Ausgabe 
27.7.1935
 
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,Jn Erwiderung auf die Note des Senats vom

Wühler am Werk.

1.

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4.

Die

aus dem gestern von uns veröffentlichten Bericht derTimes" über die gänzlich unzureichende Aus- rüftung des abessinischen Heeres mit Gewehren und Munition, von den Waffen eines modernen europä­ischen Heeres ganz abgesehen. In Addis Abeba herrscht nun die gewiß nicht unbegründete Sorge, daß ein allgemeines Waffenausfuhrverbot Abes­sinien gleichsam aushungern würde, denn während Italien über eine eigene Rüstungsindustrie verfügt, die zum wenigsten für die Bedarfsdeckung eines Kolonialkrieges ausreichen dürfte, hat Abessinien nichts dergleichen und ist auf die Waffenzufuhr von außen her angewiesen. Der abessinische Gesandte in London, der in den letzten Tagen viel von sich reden machte, bemüht sich einmal um eine Anleihe im Austausch gegen Bergwerkskonzessionen, die neben britischem Kapital natürlich auch die britische Politik noch mehr als bisher schon für Abessiniens Schicksal interessieren würden, dann aber auch be­sonders um die Erlaubnis der Waffenausfuhr. Die englische Regierung hat lange Zeit gezögert, eine klare Entscheidung zu treffen, und hat damit die helle Empörung der italienischen Presse auf sich gezogen. In diesem Punkt, wo es nützlich ist, sich des Völkerbundes zu erinnern, beruft man sich auch in Rom gern auf seine Verpflichtungen. Der Artikel 23 hat den Völkerbund mit der Ueberwachung des Waffen- und Munitionshandelsmit den Ländern, bei denen diese Ueberwachung im allgemeinen In­teresse unumgänglich ist", betraut. Gemeint ist damit tatsächlich die Verhinderung der Waffeneinfuhr nach Airika, um den Sklavenjägern leichter ihr schänd­liches Handwerk legen zu können. Daher findet sich auch die erste Regelung des Waffenhandels in der Brüsseler Antisklavereiakte vom Jahre 1890. Es erschien den Siegern des Weltkrieges, soweit sie über umfangreichen und um die Kriegsbeute noch beträchtlich vergrößerten Kolonialbesitz in Afrika verfügten, durchaus zweckentsprechend, durch eine Uebereinkunft zu verhindern, daß die eingeborene Bevölkerung mit modernen Waffen versehen werde, die sich eines Tages auch einmal gegen die weißen Herrn kehren könnten. Aber erst 1925 kam auf einer internationalen Konferenz in Genf ein Abkommen zustande, das im wesentlichen die Brüsseler Akte er­neuerte, aber nicht ratifiziert worden ist. Eng­land hat nun die Waffenausfuhr vorerst nach bei­den am Konflikt beteiligten Ländern gesperrt, die Durchfuhr indessen gestattet. Ob es dabei bleiben wird, wenn der Krieg tatsächlich in Gang kommen sollte, dürfte angesichts des Widerspruchs, den diese abwartende Politik bei der englischen Oeffentlich- keit gefunden hat, sehr zweifelhaft sein. England wird wohl auch kaum ohne Not seine Rüstungs­industrie von einem Geschäft ausschließen wollen, das so ungeheure Gewinnchancen bietet. Erinnere , man sich doch, daß die Vereinigten Staaten im Weltkriege mit der Lieferung von Waffen und Mu- nition soviel verdient haben, daß sie aus einem Schuldnerland ein Gläubigerland werden konnten, ' dem die Verbündeten von gestern noch heute viele Milliarden schulden. In der Frage des Waffenhan- i dels ist also das letzte Wort noch nicht gesprochen, i tfür Abessinien kann sie zu einer Lebensfrage i werden. I

Aussichten f ü r Montag: Im ganzen noch freundliches Wetter, Zunahme der Unbeständigkeit.

Temperaturen am 26. Juli, mittags 24,1 Grad Celsius, am 26. Juli, abends 16,9 Grad, am 27. Juli, morgens 13,9 Grad, Maximum 27,1 Grad, Mini- mum 10,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Juli, abends 23 Grad, am 27. Juli, morgens 18,7 Grad, Niederschläge 3 Millimeter, Sonnen- scheindauer 10,1 Stunden.

