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Samstag, 28. September 1935

185. Jahrgang

Ur. 221 Erstes Statt

Gießener Anzeiger

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Der deutsche Bauer beteiligt sich am 6. Oktober am Srntedanktag auf dem Bückeberg bei Hameln.

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Westgrenze sei normal. In der Grenzkaserne auf dem Berge von Sollums an der Grenze der Cyrenaica, der italienischen Kolonie an der Westgrenze Aegyptens, seien 800 Mann und eine Batterie untergebracht, Panzerwagen seien in den Patrouillendienst an der Grenze eingesetzt. Die Jt a l i e n e r haben an der Grenze der Cyrenaica ein dreifaches Stacheldrahtsystem angelegt, um Grenzüberschreitungen von Beduinen zu ver­hindern. Am Freitag nahmen drei italienische Schiffe, unter ihnen das große SchiffBaia­mon", das erst kürzlich von Italien gekauft wurde, in Port Said Kohlen ein. Alle drei Schiffe haben 5000 italienische Soldaten an Bord.

Nächtlicher Probealarm in Gibraltar.

Madrid, 28. Sept. (DNB. Funkspr.) Mel­dungen aus Cadiz berichten von einem großen Pro­bealarm, der in Gibraltar in der Nacht zum Sams­tag unter Beteiligung sämtlicher in der englischen Festung zur Zeit liegenden englischen Land-, See- und Luftstreitkräfte stattgefunden

Berlin, 28. Sept (DNB. - Funkspruch.) Der Staatsakt aus dem Bückeberg wird sich in diesem Jahre etwa wie folgt abfpielen:

Kurz nach dem Eintreffen auf dem Bückeberg schreitet der Führer die Ehrenformationen ab und begibt sich dann durch das Spalier der warten­den Volksgenossen auf die Tribüne, wo er das diplomatische Korps begrüßen wird. Der Abschuß von 3 Knallbomben zeigt sodann den Beginn der Kundgebung an. Die Eröff­nungsansprache hält Reichsminister Dr. Goeb­bels. Ls folgt eine Luftparade, ausgeführt von 100 Kriegsflugzeugen (Aufklärungsflugzeuge, Kampfflugzeuge und Bomber). Jlad) dem Vortrag eines EhorgefangesSegnung wird dem Füh­rer die Erntekrone überreicht.

Line weitere Knallbombe leitet die Groß­schauübung der Wehrmacht ein. hierbei wird dargestellt, wie ein Infanterie-Bataillon in einem Dorf eine Nachhut-Stellung bezogen hat, verstärkt durch eine Batterie schwerster Artillerie. In der Verfolgung greifen aus östlicher Richtung ein verstärktes Infanterie-Bataillon, zwei Batterien und ein Reiter-Regiment die Nachhut-Stellung an. Energische Abwehr aus der Nachhut-Stellung ver­anlassen den Angreifer, eine Krafträder-Schützen- Kompanie einzusehen und das Dorf durch Flieger­

staffeln und Bombenflugzeuge anzugreifen. Schließ­lich wird auch noch eine Abteilung von 150 Tanks eingesetzt, um diese Stellung zu nehmen. Gegen die angreifenden Flugzeuge werden meh­rere leichte und schwere Flak-Batterien eingesetzt.

Die ganze Hebung wird also ein Schaubild fast aller Waffengattungen der neuen deu t sche n wehr macht sein und vom Nürn­berger Parteitag abgesehen zum erstenmal den Volksgenossen seit zwanzig Jahren nicht mehr ober Überhauptnochnichtgefehenewaffen- ga 11 u n g e n in ihrer Verwendung zeigen, wäh­rend auf dem Zeppelinfeld in Nürnberg die einzel­nen Waffengattungen wegen der Beschränkung des Geländes nur nacheinander gezeigt werden konnten, wird es hier im weiten Rund des Geländes um den Bückeberg möglich (ein, alle diese modernen Waffen in gemeinsamem Zusammenwirken sehen zu können.

Das Schlußzeichen für die Hebung wird wiederum durch eine Knallbombe gegeben. Es folgt die Rede des Reichsbauernführers Darrt. So- dann spricht der Führer. Das Deutschlandlied und das Horft-Wessel-Lied beschließen die eindrucks­volle Kundgebung auf dem Bückeberg. Das genaue Minutenprogramm der Kundgebung wird noch be­kanntgegeben.

