Ausgabe 
28.1.1935
 
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Nr. 23 Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Montag. 28.)annaN935

Aus der Provinzialhauptstadt

Ankunft der Iungbannfahne In Gießen.

der

Feldzeichen nach dem Landgras-Philipp-Platz. Dorr wurde eine Feier abgehalten, bei der der Jung' bannführer auf den Geist von Marienburg hin­wies. Er sprach von der Treue zur Fahne, die nicht die Fahne eines Standes, sondern des Volkes und des Führers sei. Nach der Uebergabe der Fahne an den Bannerträger wurde die Feier mit dem Liede Vorwärts, vorwärts ..." geschlossen.

Im Laufe des Dezembers 1934 wurden auf der kanalisierten Lahn 50 Güterschiffe zu Berg und 49

war nicht nur eine sportliche, es war auch eine menschliche, sehr persönliche Erinnerung meines Herzens. Wie konnte ich anders als auch Ihrer ge­denken, vor allem Ihrer, als ich jene fernen Tage an meinem Gedächtnis vorübergleiten ließ. Leben Sie wohl, gnädige Frau, und nehmen Sie es gütig auf, dieses späte Geständnis einer frühen Liebe. Ferdinand."

Der Dichter wartete. Einige Tage später sah er wieder einen Brief mit der schrägen, festen Hand­schrift unter seiner Post. Er öffnete schnell, erwar­tungsvoll, fast wie ein Liebhaber, und las:

Lieber Ferdinand! Darf ich Sie so nennen dieses einzige Mal? Wenn Sie wüßten, wie völlig bestürzt ich'war, als ich Ihre Zeilen las. Sie ruh- ren alte, liebe Empfindungen in mir auf. Denken Sie etwa, ich kenne Sie nicht? Oh, ich kenne Sie gut. Sie und Ihr Pferd, Sie ritten einen schmalen, nervösen Rappen und sprangen mit Vorliebe über das Koppelrick. Wenn ich in die Manege kam, so sah ich mich um, ob Sie zugegen waren, und wenn ich Sie erblickte, wurde es ruhig in meinem Innern, und ein Gefühl des Glückes zog in mein Herz. Ja ich habe Sie geliebt, Ferdinand, ich sehe noch all Ihre jugendlichen Bewegungen und welche Mühe Sie hatten mit dem spanischen Schritt. Eines Tages blieben Sie fort, und Verlassenheit kam über mich.

gleichgültig war, damals, als mich und Schönheit schmückten.

wohl.

wohl für jetzt und immer. Lisa."

Hose vom Führersitz aus dem Wagen herausge­schleudert wurden. Bürgermeister Dr. Hamm er­litt eine stark blutende Verletzung am Kopfe, die zum Glück keine weitere Gefahr für ihn bedeutet, er konnte rasch Hilfe herbeiholen, während seine beiden Fahrtgenossen in der Nähe des stark be­schädigten Kraftwagens liegen blieben. Nach erster ärztlicher Hilfeleistung wurden die drei Verunglück­ten mit einem Sanitätsauto nach Gießen in die Klinik gebracht, wo Obermedizinalrat Professor Dr. Kliewe mit Rippenbrüchen und der Kraftwagen­führer M e h l h o s e mit einem Bruch des Nasen­beins darniederliegen, während Bürgermeister Dr. Hamm nach ärztlicher Versorgung die Fahrt nach seiner Wohnung fortsetzen konnte. Das Befinden von Prof. Dr. Kliewe, der am schlimmsten in Mitleidenschaft gezogen wurde, war heute früh den Umständen entsprechend gut.

Kampf um Kraft".

Ein Tonfilm für Kraftfahrer unter dem Titel Kampf um Kraft" wurde gestern vormittag im Listtspielhaus, Bahnhofstraße, gezeigt. Der von der Ufa im Auftrage des Benzol-Verbandes und des Benzol-Vereinigung des Ostens hergestellte Film zeigte neben einer Menge von technischen Einzelhei­ten, die vor allen Dingen den Fachmann und

