deutschen Wesentlichkeit entfernt, daß ihre Politik gar nicht mehr Bekenntnis, sondern — Notverordnung sein mußte.
Und nun wollen mir noch tiefer dem Rätsel nach» spüren. Im Jahre 1877 schrieb Rußlands größter Schriftsteller, Dostojewsky, einen Aufsatz, der den Titel trug: „Deutschland, das prote st i e r e n d e Reich". Es ist nun beinahe unheimlich, wie der „erste Psychologe der Weltlitera- tut" hier eine Seite des deutschen Wesens erfaßt hat. Dostojewsky schrieb damals: „Der charakteristischste, wesentlichste Zug dieses großen, stolzen und besonderen Volkes bestand schon seit dem ersten Augenblick seines Auftretens in der geschichtlichen Welt darin, daß es sich niemals, weder in seiner Bestimmung noch in feinen Grundsätzen, mit der äußersten westlichen Welt hat vereinigen wollen, das heißt mit allen Erben der altrömischen Bestim
mung. Es protestierte gegen diese Welt diese ganzen zweitausend Jahre hindurch, und wenn es auch sein eigenes Wort nicht aussprach..., so glaube ich, war es doch im Herzen immer überzeugt, daß es noch einmal imstande sein werde, dieses neue Wort zu sagen und mit ihm die Menschheit zu führen. Schon mit Armin begann es, gegen die römische Welt zu kämpfen. Zur Zeit des römi- sehen Christentums kämpfte es mit dem neuen Rom mehr denn jedes andere Volk um die Oberherrschaft. Endlich protestierte es in der allermächtigsten Weise, indem es die neue Formel des Protestes aus den geistigen, elementarsten Gründen der germanischen Welt zog. Die Stimme Gottes tönte aus ihm und verkündete die Freiheit des Glaubens. Die Spaltung war furchtbar und allgemein, — die Formel des Protestes war gefunden und ging in Erfüllung, — wenngleich es noch immer eine negative blieb und das positive Wort noch immer nicht gesagt wurde."
Fast sechzig Jahre sind vergangen, seitdem Dostojewsky nach echt russischer Art deutsche Geschichte psychologisch-analytisch zu deuten versucht«. Und erst heute wird uns die Tiefe und Wahrheit seiner Deutung ganz verständlich. Es ist ja auch kein Zufall, daß ein Mensch des Ostens uns eher begreift und versteht als ein Politiker des Westens. Der ewige Protest aber, von dem Dostojewsky spricht, ist unzertrennbar mit dem Bekenntnis ver- knüpft. Ich kann nicht gegen etwas protestieren, wenn ich mich nicht z u e t w' a s a n - berem bekenne. Als das Saarvolk sich zu Deutschland bekannte, protestierte es gleichzeitig ge« gegen die politische Lebensform des Westens, verkörpert durch den Status quo. So wurde die Abstimmung an der Saar ein neuer gültiger Beweis für die ewig gleiche Haltung des deutschen Men- scheu. So war sie Bekenntnis und Protest.
Lehrschau des deutschen Bauerntums.
