Rechtskräftiges Todesurteil
Die Revision der Gattenmörderin Ortwein vom Reichsgericht verw»r^n.
musik.
Kirchliche Nachrichten
Evangelische Gemeinden.
Intendant König hatte die Aufführung inszeniert und lieh die zwei Akte in einer Mischung von Situationskomik und gutmütiger Ironie spielen, welche den Vorgängen jederzeit die ihnen zukom-
Zudrücken der kehle am 10. Iuli. Alle diese Handlungen seien nach der Ansicht des Schwurgerichts gleichermaßen vom Tölungsvorsah der Täterin getragen gewesen. Diese Rechtsaussaf- sung sei nicht zu beanstanden. Ls handle sich um eine einzige, in verschiedenen Ansätzen
Wie aus Leipzig berichtet wird, hat der erste Strafsenat des Reichsgerichts am gestrigen Dienstag die Revision der Gattenmörderin Ortwein aus kaulstoh (kreis Schotten) gegen das Urteil des Schwurgerichts Giehen vom 12. Dezember 1934 als unbegründet verworfen. Damit ist das- Todesurteil gegen die Ortwein rechtskräftig geworden.
können, da die massiv bayerische Szene allzu leicht ins Groteske oder Possenhafte umschlagen kann.
Rundfunkprogramm
Donnerstag, 28. März 1935.
6 Uhr: Bauernfunk. 6.15 und 6.30: Gymnastik. 6.55: Morgenspruch, Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.30: Gymnastik. 9.15: Musik am Morgen. 10: Nachrichten. 10.15: Schulfunk. Dolksliedsingen. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nach, richten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirt- schaftsbericht. 15: Nachrichten der Gauleitung. 15.15: Kinderfunk. 16: Nachmittagskonzert des Symphonieorchesters Pforzheim. 18: „Der Märchenerzähler". Ein Dreigespräch über Karl August Musäus. 18.15: „Frühlingsfeier". Eine kleine lyrische Funkfolge. 18.35: „Einmaleins für Gartenfreunde". Nützliche Betrachtungen eines Dichters. 18.45: Das Leben spricht. 19: „Es war einmal..." Ein musikalischer Spaziergang durch den Märchenwald. 20: Nachrichten. Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20.15: Sinfonie Nr. 4 in Ls-Dur von Anton Bruckner. 21.20: Unterhaltungskonzert. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.15: „Ton in des Schöpfers Hand". Ein Bach-Spiel von Henrik herse. 23: Reichssendung: „Zeitgenössische Mu' k" (4). Konzert des Funkorchesters. 24 bis 2: Nock/-
Das ist das Postamt der Matrosen!
Tausend Grüße und Küsse via Cherbourg - San Franzisko nach Honolulu.
kommen und Brauch das Recht hätten, zum Schutz gegen wilde Tiere einen Speer mit sich zu führen. Das Gericht entschied aber, daß der Angeklagte ebenso schuldig sei wie ein Autofahrer, der nachts ohne die vorgeschriebenen Lichter fährt. Der schwarze Speerträger, dem dieser Vergleich mit den europäischen Derkehrsverhältnissen gewiß nicht einleuchten wird, wurde jedenfalls zu acht Monaten strenger haft verurteilt.
Zeitschristen.
— Die Zeiten, in denen man von einer von überlieferten Einrichtungen, Meinungen und Rechten befreiten und geklärten Erziehungswissenschaft träumte, sind vorbei, heute ist die Erziehung zur Volksgemeinschaft da. Ähre Träger sind natürlich gewachsen aus dem Kampf um die Dolksgerpein- schaft und haben sich in ihm bewährt; es sind die Kampf- und Erziehungsgemeinschaften der HI., der SA. und SS., des Arbeitsdienstes; mit ihnen vereinigen sich die ältesten und darum an Ueberliefe- rungen reichsten Erziehungsoeranstaltungen, die Schule und das Volksheer. Die Süddeutschen Monatshefte (München) bringen eine Zusammenschau „Erziehung zur Volksgemeinschaft". Willi Ziegler, Direktor der hessischen Hochschule für Lehrerbildung in Friedberg, untersucht das bisherige Bildungswesen als die fast ausschließliche bisherige Erziehungsveran- staltung des Staates und kommt zu dem Ergebnis, daß es mit seinem Berechtigungswesen ohne zusammenschließende Leitidee ständetrennend gewirkt hat. — Prof. Albert Dietrich sieht den sozialen Ort der neuen deutschen Erziehung im Lager. — Harro Hagen gibt einen Aufriß über die formende Wirkung der HÄ. — Oberfeldmeister Wilhelm Scheidt legt den Ädeengehalt des Freiwilligen Arbeitsdienstes bar. — Die künftige Erziehung in der Studentenschaft wird von Gerhard Schröder behandelt.