Anlagen, mit denchHochöfen, Maschinen und Fabri- ken. Er führte hinab in das Dunkel der Erde, wo der Bergmann in schwerer und gefahrvoller Arbeit bei der jeder Handgriff sitzen muß, den Kampf um die Gewinnung der Kohle führt. Packende Bilder ließen den Zuschauer teilnehmen an dieser schweren Arbeit und zeigten in eindringlicher Weise den ge­waltigen Arbeitsprozeß bis zur Beförderung der Kohle ans Tageslicht. Hier wieder sah man die ge­waltigen Anlagen der Hochöfen. Man lernte die Ver­schiedenartigkeit der Nebenprodukte kennen, die aus der Kohle gewonnen werden, und drang vor bis zu den letzten Gesetzen des Naturgeschehens, in Die Welt der Molekühle und Atome. Dann wieder zogen reizende landschaftliche Bilder an dem Auge der Zuschauer vorüber. Man sah Ausschnitte aus der schwierigen Dreitage-Harzfahrt, wie Wagen und Motorräder in halsbrecherischer Fahrt über Geröll und Steilhänge, durch Waldwege und Wassergräben gingen. Herrliche Fahrten auf der Avus und auf dem Nürburgring zeigten weitere Bilder, die land­schaftlichen Reize der prachtvollen Voralpen Ober- baverns wurden erschlossen. Dabei kam auch im Rahmen dieser schönen Landschaftsbilder der Humor zu seinem Recht. Alles in allem gesehen bot der Film neben eingehender Belehrung über verschie­dene technische Probleme vorzügliche Unterhaltung.

Günstige Entwicklung der Lahnschiffahrt.

Zu der am Samstag von uns mitgeteilten An­ordnung des Landesbischofs der Evangelischen Lan­deskirche Nassau-Hessen über Gottesdienstferern am Jahrestage der Machtübernahme, 30. Januar, durch den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler liegt heute die nachstehende ergänzende Anordnung^vor^

Mein Ruhm ist längst erloschen, der Ihre lebt. Ich kenne alle Ihre Bücher, mehrere liebe ich. Ich bin alt und runzlig geworden, eine Frau altert schneller als ein Mann. Auch war das Leben hart zu mir, voll dunkler Erfahrungen und Bitternisse. Ich bin vereinsamt und verlange nichts mehr von diesem Dasein.

Schreiben Sie mir nicht wieder. Wir wollen uns nicht sehen. Wozu? Es ist zu spät und wir kennen beide das Leben gut genug, um zu wissen, daß solche späten Begegnungen nur Enttäuschungen sind. Aber ein Leuchten 'ist jetzt um mich her in der Mühsal des Alters: das Bewußtsein, daß ich Ihnen nicht noch Jugend

Leben Sie Leben Sie Ferdinand

ließ die Zeilen sinken. Er stand auf, schüttelte den Kopf, trat auf den Balkon und sah lange zerstreut in das Getriebe der Straße. Dann ging er an den Schreibtisch und vergrub sich still in die Arbeit. .

Das Leben lief weiter, für ihn und für Lisa, sie gedachten einander in zärtlicher Erinnerung. Sie sind sich niemals wieder begegnet, weder xer- Mich noch in Briefen

Erlebnis eines Dichters.

Erzählung von Hans Bethqe

In Berlin lebte ein Dichter, mit Vornamen Fer­dinand, wohlbekannt, von vielen verehrt, mit er­grautem Haar und von immer noch schlanker, ju­gendlicher, aufrechter Gestalt. Er war mit der Stadt seit einem Menschenalter nahe verbunden, kannte sie gut, liebte sie, hatte ihre starke Entwicklung mit er­lebt und gedachte ihr treu zu bleiben bis an sein Ende. ..

Als er eines Tages von einer Rege durch JcorD» italien heimkam, fand er ein Schreiben von der Direktion des Rundfunks vor, die ihn aufforderte, an einem noch zu bestimmenden Abend am Mikro­phon über das Berlin von einst zu plaudern, über das glückliche Berlin um die Jahrhundertwende. Ferdinand überlegte einen Augenblick, dann sagte

,er öu.

