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Nr. UZ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)Dienstag, 28. Mai (935

DerWeiibewerbdesOeuifch1andfluges49S5eröffnet.

Feierliche Flaggenhiffung in Berlin. - Heute starten 154 Flugzeuge zum Gemeinschastsstug.

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Im Auftrage des Reichsluftfahrtministers Gene­ral der Flieger Göring gab der Präsident des Deutschen Luftsportverbandes Oberst Laerz er am Montag um 18- Uhr das Zeichen zur feier­lichen Flaggenhissung, womit er den Wettbewerb des Deutschlandfluges 1935 für die 154 Flugzeuge mit 308 Führern und Ortern eröffnete. Der Start zu dem bisher größten Deutschland­

flug findet Dienstag früh um 8 Uhr statt. An dem diesjährigen Wettbewerb nehmen 30 Ver­bände teil, und zwar sechs Verbände zu drei Flug­zeugen, ein Verband zu vier Flugzeugen, 17 Ver­bände zu fünf Flugzeugen, drei Verbände zu sieben Flugzeugen und drei Verbände zu neun Flug­zeugen. Da es sich ausschließlich um einen G e - meinschaftsflug handelt, an dem Flugzeug-

Scherl-Bildmaterndienst

sichrer, Orter und Bodenpersonal alle zu ihrem Teil am glücklichen Gelingen des Fluges arbeiten müssen, wäre es unangebracht, Namen zu nennen. Immerhin sei erwähnt, daß auch einige Staf­feln des Reichsluftfahrtministeriums teilnehmen. Unser Bild zeigt das Heer der Flugzeuge auf dem Tempelhofer Feld bei den letzten Vorbereitungen zum Start.

Werden unsere Augen schlechter?

Alltägliche Sehstörungen und ihre Behandlung.

Don Or X Waldmann

Die Brille ist für die moderne Kultur­menschheit eines der unentbehrlichsten, aber auch unbeliebtesten Hilfsinstrumente gewor­den- Kurz- und Weitsichtigkeit gehören zu den häufigsten Leiden. Trotzdem herrschen über diese verbreiteten Sehstörungen vielfach noch recht irrige Anschauungen; es lohnt sich also, sich mit diesen harmlosen, aber unange­nehmen Leiden einmal etwas näher zu be­schäftigen

Die Naturvölker kommen scheinbar völlig ohne Brille aus, man hat daraus vielfach den Schluß gezogen, daß unsere weit verbreiteten Sehstörun­gen zum großen Teil eine moderneKulturkrank­heit" darst'ellen. und daß die Zivilisation mit ihren ungesunden Aniorderungen an dem Uebel schuld sei Aber so einfach ist die Sache nicht: die Ursachen der Kurzsichtigkeit z B stellen noch eine sehr um­strittene Frage dar, erbliche Einflüsse spielen dabei eine große Rolle, und die Frage nach etwaigen schädlichen Wirkungen der Zivilisation auf diesem Gebiete läßt sich zur Zeit noch nicht mit Sicherheit beantworten.

Welche Veränderungen finden nun eigentlich bei diesen Sehstörungen im Auge statt? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns einmal kurz mit dem anatomischen Bau und den Funktio­nen unseres Auges beschäftigen. _______

Das komplizierteste Organ unseres Körpers.

Die Lichtstrahlen der Außenwelt müssen erst einen langen und schwierigen Weg zurücklegen, ehe sie in unsere Großhirnrinde und damit in die Sphäre der bewußten Gesichtsempfindungen gelangen. Das Auge, dasFenster" des menschlichen Körpers, be­steht aus verschiedenen durchsichtigen, opttsch bre­chenden Schichten, Hornhaut und Kammerwasser, Kristallinse und Glaskörper, die das Licht erst durch­wandern muß, bis es auf die zarte Netzhaut stößt. Sie bilden sozusagen den optischen Apparat der die Strahlen bricht, sie zusammenballt und die Gegenstände der Außenwelt scharf auf der Netzhaut (derphotographischen Platte" des Auges) abbildet. Die elastische Linse kann mit Hilfe eines besonde­ren Muskels ihre Dicke und Krümmung ständig verändern und damit das Auge auf Fern und Nah einstellen. Hinten auf der Netzhaut sitzen die licht- und farbenempsindlichen Sinneszellen, Stäb­chen und Zapfen, sie werden von den auftreffenden Strahlen erregt, die Erregung sammelt sich im Sehnerv und fließt nun auf verschiedenen Wegen dem Großhirn zu. Die Sehschärfe des Auges hängt in erster Linie von dem Spiel der Kristallinse und der Länge des Augapfels ab.

