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Simon erstattet Bericht über seinen Berliner Besuch

Der Außenminister wird heute im Unterhaus sprechen

Sie litauische Justiz am Pranger

Ein Gutachten zweier englischer Rechtsanwälte.

London, 28. März. (DRB.-Funkspruch.) Zwei englische Rechlsanwälle erklärten in einem Gut­achten, das Urteil des Kownoer Militärgerichts sei offenbar von politischen Umständen diktiert. Die vier Todesurteile sind aus­gesprochen worden, ungeachtet der Tatsache, daß zwei der Männer einwandfreie Ati- biv nachgewiesen hatten. Gegen den dritten wurde kein Veweismaterial vorgebracht, während der vierte, der 17jährige Voll, seine eigene Teil­nahme zwar zugab, aber die anderen für unschul­dig erklärte. In äußerstem Halle war Voll h ö ch - stens des Totschlags schuldig, da das Veweismaterial nicht auf vorbedachten Mord hin­deutet. In England würde er wahrscheinlich in eine Hürsorgeanstalt geschickt worden sein. Das Veweismaterial für einen bewaffneten Auf­stand besteht vollkommen aus Gerüchten. Die vorgefundenen Waffen sind geradezu armselig. Sie bestehen aus 200 Revolvern und Flinten. Zum größten Teil sind dafür sogar von den Behörden Waffenscheine ausgestellt worden. Die Anklagebehörde selbst hat ihre Annahme fallen- gelasfen, daß die Angefchuldigten mit ausreichenden Waffen für die Durchführung eines bewaffneten Aufruhrs versehen gewesen seien. Für die in letzter Minute vom Staatsanwalt abgegebene Erklärung, daß der Aufruhr nur ein paar Stunden dauern sollte, nämlich bis zum Einmarsch deutscher Streit­kräfte, liegt nicht das geringste Beweis­material vor.

Eine erste Kabinettsfihung.

DerVersuchhatdieMhegelohnt

Simon wird eine Denkschrift vorlegen.

London, 27. März. (DRV.) Außenminister Sir John Simon ist am Mittwoch um 16.45 Uhr mit dem Flugzeug auf dem Flugplatz von London eingetroffen. Das britische Kabinett trat noch am Mittwochabend im Unterhaus zusammen, um den Bericht des Außenministers über feine Berliner Aufgabe entgegenzunehmen. Da das Kabinett nicht die Absicht hatte, irgendwelche Be­schlüsse über die in dem Bericht erwähnten Fragen zu fassen, dauerte die Sitzung nur 40 Minuten. Line vollständige Denkschrift über seinen Berliner Besuch wird Simon zu gegebener Zeit dem Kabinett unterbreiten. Man rechnet damit, daß der Außenminister am Donnerstag eine kurze Erklärung über seinen Besuch im Un­terhaus abgeben wird. Inzwischen beobachtet man in amtlichen Kreisen über die Ergebnisse die­ses Besuches äußerste Zurückhaltung. Daily Telegraph" schreibt: Bevor L d e n aus Moskau, Warschau und Prag zurück sei, werde das Kabinett nicht in der Lage sein, sich eine deut­liche Vorstellung von der Gesamtlage zu machen. Die Erklärung Simons im Unterhaus werde daher notwendigerweise einen sehr formellen Cha­rakter haben. Rach Ansicht der Regierung würde eine llnterhausdebatte über die Lage vor Beendigung des diplomatischen Meinungsaus­tausches nicht angebracht fein. Der Eindruck von Simons Erklärung auf das Kabinett sei der, daß der Versuch vollauf die aufge­wandte Mühe gelohnt habe und daß der vom britischen Kabinett eingeschlagene Weg, die persönliche Fühlungnahme mit Reichs­kanzler Hitler herzustellen, seine volle Rechtfertigung gesunden habe.

Die englische Aussassung.

Berlin, 27. März. (DNB.) Nach Abschluß der deutsch-englischen Besprechungen wurde von maß­gebender englischer Seite u. a. erklärt, die Londoner Verlautbarung vom 3. Februar habe die unmittelbare Mitarbeit Deutsch­lands an den europäischen Fragen als notwendig bezeichnet und außerdem ein frei ausgehan­deltes allgemeines Abkommen vorge­sehen. Deutschland sei also in dem Londoner Corn- muniquS wiederholt und ausdrücklich erwähnt wor­den als eine Macht, mit der es erwünscht sei, die Fühlung aufzunehmen. England sei verpflichtet gewesen, zusammen mit anderen Mäch­ten gegen eine letzthin getroffene einseitige Maß­nahme zu protestieren. Es habe aber geglaubt, daß, solange die Basis gewahrt blieb, es richtig sei, den anberaumten Besuch stattfinden zu lassen.

