König Georgs festlicher Einzug in Aihen.
Griechenlands Bevölkerung heißt den König begeistert willkommen.
mälde altbyzantinischer Tracht. Den Damen war der Zutritt zur Kathedrale verboten. Nur geladene Herren, Offiziere, Diplomaten und hohe Beamte nahmen an dem Gottesdienst teil. Im Anschluß an das Hochamt fuhr der König.zu dem Grob- mal des unbekannten griechifchenSol- baten, um dort in Begleitung des Thronfolgers einen Kranz niederzulegen.
Auch am Abend des Tages der Rückkehr des Königs hielt die Festesfreude an. Die Straßen und Plätze sind von Menschen überfüllt, so daß ein Dorwärtskommen äußerst schwierig ist. In den Gaststätten finden Feiern statt. Die alten Bauten der Akropolis und die Prunkgebäude des neuen Athens
sind getaucht in eine fabelhafte Beleuchtung. Vom Berge Lykabettos, der Athen beherrscht, erstrahlen weithin aus unzähligen Glühbirnen zusammengefügt die Anfangsbuchstaben des Namens des Königs, die von einer riesigen Krone überdacht sind. In der Stadt selbst zeigen viele Häuser in blau-weißem Licht die griechischen Landesfarben. — Das Militär veranstaltete einen großen F a ck e l z u g mit Musik, den eine ungezählte Menge begeistert begleitete und von den Balkonen oder aus den Fenstern als Zuschauer verfolgte.
Die Regierung Kondylis hat dem König ihr Rücktrittsgesuch überreicht.
Griechenland vor neuen Ausgaben.
Es gibt in Griechenland fortan nur noch zwei Gewalten: die des Königs und die des Volkes. So sagte vor einiger Zeit General Kondylis, und der triumphale Empfang, den die griechische Bevölkerung ihrem zurückkehrenden König bereitet hat, unterstrich die Worte des Regenten nachdrücklich. Das Volk der Hellenen ist der innerpolitischen Zerrissenheit und des endlosen Parteihaders müde geworden, es sehnt sich nach einer einheitlichen und starken Führung, die, durch keinerlei Sonderinteressen gebunden, alle äußeren und inneren Schwierigkeiten zu überwinden verspricht. Man darf gewiß sein, daß Georg II. nicht lange zögern wird, um die Hoffnungen zu verwirklichen, die das griechische Volk auf ihn gesetzt hat. Nach dem Rausch der Einzugsfeierlichkeiten treten die Aufgaben, vor die sich der König als politischer Führer seines Landes gestellt sieht, um so schärfer hervor. Einen so starken Rückhalt der König auch bei allen seinen Maßnahmen im Volke finden wird, so groß und unberechenbar können doch die Wider st ände sein, die sich praktisch schon bei der Frage der Regierungsneubildung erheben. Noch immer besteht eine st arte Rivalität in den politischen Kreisen, die sich bisher in der Führung des Landes abwechselten. Noch während seines Aufenthalts in London ist König Georg den verschiedensten Beeinflussungsoersuchen der in seiner Heimat um die
Herrschaft kämpfenden Richtungen ausgesetzt gewesen. Der König hat aber alle diese Versuche abgewiesen. Als freier, ungebundener Mann tritt er vor sein Volk, dem allein er sich verpflichtet fühlt. General Kondylis schlägt dem Monarchen in einer Denkschrif vor, zunächst die jetzige Regierung in ihrem Amte zu bestätigen und dann eine N e u- wahl des Parlaments vorzunehmen. Dieser Wunsch des Regenten ist verständlich, wenn man bedenkt, daß wohl die Mehrheit des Volkes, aber nicht die Mehrheit der Abgeordneten hinter ihm steht. Dagegen empfiehlt Tsalda- r i 5, der von Kondylis durch Androhung von Gewalt gezwungen wurde, seinen Posten als Ministerpräsident zu verlassen, dem König die Bildung eines sogenannten Arbeitskabinetts, aus verschiedenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und des höheren Beamtentums vorzuschlagen. Diese Regierung solle dann eine Neuwahl nach dem Verhältniswahlsystem ausschreiben. Auf diese Weise hoffen wohl die alten Parteien, die Freisinnigen unter General Metaxas, die Republikaner unter Sophulis und die Volkspartei unter Tsaldaris, wenigstens einGi gewissen Einfluß in die neue Zeit hinüberretten zu können. Es liegt allein in der Hand des Königs, welchem von beiden Plänen er seine Zu-, stimmung gibt oder ob er sie beide verwirft.