Bei vielen Menschen weist der optische Apparat des Auges gewisse Mängel auf;oftkann das Auge für die Nähe oder Ferne nicht mehr scharf eingestellt wer­den, in anderen Fällen ist die Sehschärfe für alle Entfernungen herabgesetzt. Meist handelt es sich übrigens gar nicht um eigentliche Augenerkrankun­gen, sondern nur um optische Fehler desBre­chungsmechanismus", die sich durch künstliche Hilfs­apparate, also durch Brillen, Haftgläser usw. ver­hältnismäßig leicht korrigieren lassen.'

Die Kurzsichtigkeit.

Der Kurzsichtige ist bekanntlich nicht imstande, Gegenstände, die einige Meter weit entfernt sind, deutlich zu sehen. Trotz aller Anstrengungen seiner Augen erblickt er nur verschwommene und unscharfe Bilder, während er in nächster Nähe meist die fein­sten Schriftproben sehr gut lesen kann, lieber die Ursachen der Kurzsichtigkeit hat man sich lange Zeit gestritten, auch heute ist diese Frage noch nicht restlos geklärt. Die häufigste und oerbreiteste Form, die sogenannteS ch u l k u r z s i ch t i g k e i t", be­ginnt während der Wachstumsperiode, also im Laufe der ersten zwei Lebensjahrzehnte. Sie er­reicht meist keine höheren Grade und kommt im Laufe der zwanziger Jahre gewöhnlich zum Still­stand. Wesentlich seltener ist eine andere Form, die fortschreitende Kurzsichtigkeit". Dieses Leiden, das sich meist schon in früher Kindheit bemerkbar macht, nimmt auch noch im reiferen Lebensalter zu, und hierbei kommt es oft zu ganz starken Graden der Kurzsichtigkeit, die gelegentlich bei besonderer Ver­anlagung Anlaß zu wirklichen schwereren Augen­erkrankungen geben können. Diese Komplikationen der hochgradigen Kurzsichfigkeit können aber mit

Hilfe der modernsten Verfahren oft sehr erfolgreich behandelt werden und sind außerdem sehr selten.

Die Kurzsichtigkeit beruht in den allermeisten Fäl- auf einer eigenartigen Verlängerung des Augapfels. Dadurch wird eine gute Ferneinstellung des Auges unmöglich gemacht, die Strahlen vereinigen sich be­reits vor der Netzhaut und auf ihr selbst entsteht ein verwaschenes Bild mit unscharfen Konturen. Warum sich der Augapfel verlängert, ist ein heute noch nicht ganz geklärtes Problem. Zweifellos spie­len äußere Einflüsse, schädliche Näharbeit unter un­günstigen Bedingungen, selbständigeUeberanstren- gung" des Auges bei mangelhafter Beleuchtung, gebeugter Kopfhaltung usw. dabei eine Rolle. Aber wichtiger und entscheidender sind wahrscheinlich die erblichen und familiären Momente. Vermutlich be­ruht das Leiden auf einer angeborenen Schwäche der Augenwand, besonders der Lederhaut, die unter Umständen allmählich nachgibt und damit zu einer Formänderung und Verlängerung des Augapfels führt.

Die Weitsichtigkeit.

Der umgekehrte Fehler, die Weitsichtigkeit, erklärt sich meist aus einem zu kurz gebauten Augapfel. Hierbei gelingt es der Linse selbst bei größter An­strengung nicht, nah gelegene Gegenstände scharf auf der Netzhaut abzubilden, weil sich diephoto­graphische Platte" (die Netzhaut) zu nahe amOb­jektiv" (der Kristallinse) befindet. Auch bei der so­genannten Alterssichtigkeit, die oft schon bei recht jungen Menschen, in der Regel aber in den Jahren um die 40 beginnt, ist die Naheinstellung des Auges erschwert, jedoch aus einem ganz anderen Grunde. Der Bau des Auges kann hierbei ganz normal fein, die Linse aber, diesesverstellbare Objektiv", verliert im Laufe des Lebens allmählich ihre Elastizität, sie kann sich schließlich nicht mehr gehörig krümmen und wird damit für dieNahauf­nahmen" ungeeignet. Andere Menschen wieder, die sogenanntenStabsichtigen", haben unter Umstän­den einen völlig normal gebauten Augapfel, auch die Linse funktioniert tadellos, aber die Hornhaut­oberfläche ist nicht gleichmäßig in den verschiedenen Richtungen gewölbt. Dadurch kommt es zu unschar­fen und verzerrten Netzhautbildern, die ebenfalls eine erhebliche Sehstörung mit sich bringen.

