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Inseln des Deutschtums

für die geistige Erhaltung dieses interessanten und lebenskräftigen Vorpostens des Auslandsdeutsch»

rouröe, ist heute sehr beachtlich. Ein ausgezeichnetes nicht zu überbietender Deutlichkeit vor Augen ge. Schulwesen, mit Arabisch als Unterrichtsfach, sorgt | fuhrt.

Barcelona.

Unsere Zeit kennt keine Entfernungen mehr. Spanien das war noch vor wenigen Jahren das unbekannte Land südlich der unwirtlichen Pyrenäen das kennt man auch heute noch in der falschen Wertung einer längst vergangenen Zeit, als die Brücke nach Afrika, dem unerschlossenen Erdteil. Die Zeit hat das Antlitz dieses Landes von Grund auf verändert. Unsere Epoche kennt keine Entfernungen mehr! Jeden Morgen steht in Berlin-Tempelhof startbereit die prachtvolle dreimotorigeJu52", die vom Zentrum des europäischen Kontinents in we­nigen Stunden bis in die fernsten Ecken des Erd­teils vorstöht. Aus der Unbeständigkeit des Berliner Sommers wird man in einem halben Tag in das grelle Licht spanischer Sonne befördert, aus dem Ernst deutscher Landschaft entwickelt sich schon nach Stunhen die bunte Farbenpracht des Südens. Stuttgart, Genf und Marseille sind die Stützpunkte dieser deutschen Fluglinie nach dem Süden. Und mit einer Pünktlichkeit, wie sie nie ein spanischer Ex­preß erreicht, landet Tag für Tag, Schlag 14.30 Uhr die deutsche Maschine auf dem Militärflughafen Prat bei Barcelona.

Wie die modernen Verkehrsmittel von Jahr zu Jahr die weitesten Entfernungen zusammenschmelzen ließen, so haben sich auch im Laufe der Jahre die Gegensätzlichkeiten vermindert, die das Antlitz der großen europäischen Städte prägten. Die neue Zeit hat überall ihren Einzug gehalten. Wie stark die modernen Derkehrsmöglichkeiten das Gesicht einer Stadt zu beeinflussen vermögen, dafür gibt Barce­lona ein beredtes Beispiel. Diese Stadt hat allen andern spanischen Städten die Nähe der europäischen Staaten voraus. Sie ist z u - erst von den Tendenzen beeinflußt worden, die aus dem übrigen Europa über die Pyrenäengrenze hinweng südlich gingen. Barcelona wurde so die europäischste Stadt auf der Pyrenäenhalb­insel. Und von hier nehmen viele moderne Anre­gungen ihren Weg in das Land, auch den Weg nach Madrid, den Weg in die spanische Landes­hauptstadt, die von Barcelona erst nach zwölfstün- diger l)-Zug-Reise erreicht werden kann.

Don der Natur begünstigt, stieg Barcelona em­por. Mit weit über einer Million Einwohner hat es sich zur größten spanischen Stadt entwickelt. Was sich zuerst von Barcelona ankündigt, sind die Schlote der nördlich gelegenen Jndustrieorte. Während der Flug längs der Mittelmeerküste ent­langführt, während Himmel und Meer endlos blauen, fallen die Vorgebirge der Pyrenäen lang­sam ab. Aus fast lieblichen Tälern, die eine fach­liche landwirtschaftliche Betreuung verraten, steigen plötzlich, qualmig verhangen, die ersten Häuser und Schornsteine des riesigen Barcelona empor. Ein flimmernder Sonnenglast liegt über der Stadt: aber

lehem gegründet wurde.

Die Schwaben haben ihre Eigenart nun schon in der dritten Generation rein erhalten, im Aussehen, in der Sprache und im Lebensstil. Zu den ausge- fallendsten Kuriositäten, an denen Palästina so überreich ist, gehören wohl die unverfälscht schwä­belnden Araber, die sich im Dienst und täglichen Umgang an die Templer assimiliert haben. Ange­sichts der zurückhaltenden Sprödigkeit palästinen­sischer Landschaft sind diese Kolonien wahre Wun- oerwerke deutscher Dorf-Romantik. Wer S a r o n a, das heute schon von der neuen Großstadt Tel Aviv fast umzingelt ist, oder die beiden Dörfchen Wald­heim und Bethlehem sieht, ist schlechthin über­wältigt von der deutschen Atmosphäre, die aus jedem Baum, jedem Haus, aus den Menschen und der