Kommunistischer Ausstand . in Nord-Brasilien
Oie Stadt Natal in Händen aufrührerischer Truppen. — Das Luftschiff „Graf Zeppelin^ kann nicht landen.
Rio de Janeiro, 25. Nov. (DNB.) In den nordbrasilianischen Bundesstaaten Pernambuco und Rio Grande do Norte sind kommuni st ische Auf st ände ausgebrochen. Da auch in Para und A l a g o a s in der letzten Zeit Putsch-Pläne zur Kenntnis der Behörden gekommen sind, und ferner geheime Munitionslager entdeckt wurden, nimmt man an, daß die Kommunisten auch in anderenStaa- ten Auf st ände planten, sie aber wegen der dort sofort getroffenen Vorsichtsmaßregeln nicht durchführen konnten.
Im Staat Pernambuco besetzten meuternde Soldaten des 29. Jäger-Bataillons mit Hilfe kommu
nistischer Massen die Stadt Olinda, die aber bald von Regierungstruppen wieder erobert werden konnte. Die Aufständischen zogen sich in die Kasernen zurück, aus denen sie ebenfalls wieder vertrieben werden konnten. Da die Regierungstruppen auch durch Flugzeuge Verstärkung erhalten, hofft man den Aufstand hier bald niederschlagen zu können.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" konnte am Montag wegen Besetzung des Flugplatzes durch Aufständische nicht in Pernambuco landen. Es übergab die Post am Montagnachmittag 4.30 Uhr in Makeio
Athen, 25. Nov. (DNB.) König Georg II. von Griechenland ist in Begleitung des Thronfolgers, seines Bruders des Prinzen Paul an Bord des Kreuzers „Helli" im Hafen von Alt-Pha- leron eingetroffen und hat sich gegen 10 Uhr an Land begeben. Schon feit den frühen Morgenstunden war die Bucht von Alt-Phaleron bei prächtigstem Wetter von einer riesigen Menschenmenge umlagert, die von allen Teilen des Landes herbeigeeilt waren, um den Augenblick mitzuerleben, wo der König nach jahrelanger Verbannung die Heimaterde betrat. Der starke Sturm, der in den letzten Tagen geherrscht hatte und durch den die Ankunft des Königs um einen vollen Tag verzögert wurde, ist im Abflauen. Der Saronische Meerbusen ist nur noch leicht bewegt. Plötzlich kommt Bewegung in die Massen, ganz in der Ferne, beim Leuchtturm der ruhmreichen Insel Salamis wird die Griechenflotte gesichtet. Bald hat sie die Höhe der Insel Aegina erreicht, und nun bietet sich den Harrenden ein unvergleichliches Bild: Die grauen Leiber der über die Toppen beflaggten Kriegsschiffe im tiefblauen Meer und als Hinterarund die herrlich geformten Umrisse der Inseln Aegina und Salamis, während ganz in der Ferne die Berge des Peloponnes hervorlugen. Flugzeuge geben der Flotte das Geleit und Scharen von Dampfern und Booten aller Art umkreisen die Schiffe, die den Hafen ansteuern. Dann wird die „Helli" verankert. Die Geschütze der Kriegsflotte donnern den Königssalut, aus Athen und Alt-Pha- leron klingt Glockengeläut herüber und im Handelshafen Pyräus heulen die Schiffssirenen.
Der König, der sich von Bord des Kreuzers an Land begeben hatte, wurde dort vom Ministerpräsidenten General Kondylis begrüßt. Dann beginnt der feierliche Einzug König Georgs in die griechische Hauptstadt.