Die Berliner Besprechungen hätten sich auf die vier Probleme Sicherheit, Rüstungen, Völ­kerbund und Luftpakt erstreckt." Die engli­schen Vertreter seien über den deutschen Standpunkt hierzu unterrichtet worden. Eine Vereinbarung zu erzielen, fei von vornherein nicht beabsichtigt ge­wesen, denn nach den wiederholten Erklärungen des englischen Außenministers habe der Besuch ja den Charakter einer Erkundung haben sollen und außerdem habe es sich nicht um die Herbei­führung einer deutsch-englischen Vereinbarung ge­handelt. Es handele sich um ein allgemeines Übereinkommen, das auch Frankreich, Ruß- la-nd und andere Länder umfassen solle. Es würde unzweckmäßig sein, diese allgemeine Einigung auf dem Wege über Sonderab- kommen zu Zweien herbeiführen zu wollen. Dagegen sei es nützlich gewesen, mit zwei-

andauernden Reihe von Vergewaltigungen und Un- terdrückungen des Deutschtums im Memelland.

Oer litauische Generalkonsul in München legt sein Amt nieder.

München, 27. März. (DNB.) Zum Protest gegen das litauische Bluturteil hat der litauische Generalkonsul in München Odendahl sofort nach Bekanntwerden des Urteils sein Amt nieder- gelegt, da er sich mit den Maßnahmen des Staa­tes, den er vertrat, nicht einverstanden er­klären konnte. Er ließ heute vormittag das Ho­heitszeichen des litauischen Staates von sei- nem Hause entfernen.

tefe, entrechtete und gequälte Memel vor Augen hat, bemächtigte sich der Bevölkerung begreiflicher­weise besondere Erregung und Erbitterung. Als die Arbeitsstätten geschlossen waren, sammelte sich eine empörte Menge auf den Straßen. Ohne irgendeine Parole strömte die Masse dem Adolf-Hitler-Platz zu. Die Kundgeber gaben in Protestrufen und Sprechchören ihrer Empörung Ausdruck und mar­schierten an das Ufer der Memel. Protest­rufe hallten über den Strom in das geknechtete Memelland hinein. Auch in Insterburg gab die Bevölkerung in einer riesigen Kundgebung ihrem Abscheu Ausdruck über das Bluturteil von Kowno. Oberbürgermeister Dr. S ch w e n d o - w i u s nannte dieses Mordurteil die Krönung einer

Simons Dank an den Führer.

Ein Hauskonzert beim Führer als Abschluß des Besuchs.

Berlin, 27. März. (DNB.) Der Königlich Bri­tische Staatssekretär des Auswärtigen Sir John Simon hat an den Führer folgendes Telegramm gerichtet:Beim Verlassen Berlins möchte ich Eurer Exzellenz meinen aufrichtigen D a n k für Ihre Gastfreundschaft und für die freund­liche Aufnahme zum Ausdruck bringen, die ich bei Ihnen selbst, den Mitgliedern der deutschen Regie- rund und oer Bevölkerung Berlins gefunden habe.

Gez.: John Simon." *

Nach dem Abschluß der Besprechungen mit Sir John Simon und A. Eden hatte der Führer und Reichskanzler am Dienstagabend die englischen Gäste und einen kleinen Kreis führender volitischer Persönlichkeiten zu sich zu einem Abendessen eingeladen, an dem auch meh­rere bekannte Künstler toilnahmen. Nach dem Essen fand ein Hauskonzert statt, bei dem Kammer­sängerin U r s u l e a c , begleitet von Dr. Richard Strauß, sowie die Herren Professor Backhaus, Professor (Brümmer, sowie die Kammersänger Schlusnus, Bockelmann, Patzak und Michael R a u ch e i s e n mitwirkten. Die Künstler brachten deutsche und englische Musik in vollendeter Form zum Vortrag und ernteten, insbesondere auch von den englischen Gästen begeisterten Beifall.

MnfchtLaval einen neuen Ms?