London, 28. Sept (DNB. Funkfpruch.) Das große Lrsahprogramm der englischen Flotten wird, wie der Marinekorrespondent desDaily Tele­graph meldet, dem Parlament bei der ersten Ge­legenheit vorgelegt werden. Ls wird sich auf meh­rere Jahre erstrecken und darauf hinzielen, die briti­sche Flotte auf denLinmacht-Standard zu bringen, der jetzt als unerläßliches Min- deftmah angenommen worden fei. Dieses Programm flehe jedoch in keinem Zusammenhang mit der gegenwärtigen politischen Lage, denn es sei schon vor einigen Monaten versuchsweise aufgestellt worden. Aus Grund des Bauprogramms von 1935 würden Aufträge im Verte von 10 Millionen Pfund erteilt werden, durch die 60000 Menschen Beschäftigung fänden. Von jetzt an bis Februar würden 19 Schiffe, nämlich zwei Kreuzer, ein Flottillen-Führer, acht Zerstörer, zwei Unterfeeboote, ein Depotsch-ff, vier Schaluppen, ein Vermessungsschiff sowie die Ma­schinerie und Ausrüstung furnier wei­tere Kriegsschiffe, nämlich einen Kreuzer, ein U-Boot und zwei Schaluppen, in Auftrag gegeben werden. Schließlich würden der große Schlachtkreu­zerR e n o w n mit einem Kostenaufwand von 900 000 Pfund sowie der KreuzerSüffelt für 100 000 Pfund völlig modernisiert werden. Angesichts der dringenden Notwendigkeit einer Ver-

Verstärkte Antriebe für eine Ausrüstung zur See.

Großes Ersahprogramm für die englische Flotte. Oie Bereinigten Staaten halten an den Flottenverträgen fest.

Das Programm für den Staatsakt am Erntedanktag auf dem Bückeberg.

Große Schauübung der Wehrmacht mit Zusammenwirken aller Waffen­gattungen im Mittelpunkt des Staatsakts.

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schiffe vor der Insel. Auf Rhodos erfolgten stündlich Landungen von militärischen Abteilungen. Zahlreiche griechische Einwohner der In­sel sind wegen angeblicher Freundschaft für England verhaftet worden. Bei Kalymonos ist eine große Anzahl von Torpedobooten, Un­terseebooten und Wasserflugzeugen Weitere starke Truppenabtei-

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Genf erwägt die Entsendung neutraler Beobachter in das abessinische Grenzgebiet.

Oer neue Ratsausschuß an den Kaiser von Abessinien.England begünstigt den Vorschlag

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lischen Kriegsschiffe versuchten die einen Angriff vortäuschenden Bombenflugzeuge in ihren Licht­kegel zu bekommen und abzuschiehen. Die starken in der Meerenge von Gibraltar in dieser Jahres­zeit herrschenden Nebel bereiteten den Flugzeugen große Schwierigkeiten.

Italien arbeitet fieberhaft an der Befestigung des Dodekanes.

Athen, 27. Sept. (DNB:) Nach Meldungen griechischer Blätter setzen die Italiener die Befesti­gung des Dodekanes fieberhaft fort. Auf der Insel Astropalos wurden 1500 Soldaten gelandet, die sofort mit Befestigungsbauten begannen. Auf der Insel K a r p a t h o s landeten 25 Wasserflugzeuge und 500 Mann. Ferner ankern zwei Kriegs-

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Memelschicksal.