doch schälen sich die herrlichen Eigentümlichkeiten dieser einzigen Stadtanlage heraus. Barcelona liegt am Meer und in den Bergen. Man sieht von oben auf diese Anlage, diese mit mathema« tischer Genauigkeit angelegten Straßen, man blickt bewundernd auf das Meer, aber auch gleichermaßen bewundernd auf die Berge, die villenbesät zu allen Seiten sanft aufsteigen. Diesen herrlichen Blick au, die Stadt hat nicht nur der Fluggast. Dieser Bli<! auf Barcelona eröffnet sich immer wieder in immer erneut wechselnder Pracht. Man ersteigt einen der Türme im Hafen man fährt in den Park von Montjuich, man läßt sich mit der Zahnradbahn auf den Berg Tibidabo fahren, man erwandert einen der Bergrücken der Vorstadt Horta: überall steigt man aus der Enge der Stadt in die Weite des Raumes empor, überall steht man über dieser einzigartigen Stadtanlage.

Der Barcelona-Bewunderer wird jetzt allerdings ein Auge zuzudrücken haben, wenn uns der Auto­bus vom Flughafen in die Stadt befördert. Da gibt es zunächst nichts als staubige Straßen, die diese Bezeichnung kaum verdienen, und einige staubige und sehr vernachlässigte Vorstädte, bevor sich plötz­lich eine breite Autobahn öffnet, die nun eine schnelle Fahrt in das Stadtinnere ermöglicht. Man hat fast den Eindruck, in eine mit großem Auf­wand und großer Liebe aufgebaute Kolonialstadt einzuziehen. Diese Buntfarbigkeit der Stadt, diese Bewegtheit des Lebens hier bildet eine einzige Ueberraschung. Es ist ein unaufhörliches Fluten von Wagen und Menschen, ein einziges Lärmen auch, ein Hupen und Bimmeln, Rufen und Schreien, eine ewige Melodie sinnbetäubenden Lebens. Die grellen Farben schmerzen fast in den Augen: das satte Grün der Platanen, die Buntheit der Klei­der, das Blau des Himmels, die roten Kuppeln, das knallige Weiß der Tropenhelme, die von den Der- kehrsschuüleuten (aber nur von diesen!) getragen werden. Man muß sich in dieses Leben hineinstür- zen, man muß sich in diesem Strom treiben lassen, um zu ermessen, was spanisches Leben bedeutet.

So sitzt man wenig später in einem der Cafes auf der Rambla oder dem Paseo de ©ra* cia und läßt mit dem beginnenden Abe/?? e/n gutes Stück Spanien an sich vorüberziehen, hier, auf dem Paseo de Gracia, geben sich in den ersten Abendstunden die Schönen Barcelonas ein Stell« dichein. Es ist ein einzigartiger Anblick! Da sind zu beiden Seiten der gepflegten Promenade bequeme Korbstuhlreihen aufgestellt, das ergibt eine lange Kette, die sich Hunderte von Metern hinzieht. Hier sieht man für kurze Zeit einmal das, was sonst mit fast eifersüchtigem Streben dem Blick der Oeffent- lichkeit entzogen wird: Hier sieht man die jungen Mädchen der Stadt, in Begleitung der Mutter, man muß bald feststellen, in artiger Zurückgezogenheit

tums. t t .

Politisch ist Deutschland in Jerusalem durch ein © e n e r a 11 o n (u l a t, das aus dem in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten preußischen Konsulat hervorgegangen ist, und von einem H o. norarkonsulat in Jaffa unterstützt wird, vertreten. Die deutsch-jüdische Spannung, die vor allem in der Auswanderung nach Palästina eine wirklich konstruktive Entlastung fand, die allge­meine, zukunftsträchtige Entwicklung und Euro- päsierung des Nahen Ostens, die sich seit dem Kriege am stärksten in Palästina offenbart, verleihen die- sem Generalkonsulat eine hohe Bedeutung Wer am Sonntag vom Konsulat aus die Hakenkreuzsahne über Jerusalem und dasJewish national home" wehen sieht, dem wird die politische Schwierigkeit und Delikatesse der Aufgaben eines deutschen Gene-