London, 27. März. (DNB.)Daily Mail" sagt, der französische Außenminister Laval sei gegen die Anrufung des Völkerbun­des wegen der Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland gewesen. Er fei auch gegen An­nahme der Einladung Litwinows nach Moskau gewesen, wo jede Anstrengung unternom­men werden dürfte, um ihn zur Unterzeich­nung eines französisch-russischen Paktes zu veranlassen. Seine Einwendungen seien von dem französischen Kabinett a b g e w i e - s e n worden, aber das Beispiel und die Unab­hängigkeit, mit der Simon seinen Berliner Be­such durchgeführt habe, habe die Wirkung auf seinen französischen Kollegen nicht verfehlt. Laval stehe deshalb auf dem Standpunkt, daß er, wenn er von Stresa nach Moskau gehen müsse, auch in Berlin oorsprechen sollte. Er denke noch an seinen Berliner Besuch zurück, den er vor vier Jahren mit Briand unternommen hatte. Die damalige Aufnahme habe ihn davon überzeugt, daß er sich mit den Deutschen gut verstän- d i g e n könne. Laval habe dann noch einen wei­geren Plan, in dem Simon ihm vielleicht zustim­men werde. Der britische Staatssekretär des Aeuße- ren könnte in Stresa den Franzosen und Italie­nern Vorschlägen, die deutsche Regierung a u r sofortigen Teilnahme an dieser Kon­ferenz einzuladen, um keine Zeit zu verlieren. In diesem Falle würde die Anrufung des Völkerbun­des gegenstandslos werden. Damit würde eines der Haupthindernisse einer Vereinbarung und der schließlichen Rückkehr Deutschlands in den Völker­bund beseitigt werden.

Eine schwedische Stimme.

Stockholm, 27. März (DNB.) N y a D a g - ligt Allehanda" erklärt u. a., daß der deutsche ' Vorschlag auf gegenseitige regionale i Nichtangriffsverträge ohne Schwierigkeit i angenommen werden könne, wenn man nur das > Interesse des Friedens vor Augen habe. Im übri- aen glaubt das Blatt, daß England gar nicht so i sehr an dem Ostpaktgedanken hänge. Es > habe sich lediglich darauf beschränkt, ihn Deutschland zu empfehlen. Desgleichen würde es England

fettigen Zusammenkünften zu begin­nen. Simon sei vollkommen davon überzeugt, daß solche unmittelbaren Zusammenkünfte eine sehr gute Methode seien. Natürlich dürfe man nicht vergessen, daß überaus komplizierte Materien Aur Erörterung stünden und gewisse Unterschiede der Auffassungen vorhanden seien. Die britische Regie­rung sei gewillt, allen Regierungen dabei au helfen, die Schwierigkeiten zu erkennen und zu beseitigen. Nach Der Rückkehr Edens von seiner Ost­europareise müsse das ganze Material zu- ammengestellt werden, und dann werde eine »reiseitige Zusammenkunft in Stresa tattfinden, wo man beginnen werde, dem G e - amtbild, das sich aus den Reisen ergeben habe,

Gestalt zu geben. *

Der Berliner Korrespondent der Times berich­tet ergänzend: In der Frage einer Rückkehr Aum Völkerbund scheine deutlich gemacht wor- oen zu sein, was Deutschland unter Gleichheit verstehe, ebenso, daß keine Aussicht auf Zurück­ziehung der Entscheidung über die allgemeine Wehrpflicht bestehe. Ausführlich sei von der russischen Gefahr die Rede gewesen. Wenn man die Erklärungen der deutschen Staatsmän­ner als Botschaft auffasse, die Großbritannien den anderen Mächten in Stresa überbringen werde, so habe diese Botschaft folgenden Inhalt: Deutschland sei bereit, an dem Luftpakt teilzu­nehmen und ebenso an einer Rüstungskon- d e n t i o n, die sich a u f voller Gleichheit gründet, mit anderen Worten, Deutschland werde auf alle Rüstungen verzichten, auf die d i e anderen verzichten, werde aber alle Rüstungen beanspruchen, die die ande­ren Mächte beibehielten. Morning Post schreibt, in London habe eine pessimistische Stim­mung geherrscht, besonders wegen des O st p a k t e s, der einen wesentlichen Pfeiler des englisch-franzö­sischen Planes bilde. Da Frankreich, England und Italien sich einig geworden seien, daß die Preis­gabe Rußlands an die deutschen Wünsche eine ge­fährliche und kurzsichtige Politik sein würde, mache Hitlers Haltung die Zusammenarbeit mit ihm äußerst schwierig. Die Isolierung Deutschlands und die Bildung eines starken antirevisionistischen Blockes unter Führung Frankreichs und Rußlands, der bereits für alle praktischen Zwecke zustande- getommen sei, werde wohl in der nahen Zukunft offen bestätigt werden.