Die Wirkung der Augenglaser.

Durch die außerordentlich verfeinerten Leistungen der modernen Optik gelingt es in allen diesen Fällen so gut wie immer, denBrechungsfehler" künstlich auszugleichen und damit das Äuge wieder dem Normalzustand anzupassen. Bei Kurz-, Weit- und Stabsichtigkeit handelt es sich ja um Veränderungen des Auges, die nicht rückgängig zu machen sind; man wird deshalb meist auf das Tragen von Äugenglä- fern angewiesen sein. Die Kurzsichtigkeit wird durch sogenannte Hohl- oder Konkavgläser ausgeglichen; diese Gläser, die am Rande dicker als in der Mitte sind, zerstreuen das Licht und entwerfen dadurch ein scharfes Bild auf der zu weit entfernten Netz- haut. Umgekehrt wirken Sammellinsen, sogenannte Konvexgläser, die bei der Weit- und Alterssichtigkeit Anwendung finden. Die Stabsichtigen kann man meist durch zylindrisch geschliffene Gläser, die nur in einer Richtung gekrümmt sind, Hilfe schaffen, und in anderen Fällen wieder wird man Kombina­tionen dieser verschiedenen optischen Vorrichtungen,

KHFFEE HAB

jetzt in der luftleeren Dose:

stets frisch wie am Tage der Röstung

Ein Ausflug

ins Grüne in Louisiana.

Don Marie Helene Wittich.

Eine Leserin des Gießener Anzeigers in New Orleans, Louisiana, stellt uns die fol­gende anschauliche Schilderung zur Ver­fügung

New Orleans, im Mai 1935

Es ist nicht ganz so einfach, als wenn man eine Fahrt an den Rhein macht ober einen Sonntags­spaziergang nach dem Forsthaus

Freunde haben sich ein Blockhaus gebaut 20 Meilen von Baton Rouge. Wir, die deutsche Kolo­nie, wollen es mit ihnen einweihen DieKinder­losen"' fahren schon Samstag. Solchemit Familie" kommen erst am Sonntag nach. Samstags wird schon das Huhn gebraten, der Kartoffelsalat zube­reitet, Brei für die Kinder, Fruchtsaft - alles in festverschlossenen Gläsern, so daß es entweder au* Eis transportiert ober sofort eingestellt werben kann nach ber Ankunft Um 6 Uhr in ber Früh ist Wecken" bann wirb alles in kleine Strohkofier- chen gepackt, Essen, Babeanzüge Hosenkleiber, Win­deln Kochtopf usw Eine alte Kindermatratze kommt auf ' den Fußboden des hinteren Wagenteils^ Moskitonetz ist auch dabei und los geht's um 7 31) Uhr

Der Wagen ist natürlich am Tage vorher gründ- lieh nachgesehen, denn man weiß ja nicht roie weit die Benzinstationen voneinander entfernt sind^ Man fährt scharf (60 Meilen) bis gegen 11 Uhr auf einer breiten Automobilftraße, zu deren beiden Seiten Kanäle und Bayous entlang ibie z T. mit

einem hell-lila Teppich japanischer Wasserlilien be­deckt sind. Die amerikanische Regierung gibt einige Millionen Dollars jährlich aus, um die lisancr» roege von diesen Lilien zu befreien.

Inzwischen ist das Baby gefüttert und emge- schlafen wir passieren Baton Rouge nun wer­den die Wege schon staubiger, da nicht asphaltiert. Man ist dafür aber im Wald und es geht noch mal über Baumstämme und selchte Gräben und bann zu Fuß, benn bie letzte Brücke ist von ber letzten Überschwemmung leicht eingesunken und so tragen wir Baby unb Reisekörbchen burch gerabe gelichtete B>-ombeerhecken.

Da ist ja bas Häuschen mit seinem roten frischen Dast oben auf einem (teilen Ufer, ben heute ziem­lich ruhigen, breiten Fluß überfehenb, ber gegen­über einen herrlichen weißen Sttanb hat. Die Haus­frau begrüßte uns inShorts" unb ebenso ber Haus- jjerr mit Tropenhelm unb Buschmeffer bewaffnet,

noch fleißig mit anberen Freunben beschäftigt, das Unterholz zu lichten.