— Wie die Milch als leicht verderbliches Nahrungsmittel vorsichtig behandell werden muß, wie die Milchmischungen verschie.denart.ig zusammengesetzt werden können, wie man Zucker- und Mchl- zusätze je nach Bedarf des Kindes ändern kann, ferner welche Trinkmenge täglich zuträglich ist und wann man mit der Beikost beginnt, erläutert Else Recknagel im Märzheft der Zeitschrift „M utter und K i n d". Aus dem weiteren Inhalt werden Beiträge wie „Beugen — Strecken", „Heber die Berechnung des Geburtstermines", „Vorsicht bei Kinderaussagen" und „Meine ersten Erlebnisse interessieren. Eine Spielecke, Winke für den Haushalt, neue Moden für die junge Mutter, Geschenke für das Kind usw. ergänzen die Reichhaltigkeit des hestes.
bewußt zum Enderfolg geführte Tat.
Änsbefondere liege nicht vor Tatmehrheit zwischen Mordversuch, begangen am 6. Juli, und M ?rd, unter Umständen in Tateinheit mit Totschlagsversuch, begangen am 10. Äuli. Das Schwurgericht bat dabei auch ganz einwandfrei das Fortdauern der Ueberlegung bei der Angeklagten während der Gesamtdauer ihrer Tat feftgestellt. Dabei könnten ja auch höchstens die von der Angeklagten geführten drei Hammerschläge als nicht mit voller Ueberlegung ausgeführte Handlung erscheinen. Doch hier habe das Schwurgericht in durchaus überzeugender Weile festgestellt, daß den Angaben der Angeklagten über den erfolgten tätlichen Angriff ihres Mannes auf sie fein Glaube beizumessen sei und infolgedessen auch nicht der Angabe, sie habe hier in einem Wut- anfall gehandelt. Es komme übrigens auf diese Teil- erroägungen auch gar nicht an, denn dieser Tatabschnitt als einzelne Handlung gesehen würde ja doch in dem schließlich mit Ueberlegung durchgeführten Mord aufgehen; das Endergebnis des Urteils wäre also unter allen Umständen richtig und nicht anzutasten.
Das Reichsgericht hat mit feiner Entscheidung gesagt, das Urteil des Schwurgerichts halte auch den strengsten und peinlichsten Prüfungen, die das Gesetz zulasse und ermögliche, stand.
Diese Prüfungen seien auf Antrag der Angeklagten durchgeführt worden, das gegen sie vorn Schwurgericht erlassene Todesurteil sei damit nicht nur gefühlsmäßig, sondern auch rechtlich so vollkommen in Ordnung, daß es ohne Gewissensbedenken b e ft ä t i g t werden könne.
Herr Geiger gab den Dichter im geblümten Schlafrock und Hausschuhen, ungefähr aus Spitzwegs Raritätenkabinett, tödlich beleidigt und wild deklamierend mit wallendem Mähnenschwung. Für den Metzgermeister Benno Summerer war Herr Hub der richtige Mann: er vertrat mit lärmender Ungeniertheit den nackten Materialismus; aber auch er wurde von den Kitschtiraden des poesiegeladenen Schwiegersohnes jäh überwältigt und wirkte in seiner männlichen Rührung wie eine jener bayerischen Typen von Carl Arnold ober Gulbransson. Frau Schubert-Jüngling, nach langer Krankheit genesen, spielte eine prächtig echte Münchener Kleinbürgerin, Fräulein Wielander die rührselig- besorgte Gattin des geprüften Dichters, Fräulern Decker die herzlich anteilnehmende Köchin Babett. Herr Löffler hatte beide Stücke ausgestattet und die bürgerlichen Sphären sauber und stilvoll voneinander abgegrenzt.