ganzen Stimmung --spricht. Die totale Vernichtung des Orients auf kleinem Raum und für kurze Zeit hat für den Besucher etwas von einem Spuk an sich, den man schon eine Stunde und eine Tceue weiter einfach nicht mehr glaubt! Die städtischen Templer-Kolonien sind überall die ruhigsten uno gepflegtesten Stadtviertel; sie vertreten tn ihrer be­tonten Exklusivität bestes Europa und werden daher von den Briten als Wohnviertel allen anderen Möglichkeiten vorgezogen. Nach anfänglichen und bitteren Fehlschlägen haben sich die Templer bald emporgearbeitet. Vor der jüdischen Masseneinwan- bcrung beherrschte ihre nüchterne Tüchtigkeit manche Wirtschaftszweige monopolhaft, sie trugen tn Die palästinensische Wirtschaft zum erstenmal europäische Maßstäbe und Begriffe hinein. Ihr Wohlstand, der im Zusammenhang mit der jüdischen Einwanderung durch die phantastische Steigerung der Bodenwerte und die vermehrten Absatzmöglichkeiten für land-

In London erwartete ihn schon der allerletzte, herzzerreißende Abschiedsgruß, in Lissabon lag ein Brief, acht Seiten lang, der ihn veranlaßte, ihr zu- 1 rückzuschreiben, er verwünsche die Wette, er sehne sich wie ein Wahnsinniger nach dem Glück des Wiedersehens, bei Kap Verde erhielt er wieder ein Paket Briefe, elf Stück, und sechs schrieb er an einem Tage zurück, denn jeder geschriebene Brief : dünkte ihm eine Stunde später lahm und lang- i wellig; seine Leidenschaft hatte den Höhepunkt er- . reicht

In Kapstadt setzte er sich in den mitgebrachten Mercedes, einen großen, grauen Tourenwagen, und die Hand an der Kupplungsstange wußte er, jetzt gab es für lange Zeit keine Vergangenheit mehr, sondern nur noch Gegenwart und Zukunft. Es ging besser, als er vorausgesehen hatte, die Strapazen der Querfeldeinfahrt nahmen ihn so in Anspruch, daß er tagsüber völlig vergessen konnte, was ihm in Hamburg widerfahren war. Damals gab es noch keine festgelegte oder ausgebaute Autostraße von Kapstadt nach Kairo, wie sie heute besteht; Cux mußte durch Urwald und durch weite Wüsteneien den Weg nach Norden finden.

Diese abenteuerliche Fahrt in allen Einzelheiten zu schildern, bleibe einem Kundigeren vorbehalten, es genüge der Bericht, daß Cux am Njassasee vor­bei zum Viktoriasee gelangte, wo wieder Benzin­vorräte lagen, bann den Sudan erreichte und bei Lado nachts den Wagen in den weißen Nil fuhr. Englische Kolonisten gewährten ihm Gastfreund­schaft, bis der neue Wagen geholt werden konnte. Genau ein Vierteljahr später fuhr Cux mit dem neuen Wagen weiter, der in der Libyschen Wüste zu Bruche ging, wobei er nur dadurch gerettet wurde, daß der Sucher, der nach oben gerichtet weiter- brannte, auf sechzig Kilometer Entfernung von Fremdenlegionären als Feuersäule gesichtet wurde.

Wie es weiterging, soll auch nur angebeutet wer­ben. Zwischen Wabi Natron unb Alexandria brach er mit einem neuen Wagen abermals in der Wüste zusammen und wurde am folgenden Tage erst von einem kleinen Ford gerettet, den der Bruder eines Beduinenkönigs zum ersten Male fuhr. Dann ver­irrte sich Cux in Arabien auf dem Wege nach Bag­dad, nachdem ein Sandsturm unter anderem auch die Kartentasche entführt hatte. Diese fand der Füh­rer eines Kamelkorps, der Cux nach drei Tagen endlich sichtete, im Wagen schlafend, vor Durst halb irrsinnig. In Konstantinopel wohnte er in einem : kleinen Haus, in das sich fein neues Auto zur Hälfte hineinbeaeben hatte, während es zur anbe- i ren Hälfte noch vor ber Mauer staub. In dem i neuen Rugbywagen, den er zwischen Ragusa unb - Serajewo burch die mehr ober weniger nicht vor- i hanbenen Karstserpentinen steuerte, verlor er bei- : nahe bie Nerven, mit Mokka- und Zwieback- i ernährung ging es noch bis Pest, dort geriet ber

Wagen am Donauufer ins Schleudern, und Cux

Schule in Jerusalem und Haifa unb verschiedene Hospize unb soziale Einrichtungen.

