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Malta,Englands FlotlenWtzpunkt im Mittelmeer

Luftschutz ist Dolksschutz.

dieser Kombination zerstreut. Nur um die Aus­wirkung der deutsch-polnischen Verständigung zur See kreisen noch die Gedanken.

Die uneingestandene Furcht vor Rußland, vor den Bombengeschwadern der roten Macht, die die Weltrevolution auf ihre Fahnen geschrieben und Hekatomben von Blut und Millionen von Bauernschicksalen gefordert hat, hat die Gemein­samkeit der Gefahr erkennen lassen und dem Zu­geständnis zum Durchbruch verholfen, daß die Flottenpolitik des deutschen Führers und Reichs­kanzlersein Bollwerk für den Frieden" aufgerich­tet hat. Auch das ist ein positiver Gewinn des Reiches; daran ändert nichts, daß jedes einzelne skandinavische Land sich vor besondere Aufgaben gestellt sieht, das eine am Oeresund, das andere am Atlantischen Ozean, das dritte gegenüber dem Meerbusen, der zwischen Finnland und dem Balti­kum bis Kronstadt und Leningrad an Rußlands Küsten heranreicht. Im Falle von Verwicklungen sind die Aalandsinseln denselben Bedingungen unter­worfen wie Gotland und Bornholm oder das ßant), das der Oeresund von Schonen getrennt hat.

ZeppelinLZ 129* im Bau.

Neuestes Bild von dem Bau des neuen Zeppelin- LuftschiffesL Z 129". Das Bild gewährt einen Blick auf das Gerüst und läßt die ungeheuren Ausmaße dieses Luftschiffes ahnen. (Weltbild-M.)

Hering, der gut gewäffert und gewaschen ist, dazu in Würselchen geschnittene Zwiebel, Fleisch- und Schinkenreste, nach Belieben auch Tomaten, dar­über wieder Kartoffelscheiben usw. Milch verquirlt man mit wenig Salz, Pfeffer und 1 bis 2 Eiern und gießt die Flüssigkeit über das Eingefüllte. Obenauf gibt man möglichst noch ein Ei mit etwas Milch verquirlt und reichlich Butterflöckchen. Man a&t' das ganze 1 Stunde backen und bringt es warm auf den Tisch.

Gebratene Heringsklößchen. Zwei fette Salz­heringe werden wie beschrieben sauber vorgerichtet, dann fein gehackt und mit vier in Milch geweichten und wieder ausgedrückten Weißbrötchen vermischt, zwei Eier und feingeschnittene Zwiebel, etwas Maggi und Zucker dazugegeben. Hält die Masse nicht gut zusammen, so gibt man noch geriebene Semmel dazu, formt Klößchen, drückt sie breit und brät sie in heißem Fett. Man reicht Tomaten­soße und Kartoffelmus dazu.

Noch ein anderes ist beachtenswert. Das ist die Aufmerksamkeit, die man der Befestigung der Haupt st a d t Kopenhagen und dem Schutze ihrer Bevölkerung gegen einen Angriff von der Luft her widmet. Auf dieser Linie liegt auch das Programm des Chefs des Heeres, das neben der weiteren Ausbildung der Heim­wehren aufgezogen im Geiste einer militärischen Erziehung des Landes den Ausbau der Luftwaffe fordert. Wieviel auch über die Flotte und ihre Unzulänglichkeit in der Presse geschrieben worden ist, jeder Vorstoß endete bisher mit erfolg­losen Protesten und Gegenbetrachtungen über die Fahrzeuge, die zur Sperrung des Oeresundes ge­nügen würden: Minenschiffe, Unterseeboote, eine Torpedoflottille und das KriegsschiffNiels Juel" als Träger der Artillerie. Man glaubt feine Er­fahrungen im Weltkriege gemacht zu haben und weih, daß Dänemarks Lebensadern durch jede Großmacht zur See im Kattegatt durchschnitten und oom Süden her durch die Macht abgeschnürt wer­den können, die die Ostsee beherrscht und ihren Handel und Verkehr kontrolliert. Darum ist die Beschäftigung mit Fragen der Taktik und der Schiffstypen in die zweite Linie gerückt. Weil man meint, daß ein Seekrieg der Zukunft dort von der Luftwaffe entscheidend mitbestimmt werden wird, wo sich Stützpunkte in ausreichender Entfernung befinden, hat.man der Verteidigung gegen sie sein Hauptaugenmerk zugewandt. Die praktischen Folgerungen aus diesem Standpunkt sind freilich noch nicht gezogen. Den ausgezeichneten Fliegern fehlt die notwendige Zahl der Maschinen. Man liest das Wort aus T i r p i tz' Erinnerungen, daßein enges Verhältnis zu Dänemark für Deutschland von größerem Nutzen gewesen wäre als zum Beispiel das Bündnis mit Oesterreich". Doch ist damit nicht gesagt, daß Dänemark nun seine Heeresdispositionen einseitig treffe. Es sucht einen Weg, den Verpflichtungen aus feiner Neu­tralitätspolitik nachzukommen. Da es an der Er­kenntnis nicht mehr vorüberkommt, daß der Völker­bund ein machtpolitifches Instrument der noch in ihm vertretenen Großmächte ist, sieht es nach sieb­zehn Jahren tatenlosen Träumens die zugleich die Zeit deutscher Wehrlosigkeit umschlossen eine veränderte Welt, zu der es Stellung nehmen muß. Das Land ist, im Ganzen genommen, noch weit davon entfernt, das Neue innerlich völlig erfaßt zu haben, spürt aber die Wellen, die aufgewühlt wor­den sind und ahnt, daß auch sein Schicksal mit­ergriffen wird.

