Ausgabe 
27.2.1935
 
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Mittwoch, 27. MniaNW

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

HM9 vierter Blatt

Berlin ständiggebuddelt" wird, ist auch I 9 Meter unter der Strabenoberkante. Der Tunnel oeiu i llu'luy 7« . nur hen P n n h m p h r f a n Q Uno

Nachdruck verboten!

17. Fortsetzung

lebenswert. , .

Dieses Bedürfnis nach Freude, die ein wesent­liches Element des Lebens ist, ist an keine Jahres­zeit gebunden. Es ist immer da, und es will pfleg­lich behandelt fein, wenn ein Menschenleben den denkbar höchsten Ertrag liefern soll, dessen es fähig ist. Die Fähigkeit, sich zu freuen die etwas ganz

Bariano? Mein Gott, ich denke, der sitzt im Juchthaus von Sing-Sing?! Vor dem glaubten wir doch sicher zu sein? Hat man ihn denn begnadigt?

Dundee lachte: .

Einen Bariano begnadigt man nicht, mein guter Aopman der hat sich selber begnadigt. Das heißt, es ist ihm -dank seiner ungeheuren Verbindungen und der Bestechungssummen, die ihm durch seine Banden zu Gebote, stehen, gelungen, aus Smg- Sing^zu entfliehen."

Hopman war bleich geworden:

Und der ist auf der Fährte des Barons von Gernsheim? Herrgott nochmal, da ist der arme Kerl der Gernsheim, wirklich in einer ernsten Ge-

ermüdlich darum zu werben.

Der Beharrlichkeit dieser wenigen ist es zu dan­ken daß Tausende und immer neue Tausende seit­dem die Freude haben, das Erlebnis an sich selbst zu spüren Denn wenn die Zahl der Wiederholungen des anspruchslosen Stückes bereits in das zweite Halbtausend geht, so zeigt das als besonders beweis­kräftiges Beispiel, wie tief das Bedürfnis nach Freude im Menschen ist, und wie es nachhaltig befriedigt werden kann, nur wenn ihm gute Nah­rung und fein billigerErsatz" geboten wird. Wir kennen sie ja auch noch, jene Stucke, von denen vormals die Bühnen der Hauptstadt überschwemmt wurden und die von da ihren sogenannten Sieges­laufdurch die Provinz" antraten, in denen man lachte und von denen man nach Hause ging mit dem Gefühl, daß dieses Lachen doch eigentlichzu dumm" gewesen sei. Wer gekitzelt wird, körperlich oder seelisch, der muß lachen, er mag wollen oder nicht; aber mit Freude hat dies Lachen vorerst noch gar nichts zu tun. Nicht jede Freude lacht, und nicht jedes Lachen macht.Freude. Freude ist ein Zustand, der das Bewußtsein s et ne s Wertes in sich trägt, auch wenn er es für sich behält. Jeder Wert aber will erarbeitet sein. Aus Arbeit und Kampf erst gebiert sich das Recht

auf Freude.

Es ist ein gesundes Empfinden, wenn der Mensch, der tagsüber schwer gearbeitet hat, an der Stätte der Erholung, die er abends aufsucht, nicht neue schwere Arbeit vorfinden will. Ein Film, der uns eine Stunde lachen macht, ohne daß wir uns des Lachens hinterher zu schämen brauchen, tut zur Ent­spannung und Erholung sicher bessere Dienste als ein Problem-Stück, dasfür die Ewigkeit geschrie­ben ward. Aber freilich, es muß auch Kunstwerke geben, die mit den ewigen Problemen des Menschen­lebens ringen, die die Arbeit und den Kampf für die anderen leisten, die für sie um das Recht auf Freude ringen, wie sie jede ehrliche Arbeit und jeder mannhaft bestandene Kampf erwecken. Kaum einer hat das Bedürfnis nach Freude so tief emp­funden, wie der einsame und taube Musiker Beet- tz o v e n. Ist er es doch, der auf das siegreiche Durch­brechen der Freude den gewaltigsten Triumphgesang gesungen hat, den die Menschheit kennt. Aber bevor über den wogenden Tonmassen der Neunten Sym­phonie die Menschenstimme dasFreude, schöner Götterfunken" zum Himmel emporjubelt haben alle Dämonen der Menschenbrust sich eine Schlacht geliefert, wie sie erschütternder nicht geschildert wer­den kann. Dieser elementare Kampf erst bringt d a s Recht auf Erlösung, und die Erlösung kommt im Hymnus auf die Freude.