Ministerpräsident Göring und Reichsminister Darre eröffnen die Berliner Grüne Woche-
Die Ausstellung „Grüne Woche 1935" ist ferüggeftellt, um der Öffentlichkeit ein Bild von der Bedeutung und der Arbeit der Ernährungswirtschaft zu geben. Der Reichsnähr st a n d war an ihrer Ausgestaltung maßgeblich beteiligt, da er Wegbereiter im Kampf um die deutsche Nahrungsfreiheit fein muß und fein will. Die Fahnen und Standarten des nationalsozialistischen Deutschland grüßen von den Hallen des Messegeländes, Künder vom unerbittlichen Arbeitswillen und von der immerwährenden Bereitschaft aller, auf deren Schultern die Sorge um die Schaffung des deutschen Volkes täglichen Brotes lastet. Die feierliche Stille und Größe gotischer Bauten prägt sich in der (^hrenhalle des deutschen Bauerntums, in der die Eröffnungsfeierlichkeiten stattfinden, zu klarer Form. Von der Stirnwand grüßt das Symbol des Reichsnährstandes, der Adler mit dem Hakenkreuz mit Schwert und Aehre, und vor einem riesigen Bilde deutscher Landschaft stehen wuchtig, kantig zwei Bilder deutscher Bauern, gleichsam als treue Wächter deutscher Ehre. Zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, der Länder, der Korn- munalverwaltung, der NSDAP., der SA. und SS., des Arbeitsdienstes und anderer Organisationen des öffentlichen Lebens haben sich eingefunden, um diese Feierstunde des deutsch-m Bauerntums, die zugleich eine Feierstunde des ganzen deutschen Volkes ist, mitzuerleben, darunter die Reich smi n i - st e r von Blomberg, Freiherr von Eltz-Rübenach, Frank, Kerrl, Graf. Schwerin-Krosigk und Seldte. Unter den Diplomaten sah man den polnischen Botschafter ßipfft, die Gesandten von Aegypten, Argentinien, Belgien, Bolivien, Kuba, Irland, Mexiko, Oesterreich, Peru, Rumänien, der Schweiz, von Ungarn und Venezuela.
Die feierlichen Klänge der Ouvertüre zur Oper „Der Freischütz" leiten die Kundgebung ein. Der Oberbürgermeister der Stadt Berlin, Dr. Sahm, begrüßt die Erschienenen, vor allem den preußischen Ministerpräsidenten und Reichsjägermeister Hermann Goring und den Reichsbauernführer und Reichs- und preußischen Minister für Ernährung und Landwirtschaft R. W a l t h e r D a r r 6. Sein Gruß gilt auch den Vertretern des ausländischen Bauerntums, die aus Frank- reich, Schweden und Ungarn gekommen sind. Die Hornsignale des Bläserchors der Forstschule Steinbusch leiten über zur Rede des preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring, der die Notwendigkeit brüderlicher Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Forstwirtschaft betont.
Ministerpräsident Göring
führte u. a. aus: Gleiche Ausgaben verbinden Landwirtschaft und Forstwirtschaft, die Bedarfsdeckung des Volkes mit wichtigsten Gütern in der aufgezwungenen Autarkie. Beide nutzen Blut und Boden und haben die große Aufgabe, dem Proletarier durch Sehhaftmachung und Siedlung und Heimstättengrün- d u n g von internationalem Irrwahn zu befreien. Die „Grüne Woche" in ihrer heutigen Gliederung soll Symbol dafür fein, daß Landwirtschaft und Forstwirtschaft, Bauer und Waldbesitz nicht gegeneinander, sondern in verständnisvoller Ergänzung miteinander arbeiten mit gleicher Blickrichtung auf das vom Führer abgesteckte Ziel.
