es fein werde, sein Leben für unseres geliebtes Vaterland einzusetzen, sobald der Führer ruft.
Der Einzug in das neue Heim.
Hauptmann Welte öffnete nunmehr mit dem Schlüssel das Kasernentor und betrat gemeinsam mit dem Divisionskommandeur, General Lüdke, an der Spitze der großen Schar von Ehrengästen das Kasernengrundstück. Als der General und der Abteilungskommandeur als erste das Kasernentor durchschritten, krachten weitere 4 Salutschüsse aus den Geschützen. Eine große Zahl von Ehrengästen und mit ihnen viele weitere Dolksgenosien und Volksgenossinnen strömten nunmehr in die Haupt- einfabrt des Kasernenhofes hinein, wo der Divisionskommandeur, General Lüdke, auf einem kleinen Podium inmitten zweier Geschütze Aufstellung nahm, um von hier aus
den Vorbeimarsch der Abteilung
zu besichtigen. Zunächst ritt das Trompeterkorps unter Führung des Musikmeisters Rohde heran und schwenkte aus den Platz gegenüber dem Standort des Generals ein. Dann erklang schneidige Marschmusik, und die Abteilung selbst unter Führung ihres Kommandeurs, Hauptmann Welte, rückte mit einem prächtigen und eindrucksvollen Vorbeimarsch vor dem General in die Unterkunft ein. Eine große Menschenmenge bereitete auch hier wieder den Artilleristen eine begeisterte Sympathiekundgebung.
Nach dem Vorbeimarsch nahmen die Batterien auf dem Kasernenhofe Aufstellung, wo sie noch eine kurze Ansprache ihres Kommandeurs hörten. Hauptmann Welte richtete herzliche Worte der Kameradschaft an seine Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften und forderte sie auf, ihm allezeit mit dem gleichen Vertrauen zu begegnen, das sie ihrem bisherigen Kommandeur entgegengebracht hätten, damit immer eine gute und gedeihliche Zusammenarbeit im Dienste des Vaterlandes erreicht werde. Sodann ließ der Kommandeur die Batterien wegtreten.
Die Glückwünsche des Äeichöstatthallers.
Don den vielen Glückwünschen, die nunmehr dem Kommandeur für feine Truppe und ihr Wirken übermittelt wurden, sei besonders hervorgehoben, daß der Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger, der zu feinem Bedauern durch anderweitige dienstliche Geschäfte am Kommen verhindert war, seine herzlichsten Grüße und Wünsche durch seinen militärischen Adjutanten, Oberleutnant Dreher aussprechen ließ.
Ein Vesichligungsrundgang der Gäste
schloß sich der offiziellen Feierlichkeit an. Aus diesem Gang durch die Mannschaftsgebäude, durch die Ställe, die Reitbahn und auch durch die Kantine, in der namentlich viele alte Artilleristen sich sofort mit ihren jungen Waffenkameraden bekanntmachten, gewann man überall den besten Eindruck von der weitreichenden, fürforgenben Arbeit, den Soldaten den Aufenthalt in ihrer Kaserne nach jeder Richtung hin in schönster Weise zu bereiten. Man sah schöne Mannschaftsstuben, vortreffliche hygienische Einrichtungen, überall viel Licht und Luft in den Räumen, wunderschöne Ställe, eine prächtige Reitbahn, gemütliche Kantinenräume usw., kurzum ein Heim, in dem sich unsere Artilleristen sicherlich wohlfühlen werden.
Festkonzert in der Volkshalle.
Ein prächtiger Abschluß des Tages.
Unsere Artilleristen hatten dafür gesorgt, daß der schöne Tag ihres Einzugs in die neue Garnisonstadt Gießen einen prächtigen künstlerischen Abschluß in Gestalt eines Festkonzertes des Trompeterkorps bekam. Zu dem Konzert, das in der Volkshalle stattfand, hatte sich eine riesige Menschenmenge aus der Stadt und der Umgegend
eingefunden, die den weiten Raum der Halle in allen Teilen füllte; man geht wohl nicht fehl, wenn man die Zahl der Besucher auf etwa 5000 schätzt. Zur besonderen Charakterisierung der Veranstaltung waren von den Artilleristen vor dem Haupteingang der Volkshalle aroei Geschütze in Feuerstellung aufgefahren und dazu Doppelposten gestellt worden; dieses interessante militärische Bild sand bei den Besuchern viele interessierte Betrachter. Die Volks- Halle war mit den Fahnen des Dritten Reiches und auf der Bühne mit dem Symbol der Bewegung geschmückt.