Die Flottenabkommen von Washington und Lon­don werden mit dem Ende dieses Jahres zu bestehen aufgehört haben. Die erste Handluna der umgestal­teten englischen Regierung ist gewesen, das A b -

Die englische Regierung führt eine erhebliche Verstärkung der Insel Malta durch, die mit ihren Be­festigungen und Häfen den Hauptstützpunkt der englischen Kriegsflotte im Mittellandlschen Meer dar- fteUL Unser Bild gewährt einen Ueberblick auf den Hafen La Valetta auf Malta mit einigen Kriegs­schiffen im Hafen. (Scherl-Bilderdienst.)

tommen mit D-ulschl°nd zu

dem britischen Jnselreich Sicherheit gegen kostsplett« ges Wettrüsten bescherte. Die unen wegten Systenv Politiker der skandinavischen Presse sagten, was nun aus Stresa und dem Ost- oder dem Donaupakt werden würde. Als darauf keine Antwort erfolge, weil diese Fragen in den interessierten Großmacht­kreisen nicht erörtert werden, kamen auch sie. auf die eigenen Sorgen und Interessen zuruck Sie betreffen den Ostseeraum. In ihm hatte sich England nach dem Ablauf des Krieges breit- gemacht. Zwischendurch war einmal die Möglichkeit einer französisch - polnischen Zu s a m - m e n a r b e i t aufgetaucht. Der Freundschaftsver­trag zwischen Berlin und Warschau hat die Nebel

als in den letzten Monaten immer wieder in Nacht und Nebel geheimnisvolle Flugzeuge Land und Küste hinauf und herunter beobachtet wurden die Presse berichtete in regelmäßigen Abständen über das Unvermögen, ihren Charakter und ihre Nativ- nalität festzustellen setzte eine scharfe nationale Bewegung mit dem Ziele ein, die Luftwehr zur Verteidigung als selbständigeWaffengat- tung mit weitem Aktionsradius in Be­reitschaftsstand zu setzen. Woher aber sollen die G e 1° b e r für einen solchen Ausbau fließen, wenn die Regierung ohnehin mit der Bürde der Krisenmillio­nen belastet ist, die das Wirtschaftsleben des Landes auf der für den Bauern und den Arbeiter, für Schiffahrt und Industrie notwendigen Höhe halten sollen? Man weist darauf hin, daß Schweden die gleiche Luftwehrpolitik betreibe, und ermahnt Däne- mark, aus feiner Neutralitätspolitik die notwendigen Folgerungen zur Verteidigung des Oeresundes zu ziehen; aber gute Ratschläge sind billig.