Auf seinem Wege nach Athen nahm der königliche Zug seinen Weg durch die 6 Kilometer lange schnurgerade Syngros-Allee, die mit Fahnen und Girlanden reich geschmückt ist. Hinter einem dichten Spalier von Truppen aller Waffengattungen säumt eine riesige Menschenmenge die Straße. Immer wieder erschallen jubelnde Hochrufe auf den König und den Thronfolger, die ununterbrochen grüßen. Auf der Hälfte des Weges, an der Stelle der alten Kalliroe-Quelle, ragt, ein 12 m hoher Triumphbogen, der gleichzeitig die Grenze der Stadt Athen andeutet. Kurz darauf, am Tor des Hadrian, hält der Zug. Hier haben der Bürgermeister von Athen Kodzias sowie die Bürgermeister aller anderen griechischen Städte Aufstellung genommen. Die Königsflagge wird gehißt und die Musik spielt den Königsmarsch. Kanonenschüsse geben das Zeichen zu einem allgemeinen Glockenläuten. Dann entbietet der Bürgermeister von Athen dem König den Willkommensgruß der Landeshauptstadt. Der König dankt tief ergriffen für den herzlichen Empfang und erklärt, er fei glücklich, ins Vaterland zurückkehren zu dürfen.
Dann setzt der Festzug seinen Weg in die Stadt fort. Zu linker Hand grüßt im klaren Licht des griechischen Novembertages der goldige Marmor der erhabenen Akropolis, im Hintergrund das Wahrzeichen des neuen Athens, der Lykabetios-Berg, dessen Gipfel eine riesige Krone und die Anfangsbuchstaben des Königs trägt. Durch festlich geschmückte Straßen geht es dann zur Kathedrale, wo ein feierliches Hochamt abgebalten wurde. Das Hochamt, das der griechische Metropolit in prunkvollem Ornat zelebrierte, bot ein prächtiges Ge-
Eine deutsche Frau.
Dor drei Jahren starb in Stuttgart der erste weibliche Ordinarius der deutschen Landwirtschaftswissenschaft, Fürstin Margarethe Andronikow - W r a n g e l l, die Gründerin und Leiterin des Pflanzenernährungsinstituts an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim. Wir entsinnen uns noch gut der kurzen Notiz, die damals durch alle Zeitungen ging, und der Würdigung, die ihre großen Verdienste um die Entwicklung der Agrikulturchemie in der wissenschaftlichen Welt fanden. Daß mit der bedeutenden Gelehrten und erfolgreichen Forscherin auch eine große menschliche Persönlichkeit ihr Leben beschlossen hatte, die immer und in erster Linie Frau gewesen war, das erfahren auch die ihr Ferngestandenen jetzt aus dem Erinnerungsbuch, das ihr Gatte aus Tagebuchblättern und Briefen! aus Aufzeichnungen der Mutter und eigenen (Erinnerungen zusammengestellt hat. („Margarethe von Wrangell, das Leben einer Frau 1876 bis 1932 mit 18 Abbildungen. Verlag Albert Langen und Georg Müller in München. Preis in Leinen geb. 8,50 Mark. — 391)
Daisy Wrangell, so war ihr Mädchenname, entstammte der berühmten baltischen Adelsfamilie, die dem alten Reich, Schweden, Preußen und Rußland so viele große Soldaten und Staatsmänner, Forscher, Gelehrte und Künstler geschenkt hat. Daisys Vater war russischer Offizier, auch die Mutter war eine Wrangell. In Moskau wurde Daisy geboren, aber nach mancherlei Durchgangsstationen, die Versetzungen des Vaters mit sich brachten, ist Reval Daisys eigentliche Heimat geworden. In der Ho- wenschen Schule und in der über gan! Estland verzweigten Familie fand sie die damals übliche Erziehung einer baltischen Baronesse. Nach einer glücklichen Schulzeit kommen Jahre des Tastens und Suchens. Das Leben im Hause der Mutter — der Vater ist früh gestorben und auch die Geschwister sind ihm bald gefolgt — vermag Daisy nicht auszufüllen. Sie sucht Beschäftigung