Das Trompeterkorps unter Leitung feines Musikmeisters Rohde bereitete den mit größter Spannung lauschenden Zuhörern einen hohen künstlerischen Genuß. /Es war eine besondere Freude, das vortreffliche Blasorchester musizieren zu hören. Die Kapelle bot zunächst klassische Musik, bei der sie einleitend die Festouvertüre von Lortzinq, sodann i die Große Fantasie aus der Oper „Tannhäuser" von I
Oberbürgermeister Ritter
sagte in feiner Ansprache an den Divisionskommandeur, General Lüdke, den Abteilungskomman- deur Hauptmann Welte, die Artilleristen und die große Menschenmenge u. a.: Unseren Artilleristen gilt heute mein besonderer Gruß. Wem hätte heute in Gießen das Herz nicht höher geschlagen, als zu unserer stolzen Infanterie nun auch unsere Artillerie-Abteilung als Garnison in unsere Stadt einrückte. Sie alle haben bereits am heutigen Vormittag den Beweis dafür erbracht und bringen diese herzliche Gesinnung heute abend wiederum zum Ausdruck.
Unsere Artillerie-Abteilung zeugt aber auch dafür, daß unser deutsches Volksheer nicht nur erfüllt ist von Ordnung, Disziplin, Manneszucht und Einsatzbereitschaft, wie sie immer vorbildlich im deutschen Heere waren, sie versteht es auch, durch die heutige Aufführung genau wie die Infanterie sich
Unserer neuen Garnisonstadt Gießen.
Rach dem gestrigen Einzüge der I. Abteilung des Artillerie-Regiments 9 drängt es mich, auf diesem Wege der ganzen Stadt den aufrichtigsten Dank aller Artilleristen zu übermitteln für den Empfang, den die Bevölkerung der Artillerie-Abteilung bereitet hat. Der Ehrensturm der SA.-Standarte 116, der Wald von Jahnen, die Beteiligung der ganzen Bevölkerung und die reichen Blumen waren der beste Beweis dafür, daß es dem Oberbürgermeister Ritter Ernst mit den Worten feiner Begrüßungsansprache war. Der begeisterte Empfang durch die ganze Bevölkerung hat gezeigt, daß der Soldat in Gießen von jeher hoch angesehen ist. Aus diesem Bewußtsein heraus haben auch wir Artilleristen schon beim ersten Einzug die Aeber- zeugung gewonnen, daß sich die I. Abteilung Artillerie-Regiments 9 schnell in die Volksgemeinschaft der Garnisonstadt einsügen und sich hier bald ebenso wohlsühlen wird, wie die Kameraden der Schweslerwasfe. Die Verstärkung der Garnison wird zur Verstärkung des Dehrwillens und der Wehrkraft beitragen und wird dem Führer und Reichskanzler eine weitere starke Waffe in die Hand geben, unter deren Schuh der Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes mit feiner jungen Wehrmacht feine Vollendung finden soll.
Delle
Hauptmann und Kommandeur I./A.-R. 9.
Richard Wagner brachte. Die Wiedergabe beider Kompositionen erfolgte in bester künstlerischer Art, geleitet von feinstem musikalischem Empfinden. Weiter erfreute das Trompeterkorps, nach dem Zwischenakt der feierlichen Geschenkübergabe von Stadt und Artilleristen, mit Kompositionen von Grieg (Hochzeitszug auf Troldhaugen), Fischer (Kavallerie- Präsentiermarsch), Auber (Ouvertüre zur Oper „Fra Diavolo"), weiterhin brachte es Melodien von Josef Strauß, sodann das große Marschpotpourri „O Deutschland hoch in Ehren" von Lindemann, schließlich den Möllendorfer Marsch und zum Abschluß den Badenweiler Marsch. Sämtliche Darbietungen legten eindrucksvoll Zeugnis ab von der hohen musikalischen Qualität dieses künstlerisch ausgezeichneten Klangkörpers, von dessen Wirken man hoffentlich noch recht oft derart prächtige Gaben empfangen kann, wie sie gestern abend geboten wurden. Es war ein erlesener Genuß, diesen Musikern lauschen zu können. Die Zuhörer dankten ihnen denn auch mit Recht durch stärksten Beifall.