Kirche in Boyle (Grafschaft Roscommon) von irischen Katholiken in Brand gesteckt. Die Vernich­tung der Kirche konnte noch im letzten Augenblick durch das Eingreifen der Bürgerwehr verhindert werden, der die Löschung des Feuers gelang. Das Innere der Kirche war zum Teil mit Benz in überschüttet worden. Mehrere nordirische Ab­geordnete, die die protestantisch - unionistische Rich­tung vertreten, haben in einem Rundschreiben die

Republik Polen eine N o t e folgenden I n - Halts übersandt:

Oie Regierungskrisis in Holland

Die Königin betraut den Vorsitzenden der katholischen Fraktion mit der Kabinettsbildung.

Eine Bestätigung der österreichischen Unabhängigkeit.

Bestimmungen über Nichteinmischung in geqen- jeitige innere Angelegenheiten einschließlich Propaganda usw.

Eine Erklärung, daß kein Angriff und keine Unterstützung eines Anarei- fers stattfinden solle.

Danzig, 26. Juli. (DNB.) Dem Danziger Senat wurde von dem diplomatischen Vertreter der

polens Antwort auf die Danziger Note.

Der Rechtsstandpunkt der Danziger Regierung unverändert.

Ein neuer Vorschlag für den Donau-pakt?

London, 27. Juli. (DNB. Funkspruch.) Reuter meldet aus Rom, daß Italien und Frankreich den Regierungen Oesterreichs, Ungarns und der Kleinen Entente einen neuen endgültigen Vor­schlag für den Donau-Pakt vorgelegt hät- ten Die betroffenen Länder hätten den Paktvor­schlag, der sich auf allgemeineren Linien als der frühere Plan bewege, günstig ausgenom­men. Die deutsche Regierung sei von den Verhandlungen unterrichtet worden habe deinen endgültigen Entwurf erhalten. Der Plan fei auch England und Polen v orgele gt worden und enthalte vier Haupt­punkte. ' v

Eme Erklärung, daß im Falle einer Verletzung des Paktes durch einen Unterzeichner eine Konsultation durchgeführt werden solle Verwirklichung des Paktes hänge noch von der Entscheidung der deutschen Regierung ab, obwohl wie in Rom erklärt werde, die Unterzeichnung auf jeden Fall vorgenommen werden solle.

später schon wechselnde Bewölkung und etwas kühleres Wetter zu erwarten ist.

Aussichten für Sonntag: Zunächst noch überwiegend heiter, später bei auffrischenden nord­westlichen Winden Bewölkungszunahme, mäßig warm, abgesehen von einzelnen Gewitterstörungen

Oie Funktionärtagung der kommunistischen Internationale Pieck berichtet über die bolschewistische Weltpropaganda.

hat somit wenigstens die schlimm ft en Ge­fahren gebannt. Gleichzeitig sind nämlich mit den Preisen auch die holländischen Lebenshaltungs­kosten gesunken, und bei einem einigermaßen spar-v.. __________ö _____ ___ _______

samen Etat wäre die Möglichkeit gegeben gewesen, 23. Juli d. I. stellt die polnische Regierung fest, den Gulden keinem Währungsexperiment auszu- daß die Nichtausführung der Verordnung des Fi. setzen. nanzministers durch die Danziger Zollämter

Die Rückflüsse des privat gehamsterten Goldes d e n Rechtszustand a u f dem Gebiete zur Niederländischen Bank hatten nach dem ersten des Zolles, wie er sich aus dem verpflichtenden zusammengebrochenen Angriff der Spekulation zu- polnisch-Danziger Abkommen ergibt, verletzt und genommen, bis jene Kammersitzung, in der Colijn daß die Anordnung des Senates auf diesem Gebiete sein Einsparungsprogramm infolge des Widerstan- seine Rechte überschreitet. Die Bitte des des der Schwarzen zurückziehen mußte, eine Wende Senats um Zurückziehung der Verordnung brachte. Die Niederländische Bank hat nach einer des Finanzministers vom 18. Juli d. I. muß ange- 2prozentigen Diskonterhöhung jetzt ihren Diskont sichts dessen von der polnischen Regierung unter abermals um ein und zwar auf 6 v. H. erhöht, diesen Umständen als gegenstandslos betrach. Sie tut alles, um die Währung zu halten, und be- tet werden.

nutzt dazu die klassische Diskontwaffe. Nur im Jahre Ich beehre mich mitzuteilen, daß die polnische 1923 und 1925 ist in Holland vorübergehend der Regierung erwartet, daß sich die Zolldirektion Diskont auf 2 v. H. erhöht worden, eine Tatsache, in Danzig der obenerwähnten Verordnung des Fi' die für den Ernst der Lage spricht. nanzministers unverzüglich anpaßt, ferner