Am Sonntag, dem 29. September, sollen im Memelgebiet, das seit zwölf Jahren unter litauischer Herrschaft steht, Wahlen für den Landtag stattfin- den. Ob man angesichts des ungeheuerlichen Be­truges, den Litauen dort mit feinem skrupellosen Bersälschungssystem eingeleitet hat, überhaupt noch von Wahlen sprechen kann, ist mehr als zweifel­haft. Niemand ist sich im unklaren darüber, daß das Memeldeutschtum einen schweren Gang vor ich hat. Wäre es eine Wahl, wie sie das Memel- tatut vorschreibt, würden die Memelländer frei und unbehindert abstimmen können: ein 90prozentiger Sieg der memelländischen Einheitsliste wäre sicher. Aber diesmal gilt es mehr denn je, gegen den litauischen Terror anzukämpfen, gegen die Tausende vonneuen M e m e l l ä n d e n", die aus den entlegensten Ge­genden des ehemaligen russischen Riesenreichs stam­men und die die einheimische Bevölkerung terrori­sieren, gilt es anzukämpfen gegen die Tücken und Schikanen eines mit geradezu teuflischer Bosheit ausgeklügelten Wahlsystems, das nicht nur alle Möglichkeiten zur Erschwerung und Behinderung der Wahl, sondern auch zur Verfälschung und schließ­lich zur endlosen Hinauszögerung des Wahlergeb­nisses bietet!

II»

ffärfung ber britischen Flotte hoffe man auf B e - roilligung eines Zufahhaushaltes zur beschleunigten Durchführung bes Programmes. Die neuen Kreuzer unb Zerstörer würben größer unb leistungsfähiger fein als ihre Vorgänger.

Das Echo in Washington.

Reu gort, 28. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Aus dem Zuge, in dem sich Präsident Roosevelt augenblicklich auf der Fahrt nach der Küste des Stillen Ozeans befindet, wurde bekanntaegeben, daß sich der Präsident nach wie vor, an die F l o t - tenbeschränkungs-Derträge halte. Das amerikanische Bauprogramm sei heute das gleiche wie vor 2Vi Jahren, nämlich Ausbau der Flotte bis auf die durch die Verträge von Washington und London vorgesehene Stärke. Dieses Bauprogramm werde die amerikanische Flotte i m Jahre 1 9 4 2 auf Vertrags stärke bringen. Die Vereinigten Staaten würden die Flottenverträge von Washington und London auch weiterhin befolgen, und nur eine Nichterneuerung oder Auf­gabe dieser Verträge könne die amerikanische Poli- tik ändern, und auch dies nur, falls andere Nationen, die durch diese Verträge gezogenen Grenzen überschreiten sollten. Roosevelt werde nach seinem Eintreffen in San Diego (Kalifor­nien) am Mittwoch eine große F l o t t e n pa r a b e abnehmen.

Werden die Beobachter schon zu spät kommen?

Genf, 27. Sept. (DNB.) Der am Donnerstag tiorn Völkerbundsrat eingesetzte Dreizehnerausschuh, Ism alle Ratsmitglieder mit Ausschluß der streiten- . >LN Parteien angehören, hat am Freitag seine erste Ik-itzung abgehalten und den spanischen Delegierten ile Madariaga zum Vorsitzenden gewählt. Ma- briaga erörterte den in dem letzten Telegramm | Iss Kaisers von Abessinien an den Rat erneut ge­lallten Antrag auf Entsendung neutra- Irr Beobachter nach Abessinien. Der Ausschuß beschloß, die Prüfung dieser Frage drei ^sachverständigen, einem Franzosen, einem Eng­länder und einem Spanier zu Überträgen. Der Aus- Ichuß sandte an den Kaiser von Abessinien folgen» les Telegramm: Der Ratsausschuß hat von dem j Beschluß Ihrer Majestät Kenntnis genommen, die 11 b e s s in i s ch en Truppen 30 Kilometer »sinter die Grenze zurückzuziehen. Er ' piürbigt den Geist, dem diese Entscheidung entsprun- | KN ist. Der Ausschuß, der dem Gesuch um E n t ,Sendung von unparteiischen Beob- I i chtern die größte Aufmerksamkeit widmet, prüft . mgenblicklich, ob die tatsächlichen Umstände Beob» ichtern die Erfüllung ihrer Aufgabe gestatten

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vnirde.

Daily Telegraph berichtet, bah bern Ausschuß am Freitag ein ins einzelne gehenber Plan für bie Lntsenbung neutraler Beobachter nach ben Grenzgebieten zwischen Abessinien unb ben italienischen Kolonien vorgelegt wor­ben fei. Line unbeschränkte Gruppe von Be­obachtern solle nach Lrythrea unb 3 fa- lienifd)-Somalilanb gefanbt werben, um vorn Flugzeug aus über Zwischen­fälle zwischen ben beiben Armeen zu berichten ober solche zu verhinbern. Acht Flugzeuge mit je einem Führer unb einem Beobachter würben genügen, um eine voUftänbige Heber­sicht über bie ganzen 1600 Kilometer bes Grenz­gebietes aufrechtzuerhalten. Geeignete Lanbe- plähe könnten rasch bereitgestellt werben. Außer diesenLuftbeobachtern sollen sich f ü n f B e - obadjtcr in ben Hauptquartieren an ben wichtigsten Punkten links ber Grenze aufhalten.