Herzliche Gemeinschaft zwischen Stadt und Artilleristen.
Im Verlaufe des Konzertabends nahm der Oberbürgermeister als Vertreter der Stadt Gießen Gelegenheit, den Artilleristen die herzlichste Gesinnung der Einwohnerschaft in packenden Worten und durch ein äußeres Zeichen der Verbundenheit zu bekunden.
einzuschalten in das kulturelle Leben unserer Stadt. Dafür sind wir unserer Artillerie besonders dankbar.
Als man mich heute fragte, ob ich zufrieden sei mit dem Zuwachs an Militär, da sagte ich und wiederhole es hier: Wir sind immer bereit zu weiterer Arbeit für unser Heer und freuen uns, durch unsere Mitarbeit helfen zu können an dem Aufbau unserer stolzen Armee. Wir alle freuen uns, daß die deutsche Jugend, die jahrelang verseucht wurde vom Marxismus und jüdischem Geist, sich nunmehr zurückgefunden hat zum deutschen Volke und daß der Führer uns die Einrichtung des deutschen Volksheeres zur Schulung und Stählung der deutschen Jugend wiedergegeben hat, damit sie immer bereitsteht in vorderster Front in Wehrhaftigkeit und Einsatzbereitschaft für Gut und Blut unseres Volkes. Denn was für Volk und Vaterland zu tun ist, muß immer heilig fein, das müssen wir alle lieben und jeder an seiner Stelle mit aller Kraft zum Gelingen mithelfen.
Das deutsche Dolksheer wird nach dem Willen des Führers der sicherste Garant sein für den Frie- den Europas. Aber sollte trotz der starken Friedensliebe unseres Führers und unseres Volkes doch einmal die Stunde der Gefahr wieder über dieses herrliche deutsche Volk und Land hereinbrechen, dann wollen wir alle zu seinem Schutze bereitstehen, dann wird es keine Beurlaubten und keine Reklamierten geben, sondern wir alle wollen unser Volk so er
go gen wissen, daß jeder sich mit einreiht in bit vorderste Front und sich freut, bei dem Schutze des Vaterlandes dabei fein zu dürfen.
Heute wollen wir den Dank an unsere Artillerie- Abteilung und unsere Freude über ihren Einzug dadurch zum Ausdruck bringen, daß ich Ihnen, Herr Abteilungskommandeur, als Zeichen unserer Freuds im Geiste der wehrfreudigen Beelterung Gießens zu Ihrer Standarten-Trornpete diese Trompeten- Flagge überreiche.
Während der Oberbürgermeister das Geschenk unserer Stadt dem Kommandeur übergibt, bringt die große Versammlung ihre begeisterte Zustimmung mit starkem Beifall zum Ausdruck.
Oer Abteilungslommandeur Hauptmann Welte
antwortete mit einer Ansprache, in der er sagte: Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister! Durch die Schenkung der mir soeben überreichten Standarte vermehren und vertiefen Sie in uns das Gefühl heißen Dankes, das uns heute schon den ganzen Tag bewegt. Noch sind wir von der überaus herzlichen Ausnahme, die uns die Bevölkerung Gießens bei unserem Einzug in unsere neue Garnisonstadt zuteil werden ließ, tief beeindruckt. Wohl waren wir uns von Anfang an darüber klar, daß Sie uns einen schönen Empfang bereiten_roürben; daß dieser aber derartig ausdrucksvoll fein würde, das hätten wir uns nie und nimmer träumen lassen. Um so mehr sind wir deshalb mit berechtigtem Stolz erfüllt, und um so mehr freuen wir uns, daß die Bürger Gießens jetzt schon mit ihrem neuen Truppenteil in enger Verbindung stehen. Ihr zahlreiches Erscheinen am heutigen Abend gibt mir Veranlassung, daß diese meine Vermutung berechtigt ist. Ihnen allen dafür meinen allerherzlichsicn Dank. Ich darf hoffen, daß der heutige Einmarsch sowie der heutige Abend richtunggebend sind für das weitere gute Einvernehmen zwischen Bevölkerung und Artillerie bzw. den Soldaten überhaupt.