Wie die Neunte Symphonie, so tragt jebes echte Kunstwerk seine Rechtfertigung in sich. Indem es Menschen, die dazu, fähig sind, Qual und Freude des künstlerischen Schaffens nacherleben laßt erhalt es ihnen das Leben lebenswert dadurch, daß es ihnen Kraft zu neuem Schaffen gibt. Ob es sich dabei um hohe oder niedere Kunst han­delt, ob die Freude, die das Kunstwerk erleben laßt tragisch-erhaben oder lustig-lachend ist, darauf kommt

Ja, lieber Hopman, die Katze läßt das Mausen nicht und ein richtiger Kriminalist nicht das De- tcttinfpieten. Erst hat mich der Fall ja nur mter- essiert, weil ich Ihnen mit meiner Hilfe dienlich fein konnte. Seitdem ich aber weiß, daß Bastlern in dieser Geschichte seine Hände mit im Spiel hat, seitdem ist mein Blutdurst geweckt. Sie wissen, ich habe von dem Fall Sharmer in Liverpool her noch eine kleine Rechnung mit ihm zu begleichen. So sicher, wie ich hier sitze, so sicher hat er damals den armen Sharmer umgebracht. Aber der Junge hatte so ein verteufelt gutes Alibi, daß selbst meine Spürhunde ihn nicht zur Strecke bringen konnten. Ich würde mich herzlich freuen, wenn er ßch dies­mal das Genick brechen würde. Aber bis dahm ift leider noch ein langer Weg."

Ein langer? Wißen Sie, wo Baftieni steckt?"

Nein, das weiß ich eben leider nicht. Ich habe feine Fährte bis hierher nach Berlin verfolgt, und da ist er untergetaucht. Sie könnten eher eine Steck­nadel in Berlin finden als ihn. Meine einzige Hoff­nung ist nur, er ahnt nicht, daß ich ihm mit auf der Fährte bin. Und so wird er vielleicht wieder etwas von sich hören lassen.

Hopman dachte nach. Dann fragte er lebhaft:

Sagen Sie einmal, Dundee, hat sich Herr von Gernsheim über das Zusammentreffen mit seiner Adoptivschwester in Hamburg geäußert?"

Nein, das hatte er nicht. Er äußerte zunächst sehr große Angst, was aus Miß Helma geworden wäre. Aber als er hörte, daß sie mit dem Ziel Gernrode abgereist wäre machte er em Gesicht, als wäre ihm der Weizen verhagelt."

muß dabei nicht nur den L a n d w e h r k a n a l uno die Spree unterfahren, sondern auch die gesamte Gleisanlage des Stettiner Bahnhofs in 500 Meter Länge, wobei ebenso wie bei her technisch außerordentlich schwierig zu bewältigenden Kreuzung des Bahnhofs Friedrichstraße, der ge­samte oberirdische Bahnverkehr auf­recht erhalten bleibt. .

Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man bei diesem Projekt von einem Meisterwerk deutscher Tiefbau­kunst spricht. In den vier Jahren werden nicht we­niger als 1,8 Millionen Kubikmeter Erdmassen be­wegt, 440 000 Kubikmeter Beton, 40 000 Tonnen Stahl und 60 000 Raummeter Holz verbaut und verarbeitet. In diesem zweiten Baujahr will man die Unterfahrung des Bahnhofs Friedrichstraße, so­wie die beiden Unterfahrungen der Spree und des Landwehrkanals zum größten Teil fertigstellen. Für das Olympiajahr soll der Bau so gefördert werden, daß ein großer Teil der Strecke, und zwar der vom Stettiner Bahnhof bis Unter den Linden i n B e - trieb genommen werden kann. Der Bau am Potsdamer Platz wird allerdings erst in zwei Jahren fertig fein, da an diesem bedeutendsten Ver­kehrsknotenpunkt die Schwierigkeiten nicht so schnell zu überwinden sind.

men." .