Savas über die berliner Besprechung.

Paris, 27. März. (DNB.) Der Berliner Son­derberichterstatter der Agentur Havas erklärt: Der Führer habe eine große Anstrengung gemacht, um seinen englischen Partnern etwas anzubieten. Er habe die Rückkehr Deutschlands nach Genf angeboten, vorausgesetzt, daß die französische Klage Deutschland nicht in eine demütigende Lage versetze. In der Frage des O st p a k t e s habe er Gegenvorschläge gemacht, die den Grund­satz des gegenseitigen Beistandes aus­schlössen und ganz auf ein loses System von Nichtangriffspakten hinausgingen, garan­tiert durch eine Klausel der Beistandsver- Weigerung für den Angreifer. In der Rüftungsfrage halte Deutschland an dem Grund­satz fest, daß es seine Sicherheit durch die eigene Macht wahren müsse und deshalb über eben so viele Streitkräfte verfügen müsse, w i e ; Rußland an der SB e ft front mobilisieren . könne. Das gleiche gelte für die Militürluft - - fahrt. Hitler habe in ehrlicher und einleuchtender - Form das zusammengefaßt, was er feit drei . Monaten in den diplomatischen Besprechungen und - öffentlichen Erklärungen bargelegt habe.

sicherlich nicht ungern sehen, wenn Deutsch, land ein Bollwerk gegen Sowjet­rußland bilde und wenn die Machtstellung der Sowjets keine Stärkung erfahre. Die Erwartun- gen der Engländer, genaue Zahlen über die deutschen Rüstungen zu erhalten, seienmißglückt". Hitler habe es verstanden, feine Pläne über dig Aufrüstung geschickt zu verbergen.

Die Haltung der Kleinen Entente.

Loyale Zusammenarbeit

mit allen Staaten Mitteleuropas."

P r e fr b u r g , 27. März (DNB.) Der rumänische Minister für auswärtige Angelegenheiten Titu» lescu ist von Belgrad kommend hier ein- getroffen. Er wurde vom tschechoslowakischen Außenminister Dr. B e n e s ch begrüßt. Die Be­ratungen zwischen den beiden Außenministern wur­den sofort aufgenommen. Nach ihrem Abschluß er­klärte T i t u l e s c u , daß die heute mit Benesch und am Tage vorher mit Ieftitsch geführten Besprechungen alle Zeitfragen behandelt hätten. Wir stellen eine vollkommene Ueberein» ft i m m u n g fest." Wir haben eine Entscheidung getroffen, und zwar im Hinblick auf alle Möglichkeiten, und je nachdem diese Mög­lichkeiten eintreten werden, werden wir unsere Ent­scheidung bekanntgeben. Trotzdem die internationale Lage ernst ist, sind wir fest überzeugt, daß der Friede erhalten werden kann. Für die Er­reichung dieses Zieles bedeuten die römischen Abmachungen den Beginn, einer ganz neuen Aera der Politik Europas. Die Kleine Entente ist zu einer aufrichtigen und loyalen Zu­sammenarbeit mit allen Staaten Mitteleuropas willens und bereit Nach unserer Ansicht sind die Londoner Ab­machungen sowie der O st p a k t sicherlich n e u e weitere Elemente der Sicherheit, dis es uns erlauben, mit Vertrauen in die Zukunft zn sehen. Die Kleine Entente wird, soweit es an ihr liegt, allem ausweichen, was Europa in zwei ein­ander gegenüberstehende Lager spalten könnte.

*

Der neue bulgarische Gesandte in Ankara, Parn- los s, hat dem türkischen Minister des Auswärtigen und Derzeitigen Vorsitzenden des Völkerbundsrates, Rüschdü Aras, erklärt, seine Regierung habe sich niemals mit dem Gedanken getragen, ein­stig di e militärischen Artikel des F r iede n s ve r trag e s von Neuilly zu annullieren. Sie werde auch in Zukunft nicht daran denken. Alle gegenteiligen Nachrichten be­ruhten auf Unwahrheit. Der Minister des Aus­wärtigen hat die Mitglieder des Balkanbun­des und das Sekretariat des Völkerbundes von dieser bulgarischen Mitteilung in Kennt- ni g gesetzt. In diplomatischen Kreisen Ankaras ist diese Einstellung Bulgariens warm begrüßt worden.

