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Ur. 251 Drittes Blatt

Mhener Anzeiger (General-Anzeiger für Dbeihefsens

Samstag, 2b Oktober (955

Der Einzug unserer Artilleristen in ihre Kaserne.

Em unvergeßl ches Erlebnis der Gießener Bevölkerung.

Nach dem Marsch durch die Stadt formierte sich die Abteilung in batterieweisem Aufmarsch vor dem Kasernenhof an der Grünberger Straße. Hier hatten sich zu Ehren der Truppe der Divisionskommandeur General Lüdke, das Offizierskorps des hiesigen Infanterie-Regiments mit dem Regimentskomman­deur Oberst Dierow an der Spitze, als Vertreter der Partei Kreisleiter K l o st e r m a n n , für das Kreisamt Oberregierungsrat Dr S ch ö n y a l s als Vertreter der SA Standartenadjutant Obersturm- bannführer M ü n ck e r , als Vertreter der Stadt Oberbürgermeister Ritter, ferner viele weitere Offiziere, viele Mitglieder des Hessischen Artillerie- Bundes aus Gießen und Umgegend weitere Ehren­gäste, zahlreiche Schulklassen geschlossen unter Füh­rung ihrer Lehrer und eine riesige Menschenmenge eingefunden Die Polizei unter Leitung von Ober­inspektor Hofmann versah auch hier in aus­gezeichneter Weise den Absperrdienst Die Kasernen­gebäude waren mit Girlanden und kleinen Haken­kreuzfähnchen, vor allem aber an den Hauptfronten der Gebäude mit Bildern des Führers und Reichs­kanzlers festlich geschmückt Rechts und links vom Kasernentor waren zwei Geschütze in Felierstellung zu sehen Nachdem der Abteilungs-Kommandeur, Hauptmann Welte, dem Divisionskommandeur "die Abteilung zur Uebernahme der Kaserne ange- ireten gemeldet hatte, übergab

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als Vertreter des Heeresbauamtes die Kasernen an den Abteilungskommandeur. Er hielt dabei eine

Ehre, daß Herr General an dem heutigen, denk­würdigen Tage, an dem die Stadt Gießen zum ersten Male seit ihrem Bestehen Artillerie in ihren Mauern ausnimmt, dieser Waffe das Ehrengeleit gegeben haben Für diese Ehrung bitte ich Herrn General meinen und meiner Abteilung gehorsam­sten Dank entgegennehmen zu wollen

Ich begrüße ferner das Oberhaupt unserer neuen Garnisonstadt, Herrn Oberbürgermeister Ritter, der mit seinen weitschauenden Plänen und seinem nie rastenden Tatendrang die Vergrößerung der Stadt Gießen um einen Truppenteil erstrebt und erreicht hat.

Ich begrüße weiter die Herren der Schwester- waffe. die Spitzen der Behörden, sowie sämtliche anderen anwesenden Gäste, und danke Ihnen gleich­zeitig auf das allerherzlichste für Ihr zahlreiches Erscheinen, das ich als ein Zeichen der Verbunden­heit mit der Artillerie-Abteilung ansehen darf

Ich begrüße fernerhin die Herren des Artil­lerie-Vereins Gießen Die Abteilung wird es als ihre Ehrenpflicht ansehen, mit den ehema­ligen Angehörigen des in Krieg und Frieden er­probten und ruhmreichen Hessischen Artillerie-Korps, sowie den anderen alten Artilleristen stets in eng­ster Verbindung zu bleiben und treue Waffen­kameradschaft zu halten

Sehr geehrter Herr Regierungsbaurat Geiß­ler! Ihnen sowie sämtlichen am Bau der Artil­lerie - Kaserne beteiligt gewesenen Herren des Heeresbauamtes einschl des Bautechnischen Unter­stabes danke ich aufrichtigst für die überaus liebens­

würdigen Worte, die Sie an uns gerichtet haben, und danke Ihnen ferner für die hier geleistete Ar- beit. Sie haben es in geradezu mustergültiger Weife verstanden, eine Kaserne erstehen zu lassen, die allen modernen Anforderungen voll und ganz entspricht. Stilschön und doch schlicht und einfach, wie es die Eigenart des Soldaten verlangt, steht sie hier vor uns Sie spricht für Sie! Worte von mir vermögen nicht im entferntesten das zu wür­digen. was hier aus ihrer Meisterhand hervor- gegangen ist Nicht zuletzt danke ich Ihnen auch noch für das der Abteilung stets gezeigte Entgegen­kommen