Na, bei aller Sympathie für Herrn Gernsheim Gift möchte ich ja nicht gerade nehmen , gab Hopman zur Antwort und verbarg unter diesem kleinen Scherz seine Unruhe.Ich bin Ihnen wirk­lich außerordentlich dankbar, Dundee", sagte er dann warm,daß Sie sich dieses Falles so an­nehmen. Da sind Sie nun zu ganz anderen Zwecken nach Deutschland gekommen, und schon geht's wie­der mit der Arbeit los."

Dundee lachte, daß sich sein kluges Gesicht in tausend Fältchen zusammenzog.

Strecken entlastet werden.

Warum wird diese Nord-Südbahn des elektrischen Schnellbahnverkehrs der Reichsbahngesellschast ge­baut? Der Ring- und Stadtbahnverkehr in Berlin spielt sich z u r Z e i t nur in W e st - O st - R l ch - t u n g ab, und zwar als Ringbah n v erk ehr , der dadurch außerordentlich belastet ist weil die Durchmesserlinie inNord-Sud-Rich- tung fehlt. Diese Linie soll in vierjähriger Ar­beit entstehen. Da sie durch das Herz der Weltsta^ führt, ist es notwendig, sie ganz unterirdisch amulegen. Der gesamte Tunnel wird etwa 5,6 Kilo-

der in Richtung Gernrode fuhr. Es wurde schon dämmerig, und die Höhenzüge der Landschaft drau­ßen begannen zu verschwimmen. Bis man in Gern­rode ankam, würde es dunkel fein.

Als der Zug auf der letzten Station vor Gern­rode hielt, wurde im letzten Augenblick die Tur des Abteils aufgeriffen, in dem Hopman faß.

Ein Mann kam eilig herein, der einen dunklen Radmantel trug und eine Brille vor den Augen. Er grüßte kurz und atmete hastig, als wäre er nur 'mit äußerster Mühe noch zurechtgekommen. Dann sank er erschöpft in eine Ecke des Abteils und schloß die Augen. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn, und Hopman dachte flüchtig, warum der erhitzte Reifende den schweren Radmantel nicht aus­zog. Denn das Abteil war, der vorgeschrittenen Jahreszeit entsprechend, gut geheizt.

Hopman schwieg. Man sah, es arbeitete etwas in feinen Gedanken. Aber er war mit sich selbst noch nicht im reinen. Dundee hütete sich wohl zu fragen. Er wußte von sich selber, daß man einen wirklichen Kriminalisten nicht in der Entwicklung seiner Gedanken stören durfte.

Eine Weile faßen die beiden Männer schweigend und rauchend da. Dann zog Hopman plötzlich aus seiner Brieftasche ein kleines Amateurbild:

Sagen Sie einmal. Dundee kennen Sie viel­leicht dieses Gesicht?"

Er schob Dundee das Bildchen zu.Etwas un­deutlich gemacht. Ich konnte schwer zur Aufnahme kommen, ohne Aufsehen zu erregen.

Dundee nahm eine Lupe, die er stets bei sich trug, und schaute durch das Vergrößerungsglas auf die kleine Amateuraufnahme:

Ich will gehängt fein", sagte er plötzlich,wenn das nicht dieser verrückte Spanier ist, der in der ganzen Welt herumreist undnad) irgendwelchen mystischen Kirchengeräten sucht."

Er nennt sich de Sanzo!" warf Hopman ein. So!" sagte Dundee.So heißt er also jetzt? Ich habe ihn unter einem anderen Namen gekannt.

WIR WOLLEN

AUF'S LAND

Wie kommen Sie denn zu dem Bild? Und was wollen Sie von diesem Manne?"