Ziel der Forstwirtschaft ist die Pflege, Erhaltung und Vermehrung des deutschen Waldes und die Steigerung feiner Lei st ungen für das gesamte Volk. Nicht allein von der materiellen Seite dürfen wir an unsere Forstwirtschaft Herangehen. Wald als deutsches Volksgut ist eng verbunden mit deutschem Volkstum, ist Grundlage deutscher Kultur. Wir wollen dem deutschen Volk den Naturwald wiedergeben und ihn so bewirtschaften, daß er seinen kulturellen, sozialen und nationalwirtschaftlichen Aufgaben gerecht werden kann. Wir wollen seine natürliche Schönheit wieder herstel- len und pflegen, um der Kraft und Freude willen, die er deutschen Volksgenossen gibt. Die Bedeutung des Rohstoffes Holz, die auf vielen Gebieten lange vernachlässigt war, steigt heute von Tag zu Tag'. Die Ausstellung hier gibt ein Bild davon. Unter der pflegenden Hand des Forstwirtes wächst dieser Rohstoff immer wieder nach. Zur Wirtschaft wie zur Landwirtschaft gehört aber auch d i e Jagd. Deshalb ist mit der Grünen Woche eine Jagdausstellung verbunden gewesen. Die deutsche Jagdausstellung ist in diesem Jahr keine große Trophäenschau, sondern nur ein Ueberblirf über die Auswirkung der neuen Jagdgesetzgebung in den einzelnen Revieren. Ausgabe der Jagd ist nicht nur Hege des Wildes und Erhaltung eines artenreichen, gesunden Wildbestandes zur Freude der Volksgenossen, sondern auch die Mitwirkung an der Festigung der Ernährungsgrundlage für das deutsche Volk. Ein Symbol dafür war die freudige Mitarbeit am Winterhilfswerk. Die deutsche Jägerschaft hat, von mir zum Winterhilfswerk aufgerufen, in der einzigen Woche vom 9. bis 15. Januar folgende Wildbretmengen zur Ablieferung gebracht: 216 000 Stück Wild im Gewicht von 1100 Tonnen und im Werte von einer Million Mark. Dazu kam noch ein erhöhter Barbetrag von 150 000 Mark. Die Gesamtsumme in der Jägerschaft beträgt demnach 1,1 Millionen.
Forstwirtschaft und Jagd dienen beide der Ver- forgung des Volkes. Sie find aber auch darin einander ähnlich, daß für den Waldbesitzer wie für den Jäger die Versuchung besteht, in das ihnen anvertraute Volksgut schärfer einzugreifen, es stärker auszunutzen, als es der Forderung der Nachhaltigkeit, der Hege und Pflege, der Sorge für die,
die nach uns kommen, entspricht. Darum bedürfen beide einer ftarfen Bindung an die Idee der Gemeinschaft. Die Vergangenheit hat gezeigt, welche Schäden ohne eine solche Bindung entstehen. Für die Jagd ist diese Bindung geschaffen durch das Jagdgesetz, für die Forstwirtschaft wird sie geschaffen durch ein starkes und festes Forstgesetz. Dann erst wird die Erfüllung der Aufgabe der Forstwirtschaft für dauerndes Wachsen und Verjüngen im Walde, nachhaltige Erzeugung hochwertiger Rohstoffe für die Wirtschaft zu sorgen, gesichert. Dann wird ewiger deutscher Wald sein und bleiben, ewiger Segensguell für das ewige deutsche Volk.
Bevor bann der Reichsbauernführer das Wort ergreift, singen Iungbauern und Jungbäuerinney aus der Kurmark ein Lied aus dem deutschen Bauerntum, das in einem glühenden Bekenntnis zum Staatsgedanken von Blut und Boden und der Treue zum Führer und Kanzler Adolf Hitler aus» klingt. Eindringliche, soldatisch knappe Worte richtete bann ber R e i ch s b a u e r n f ü h r e r an bis Versammelten, als er bie Grüne Woche 1935 für eröffnet erklärt.
Oer Heichsbauemführer
erklärt in seiner Ansprache u.a. Indem unser Führer von der Erkenntnis ausging, baß das Fundament des deutschen Staates nur das deutsche Bauern- tum sein könne, machte er die nationalsozialistische Agrarpolitik zu einem Angelpunkt der national- sozialistischen Gesamtpolitik und übertrug der deutschen Bauernschaft und ihrer Führung damit eine Verantwortung und Verpflichtung, von deren Erfüllung bie Zukunft des deutschen Volkes entscheidend mitbedingt ist. Die nationalsozialistische Agrarpolitik bekam damit insbesondere bie Ausgabe, den deutschen Sozialismus Wirklichkeit werben zu lassen. Deutscher Sozialismus ist mehr als lediglich eine Wirtschaftsreform. Wenn er Wirklichkeit werden soll, so kann er sich nicht mit Teilmah- nahmen begnügen. Er muß alle Lebensäußerungen des deutschen Volkes durchdringen und umge st alten, nicht nur das gesamtdeutsche Wirtschaftsleben, sondern ebenso sehr bas gesamt« deutsche Rechts- und Kulturleben.
