Ausgabe 
28.6.1935
 
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Dazu kommt ein nach den neuesten Erfahrungen ausgestatteter Luftschutzkeller für etwa 300 Personen und für Kunstwerke. Für die Außen­mauern und für die beiden imponierenden Säulen an seiner Vorder- und Rückseite wurde Kelheimer Marmor und Nagelfluh aus der Gegend von Bran­nenburg am Inn' verwandt.

Deutsche Expedition erforscht das alte kafiristan.

Eine deutsche Expedition, die sich bisher mit botanischen Forschungen im Gebiete des Hindukusch beschäftigt hat, hat von Kabul aus die Reise nach Nuristan (auf deutsch: Land des Lichts) angetreten. Die afghanischen Behörden haben der Expedition die Erlaubnis gegeben, dieses Gebiet, das alte Kafiristan, zu besuchen, das von einer heidnischen

Bevölkerung bewohnt wird, deren Gebräuche sich seit der Zeit Alexanders des Großen fast unverän­dert erhalten haben. Soweit bekannt, ist ein großer Teil dieses Gebiets noch niemals von einem Euro­päer betreten worden. Die Hauptaufgabe der Ex­pedition in diesem Gebiet ist die Erforschung der Urheimat der Hindus, die von manchen Wissen­schaftlern in diese Gegend verlegt wird. Die Expe­dition wird das Buschgal-Tal auf der afghanischen Seite der indisch-afghanischen Genze durchziehen und dann über den Schui-Paß nach dem Lutkuh- Tal vorzudringen versuchen. Die Regierung von Britisch-Jndien hat bereits die Erlaubnis zu For­schungen in der an Kafiristan angrenzenden, west­lich von Kaschmir liegenden Provinz Chitral gegeben.

Kleine Welle

große"

-.XX:

irkung!

Oie Dezimeter-Welle,

Der deutschen Firma Telefunken ist es in nahezu zweijähriger intensiver Arbeit gelungen, die Funk­technik um einen großen Schritt weiterzubringen. Telefunken ist nämlich das praktische Arbeiten mit Wellen gelungen, deren Reichweite nur 5 bis 1 Dezimeter umfaßt, und die daher unter dem Namen Dezimeter-Wellen in die Technik eingehen werden. Sie waren theoretisch allerdings schon geraume Zeit bekannt, nur fehlte der An­wendungsbereich, weil die technischen Mit­tel bisher zu primitiv waren, um Erzeugung und Empfang dieser Wellen genau zu messen.

Diese Dezimeter-Wellen besitzen etliche Eigen­schaften, die sie ihren größeren älteren Geschwistern voraushaben. Zunächst sind sie unbeeinfluß­bar für atmosphärische Störungen. Dann lassen sich die Dezimeter-Wellen gut bün­deln, und der ausgesandte Energiestrahl, obwohl er nur mit wenigen Watt gesendet ist, besitzt eine außerordentlich große Feldstärke. Ferner besitzen die Wellen ähnliche Eigenschaften wie die Lichtwel­len, sie haben ausgeprägte Richtwirkung.

Den ersten Einblick in ihre Forschungsarbeit auf diesem Wellengebiet gewährte die Telefunken G. m. b. H. Pressevertretern auf ihrem Versuchs­feld bei Großziethen. Dr. Runge zeigte die Wellenlänge des Strahlungskegels an einem kleinen Sender mit einem etwa 1 Quadratmeter großen Strahler. Zur Erzeugung und zum Empfang sind ganz neuartige Anlagen nötig, da die sonst in der Funktechnik übliche Schwingungszeugung durch Rückkopplungsschaltungen und gittergesteuerte Elektroröhren für Wellenlängen unter einem hal­ben Meter nicht in Frage kommen. Die neuen Röhren, die für die Dezimeter-Wellen verwendet werden, sind klein er als eine Streichholz­schachtel und ohne Gitter. Sie besitzen einen sehr hohen Wirkungsgrad und können zum Teil für Sendung und Empfang verwendet werden.

eine deutsche Erfindung.