Unsere Wünsche und Anforderungen waren be­stimmt sehr weitgehend, aber trotzdem sind Sie denselben mit einer besonders hervorzuhebenden Großzügigkeit gerecht geworden

Ich danke sämtlichen Firmen für die tatkräftige Mitarbeit und danke insbesondere allen Arbeitern In hingebungsvoller, unermüdlicher und schwerster Arbeit haben S>e die Monate hindurch bei Tag und Nacht ein Werk vollendet das dazu beitragen wird, unserem geliebten Voterlande weiterhin Welt­geltung zu verschaffen Seien Sie sich bewußt, daß jeder Tropfen Schweiß, der hier liegt, zum Wieder­erstarken Deutschland«? geflossen ist

Ich danke der Stadt die den Grund und Boden zur Verfügung gestellt hat, um diesen Mark­stein für Deutschlands Zukunft zu tragen

Arbeiter wie Stadt können somit mit berechtig­tem Stolz erfüllt sein, ihrerseits im Dienste des Vaterlandes gestanden zu haben.

Der Divisionskommandeur, General Lüdke, mit dem Kasernenschlüssel an einem künstlerischen Leder- band mit dem Gießener Stadtwappen.

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Regierungsbaurat Geißler übergibt die Kaserne mit einer Ansprache i . un Öen

Der Abteilungskommandeur schließt das Kasernentor auf. (Aufnahme |7|: Photo-Pfaff. Gießen.)

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Wenn Stadt, Arbeiter, Unternehmer, Firmen, Bauherr und Soldat weiterhin so Zusammenarbei­ten, um unser Volk wieder groß und mächtig zu machen, so braucht uns um die Zukunft nicht bange zu fein.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Baujahr 1935 späterhin nochmals eine welt geschichtliche Bedeutung haben wird, denn 1935 ist das Jahr der endgültigen Befreiung von fremder Machtherrschaft, Diesen unter der Wehrfreiheit erstandenen Bau­ten wünsche ich an dieser Stelle, daß sie immer ein starkes, wehrfreudiges und einsatzbereites Geschlecht in ihren Mauern sehen möchten.

Als vornehmste Ausaabe betrachte lch für mich, die mir anvertrauten Soldaten zur Vaterlandsliebe, Manneszucht, Treue und Kameradschaft zu erziehen, und gebe gleichzeitig der I. Abteilung Artillerie- Regiment 9 als Leitstern: Die restlose Hingabe für unser geliebtes Vaterland, die unwandelbare Treue zu unserem Führer und Obersten Befehlshaber

Um diese meine Worte nach außen hin zu be­kräftigen, bitte ich Sie alle, unter dem Kommanho, das ich hiermit gebe:H eißt Flaggen" mit mir einzustimmen in den Ruf: . Unser geliebtes Vaterland unser Führer und Oberster Befehls-

Ansprache, in der er u. a. sagte: Wieder einmal libergeben wir ein Werk aus der Hand der Bau­leute in die Hände des Soldaten. Eine kurze Frist 'tuar uns für den Bau gefetzt Im Dezember 1934 iingen mir an, und in dieser kurzen Zeit.von drei- niertel Jahren kam noch hinzu, daß verwaltungs- >lnäßige Hemmungen es notwendig machten, nach öem Baubeginn die Pläne zu ändern. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß trotz des eifrigftens Bemühens aller schaffenden am Bau einige Neben- tauten heute noch nicht ganz fertig find.

Es erscheint mir zweckmäßig, bei dieser Gelegen» leit einiges zu sagen über die Art, wie nach dem willen unserer obersten Führung heute unsere Ka­lmen gebaut werden. Es ist nicht ein Zufall, son­dern eine symbolhafte Angelegenheit, wie man auch In diesen Bauten sieht, daß nicht mehr hohe Litauern das Haus und feinen Bezirk abriegeln fegen die Straße sondern es ist der Wunsch und .er Wille, mit der Wohnung des Soldaten, mit iHner Arbeitsstätte immer in engster Beziehung zu illeiben Die Entwicklung des Ganzen weist darauf in, daß das Volk in Waffen eben auch ein Kultur- ivlk in Waffen ist, kulturell hochentwickelte Men- |-hen aus dem Herzen Europas, die hier als freie Dlänner ihren Ehrendienst am Volksganzen ver- sthen. Es ist daher der Wunsch, daß die Umgebung ier Arbeitsstätte edelsten Menschentums, das sich iier zum Opferdienst für das Vaterland schult und rüstet, dieser Arbeit würdig fei. Darum legt man heute Wert darauf, daß diese Bauten nicht nur repräsentativ, sondern auch wohnlich und schön sind SBir suchen diese Schönheit zu finden, indem wir uns b"wußt die Motive und Art suchen aus dem Lolkmäßiqen, aus dem Gefunden, Erdverbundenen daß wir die Freude am Leben, an der Farbe und er der geschloffenen schönen Form erreichen Wir hoffen, daß unser Werk, das wir vom Aeußeren bis zum Innern und Kleinsten unter diesem Gesichts­punkt zu gestalten wünschten, für die Truppe ein wirkliches Heim im Sinne dieser Gesichtspunkte vV in möge.