in Lehrkursen, Zeichnen und Schriftstellern, aber Befriedigung findet sie erst, als sie die Teilnahme an naturwissenschaftlichen Ferienkursen in Greifswald durchsetzt. Hier erkennt sie einen neuen Lebenszweck. Sie geht nach Tübingen zum regelrechten Universitätsstudium, sicher ohne zu ahnen, daß sich hier in Württemberg ihr einmal nach Jahren des Forschens und Wanderns fern der baltischen Heimat das eigentliche Arbeitsfeld ihres Lebens erschließen soll. Schon in diesen Studienjahren zeigt es sich, daß die starke Verwurzelung in der großen Familientradition und die eigene breit angelegte, durchaus heitere und aufgeschlossene Persönlichkeit bei allem Eifer und allem Verantwortungsgefühl für das Studium sie davor bewahren, ein Blaustrumpf zu werden. Sie bat immer gute Kameradschaft gehalten mit ihren Kommilitonen und Zeit gefunden, das Schwabenland kreuz und quer zu durchstreifen. Die 23er- wandten im fernen Reval beobachten etwas ängstlich diesen Ausflug des Nestkückens der Familie in die Fremde, aber die glänzende Doktorpromotion Daisys besiegt auch ihre Skepsis.
Nach kurzer Assistentenzeit in Dorpat geht sie bann üach London als Schülerin des großen Chemikers Sir Willium R a m s a y. Hier und bei der berühmten Radiumforscherin Madame Curie in Paris erschließt sie sich Spezialgebiete ihrer Wissenschaft. Ihr Versuch, in der Heimat sich eine Arbeitsstätte zu schaffen, die schon die Verbindung zur praktischen Landwirtschaft schlagen sollte, wird durch den Ausbruch des Weltkrieges jäh unterbrochen. Neben der Jnstitutsardeit wird ihrer nimmermüden Hilfsbereitschaft die Pflege in russischen Lazaretten nicht zu viel. Aber ihre ganze Willenskraft und Unerschrockenheit wird auf eine harte Probe gestellt, als sie 1917 in die Hände der Bolschewiken gerät. Wie durch ein Wunder entkommt sie den Schrecken der russischen Revolution, der so viele ihrer baltischen Landsleute zum Opfer fallen sollten. Wie sie sich auch durch die kommunistische Schreckensherrschaft in ihrer Forschungsarbeit nicht abhalten läßt und mit eisernem Willen ihre Untersuchungen über Phosphatvorkommen in Estland fortfetzt, gehört zum Bewunderungswürdigsten dieses an Beispielen für die Erfolge zielbewußter Energie so reichen Lebens. Heute gewinnt ein staatliches Bergwerk den als Düngemittel geschätzten Phosphorit dort, wo damals unter schwierigsten Verhältnissen eine kleine Frauenhand die ersten Splitter aus dem Sandstein schlug.
Daisy Wrangell ging nach Deutschland und fand 1920 an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim bei Stuttgart eine neue Heimat. Hier, wo wissenschaftliche Forschung in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrer praktischen Auswertung stand,. findet sie das ihr zusagende Arbeitsgebiet, dem sie auch treu bleibt, als lockende Rufe an das Kaifer-Wilhelm-Jnstitut und ins Ausland an sie ergehen. Ihre wissenschaftlichen Leistungen finden die hohe Anerkennung ihrer Fachkollegen. Man baut ihr das Institut für Pslanzenernäbrung und schafft für sie das erste Ordinariat für Agrikultur- chemie. Auch ihr persönliches Schicksal erhält eine freundliche Wendung. Ein schon totgeglaubter Vetter, der russische Reiteroffizier Fürst Andronikow, gibt aus dem serbischen Exil ein Lebenszeichen von sich. Die beiden heiraten sich, aber der Ehe ist kein langes Glück beschieden. Schon nach vier Jahren ist Die Lebenswanderung dieser seltenen Frau am Ziel, viel zu früh für die Wissenschaft und den großen Kreis derer, denen sie Kamerad und Freund geworden war.
