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nt.227 Drittes vlati

slegener Anzelger (ebenerai=2injeiger sui Vveryessen)

Samstag, 28. September 1935

Aus der Provinzialhauptstadt

Die

Die

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i Fortsetzung

Nachdruck verboten!

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9:44,48

10:04,48

nach Gießen.

Stafette nimmt folgenden Weg: Mitte Trais-Münzenberg ab bis Ausgang Trais-Münzenberg bis Mufchenheim durch Mufchenheim bis Kloster Arnsburg bis Dori-Gill

So ein Hütchen.

Kauft sich der Mann einen Hut, so ist das zuerst nur einmal eine Kopfbedeckung, schlecht und recht etwas, womit er den etwa vorhandenen Geist, den wuchernden Haarschopf, die Scheitellinie seiner Erscheinung oder den zunehmenden Mond behütet: ein Hut mit Charakter und Eigenwert wird die­ses Ding erst, wenn es öfter im Regen gewaschen, vom Sturm zerzaust, in der Sonne gebleicht und zwischen den Händen zerdrückt und geknüllt wurde. Dann hat es allmählich dieFasson" erhalten, nach der esselig" werden kann und die den Wünschen seines Besitzers entspricht. Zu kaufen gibt es so etwas nicht.

Es war Gretel Syden, als drehe sich ihr das Herz im Leibe um. Ihr Bruder, ihr geliebter einziger Bruder litt schwer, und er trug sein Leid verschwiegen, dachte nicht daran, sich ihr anzuver* trauen, damit sie ihm tragen helfen konnte. Und sie hätte es doch so gern, jo Übergern getan.

Leise suchte sie ihr Zimmer auf, ihr Atem ging gar so bang und schwer. Was für ein Erleben hatte der Bruder draußen in seiner Welt gehabt, daß er so heimgekommen?"

Sie trat an eins der breiten Fenster und schaute hinaus in den Park, der sich jetzt ' frühlingsgrün schmückte.

Großmama Jutta rief nach ihr. ihrem Gesicht einen gleichmütigen und folgte dem Rufe.

daran zu setzen, zu gewinnen oder" Er brach wieder ab und sie meinte:Du gewannst letzthin ja oft, es wäre nicht schlimm, wenn du einmal nicht Erster würdest."

Er stieß rauh hervor:Lieber das Genick brechen!"

Sie hob entsetzt die Arme.

Pfui, Hans, dergleichen darfst du nicht sagen. Das ist Sünde."

Er nahm ihren schmalen Kopf in seine beiden Hände und sein kräftig geschnittenes Gesicht mit dem energischen eckigen Kinn schien weicher zu werden im Ausdruck.

Kleine Gretel, Schwesterchen dummes, was weißt denn du von Sünde! Und nun geh, Gretel, ich möchte mich ein bißchen waschen, die Fahrt hierher war staubig."

Sie blickte befremdet.Aber du hast dich doch schon gewaschen, dein Gesicht ist ja noch ganz kühl und feucht und staubig war's wohl kaum, es hat doch zwei Nächte hindurch tüchtig geregnet/

Sie ging zögernd zur Tür, sie merkte nur zu deutlich, der Bruder, der sich sonst immer über jede Minute des Zusammenseins mit ihr gefreut, wollte sie gern los sein.

(9/116) 11.39 Queckborn, 11.50 Grünbery, 11.52 Feier der Gefolgschaft 9 und des Fähnleins 13.