Auch in Dänemark hat kürzlich eine hoch- stehende militärische Persönlichkeit, nämlich der Chef der Küstenflotte Konteradmiral B a st r u p , seiner Sorge wegen der Unzulänglichkeit der Flotte Ausdruck gegeben. Man muß zugestehen, daß die dänische Flotte ihrer einzigen Aufgabe im Ernstfall, die Durchgangsfahrwasser zwischen Inseln und Festland wirksam zu sperren, kaum gerecht werden kann, wenn es schon an der Ausbildungs­zeit der Mannschaften und gar an ihrer Zahl hapert. Die dänische Heeresordnung von 1932 ist vor den Forderungen der Wirklichkeit zusammenge­brochen. Die Marine ist ein Schaustück geworden: Eltern sehen sich an, wieweit die Jungen es im Lernen gebracht haben, und ein Ball beschließt einen solchen Abend. Das ereignete sich neulich auf einem Seefort Das Heer macht einen besseren Eindruck als das in Norwegen; aber vergebens ruft bisher auch Generalleutnant W i t h , fein Chef, nach zwei neuen Regimentern für Jütland und Seeland. Der sozialdemokratische Staatsminister hat allerdings vor kurzem in einer vielbeachteten Rede zu Aalborg die gemeinsamen nationalen Aufgaben des Landes ausgezeichnet und zugegeben, daß die Zeit theoretische Auffassungen überholen und eine veränderte Stellungnahme zu den Rüstungsfragen herbeiführen könne; aber er hat dann doch in der­selben Rede feine Hoffnung wieder darauf gesetzt, daß das Recht der Schwachen sich durch­setzen werde. Völlige Abrüstung bleibt sein oder zumindest feiner Partei politisches Ideal. Allein der S ü d g r e n z e , die niemals militärisch bedroht sein wird, gilt gesteigerte Aufmerksamkeit. Hier wird inspiziert, hierhin ist das Gesicht der Bewachungs-Politik" der Regierung hinter einer Kette von Garnisonen gewandt.

Wehrwille im Norden.

Don unserem -di.«Äerichierstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Kopenhagen, 25.August 1935.

Das äußere Bild der politischen Weltberichterstat­tung wechselt schnell. Konnte die Presse um Deutsch­land herum noch vor wenigen Wochen nicht genug Spalten mit Flottenfragen und der Brüchigkeit der Zwangsbestimmungen von Versailles füllen, so muß sie nun ihren Raum dem Konflikt um Abessinien und dem Fieberzucken in Frankreich einräumen.

Da erinnerte in diesen Tagen die Eingabe des Chefs des schwedischen Marine­ft a b e s daran, daß die Hochflut politischer Begeben­heiten auch in der Ostsee Wellen geschlagen hat. Admiral Lybeck verlangte in einem Gutachten an die Marineoerwaltung ein neues Panzerschiff, zwei Un­terseeboote und verstärktes Luftflottenmaterial. Seine Eingabe will nicht etwa die Notwendigkeit ab­schwächen, Gotland als Stützpunkt zum Schutze Stockholms gegen einen Angriff zu Wasser oder zur Luft stärker auszubauen, sondern ressortmäßig fest­stellen, daß seit 1925 die schwedische Küstenflotte von 42 auf 22 kampffähige Einheiten gurütf gegangen ist. Heute schon kann man in­dessen sagen, daß Der Nachdruck auf die L u f t w e h r gelegt sein wird. Nach den Voraussetzungen von 1925 sollte sie 200 Maschinen zählen; sie verfügt heute nur über ein Drittel davon und dar­unter sehr wenig Jagdflugzeuge. Bombengeschwader sind überhaupt nicht vorhanden. Die Sozialdemo­kratie will Herabsetzung, nicht Erhöhung des Bud­gets. Das Heeresbudget Schwedens ist 1925 auf 123 Millionen Kronen gedrosselt worden. Die nationale Opposition möchte es auf 159 Millionen heraufgesetzt sehen. Was herausspringen wird, sind Verbesserung des Materials und der Schlagkraft bei keinesfalls größerer Zahl der Mannschaften, dringend notwen­dige Jnftandsetzungsarbeiten für die Marine, die auch in disziplinärer Hinsicht das Schmerzenskind des Landes ist. Verstärkung einiger Küstenforts durch weitreichende Geschütze und Ausbau der L u s t w a f f e unter gleichzeitiger Inangriffnahme des Schutzes der Zivilbevölkerung gegen Gasangriffe. Die Entscheidung \ leibt dem Reichstag des nächsten Jahres vorbehalten, vielleicht sogar erst dem, der 1936 in seiner Zweiten Kammer verfassungsgemäß neu gewählt wird.