„Bester deutscher Adel, so wie ihn Wilhelm Raabe verstanden hat" nennt der Dichter Dr. Owlglaß in seinem Vorwort zu diesem Erinnerungsbuch des Gatten Margarethe von Wrangell, von der ein Schweizer Kollege gesagt hat, sie vereinige männlichen, ausgezeichneten Verstand mit tiefem fraulichem Verständnis. Es ist der Reiz dieses Buches, daß es aus Dokumenten intimsten Lebens das Bild dieser Frau vor uns entstehen läßt, deren Tatkraft und Herzensgüte, Geist, Temperament und Charme alles Schwere, alle Widrigkeiten, alle Vorurteile niederrangen. Das Schönste, was man von diesem Leben sagen kann, ist wohl, daß es das Leben einer deutschen Frau war. —e.
Soldatisches Schrifttum.
— Generalober st von SeeckN Gedanken eines Soldaten. Verlag K. F. K o e h - l e r in Leipzig. Preis in Ganzleinen RM. 4,80. — (467) — In der deutschen Prosaliteratur nehmen die Schriften großer Soldaten einen besonderen Platz ein. Die Tradition der Clausewitz und Moltke, Schliessen, Hindenburg und Ludendorff setzt Generaloberst v. Seeckt fort. Schenkten uns die Genannten große kriegswissenschaftliche Werke, Briefsammlungen von hohem Reiz, umfangreiche Memoirenwerke, so ist der Schöpfer der Reichswehr und Erhalter des Wehrgedankens in dunkler Zeit ein Meister des Essays, in dem er scharf pointiert, knapp und klar seine Gedanken vorträgt. Die berühmte Sammlung dieser Essays ist in der neuen Auflage (35.—40. Tausend) um eine Reihe von Aufsätzen erweitert, von denen wir besonders den 1935 geschriebenen und hier zum ersten Mal veröffentlichten Aufsatz „O f f i z i e r s e r z i e h u n g" herausheben möchten, weil er uns in diesen Tagen des Aufbaues eines neuen Dolksheeres von grundsätzlicher Bedeutung für den Geist unseres Offizierkorps und die Heranziehung des Offiziersnach- wuchses zu sein scheint. Dem alten Oberbefehlshaber bei Gorliee-Tarnow und im serbischen Feld- Zug Feldmarschall von Mackensen widmet sein damaliger Generalstabschef eine warmherzige Würdigung, gleichsam eine Ergänzung seiner "früheren interessanten Studie „Der Chefdes General- st a b s". Ein kriegsgeschichtlicher Essay von großem Reiz ist der ebenfalls neuaufgenommene Aufsatz „Persönlichkeit und Idee des Feld- Her r n t u m s", in dem die Wechselwirkung dieser beiden treibenden Momente der Kriegführung von Alexander bis zu Moltke aufgezeigt wird. Greifen wir aus der Fülle der Gedanken noch heraus „Grundsätze moderner Landesverteidigung" oder „Neuzeitliche Kavallerie" ober schließlich die abgrenzende Studie „Staatsmann und Feldherr", so sehen wir die Vielfalt der Probleme, dj^ einen Mann von der umfassenden und tiefen Bildung Seeckts, der in Krieg und Frieden ein gleich großer Soldat war, beschäftigt haben. __e
— Karl Bodenschatz: Jagd in Flanderns Himmel. Aus den 16 Kampfmonaten des Jagdgeschwaders Freiherr von Richthofen. Nach den Aufzeichnungen des Geschwader-Adjutanten Oberleutnants Karl Bodenschatz. Eingeleitet von Hermann Göring. Mit 95 Abbildungen auf Tafeln und einem Anhang: Kriegstagebuch des Jagdgeschwaders I mit vier Faksimiles und zwei Kartenskizzen. Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München. Gebeitet 3,60, Seinen 4,80 Mark. — (504) — Die Auszeichnungen sprechen die knappe, männliche, eherne Sprache des Krieges. Sie handeln von einer Elitetruppe des Feldheeres. Von einer Truppe blutjunger Männer, deren jüngster 19 Jahre alt war und den Pour le m£rite trug, deren Kommandeur bei feinem Tode 25 Jahre alt war, achtzig Luftsiege hinter sich hatte und der ruhmreichste Jagdflieger war. Das Jagdgeschwader I hat Tag um Tag die feindlichen Geschwader, die