Um das störungsfreie Empfangen der Dezimeter- Wellen zu demonstrieren, waren auf dem Versuchs­feld mehrere Sender gleicher Wellenlänge aufge­baut. Durch bloßes Drehen des Empfangsgerätes in die Richtung eines dieser Sender, deren Ge­biete doch unmittelbar nebeneinanderlagen, ergab sich ganz klarer Empfang. Man könnte also einen Gegensprechverkehr auf zwei benachbarten Strecken einrichten, ohne daß die eine Sendung durch die andere beeinträchtigt würde. Die prak­tische Erschließung der Dezimeter-Wellen ist ein Anfang, neue Wege sind geöffnet, weitere werden folgen. Dr. E. R.

Aus aller Wett.

Generalfeldmarschall von Mackensen in Wilhelmshaven.

Sämtliche Straßen der Jadestadt prangen im Flaggenschmuck, ein sichtbares Zeichen der Ver­ehrung für den Generalfeldmarschall von Mat­te n s e n, der in den Mauern Wilhelmshaven weilt. Bei seinen Fahrten durch die Stadt werden ihm von den Einwohnern große Huldigungen entgegen­gebracht. So ist auch das Gebäude des Stations­kommandos, wo der Generalfeldmarschall Gast des Chefs der Nordseestation, Vizeadmiral Schultze, ist, ständig von Hunderten von Menschen belagert, die den Generalfeldmarschall bei seiner An- und Abfahrt begrüßen wollen. Mackensen besichtigte auch die Kriegsschiffe im Hafen. Am Liegeplatz des PanzerschiffesDeutschland" wurde er von Kapitän zur See K i e n a st begrüßt. Der Generalfeld­marschall, der die Uniform der Totenkopfhusaren trug, besichtigte an Bord des Panzerschiffes die einzelnen Formationen und machte dann einen Gang durch das Schiff. Es folgten Besichtigungen der Garnisonkirche und des Ehrenfriedhofes sowie der neuen Siedlungen und Wohnviertel. Abends fand

zu Ehren des Generalfeldmarschalls ein großer Zapfenstreich vor dem Stationsgebäude statt.,

Das Todesurteil im Mordprozeß Büttner rechtskräftig.

Das Reichsgericht verwarf antragsgemäß das von dem 39jährigen Walter Büttner aus Perle­berg gegen das Urteil des Schwurgerichts Neu­ruppin vom 9. Mai eingelegte Rechtsmittel als unbegründet. Damit ist der Angeklagte wegen ge­meinschaftlichen Mordes in zwei Fällen rechts­kräftig zweimal zum Tode verurteilt unter Ab­erkennung der Ehrenrechte auf Lebenszeit. Außer­dem hat die wegen Totschlages verhängte Zucht­hausstrafe von 8 Jahren Rechtskraft erlangt. Büttner wollte im vergangenen Oktober gemein­sam mit seiner Frau aus dem Leben scheiden. Zunächst tötete das Ehepaar verabredungsgemäß in einer auf den Rieselfeldern bei Perleberg ge­legenen Schutzhütte seine beiden Kinder. Als dle Frau die Vorbereitungen zum Selbstmord traf, tötete der Mann die Unentschlossene durch Hals­stiche. Darauf ergriff er die Flucht und wurde im Dezember im Taunus verhaftet.

Ein Paddler im Rhein ertrunken.

Mitten auf dem Rhein bei Schierstein ken­terte ein mit zwei Personen besetztes Paddelboot aus Biebrich. Auf die Hilferufe der Verunglückten fuhr man von der Schiersteiner Rettungsstation aus sofort an die Unfallstelle, wo man einen der Sportler in völlig erschöpftem Zustande auffand. Ein zweiter Paddler, ein gewisser Ernst Hans aus Biebrich, war jedoch nicht mehr aufzufinden. Es ist anzunehmen, daß er beim Eintreffen der Retter bereits ertrunken war.