Die „Grüne Woche" soll dazu dienen, im deutschen Bauerntum das Bewußtsein für die Bedeutung seiner Aufgaben und Pflichten zu vertiefen, den deutschen Städter aber eindringlich an seine Schicksalsverbundenheit mit dem deutschen Baüerntum erinnern und ihm zeiaen, daß die nationalsozialistische Agrarpolitik ebenso sehr dem deutschen Städter roie dem deutschen Bauern dient.
Die Gewißheit des Einsatzes aller für alle ist die entscheidende Voraussetzung für die
Berlin, 28. Jan. (DNB. Funkspruch.) Reichsminister Darr 6 eröffnete am Montagvormittag die diesjährige Vortragstagung der Grünen Woche mit einer Rede, in ber er u. a. ausführte:
Immer wird das handwerkliche Können des Bauern die wesentliche Voraussetzung für den Erfolg ber Arbeit auf ber Scholle sein, und jeder Betrieb muß so geführt werden, daß er eine Rente a b ro i r f t. Es ist aber ein grundsätzlicher Unterschied, ob man der Privatwirtschaft- 1 ichen Rentabilitätsüberlegung den Vorrang einräumt, ober ob man der Volkswirtschaft das Primat gegenüber den Einzelwirtschaften einräumt. Die leitende Idee ist uns Nationalsozialisten das Volk als die Zusammenfassung derjenigen, die durch die Gemeinschaft der Blutsbande zusammen gehören, und der Raum, auf dem dieses Volk leben muß Für diesen Staatsgedanken prägten wir die Formulierung „Blut und Bode n". Selbst die vollendetste Agrartechnik bedarf der Führung durch die Politik.
Es ist kein Geheimnis, daß unsere Ernährungsgrundlage zwar auf wichtigen Teilgebieten, schon heute durchaus gesichert ist, daß aber auf anderen Gebieten, hauptsächlich in der Ernährung unseres Tierbe st andes und in der Verso rgung mit oiehwirtschaftlicken Erzeugnissen, noch bedrohliche Lücken klaffen. Wir haben diesen Kampf aufgenommen mit ber ganzen Energie, zu ber das unerschütterliche Vertrauen des Führers uns alle verpflichtet. Der Grundgedanke der Erzeugungsschlacht läßt sich in wenige Worte fassen: „Nutze deinen Boden, arbeite intensiv und erzeuge, was dem deutschen Volk fehlt". Vor kurzem noch verstand man unter intensiv wirtschaften, fremde Mittel aufnehmen, Maschinen anschaffen, Neubauten aufführen, rücksichtslos künstliche Düngemittel kaufen, kurz gesagt, so viel wie möglich von außen in den Betrieb stecken. Heute verstehen wir unter intensiv wirtschaft ten, auf wirtschaftseianer Grundlage mit höchstem Kräfteeinsatz wirtschaften. Deshalb steht auch am Anfang aller technischen Erwägungen der Erzeugungsschlacht ber Boden felbft und feine Pflege. Wir müssen ihn gesund und ertragsfähig erhalten. Es ist ein glücklicher Umstand, daß hierfür gerade bie von uns erstrebte ausgiebige Verwendung hoseigener Abfälle und Nebenerzeugnisse eine gute Gewähr bieten.