und kreuzt gegenwärtig in Erwartung einer £anbemöglid)fdL
3n Natal, der Hauptstadt des Staates Rio Grande do Norte, ist die Lage ernst. Die Stadt befindet sich in Händendes aufständischen 21 Jäger-Bataillons. Alle Verbindungen des Staates Rio Grande do Norte mit dem übrigen Brasilien sind unterbrochen. Auch über das Schicksal des Staatsgouoerneurs, der angeblich von den Aufständischen gefangen genommen wurde, hat man keine Nachricht. Das in Natal stationierte Kondor-Flugzeuggeschwader befindet sich wahrscheinlich in den Händen der Auf- ständischen. , . L
Das Bundesparlament hat am Montagabend beschlossen, den Belagerungszustand über ganz Brasilien zu verhängen, und die Telegramm-Zensur einzuführen. Gerüchte behaupten, daß der Aufstand von dem bekannten Kommunistenführer Luiz Carlos P r e ft e s geleitet wird. Um eine Ausbreitung des Putsches zu verhindern, wurden in allen Hauptstädten d i e kommunistischen Rädelsführer verhaftet, unter ihnen in Pernambuco der Staatssekretär des Innern. Die Bundesregierung betrachtet die Lage mit Ruhe und erklärt sich gerüstet, in kurzer Zeit die Ordnung wieder herzustellen und alle neuen Aufstandsversuche im Keime zu ersticken. Sie hat Truppen, Flugzeuge und Kriegsschiffe nach Pernambuco und Natal in Marsch gesetzt, um den Aufstand zu unterdrücken. In Rio de Janeiro selbst herrscht Ruhe, jedoch werden die Banken, Bahnhöfe und Fabriken militärisch bewacht. Die Behörden teilen der Bevölkerung mit, daß sie die Luft-, Land- und Seestreitkräfte zum Schutze des Volkes einsetzen
Moskaus zweites Gesicht.
Moskau, 25. Nov. (DNB.) Die sowjetrussische Antwortnote auf den italienischen Protest gegen die Verhängung wirtschaftlicher Sühnemaßnahmen schließt mit der Versicherung, die Sowjetregierung hoffe, daß sich „die Ausführung ihrer internationalen Pflicht in Zukunft nicht auf die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Sowjetunion und italienischem Königreich auswirken möge." Eine kürzlich in der „Prawdc/ erschienene Erklärung der Roten Gewerschaftsinternationale, der sog. Profintern, die bekanntlich ebenso wie die Komintern ihren Sitz in Moskau hat, redet freilich eine andere Sprache. In dieser Erklärung heißt es u. a.: Der Vollzugsausschuß der Profintern begrüßt jede Fühlungnahme zwischen Gewerkschaften verschiedener Richtungen, die die „Gleichschaltung der Aktionen gegen Faschismus und Krieg zunk Ziele hat." Weiterhin wird erklärt, daß eine Einigung aller revolutionären Gruppen über d i e gegen das faschistische Italien zu treffenden Maßnahmen das einzige Mittel darstelle, um „den Angriff des faschistischen Italiens in Ostafrika aufzuhalten." Einen weiteren Beitrag für die Doppelzüngigkeit Moskaus liefert auch die Montagsausgabe der volkstümlichen Militärzeitschrift „Rotarmist und Roter Matrose". Dort wird der italienische Faschismus in gröbster Weife beschimpft und verleumdet. Es werden Dutzende von Meutereien, Streiks und Aufständen aufgezählt, die angeblich in Italien stattgefunden haben. Die „heldenhafte" kommunistische Partei Italiens habe seit Kriegsbeginn „in dieser Unterwelt" eine rege Tätigkeit zur Modi- l i s i e r u n g d e r M a s s e n g e g e n denKrieg und das faschistische Regime entwickelt. Die Partei rief die italienischen Soldaten zu einer Einheitsfront gegen Krieg- und Faschismus auf und enthüllte „geheime Absichten der italienischen Imperialisten". Schließlich wird ein angeblich unter den italienischen Soldaten verbreitetes revolutionäres Lied angeführt, das zur Ermordung der Offiziere auffordert.