Zwei kartoffelgrohhändler in Schuhhaft genommen.

Der Regierungspräsident in Düsseldorf hat aus Anzeige der Preisüberwachungsstelle gegen zwei Kartoffelgroßhändler in einer rheinischen Großstadt Schutzhaft verhängen müssen, da sie für Kar­toffeln Preise gefordert hatten, die eine völlig ungerechtfertigte hohe Handelsspanne zu ihren Gunsten enthielten.

Oesterreichischer Pafsagierdampfer im Schwarzen Meer gesunken.

Der österreichische PassagierdampferMarie" ist im Schwarzen Meer während eines schweren Sturmes gesunken. Der größte Teil der Passa­giere wurde von Hilfsschiffen ausgenommen. Vier Personen dürften ertrunken sein.

Preußen.

Zwei Opfer der Hitze.

LPD. F r a n k f urt a. M., 27. Juni. Die Hitze­welle, die in diesen Tagen mit wahren Rekorden aufwartet, forderte leider zwei Todesopfer. So er­litt der Arbeiter Schneider aus Niederrad im Walde hinter dem Sportfeld einen H i tz s ch l a g und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Dort ist er kurze Zeit später verstorben. Der elf Jahre

alte Sohn des Arbeiters Roos stürzte sich in der Nähe von Schwanheim in erhitztem Zu­stande ins Wasser, erlitt einen Schlaganfall und ging unter. Seine Leiche konnte noch nicht ge­borgen werden.

Kreis Wetzlar.

LPD. Wetzlar, 27. Juni. Die Jungarbeiterin Luise Bechert war im Betriebe des Biskirchener Gertrudisbrunnens mit dem Abfüllen von Mineralwasser beschäftigt. Plötzlich platzte unter dem Druck der Kohlensäure eine Flasche und verletzte das Mädchen so sehr an den Augen, daß es sofort der Gießener Augenklinik zugeführt wer­den mußte.

< Frankenbach, 27. Juni. Zwischen 9 und 10 Uhr heute ereignete sich auf der Hauptverkehrs­straße GießenGladenbach in der Nähe von Fran- kenbach ein Verkehrsunfall. Ein Autofahrer ! aus Frankfurt fuhr auf das Fuhrwerk des Mül­lers Wilhelm R e e h, Reehmühle bei Bieber auf. Das Auto sowie der Müllerwagen wurden schwer beschädigt. Personen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.

Weiterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Das Eindringen kühlerer Meeresluft gab. auch uns in der Nacht zum Freitag Anlaß zu recht er­giebigem Gewitterregen. Inzwischen hat sich über, Westeuropa ein kräftiges Hochdruckgebiet aufgebaut, so daß sehr rasch wieder mit dem Einsetzen einer! neuen Schönwetterperiode gerechnet werden kann. > Dabei werden die Temperaturen weit angenehmer sein, da wenigstens vorerst die lästige Schwüle fehlen wird.

Aussichten für Samstag: Wieder meist heiter und trocken, angenehm warm, zunächst noch westliche Winde.

Aussichten für Sonntag: Heiter und trocken, tagsüber recht warm.

Lufttemperaturen am 27. Juni: mittags 30,6 Grad Celsius, abends 22,8 Grad; am 28. Juni: morgens 18,6 Grad. Maximum 31,1 Grad, Minimum 18,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. Juni: abends 26,9 Grad; am 28. Juni: morgens 22,3 Grad. Sonnenscheindauer 13,3 Stunden. Niederschläge 34,7 mm.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr Hans Thynoi für Den übrigen Teil i. 23.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt Der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 35: 10151. Druck und Verlag: Brühl'iche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.«G., sämtlich in Gießen.

