Nr. 199 Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 27. August 1955
Sternritt von Gießen nach Saarbrücken.
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Aus der Provinzialhauptstadl.
Meisterstücke bodenständigen Handwerks.
Wenn wir heute zurückschauen auf altes Brauchtum im bodenständigen Handwerk, so erkennen wir sofort, daß dieses Brauchtum nicht nur der Feier diente, sondern hinter diesen Bräuchen auch das Streben nach bewußter Auslese gestanden hat. Wenn wir z. B um die Mitte des 17. Jahrhunderts ganz besondere Meisterstücke im Bäckerhandwerk finden, so wird uns sofort klar, was hier an Tüchtigkeit zur Erringung der Meisterwürde verlangt wurde. So sagt z. B in Bamberg um 1640 die Vorschrift für die Meisteranwärter in der Bäckerei: „Wer ein Schwarzbeck werden will, hat zwei Hitzen Roggenbrot zu backen, die eine Hitze mit Zwölferlaiben, die andere Hitze mit Vierer- und Sachser Laiben. Ein Weißbeck hat eine Hitze Wecken sowie eine Hitzer Dierersemmeln und Pfennigzwillingen feinknusperig seinen Prüfherren vorzulegen."
Bei den Gärtnern wiederum bestand ein beliebtes Meisterstück in Bamberg darin, daß ein Meisteranwärter allein eine Süßholzwurzel auszugraben hatte, ohne die Wurzel zu beschädigen. In späteren Zeiten wurde diese bestimmt sehr schwere Arbeit insofern erleichtert, als vier Mann zusammen eine Wurzel ausgraben mußten. Sie durften dabei nicht sprechen und sich auch nicht umdrehen. Zeitweise spielte hier auch der Aberglaube eine Rolle, indem die vier Mann sofort umkehren mußten, wenn auf dem Wege zum Süßholzfelde ein totes Getier, etwa eine Maus oder ein Maulwurf lagen. Heute, nachdem der Süßholzbau eingegangen ist, werden sich nur wenige noch eine Vorstellung davon machen können. Aber es zeigt sich deutlich, daß die Meisterstücke eine besondere Geschicklichkeit erforderten, die bei der Prüfung ähnlich wie heute den Ausschlag gab. Eine eigenartige Bestimmung war auch bei den Seilern: Hier mußte der jüngste Meister solange Zunftknecht sein, bis wieder ein anderer das Meisterrecht erhielt. Als Zunftknecht hatte er jeden Todesfall in der Zunft den Mitgliedern anzusagen, mußte auch sonst die Einladungen besorgen, beim Opfergang in der Kirche oder bei hohen Kirchenfesten eine brennende Kerze tragen, ferner bei den Trauergottesdiensten in der Kirche auf die Kerze bei der Tumba acht geben. Don den Meisterstücken war besonders beliebt die Verfertigung einer Vogelleine, einer Wagenleine, eines Kriegsseiles und von 30 Ellen Sattelgurt. Dabei waren Länge und Gewicht vorgeschrieben, und jeder Fehler mußte mit einer empfindlichen Geldstrafe gebüßt werden. Einem Meistersohne, der von Hause aus im Handwerk aufgewachsen war, konnten einzelne Forderungen erlassen werden.
So sehen wir hier überall in der Verbindung von Brauchtum und Meisterprüfung den Siny bodenständiger Handwerksarbeit wiederkehren: Die Berufsehre und das Berufskönnen wurden in gleicher Weise vorangestellt. Wenn wir heute wieder diese Zielrichtung neu erweckt haben, und uns wieder Aum Zusammenschluß der Berufsstände im Dienste Der Volksganzheit zurückgefunden haben, dann geht das auf altes deutsches Erbe zurück. Diesem Erbgut im Gewände unserer Zeit neuen Sinn zu geben, ist eine der wesentlichsten Aufgaben unserer Tage, die das bodenständige Handwerk genau so umschließt, wie das Bauerntum; denn beide haben immer in engster Verbindung und wechselseitigen Beziehungen gelebt.