Einfacher liegen die Dinge in Norwegen, in­sofern nämlich, als die finanziellen Möglichkeiten einen ins Gewicht fallenden Aufbau der Wehrmacht nicht zulaffen. Das Land steht amRande feiner Steuerkraft; es muß sich fein wirtschaftliches Auskommen schwer erkämpfen. Die neue Heeres­ordnung ist diktiert von den Aufgaben, die der Lan­desmacht gestellt werden können. Welche aber sind es? Die (Entfernungen sind nur durch Flug­zeuge zu über* lüden; an diesem Punkte setzen daher auch in Norwegen die Reformbestrebungen ein. Die jetzige Organisation hat an der alten Ver­teilung der Luftwaffe aus Heer und Flotte festge­halten. Man war ursprünglich davon ausgegangen, daß das Flugzeug eine Hilfswaffe zu Aufklarungs- zwecken fei. Die Erfahrungen des Weltkrieges find in ihrer Bedeutung nicht berücksichtigt worden. Erft

©er Kindskopf Gottes.

Anekdote von Otto Anthesi

In einem preußischen Regiment, das im Früh­jahr 1793 zur Belagerung von Mainz über den Taunus marschierte, diente ein Fahnenjunker von Gräoenitz, ein Kind fast noch, kaum sechzehnjährig, wie das damals der Brauch war bei den Jungens von Adel. Die Kompanie, bei der er stand, hatte außer dem Kapitän nur noch einen Leutnant, ein rechtes altes Schlachtschwert, voller Scharten und Beulen am ganzen Leibe. Und da der Kapitän sich auf dem Marsch wie auch im Quartier viel abseits und für sich hielt, so war der Leutnant des Junkers stete Gesellschaft, sein Tischgenosse, sein Unterhalter und Erzieher. Dieser Leutnant war ein seltsames Gewächs. Seine Tapferkeit war über allem Zweifel. Aber weil er außer Dienst sich immer wieder im Trinken, Spielen, gelegentlich auch in groben Wor­ten gegen die Vorgesetzten allerhand Tollheiten zu- schulden kommen ließ, so war er nie aufgerückt, wenn er an der Reihe war, und als es ihm einmal dennoch geglückt war, hatte man ihn am nächsten Tage einer ungeheuerlichen Dummheit wegen wieder in den alten Rang zurückversetzt. So war er mit mehr als vierzig Jahren immer noch Leutnant, trug aber fein Schicksal mit guter Laune und war auch dem Junker ganz und gar kein grämlicher Auf­passer, wenn er ihn auch oft derb ausschalt.

Kindskopf Gottes!" pflegte er ihn zu nennen, wenn er, der doch noch ein Knabe war, sich einmal allzu knabenhaft aufführte. Und der Kindskopf Gottes liebte bas alte Schlachtschwert, weil er wohl die geradezu mütterliche Fürsorge verspürte, die jener ihm oft unter rauhen Worten bezeigte.

Eines Abends, nach drei harten Marschtagen, be­zog die Kompanie Quartier in einem Taunusdorf, um dort eines Ruhetages zu genießen.

Junker", sagte der Leutnant nach dem Abend- esien,altes Faultier, morgen darfst du den ganzen Vormittag verschlafen".

Der Junge schämte sich ein bißchen, denn er wußte wohl, daß das alte Schlachtschwert dann seinen Dienst mitversehen mußte. Aber er wehrte sich doch nicht weiter, weil der dreitägige ftramme Marsch ihn tüchtig mitgenommen hatte, so daß er zum Umfallen müde war.

Dennoch hielt es ihn am anderen Tage nicht allzu lange im Bett. Als er aufgeftanben war, erfuhr er, daß ber Leutnant schon em paar Stunben unter­wegs war, um nach seinen Leuten zu sehen, ob sie gut untergebracht wären, ihre Schuhe orbentlich geschmiert hätten unb was dergleichen Soldaten-

sorgen mehr sind. Er frühstückte also allein und bummelte bann burchs Haus unb burch bie Hinter­tür auf ben Hof. Dort waren bie Buben des Quartierwirts zugange und spielten mit den Stein- küaelchen, die man dortzulande Klicker, in jeder anderen Gegend Deutschlands aber wieder anders nennt. Sie hatten eine Kuhle in die Erde gemacht und trieben ihre Klicker auf eine vorgefchriebene überausaus verzwickte Art hinein, Wer hinter­einander drei Klicker in die Kuhle brachte, durfte ihren ganzen Inhalt als Gewinnst einstecken. Der Junker trat heran unb schaute bem Spiel eine Weile zu. Dann hockte er sich wie bie Buben in bie Kniebeuge, um besser sehen zu können. Unb schließlich spielte er selber mit. Er hatte auch schon eine Hanbvoll gewonnener Klicker in ber Hosen- lasche, als er hinter sich bie Stimme bes Leutnants hörte.