Stimmen des Auslands.

Zu dorn Schreckensurteil in Kowno schreibt der Berner Bund" u. a.: Die angeblichen Staats­verbrechen der Angeklagten dürften doch nach wie vor in Frage stehen, zumal der Verlauf des Pro­zesses, vornehmlich die Zeugeneinvernahme, ganz bedenkliche Mängel des litauischen Gerichtswesens aufgedeckt hat. So darf als bewiesen gelten, daß während der Voruntersuchung die belastenden Aussagen durch Mißhand­lungen und Drohungen erpreßt worden sind. Auftallen mußte auch, daß während der Ver­handlung die Belastungszeugen sich un­gehemmt äußern Durften, während den Entlastungszeugen nichts gestattet war. Alles in allem ein Urteil, das aus verschiede­nen Gründen höchst fragwürdig erscheint und re­vidiert werden sollte.

Manchester Guardia n" hält es für äußerst zw eise lhaf t, ob die Angeklagten tatsächlich an U m stu r z p n e n gegen Litauen beteiligt gewesen seien. Das vorgebrachte Beweis­material sei sehr wenig überzeugend. Das Memelstatut sei ebenso wie die Verfassung von Danzig ein Erzeugnis westlicher liberaler Grund­sätze. Diese seien auf östlichen Boden verpflanzt worden, wo sie keine Blüte-n treiben könnten. Das Memel-Statut sei ungeeignet, den rassenmäßigen und nationalen Kampf zwischen Litauern und Deut­schen, zu meistern. Die Zeit sei für eine Revision des Statutes zwar noch nicht reis, aber eine Aenderung in der osteuropäischen Gesamtlage, die unvermeid­lich sei, werde auch das Memel-Statut, wie viele andere Dinge, umschließen müssen.

Jeder möge sich das, was jetzt im Memelland geschieht, einprägen in die deutschen Herzen und Hirne. Das Deutschland von 1918 ist nicht mehr da. Ein neues Deutschland lebt, aufgebaut auf der Gemeinschaft des Volkstums. Die anderen sollen wissen, was deutschen Brüdern und Schwestern in den Grenzlanden da draußen geschieht, das geht uns alle an. Den Opfern der verbrecherischen Justiz von Kowno rufen wir zu:Ihr seid nicht mehr allein! Deutscher starker Geist, lebendiges, leidenschaftliches Empfinden, ein neues Deutschland von 100 Millionen ist mit euch, stolz auf euer Dulden und Bewähren. Mehr denn je senken sich eure Leiden in die Herzen des deutschen Volkes, und wenn heute in spontanen Kundgebungen deutsches Volk auf den Straßen zusammentritt, so ist es Aus­druck dieser Gemeinschaft über die Grenzen hinweg." Aachtliche Kundgebung vor der

Reichskanzlei.

Die Massen zieht es zum Führer.

Nach Schluß der großen Protestkundgebungen gegen das Kownoer Mordurteil gruppierten sich die Massen spontan zu riesigen Demonstra- tionszügen. Ihrem innersten Gefühl folgend, auch in dieser Stunde dem Führer nahe zu fein, bewegten sich die Massen zum Wilhelms- p l a tz. Unter dem Gesang vaterländischer Lieder und unter Heil-Rufen auf den Führer zogen in unendlicher Reihenfolge Zehntausende von Volks­genossen an der Reichskanzlei vorbei. Der Wilhelmsplatz war im Nu schwarz von Menschen, die mit den gewohnten Sprechchor-Rufen dem Wunsche Ausdruck gaben, den Führer zu sehen. Immerfort wiederholte sich der Ruf, der an diesem Abend überall zu hören war:Deutschtum er­wache!" Die nationalsozialistischen Kampf- und Trutzlieder wurden gelungen, schnell hatten sich Musikkapellen gebildet, Fanfaren und Landsknechts­trommeln des Jungvolks fielen ein. Entblößten Hauptes und mit erhobenem Arm fang die Menge das Deutschlandlied. Dann wurde im er­sten Stock der Reichskanzlei ein Fenster geöffnet: Der Führer erschien, beugte sich weit hin­aus und dankte minutenlang mit erhobenem rech­tem Arm den Volksgenossen. Die Heil-Rufe auf den Führer pflanzten sich durch die ganze Wilhelms- sttaße fort. Auch nachdem der Führer sich wieder zurückgezogen hatte, hielten die Kundgebungen noch lange Zeit an.