In P a r i s stellt man fest, daß es L a v a 1 n i ch t gelungen sei, eine Mehrheit für die Ab leh - ung des abessinischen Antrages auf Entsendung i nes neutralen Beobachtungsausschusses zu finden, Md unterstreicht gleichzeitig die Schwierigketten, Irenen sich ein derartiger Ausschuß in Abessinien «genübergestellt sehen werde. DerMatin" halt es ijjicht für ausaeschlosfen, daß der Völkerbund ferne «undsätzliche Zustimmung zur Entsendung des Aus- öhufses in die Praxis umsetzt, zumal man in eng» ijschen Kreisen zugunsten einer solchen Maßnahme tiotimmung mache.Oeuvre" erklärt, man halte G in Genf für durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Feindseligkeiten zwischen Italien indAbessinienbegännen,nocheheder Bericht des Dreizehner-Ausschusses |se r t i g g e st e l l t sei, d. h. noch vor dem 8. Oktober, fm diejem Falle würde man natürlich sofort zum 1- rtikel 16 greifen, der die praktische A n w e n - liung von Sühnemahnahmen vorsehe.

Alexanorien wird in Vetteidigungszustand gesetzt.

Kairo, 27. Sept. (DNB.) Dor Alexandria ka­rren am Freitag d i e britischen Schla ch t - lireuzerRenown" undHood" an. Sie liegen außerhalb des Hafens. Am Hafeneingang würben Geschütze mit großer Reichweite im Stellung gebracht. Auch fanden Mano- iser unter Teilnahme der Flotte und von Flugzeu» pen statt. Die Hafeneinfahrt wurde zum Schutz gegen Uboote mit Stahlnetzen abge- Mgperrt. Es wurde nur eine kleine Fahrrinne I fffen gelassen. Im Hafen selbst herrscht auch sonst ein I lebhaftes kriegerisches Treiben. Kraft­magen, Panzerwagen, Flugzeuge und Munition merden ausgeladen. Innerhalb von fünf Tagen harnen 170 Flugzeuge an, die zusammengesetzt werben unb für ben Flughafen Abukir Mich von Alexandrien bestimmt sind. Zivilpersonen iitt strengstes Stillschweigen über die militärischen Vorbereitungen auferlegt. In den Dorfanlagen von Alexandria wurde ein ehemaliger Offizier I her italienischen Luftstreitkräfte ver» haftet. Er hatte sich durch fein großes Interesse ! lir die aus einem britischen Proviantschiff ausgela- imen Vorräte verdächtig gemacht. Drei i <;afle lang war er in der Umgebung ber Dockanlagen l-robachtet worden. Wegen 'Mangels an Beweisen laben bie Behörben seine Freilassung verfugt. Der Imterstaatssekretär im Kriegsministerium erklärte, laß bisher keine Maßnahmen für eine Erhohuna Ser Heeresstärke Aegptens, bie augenblicklich 18 000 Mann betrage, getroffen feien. Die Lage an ber

Man braucht sich zur Kennzeichnuna dieserWah- len" nur eine einzige Tatsache vor Äugen zu hal­ten: Der memelländische Wähler soweit ihm nicht das Wahlrecht durch bie berüchtigte Paßrevi­sion einfach entzogen worden ist erhält an diesem Wahlsonntag erst unmittelbar beim Betreten des Wahllokales nicht einen Stimmzettel, ja noch nicht einmal eine Liste mit den zu wählenden Abgeordneten, sondern einen dicken Block von 3 bis 400 Zetteln, aus denen er binnen wenigen Minuten die 29 Namen der von ihm Gewählten heraussuchen soll! Diese schikanöse Wahlbeeinträch­tigung wird noch ergänzt durch die Tatsache, daß die vielen Tausende von eben erst eingebürgerten Litauern, darunter ein hoher Prozentsatz von An­alphabeten, schon jetzt von ebenfalls Landfremden im Heraussuchen der litauischen Kandidaten plan­mäßig gegen ein Entgelt von 5 Lit unterwiesen werden! Daraus geht also hervor, daß diese Tau­ende von landfremden Litauern, die gleichwohl über das Schicksal bes Memelgebietes entscheiden sollen, schon jetzt in den Besitz, zum mindesten aber in genaue Kenntnis des Stimmzettelblocks gesetzt wer­den und so trotz ihres kulturellen und zivilisatori­schen Tiefstandes dem memelländischen Wähler von vornherein technisch überlegen sein werden.