Aber Junker", sagte bas alte Schlachtschwert vorwurfsvoll,was treibst bu benn ba?"

Er fuhr herum, riß bie Knochen auseinanber und stotterte gewohnheitsmäßig:Befehl,Herr Leutnant?"

Befehl? Befehl!" knurrte der Leutnant.Befehl ist Dreck. Komm mal herein!"

Drinnen in der Stube pflanzte er sich breit­beinig vor bem Junker auf, flackerte ihn mit Den Augen an, baß es grimmig anzusehen war unb sagte gewichtig:Denkst bu baran, baß bu vielleicht mor­gen zum ersten Male ins Feuer kommst? Wenn bu bie Ohren aufmachst, kannst bu bie Kanonabe von Mainz herüber schon hören. Unb spielst heute mit Kindern Picker! (Er war von ber branben- burgisch-mecklenburgischen Grenze, unb bort sagen sie Picker.) Das verträgt sich nicht miteinanber", schloß er mit Donnerton.

Da aber sah ihn ber Junge mit einem so un- schulbig fragenben Blick an, bah er unsicher rouröe, sich abkehrte unb mit fallender Stimme hinzusetzte: Oder oieleicht doch."

Und den Rest bes Tages war er zwischen ge­legentlichem heftigen Geschimpfe befonbers liebe­voll zu dem Junker.

Zwei Tage später kam die Kompanie wirklich ins Gefecht. Der Junker führte seinen Zug wie ein alter Krieger; er kommandierte seine Salven ge­nau und bestimmt, sprang beim Dorrücken unbedenk­lich weit vor die Front und winkte seinen Leuten mit emporgerecktem Degen alles so, als ob es auf dem Exerzierplatz wäre. Bis er kurz vor dem letzten Anlauf von einer Stückkugel getroffen und schwer, wenn auch nicht lebensgefährlich, verwundet wurde.

Als alles zu Ende war, tarnen der Kapitän und der Leutnant ihn besuchen. Er lag auf einer

Strohschütte hinter einer alten Scheune, war mit seinem Mantel zugedeckt unb hatte irre Augen. Der Kapitän faßte seine fieberheiße Hano unb sagte: Hast bich brav gehalten, Junker. Wir finb stolz auf dich. Außerdem haben wir bas Gefecht gewonnen."

Der Junge tastete mit seiner unoermunbeten Hanb nach seiner Hosentasche, wo er noch bie er­spielten Klicker fühlte, unb flüsterte, inbern ein glückliches Lächeln auf feinem Gesicht stand:Ge­wonnen!"

Der Leutnant verstand ihn. Und gerührt wie er war, gab er dem Kapitän halblaut eine Aufklärung.

Mit Marnern gespielt?" fragte der Kapitän un­gläubig. Er war in ber Gegenb von Magdeburg zu Hause, wo sie die Dinger Marmeln nennen.

Inzwischen hatte bas alte Schlachtwert eine hef­tige Gebankenarbeit vollbracht, bie sich in ben krau­sen Falten seiner Stirn abzeichnete, unb sagte:Es ist eigentlich kein sehr großer Unterschied zwischen einem Kinde und einem tapferen Soldaten."

Der, Kapitän sah ihn von der Seite an.

Nein, ohne Spaß, Kapitän", beteuerte er.Sie spielen beide ihr Spiel, der eine mit Pickern, der andere mit Flintenkugeln. Und was ist ihr Ge­winn? Das Gefühl" er stockte ein wenigna ja, eben ein Gefühl wie vom Himmel. Kinds­köpfe Gottes sind sie beide."

Was für ein Gefühl?" fragte der Kapitän, der selbst nachdenklich geworden war.