Während ein Teil der zurückgetretenen Minister daß der Senat über die von ihm erlassene Anorb- für eine Befragung des Volkes war, ist nung Aufklärung gibt."

jetzt durch den Rücktritt des Gesamtkabinetts die Don zuständiger Danziger Seite wird dazu Entscheidung unmittelbar der katholischen mitgeteilt:

Staatspartei zugeschanzt worden, eineDie Danziger Regierung ist selbstverständlich Verantwortung, mit der diese anscheinend nicht ge- n i ch t in der Lage, den Wunsch der polnischen rechnet hatte, da ein offenes Bündnis mit den Regierung zu erfüllen und die Verordnung durch. Marxisten in Holland ihr allerlei Abbruch tun z u f ü h r e n. Der Rechtsstandpunkt des Senats würde^. Wenn die Königin das neue Kabinett mit ift klar zum Ausdruck

Der Rücktritt des holländischen Kabinetts Colijn belastet die (katholische) Staatspartei, die im über­wiegend protestantischen Holland nach dem Vor­bild des Zentrums alle Katholiken hinter sich hat und damit die stärkste Partei der Kam- m e r wurde. Während sie bis jetzt das Krisen­kabinett Colijn unterstützte und vier Minister im Kabinett hatte nachdem der Finanzminister der Partei, Dr. Steenwerghe, zurückgetreten war, waren es nur noch drei, verschloß sie sich jetzt nicht mehr den Scheinargumenten der Marxisten, wonach eine Abwertung des Gulden notwendig sei. Dagegen hat sich Colijn mit aller Macht gewandt. Er verwies auf die Tatsache, daß im benachbarten Belgien trotz der Abwertung der Belga wei­tere Sparmaßnahmen radikaler Art not­wendig gewesen sind, er sagte, daß fein Spar­programm, das rund 75 Millionen Gulden um­faßte, dieses Ziel einer Sanierung auch ohne Währungserschütterung erreichen würde, er ritt eine scharfe Attacke gegen die internationalen Spekulanten, die für eine Entwertung sind, um sich die eigenen Taschen zu füllen, und lud die Schuld nicht nur auf die Marxisten, sondern auch auf die Staatspartei, die die Währung erschüt­tern würde zugunsten eben dieser internationalen Gruppen.

Gewiß ist Holland in einer Notlage. Die Weltwirtschaftskrise drückt auf alle Gewerbe, und die Arbeitslosigkeit ist unvermeidbar gewesen. Die Arbeiter haben wiederholt Lohnabstriche erfahren und die Industrie leidet not. Demgegenüber hat das bisherige Kabinett Colijn große Summen für die Landwirtschaft, für die holländische Gärtnerei, für die Viehzucht und für die Fischerei ausgegeben und

gerichtet. Frankreich scheint den Versuch machen zu wollen, durch Wicderingangbringen des Schieds­verfahrens eine Aufrollung des Gesamtkonflikts für diesmal zu verhindern und damit bis zur ordentlichen Ratstagung Ende August für weitere diplomatische Verhandlungen zwischen Rom, Paris und London Raum zu schaffen. In diesen Verhand­lungen hofft es immer noch, Italiens Wünsche und Englands Vorbehalte auf einen Nenner zu bringen und damit den Krieg zu vermeiden. England wird anscheinend den Dingen in Genf freien Lauf lassen und einer von Abessinien geforderten Gene­ralaussprache mit allen ihren für Italien unbeque­men Folgen nichts in den Weg legen. Besonders gespannt darf man auf den Eiertanz Litwinows fein, des derzeitigen Ratspräsidenten. Der Bolsche­wik am Gängelband feiner imperialistischen Freunde Frankreich und Italien ist geradezu eine Karikatur auf den uneigennützigen Idealismus, mit dem der sich soeben in Moskau alsGeneralstab der Welt­revolution" etablierte Weltkongreß der kommuni­stischen Internationale allen unterdrückten Völkern Befreiung vom imperialistischen Joch gepredigt hat.