Man wechselt in die Badeanzüge; auch ein Weg das abschüssige Ufer hinab ist in den weichen Sand gegraben, den natürlich jedes Hochwasser verändert. Wir schwimmen von der großen weißen Hella (dem Haushund) begleitet, leicht abgetrieben durch bie Strömung, hinüber zum Stranb unb lassen uns in ber Sonne braten unb bräunen. Das Wasser ist noch eiskalt, wenn auch bas Luftthermometer ca. 90 Grab Fahrenheit zeigt. Nach dem Baden kriegt jeder aus ber neuen Pumpe einen Eimer eiskaltes Wasser als Brause unter lautem Schreien überge­schüttet Unb bann gibt's Lunch. Unb wie bas schmeckt Gebratene Hühner, Steaks, Salate, Obst unb Kuchen Unb richtiges Schwarzbront mit Mün- sterkäfe

Nachmittags kommen bann noch mehr Leute, aber im Stabtanzug angetröbelt, währenb wir uns, braungebrannt, erfrischt unb wahrscheinlich mit ge­nügen!) Walbböcken versehen, auf ben Heimweg machen, auch roieber in Stabtkleiber angetan Na­türlich haben wir mitten im Walb eine Panne, aber sonntäglich gelangweilte, Abwechselung suchenbe Lanbleute greifen tüchtig zu, unb bald ist der Scha­den wieder geheilt Das Baby muß ber Verspätung wegen bann auf einer Benzinstation gefüttert wer­ben Einen Kochtopf hatten wir ja mit, ben Löffel unb bas Feuerloch besaß ber Garagenmann. Nach biesem kleinen Intermezzo geht es bann wieder wei­ter. Baby schläft auf ber Matratze, ber große Bub auf bem Sitz. Es war ein vergnügter Sonntag, ber einem roieber Schwung für ben fommenben Alltag gibt.--

Sie und die ©rci/

Es handelt sich bei biefem Kriminalfilm ber Europa um ben in einem großen Hamburger Hotel sich abfpielenben Kampf um ben Abschluß eines inbuftriellen Riefenprojektes unb im Zusammen­hang bamit um ben Besitz wichtiger Papiere, bie natürlich im entscheibenben Augenblick verschwun­den sind. Das Manuskript dazu schrieb Walter Wassermann: es ergibt einen bis zuletzt span­nenden und unterhaltenden Film mit gelegentlichen Abstechern ins Gesellschaftsstück und mit hübschen heiteren Episoden, der jedoch in der Handlungs­führung nicht frei ist von allerlei Unwahrscheinlich­keiten. Der Regisseur Victor/I a n \ o n inszeniert mit gut geschnittenen Ueberblendungen, bie zu­gleich Spannungen unb Beziehungen zwischen ben wichtigsten Schauplätzen unb Personen schaffen. Es wirb auch hübsch unb flüssig gespielt: Charlotte Susa, elegante Salonbame, sehr geübt in ber- gleichen nicht unverfänglichen Situationen; Wal­

bau, gepflegt wie immer; Meyerinck und S t e i n b e ck, ebenfalls recht tüchtig, obwohl durch ihr Filmrollenfach von vornherein festgelegt;die Drei", ein sauber und witzig eingespieltes Klee­blatt: S ö h n f e r als unwahrscheinlich romanti­scher Zimmerkellner, Vespermann, geschätzter Berliner Bonvivant und Komiker, in vielen Lust­spielen erprobt, unb Paulsen, ber zwar von ber Operette herkommt, aber neulich mit einer sehr seriösen Leistung imOberwachtmeister Schwenke" berechtigtes Aufsehen erregte. Künstlerisch wert­voller ist ein kleiner Liszt-Film unter bem Titel Rhapsobi e", ber vorher läuft unb anfangs auffallend an biePetersburger Nächte", später an ben Chopin-FilmAbschiedswalzer" erinnert; in ben Hauptrollen sieht man Liebeneiner als Liszt, ber sich immer mehr auf musikalische Themen zu spezialisieren scheint, unb Betty Birb als kokette Gräfin Erdödy. Ein ausgesprochen lyrisch- melobramatischer Film, ber mit viel Kultur in Szene gesetzt und photographiert ist. (Der Name des Regisseurs ist uns leider nicht bekannt.) Außerdem bringt das Lichtspielhaus in die­sem abwechslungsreichen Programm einen Flieger­film, die neue Wochenschau und den Vorspann zum Stählernen Strahl".r