Oie Arbeitsschule der Deutschen Arbeitsfront.
Die Deutsche Arbeitsfront ist bestrebt, ihren Arbeitskameraden die Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, die für den betreffenden Beruf erforderlich sind. Demgemäß besitzt auch die Deutsche Arbeitsfront eine Stelle, der die Sorge für die Berufsausbildung übertragen ist. Die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der DAF. ist die Trägerin des gesamten Unterrichtswesens und sieht ihre Aufgabe darin, dem deutschen Arbeitskameraden eine auf systematischer Grundlaae aufgebaute Schulung zuteil werden zu lassen, die ihn zum Facharbeiter seines Berufes macht. Die Ab-
Am Sonntag früh 6.30 Uhr traten auf dem Brandplatz in Gießen fünf Reiter des Reitersturms 6/147 zum Sternritt nach Saarbrücken an, der anläßlich des dort stattfindenden Saarbefreiungsturniers ausgeschrieben ist. Außer den Teilnehmern hatte sich noch die Schar 1 des Reitersturms 6/147 eingefunden, die es sich nicht nehmen lassen wollte, ihre Sturmkameraden wenigstens ein Stück zu begleiten. Standartenführer L e i p o l d sprach in kurzen Worten über den
teilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der Kreiswaltung Gießen, Lonystraße 18, beginnt Anfang September mit den Lehrgängen in Deutscher Kurzschrift und Maschinenschreiben. 18 Lehrkurse sind für die einzelnen Leistungsgruppen vorgesehen, so daß jeder Arbeitskamerad als Anfänger oder Fortgeschrittener den für ihn entsprechenden Ausbildungslehraang besuchen kann.
Arbeitskameraden, Schüler, kurz alle, die Kurzschrift und Maschinenschreiben in ihrem Berufe brauchen, fordert sofort den Arbeitsplan von der Geschäftsstelle, Lonystraße 18.
Lernt Kurzschrift und Maschinenschreiben in der Deutschen Arbeitsfront!
Deutsche Arbeitsfront.
Winzerfest am 31. August, 1. und 2. September in der Gießener Volkshalle.
An diesen Tagen findet das diesjährige Winzerfest statt, das voriges Jahr so großen Beifall gefunden hat. Dieses Jahr ist noch der Montag hinzugenommen worden, um dem Fest den richtigen Ausklang zu geben. Für Humor und Heiterkeit wird bestens gesorgt, denn namhafte rheinische Künstler sind an diesen Tagen vertreten und sorgen für Stimmung. Die Preise für Speisen und Getränke sind äußerst niedrig gehalten, so daß es jedem Vg. möglich sein wird, das Winzerfest zu besuchen. Der Eintritt mit Programm beträgt 30 Pf. und berechtigt zum einmaligen Eintritt
Sonderzug an den Rhein am 15. September.
Wir veranstalten am Sonntag, 15. September, die letzte Rheinfahrt. Die Fahrt geht ab Gießen mit dem Zug nach Mainz-Kastel, von Mainz-Kastel mit dem Dampfer nach Rüdesheim. In Rüdesheim wird den Teilnehmern Gelegenheit geboten zur Besichtigung der Stadt. Von Rüdesheim geht die Fahrt mit dem Dampfer weiter nach Koblenz. Die Rückfahrt geht ab Koblenz mit dem Sonderzug nach Gießen. Der Fahrpreis beträgt einschließlich Mittagessen 5,50 Mark. Anmeldeschluß 1. September.
Sinn und den Zweck dieses Rittes, der vor allem die Bande zwischen dem Reich und den endlich von schimpflichen Fesseln befreiten Saarländern fester knüpfen soll. Zum Schluß seiner Rede überreichte er ein Grußtelegramm der Stadt Gießen an die Stadt Saarbrücken. Mit einem dreifachen Sieg- Heil auf unseren Führer Adolf Hitler entließ er die Reiter auf ihrem anstrengenden, aber auch schönen Ritt, der sie in viereinhalb Tagen bis zur Hauptstadt des Saarlandes führen wird.