Da rafft sich das alte Schlachtfchwert zu einer gewaltigen geistigen Anstrengung auf und schrie: Daß man Das lumpige Leben vergessen hat. Und besiegt hat. Und darüber ist!" Dann erschrak er vor feiner eigenen Weisheit. Er griff an den Hut und murmelte:Verzeihung, Kapitän ich meine man bloß"

Gottfried Kellers Hauskreuz.

Der Dichter desGrünen Heinrich" stand bedenk­lich unter dem Pantoffel, allerdings nicht unter dem einer Gattin, wohl aber unter dem feiner alten Schwester Regula. Wenn sie sich auch in fchwe- fterlicher Liebe sehr darum bemühte, um ihn Sorge ZU tragen, und ihm die Last feines Haushalts ab« zunehmen, so hatte sie doch wenig Einsicht in die Seele des Dichters und verlangte von ihm, daß er ein Ausbund aller bürgerlichen Tugenden sei. In einem Brief Gottfried Kellers an Theodor Storm findet sich ein Zeugnis der Strenge, mit ver sie den Pantoffel schwang. Im Anschluß an eine Erörterung über Schriftstellerhonorare gibt Keller folgenden wehmüttg-lusttgen Einblick in fein unge- müüiches Hauswesen:Da wir an Geldsachen sind.

so will ich gleich noch einen wichtigen Punkt zur Sprache bringen. Sie haben nämlich schon einige Male Ihre Briefe mit Zehn-Pfennig-Marken fran­kiert, während es außerhalb des Reiches zwanzig fein müssen. Nun habe ich eine Schwester und säuer­liche alte Jungfer bei mir, die jedesmal, wenn sie das Strafporto von vierzig Pfennigen in das Körb­chen legt, das sie dem Briefträger an einer Schnur vom Fenster des dritten Stockes hinunterläßt, das Zetergeschrei erhebt:Da hat wieder einer nicht ge­nug frankiert!" Der Briefträger, dem das Spaß macht, zetert unten im Garten ebenfalls und schon von weitem:Jungfer Keller, es hat wieder einer nicht frankiert!" Dann wälzt sich der Spektakel in mein Zimmer!Wer ist denn bas wieder?" (An Ihren Beraubungen haben Sie nämlich Konkurrenz in den österreichischen Backfischchen, die an alle Dichter der letzten jeweiligen Weihnachtsanthologie um Autographen schreiben, sofern der Wohnort des betreffenden Klassikers aus dem Buche ersichtlich ist.) Den nächsten Brief dieser Art", schreit die Schwe­ster fort,wird man sicherlich nicht annehmen!" Du wirst nicht des Teufels fein!" schrei ich ent­gegen. Dann sucht sie die Brille, um Adresse und Poststempel zu studieren, verfällt aber, da sie meine offenstehende warme Ofenröhre bemerkt, darauf, die Erbssuppe von gestern zu holen und in die Wärme ZU stellen, so daß ich den schönsten Küchengeruch in mein Studierzimmer bekäme, was sonderlich für ben Fall eines Besuches angenehm ist.Raus mit ber Suppe!" heißfs jetzt,und stell sie in deinen Ofen!"Dort steht schon ein Topf; mehr hat nicht Platz, weil der Boden abschüssig ist!" Neuer Wortkampf über die Renovation des Bodens, end- llch aber segelt die Suppe ab, unb bie Portofrage lst darüber für einmal wieder vergessen, denn mit ber Suppe hat Angriff unb Derteibigung, Sieg und N.eberlage gewechselt. Haben Sie also die Güte, der Quelle dieser Kriegsläuste nachzugehen und sie zu verstopfen ..."

Hochschulnachnchten.

Don den amtlichen Verpflichtungen entbunden wurden an der Universität Königsberg die ordentlichen Professoren Dr. Karl Kaiserling (allgemeine Pathologie und pathologische Anato­mie), Dr. Walter Kaufmann (Experimental­physik) und Dr. Gabriel S z e g ö (Mathematik).

An ber Universität Münster treten wegen Er­reichung der gesetzlichen Altersgrenze in denRuhe- stand die Professoren Dr. Wilh. B e n e ck e (Pflan- zenphysiologie), Dr. Friedrich Münzer (Alte Ge­schichte), Dr. Ernst Rosenfeld (Strafrecht) unä Dr. Hermann Schöne (Klassische Philologie).