Oas Ergebnis der Bühnen Reifeprüfungen in Frankfurt

Bei der Prüfungsstelle der Reichstheaterkammer Frankfurt a. M. fanden in diesem Jahr die Büh­ne n r e i f e p r ü f u n g e n für Sänger und Schaufpielanfänger zum erstenmal nach den von der Reichstheaterkammer herausbegebenen Richtlinien statt. Um eine möglichst einheitliche Durchführung der Prüfungen im ganzen Reich zu gewährleisten, wohnte ein von der Reichstheater­kammer bestimmter Prüfungskommiffar allen Prü­fungen bei. Den Vorsitz der Prüfungsstelle Frank­furt führte der Generalintendant der Städtischen Bühnen Hans Meißner, dem als Beisitzer drei Mitglieder des Bühnenvereins und drei Mitglieder der Deutschen Bühnengenossenschaft zur Seite stan­den. Bei ben Reifeprüfungen ber Frankfurter Hoch­schule für Theater gab Generalintendant Meißner das Amt des Vorsitzenden an Intendant Trede (Mainz) ab. Zur Prüfung für Oper unb Operette hatten sich insgesamt 55 Anfänger gemelbet, von benen 10 bas Zeugnis ber Bühnenreife erhielten, 7 ein Jahr zurückgestellt unb 3 an bie Oberprü- fungsstelle Berlin verwiesen würben. Den übrigen 35 Prüflingen konnte ber Bühnenreifeschein nicht erteilt werben. Für bie Schauspielprüfung lagen 45 Anmeldungen vor; 15 Anwärter erhielten ben

Reifesckein, einer wurde ein Jahr zurückgestellt, einer ber Oberprüfungsstelle überwiesen, währenb 26 Schülern bas Zeugnis verweigert werden mußte und zwei Anwärter sich für die Dramaturgen-Lauf- bahn entschieden. Die Leistungen der jungen Kräfte hinterließen im allgemeinen einen sehr uneinheit­lichen Gesamteindruck; ganz abgesehen davon, daß bie stimmliche und sprachtechnische Durchbildung sehr oft unzureichend und ungleichmäßig war, ließ auch die theoretische Vorbildung nach der fachlichen wie auch der kulturpolitischen Seite sehr viel zu wünschen übrig, ja sie genügte oft nicht einmal den gerinasten Ansprüchen, die man an das Wissen um den Beruf des Bühnenkünstlers stellen muß. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß auf Grund des Prüfungsergebnisses eine ebenso sorgfältige wie strenge Ueberprüfung der Lehrerlaubnisse statt- jinden muß, um auch begabte Schüler vor tech­nischer Verbildung unb wirtschaftlicher Ausnutzung zu bewahren. Die Prüfungen ber Oberprüfftelle Berlin finden im Herbst statt; in Frankfurt werden die nächsten Bühnenreifeprüfungen im Frühjahr 1936 abgehalten werden.

jetffebriften

Das neue Heft der von Paul A 1 v e r d e s unb Karl Benno von Melchow geleiteten Zeitschrift Das Innere Reich" (Albert Langen/Georg Müller, München) ist vorzüglich geeignet, ben Glau­ben an das in der Kunst offenbar werdende Schöpfertum der Nation zu festigen und zu ver­tiefen. Zu biefem Glauben geben namentlich bie bichterischen Beiträge Anlaß, unter benen ber Schlußteil ber neuen großen ErzählungDie Wagen­burg" von Friebrich Griese an erster Stelle steht. Gedichte von Oda Schaefer, Wilhelm Lehmann, Fritz Diettrich und Martha Saalfeld sind Zeugnisse mensch­licher wie dichterischer Berufung. Die Folge ber Landschaftsbarstellungen setzt Willi Steinborn fort mit einem Aufsatz über basLanb an der Warthe". Im zweiten Teil bieses Heftes erweckt bie tiefgrün- bige unb gebankenschöne Betrachtung bes Dichters Rubolf Alexanber Schröber über bas Verhältnis von Kunst unb Religion" befonbere Aufmerksamkeit. Ein Aufsatz von Johannes Pfeiffer überDie Lyrik Rubolf Alexanber Schröders", eine aufschlußreiche, durch Bilbbeigaben charakterisierte Selbftdarstellung des süddeutschen Plastikers Jakob Wilhelm Fehrls unb eine Auswahl klugerBemerkungen eines Er­ziehers" von Karl Graucob vervollstänbigen bie Reihe ber barfteüenben Beiträge. Dazu bie Berichte von Paul Alverbes unb Herbert G. ©opfert über zwei ber aktuellsten Bücher unserer Zeit, M. B. Kennicots Das Herz ist wach" unb Paul ErnstsVerfall unb Neuorbnung".