Nordseefahrt mit Dampfer „Der Deutsche" vom 31. August bis 8. September.
Nachdem bei den letzten beiden Seefahrten wegen zu starker Anmeldung nicht alle Interessenten berücksichtigt werden konnten, wurde jetzt noch eine Urlaubsfahrt nach der Nordsee mit Dampfer „Der Deutsche eingelegt. Die Fahrt geht über Bremerhaven. Die Kosten betragen, wie bisher, 59.50 Mark. Anmeldungen werden noch entgegengenommen, und müssen umgehend erledigt werben.
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Für die Ausstellung „Rhein-Mainische Wirtschaft" in Frankfurt a. M. vom 24. August bis 8. September sind uns 100 Stück verbilligte Eintrittskarten zur Verfügung gestellt worden, die statt 1 Mark 30 Pf. kosten. Auf Grund dieser Karten gibt die Reichsbahn Sonntagskarten auch an Wochentagen, die dreitägige Gültigkeit haben. Die Karten können auf der Geschäftsstelle abgeholt werden.
NGLB., Kreis Gießen.
Fachschaft „körperliche Erziehung".
1. Detr. Ehrengabe des NSLB. im Schwimmen. Die Ausschreibungen zum obigen Wettkampf hat jede Schule, die dafür in Frage kommt, erhalten. Alle Anfragen sind zu richten an Kreisfachberater Turnlehrer Mohr, Gießen, Wil- sonstraße 8. Dorthin auch Abgabe der Punktwertungslisten bis zum 20. September 1935.
2. Betr. Fußschlagball und Grenzballspiele. Infolge des Deutslchen Jugendfestes sind die Spieltermine hinausgeschoben worden. Es muß jetzt in aller Kürze mit den Spielreihen begonnen werden. Die Bezirksleiter sorgen dafür, daß in ihren Bezirken Lehrkräfte zur Verfügung stehen, die einwandfrei als Schiedsrickter eingeteilt werden können. Die Spielregeln müssen jetzt zur Genüge bekannt fein, lieber den genauen Spielbeginn ergeht in den nächsten Tagen Bescheid.
Kampf gegen den Leichtsinn im Betrieb'
Der Leiter der Reichsbettiebsgemeinschaft „Stein und E r d e", Dr. F. Klose, gibt folgenden Aufruf bekannt:
Arbeitskameraden,
Betriebsführer und Gefolgschaftsmänner!
In letzter Zeit haben sich in erschreckendem Maße schwere Unglücksfälle gehäuft, deren Ursachen ein« deutig als Leichtsinn im Betrieb festgestellt werden mußten. Insbesondere hat das erschütternde Unglück im Basaltbruch Taschenhof gezeigt, zu welchen furchtbaren Folgen Unbedachtsamkeiten und spielerischer Leichtsinn führen können. Elf Menschenleben wurden in ihrer besten Schaffenskraft vernichtet. Neun weitere Arbeitskameraden sind in ihrer Gesundheit dauernd geschädigt. Schweres Leid wurde über zahlreiche Familien gebracht. Dies Unglück konnte verhindert werden! Deshalb, Arbeitskameraden, richte ich an euch diesen Aufruf. Seid euch ständig der Gefahren bewußt, die der Umgang mit dem harten Material eurer Arbeit bedingt! Wenn jeder einzelne, als Glied der Betriebsgemeinschaft, jederzeit darauf bedacht bleibt, Gefahrenquellen und Unglücksmöglichkeiten zu verhindern, dann wird es besttmmt gelingen, die Zahl der Arbeitsopfer in der Reichsbetnebsgemeinschaft Stein und Erde zu verringern. Es ist Pflicht aller Vertrauensmänner und DAF.-Walter, diesen Kampf gegen den Leichtsinn im Betrieb durch ständige Aufklärung und kameradschaftliche Erziehungsarbeit zu unterstützen. Wer den Leichtsinn im Betrieb bekämpft, Hilst Unheil verhindern und Leistungen steigern!