Triumph der Tiefbautechnik!

Das zweite Baujahr der Berliner Aordfüdbahn.

Der Februar ist der Monat des Karne- ! D a[5, auch wenn sein Abschluß und Höhepunkt, ; die Fastnacht, erst in den März fällt. Diese zeitliche Bindung ist selbstverständlich kein Zufall. Um sie zu verstehen, müssen wir bedenken, daß Karneval und Fastnacht Einrichtungen sind, die mit ihren Wur­zeln ins Mittelalter, ja, noch weiter zurückreichen. Und auf dem mittelalterlichen Menschen lastete der Winter mit einem Druck, für den der Kulturmensch- heit von heute die Maßstäbe fehlen. Weil der Druck nun bald schwinden mußte, weil es wieder dem Licht entgegenging, feierte man das Julfest, das Fest der Wintersonnenwende. Und der Februar war dann der erste Monat, in dem die naturnahe Menschheit eine erste Ahnung vom Frühling über­kam, vom neuen Treiben und Werden, das auch die Menschenbrust mit neuen Hoffnungen schwellte.

Die mittelalterliche Kirche hat sich dann dieser, wie anderer festlicher Stimmungen bemächtigt, um sie für ihre Zwecke umzuformen und nutzbar HU machen. Die Leiter der Kirche waren Seelenkenner. Sie wußten, daß das Bedürfnis nach Freude aus der Menfchenbruft nicht zu tilgen ist, und es dünkte sie klug, vor Beginn der öster­lichen Fastenzeit, b?r Zeit des Verzichts und der Entsagung, die Zügel noch einmal recht locker zu lassen. Hatte die sündige Menschheit sich vorher noch einmal gründlich ausgetobt, so ließ sie sich, über die Stimmung des Aschermittwochs hinweg, leichter unter die strengen Gebote der Kirchenzucht beugen. Denn auch die Fähigkeit des Menschen, sich der Freude hinzugeben, hat ihre Grenzen. Man kennt den Stimmungsumschlag beim Kinde, wenn erfahrene Mütter von ihm sagen, es habe'sich überfreut". Und was ift der erwachsene Mensch im Karneval anders, was will er anders sein da wenigstens, wo der Karneval noch bodenständig ist als ein großes Kind? Wenn am Aschermittwoch das Stadium erreicht war, wo die großen Kinder sichüberfreut" hatten, dann führte die Kirche sie mit sanfter, aber auch fester Hand zum heilsamen Schmerz der Bußübung zurück.

Denn Freude ist nur der eine Pol, um den das menschliche Leben schwjngt; der andere ist der Fruder der Freude, der Schmerz. Ein Leben, das nicht von beiden, sondern nur von einem der beiden Pole bestimmt wird, kommt aus dem Gleich­gewicht. Ein Mann von Weltruf, der Berliner Chirurg Professor Sauerbruch, hat kürzlich einen gedankentiefen Vortrag gehalten über den Schmerz, der als ein Warner und Hüter neben dem Leben hergehe, auf drohende Gefahren rechtzeitig aufmerksam mache und dem Arzt bei ihrer Erkenntnis und Bekämpfung ein unschätzbarer Heiser sei. Sauerbruch hatte am Schlüsse seines Vortrages daran erinnert, daß eine ergänzende Be­trachtung eigentlich der Rolle gewidmet sein mußte, die die Freude im Menschenleben zu spielen habe nur daß gerade dem Arzt weniger Gelegen­heit gegeben ist, diese Rolle zu studieren. Und doch weiß der einsichtige Arzt am besten, w i e unent­behrlich die Freude für ein gesundes und aus­geglichenes Leben ist! Warnt der Schmerz vor Gefahren, die das Leben bedrohen, so treibt die Freude das Leben nach überwundener Gefahr vor­wärts zu neuen Zielen. Ein Leben, das schmerzfrei verliefe, wäre kein rechtes Leben gewesen; und ein Leben ohne Freude es wäre überhaupt nicht

sie wohl möchten, aus erlebter Freude die Kraft zu neuer Arbeit erwachst.