Wer heute den Menschenstrom gesehen hat, der die Truppe hinaus vor die Stadt nach der Kaserne begleitete, der weiß, daß sich hier bereits Bande erster Volksgemeinschaft zwischen Stadt und Kaserne gebildet haben. Außer Der Standarte stellen auch Die herrlichen Gemälde aus der Sammlung der Stadt eine immerwährende Gedankenverbindung zwischen Kaserne und Stadt her. Auch dafür, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, unseren aufrichtigsten Dank.
Um dem tiefinneren Gefühl des Dankes nach außen wenigstens in bescheidenstem Maße Ausdruck zu verleihen, sei Ihnen und der Stadt Gießen dieser Fanfarenmarsch gewidmet, der in diesem Buche niedergelegt ist. Wenn nach vielen Menschenaltern Tausende und aber Tausende deutscher wehrfähiger Männer durch die Schule der Soldaten ae- B sind, sollen sie durch die Klänge dieses es an den heutigen denkwürdigen Tag erinnert werden.
Ihnen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, übergebe ich hiermit die Partitur, die in geistiger und handwerklicher Kunst nur von Soldaten geschaffen ist, in treue Obhut.
Ihnen, mein lieber Musikmeister Rohde, als den Komponisten des Gießener Fanfarenmarsches, überreiche ich als Zeichen der Dankbarkeit diese Gabe (eine silberne Schale. D. Red.) iy der Hoffnung, Ihnen damit eine kleine Freude zu bereiten und bitte Sie, den Marsch nunmehr zu Gehör zu bringen.
Oer Marsch „ArtUle isten Grub".
Unter der Stabführung des Komponisten, Musikmeister Rohde, fand nunmehr durch das Trom-
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Gießener Gtadttheater.
Carl Ieller: „Der Bogelhändler".
Den „Voaelhändler" von Carl Zeller, der übrigens nicht nur ein Musiker und Operettenkomponist war, sondern ursvrünglich Jura studiert und es immerhin bis zum K. und K. Ministerialrat im Wiener Unterrichtsministerium gebracht hat, haben wir zuletzt vor drei Jahren, als Gastspiel des Mainzer Stadttheaters, hier gehört. Die Operette, die aus dem Jahre 1891 stammt und neben dem „Obersteiger" zum Beliebtesten und Bekanntesten gehört, was Zeller hinterlassen hat, ist mittlerweile einer grundlegenden Neubearbeitung unterzogen worden und hat sich in dieser, der sogenannten Münchener Fassung, außerordentlich bewährt.
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Das Originallib'retto von M. West und L. H e l d (nach einer Idee von Bieville) wurde von G. Quedenfeldt und W. Brückmann umgearbeitet und modernisiert, doch sind die erprobten Grundlinien der Fabel erhalten geblieben. Die Partitur hat A. B a u cf n e r revidiert und erneuert dergestalt, daß alles, was überflüssig und unzeitgemäß schien, gestrichen und über Bord geworfen, Sie Haupt- und Schmuckstücke der Zellerschen Vertonung dagegen z. T. wirksam umgruppiert und durch ein breit ausgebautes Vorspiel, bas die wichtigsten Motive zusammenfaßt, nachdrücklich unterstrichen wurden.
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Dadurch erhält das Ganze eine geschmeidigere und flüssigere Bühnenform, erscheint musikalisch und darstellerisch gewissermaßen frisch gestrichen, und die zarte Staubschicht, die manchen früheren Aufführungen anhaftete, ist verschwunden. Auch die Sze- nengruppen sind neu angeordnet worden, was dem Handlungsablauf zugute kommt und die beiden Schauplätze mit sinnfälliger Kontrastwirkung einander aegenüberfteUt.
Geblieben ist in großen Zügen das Liebes- und Verwechslungsspiel im anmutigen Kostüm des Rokoko, eine harmlos unbeschwerte Fabel, die aus der J.iroIer Dergszenerie in die prunkvoll höfische Sphäre des Kurfürstenschlosses mündet und sich zuletzt in einer harmonischen Wiedervereinigung des Liebespaares zur allgemeinen Zufriedenheit löst.
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Der Schlußakt ist ein wenig in die Länge geraten und würde u. E durch entsprechende Kürzungen nur gewinnen. Im übrigen ist in der Neufassung sowohl jene auch heute noch wirksame Gefühlsseligkeit, wie auch ein gemütlicher, in volksmäßigen Zügen sich spiegelnder Humor erhalten geblieben. Hinzu kommt
eine Verbreiterung des tänzerischen Elementes und eine revuemäßige, große Ausstattung, wozu das Zeitkolorit um diö Mitte des 18. Jahrhunderts mancherlei Anregungen bot.