von den deutschen Bauern in der Erzeugungsschlacht geforderte allfeitigeLeistungssteigerung: denn sie gibt ihm die Gewähr, daß seine Leistungssteigerung auch den verdienten Lohn finden wird. In dieser Gewißheit stellt die Grüne Woche in den Mittelpunkt ihrer Darstellungen eine Lehrschau über Ziele und Aufgaben ber deutschen Erzeugungs- schlacht. Die von ihr erstrebten mannigfaltigen ßet- stunassteigerungen auf fast allen Gebieten der land- wirtschaftlichen Erzeugung, deren Notwendigkeit in der ßehrschau „Erzeugungsschlacht" in zahlreichen Modellen und Bildern im einzelnen begründet wirb, zeigen uns, baß Sozialismus der Tat und Leistungssteigerunguntrennbare Begriffe sind: denn echter Sozialismus bürgt dafür, daß jede ßeiftungsfteigerung ihren ehrlich verdien te n Lohn findet.
So hat erst die sozialistische Neuordnung der Landwirtschaft durch Marktregelung und F e st p r e i s f y st e m die Voraussetzung dafür geschaffen, daß ber beutsche Bauer seiner wichtigsten nationalpolitischen Aufgaben gerecht werben kann, die Nahrungsfreiheit bes beutfchen Volkes, d. h. feinen keine Entbehrungen erforbernben Min - beftbebarf an Lebensmitteln aus eigener Scholle zu sichern. Daß bamit von ber beutfchen Lanbwirtfchaft nichts Unmögliches gefordert wirb, beweist schon allein bie Tatsache, baß, wenn es gelingt, die 60 v. H. schlechter wirtschaftenden Bauern und Landwirte an die durchschnittliche Wirtschaftsleistung der 40 v. H. besser wirtschaftenden anzugleichen, das Ziel ber beutfchen Nahrungsfreiheit vollkommen erreicht wirb
Jeber Freiheit und Frieden liebende Staat wirb — fo dürfen wir erwarten Deutschland das notwendige Verständnis nicht versagen, wenn es daran geht, durch feine Maßnahmen auf dem Gebiete ber Lebensmittelerzeugung feine Freiheit und feinen Frieden zu sichern, indem es sich von der ständigen Bedrückungsmöglichkeit freimacht, die stets gegeben ist, wenn nicht bie Ernährung aus eigener Scholle in allen lebenswichtigen Nahrungsmitteln gesichert ist. Die deutsche Erzeugungsschlacht ist — bas ist ihr tiefster Sinn — ein Werkzeug ber nationalsozialistischen Freiheits- unb Friedenspolitik. Das Schicksal hat den deutschen Bauern gelehrt, daß Freiheit und Friede die hoch st en Güter auf Erden sind, ohne bie niemand, am wenigsten aber ber Bauer auf bie Dauer gebeihen kann.
Die Ansprache bes Reichsbauernführers klingt aus in einem Gelöbnis unerschütterlicher Treue zum Führer und seinem Werk, das die Teilnehmer ber Kunbgebung Aur Eröffnung ber Grünen Woche mit dem Deutschlanblied und der Hymne ber nationalsozialistischen Revolution, dem Horst-Wessel- Lied, bekräftigen.
Auf dem Gebiet bes Pflanzenbaues gilt es, bie richtige Synthese zu finben zwischen den Notwenbigkeiten ber Bedarfsdeckung des deutschen Volkes und den Forderungen eines naturbedingten Anbaues. Die deutsche Pflanzenzucht hat sich mit Erfolg bemüht, durch Schaffung neuer Pflanzenformen die Gesamterträge des deutschen Bodens zu heben. Wir brauchen heute eiweißreiche Futterpflanzen. Wir brauchen ertragssichere unb qualitätsreiche Oelpflanzen, um den Fehl- betrag in der menschlichen Fettversorgung zu decken, soweit er nicht aus ber Viehhaltung bestritten werden kann. Wir brauchen weiterhin ertrags- sichere Faserpflanzen, um unserer Textilindustrie eine ausreichende Rohstoffgrundlage zu schaffen. Wir benötigen schließlich qualitäts- reiche Zwischenfruchtpflanzen, um bie Silos, die jetzt mit Zuschüssen in größerer Anzahl gebaut werben, mit hochwertigem Eiweißfutter zu füllen.