den Himmel verdunkelten, auseinanbergefprengt. Es hat unzählige Male über der Front Die Herrschaft in der Luft an sich gerissen und der kämpfenden Infanterie Luft verschafft. Das Werk erscheint im denkwürdigen Jahr 1935, dem Jahre, das mit der Wiedergewinnung der deutschen Wehrfreiheit auch das Geschwader Richthofen wieder erstehen ließ; es schlägt die Brücke vom Gestern zum Heute, den toten Helden zum Gedächtnis, den Ueberleben- den zur Mahnung, dem jungen Deutschland zum Vorbild!
— Metzsch: Schlummernde Wehrkräfte, neue soldatische Blickfelder, von Generalleutnant a. D. Horst von Metzsch. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Preis geb. 5,50 Mark. — (456) — Hier wird die Problematik unseres Zeitgeschehens mit bewundernswerter Logik und tiefem Ernst, mit fesselnder Originalität und straff ausgerichteter soldatischer Blickrichtung erfaßt und gedeutet, kühn und entschlossen nach der Lösung gesucht. Der Verfasser weicht keiner Frage aus, auch wenn sie inmitten einer so lebhaften Diskussion steht wie: die Schule, die Kirche und die Frau. Die großen nationalen Kraftfelder werden mit einer Fülle von Anregungen auf ihren Mehrwert abgetastet, alte soldatische Weisheiten in einem neuen Licht gezeigt und belebt. In einem groß angelegten Weltbild, das die großen Zusammenhänge aufdeckt und unseren Blick in die Weite richtet, wird unsere wehr- politische Lage auf ihre rassischen Gegebenheiten geprüft.
— S o war die alte Kriegsmarine. Mit einem Geleitwort des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine Admiral Dr. h. c. Raede r. Herausgegeben von Vizeadmiral a. D. Dr. h. c. Eberhard v. M a n t e y. Mit 184 Aufnahmen aus der Bildsammlung des Marinemuseums. In festem Halbleinenband 5 Mark. Frundsberg-Derlag GmbH., Berlin. — (469) — Bei Ausbruch des Weltkrieges war die deutsche Flotte an innerer Kraft, Erziehung, Zucht, Leistung und Güte des Materials Vorbild- lich, wie dies die Siege vor dem Skagerrak, bei Coronel und das große heldenhafte Sterben bei Falkland bewiesen haben. Die Entwicklung der Ma- rine begann etwa im Jahre 1888. Am Anfang die- s"r 26 Ausbildungsjahre stand das schwerfällige Kriegsschiff mit Segeltakelage und schwacher Maschine, am Ende die schwimmende Festung und der schnelle Kreuzer, technische Meisterwerke. Die Schiffs- Artillerie, deren Treffaussichten 1890 nicht über 3000 Meter hinausgingen, hatte sich mit ihren panzerbrechenden Granaten über das Fünffache hinaus entwickelt, die Grundanschauungen über das Gefecht waren völlig neu geschaffen worden. Diese Zeit höchster Schulung, Ausbildung und Arbeit entsteht in Wort und Bild wieder in diesem Buche. Der Verfasser hat in Text und Bildern bas Persönliche und Historische in ben Vordergrunb geschoben. Daburch erpält bas Buch seinen besonderen Wert für alle Angehörigen der alten Kriegsmarine. Es entrollt sich vor ihnen noch einmal das ganze gewaltige Werk des Aufbaues unserer Vorkriegsmarine, an dem sie einst mitschaffen durften.