Motiv. Welch einer feinen, fast lyrischen Empfin­dung Lotte D r o e s e aber auch Ausdruck zu geben vermag, wird man vor einem Bilde wie demDorf­winkel" gewahr, einem der für unser Gefühl schön­sten und gehaltvollsten Stücke dieser Ausstellung, das be onders im sparsamen Kolorit eine wohl­tuende und einheitliche Wirkung hervorbrrngt. Ge­decktes Rot, kühles, verwaschenes Blau, daneben Gelb und Braun sind die bestimmenden Valeurs, die farblichen Grundelemente, deren sich diese Ma­lerei in mancherlei Abwandlungen mit Vorliebe bedient. Wir nennen dazu etwaDas gelbe Kleid dieFischerfrauen", denClown und dasMad- chen im blauen Kl-id". Di- Verhaltenheit und be- h-rrlchl- Verschlossenheit im Ausdruck der Gesichter und Gestalten, wovon bereits die Rede war stei- aert sich gelegentlich, wie etwa IN derEisersuch- tig-n". zu einer fast Marionettenhasten Starrheit. Abgesehen vom Inhaltlichen gibt die Ausstellung auch einen Ueberblick über die mancherlei Formen und Techniken, bic mit gleichmäßiger Sicherheit und handwerklicher Reise beherrscht werden. Der Monumentalstil einer auf die Ausgestaltung breiter Flächen gerichteten Wandmalerei kommt in einigen kraftvoll ' und großzügig behandelten Figurengrup­pen zum Ausdruck, die übrigens bei allem rQunv füllenden Schwung der körperlichen Bewegung doch immer noch etwas von jener norddeutschen Zurück­haltung und Beherrschung des Gefühls bewahren. Zum Schluß fei auf ein liebevoll durchgeformtes kleines Stilleben mit Kastanien (im Durchgang zwi­schen beiden Räumen) aufmerksam gemacht, das

Malerin besonders am Herzen liegt.y

Gießener ÄngbannsahneinManenbmggeweiht

Feierliche Einholung.

Oie pflege des Hundes.

Nach bem neuen Tierschutzgesetz ist jeder Tier- J Halter verpflichtet, fein Haustier sachgemäß zu be- j handeln und zu pflegen. Das Gesetz geht also noch ( weit über die Ahndung der eigentlichen Tierquäle- ' rei hinaus ünd macht den Tierhalter darauf auf- merksam, daß er auch für das dauernde Wohler­gehen seiner Tiere verantwortlich ist. Und das mit Recht! Man sieht mitunter recht gut genährte, pfleg­lich behandelte Hunde mit soliden, windgeschützten Hütten, aber wie oft ist es auch so, daß der Hund an vielen Orten das kümmerlichste Dasein fristet. Kurz an der Kette, in einer halb verwitterten, nicht mehr regendichten Hütte mit wenig Stroh wird er ' gehalten, sein Fell ist verwahrlost, oft schauen die Rippen merklich hervor, und kläffend fährt er in einem Kreis von zwei Meter Durchmesser Tag und Nacht um seine erbärmliche Hütte herum. Sein Be- < sitzer faßt diesePflege" durchaus nicht als Tier­quälerei auf, im Gegenteil, er ist noch stolz auf feinen scharfen Hund.

Eines der wichtigsten Kapitel in der Pflege des Hundes ist feine Ernährung. Von ihr hängt auch seine Tüchtigkeit ab. Ein Hund, der schlecht und vor allem falsch ernährt ist, wird müde und stumpf­sinnig und zur Bewachung untauglich, denn bloßes Kläfen ist noch keine Bewachung. Wie soll die rich­tige Ernährung beschaffen fein? Zunächst denke man daran, daß der Hund seiner Abstammung nach ein fleischfressendes Tier ist. Sein ganzes Magen- und Darmsystem ist in der Hauptsache auf Fleischnah­rung eingestellt, genau so wie z. B. die Kuh auf Pflanzennahrung eingestellt ist. Vorbildlich ist die Hundeernährung in amtlichen Hundeanstalten, wie sie bei der Polizei, Reichswehr und der Eisenbahn anzutreffen find. Dort bekommt das Tier Fleisch, Haferflocken, Futterreis, Hundekuchen und Milch. Jedermann wird irgendwo einen Metzger kennen, bei dem er billig oder gar umsonst gut erhaltene Schlachtabfälle bekommen kann. Es genügt, wenn er täglich nur "geringe Mengen solcher Abfälle, zu­sammen mit Futterreis und Haferflocken (abwech­selnd), an den Hund verfüttert. Aber mit dieser ge­kochten Nahrung allein ist der Hund nicht zufrie­den. Die moderne Vitaminforschung hat auch in der Tierpflege gezeigt, daß der Mangel an Vita­minen schwere Schädigungen bei den Tieren her­vorruft, vor allem aber den Nährboden für allerlei, auch dem menschlichen Körper gefährliche Schma­rotzer (Bandwürmer, Spulwürmer usw.) begünstigt. Diese Vitamine werden bekanntlich beim Kochen fast zerstört, und es ist daher unbedingt notwendig, daß dem Hund auch rohes Fleisch und rohe Milch verabfolgt werden. Nicht verwunderlich ist es des­halb, wenn manche namhafte Hundezüchter ihrem Tier ein Gemisch von rohem Fleisch, rohem Obst und rohem Gemüse alles zusammen fein zerhackt und durchmcngt zu fressen geben.