Aus Grund ber durch unseren verknappten Bodenraum bedingten Zwangslage wird auch das Gebiet ber Tierpflege, der Tierhaltung und ber Fütterung anders behandelt werden müssen als bisher. Der für die Futtererzeugung verfügbare Bodenraum ist begrenzt. Wir müssen also, damit keine Verengung ber menschlichen Ernährungsbasis eintritt, bie Lei st ungen je Tier-Einheit steigern, um baburch bei gleichbleibenber, wenn nicht sogar verminderter Tierzahl eine bessere Verwertung unserer eigenen Futterstoffe zu erreichen unb uns auch in ber Viehwirtschaft unabhängiger vom Ausland machen, als bisher.
Die Kernfrage einer Erzeugungssteigerung liegt darin, wie weit es gelingt, die große Masse der deutschen Landwirtschaft aus die Hohe ber Technik z u bringen, bie unsere gut geleiteten Betriebe schon erreicht haben. Auf diese Aufgabe ist bie gesamte Organisation der Erzeugungsschlacht abgestellt worden. Die B o d e n ft ä n b i g • feit im wirtschaftlichen Hanbeln unserer Bauern verlangt eine möglichst vielseitige Wirtschaft unter Berücksichtigung der natürlichen und ber persönlichen Voraussetzungen, die im Hofe unb im Bauern liegen. Hier müssen wir die Aufgaben einer künftigen Betriebslehre suchen.
Sie Ausgabe der Agrariechnik in der iandwirschastiichen Erzeugungsschlacht, neichsbauernführer Darr« eröffnet die Vortragstagung der »Grünen Woche-
Oer deutsche Turnierreiter Axel Holst tödlich gestürzt.
D«r zweite Tag des Berliner Internationalen Reitturniers begann mit einem in ber Turmer« 1 «schichte Gott fei Dank sehr selten vorkommenben ödes stürz, von dem leider einer unserer Beten, ber bekannte Turnierreiter SS.-Sturrnfuhrer llxel Holst, betroffen wurde. Holst nahm an dem zur Vielseitigkeitsprüfung gehörenden Jagdspringen auf Stall Georgens „Troll" teil An der Mauer prang das Pferd zu kurz, verlor dabei seinen Reiter, überschlug sich und fiel dann mit voller Wucht
auf den Reiter. Axel Holst wurde in den Sanitäts* raum getragen, wo er schon wenige Minuten später seinen schweren Verletzungen — Schädel- und Halswirbelbruch — erlag. In ihm verliert der deutsche Sport einen seiner erfolgreichsten Turnierreiter. Holst stand im 42. Lebensjahr. Er wurde in Schweden als Sohn eines schwedischen Landwirts geboren. Nach Besuch der landwirtschaftlichen Hochschule ging er ins Ausland unb tarn während des Krieges als landwirtschaftlicher Beamter nach Deutschland. Er erwarb bie deutsche Reichsangehörrgkeit. Deutschland wurde ihm bald zur zweiten Heimat. In den letzten Jahren bewirtschaftete er als Erbhofbauer ein Gut in ber Uckermark. In ber Elite der deutschen Turnierreiter nahm Axel Holst, den man schon im Jahre 1920 auf Turnieren sah, mindestens seit 1930 die führend« Stellung ein. Mit unfehlbarem Kennerblick für Anlagen und Eigenschaften der Pferd« ausaestattet, erzielt« er 1933 20 Springsiege. Langjährige Schulung und Erfahrung kam ihm hervorragend zustatten. Auf dem Turmer im vorigen Jahre hatte er noch im Wettstreit mit den besten ausländischen Reitern, vor allem den Franzosen, glanzvoll abgeschnitten und maßgeblich dazu bei- getragen, daß der „Preis der Nationen" an Deutschland fiel. Als seine erfolgreichsten Pferde kennt man „Egly", „Eilbote", „Lodi" und „Bianca".