Stafette 5

(M. HI. 116) ab Gießen 10.30 Uhr BannheimLud- wigstraheBismarckstraßeSchiffenberger Weg, (13/116) 10.52 Uhr Hausen, 10.56 Uhr Garbenteich, (16/116) 11.15 Uhr Lich, Feier der Gefolgschaft 16 und Fähnlein 8

11.29 Uhr Langsdorf, Feier Fähnlein 15

(11/116) 11.41 Uhr Hungen, Feier Gefolgschaft 11/116

(12/116) 11.49 Uhr, Inheiden, Feier Gefolgschaft 12 und Fähnlein 11

11.57 Uhr Utphe, 12.10 Uhr Unterwiddersheim, Feier Fähnlein 14.

Stafette 6

ab Gießen 10.30 Uhr Bannheim Friedrichstraße Frankfurter Straße

10.36 Uhr Klein-Linden, Feier der Gefolgschaft 5 und Fähnlein 9

10.47 Uhr Grohen-Linden, Feier der Gefolgschaft 15 10.54 Uhr Leihgestern

11.11 Uhr Lang-Göns, Feier der Gefolgschaft 14 und Fähnlein 6.

Stafette 7

ab 10.30 Bannheim, mit Kraftrad 10.45 Watzen­born, Feier der Gefolgschaft 13 und Fähnlein 7.

Die Teilnehmer.

An den Stafetten sind aktiv beteiligt: 8 Kvaftrad- fahrer, 12 Radfahrer, 1624 Läufer. Es werden 44 Ortschaften durchlaufen und 161 Kilometer zurückgelegt, von je einem Läufer der HI. und des Jungvolks. Es nehmen daran teil: 16 Gefolgschaften und 20 Fähnlein. Außer diesen Stafetten findet am gleichen Tag das Gebietssportfest in Mainz statt, an dem 33 Junggenossen des Bannes 116 teilnehmen.

HZ. an die Front.

ßine große Werbeaktion.Ab 13. Oktober Aufnahmesperre.

7. Kapitel.

Im Haus am Ritterplatz.

Den Ritterplatz umgeben kleine Häuser, die schon dagestanden, als Napoleons Scharen hier ... beigezogen. Auch das Rathaus im Spätbarockstil sah die welschen Soldaten, doch länger, viel länger schon wacht hier das Standbild des riesigen Ritters, nach dem der Platz feinen Namen trage. Es ist eine überlebensgroße, hünenhafte Gestalt, die sehr steif und gerade aufgerichtet vor dem Rathaus steht. Das eckige, unter dem Helmschutz plump vorsprin* gende Gesicht, ist einem Haus gegenüber zugewandt, das die Inschrift trägt:Goldschmiedemeister Jo- Hannes Hochwald stellt Haus und ehrsam Hand­werk unter des Herren Schutz. 1730."

Die Ladenklingel zeterte, als Gretel Syden ein­trat. Im Verkaufsraum befand sich Bettina Hoch-.

wald, sie bediente eben eine Kundin. Sie erwiderte erfreut den Gruß der Freundin und wies nach der Tür, die in ein Zimmer hinter dem Laden führte. Gretel nickte. Sie wußte hier gut Bescheid.

Ein paar Minuten später war die Kundin gegan­gen und Bettina trat in das Zimmer, in dem Gre­tel auf sie wartete. Ein fester Händedruck wurde gewechselt und dann saßen sich die Freundinnen gegenüber.

Bettina war schlank und groß, ihre Züge ein wenig streng, das Haar von silberner Helle, die Augen hellbraun, doch dunkler wirkend in der Um* rahmung langer brauner Wimpern und den Halb- bögen der Brauen.

Es war am frühen Nachmittag und Frühlings- sonne lag wie eine goldene Dunstwolke über dem Rltterplatz des alten Rheinstädtchens.

Hans ist gestern angekommen," begann Gretel, und Bettinas immer etwas blasse Züge färbten sich, roeil ihr eine Blutwelle vom Herzen emporjagte bei dem Gebankerf, er war ihr nahe, den sie liebte, der schon der Held ihrer kindlichen Träume gewesen. Aber davon ahnte Gretel Syden nichts nicht entfernt streifte sie die Idee, Bettina Hochwald könne in Hans etwas anderes sehen als den Bru­der der Freundin.