Eine für alle Beteiligte besonders im Falle des Scheitams aller Vermittlungsversuche interessante Frage betrifft die Waffenausfuhr nach Abessinien. Welche Bedeutung ihr für die Aus­sichten eines Krieges in Ostafrika zukommt, erhellt

Haag, 26. Juli. (DNB.) Die Königin hat den V o r- sitzenden der katholischen Fraktion der Zweiten Kammer, Professor Aalberse mit der Bildung eines Kabinetts auf mög­lichst breiter parlamentarischer Grundlage betraut. Die Königin hat gleichzeitig die Notwendigkeit betont, daß die Regierungsneu­bildung so schnell wie möglich durchgeführt werden müsse. Sie erwartet deshalb innerhalb weniger Tage die endgültige Stellungnahme des katholischen Fraktionsvorsitzenden.

Die Königin hat hiermit dem stets geübten par­lamentarischen Gebrauch entsprochen, daß derjenige Politiker, der in erster Linie für den Sturz der bisherigen Regierung verant­wortlich ist, auch die Verantwortung für die Regierungsneubildung zu über­nehmen hat. Man glaubt jedoch, daß es Professor Aalberse nicht gelingen wird, den ihm über­tragenen Auftrag zu erfüllen. Sollte er sich genötigt sehen, den Auftrag zurückzugeben, so betrachtet man die Bildung eines außerparlamenta­rischen Kabinetts von Fachministern als die nächstliegende Möglichkeit zur Lösung der Regie­rungskrise.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton i.V.: Dr. FW.Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10150. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., _ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.

sagen hatte, darüber schweigt sich der amtliche Be- Erklärung der irisch - nationalistischen Abgeordneten, richt aus, der an dieser Stelle d i e w e l t r e v o l u - bcnen bie Regierung von Ulster für die tionäre Propaganda dieser ganzen Beran- blutigen Zusammenstöße in Belfast verantwort- staltung zugunsten der a u 6 e n p o I i t i f d) e n 11 gemacht wurde, zurückgewiesen. Sie teilten Rücksichten der Sowjetunion und der G e nf er u- a> mit' daß sieben von ben neun loten Tätigkeit des Außenkommissars ß i t m i n o ro H? r 0 1 e ft a n f e n waren. Während der ganzen zurückgestellt hat. Unruhen sei keine einzige römisch-katholische Kirche

Nach der Rede Piecks sprach einer der Führer I abgegriffen worden.

der Kontrollkommission über die Sau- -------

berungsattionen innerhalb der verschiede- Glückwunsch des Führer zum 90. Geburtstag des nen Sektionen der Komintern in den letzten sieben ersten Burschen Hindenburgs.

rich^ nitif näher* bÄe^netP^Np^^w^ichen Be- $n Werries bei Hamm feierte am Donners- Praxis ?er fnmmuniftiM?pn i b * tag der Altveteran Kutz, Hindenburgs erster

nonEbemrS,ammpffand,7roTirt3 r°°nt°n "Ä ,90- S ü *un b

W e Tn\e /n V ' °h e ® Ün^chrif"Lb & überwunden werden müssen, so habens gegolten ^deten Leutnant Paul von Hindenburg unter gegen die linken Trotzkisten genau wie feincs fiebens aus bem $ßucr getragen, gegen bie rechten Opportunisten unb Wetterbericht

gegen Abweichungen aller Art vorzuqehen Im '

Verlaufe biefer sieben Jahre seien aber alle bes Reichswetterdienstes. Ansgadeort Frankfurt. Widersacher dereinzig wahren" Sta- An der Nordseite des mit seinem Kern westlich linschen Richtung beseitigt worden. Frankreich liegenden Hochdruckgebiets strömen zwi-

Im Verlaufe der Nachmittagssitzung erschien auch schen England und Island in einer kräftigen West- der französische Schriftsteller Genosse Barbusse strömung in rascher Folge Tiefdruckstörungen ost- im Saal. Auf Weisung der kommunistischen Par- wärts und führen dort zu weitverbreiteten Regen­tei werden in allen Fabriken Arbeiterversammlun- fällen. Bei uns hat der Abbau des Hochdruckge- gen abgehalten, in denen kommunistische Agitatoren bietes in zunehmendem Maße eine feuchte Luft- für die Losung der Komintern Propaganda machen, strömung von Norden her in Gang gebracht, die

bei uns durch kräftige Ausstrahlung zur Ausbildung

Pieck hatte bereits in der Eröffnungssitzung des DOn meist lokalen Gewitterbildungen Anlaß gibt. Kongresses, über die wir gestern bereits einen Eine weitere Abschwächung des Hochdruckgebietes Funkbericht veröffentlichten, eine Ansprache gehal-ft Don England her in Gang gekommen, so daß tem Seine für die Politik des Weltkommunismus ' ----