Gerhard Frickhoeffer.
Der neue jugendliche Komiker und Bonvivant desGietzenerStadttheaters.
„Woher der Fahrt?" Am 21. November 1913 erblickte ich in Tientsin — nein, nein, tatsächlich — im chinesischen Lande, in Tientsin das Licht dieser Welt. Mein Vater war der damalige Leiter dieser
Deutschen Niederlassung. Bis zu meinem fünftem Lebensjahre wurde ich in China erzogen. Nach dem Kriege wurden im Jahre 1919 alle deutschen Staatsangehörigen unter dem Druck der Entente aus China ausgewiesen, auf englische Frachter verladen und unter strenger Bewachung nach Holland expediert. Im Mai 1919 trafen wir in Bremen ein. Da Bremen die Heimatstadt meines Vaters war, ließen wir uns dort nieder. Dort begann zunächst für mich der Lebensweg des Kaufmanns, bis Obersekunda dis Realschule, höhere Handelsschule und nach Ablegung einer staatlichen Schlußprüfung Eintritt in eine kaufmännische Lehre. Nun trat Die große Wendung
Films durch Zusammenarbei
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Chinff und Wissenschaft.
Gründung einer Internationalen Filmkammer.
In Venedig ist jetzt gemäß den Bestrebungen des Jnternattonalen Filmkongresses Berlin 1935 eine Internationale Filmkammer gegründet worden. An der Gründungsversammlung und den mehrtägigen Besprechungen haben die Vertreter von Deutschland, Italien, Frankreich, Polen, England, Belgien, Spanien, der Tschechoslowakei, Ungarn, Oesterreich, Schweden, der Schweiz und Holland teilgenommen. Auf deutscher Seite führte Oberregierungsrat Arnold R a e t h e r vorn Reichsministerium für Dolksaufklärung und Propaganda die Verhandlungen. Die Satzungen der Kammer sind nach eingehender Aussprache endgültig genehmigt worden, wie sie vom Internationalen Film- kongreß Berlin 1935 vorbereitet worden waren. Die Internationale Filmkammer hat danach den Zweck, die Filmkunst, Herstellung und Verbreitung des
eine lange Stange und hilft den Flößern beim Staken. So stehen die Jungen und Flößer nebeneinander, die meisten mit nacktem Oberkörper. Ununterbrochen gießt voN oben der Regen hernieder, zu ihren Füßen gurgelt das jetzt schmutziggraue Wasser des Mains. Mit äußerster Kraftanstrengung arbeiten alle. Die Stangen biegen sich, manchmal saust einer, durch den übermächtigen Druck getrieben, oben hoch an der Stange durch die Luft, zuweilen auch gleich ins Wasser. In großen Tropfen quillt der Schweiß aus allen Körpern, die Lungen keuchen, das Floß zittert in all seinen Bestandteilen. Ununterbrochen feuert der alte Flößer, der die Oberaufsicht hat, mit wilden Rufen alle zur größten Anstrengung an. Endlich kommt das Floß langsam in Bewegung.
Schon bei der nächsten Flußbiegung treiben Strömung und Sturm das Floß wieder ans Ufer. Noch einmal fangen wir die Arbeit von vorne an. Und wieder biegen sich die Stangen bis zum Brechen, keuchen die Lungen, schallt der unermüdlich anfeuernbe Ruf des alten Flößers über das Wasser, und wieder zwingen Menschenkräfte das Floß in feine alte Fahrbahn. Kurz nach Mittag fährt das Hauptstoß fest. Im Vorbeifahren springen ein paar hinüber und vertäuen die beiden Flöße miteinander. Ohne große Mühe wird es wieder freigezogen.