Sie bat:Willst du uns nicht besuchen, Bettina? Du weißt, Hans hört dich so gern fingen und ich glaube, diesmal sollten wir alles tun, es ihm im Schlößchen angenehm zu machen. Er ist nämlich sehr traurig diesmal, wenn er es auch zu Derber­gen sucht."

Um Bettinas Lippen zog ein kleines Lächeln.

Brauchst doch kein so besorgtes Gesicht zu ma- chen, Gretel, Leute wie dein Bruder haben wohl manchmal im Beruf Merger und damit wird einer wie er bestimmt allein fertig. Aber wenn du glaubst, es freut ihn, will ich gern zu euch kommen."

Bettina war nichts erwünschter, als der (Einla­dung gleich zu folgen.

Sie suchte den Vater auf. Er befand sich in der Werkstatt. Er war schmal und grauhaarig, kurz­sichtig und von sehr stillem Wesen. Er nickte:No. türlich, fahr nur gleich mit!" Die Mutter, frisch und derb, hantierte in der Küche. Sie nickte auch- Natürlich, fahre nur gleich mit!"

(Eine halbe Stunde später saß Bettina schon neben der zierlichen Freundin auf dem Jagdwagen, den Gretel selbst lenkte und den ein gut gepflegter Schimmel zog.

Erst fuhr man durch Gassen und Gäßchen, dann blinkte der Rhein auf. Schifte schoben sich langsam vorüber, Dampfer hatten es eiliger, und der Früh* lmgshimmel spannte sich droben in so wundervoller Blaue, daß er zu einer Domkuppel wurde In der tiefblauen Kuppel aber strahlte die Sonne wie ein Goldtopas auf das gesegnete rheinische Land nieder.

(Fortsetzung folgt!)

Der Stasettenlaus durch das Vanngebiet 116.

Heute abend um 8.30 Uhr beginnt im ganzen (Baugebiet die große Aktion der Hitler-Jugend, die unter der ParoleHI. an die Front!" steht. 10 000 Signalfeuer flammen auf im weiten Canb, auf die Minute kündet der lohende Brand von Berg zu Berg, von Tal zu Tal, überall, im ganzen Gebiet: HI. steht bereit, H I. an d i e Front! Don Stunde an soll 14 Tage lang die gesamte Oeffentlichkeit im Zeichen der Hitler-Jugend stehen. Die deutsche Jugend wirbt, sie stellt sich der Kritik der Oeffentlichkeit und sie verlangt diese Kritik. Diese deutsche Jugend will zeigen, was sie ist, was sie will und was sie kann.

Die Häuser und Heime der HI. stehen offen für jedermann. Besorgte (Elfern, Erzieher der Ju­gend, die noch Vorurteile in sich Herumtragen, weil sie diese Jugend nicht verstehen können oder so hoffen wir nach der großen Aktion der Hitler-Iugend nicht verstehen konn­ten, sie alle sollen einmal selbst kommen und selbst sehen und sich überzeugen.

Da wächst eine Jugend heran, die ernst genommen werden muß, die arbeitet und nicht Organi­sationspielt". Eine Jugend, die unvergleichlich da* steht in dem gewaltigen Erneuerungskampf unseres Volkes, dereinst bereit, das zu verteidigen, was mit Blut und Leben errungen wurde.

,^)J. an die Front!"

Oer Giafettenlauf am Sonntag.

VomGroßen Feldberg" aus starten die Fahrer der einzelnen Banne mit Motorrad um Punkt 8 Uhr. Der Weg der Fahrer des Bannes 116 führt vom Feldberg über Nieder-Reifenberg, Schmit­ten, Dorfweil, Brombach, Merzhausen, Ufingen, Ober-Mörlen, Nieder-Mörlen, Steinsurt, Opper- hofen, Rockenberg, Münzenberg, Trais-Münzenberg (Banngrenze^

Von der Banngrenze, wo die Fahrer um 9 Uhr eintreffen, bringen Läufer

die Stafette mit der Parole zum Bannheim

MeinlooMel

Roman von Anny von panhuys

I Urheberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

An alle Eltern!

