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Nr 251 Erstes Blatt

185. Zahrgang

$amstag,26.©tt>2r 1955

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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des Ministerpräsidenten Baldwin

neue Phase, von der die Abessinier gewiß nicht -Baldwin, seien die Verbesserung der Lage daheim ganz mit Unrecht eine britisch-italienische Einigung die 2l u f r echter ha ltung des Frie- be'ürchten, die sie bei dem augenblicklichen Stand bens in der Welt. Er bitte erneut um das Der­ber militärischen Operationen teurer bezahlen muß- rauen des Volkes, damit beim gegenwärtigen Fu­

der militärischen Operationen teurer bezahlen müß­

ten als nach einem längeren verlustreichen und

kostspieligen Feldzug der Italiener.

Diese hingegen

sehen grade darin ihren Vorteil, daß nach den Anfangserfolgen ihrer Waffen im Norden einmal

Liberalen und Arbeiterparteilern schmackhaft machen,

ietuaee

Hier hat die Regierung die heftig-

gemein

1(6

das militärische Prestige durch die Adua wiederhergestellt worden ist.

eröffnet. Die so erklärte

Einnahme von bevor die Ent-

London, 26. Okt. (DRV. Funkspr.) Der Wahl­feldzug der nationalen englischen Regierung wurde am Freitagabend durch eine Rundfunk-Rede

eni neid hr, im Luku oZschaui jsterrei

gezwungen hätten.

Laval hat jetzt im Auswärtigen Ausschuß der lrammer offen zugegeben, daß er dies natürlich linde und daß Frankreich im gleichen Falle e b en» | o gehandelt hätte. Er hat dann versucht, wenig- lksns im Ausgleichsweqe einen Zustand im Mittel- irteer herbeizuführen, der das Risiko, das er mit j bem Anerbieten der Hilfeleistung durch die fran­zösische Flotte im Falle eines britisch-italienischen Zusammenstoßes bei der Durchführung von Sank- lionen eingegangen war, auf ein Mindestmaß herab- t rücken würde. Er schlug also vor, Italien möge Line Division aus Libyen und gleichzeitig England tinige Einheiten der Heimatflotte aus dem Mittel- meer zurückziehen. In London scheint man sich euch auf diese Gleichzeitigkeit nicht festgelegt zu laben, aber immerhin ist der französische Druck in $iom und der Wunsch Italiens, vor der Wi-derauf-

r.ahms der militärischen Operationen in Ostafrika len Versuch neuer Verhandlungen zu machen, offen» f ar ausreichend gewesen, um nach mancherlei Hin int) Her Bestätigung und Dementi folgten sich ist auf dem Fuße Mussolini schließlich doch zu

Genehmigung Englands erhalten hat. Sir John Simon hat sich im Unterhaus im Namen seiner Kabinettskollegen mit temperamentvoller Entschie­denheit gegen die Unterstellung gewehrt, als ob Eng­land für einen Kuhhandel der drei Großmächte hinter dem Rücken des Völkerbundes" je die Hand bieten würde. Das soll die Regierunqspolitik den

mit besonderer Betonung erklärt, daß man an die­sen Entschluß keinerlei Bedingung geknüpft habe, aber wohl erwarten dürfe, daß nach einer so bedeu­tungsvollen Geste nunauch von anderer Seite zur Entspannung der Lage im Mittelmeer beige­tragen werde." Aus dieser Formulierung wird man schließen können, daß England sich tatsächlich alles vorbehalten haben wird. Man hat in London ange-

friedlicher Regelung erschöpfenden Politik. Hier würde man zur Rettung des Friedens nicht einmal vor dem Kriege zurückschrecken und macht dem Ka-