Das angeregt unterhaltene Publikum spendete freundlichen Beifall. hth.
Seltsamer Verkehrsunfall in der afrikanischen Wildnis.
lieber einen der merkwürdigsten „Verkehrsunfälle" ist in diesen Tagen vor dem hohen Gerichtshof von Tanganjika verhandelt worden. Angeklagt war nicht etwa, wie man meinen könnte, ein Autofahrer, der in rasendem Tempo durch die Straßen in einer afrikanischen Siedlung gejagt war und dabei einen Menschen umgefahren hatte, sondern die Vorgeschichte dieses Prozesses hat sich zur Nachtzeit in einsamster Gegend zwischen zwei Fußgängern zugetragen. Allerdings hatte ein unglücklicher Zufall dabei seine Hand im Spiel. -Der Angeklagte, ein Neger aus dem Tanganjika-Gebiet befand sich, nachdem die Dunkelheit bereits hereingebrochen war, auf dem Wege zu feinem Heimatdorf und trug wie gewöhnlich feinen Speer bei sich, und diese Waffe wurde einem anderen Schwarzen zum Verhängnis, der ihm auf dem schmalen Fußweg entgegenkam. Die beiden stießen in der Dunkelheit gegeneinander und der Speer verletzte den anderen so schwer, daß er schon nach wenigen Stunden an den Folgen der erlittenen Verwundung starb. Var dem Gerichtshof wies der Verteidiger daraufhin, daß dieses unglückliche Ereignis wie ein Unfall in den verkehrsreichen Straßen Londons gewertet werden müffe, der durch einen etwas zu sorglos getragenen Regenschirm entstanden fei, und daß die Eingeborenen nach Her-
Portionsförmchen serviert! Die Arbeit ist die gleiche, aber das Auge hat mehr Freude an den kleinen Formen, die sich besser verzieren lassen.
Wie steht es mit der T i s ch b e k o r a t i o n? Man ist heute davon abgekommen, die Tafel mit großen Blumenarragements zu überladen. Meistens hat man nämlich dann sein Gegenüber gar nicht mehr sehen können, heute verteilt man em paar zarte Blumen in flache Schalen, oder man stellt vor jedes Gedeck eine kleine Vase mit einer einzelnen Blume. Künstliche Blumen sind nie schon, auch wenn sie noch so kunstvoll aus Porzellan gefertigt wurden. Sie bleiben tot. — Eine liebevolle Hand gehört zum Schmücken des Tisches!
Lore.
Die Geschichte dieses Mordes ist, was die verbissene Beharrlichkeit bei der Ausführung der Tat ' betrifft, fast beispiellos. Man erinnert sich der ' Einzelheiten, wie sie vom Schwurgericht in Gie- ßen festgestellt worden sind:
Die Angeklagte Karoline Ort mein war, als ; sie in Kaulstoß einen Liebhaber gesunden hatte, < ihres Gatten, des Vaters ihrer acht Kinder, Otto Ortwein, überdrüssig geworden, der 20 Jahre älter war als sie. Der Mann hatte die Gerüchte, die ihm über den Lebenswandel seiner Frau zu- getragen worden waren, nicht stillschweigend hin- qenommen. Die Streitigkeiten wurden immer gehässiger. Am 26. Juni 1934 verbrühte sich der Mann dadurch, daß ein Topf heißen Wassers vom Ofen fiel. Im Augenblick des Unfalls kam der Karoline Ortwein der Gedanke, den unbequem gewordenen Mann für immer zu beseitigen. Der Gedanke fraß sich in ihr fest, und am 6. Juli 1934 tat sie den ersten Schritt zur Verwirklichung dieses Planes: sie reichte ihrem kranken Mann Kaffee, in den sie einen Teelöffel voll Salzsäure geschüttet hatte. Der Mann nahm nur einen Schluck des vergifteten Getränks. Am 10. Juli 1934 kam die Ortwein vormittags von ihrem Geliebten nach Haufe. Sie behauptete, was ihr aber vom Schwurgericht nicht geglaubt wurde, ihr Mann habe den -Nachttopf nach ihr geworfen und dadurch fei sie in sinnlose Wut geraten. Sie nahm einen Schusterham- mer und führte damit drei kräftige Schläge nach dem Kopf des im Bette liegenden Mannes. Dann holte sie einen Eßlöffel voll Salzsäure und flößte sie dem Wehrlosen ein: schließlich würgte sie ihn noch am halse, bis der Tod eingetreten war. Nachher verklebte sie die Wunden und überschmierte die Würgmale, so daß der Totenbeschauer ohne Verdacht blieb. Erst die Leichenöffnung ließ erfenn-en, daß gewaltsame Tötung vorlag.