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Am Montag, dem 1. Juli 1935, vormittags 9 Uhr, werden im Amtsgerichtsgebäude in Gießen, Gut­fleischstraße Nr. 1, zweites Obergeschoß, Zimmer 221, die nachstehenden Grundstöcke versteigert: 35260 a) Grundbuch für Gießen, Band XV, Blatt 707:

eingetragen auf den Namen:

a) Müller, Ludwig, der Vierte, zu %

b) Müller, karoline, geb. Müller, dessen Ehefrau, zu %

Flur I, Nr. 8758/io, hofreite

Bahnhofstraße Nr. 54 (in

der Scheppeneck), 188 qm

Schätzungsbetrag = 34 040, RM

b) Grundbuch für Gießen, Band

XV, Blatt 706:

eingetragen auf den Namen:

a) Jakob, Siegmund, zu %,

b) Jakob, Emilie, geb. Levi, dessen

Ehefrau, 3u %,

c) Müller, Ludwig, der Vierte,

zu %,

d) Müller, karoline, geb. Müller,

dessen Ehefrau, zu %, hier jedoch nur die dem unter c und d Genannten zugeschriebenen ungeteilten Anteile (nämlich je ^):

Flur I, Jlr. 8754/io, Hofreite­grund (in der Scheppeneck), 64 qm, % Schätzungsbetrag -- 960,

Zusammen -- 35 000, RM.

Gießen, den 2. Mai 1935.

Im Auftrage des Amtsgerichts Gießen: Karle, Ortsgerichtsvorsteher.

Zwangsversteigerung K «34

Am Montag, dem 1. Juli 1935, vormittags 10% Uhr, werden im Amtsgerichtsgebäude in Gießen, Gutfleischstraße Nr. 1 Zimmer 221, die den a) Schneider, Karl, Dritter, in Gießen zu % und b) Schneider, Pauline, geb. Döpfer, dessen Ehefrau, zu x/i zugeschriebenen Grundstücke versteigert:

Grundbuch für Gießen, Band II, Blatt 69:

Flur I, Nr. 493/10, hofreite in

der Steffansmark (Bleichstraße

Nr. 5), 332 qm, Schätzungs­

betrag - 22 580,RM.

Flur I, Nr. 325/i0, Hofreitegrund

in der Steffansmark, 11 qm,

Schätzungsbetrag = 165,

Zusammen = 22 745, RM.

Gießen, den 16. Januar 1935. 3527D

Im Auftrage des Amtsgerichts Gießen:

Karle, Ortsgerichtsvorsteher.

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Heimat- Maigng MMg Wir bitten un­sere Mitglieder, sich reckt zahlreich andenBeranstal- tungen von Krall durch Freude am Samstag und Sonntag auf dem

Schiffenberg zu beteiligen. 38o3D

Der Kölner Dom, die Rothenburger Stadtmauer,

ins rechte Licht rücken!

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das Bremer Rathaus, sie alle können froh sein, daß jedes von ihnen einige-zigtausend Tonnen wiegt. Eifrige Photosportler kämen sonst auf den Gedanken, sie täglich und stündlich nach Bedarf ein bißchen zurechtzurücken, wenn es ihnen für ein gutes Bild günstig erscheint. Dem einen steht die Sonne zu weit seitlich, den andern stört sie, wenn sie von vorn, den dritten, wenn sie von hin­ten und den vierten, wenn sie garnicht scheint.

Nun, die Knipser müssen all* diese Schönheiten alter deutscher Baukunst stehen lassen. Sie müssen sich auch damit abfinden, daß die Sonne so scheint, wie es ihr gerade paßt. Aber sie können doch selbst unter den widrigsten Verhält­nissen gute Bilder mit heimbringen, wenn sie ihre Kamera mitS.-G."-Film laden. Denn derS.-G.- Film macht alles mit: Gegenlicht und grelle Kon froste ebenso wie schlechte Beleuchtung und starke Schatten. Er kann's, denn er ist völlig lichthof­frei und gleicht selbst starke Belichtungsfehler selbständig aus.

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