heiten widmen dürfe, bevor eine neue Phase des mit dem Abessinienkonflikt angeschnittenen Fragen­komplexes wiederum seine ganze Aufmerksamkeit nach außen lenke. Einzelne Stichworte dazu fielen ja schon in der Unterhausaussprache: die Auf­rüstung Englands, deren jahrelanger Ver­nachlässigung man namentlich in ultrakonseroativen Kreisen die gelinde gesagt vorsichtige Hal­tung des Britischen Weltreichs zu Beginn des Abes­sinienkonflikts zuschreibt; ferner die zum 2. Dezem­ber nach London einberufene Flottenkonfe­renz, die durch die Kündigung bzw. den Ablauf der Flottenoerträge von Washington (1922) und London (1930) notwendig wird, um keine Lücke in der Begrenzung der Seerüstungen entstehen zu lasten, da namentlich England ein uferloses Wett­rüsten zur See unter allen Umständen vermeiden möchte; schließlich die Anregung einer Konferenz zur Neuverteilung der Rohstoffe, wie die englische Formel lautet, um von vornherein den Gedanken auszuschalten, als ob eine Neuverteilung des Kolonialbesitzes für England überhaupt in Frage kommen könne. Nimmt man den immer wieder von Zeit zu Zeit auftauchenden Plan einer neuen Weltwährungs- und Wirtschufts­konferenz noch hinzu, so sehen wir ein außen­politisches Programm, das allein schon, von den vielerlei innerpolitischen Problemen ganz abgesehen, den Wunsch der Nationalregierung rechtfertigt, die Atempause im Abessinienstreit zu benutzen, um durch die Neuwahl des Parlaments eine neue Voll­macht des Landes zu erhalten. Vielleicht verspricht sich Englands Außenminister auch von der Ab- Pnfung seiner Kritiker durch einen intensiven Wahl­kampf etwas mehr Muße zu ungestörten Verhand­lungen mit Paris und Rom, die beileibe nichthin­ter dem Rücken des Völkerbundes", doch in trau­lichem Dreiergespräch dieRegelung" oorbereiten können, der dann der Völkerbund und Abessinien ihr Plazet geben dürfen. Wie weit allerdings Mus­solini heute bereit sein wird, einer Regelung zuzu­stimmen, dieim Rahmen der Völkerbundssatzung* liegen soll, sich also nicht sehr weit von den Vor­schlägen der Pariser Konferenz im August dieses Jahres und des Genfer Fünferausschusses entfernen dürste, die er ja damals als gänzlich undiskutabel mit Entrüstung abgelehnt hat, das ist eine Frage, die erst die nächsten Wochen beantworten können^

Noch keine Verhandlungsgrundlage

Die französisch-italienischen Jriedenssondierungen gehen weiter.

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stand der Welt eine f e st im Sattel sitzende Regierung ausschlaggebend sei.

Ein Krieg könne abgeftoppt werden, wenn alle Nationen dem Völkerbund beigetreten wären. Da jedoch Deutschland, Japan und die Vereinigten Staaten nicht im Völkerbund seien, sei die Aufgabe viel schwieriger.Die immer noch dem Völker­bund angehörigen Staaten versuchen einen neuen W e g; wir erfahren alle, daß der Weg schwierig und nicht ungefährlich ist. Wir haben unsere Politik klar dargelegt- fein iso­liertes Vorgehen, keine Maßnahme, die nicht von allen anderen Mitgliedern ergriffen wird.

Es gibt Gefahren des Friedens, näm­lich Gefahren in der Art der auserlegten Sühne­maßnahmen. Wenn Sühnemaßnahmen der strengsten Art auferlegt werden, dann wird dies unweigerlich zu einer Blockade führen und eine Blockade wirft die Frage auf, wie sich die außerhalb des Völkerbundes befindlichen Länder verhalten werden. Diese Tatsache hatte ich vor Augen, als ich erklärte, daß ich niemals den Eintritt Englands in eine Blockade gestatten würde, wenn wir nicht im voraus der Stellungnahme der Ver­einigt en Staaten sicher waren. Was auch in der Zukunft bezüglich einer Blockade ge­schehen mag, die Hauptlast irgendeiner daraus folgenden Anruhe muh im Anfang auf die englische Flotte fallen."

Baldwin führte bann aus, daß dieenglischen Abrüstungshoffnungen enttäuscht wor­den seien. Viele Nationen hätten ihre Rüstungen erhöht, einige sogar zu einem gewaltigen Stand. Sie hätten ferner ihre Waffen modernisiert und ihre Erzeugungsfähigkeit gesteigert. England wolle die­sen Staaten nicht Nachfolgen. Es wolle nur seine Streitkräfte modernisieren.