Das Schwurgericht hat sich mit diesem Tatbestand sehr sorgfältig beschäftigt. Insbesondere hat es die Frage eingehend geprüft und auch umfassend beantwortet, ob die Mörderin ihre grauenhafte Tat mit Ueberlegung ausgeführt habe.
Die Revision, die sich nur gegen die Anwendung des Gesetzes auf den durch das Schwurgericht ermittelten und festgestellten Tatbestand, nicht aber gegen die getroffenen Feststellungen selbst richten kann, und bei deren Verhandlung die Angeklagte nicht zugegen zu sein braucht, machte vor allem geltend, die Ueberlegung bei der Tat sei nicht genügend und nicht widerspruchsfrei festgestellt worden, hauptsächlich fehle es an einer ausdrücklichen Feststellung darüber, daß gerade im Augenblick der Tötung, die durch Erwürgen erfolgt sei, die Ueberlegung vorhanden gewesen sei.
Das Reichsgericht hat feine Entscheidung den Ausführungen und den Anträgen des Oberreichsanwalts entsprechend getroffen. Diese gingen davon aus, daß zwei Rechtsfragen in diesem Zusammenhang gestellt und beantwortet werden müßten:
1. Liegt eine einzige Tat im Rechtsfinne dieses Begriffes vor? .
2 Ist während der Gefamtausfuhrung dieser einen Tat ständig mit Ueberlegung gehandelt worden?
Das Schwurgericht fasse ohne Rechtsirrtum das gesamte handeln im Rechtssinne als eine Tat auf, beginnend mit dem ersten Vergiften des Kaffees am 6. und endend mit dem
schickt werden — enthält in der Regel für eine 600 Mann starke Besatzung 800 bis 1000 Einzelsendung en. Die gebündelte Briefpost wird in seefeste Beutel gesteckt, ein solcher Beutel darf nicht mehr als 30 Kilogramm wiegen. Das Marinepostbüro legt den größten Wed darauf, daß diese Beutel auch wirklich uneröffnet an Bord des Schiffes kommen, deshalb ist die Post sicherheitshalber zweimal „versackt", d. h. der eigentliche Post- sack kommt noch in einen anderen Sack.
Ist der Beutel geschlossen, wird die Adresse angebracht, sie ist eine Holzfahne, eine kleine, rechteckige Holztafel, die in ihrem oberen Teil zwei Löcher hat, durch die die Schnur gezogen wird, mit der man den Postbeutel zubindet. Aus die Holz- sahne nun ist in ausfälligem Rotpapier die Adresse geklebt. Sie enthält neben dem Namen des die Post empfangenden Schiffes und der Reiseroute in französischer und englischer Sprache den großgedruckten Vermerk, daß oiese Post „für die Kriegsschiffe des Deutschen Reiches" ist. Eine genau gleichlautende Adresse, nur diesmal als hellrote Leinenfahne, befindet sich am Jnnenbeutel. An Bord bann nimmt der Schiffszahlmeister die Beutel in Empfang und schickt sie, geleert, wieder nach Berlin zurück — samt der Holzsahne, die im übrigen einen Wert von 40 Pfennigen hat und die die Post, die selbstverständlich auf Sparsamkeit sieht und den Pfennig ehrt, keinesfalls verlieren will.