Der deutsche Katholizismus ist m Palä­stina hauptsächlich durch Orden und Kloster vertre- ten. So z. B. die Beuroner Benediktiner 21 b t e i auf dem Berge Zion, deren Grundstuck von Kaiser Wilhelm II. den deutschen Katholiken ge- schenkt wurde, ferner verschiedene Stutzpunkte Der Trebnitzer Borromäerinnen, bie in Je­rusalem ein großes Hospiz, in Haifa ein ausge­zeichnetes Krankenhaus unb zwei Hospize, davon eines auf bem unvergleichlich schönen Karmel, unter­halten. Der deutsche katholische Verein vom Heiligen Lande unterhält eine Reihe von Anstalten, die meist von L a z a r i st e n p a- tr e s und Borromäerinnen geleitet werden. So in Tabgha am See Genezareth ein paradiesisch schönes Hospiz, das besonders gern von den Eng­ländern zum Weekend aufgesucht wird. Der Der- ein, in Gemeinschaft mit den Lazaristen und Borro- mäerinnen, hat ebenfalls das Weekend-Heim für Jerusalem in El Kubebe (wahrscheinlich das alte Emmaus) geschaffen; ein bezaubernd schöner Flecken, der zeigt, welche Romantik die spröde und seit Jahrtausenden mißhandelte Landschaft Pa­lästinas bei entsprechender Pflege zu geben vermag. In Jerusalem, wo ber Verein burch die Vermietung seines etwas pompösen Pauls-Hospizes an die englische Regierung deren Hauswirt geworden ist, unterhält er unter ber Leitung ber Borromae- rinnen unb eines Lazaristen eine ausgezeichnete Mäbchen-Schule, besucht von ca. 500 Arabe­rinnen, mit Englisch als Unterrichtssprache unb Deutsch als Lehrfach. Ein orientalisches Institut ber G Ö r r e s g e s e 11 s ch a f t, ver- bunben mit bem Pauls-Hospiz, bient auf der ka- tholischen Seite ber orientalistischen Wissenschaft.

Der für bas Palästina-Deutschtum vielleicht nicht nur zahlenmäßig (etwa 650 Protestanten, 100 Katholiken unb 1200 Templer) wichtigste Teil wirb von ben Templern getragen. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war von CH. Hoffmann eine religiöse Bewegung ins Leben gerufen worden, deren Wurzeln i m schwäbischen Pietismus liegen. Die fordernde Vorstellung, dasReich Got­tes" selbst zu bauen, den Willen zum Gottesreiche in erster Linie an sich selbst zu vollziehen, war die zentrale Idee dieser sich mehr um das Tun als um das Dogma bemühenden Bewegung, von zähen schwäbischenDickschädeln" getragen, die trotz aller chiliastischer Vorstellungen doch der Wirklichkeit sehr verbunden waren. Nicht zuletzt die massiven An­griffe der württembergischen Landeskirche trieben die Templer bald nach Palästina, wo sie 1868 die erste Kolonie in Haifa gründeten. Von hier aus nahm das schwäbische Kolonisationswerk, bald auch durch sächsische, deutsch-amerikanische und deutsch-rus­sische Kolonisten unterstützt, seinen Ausgang, um sich bald über Jaffa, Sarona (in der Nähe Jaffas), Wilhelma (in der Nähe von Ladd) und Bethlehem (in der Nähe von Nazareth), in denen sich in der jüngsten Zeit noch Erwerbungen bei Akko und Beisan anschlossen, zu verbreiten. Von diesen Kolo­nien haben Sarona, Wilhelma und Bethlehem einen rein bäuerlichen Charakter, mit denen auch noch Waldheim zu nennen wäre, das von zur Kirche zu­rückgekehrten Schwaben neben dem Templer-Beth-