Die Litauer haben deutlich genug zum Ausdruck gebracht, daß sie bei dieser Wahl aufs Ganze gvhen wollen. Das Ziel ist, die Voraussetzungen für die endgültige Außerkraftsetzung der Autonomie zu schaffen. Die Bevölkerung selbst soll die Kownoer Gewaltpolitik der letzten Monate und Jahre gutheihen und damit vor aller Welt legalisieren!Wer für die Autonomie eintritt, ist ein Staatsfeind, und wer deutsch wählt, für den ist kein Platz mehr im Ttemelgebiet , so konnte man es täglich in der litauischen Presse lesen. Mit an­deren Worten: in den neuen Landtag soll eine litauische Mehrheit einziehen, oder aber es sollen zum mindesten soviele Litauer in die künf­tige Volksvertretung gebracht werden, daß das Spiel der Ausschaltung des Landtags fortgesetzt und das bisherige ungesetzliche litauische Direktorium weiter regieren kann. Die Möglichkeit der Ausschaltung des Landtags wäre bereits gegeben, wenn es den Li­tauern gelingen würde, ihre Mandatszahl (von 5 auf 10) zu verdoppeln, so daß beim Fernbleiben der litauischen Abgeordneten von den Sitzungen bei insgesamt 29 Abgeordneten die Zahl von 20 ^ur Beschlußfähigkeit nötigen Stimmen nicht erreicht werden könnte.

Auf memeldeutscher Seite weiß man sehr wohl, was auf dem Spiele steht. Die Not der Heimat hat die Memelländer zu einem festen und unerschütter­lichen Abwehrblock zusammengeschweißt. Nur eine einzige memeldeutsche Liste steht den insgesamt sechs litauischen Listen gegenüber. E i n V o l k, e i n Schicksal und ein Wille, das ist die Pa­role, mit der sich die Einheitsliste an die Wähler gewandt hat. Nicht Abschaffung, wie das die Li­tauer wollen, sondern Verteidigung der Autonomie, die die überlieferten Rechte und die Kultur der Memelländer sichern und erhalten soll. An diesem Kampfziel müssen alle Angriffe unb Derdächtigungsversuche, alle Drohungen und Ver­leumdungen kläglich zerschellen. Recht für Memel! Hinter dieser Forderung steht das ganze Memelland geschlossen wie ein Mann.

Allerdings: von einerallgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl", wie sie Artikel 10 des Memelstatuts vorschreibt, kann keine Rede sein. Unb wenn dies von der litauischen Regierung den Memelgaranten gegenüber dennoch behauptet wurde, so ist das die größte Wahllüge, die die Litauer sich in diesem mehr als merkwürdigen, völlig einseitig geführten Wahlkampf geleistet haben. Die Wahlen müssen auch diesmal wieder unter dem Kriegszustand stattfinden. Außerdem bedroht das sog. Staatsschutzgesetz selbst das Eintreten für die autonomen Rechte mit Zuchthausstrafen bis zu vier Jahren! Laut Artikel 33 des Statuts ist allen Ein­wohnern des Memelgebiets die Derfammlungs- unb

hat. Der Ablauf der Manöver soll von dem in der Nähe Gibraltars liegenden spanischen Städten und Ortschaften aus gut zu verfolgen gewesen sein und f zusammengezogen, einen imposanten Anblick geboten haben, lungen werden erwartet. In Kreta ist außer- Die Stadt Gibraltar selbst lag DÖUig im Dun- halb der Fünfmeilenzone ein italienisches Kriegs- fein, und nur die großen Scheinwerfer der eng» I schiff vor Anker gegangen.