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Die Aufführung, von Herrn W r e d e inszeniert, war dementsprechend auf einen heiteren Ton, frisches Tempo und malerische Gruppenwirkung gestimmt. Die Spielleitung wurde durch die Entwürfe des Bühnenbildners Löffler — eine graziöse und geschmackvolle Rokoko-Bibliothek und ein intimer Salon der Münchener Residenz sind uns besonders lebhaft in Erinnerung — wie durch die anmutige und farbig erfreuliche Kostümausstattung (Sophie Buchner) stimmungsvoll unterstützt. Paul W a I • t e r hatte die musikalische Leitung und brachte die erneuerte Partitur feinfühlig und wohlabgetönt zum Klingen. Terry Schultheiß hatte eine Reihe von gefälligen Tanzeinlagen beigesteuert, die das Gesamtbild auflockerten und szenisch belebten.
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Rudolf Hille sang nach dem Paganini die sehr anders geartete Titelrolle, den Adam aus Tirol; er nahm ihn als frischen, unverbildeten Naturburschen, dem ein kräftiger Humor allerdings besser ansteht als die etwas schmalzige Sentimentalität des Nach- tigallenliebes, und brachte gesanglich vor allem das berühmte Auftritlslied („Grüß euch Gott, alle mit- einander") und die „Rosen aus Tirol" zu unmittelbar eingehender Wirkung.
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Die neue Soubrette Friedel Fornallaz führte sich mit der Rolle der „Christel von der Post" recht vorteilhaft ein: zierliches und bewegliches Figürchen; angenehm temperiertes Spiel; gesanglich frisch und gepflegt. Maria Perry gab die Kurfürstin in repräsentativer Halsung, darstellerisch gewandt, stimmlich ebenfalls in dem melodiösen Rosenlied am überzeugendsten.
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Die komischen Partien des Buches sind reichhaltig und in vielfältiger Abstufung besetzt. Gustav Bley sang mit kräftigen und angenehmen Mitteln die Baritonpartie des kurfürstlichen Wildmeisters Baron Weps und fand mit einem improvisierten Couplet vor dem Zwischenakt-Dorhang besonderen Anklang.
Herr Hub hatte sich als Geheimkanzlist Schnur- pel aus Kötzschendroda grotesk herausstaffiert und erfreute die Leute durch unmißverständlich sächsische Temperamentsausbrüche.
Die Altistin Emmy Hagemann erschien als die Kurfürliche Hofdame Komtesse Adelaide von Meerschaum und machte in altjüngferlicher Vornehmheit und höfischen Galanterien, während Herr Lindt
den Grafen Stanislaus mit etwas derberer Komik ausftattete.
Vom Ensemble seien noch die Herren Greif (Gemeindevorstanb von Bayerisch-Zell), Lüpke (Kurfürst) und 23 o l cf (Gemeinbediener) genannt.
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Das sehr gut besetzte Haus bankte mit lebhaftem Beifall, ber mehrere Wiederholungen forderte und zuletzt die Hauptbeteittgten an die Rampe rief.
_________ hth.
Oberst Lawrence — privat.