Natürlich kann unseren Blaujacken auch das sogar in Honolulu nicht unentbehrliche Kleingeld geschickt werden. Es geht freilich nicht in Barbeträgen nach dorthin ab, sondern wird listenmäßig überwiesen. Der Zahlmeister zahlt es dann dem Adressaten aus, in der Währung des jeweiligen Landes möglichst, oder schreibt es gut. Telegramme werden laut einer besonderen Abmachung zwischen der Marineleitung und dem Haupttelegraphenamt von der Küstenfunkstelle Kiel gefunkt, aber nur nachts. Und die immer willkommenen Pakete befördert von Zeit zu Zeit eine Hamburger Firma.
Marinepostamt — das klingt interessant, und man glaubt sich dabei, schon wenn man nur den Namen ausspricht, von den Winden aller sieben Meere angepustet. Freilich: die Welt ist nicht kleiner geworden und die sieben Meere gibt es immer noch — was es aber nicht mehr gibt, das ist die alte Größe des Marinepostamtes!
Früher, als wir noch Kolonien besaßen und viele Kriegsschiffe ständig draußen irgendwo in der fernen Welt stationiert ober auf Fahrt waren, beschäftigten sich viele, viele Beamte mit ber Be- förberung ber Post für unsere Auslanbsschiffe. Im Kriege noch waren es über hunbert Köpfe, benn auch ba ging bie gesamte Post für die Flotte durch das Marinepostamt, damit niemand erfuhr, wo unsere Schiffe sich gerade befanden.
Ein wenig von dem Glanze der alten Zeiten : erstrahlt noch, wenn unsere Flotte in den Sommermonaten im Mittelmeer ober um Schweben herum , auf Uebungsfahrt ist — bann läuft auch hier jebe । Karte unb jeber Brief burch bas Marinepostamt, in dem bie Brief-Fächer für unsere Schiffe sonst : nur noch gelegentlich gefüllt werben.
= Kurt h. Kauffmann.
Immer, wenn eines unserer Kriegsschiffe auf s großer Fahrt, auf einer Weltreise begriffen ist, be- 5 kommt bas Postamt ber Matrosen „alle hänbe voll s zu tun". Denn biefes Postamt unserer blauen Jungen, bas amtlich einfach „M a r i n e p o st b ü r o" i heißt und sich in Berlin im Postamt E2 in ! ber Spanbauer Straße befinbet, ist in ganz Deutsch- < lanb bie einzige postalische Behörbe, bie Post an < bie Besatzungen unserer Kriegsschiffe im Auslanb I beförbert.
Alles hier Miß, wenn ber Kriegsschiffmatrose Jan Maat in Sibney ober Hongkong pünktlich seinen Brief von Muttern ober von ber Liebsten erhalten soll, wie am Schnürchen gehen — unb baß es so geht, bafür ist gesorgt.
Bis jetzt nämlich hat noch jebes unserer Kriegsschiffe sozusagen bis auf bie Minute genau feine Post bekommen, selbst wenn es sich am anberen Enbe ber Welt befanb. Nur einmal, ba klappte es nicht. Das lag-aber baran, baß bamals in Sübame- rifa Revolution war unb unser Kreuzer bie chilenischen Häfen nicht anlaufen konnte. Später allerdings bekamen bie Seeleute bann in einem anberen Hasen ihre wohlverbienten tausend Grüße unb Küsse aus ber Heimat boch. Der Ausfall ber Post — bas ist für Menschen, bie seit Monaten unterwegs sinb unb natürlich auf Nachrichten von Zuhause fiebern, sehr enttäuschenb unb schmerzlich. Darum werben vom Marinepoftbüro nur die allerbesten, bie schne11sten unb sichersten 23 er- binbungen zur Uebermittlung der Postsachen an unsere Kriegsschiffe benutzt.