Kraft durch Freude! Ein großes Wort. Ein Programm, wonach der Staat in Ausübung der Kunst der Menschenformung handelt. Kraft durch Freude, das meint etwas anderes als das 'm tiefsten Grund unsittlichepanem et .circenses", Brot und Zirkusspiele im alten Rom, das empfahl, eine arbeitsscheue Masse gut zu füttern und gut zu unter­halten, auf daß sie die Machthaber in Ruhe ließe. Kraft durch Freude, das ist die Anerkennung der sittlichen Pflicht des Staates, einem Bedürfnis Rechnung zu tragen, wodurch das Menfchen-Dasein erst menschenwürdig wird. Und daß es wieder ein­mal der deutsche Staat ist, der in der Aner­kennung dieser sittlichen Pflicht vorbildlich vorangeht, darauf dürfen wir stolz sein.

Hopman erzählte von der Anwesenheit de San- zos auf Schloß Gernrode und von dem Verdacht, den er gegen ihn chatte.

-Ich habe aber das bestimmte Gefühl, daß da verschiedene Fäden zusammenlaufen", sagte er grü­belnd,und ich komme noch nicht zum Schluß.

Ich glaube, dieses Schlußglied der Kette werde ich Ihnen verschaffen können", meinte Dundee. Dann sah er sich um, ob auch niemand hörte, und sprach leise auf Hovman ein, der mit imm^r größerem Erstaunen zuhörte. Als sich die beiden Männer end­lich trennten, hatte Dundee versprochen, weiter m Berlin nach Bastieni zu forschen.

Hopman selbst hielt es nun für höchste Zeit, sich wieder nach Gernrode zu begeben. Und Dundee war

anderes ist, als die Fähigkeit, gelegentlich wie im Karneval über die Stränge zu schlagen will geweckt werden, besonders wenn die Umwelt nicht dazu angetan ist, sie ans Tageslicht zu rufen. Das geht auch im Wege der Selbsthilfe. Noch in den trüben Tagen vor dem 30. Januar ist die luftige Bauernkömödie vomKrach um Jolanthe ent­standen, die ursprünglich einfach die Swiens-Komödie hieß Sie wird heute in der Reichshauptftadt schon zum 500 und soundsovielten Male aufgeführt, ein Erfolg, der ohne Beispiel dasteht in der Theater- qeschichte. Aber von selbst ist dieser Erfolg keines­wegs gekommen. Eine Gruppe niederdeutscher Schauspieler hat ihn gemacht, die an sich selbst das Erlebnis der Freude an der Sache erfahren hatten und nun den Beruf fühlten, auch bei andern um

Seiten das Wasser.

Die Nord-Südbahn der Reichsbahn wird! Ein Jahr Arbeit ist geschafft, fast 2000 Arbeiter waren unermüdlich tätig, um hier Hauser abzu­reißen, dort sich über 10 Meter tief in das Em- aeweide der Weltstadt zu bohren, das gerade an den Stellen, wo künftig die Bahn ihren Weg von Norden nach Süden nehmen wird, besonders emp­findlich ist. Für 2 5 Millionen Mark Auf­träg e vergab die Reichsbahndirektion Berlin im e r ft e n Jahr, 50 Millionen Mark sind für das Jahr 1935 vorgesehen. Die Zahl der Ar­beiter wird sich in diesem zweiten Baujahr ver­doppeln und nahezu 4000 betragen. Es güt, ben Tunnelbau mit der größten Intensität zu fordern, damit 1936, wenn die Olympischen Spiele in Berlin abgehalten werden, schon ein großer Teil der Strecke befahrbar ist und somit die übrigen

der gleichen Meinung.

Bald verließ Hopman wieder als Professor Schröder das Haus, um sich, alt, kurzsichtig blinzelnd, im Eilzug auf den Weg nach Gernrode zu machen. Er hatte eine Telegramm an Helma gesandt, m dem er sich zu einer weiteren Besichtigung der Bibliothek für einige Tage anmeldete.