Heute steht an der Spitze des deutschen Protestan­tismus ein Propst, dessen Stellung materiell mit der des anglikanischen Bischofs vergleichbar ist. Sein Wirkungskreis reicht über Palästina hinaus: er steht an ber Spitze der Orientkonferenz der deutsch-evairgelischen Pfarrer des Nahen O st e n s und ist der Vertreter der deutsch- evangelischen Reichskirche für Palästina, Syrien und Irak. Auf dem Nährboden ber deutsch-evangelischen Gemeinden Palästinas Jerusalem, Jaffa, Haifa, Waldheim sind eine Reihe wichtigster Institute entstanden, die subjektiv häufig missionarischen Zwecken dienten, objektiv aber starke Brücken vom Deutschtum zum Arabertum und zur internationa­len wissenschaftlichen Welt wurden: Das große unb großzügige, fast autarkisch organisierte Syrische Waisenhaus, bas beutsch-evangelische archä - alogische Institut, verknüpft mit bem welt­berühmten Namen bes deutschen Universitätspro- lessors Dal man, das von Kaiserswerther Dia- konissen (in Palästina seit 1852) betreute und von allen Kreisen bevorzugte deutsche Hospital in Jerusalem, dessen interne Abteilung übri­gens von dem bekannten arabischen Folkloristen Dr. Canaan geleitet wird, je eine deutsch-evangelische

In der Hauptstadt Kataloniens

Don unserem W.S.-Korrespondenien.

vm.

Das Palästina-Deutschtum.

Don unserem M.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Jerusalem, September 1935.

Dasein unb Wesen bes Palästina-Deutschtums sind von allen auslandsbeutschen Gruppen am we­nigsten bekannt. Wer Palästina, dieses ungewöhn­liche Land der Einmaligkeit, der überraschenden Si­tuationen unb ber fast harmonischen Gegensätze nicht kennt, wer an biefes merkwürbigste Mosaik der Welt, das ohne Vorgang und ohne Nachfolge ist, nicht gewohnt ist, dem mag schon die bloße Vorstellung eines palästinensischen Deutschtums fast als Absurdität erscheinen. Wer aber lange genug in Palästina lebt, um bisherige Maßstäbe vergeßen zu haben, wer die Ueberraschung als tägliches Brot kennen lernte, antwortet anders auf ben Anblick bodenständiger schwäbischer Kraftnaturen und ty­pisch deutscher Dörfer inmitten dieser sonderbaren Landschaft.

Das Palästina-Deutschtum verdankt sein Ent- stehen verschiedenen, aber immer irrationalen Quel­len, ob nun Katholizismus, Protestantismus oder die Tempelidee die treibende Kraft war. Der gei­stige Vater der d e u t f ch - e v a n g e l i s ch e n Ge- meinbe zunächst in Jerusalem war der preu­ßische König Friedrich Wilhelm IV. Sie Vorgänge in Palästina um die Mitte des 19. Jahr­hunderts, die bie europäische Aufmerksamkeit fesselten, gingen an der stets bewegten Phantasie des ebenso romantischen, wie betont christlichen Königs nicht vorüber. Zwar scheiterte sein reich­lich phantastischer Plan, in Palästina eine gemein« fame Garnison ber oerbunbenen Mächte zum Schutze eines aktiv-expansiven Christentums zu er- richten, an der politischen Wirklichkeit. Aber eine nicht minder phantastsche Idee wurde erfüllt: Die Errichtung eines gemeinsamen Bistums Jerusalem der Church of England unb ber preußischen Lanbeskirche. Der Bis­tumsvertrag, eine ber bemerkenswertesten unb ori« ginellften Etappen in bem Streben nach Zusammen- schluß ber evangelischen Kirchen, kam 1841 zwischen dem König als bem summus episcopus ber preu- ßischen Landeskirche unb ber Church of England zustanbe. Wenn bas Bistum nach 45 Jahren auch wieder in feine ursprünglichen Elemente zerfiel nicht zuletzt durch das starke Wachstum des deutschen Gemeindesektors so hatte es doch für das Pa- kästina-Deutschtum eine wichtige Rolle gespielt, in­dem die durch es gewährte Verbindung mit der be­reits im Lande fest verankerten anglikanischen Kirche ein günstiges Patronat für bie Entwicklung bes Deutschtums bot.

Leerlauf der Liebe. >

Don Emil Harbich.

Man glaube nicht, daß unser Freund Cux, der 1 ein paar Jahre vor dem Kriege eine Wette ein- ' ging, bis zum Kap der Guten Hoffnung zu segeln und bann im Auto von Kapstadt über Kairo nach München zurückfahren zu können, um wenigstens auf längere Zeit mit guten Gründen ber Lange­weile zivilisierter Zustände zu entgehen, man glaube nicht, sage ich, daß ein Mann, der später im Kriege einer der berühmtesten Kampfflieger geworden ist, feinen Sinn für das gefährliche Spiel mit dem Ball des Zufalls gehabt ober die möglichen Aben­teuer im Innern Afrikas nicht zu würdigen ge­wußt hätte! Cux war damals noch ein sehr junger Mann, und nur eine gewisse Jugend bringt es fertig, so auf bes Messers Schneide tanzend das Unwahrscheinlichste in Angriff zu nehmen.