Und wieder, jetzt zum dritten Male, fährt unser Floß fest. Aber diesmal hilft alles Stemmen und Staken nicht. Die beiden Zelte werden abgebrochen, um dem Wind weniger Angriffsfläche zu bieten, und das schwere Mittelfloß wird um drei Lagen abgebaut. Dann arbeiten wieder zehn Flößer und fünfzehn Jungen nebeneinander. Unter den immer wilder und wilder werdenden Anfeuerungsrufen des alten Flößers geben fünfundzwanzig Menschen beim Staken ihre letzten Kräfte her, keuchen, schwitzen, sausen durch die Luft und ins Wasser, holen das äußerste an Energie und Muskelkraft aus ihren Körpern heraus. Endlich, ganz langsam kommt das Floh wieder in Bewegung und wird zusammengebaut.
Vier Stunden lang dauert diese Anstrengung. Vier Stunden lang stehen wir in Wind und Wetter, meist nur mit einer Badehose bekleidet. Die Schar hat sich gut gehalten Die Flößer sind zufrieden. Einen solchen Sturm haben selbst viele, die jahraus, jahrein fahren, noch nicht miterlebt.
Hundemüde und hungrig wie die Wölfe bauen mir fünfzehn Kameraden unsere Zelte wieder auf, essen, trinken und schlafen.
bände der verschiedenen Länder in einem gemeinsamen Organ zu fördern und besonders auch die Hebung des künstlerischen, technischen und ästhetischen Niveaus des Films, Förderung des gegenseitigen Verständnisses der Völker durch Austausch ihrer Filmproduktion, Austausch der technischen und beruflichen Erfahrungen anzustreben. Die Internationale Filmkammer wird aus Vertretern der Filmorganisationen aller Länder bestehen, die in die Kategorien Produktion, Verleih, Lichtspieltheater und Erziehungsfilm eingeteilt werden. Sitz der Internationalen Filmkammer bleibt Berlin bis 1937. In der gleichen Versammlung ist der Internationale Lehrfilm-Verband gegründet worden, als dessen Sitz Rom vorgeschlagen wurde.
Deutschland wird während der nächsten zwei Jahre für die neugegründete Internationale Filmkammer den Präsidenten stellen. Dr. Scheuermann, auf dessen Anregung die Gründung der JFK. zurückgeht, ist als Präsident des Berliner Filmkongresses beauftragt worden, die vorläufigen Geschäfte der JFK. zu führen und den Verwaltungsrat binnen drei Monaten nach Paris zur ersten Arbeitstagung einzuladen. Dort wird dann endgültig der Präsident und die Haushaltung festgelegt und mit der praktischen Arbeit begonnen.
Werk-Kunstausstellungen in Darmstadt.
Bei den Darmstädter Firmen Gebrüder Röder AG. und Röhm & Haas wurden zwei Werk
Gturmfahrt auf dem Main.
Von Ernst Diekmann.
Auf Großfahrt ist die Schar nach Würzburg gekommen. Mainabwärts wollen wir auf Flößen fahren. Allzu leicht ist es nicht, ein solches Floß zu chartern. Aber den gemeinsamen, unentwegten Anstrengungen gelingt es doch.
Stolz auf ihren Erfolg, steht die Schar auf bem Floß. Der Wimpel flattert im Wind. Begeistert singt die Meute: „Heut' geht es an Bord, heut' fahren wir fort..." Durch die Floßgasse schießt Das Floß dahin, mainabwärts. Sechs Flöße, von denen jedes über hundert Meter lang ist, treiben hintereinander, ein ganzer Wald. Auf dem ersten Floß steht eine einfache Bretterhütte, zugleich Schlaf-, Dorratsraum und Küche für die Flößer. Auf dem zweiten Floß baut die Schar zwei Giebelzelte auf. Jeder bezieht feinen Platz und richtet sich häuslich ein. Bald merken wir, daß zwischen den Stämmen Ritzen sind und darin mit oft unheimlicher Schnelligkeit Messer, Gabeln, ja sogar Geldstücke verschwinden. Doch die schöne Fahrt auf dem Main entschädigt reichlich für all diese kleinen Verluste.