Kaum hatten Dundee und Hopman als Professor das Haus verlassen, als sich von einem Fenster des gegenüberliegenden Hauses zwei Männer entfern­ten, um schnell die Treppe hinunterzueilen Hinter der Glastür des Hauseingangs verborgen, beobach­teten sie die beiden Herren, die nacheinander, als ob sie nicht zueinander gehörten, die Straße uber- ^Während Dundee eine Autotaxe herbeiwinkte, um in Richtung Polizeipräsidium zu fahren, fuhr ein zweiter Wagen mit einem der beobachtenden Männer ihm nach. Der zweite hielt sich an öte Fersen Professor Schröders, der langsamen Schrit­tes etwas unsicher, wie alte Leute zu gehen pflegen, vor'wärtsfchritt, um endlich gleichfalls eine Auto- drofchke zu besteigen.

Der Mann hinter ihm hörte, wie er dem Chauf­feur als Ziel den Anhalter Bahnhof nannte.

*

Der Schnellzug, der die Nebenstrecke nach Gern­rode erreichte, ging, kurz nachdem Hopman, als Professor Schröder verkleidet, den Bahnhof erreicht ^Umständlich ging er mit seiner Reisetasche sein Billett in der Hand, durch die Sperre und suchte sich ein Abteil. Jetzt, außerhalb der Reisezeit, waren die ^üqe schwach besetzt. Und so kam es, daß Schro­der Ziemlich für sich allein blieb. Er hatte in seiner Handtasche zwei kunsthistorische Werke verstaut, in denen er eifrig las, und aus denen er sich eine Reihe Notizen machte.

Nach etwa drei Stunden war er auf dem Kreu­zungspunkt angekommen und bestieg den Lokalzug,

Helma lächelt.

Kriminalroman von Klothilde von Stegmann. Urheberrochtsfchutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).

Die Sendung der Freude

Äon Dr. Paul Harms.

- anzulegen. Der getarnte xunnei rouu euuu u,u meter lang werden und in sog. ememhalbfacher

t I Tieflage gelegt d. h. die Schienenoberkante liegt I

Daß in T..3 ------- - < -

dem gelegentlichen Befucher der Reichshauptftadt nichts Neues mehr. Aber die Arbeiten, die feit nun­mehr einem Jahr im Herzen der Stadt, im Zentrum des dichtesten Verkehrs ausgeführt wer­den, find mit dem BegriffBuddelei" nur schwach umschrieben. Die Linden Unter den Linden die allerdings keine Linden waren sind ver- ch w u n d e n und statt dessen sieht man hohe Bretterwände, gewaltige Stahlröhren, Berge aus­geschachteter Erde, emsig tätige Arbeiter. Und wie hier, in der vornehmsten und traditionsreichsten Straße Berlins, wird auch an anderen Stellen das Unterste zu oberst gekehrt. Am Landwehr­kanal in der Nähe des Anhalter Bahn­hof s, an der Spree, dicht am Bahnhof Friedrichstraße, feiert die moderne Tiefbau­technik Triumphe. Die Preßlufthämmer knallen ihre harten Takte über das Häusermeer, ein unentwirr­bares Durcheinander von^Röhren, Brettern, Stahl­schienen und himmelragenden Gerüsten bietet sich dem Blick mitten im Strombett oder auf der Sohle des Kanals dar. Stahlwände halten zu beiden

Hopman las ein Weilchen in feiner Zeitung, bann legte er das Blatt beiseite. Das Licht von der Decken­lampe war schlecht, und er konnte durch seine Brille schlechter sehen als mit seinen sonst so falkenscharfen Augen.

Der Fremde hatte die Augen immer noch ge- schlossen. Schweiß perlte auf feiner Stirn. Hop- man tat gleichfalls, als ob er schliefe aber hin­ter den wie kurzsichtig zuckenden Lidern beobachtete er scharf. Der Mann da vor ihm gefiel ihm nicht. Der Zug pfiff, fuhr langsamer. Jetzt kam die Bie­gung mit der Bahnkurve, in der laut Vorschrift langsamer gefahren wurde.