Die richtige Fütterung des Hundes wird nicht zu teuer werden. Das Fleisch besorgt man sich, wie gesagt, möglichst billig oder auch umsonst bei einem Metzgerfreund, die Milch (es kann Magermilch sein) kostet auch nicht viel, es genügt, wenn der er­wachsene Hund dreimal in der Woche le einen Viertelliter davon erhält. Haferflocken und Futter­reis find ebenfalls billig zu haben, so daß die ganze Hundeernährung wirklich keine großen Aus­gaben verursacht. Die gesamte Pflege bes bringt lebiglich etwas mehr Arbeit mit sich- Aber das sollte einem ber Hunb schon wert fern. Wer so feinen Hund ernährt, wird große Freude an ihm haben.

Oer Gottesdienst am Tage der nationalen Erhebung.

Ausstellung Lotte Droefe.

In zwei Räumen des Hauses Gartenstrahe 14 eröffnete gestern die Malerin Lotte D r o e f e eine bi-, zum 3 Februar zugängliche Ausstellung ihrer Arbeiten. Die hier zusammengefaßte Auswahl von Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen ist dazu angetan, einen Ueberblick über ihre Entwicklung in den letzten Jahren zu vermitteln. Wir kennen die Künstlerin seit längerer Zeit von ihren Ausstellun­gen im Oberhessischen Kunstverein. Die dort m grö­ßeren Zeitabständen gewonnenen Eindrücke ver­dichten sich hier in einer klaren und sympathischen Form. Vornehmlich bestätigt sich im Gesamtbilde die schon früher mehrfach gemachte Feststellung, wie wenig diese Bilder, auf den ersten Blick, aus einer weiblichen Hand zu kommen scheinen: die Fes ig ei ber Linienführung und die herbe Schwerblutigkeit der Farbe auch ein in manchen Stucken zu beob- acktender Zug zur monumentalen, raumaufteilen- ben Wandmalerei zeigen jedenfalls eher einen männlichen Charakter. Abgesehen von den angedeu­teten Merkmalen malerischer und zeichnerischer Na ♦ur finden sich in Haltung und Ausdruck der ouren Köpfe und Landschaften gewisse Zuge,.di kn der Schule vvn Rohlf- gewanner. »u fein fche.. nen- am ausgesprochensten empfindet man bi \ Süntlänge vielleicht in etlidjen »lumenftu.f^unb Blüte^un'd Früchts Bezeichnend für d» l°ndfch°ft-

pÄÄ'ÄSSyy*: am nach innen roetfenbe Geschlossenheir ° statten, bei denen man zuweilen an d,° W von Barlach benfen kann. Einige der hier gezeig en Binder kennen wir schon von früher her, das Meiste war uns neu und scheint uns die frühere Entwick­lung dieser Malerei folgerichtig weiterzufuhrein. Die^Formulierung eines Gefamterndruckes d zu geben versuchten mag angesichts eE Au Heilung dieser Art wesentlicher sein, als auf Cmzei beiten einzugehen, was ohnehin hier nur in Aus wähl und im Ueberblick geschehen könn e. Mr hann etwa auf die chwermuttge ehm- MNNN d-g Abfchttd- am Meer" hinweifen. eines Bildes ^das "für die künstlerische Eigenart der Ma­lerin besonders bezeichnend^scheint; Art-rund we, X ÄX Ä und

inarm angeleuchtet wird; übrigens auch rein mate- rijch ein int-r-jsantrs, anziehendes und jcywterlges

Wo die örtlichen Verhältnisse es erforderlich ma­chen, kann von einem Gottesdienst am 30. Januar abgesehen werden. In diesem Falle ist in den Got­tesdiensten des darauffolgenden Sonntags des Ta­ges der nationalsozialistischen Erhebung zu gedenken. Diese Mitteilung gilt als Anordnung an die Pfarr­ämter. Eine besondere Anordnung ergeht nicht mehr. Fahrzeuge der Feuerwehr und Polizei

haben Vorrechte.