recht aufschlußreichen Ausführungen begannen mit der Feststellung, daß die Welt heute vor der Frage stehe: Sozialismus oder Faschismus? Nach einer Aufzähluna der verschiedenen Versuche, in europäischen Ländern, wie in Ungarn, Finnland und in Bayern, R ä t e r e g i e r u n g e n einzurichten, mußte der Redner zugeben, daß diese Versuche gescheitert seien, weil in den wichtigsten Ländern Europas, besonders aber in Deutschland, starke kommunistische Bewegungen gefehlt hätten. Er kam dann auf die erstefaschistische Welle" zu sprechen, als deren Folge die heutige Regierungsform in Ita­lien eingeführt worden sei. Ein weiterer schwerer Schlag für die proletarische Bewegung sei der Umschwung in Deutschland gewesen. An- gesichts aller dieser Rückschläge rühmte der Redner die Sowjetunion alsGrundlage und Bollwerk der Weltrevolution". Pieck wandte sich immer Mieder mit besonderem Haß gegen das neue Deutschland und erging sich in diesem Zusammenhang sogar in wilden Kriegs­drohungen. So verkündete er, daß dasPro­letariat und der Kommunismus" nicht umhin fön- nen mürben, einzugreifen, wenn der deutsche Faschismus einen Anschlag auf die nationale Un­abhängigkeit und Einheit heute selbständiger kleiner Nationen Europas unternehmen sollte (1).

Sowjetspionage in Frankreich.

Paris, 27. Juli (DNB.) Die sowjetrussischen Spionageumtriebe in Frankreich werden jetzt in einer Darstellung des Appellationsgerichtshofes aus Anlaß der Verurteilung von Lydia Stahl und Genossen gekennzeichnet. Die Leiter hätten inzwischen mehrfach gewechselt, auch einige Mitglieder, aber der Zweck fei stets der gleiche geblieben, nämlich möglichst viele Auskünfte über bie französische Armee unb Kriegsmarine zu beschaffen. Das Gericht nennt nicht ben Namen ber betreffenden auslänbischen Regierung, für bie Lybia Stahl unb ihre Mitverurteilten arbeiteten, aber bie Anbeu - tung berkommunistischen Jbeale ber Angeklagten" ist so unmißverstänblich, baß bas offiziöse Havasbüro runb heraus von sowjet- russischen Spionen spricht.

Moskau, 27. Juli. (DNB.) Am Freitag, dem zweiten Tage des 7. Weltkongresses der Komuni- stischen Internationale, wurden zwei Sitzungen ab­gehalten, die fast völlig im Zeichen des Rechen­schaftsberichtes des deutschen Kommunisten Wilhelm Pieck über die Tätigkeit des Vollzugs­ausschusses der Komintern standen. Pieck entwarf ein Bild von den großen Veränderungen in der internationalen Lage, von derEntwicklung der revolutionären Bewegung der Völker" und von den Arbeiten der Sektionen der Komintern in den sieben Jahren zwischen dem 6. und dem gegen­wärtigen 7. Kongreß. Pieck ging vonzwei grund­legenden Tatsachen, dem s o z i a l i st i s ch e n Auf- bau in der Sowjetunion und dem wack­lig gewordenen Kapitalismus aus", Tatsachen, die, wie der Berichterstatter meinte, durch öen Gang der Ereignisse glänzend bewiesen seien. Gleichzeitig unterstrich er den schmachvollen Bankrott der Sozialdemokratie und der Opportunisten aller Schattierungen.

Pieck teilte seinen Bericht in drei Teile ein: 1. Anwachsen der revolutionären Bewegung, 2. die Revolutionsbewegung in den Jahren der schärfsten Krise und 3. Umkehr der sozialdemokratischen Ar­beiter zur Bildung der Einheitsfront mit den Kommunisten. Um seine Feststellungen iubeweisen", sprach Pieck von der Zunahme )er Streikbewegungen in aller Welt nach dem Abschluß des 6. Kongresses vor sieben Jahren. Diegegenkapitalistische" (inzwischen längst zu­sammengebrochene) Agrarrevolution in China dient Pieck als besonderer Beweis für den Erfolg der Tätigkeit der Komintern. Die Sek- tionen der Komintern (die kommunistischen Par­teien in den verschiedenen Ländern. Die Red.) hät- ten dieser Zeit für die TaktikKlasse gegen Klasse bestens agitiert.