Der englische Oberst Lawrence, gewiß eine der eindrucksvollsten Abenteurergestalten der letzten Jahrzehnte, hat sich bis zu seinem tragischen Ende bemüht, möglichst wenig in den Vordergrund zu treten. Er roar unscheinbar in seinem Aeußeren und von bescheidenem Auftreten, so daß kaum je- S • ihm.ben einstigen großen Aufwiegler und Knegssuhrer hätte vermuten können. Er hatte nur roenlge Vertraute und war von einer natürlichen, niemals betonten Verschlossenheit, ohne deshalb un- y?s"ch zu sein. Einer seiner Freunde war Professor ™ ”er e- der über das letzte Gespräch mit dem Verstorbenen einige Mitteilungen macht. „Diejenigen, die Lawrence gut gekannt haben, wissen genau, daß er keine Geheimnisse um sich machte; er roar ein äußerst liebenswürdiger Mensch und ein großer Geist", äußerte sich Professor de la Bere über Lawrence. Dieser roar buchstäblich immer vor feinem Ruhm auf ber Flucht, und haßte jeden lärmenden Aufwand, den man mit seiner Person zu treiben versuchte. Der Wunsch nach Ruhe und einem unauffälligen Dasein veranlaßte ihn auch, unter Dem Namen T. E. Shaw in die Reihen ber britischen Fliegertruppe einzutreten. In biefer Zeit ereignete s'ch eine kleine aufschlußreiche Geschichte. Profe sor de la Bere schlug feinem Freunbe vor, er solle sich für ble Doktorprüfung melben, um bamit auch einen gewissen äußeren Abschluß seiner bisherigen reichhaltigen Forscher- unb Gelehrtentätigkeit zu erhalten. Daraus erhielt er zur Antwort, baß bie Vorbereitungsschwierigkeiten zu groß seien. „Das war eine kennzeichnende Bemerkung", fügt Professor De la Bere hinzu, „sie stammt von einem Manne, Der sich im Arabischen ein ausgezeichnetes Wissen angeeignet hatte, ber ein bebeutenber Archäologe roar unb ber seine Fähigkeiten auf vielen For- Idjungsgebleten mehr als einmal unter glänzenben Seroelj gestellt hatte." — „Lawrence war", so fahrt be la Bere fort, „von peinlicher Sauberkeit
Üets tabellos gefleibet. Im ylugbüro war T. E. Shaw für bie Reinlichkeit des von ihm mit- bewohnten Mannschaftsraumes unb für bie Heizung verantwortlich. Das Bordbuch führte er mit un
übertrefflicher Gewissenhaftigkeit unb zeigte sich niemals ermüdet. Einmal sah ich ihn nach einer kleinen Tanzveranstaltung in der Offiziersmesse den Saal ausfegen. Stets war er von unauffälliger Hilfsbereitschaft; an einem Morgen begegnete ich ihm, wie er seinen Kameraden auf einem in seinen Händen schwankenden Tablett eine Reihe von Tee- taffen brachte..
„Heftiges Taumeln^ und Reue im Schloß Moritzburg
Jedem, ber bas wettinische Jagbschloß besucht, wirb im Prunksaal bie berühmte Hirschstange von 36 Enden gezeigt, aus deren natürlicher Höhlung der Willkomm getrunken werden mußte. Das machte Spaß, wenn der Wein über bas Wams bes ungeschickten Gastes statt in bie Kehle floß, unb wein ber Trunk glückte, ber vermeldete wohl, wie die Chronik besagt, „ein heftiges Taumeln und mehr dergleichen Operationen". Den Glanz von Moritzburg, ber bauerhafter ist als ber schwere Rausch trunkfester Jagbgenossen, erweckt ein Aufsatz Hein- nch Zerkaulens im Novemberheft von Del- hsigen k Klasings Monatsheften mit H"fe einer Fülle farbiger Silber zu fprühenbem Leben. Man kann begreifen, wie seltsam biefe Wun- berroelt bem strengen Preußenkönig Friebrich Wil- Helm I. erschienen fein mag, als er mit bem Kron- prinsen Friebrich den starken Augustus besuchte. Als er hetmfuhr, schrieb er mit ein wenig Reue: „3cf) gehe nach Hause, fatiguiert von alle guhte Tage und Wohlleben; ist gewiß nit kristlich leben hier, aber Gott ist mein Zeuge, daß ich kein pläfir Daran gefunden und noch so rein bin, als ich von Hause her aekommen und mit Gottes Hülfe beharren werde bis an mein Ende."
Hochschulnachnchten.
Professor Dr. Karl Schmidt, Extraordinarius und Oberarzt an ber Augenklinik ber Universität f an n, ist zum orbentlichen Professor für Augen- Heilkunde unb zum Direktor ber Bonner Augen- "inik berufen und ernannt worden
Der emeritierte ordentliche Professor für Kultur- Technik unb Meliorationswesen an ber Lanbwirt- schastlichen Hochschule in Bonn, Regierungs- unb «aurat Huguft Reimer le, wurde dieser Tage 70 Jahre alt. Heimerle, ber aus Mainz gebürtig [ft, ist Mitglieb des Kuratoriums ber Preußischen Lanbesfischerei-Anstalt in Berlin-Friebrichshagen und Vorsitzender des Rheinischen Landes-Fischerei- Vereins in Bonn. Er hat sich besonders auf dem Gebiete der Fischwirtschaft große Verdienste erworben.