Die englische Flotte sei ;um großen Teil ver­altet, nur drei der Schlachtschiffe stammten aus der Nachkriegszeit. Wenn England aber eine Politik der umfassenden Unterstüt­zung des Völkerbundes verfolge, und wenn zu irgendeiner Zeit als Folge von Sühnemahnahmen ein Krieg mit einer Nation entstehen würde, dann werde die Haupt- l a ft a ii f den Schultern der eng-

iw

Gute Sucher find gute Freunde"

Gauleiter Sprenger.

tischen Flotte liegen. Dies würde bedeu­ten, daß veraltete englische Schiffe gegen moderneSchiffe in denkrieg ziehen müßten. Die englische Flotte würde zwar letzten Endes siegen, aber der Sieg mühte durch unnötige Opfer von Menschenleben er­worben werden.

England sei daher für eine kollektive Sicherheitspolitik.Ich kann aber diese Politik nicht verfolgen, wenn ich nicht Vollinach - t e n erhalte, die Schwächen unseres Ver- teidigungssysterns zu heilen. Was wir wol­len, sind nicht gewaltige Streitkräfte, sondern daß unsere Leute mit den besten heutzutage erhältlichen Waffen ausgerüstet sind, wenn sie zum Kampfe aufgerufen werden. Diese Fragen werden dem neuen Parlament vorgelegt werden, wenn wir an der Macht bleiben.

Ich bin überzeugt, dah alle friedliebenden Leute hier und im Auslande in den siche­ren Verteidigungskräften dieses Landes das beste Bollwerk des Friedens sehen. Der Fortschritt, den wir im Innern erzielt haben, verseht uns in die Lage, danach zu sehen, wie weit wir helfen können, bessere Zustände in anderen Tel­len der Welt herbeizuführen.

ob die italienischen Forderungen die Tigre« Provinz umfasten, die nach eigener italienischer Darlegung ein Teil deseigentlichen Abessiniens" sei. Dies habe in London zu der Ueberzeugung geführt, daß der Völkerbund keine andere Wahl habe, als den bereits ein­geschlagenen Kurs weiter zu verfol­gen, da er derjenige Weg fei, auf dem a m ehesten eine für alle drei Parteien, Italien, Abes­sinien und den Völkerbund, annehmbare Regelung beschleunigt werden könne.

DieTimes" schreibt: Eine Annahme der vorlie­genden italienischen Forderungen durch den Völker­bund, England, Frankreich und den Negus sei s o gut wie ausgeschlossen. Da diese Bedin­gungen aber wahrscheinlich nicht das letzte, sondern das erste Wort Mussolinis in dem neuen Abschnitt des Konfliktes feien, könne einemsorgfältig kontrollierten Optimismus" Raum gegeben werden. Großbritannien und Frankreich werden ohne Zweifel in enger Fühlung ihre eigenen Anregungen for­mulieren. Möglicherweise werde Mussolini dann seinerseits neue Vorschläge Vorbringen und die Er-

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zu komplizieren. In Addis Abeba macht man . . . .

keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über diese Hochziele der nationalen Regierung,

Oie Atempause.

Aus dem ostafrikanischen Kriegsschauplatz hat sich abgesehen von einem lokalen Vorstoß der Italiener on der Somalifront nichts von Bedeutung ereignet. Alles lauscht vielmehr gespannt auf die Nachrichten, die aus London, Paris und Rom den Stand der diplomatischen Verhandlungen bartun. Unb nicht zuletzt finb es anscheinenb die beiden Kriegsühren- oen, die es vorziehen mit Gewehr bei Fuß die wei­tere Entwicklung der Dinge in Europa abzuwar­ten, statt durch neue Operationen die Lage vielleicht

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Baldwin eröffnet den englischen Wahlkampf.

Englands pfltcthn als Völkerbundsmi glred machen e ne Modern fierung der englischen Flo ie nötig.Ein starkes England, die beste Bürgschast des Weltfriedens.