Oie ersten Mustersiedlungen der OAK.
Aachen, 27. Ian. (DNB.) Die Deutsche Arbeitsfront hat 12 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, um unter Zuhilfenahme des Kapitalmarktes und einer geringen eigenen Finanzierung des Siedlers bie Schaffung von 5000 Siedler st eilen zunächst in Den inbustriereichen Grenzbezirken zu ermöglichen. Den Anfang hat die DAF. mit einer Bergarbeitersiedlung im Aachener Steinkohlengebiet, dem Wurmrevier, gemacht. Auf ber Gemarkung Broich-Höngen sind die e r ft e n 70 Heimstätten für Bergarbeiter errichtet worben, die auf ben benachbarten Gruben von Maria- borf beschäftigt finb. Ein großer Teil ber Vorarbeiten ist von ben neuen Siedlern in ihrer Fr?izeit in Gemeinschaft mit dem Arbeitsbien st geleistet worben. Jedes Grundstück ist 1200 Quadratmeter groß, jedes Haus enthält einen Schlafraum, eine große Wohnküche, eine Wirtschaftsküche, einen überdachten Arbeitsraum und einen Stall. Jeder Siedler hat die Möglichkeit zur Gartenwirtschaft unb Kle intier- Haltung. Er wirb damit einen erheblichen Teil seines Nahrungsbedarfes decken können. Die monatliche Belastung des Siedlers stellt sich kaum höher als bie bisher von ihm gezahlte Miete für bie notbürftigfte Behausung. Sie beläuft sich auf runb 20 Mark monatlich.
Am Samstag erfolgte die Uebergabe dieser ersten großen Siedlung ber deutschen Arbeitsfront an ihre zukünftigen Bewohner. In Vertretung von Dr. Ley sprach Reichsinspekteur Rudolf Schmeer (Köln). Die Deutsche Arbeitsfront wolle überall dort Siedlungen errichten, wo bie schaffenden Volks- aenoffen noch in menschenunwürdigen Wohnungen Hausen müßten. Auch der Kumpel solle ein Eigenheim haben, und solle sich, wenn er seine acht Stunden Arbeit hinter sich habe, frei fühlen. In diesem einstmals roten Gebiet wolle der Nationalsozialismus zeigen, daß er Aufbauarbeit leisten könne. Schmeer erklärte: „Wir bauen die Volksgemeinschaft, indem wir gerade dem Aermsten, dem Bergarbeiter, bie Hand reichen, indem wir ihm helfen und mit ihm gemeinsam aufbauen."
»Keine Geschäftsvertreter ins Saar- gebiet senden-'.
Berlin, 26. Jan. (DNB.) Der S a a r b c • vollmächtigte des Reichskanzlers teilt mit: „Alle möglichen Firmen und Dienststellen überschwemmen gegenwärtig gerade- zu das Saargebiet mit Angeboten aller Art. Dabei führen die Vertreter Ausweise mit sich, mit denen sie ihre Verkaufsangebote unterstützen. Ich weise darauf hin, daß der besagte Ansturm geeignet ist, das Geschäfts- leben an ber Saar auf bas Schwerste Zu gefährben. Die Dienststellen ber Deutschen Front, alle Behörben sowie die Geschäftswelt unb die Haushalte find angewiesen, alle diese Angebote auf das schärf st e zurückzu- weisen. Es ist daher ratsam, daß alle Dienststellen und Firmen ihre Vertreter aus dem Saargebiet sofort zurückziehen. Ausweise haben nur Geltung, wenn sie von dem vom Saarbevollmächtigten hierfür besonders bestellten Beauftragten bestätigt ober genehmigt werden. Zuständig hierfür ist der Gauwirtschaftsberater Voef tng, b^r diese Fragen im Einvernehmen mit ben zuständigen Stellen ber Deutschen Front behandelt."