Auch das Schlafen auf dem Floß will gelernt sein. Am ersten Morgen haben die meisten recht lahme Knochen. Gras und Binsen werden schnell am Ufer geschnitten und damit wird ein wahrhaft fürstliches Lager hergestellt. Ein solch großes Floß wird nicht durch Steuerruder gesteuert, sondern durch Staken mit langen, schweren Stangen, die am unteren Ende mit eisernen Spitzen versehen sind. Wir üben natürlich unermüdlich das Staken, trotz vieler Blasen, die sich an allen Händen zeigen. Bei Regen und Sonnenschein treiben wir durch Schleusen und Floßgassen, fahren mit dem Boot von einem Floß zum anderen landen zum Proviant- einfauf in den Dörfern. Unaufhaltsam geht die Fahrt mainabwärts, vorbei an Wertheim und Klingenberg, Miltenberg und Lohr, vorbei an reben- dewachsenen Hängen.
Am zweiten Tag wird es besonders schön. Der Sturm faucht über das Wasser hm und peitscht die Wellen auf. Laut knattert die Fahne im Wmd. Auf Zelte und Menschen strömt ununterbrochen Regen hernieder. Plötzlich ein lauter Krach die Stämme heben und senken sich. Dann liegt das Floß unbeweglich. Schnell springen die Kameraden aus den Zetten heraus. Im Nu schnappt sich jeder
Kunstausstellungen eröffnet. Veranstalterin ist die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Diesen Ausstellungen, die von etwa 30 namhaften Künstlern des Rhein-Main-Gebietes mit rund 200 Werken beschickt worden sind, liegt der Gedanke zugrunde, dem Arbeiter die Kunst an seinen Arbeitsplatz zu bringen und feine Auffassung über Kunst und Kitsch zugunsten der Kunst zu beeinflussen. Diese Ausstellungen dürften etwas ganz Neues darstellen. Sie dauern acht Tage und stehen nur den Gefolgschaftsmitgliedern offen, die auch Gelegenheit haben, die ausgestellten Werke zu stark ermäßigten Preisen käuflich zu erwerben. Gaupropagandaleiter Müller-Scheid eröffnete in Betriebsappellen und in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Partei die Ausstellungen. Er betonte die Neuartigkeit und Fruchtbarkeit des Gedankens, der hier sichtbaren Ausdruck gefunden habe. Nach dem Willen des Führers dürfe die Kunst niemals die Angelegenheit einzelner Menschen sein, sondern sie müsse engste Fühlung mit dem Volk haben, zumal in allen Schichten des Volkes an Kunst interessierte Menschen zu finden seien. An die Eröffnung schloß sich jeweils ein Rundgang durch die Ausstellung und den Betrieb an.
Neuerscheinungen im Verlag Lngelhorn.
Der Verlag I. Engelhorns Nachf., Stuttgart, kündigt folgende Neuerscheinungen an: Karl Haensel und Richard Strahl: Außenpolitisches ABC. Ein Stichwörterbuch. — Aus dem Aermel geschüttelt. Fast 1001 Schüttelreime. Gesammelt und herausgegeben von W. Ueberzwerch. — Cherry Ke arton: Das Tier im Feuerberg. Schicksal eines Negerdorfes. — Prof. Dr. Wilhelm Credner: <5 i o m. Das Kernland Hinterindiens. — Er iv V. Wells: MitLöwen auf Du. Mit 27 Photos des Verfassers in Tiefdruck.
Hochschulnachnchten.
Dem ordentlichen Professor der Geographie att der Universität Heidelberg, Dr. Johann S ö l ch, ist die nachgesuchte Entlassung aus dem badischen Landesdienst erteilt worden. Professor Sölch hatte vor kurzem einen Ruf an die Universität Wien angenommen.
Professor Dr. Ludwig Mohler, Extraordinarius für Kirchengeschichte an der Universität Freiburg i. B., ist um ordentlichen Professor an der Universität Würzburg ernannt worden.