An alle Jungen im Gebiet Hessen-Nassau!

Vom 29. September bis 13. Oktober führt die Hitler-Jugend Hessen-Nassaus eine große Werbe- und Propagandaaktion durch, in der sie schlicht und phrasenlos der Oeffentlichkeit von dem Umfang und der Größe ihrer Arbeit Rechenschaft ablegen will.

Nur die Tat gilt, nur die Tat soll sprechen!

Jeder Junge, der auf Grund irgendeiner dunklen Beeinflussung unseren Reihen bisher ferngeblieben ist, soll hier prüfen und verstehen lernen, was das hfiht: HI.! Die anderen aber, denen diese Erkennt- ms zu spät kommt, sollen später nicht unsere Arbeit stören. Die Hitlerjugend verfällt nicht der Anbetung von Zahlen, sondern schätzt nur die ß e i ft u n g und iben charakterlichen Wert des Jungen.

Vis zum 13. Oktober kann sich jeder bei uns einreihen. Vom 13. Oktober ab ist die Aufnahme in die HI. des Gebietes Hessen-Nassau auf lange Zeit gesperrt.

Heil Hitler!

Der kommiss. Führer des Gebietes 13 Hessen-Nafsau. Potthoff, Oberbannführer.

Höhenfeuer und Gtafettenläufe.

Arn Samstag, 28. September, beginnt innerhalb unferes Gebietsbereiches Hessen-Nassau der große sPropagandaseldzug der Hitler-Jugend.

HI. an die Front!"

Eingeleitet wird diese Aktion durch Tausende von Feuern, die von den Bergen, Höhen, auf Plätzen und in Tälern als Fanal der Jugend weit­hin sichtbar sind! Punkt 20.30 Uhr werden die Feuer zur gleichen Zeit angezündet.

Am Sonntagfrüh 8 Uhr wird auf dem Großen Feldderg der Start zu dem

großen Stafettenlauf

i rfolgen. 51 Motorräder werden den Befehl des Ge* «ietsführers entgegennehmen und bis zu ihrer Banngrenze bringen. Von hier aus wird die Sta­fette von Läufern zum Bannsitz gebracht und in iiner Kundgebung von dem Bannführer verlesen. Damit ist dann die Werbeaktion in den jeweiligen Bannbereichen eröffnet!

Von den Bannsitzen werden dann Radstafetten »en Befehl des Gebietsführers in alle Gefolgfchafts* lereiche bringen. Auch hier wird in feierlicher Weise der Befehl verlesen. Dieser Stafettenlauf stellt Gleichzeitig unsere bisher durchgeführte Ertüchtigung der Jugend unter Beweis

520Q Stafettenläufer werden eine Strecke von

2000 Kilometer zurücklegenk

Die Stafette wird unterwegs von Motorrad- und Radfahrern abgelöst, die insgesamt 3200 Kilometer rirückzulegen haben. Diese Stafetten führen durch '000 Orte unseres Gebietsbereiches, '^rch den hohen Westerwald, Vogelsberg, Kaunus, Spessart, Odenwald und am Rhein entlang mn Worms a. Rh. bis nach Niederlahnftein. Die Krönung dieses Tages ist dann das

Gebietssportfest in Mainz,

Mo die HI. zeigen wird, wie weit es ihr gelungen ttt, den Jugendtyp zu formen, den der Führer wünscht: wo strahlender Geist sich in herrlichen Kör-1 sern findet.

Ansprache des Bannführers.

Ausgabe des Befehls an die sieben Stafetten durch den Bannführer und Jungbannführer.

Feierliche Flaggenhisjung.

Lied:Vorwärts, vorwärts..."