Im zweiten Teil seines Berichtes über diewelt- revolutionäre Bewegung" stellt Pieck die übliche bolschewistische Behauptung auf, daß dieImperia- listen einen neuen Krieg zur Vernichtung der Sowjetunion vorbereiteten. Obwohl Pieck unter Muweis auf Streikbewegungen in verschiedenen Landern, auf die spanische Revolution, die Streiks

der englischen Kriegsflotte, den Aufstand in der holländischen Flotte usw. von einem Anwachsen oer weltrevlutionären Bewequna sprach, mußte er dennoch mit Bedauern feststellen daß trotzdem diese Tatsachen sich noch n i ch i zu einem politischen Massenkampf 0egen den Kapitalismus ausgewach- I e n hatten. Es fehle noch an einer revolutio - (n,a/em Einheitsfront, und die kommunisti- fchen Parteien hatten sich noch nicht stark genug fh>wlß ^schließend ging der Redner auf das be« f AUbl5xÄa mpfes gegen den Fa- ! s M u s unb ber Bilbung einer gewerk. f d) a f tlich enEinheitsfront ein.

^m letzten Teil seines Berichtes besprach Pieck hpht bhi»m9rld)e ,^!?n9refeberid)t einsilbig hervor- bebt,b i e Aus sich t e n der weltpolitischen Ent- wicttung und ber Weltrevolution". Was der , deut- fche Kommunist über dieses interessante Thema zu

- - - ---------------------------efommen. Auch auf die

der Richtlinie versieht, k e i n e Abwertungs-schweren wirtschaftlichen Folgen für Politik zu treiben, wie es wahrscheinlich ist, dann Danzig bei Durchführung der Verordnung ist hat chch die Staatspartei hoffnungslos festmanö- bereits hingewiesen. Danzig kann nicht fein oeriert und es bleibt auf die Dauer nichts anderes eigenes Todesurteil selbst unter* übrig, als die Nation aufzurufen. Denn die Frage schreibe n."

,on' Oberst Wettscheff hat Bulgarien

Eracinzunaswahlen verlassen.

"VW Sofia, 26. Juli. (DNB.) Oberst Wettscheff.

ftlir Cntsn nüttlinttr ber Organisator der beiden Staats- ri V streiche vom 9. Juni 1923 und vom 19. Mai

Amsterdam, 26. Juli. (DNB.) In sechs Pro- 1934 hat heute früh Bulgarien im Flugzeug in Dinaen des Landes (Nordbrabant, Zeeland, Utrecht, Richtung Belgrad verlassen. Die Ab-

timburg, Friesland und Nordholland) fanden reise erfolgte, so wird amtlicherseits versichert, frei-

E r g a n z u n g s w a h l e n zur Ersten K a m - willig und ohne jeden Zwang der Behörden. Wett-

in er statt. Die Halste der 50 Sitze dieser Körper- scheff will seine Reise nach Paris fortsetzen. Die

fdjaft war neu verteilt. Die neuen Senatoren wur- Abreise von Oberst Weltscheff, dessen V e r b a n - den von den Provinzialversammlungen gewählt, nun g noch in der vorigen Woche beschlossen wor- lei*5.erf* im April d. I. durch Wahlen um- den war, aber in höheren Offizierskreisen Wider- & Jure morden waren. Es wurden gewählt: 11 st a n d gefunden hatte, stellt ein Zugeständnis der Jtatpohfen, fünf Sozialdemokraten, 3 Christlich-Hi- Freunde Weltscheffs an die Regierung bar. Damit Im? m 2 Antireoolutlonare, 2 Nationalsozialisten sinb Konfliktsstoffe aus bem Wege geräumt wor- p t' .wie je 1 Liberaler unb Demo- ben, was zur Erleichterung der innenpolitischen trat. Bemerkenswert ist, baß die Nationalsozialisten Lage beitragen dürfte. Die Abreise kann als ein nunmehr ihren Einzug in das Parlament halten. Erfolg ber Regierung gegenüber der Dffi* Die beiden Sitze sind auf Kosten ber Liberalen unb zjersliqa gewertet werden.

der Demokraten errungen worden. Die Erste Kam- JL,. ,

mer besteht nunmehr aus 16 Katholiken, 11 Sozial- XblCOCr CttlC lNftye StlttpC bemofraten, 7 Christlich-Historischen, 6 Antirevolu- in Drattb acfferff

honären, 3 Demokraten, 2 Nationalsozialisten und

5 Liberalen. ' Dublin, 27. Juli. (DNB. Funkspruch.) Am

Donnerstag würbe eine m e t h o b i st i s ch e