Es wird sich gleich zeigen, in welchem Maße Cux seinerzeit krasser Jüngling gewesen ist: als er näm­lich in Hamburg drei Stunden vor ber Abfahrt feines Dampfers in einer Weinstube an der Alster noch einmal frische holländische Austern essen wollte, mußte er sich in dem Überfüllten Lokal zu einer Dame setzen, beren ungemein anziehendes Aeußeres die Annäherung unvermeidlich machte. Nach den Austern kamen sie ins Gespräch, empfanden sich gegenseitig als ben verkörperten Wunschtraum lan­ger Jahre unb waren eine Stunde lang nur für einander da.

Cur hatte von ber jungen Dame schon gehört, sie war über Hamburg hinaus als Turnierreiterin be­kannt geworden, davon abgesehen hätte er auch einen anderen Rus gern in Kauf genommen, denn sie erschien ihm als das herrlichste, schönste und beste Geschöpf ber Erde, und die Wogen der Leiden­schaft gingen bereits mit solcher Glut hoch, daß ihm herzleere Zurückhaltung ober gar Mißtrauen ganz unmöglich gewesen waren.

Knapp vor dem beiderseitigen wörtlichen Ge­ständnis ber Liebe bemerkte Cux, daß er jetzt mit größter Geschwindigkeit zum Hafen und auf den Dampfer der Ostafrika-Linie mußte. Mit vager Geste unb knapper Entschuldigungsformel verließ er bas Lokal, schrieb im Wagen auf eine Besuchs­karte bie nötige Erklärung seines Aufbruchs unb einige Worte des Abschieds, schickte den Kutscher damit zurück, bestieg ben Dampfer unb blieb oben an ber Reling stehen, hingerissen von der Gewalt des ersten Erlebens der Liebe, aufgelöst und tod­unglücklich ... Kaum begann ber Dampfer langsam feine Fahrt, kam bie über alles Geliebte im Wagen am Ufer an, drängte sich unter bie Abschiedneh- menben, zwängte sich bis ganz nach vorn und winkte winkte... Die ganze Nacht sah er im Geist die Winkende, die jäh* in den Abschied unb die Trennung Gestoßene, Verlassen«..»

haben es nach diesem Verfahren wesentlich leichter. Sie füllen jedes leere Glas und brauchen nicht dar­auf zu achten, wieviel der betreffende Gast getrun­ken hat. Allerdings haben sie auch jetzt noch viel zu tun, denn die Gläser werden überraschend schnell leer, ja manchmal dauert das Nachfüllen länger als das Austrinken, was von den Trinkern nicht ohne Bedauern vermerkt wird. Auch sonst scheint die neue Berechnungsgrundlage geeignet zu fein, ben Oe» tränkeverbrauch zu steigern. Wahrscheinlich wird in Bälde gegen dieses Verfahren Einspruch erhoben werden; vielleicht wird dann jener Spruch zur Lo­sung, der früher auf so manches Sofakissen gestickt wurde: Nur ein Viertelstündchen!

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Robert Spindler, Extraordina­rius für englische Philologie an ber Universität München, ist zum ordentlichen Professor in Mu» chen ernannt worden.

Auf Grund des § 4 des Gesetzes über bie ßjf pflichtung und Versetzung von Hochschullehrern si^ die ordentlichen Professoren Dr. Martin W oln (Bürgerliches und Handels-Recht) an der Univech' tät Berlin und Dr. Walter D i x (Pflanzenbau) an der Universität Kiel von den amtlichen Beo pflichtungen entbunden worden.

Auf eigenen Antrag wurde Professor Dr. Walter Kaufsmann, Ordinarius für deutsche Philologie an der Universität Kiel, entpslichtet, ferner wegen Erreichung der Altersgrenze Professor Dr. Georg Ebeling, Ordinarius für romanische Philologie an der Universität Kiel, und Professor Dr. Fran) Eulenburg, Ordinarius für Volkswirtschaft» lehre an ber Handelshochschule Berlin.

An der Universität Frankfurt ist Professor Dr. Christian Klumker, Ordinarius für Soziale Fürsorge, wegen Erreichung der Altergrenze von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.