Nach dieser kurzen Feier wird der Befehl durch sieben Stafetten weitergetragen.

Stafette 1

(1/116) ab 10.30 Uhr Gießen, Bannheim, Wart­weg 19 durch Ludwigstraße Ludwigsplatz GartenstraßeHitlerwallMarburger Straße.

(10/116) 10.56 Lollar, Feier des Fähnleins 17. 11.05 Staufenberg, 11.07 Ruine Staufenberg, Feier der Gefolgschaft 10/116.

Stafette 2

(2/116) ab 10.30 Gießen, Bannheim, Wartweg 19, durch LudwigstraßeLudwigsplatzGartenstraße HitlerwallMarburger StraßeWiesecker Weg. 10.42 Wieseck, Feier des Fähnleins 5.

(6/116) 10.57 Alten-Buseck.

(10/116) 11.10 Daubr'mgen, 11.14 Mainzlar.

(7/116) 11.29 Treis, Feier des Fähnleins 16; 11.44 Allendorf, 11.51 Londorf, 11.52 Feier der Ge­folgschaft 7/116.

Stafette 3

(3/116) ab 10.30 Gießen, Bannheim, Wartweg 19 durch Ludwigstraße Kaiserallee Dolksyalle (10.38).

(6/116) 10.51 Rödgen, 10.59 Großen-Buseck, Feier des Fähnleins 10; 11.12 Beuern.

(8/116) Geilshausen, 11.40 Odenhausen, 11.53 Rüd- dingshausen, 11.54 Feier der Gefolgschaft 8/116.

Stafette 4

(4/116) ab 10.30 Gießen, Bannheim, Wartweg 19 durch LudwigstraßeKaiseralleeDolkshalle

Grünberger Straße, 10.52 Annerod.

(6/116) 11.04 Oppenrod, 11.08 Burkhardsfelden, 11.18 Hattenrod, Feier des Fähnleins 12; 11.28 Harbach.

feen schlägt zu hohe Wogen, die rütteln und schüt­teln die armen Menschlein ordentlich durcheinander, es wird einem davon übel!"

6. Kapitel.

Die Schwester möchte helfen.

Gretel klopfte an die Tür des Zimmers, das ihr Bruder bewohnte, wenn er gelegentlich heimkehrte zu kurzer Rast. Er mußte ihr Anklopfen überhört haben, ebenso das Oeffnen der Tür. Er saß auf dem Sofa, die Ellbogen stützten sich auf die Knie, während seine Hände zu Fäusten geballt, an den Schläfen lagen. Wie in verkrampftem Zorn starr­ten seine Augen auf die gegenüberliegende Wand, um seinen Mund aber zuckte es unaufhörlich.

Aus tiefem Sinnen emporgerissen, schaute Hans Syden die Schwester fast verständnislos an. Doch im nächsten Augenblick zeigte er völlig beherrschte Züge, die Fäuste hatten sich gelöst.

Wie nett, Gretel, daß du mich gleich besuchst. Setz dich doch zu mir, bitte, und erzähl mir ein bifechen von dir. Wie es dir ergangen seither, ob die brave braune Liesel noch immer so viel Milch gibt und wo sich Tyras versteckt hat, der mir doch sonst immer entgegengesprungen ist..."

Das blonde Mädchen setzte sich an des Bruders Seite, erwiderte hastig:Die braune Liesel gibt noch immer so viel Milch und Tyras ist vor zwei Wochen gestorben. Ganz plötzlich. Er war schon alt, der liebe treue Kerl. Ich habe dir es doch ge­schrieben. Daß du das nicht einmal weifet!"Ja, daß ich das nicht einmal weife!" wiederholte er mit sonderbarer Betonung. Wie hätte er an Tyras denken können, wie hätte er überhaupt an etwas denken können, seit Wally Walb gestorben.

Die Schwester legte die Arme um seinen Hals.

