatz er-
5)ie Weihnachtsfeiertage sind vorbei! Noch klingen , s> in uns allen nach. Das Fest brachte den freude- , eiüllten Heiligenabend mit seinen Liedern, mit l-chterglanz, mit Geschenken und den strahlenden , Aigen der Kinder; dann aber zwei Feiertage der Besinnlichkeit auf sich selbst, auf die Familie und brr Ruhe für die meisten unserer Mitmenschen.
2)Od) nicht für alle! Unsere Volksgemeinschaft ist x eng ineinander verflochten und unsere Lebenshaltung ist an zu viele äußere Voraussetzungen gebenden, als daß es möglich wäre, Feiertage so zu Malten, daß jeder Volksgenosse vollkommen mit) völlig ungestört daran teilhaben konnte. So brachte denn auch das diesjährige Weihnachtsfest mit) bringt der bevorstehende Neujahrstag vielen ^Volksgenossen Dienst, häufig genug harte Arbeit!
;Das gilt besonders für alle jene, die unmittelbar in Dienst der Volksgemeinschaft stehen: Reichsbahn, last, Elektrizitätswerk, Gaswerk, Straßenbahn, Inlizei, Feuerwehr, Sanitäter vom Roten Kreuz, Aiiniken und Krankenhäuser usw. Ja, auch der I ilchhändler, von dem die Hausfrauen auch an den bilden Festtagen die frische Milch m das Haus gebracht haben wollen, steht in diesem Dienst, der sich fjjr ihn nicht anders gestaltet als an den Werktagen.
'Nicht uninteressant, einmal jene Volksgenossen an itaen Arbeitsstätten zu besuchen, für die der Ferer- tiog nur bedingt Feiertag ist!
’ Zuerst ist wohl die Eisenbahn zu nennen. 2mr Betrieb der Reichsbahn in unserer Stadt (wie sli.bstoerständlich im ganzen Reich) erfuhr m den Zagen des Weihnachtsfestes immer eine besondere Zrnlastungsprobe. Zu manchem Zuge mußte ein Irorjug gefahren werden, der in den Fahrplan em- gsgliedert sein wollte, andere Züge wurden mit oirmehrter Anzahl Wagen gefahren. Damit ist inmer eine erhebliche organisatorische Arbeit Der* .binden. An den Schaltern stauten sich die Rersen- ,bm, die im Kreise ihrer Angehörigen das Werh- nichtsfest begehen wollten und keine noch so weite
Zi unseren Bildern:
'Gruppe oben links: Polizei auf dem Öj.ege zum Dienst in den Straßen. — Darunter: lie Paketpost hatte viel Arbeit mit den Weih- o ichtsvaketen. — Darunter: Auf verantwortungs- ol'llem Posten an der Eisenbahnschranke.
«Gruppe oben rechts: Oben: Der Soldat Hilt Wache, während andere feiern. — Links dar- mter: Bahnhofsvorsteher und Fahrpersonal auch ci i den Weihnachtsfeiertagen im Dienst. — Rechts:
>ch die Straßenbahn kennt keinen Feiertag.
i(3 r u p u e rechts: Links oben: Feuerwehr in (tmhiaer Bereitschaft. Den Aufenthaltsraum schmückt bjr Weihnachtsbaum — Rechts oben: Die Wache btr Sanitätskolonne ist stets einsatzbereit. — Links: Hinten: Schwerster Dienst vor den Retorten des 0-iswerks — Rechts unten: Für Licht und Kraft i.jufote zu den Festtagen auch gesorgt sein An den (Generatoren des Elektrizitätswerkes.
(Ausnahmen: Neuner, Gießener Lnzeiger.^
fordert. Die Mannschaften Städtischen
Feuerwache und der Sanitätskolonne verschönten sich aber den Heiligen Abend und die Feiertage im Dienste dadurch, daß auch sie sich geschmückte Weihnachtsbäumchen in ihre Aufenthaltsräume stellten.
Schließlich muß aber noch zweier Gruppen von Volksgenossen gedacht werden, denen auch das Weihnachtsfest statt freier Stunden Dienst bringt, wie an anderen Tagen auch: der Soldaten und der Polizei! Wenn auch an Weihnachtsfeiertagen
Maschine unter Dampf hält, der Zugführer, der den Zug begleitet und schließlich jene zahlreichen Volksgenossen, die im Dienste der Reichsbahn scheinbar untergeordnete, aber trotzdem nicht weniger wichtige Arbeiten bei jedem Wetter am Zuge, an den einzelnen Wagen, auf dem Bahnkörper, an der Schranke usw. zu leisten haben. Dabei durften alle diese Helfer, die auf den naßkalten zugigen Bahnsteigen oder auf der Strecke ihren Pflichten genügen mußten, nicht daran denken, daß gerade jetzt um diese Stunde am Heiligen Abend zu Hause, im eigenen Heim die Kerzen des Ehristbaumes entzündet wurden und die Kinder Weihnachtslieder sangen...
Es wäre ein schlechter Trost, sagen zu wollen, daß es die Beamten der R e i ch s p o st kaum leichter hatten, als jene der Reichsbahn. Die Post war unter der Hochflut der Pakete, Briefe und Karten wieder auf eine Leistungsprobe gestellt. Wer vor Weihnachten und noch während des. Festes selbst einen Blick in den Betrieb der Post warf, wird icherlich darüber verwundert gewesen fein, daß diese Fülle der Pakete und Postsachen bewältigt werden konnte. Hochbeladene Karren schwankten zwischen Hauptpost und Bahnhof hin und her; ankommende und abzutransportierende Paketmengen mußten gleichermaßen ihren genau vorgeschriebenen Weg gehen. Der ganze Wagenpark der Post mußte in den Dienst der Paketverteilung gestellt werden. Es ist.
Reise scheuten. Die Beamten an der Sperre hatten wahrhaft alle Hände voll zu tun und der Auskunftsbeamte hatte mehr Fragen zu beantworten, als zu jeder anderen Zeit. In den Gepäckabfertigungsstellen herrschte ebenfalls Hochbetrieb.
Auf schwerem Posten standen und stehen immer um solche Zeit die Beamten in den Stellwerken, deren Arbeit bei gesteigertem Verkehr doppelt verantwortungsvoll ist. Bei gespannter Aufmerksamkeit und jener eisernen Ruhe, die allein Sicherheit gewährleisten, vollzog sich die Arbeit. Es wären viele aufzuzählen, die hier im Betrieb der Reichsbahn an Weihnachtsfeiertagen Dienst taten: der Bahnhofsvorsteher, der den Ueberblick behalten muß, der Fahrdienstleiter, der Ankunft und Abfahrt der Züge überwacht, der Lokomo-
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