Professor Dr. Wolfgang Kohler, Ordinarius für Psychologie unb Naturphilosophie an ber Um* oerfität Berlin, ist auf seinen Antrag von den amtlichen Verpflichtungen entbunben worden, ^ro» fessor Kohler, der 1887 in Reval (Estland) geboren wurde und früher in Frankfurt und in Göttingen wirkte, ist durch seine bemerkenswerten Intelligenz» Prüfungen an Menschenaffen in weiteren Kreisen bekannt worden.

Wegen Erreichung der Altersgrenze wurden von den amtlichen Verpflichtungen entbunden die fol* genben ordentlichen Professoren: an der Universu tät Münster Dr. Wilhelm B e n e ck e (Dotanir), Dr. Alois B o e m e r (angewandte Chemie), Dr.-v». Wilhelm Engelkemper (alttestamentliche Theo­logie, kath.); an ber Universität Bonn Dr. LM von Franqu6 (Geburtshilfe unb Gynäkologie» unb Dr. Heinrich ©Deppert (Industrie- uno Handelsrecht).

mußte es sich gefallen laßen, daß ihn ein Honveb aus bem Wasser zog. Obgleich er fieberte, brauste Cux in einer gemieteten, alten Limousine über Wien nach München unb kam dort nach dreijähriger Abwesenheit in ziemlich abgerissenem und verwahr­lostem Zustand, doch als Gewinner der Wette an.

Natürlich lag in München schon die Antwort auf sein Telegramm nach Hamburg, glühend hingeschrie­bene Liebesworte, die ihn veranlaßten, nach Ham­burg auszureißen. In derselben Weinstube sahen sie sich wieder, nahmen am selben Tisch Platz und doch war alles unheimlich verändert. Er begriff nicht, daß jedes Wort, jeder Blick leer blieben, nach­dem sie drei Jahre lang ihr Herz mit ein und demselben Traum genährt hatten, er verstand nicht, daß er einer solchen tollen Verliebtheit wegen dieser zwar hübschen, doch keineswegs tiefer bewegenden unb verpflichtenden^ jungen Dame verfallen war, er konnte vor Verlegenheit kein Wort mehr sagen, obgleich er sich mit Engelzungen hätte unterhalten mögen unb Liebe sprühen wollte wie die kreisenden Wasserspeier auf den Rasenplätzen, sausendes, prickelndes, stäubendes Feuerwerk der Sinne ach, es ging nicht! In den Pausen des Gesprächs er­kannte sie ihn, bie enblich in diese Liebe sich mit einem Kopfsprung zu werfen gewillt gewesen war, sah ihn, unb von Stunbe zu Stunbe wurde ihr der Freund noch fremder. Ratlos blickte sie auf den während der drei Jahre gründlich Veränderten, fand sich nicht zurück zu ihrem Gefühl und gestand in einer Aufwallung von Stolz und Scham die furchtbare Enttäuschung.

Daraufhin nahm Cux, in Herzenssachen völlig un­erfahren, am selben Abend Abschied und reiste nach München zurück. Acht Tage später traf aus Sera­jewo bie Nachricht ein, daß ber österreichische Thron­folger ermorbet worben mar, und ein anbres Stück Geschichte nahm seinen Anfang.

»Herr Ober, eine Stunde Bier.-

Die Bewohner von Dallas im Staate Texas haben anscheinend einen besonders großen Durst. Sie haben sich nämlich ein neues Verfahren für die Be­zahlung der Getränke in ihren Gaststätten ausge­dacht, das ebenso einfach wie ungewöhnlich ist. Wer sich dort ein Getränk bestellt, bekommt nicht etwa einen Strich auf ben Bierfilz gemacht unb braucht nicht nach der Zahl der Striche zu bezahlen, son- bem er entrichtet einfach eine Durchschmttssumme. Jeder zahlt bie gleiche Summe unb trinkt, sovkel er will! Allerdings hat man auf eine Einschränkung nicht ganz verzichten können, aber auch hierbei ein neues Mittel gefunden. Man trinkt nicht mehr nach Hohlmaßen, sondern nach Stunden. Wer ein Gast- 1 haus betritt, lost sich eine Karte, für die er eine ganze Stunde lang soviel trinken darf, wie er Lust hat. Ist er auch dann noch durstig, so zahlt er : wiederum einen entsprechenden Betrag. Die Kellner