Wenn ich das hier besonders als meinen per­sönlichen Wunsch ausspreche, so bin ich mir dabei hewußt. daß die Tage, die wir mit diesem Werk verbunden waren, gezählt sind und daß es mir in kurzer Zeit deschieden sein wird, in die große Ano-

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Auf dem Marsch durch die Stadt konnten sich die Artilleristen davon über­zeugen, mit welcher gro­ßen Begeisterung und reichen Liebe unsere Be­völkerung sie aufnimmt. Nicht nur reckten sich ihnen in herzlicher Weise die Arme zum deutschen Gruß entgegen, sie emp­fingen auch in reichem Maße Blumen als sinni­gen Schmuck zu dem Tag ihres Einzugs in hie neue Garnison.

Unser Bild bringt einen Ausschnitt aus dem Marsch durch die Stadt: es zeigt die Abteilung mit ihrem Abteilungskommandeur auf dem Kreuzplatz. (Aufnahme: Winterhoff, Gießen.)

Haber": Sieg-Heil, Sieg-Heil, Sieg-Heil!

Feierlicher (Salut

Während die Soldaten und die große Menge der Zivilisten begeistert dem Führer und dem deutschen Vaterland durch Sieg-Heil-Rufe und den Gesang der ersten Verse des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes huldigten, wurden aus mehreren Geschützen 12 Salutschüsse abgefeuert

Baurat Pfaff, Gießen

übergab hierauf mit herzlichen Glückwunsch-Worten den Schlüssel zum Kasernentor an den Komman­deur. Er wünschte der Abteilung fruchtbares Schaf­fen im Dienste von Volk und Vaterland.

Oer Abteilunaskommondeur Hauptmann Welte

dankte herzlich für die guten Wünsche und über­nahm den Schlüssel (der mit dem Wappen der Stadt Gießen geschmückt war) mit der Versicherung, er werde in dieser Kaserne allezeit ein Soldaten­geschlecht erziehen, dessen unermüdliches Bestreben

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rijmität der Mitschaffenden an diesem Bau unter- zutauchen. Das wird mir eine große Freude fein, denn diese Anonymität der Schaffenden ist eine eärenvolle Gemeinschaft An ihrer Svitze marfduert d e so oft mit Unrecht geschmähte oder vergessene Vermattung die mancherlei Arbeiten für uns leb fien muß, damit wir frei aeftalten können und die ktandortverwaltung zufrieden ist: da ist die groß« §ahl meiner engeren Mitarbeiter und die groß» j §ahl der Tausende von Arbeitern und Unternehm ISiern, die mit mir geschasst haben.

Ich möchte meinem Wunsch an die Truppe dahin Ausdruck geben, daß ich Euch Soldaten bitte roenr, JEir frohe und ernste Stunden in diesem Hause ver- \ pH der großen Zahl der unbekannten und un­genannten Arbeiter zu gedenken, die dieses Haus Eurer Freude, zu Eurer Arbeitsstätte und zur Ehre unseres geliebten Vaterlandes errichtet haben

©er Abteilungen ommon^em Hauvtmann Welte

übernahm numttehr die Kaserne mit einer An- spräche in der er sagte:

Als Kommandeur der I Abteilung Artillerie Regiment 9 begrüße ich als erstes den Herrn Dior swns-Kommandeur Herrn General Lüdke. Der Üfcteilung gereicht es zur ganz besonders hohen

Geschütze beim Salutschießen.

Die Kanoniere mit Blumenschmuck als Willkommensgruß.

II

Vorbeimarsch vor dem Divisionskommandeur.

Das Trompeterwrps blast zum erstenmal den Gießener Artillerie-Marsch.