Großchen Jutta meinte, dich bedrücke etwas und deine Augen sähen aus, als ob sie gemeint hätten."

Die Frage war beschwingt von Angst.

Er zuckte leicht zusammen, lächelte dann:Grofe- chen Jutta muß sehr schlecht sehen. Nebenbei be­merkt, würde ich nicht meinen, menn mir roer meife mas geschehen märe."

Aehnliches sagte Grofechen Leonore auch", be­stätigte Gretel. Ihr Blick senkte sich in den feinen. Aber meifet du, Hanslbruder, irgend etroas quält dich doch, es schimmert mas in deinen Augen, das hab ich noch nie darin gesehen und es fällt mir jetzt auf."

Er löste ihre Arme sanft von seinem Hals.

Kleines Mädel, du redest Unsinn." Er erhob sich.Ich merbe acht Tage hier bleiben, solange habe ich Urlaub. Ich bin zur Zeit in unserer Frank­furter Fabrik. Im Sommer gibts längeren Ur­laub, dann mill ich nach" Er schüttelte den Kops Ich meife noch nicht, mohin ich dann mill. Na, mird sich finden! Im Herbst märten dann Rennen auf mich, große Rennen. Das ist das Schönste, alles

(Ein Mädel mit dickem Zopfkran^ um das paus* hitfige Gesicht brachte gerade den Kaffee, als brau* fei n der langgebefjnte Hupenruf eines Autos er« !:ang, der sich mehrmals rniederholte.

.Das ist der Hans!" rief die Komteß laut und fuok sie freute sich, daß der Bruder wieder einmal h:irnkehrte. Er wußte immer so hübsch und anre- gmb zu erzählen von allem (Erlebten.

"Großmama Jutta lächelte:Unser lieber Junge! t:as ist eine prachtvolle Ueberraschung!" Unb um 6ro6mama Leonores mübe Lippen zuckte es wie tiii Lächeln, als sie leise nachsprach:Unser lieber 3inge!"

IMit bem mehrmals wieberholten Hupenruf p'segte sich Hans von Syben immer anzumelden, mmn er einmal unerwartet hier hereinschneite. Bretel eilte hinaus unb trat bald barauf mit bem Gruber Arm in Arm ein, ber es feinem Mechaniker itib Chauffeur überließ, den Wagen unterzubrin* gm unb fein Gepäck ins Haus zu besorgen.

Die Großmamas bekamen je einen Hanbkuß unb büs pausbäckige Möbel, bas nicht baran zu benfen laien, bas Zimmer zu verlassen, erhielt einen festen Etyulterflaps unb trollte sich zufrieben. Für ben l)irrn Grafen wäre sie durchs Feuer gegangen.

Ts würbe eine gemütliche Frühstücksstunbe, Hans ; Zahlte kleine Erlebnisse unb bie Zeit verging an* , Siehrn.

Hans Syben spielte ben Frohen unb Sorglosen, WO ihm war boch entsetzlich zumute.

Nach bem Frühstück wollte er ein wenig ruhen. Großchen Jutta schüttelte ben Kopf.

-Du siehst eigentlich gar nicht aus, als ob bu KHebebürfnis hättest, Hans. Eher siehst bu aus, 1 ili ob bu Unruhe unb Zerstreuung herbeisehntest."

Öans Syben stutzte flüchtig, bann lächelte er.

^Jch habe sogar großes Ruhebebürfnis, Groß­en Jutta, beshalb kam ich ja außer ber Zeit hier- I r ins Waldschlößchen."

Sr verließ bas Zimmer unb leise sagte Jutta von h:ben hinter ihm her:Es ist mir erst zuletzt auf» fallen, unseren Hans bedrückt etwas. Seine ^erze haben keine Frische unb wenn ihr vielleicht Ml) barüber lacht, seine Augen sahen beinahe i i, als ob sie geweint hätten.