Von der Polizeidirektion Gießen wird uns mit­geteilt:

Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß den Fahrzeugen der Feuerwehr, Polizei und Ret­tungsanstalten (Rotes Kreuz) Platz zu machen ist.

Die neue Reichsstraßenverkehrsordnung bestimmt in dieser Beziehung folgendes: Fahrzeugen, die zur Erfüllung ihrer öffentlichen oder dem gemeinen Wohl dienenden Aufgaben freie Bahn brauchen und als solche kenntlich sind (Wegerechtsfahrzeuge), ist Platz zu machen. Wegerechtsfahrzeuge sind u. a. rote Feuer­wehrwagen, feldgraue ober buntfarbige Fahrzeuge der Wehrmacht, Mannschaftswagen der Polizei, Ret­tungswagen (Rote-Kreuz-Wagen), Straßenreini­gungsmaschinen und dergleichen. Anbere Fahrzeuge sind als Wegerechtsfahrzeuge nur bann anzusehen, wenn sie burch amtlich ausgegebene ober zugelassene Schilder und Schallzeichen (Glocke oder Hupe mit einer Folge verschiedener hoher Töne) als solche kenntlich gemacht sind. Es wird erwartet, daß alle Verkehrsteilnehmer den Wegerechtsfahrzeugen früh­zeitig Platz machen. Diejenigen, die sich an diese Regelung nicht halten wollen, haben mit ihrer Be» ftrafung zu rechnen.

G euerkurszettel 1935.

In der Ausgabe desDeutschen Reichsanzeigers" vom Freitag, 25. Januar 1935 (Nr. 21) erscheint der Steuerkurszettel, der für die Einheits­bewertung und Vermögenssteuerveranlagung nach dem Stande vom 1. Januar 1935 maßgebend ist.

Gegen die in dem Steuerkurszettel festgesetzten Steuerkurse kann binnen einer Ausschlußfrist von einem Monat, also in der Zeit bis spätestens 25. Fe­bruar, Widerspruch eingelegt werden. Der l Widerspruch ist an den Reichsminister ber ' Finanzen zu richten. Zur Einlegung bes Wider- | spruchs ist der Eigentümer der Wertpapiere berechtigt. Soweit es sich um Anteile (z. B. Aktien) ober Genußscheine handelt, kann auch das Unter­nehmen, an dem die Anteile oder Genußscheme bestehen, Widerspruch einlegen. Soweit der Steuer­kurs eine Schuldverschreibung betrifft, kann auch ber Schuldner Widerspruch erheben. Ueber ben Wibersmuch entscheidet der Reichsminister ber Fi­nanzen' enbgültig. Die Entscheidung wird im Deutschen Reichsanzeiger veröffentlich t wer­den. Einzelbenachrichtigungen über die Entscheidung werden nicht ergehen.

Auf ber Autofahrt nach Gießen verunglückt.

Am Samstagabend verunglückten auf der Auto-1 fahrt nach Gießen in der Nähe von Bad-Nauheim Bürgermeister Dr. Hamm von der Gießener Stadtverwaltung, der Leiter des Universitäts-Unter­suchungsamtes für Infektionskrankheiten, Ober­medizinalrat Prof. Dr. Kliewe, und ber Kraft­wagenführer Wilhelm Mehlhofe von hier. Der Kraftwagen, mit bem bie Insassen von einer Be­sichtigungsfahrt hierher zurückkehren wollten, geriet offensichtlich infolge ber durch Regen, Schnee und Eisbildung außerordentlich glatten Straße plötzlich ins Schleudern, fo daß der Lenker die Gewalt über ben Wagen verlor, ber gegen einen Baum fuhr und im Weiterrutschen noch von einem zweiten Baum getroffen unb schwer beschädigt wurde. Durch die Wucht des Anpralls wurde Bürgermeister Dr. Hamm von seinem Sitz im Wagenfonds auf den Kühler geschleudert, während Prof. Dr Kl lewe aus bem Wagenfonbs und ber Autolenker Mehl-