Da der Mann hatte blitzschnell den Radmantel zurückgeschlagen im gleichen Augenblick stieß Hopman, sich zu seiner vollen Höhe «ufrichtend, mit der Faust oben in die Lampe. Schon lag das Abteil im Dunkel da. Der Totschläger, den der Fremde unter dem Radmantel verborgen gehalten, fuhr dadurch ins Leere. Hopman riß seine Pistole heraus aber ehe er seine Taschenlampe anknip­sen konnte, hörte er, wie die Abteiltür geöffnet wurde und aus dem plötzlich schneller fahrenden Zug sprang ein Mann ins Dunkel hinein.

Hopman griff nach der Notleine, aber er ließ die Hand wieder sinken. Er durfte sich um den herausgesprungenen Verbrecher jetzt nicht kümmern. Rasch knipste er feine Taschenlampe an, die er stets bei sich trug, hing sie am Lederriemen auf: und nun begann er in fieberhafter Eile seine Demas­kierung.' Er durfte nicht als Professor Schroder auf5 Schloß zurückkehren. Er hatte letzt begriffen: dies war gefährlich. Seine Feinde mußten glauben, daß er ihrem Angriff zum Opfer gefallen war Nur so konnte er den jungen Barün vor der Gefahr be­wahren, in der er schwebte, wenn er heimkam.

Der Angriff auf ihn hatte ihm nur zu deutlich aeieigt daß die im Dunkel arbeitenden Verbrecher vor nichts zurückscheuten, um ihr Ziel zu erreichen.

(Fortsetzung folgt!)

fat)e0 ernst wie.nur möglich", bestätigte Dundee. Wäre die Hamburger Polizei nicht auf den guten Gedanken gekommen, bei Vater Luddersen m der Fleetgasse von Sankt Pauli wegen anderer Ange­legenheiten eine kleine Razzia zu veranstalten der arme Gernsheim schwämme letzt schon irgendwo als Leiche in den Kanälen."

Aber um Gottes willen, Dundee! Dann schwebt er ja trotz seiner Rettung jetzt immer noch in.einer ungeheuren Gefahr! Man darf ihn nicht aus den Augen lassen. Wen Bastieni einmal aufs Korn ge­nommen hat, der bekommt den Fangschuß.

Dundee nickte nachdenklich. .

Dasselbe habe ich mir auch schon gedacht, mein Junge. Ich habe auch schon oorgeforgt Der g Gernsheim kommt sobald nicht aus dem Äranren- haus heraus, obwohl er schon behauptet, gesun zu sein. Aber ich habe mit der Hamburger Krimi­nalpolizei und mit dem Arzt des Krankenhauses gesprochen. Ehe wir Bastieni nicht hinter Schloß und Riegel haben, eher verläßt Gernsheim das Krankenhaus nicht. Dort weiß man ihn wenigstens gut aufgehoben. Und die Schwester Martha, die iyn pflegt, habe ich schon instruiert. Die loht schon nichts an ihn heran. Darauf können Sie Gift ney-

es nicht fo sehr an wie darauf, daß sie echt und rein ist. Und daß jeder imstande sei, zu gegebener Zeit das freudige Erlebnis zu finden, dessen er zur Erfrischung seiner Seele bedarf. Von Staats wegen hat man sich darum vordem nicht viel gekümmert, man hat es jedem einzelnen überlassen, sich selbst zu versorgen, so gut und so schlecht es gehen wollte. Der totale Staat aber, der das Leben des einzelnen in seiner Ganzheit als einen organischen Teil des Staatslebens umfaßt, kann an dem Bedürfnis der Menfchenfeele nach Freude nicht gleichgültig vor­übergehen. Er muß dieses Bedürfnis anerkennen als eine der Kraftquellen, woraus das Leben des einzelnen wie das der Gemeinschaft sich stetig er­neuert. Und wenn er es anerkennt, muß er es ent­wickeln und pflegen; fo pflegen, daß auch den Dolks- genoffen, die sich nicht selbst versorgen können wie