^rofemama Leonore, die Baronin von Rottfeld, ^Ä)te ein überlegenes Gesicht ^und brachte bie von niet gebrauchte Weisheit vor:Das Leben brau*

nicht lange zu wirken. (Er muß sich vor Sonne, Winb unb Regen hüten, benn sie Derberben ihn, sie untergraben sein An-, sie oerpsuschen sein Aus­sehen. Sein Nachfolger wartet schon, um ihn zu verhöhnen unbalt" zu nennen, wo er boch kaum ein paar Wochen ober Monate hinter sich gebracht unb als dasNeueste" gelebt hat. Er steht im Dienste ber herrischsten Frau, bie sich von heute auf morgen eines anberen besinnen kann. Und die bas auch tut, wie jenemFischer syne Fru" in bem Märchen.

Unb jetzt ist ber Damenhutso ein Hütchen"; keck, verbogen unb zerknüllt, man könnte ihn für bas Traumbild des Ideals von einem zünftigen Männerhut halten. Er hat gar eine Gamsfeber oder einen Adlerbart, hat einen kühn geschwunge­nen Rand (oder vielmehr ein Rändchen) als Ablauf für den Regen und eine Kerbe von solchem Schwung und solch vorgeschrittener Zerknüllung, daß ein jeder Männerhut ihn darum beneiden könnte. Und das alles hat er ohne Regen, ohne Sonne, ohne Wind, ohne zerknäulende Faust, hat er von Geburt und Anfang an aus den kunstvollen Händen der Putz­macherinnen, denen die formenden Kräfte aller Naturelemente wohl von einem gütigen, voraus» schauenden Schicksal um deswillen gegeben sind, damit unsere liebwerten Frauen von Anbeginn an genießen können, was wir Männer uns nur mit großer Geduld, nach längerer Zeit unb unter Mit­hilfe formenber Naturereignisse erwerben können.

Es lebe bas Hütchen! (Bis auf weiteres). Wir

bis Grüningen durch Grüningen bis Steinberg durch Steinberg Ankunft Bannheim Gießen _________

- Stafette endigt vor dem Bannheim in Gießen (Wartweg). Der Bannführkr und Jungbannführer entnehmen aus den Händen der Läufer den Befehl des Gebietsführers, der vorgelesen wird. Es folgt die feierliche Flagaenhissung. Der Feier Lohnen Vertreter der Partei, SA., SS., der staatlichen unb stäbtischen Behörden bei. (Eingelaben sind die Eltern unb Freunde ber Jugend unb die gesamte ~ wohnerschaft.

Programm für die Zeier vor dem Bannheim 116.

Lied:Ein junges Volk steht auf." Verlesung des Befehls des Gebietsführers.

Doch zu solchem Prozeß gehören Geduld und Zeit; die Entwicklung von der Kopfbedeckung zum Hut geht stetig und langsam und erstreckt sich auf Monate, manchmal gar auf Jahre. Es gehört schon etwas dazu, ein richtiger, selbstsicherer Män­nerhut zu werden. Man wird nicht einfach dazu geboren; selbst in der besten Presserei nicht; man muß sich auf dem Kopf und in der Hand eines daran interessierten Mannes erst dazu entwickeln.

Aber wie anders ist bas Schicksal eines F rau­en h u t e s ! Er wirb schon beim ersten Probuk* tionsgang zu seiner wahren Bestimmung geboren; denn er hat ja keine Zeit, er spürt, wie es hinter ihm nadjbrängt, um ihn zu Derbrängen, er ist wie ein Käfer, ber nur einen Frühling, wie ein Schmet­terling, ber nur einen Sommer, wie eine Blume, die nur einen Herbst, wie ber Schnee, ber nur

einen Winter lebt. (Er muß kommen unb fertig I fein. Er muß auf bem Kops sitzen unb seine Wir- kung non ber ersten Sefunbe an tun, benn er hat |