Proteststurm in Tilsit und Insterburg.

Tilsit, 27. März. (DNB.) Das Kownoer Blut- urteil hat auch in Tilsit tief st e Empö­rung' hervorgerufen. Hier, wo man das geknech-

Italiens Lufirüstung.

Rom, 28. März. (DNB.) In der Kammer wurde der Voranschlag für das Luftfahrtministe­rium verabschiedet. Staatssekretär General Dalle gab dazu Erklärungen über die Erneuerung der Luftflotte in den nächsten zwei Jahren, ferner über die reihenweise Herstellung von neuen Bombenflugzeugen (330 Kilometer Stun­dengeschwindigkeit, 1500 Kilo Bomben und 8000 Meter größte Höhe), über die Versuche zu einem neuen'Jagdflugzeug (500 Kilometer ©tun. dengeschwindigkeit) und für ein neues Groß- bombenflugzeug (440 Kilometer Stunden- geschwindigkeit, 10 000 Meter Höhe), weiter über die Leistungen der Flugverkehrsgesellschaft Ala Littoria, die noch in diesem Jahre eine Verbindung von Rom über Tripolis, Asmara (Erythräa) nach Mogadiscio (Somali) mit einer Flugstrecke von. 8800 Kilometer eröffnen werde.

Amerika verstärkt seine Seerüstung.

Washington, 28. März. (DNB.) Das Re­präsentantenhaus nahm eine Vorlage an, durch die 38 Millionen Dollar für Den Aus­bau der pazifischen Flotten st ützpunkte bewilligt werden. 26 Millionen davon sollen für die Westküste und Hawai sowie für Munitions­depots und eine Unterseebootbasis im Panama­kanal verwendet werden. Das Repräsentantenhaus nahm ferner eine Vorlage für die sofortige Erhöhung des M a r i n e o f f i z i e r k o r p s um 1000 Offiziere an. Ferner wurde eine Vorlage zwecks Schaffung einer Fliegerschule für Marinekadetten angenommen, um an­gesichts der Verdoppelung der Zahl der Marine­flugzeuge den gegenwärtigen Mangel an Flugzeug­führern auszugleichen.

Sparsamkeit im Unterhaus.

L o n d o n, 27. März. (DNB.) Daß die Engländer ein sehr sparsames Volk geworden zu sein scheinen, geht aus einer am Mittwoch im Unterhaus gestellten Anfrage eines Abgeordneten her­vor, der gern wißen wollte, ob für den Flug d e s englischen Außenministers nach Berlin die Angebote vonmehralseiner Luftverkehrsgesellschaft eingeholt worden seien. Der Mi n i st e r p r ä s i d e n t tröstete den Abgeordneten, von dem im Augenblick nicht be­kannt ist, ob er schottischer Abstammung ist, mit dem Hinweis darauf, daß zweifellos die vorteilhaf­testen Bedingungen erzielt und unnötige Ausgaben vermieden worden seien. Gegen­angebote seien allerdings nicht eingeholt worden. Deutsch-rumänischer Wirtschaftsvertrag

Berlin, 27. März. (DNB.) Am 23. März ist von Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht und dem rumänischen Handelsminister I. M a n o - lescu-Strunga ein Niederlassungs-, Handels­und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich Rumänien unterzeichnet worden. Sein Ziel ist es, unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Volkswirtschaften der beiden Län­der sich auf vielen Gebieten zu ihrem Vorteil er­gänzen, den gegenseitigen Warenaus- tausch ohne Schädigung der Produk­tion t m eigenen Lande zu fördern und zu steigern. Dabei ist dafür Sorge getragen, daß dieser Austausch sich in Formen vollzieht, die durch die in beiden Ländern bestehenden Devisenschwie­rigkeiten nicht gestört werden. Auch die Niederlassungs- und Schiffahrtsfraaen sind neu ge­regelt worden. Hierbei wurden besonders auf dem Verkehrsgebiet wichtige Verbesserungen erzielt. Wenn Deutschland auch als Abnehmer ru­mänischer Waren an erster Stelle steht, so war doch in den letzten Jahren eine wesentliche Schrumpfung des gegenseitigen Warenaus­tausches eingetreten. Es besteht die Hoffnung, daß der neue Vertrag dazu beitragen wird, den deutsch» rumänischen Handelsbeziehungen einen neuen Aufschwung zu geben.