Wenn zum Beispiel ein auf Weltreise befindlicher Kreuzer Sumatra oder Java eben verlassen hat und nun Honolulu auf hawai als Hasen ansteuert, muß die nächste Postsendung für dieses Schiff von Berlin aus so abgeschickt werden, daß sie auf den Tag genau mit einem der großen Amerikafahrer von Cherbourg aus abgehen kann. Der Amerikadampser trifft in Neuyork am sechsten Tage ein. Von dort aus geht dann die Post in viertägiger Bahnfahrt bis zu den Häsen der amerikanischen Westküste Seattle ober San Franzisko, von diesen beiden Häsen aus gibt es dreimal wöchentlich Schiffsverbindungen nach Honolulu; die Fahrt dorthin dauert sechs bis acht Tage — diese einzelnen Lauffristen sind so bemessen, daß die Post in jedem Falle den jetzt inzwischen in Honolulu eingetroffenen Kreuzer auch wirklich erreicht.
Ob nun Honolulu, Samoa ober Ceylon — nach überall ist ber viele t a u f e n b Meilen mes- fenbe Weg, ben bie für ein auf Weltreise befinb- lichs Kriegsschiff bestimmte Post zu nehmen hat, aufs genaueste ben Routen ber Uebersee-Postbamp- fer angepaßt. Die jeweils letzten Verbinbungen unb Absenbemöglichkeiten nach ben wichtigsten außereuropäischen Häsen finbet bas Marinepostbüro in einer von ber Postbehörde selbst herausgegebenen Liste, die, mag es sich nun um London, Hamburg ober Bombay, um Mabagaskar ober Habana handeln, bis auf5 i-Tüpfelchen stimmt.
Solch eine Postsendung nun — übrigens können nur gewöhnliche Briefe, Postkarten, Drucksachen und Geschäftspapiere zu bestimmten Gewichten, nicht aber Geldbriefe, eingeschriebene Sendungen, Päckchen, Pakete, Warenproben, Nachnahmen usw. ge-
Scheiben von hartgekochten Eiern, kleinen Gurken, Mixed Pickles und Sardellenringen zu einer Appetit- platte an.
Ausgewärmte Gemüsereste vom Mittagessen mag man nicht gern auf der abendlichen Tafel noch einmal sehen, hat man sie aber mit Mayonnaise überzogen, so greift jeder gern zu diesem pikanten Salat, hart gewordene Wurstenden gibt man durch die Fleischhackmaschine, mischt sie mit einem Eigelb und gehacktem harten Ei, kleingeschnittenen Gürkchen und etwas Gewürz und stopft sie in ein ausoehöhl- tes Weißbrot. In dieser Form schmecken die „Wurstzipfel" ausgezeichnet, denn man erkennt sie nicht wieder.
Auf das Anrichten kommt es an. Wieviel netter ist es z. B., wenn man Süßspeisen in kleinen
Gießener Giadiiheater.
Björnson: „Die Neuvermählten". Thoma: „Gelähmte Schwingen".
Infolge einer plötzlichen Erkrankung im Personal, bie bereits eine eilige Umbesetzung in Grillparzers Traumspiel notmenbig gemacht hatte, mußte die ursprünglich für gestern vorgesehene Aufführung der „Armseligen Besenbinber" von Carl Hauptmann verschoben werben; statt besten hatte man zwei ältere Stücke zu einem Lustspiel-Abenb vereinigt.
*
Was Björnson angeht, so lernt man ihn bei uns in Deutschlanb auf bem Theater meist von ber anberen, ber ernsthaften, typisch skanbinavischen unb problematischen Seite kennen, unb auch von seinen Lustspielen ist uns „Wenn der junge Wein blüht" geläufiger als bie zweiaktige Geschichte von den Neuvermählten. Das ist fürwahr ein Sturm im Wasserglase, ber uns nicht nur bes reizenben Kostüms wegen recht biebermeierlich anmutet.