Am vergangenen Donnerstag waren in der ehe­maligen Ordensburg der Deutschherrenritter, in ber ehrwürdigen Marienburg in Ostpreußen die Jung- bannfahnen des deutschen Jungvolks, u. a. auch des Gießener Jungvolks, feierlich geweiht worden. Am Sonntag oormittag wurde die geweihte Fahne des Gießener Jungbanns durch den Iiingbannführer Sigurd T a e s l e r \# Gießen eingebracht und feierlich empfangen. Ein Fähnlein begleitete das

Der Abend kam. Der Dichter schilderte den Rund­funkhörern mit klarer, fast jugendlicher Stimme und in höchst anschaulicher Darstellung das Berlin jener fernen, sorgenlosen Tage. Er kam auch auf den Sport zu sprechen, mit dem ihn immer starke Zu­neigung verband, und erzählte rühmend von der damals bekanntesten und beliebtesten Turnierreite­rin, der schönen Lisa Braun, die sich durch ihre An­mut und durch ihre Eleganz beim Springen die Herzen der Allgemeinheit zu erobern wußte

Wenige Tage nach jenem Vor trag fand Ferdi­nand, als er beim Morgenkaffee saß, einen Brief unter seiner Post, mit einer schrägen, festen Hand­schrift auf dem Umschlag, die er nicht kannte. Er öffnete, las, ein lebhaftes Staunen flog über feine Züge, und er faßte sich verwirrt an die Stirn.

Der Brief kam von der ehemaligen, aus dem Ge­dächtnis der Menge längst entschwundenen Königin des deutschen Reitsports, von der einst bezaubern­den Lisa Braun, die nun eine alte Dame geworden war. Sie schrieb, sie habe von einer Bekannten ge­hört, daß ihr Name im Rundfunk von Ferdinand genannt worden sei. Ob das stimme? Sie bedauere unendlich, den Vortrag versäumt zu haben, aber es würde sie lebhaft interessieren, nachträglich zu hören, daß sich jemand noch ihrer erinnere, besonders ein Dichter.

Ferdinand ging ganz erregt und mit gleichsam abwesenden Augen im Zimmer auf und ab, legte seine Zigarette fort, setzte sich dann und schrieb:

Sehr verehrte gnädige Frau! Ihre Zeilen sind mir ein hochwillkommener Gruß aus entschwunde­nen Tagen, aus den schönen Tagen meiner Ju­gend. Unserer Jugend, darf ich wohl sagen. Ja, ich habe Ihren Namen neulich im Rundfunk genannt, in Verbindung mit Ihrer Anmut, Ihrer Schönheit, Ihrem Ruhm als Reiterin, der damals das Land erfüllte. Ich muß Ihnen heute ein Geständnis machen, liebe gnädige Frau, ein Geständnis, zu dem ich nie im Leben gekommen wäre, wenn Sie nicht Ihre Anfrage an mich gerichtet hätten, die mich^io wehmütig und doch so glücklich stimmt. Ich habe sie gdiebt, gnädige Frau. Ich habe Sie oft beim Reiten gesehen, wir sind häufig zu gleicher Zeit in ber Manege geritten, mir begegneten uns oft im Tier­garten, und wenn ich Sie sah, fuhr ein beglückendes Wehen durch mein Herz, ich atmete froher und leich­ter bei Ihrem Anblick, es war, als spürte ich den Duft von Rosen um mich her, unb ich habe Ihnen oftmals sehnsüchtig nachgesehen, Ihrer Schlankheit, Ihrer vorbildlichen Haltung, jeder Bewegung Ihrer leicht federnden Glieder.

Ja, liebe gnädige Frau, cs war nicht ^ufall, hatz ich Sie neulich Abend im Rundfunk nannte. Es

Kraftfahrer interessieren, in anschaulicher und unter­haltsamer Weise, wie aus dem Rohstoff, der Kohle, Benzol und andere Nebenprodukte gewonnen wer­den. Beginnend mit schönen Landschaftsaufnahmen von der Ruhr und vom Rhein führte der Film ianuu|iwwn ««yu allmählich über in die gewaltigen Industriezentren I zu Tal geschleust Insgesamt wurden 8700 Tonnen des Ruhrgebietes mit den riesigen Türmen und verfrachtet, von denen 1100 Tonnen auf die Berg

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