Es fängt ganz gelinbe vor bem ersten Frühstück an mit einem Streit um ben Besuch eines Balles am Abenb. Aber biefe Auseinanbersetzung wächst sich im hanburnbrehen zu einer regelrechten Revolte in ben Flitterwochen aus: ber junge Ehemann protestiert bagegen, baß er nur Schwiegersohn sein unb seine Ehe im Elternhaus seiner Frau verbringen soll, bie Vater unb Mutter nicht verlassen unb einen eigenen hausstanb errichten will. Zwar setzt ber Mann seinen Willen burch, aber es stellt sich heraus, bah auch bies nicht ganz bas Richtige ist, und man muß schon fürchten, bah bie noch so junge Ehe vollenbs in bie Brüche geht, zumal bie Freunbin ber Frau bie Übersiedelung mitmacht: diese Freundin hat zwar bie Ehe recht eigentlich zustanbe gebracht, aber es hätte fast ebensogut aucy ihre eigene Ehe werben können. Im letzten Augenblick geht doch noch alles gut aus, und als die Schwiegereltern zu Besuch kommen, um vor einer Auslandsreise gerührten Abschied zu nehmen, spielen bie Neuvermählten ihnen eine kleine Ko- möbie vor, bie inbessen mehr ist als ein improvisiertes Flitterwochentheater unb auch burchaus so oerftanben wirb. Nun können bie Eltern in Seelenleben auf bie Reise gehen, unb ba bie Freunbin sie begleiten wirb, steyt bem ehelichen Glück der Neuvermählten nichts mehr im Wege.
menbe Sphäre wahrte unb mit ber Einkleidung zugleich die historischen und die gesellschaftlichen Voraussetzungen andeutete, die für ein verständnisvolles Eingehen auf ben harmlosen Kleinkrieg zwischen ben Kulissen erforberlich scheint.
Mittwoch, den 27. März.
Gießen. Sladtkirche. 18 Uhr: 4. Passionsandacht;
Pfr. Becker.
Donnerstag, ben 28. März.
Gießen. Kapelle des Alten Friedhofs. 20.15 Uhr: Passionsandacht; Pfr. Anthes.
Freitag, den 29. März.
Gießen. PeKuskapelle. 20 Uhr: Pasfionsandacht; Pfr. Trapp.
Herr Lüpke spielte den jungen Ehemann, dessen hitzig ausbrechendes Temperament einen schweren Kampf mit seiner Wohlerzogenheit und seiner echten Neigung zu bestehen hat. Fräulein Wieland e r, blond und rosa, traf mit Lächeln, Knicksen, Szenen und Tränen die Wesensart dieser wahrhaft kindlichen Neuvermählten vortrefflich. Herr 23 o l cf war ein würdiger, bürgerlich-wohl- fituierter Patrizier, Frau Schubert-Jüngling eine betulich-bewegte und ehrpußlige Mama. Fräulein Pflug gab mit ruhiger Entschiedenheit bie Freunbin Mathilbe. —
*
Der Einakter „Gelähmte Schwingen" von Thoma beginnt zwar auch am Frühstückstisch, spielt aber im übrigen sehr vernehmlich in einer anderen Luft und Landschaft und ist in jeder Hin- sicht aus derberem Holz geschnitten. Wir haben diese bürgerliche Szene aus München hier übrigens bei früherer Gelegenheit schon einmal erlebt: es ist der Morgen nach einer verlorenen Schlacht; ber „Volks- bichter" Haselwanter ist im Theater ausgepfiffen worben, und nachdem er zum Kaffee die Kritik gelesen hat und seine arme Frau schon drauf und dran ist, weinend zu ihren Eltern zurückzukehren, da erscheinen diese gerade im richtigen Augenblick auf dem Kriegsschauplatz. Und es ergibt sich zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn, dem Meßger- meifter und dem Volksbichter eine erschütternde Auseinandersetzung über Wesen und Wirkung der Poesie im allgemeinen und im besonderen. Der Metzger verlangt vom Poeten, er müsse „moderner" schreiben, um bie Seele bes Volkes zu gewinnen; aber ber schlägt ihn mit seinen eigenen Waffen, indem er ber versammelten Familie nur eine einzige kurze Szene aus seinem Wilberer-Drama vorliest unb bamit allen Anwesenben das Helle Wasser in die Augen treibt. Alsbald ist auch hier ber Friebe'n wieder hergestellt, und man kann beruhigt zum gemeinsamen Frühschoppen ziehen.
*
Herr Loser hatte bie Spielleitung, seine Aufführung war von unmittelbarer Wirkung aufs Publikum; wir glauben allerdings, daß bie Darstellung — bei aller Würdigung ber landschaftlichen und anderen Wesensunterschiede beiber Stücke — stellenweise eine gewisse Dämpfung hätte vertragen