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jion "aus' ßibrjen^anzuordnen.^Dazu wird in Komi einerRegelung" zustimmen werden, die nicht bie

faltung der abessinischen Hauptmacht sie vor eine neue unb sicherlich ernstere Probe ihres militärischen Könnens stellt, zum andern aber auch durch den Abfall des Ras Gugsa unb bie freunbliche Auf­nahme ber italienischen Truppen bei der Bevölke­rung Tigres bie von Italien in Genf oorgebrachte These, baß in Öen Ranbländern Abessiniens bie Italiener als Befreier vom amharischen Joch be­grüßt würben, wenn man ben Berichten bes römi­schen Propoganbaministeriums folgen will, eine Be­stätigung gesunden hat. Es war also sicher auch eine von politischer Klugheit, nicht nur von militärischer Zweckmäßigkeit diktierte Ueberlegung Mussolinis, vorerst sich mit dem Ausbau ber gewonnenen Stel­lungen zu begnügen unb auch im Süben kurz zu treten, solange sich erneut bie Möglichkeit bietet, auf Verhandlungswegen bas burchzusetzen was man nur unter großen Opfern an Gut unb Blut vielleicht erreichen würbe. Diese Mäßigung ist Mussolini er­leichtert worben burch ben Beschluß bes Genfer Sanktionsausschusses, erst am 31. Oktober ben Zeit­punkt für bas Jnkraftreten ber Sanktionsmaßnah- nen zu bestimmen. Die Berichte von ben Welt­warenmärkten zeigen, baß Italien biefe Atempause zu nutzen versteht.

Mit einem hörbaren Seufzer ber Erleichterung f)at man natürlich auch in Frankreich die Hinaus­zögerung praktischer Sanktionen begrüßt. Die Fran­zosen selber hatten natürlich in Genf alles getan, um endgültige Beschlüsse zu verschleppen und Zeit für neue diplomatische Verhandlungen über eine

ää;

London »artet ab.

London, 26, Okt. (DNB.-Funkspruch.) Die amt­lichen Stellen Londons verhalten sich zu ben Be­richten über bie zwischen Rom unb Paris im Gange befindlichen Friedenssonbierungen nach wie vor außerordentlich zurückhaltend. Man ist ber Auf­fassung, baß bie angeblichen Vorschläge Mussolinis noch keine greifbare Form angenom­men Haden. Daily Telegraph" schreibt: Soweit die von Rom vorgeschlagene Verhandlungsgrund- lage bekannt sei, scheine sie die Hoffnung auf einen Aufschub bes Zeitpunktes für bie Anwendung der wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen nicht zu recht- fertigen. Sollte Laval jedoch anders denken, bann werde er vielleicht nach Genf fahren und dem Völ­kerbund einen Vorschlag machen.^ Nach den letzten Informationen sei jedoch auch dies unwahrschein­lich. Mussolini habe anscheinend seine Forderung nach einer vollständigen italienischen Kontrolle über das eigentliche Abessinien abgeändert, halte aber seine Ansprüche auf die in ber Denkschrift an ben Völkerbund alsnicht abessinisch" be­zeichneten Gebiete aufrecht. Es scheine, als

binett zum Vorwurf, die Ingangsetzung der Sank­tionen verzögert unb bamit Italien ben Weg zur Eroberung Abessiniens freigegeben zu haben.

Baldwin unb feine Kabinettskollegen haben sich durch den Ansturm der Opposition, bei dem sich Lloyd George durch besondere Wißbegier auszeich­nete, nicht aus der Ruhe bringen lassen. Baldwin hat erläutert, warum ihm gerade jetzt der Augen­blick günstig erschienen sei, um dem König die Auf­lösung des Unterhauses vorzuschlagen. Er hat natür­lich füi* sich behalten, daß Neuwahlen unter dem ' Doppelgestirn wirtschaftlicher Erholung und größter außenpolitischer Aktivität der regierenden konser­vativen Partei eine vielleicht sobald nicht wieder­kehrende Gelegenheit zu sein schienen, ihr Mandat ohne größere Verluste an die ohnehin zersplitterte unb burch bie außenpolitische Wahlparole vollends verwirrte Opvosition auf weitere fünf Jahre zu verlängern. Baldwin sprach von einer Ruhe­pause und hat damit ben entrüsteten Widerspruch Lloyd Georges erregt, der an den Ministerpräsi­denten die Frage richtete, ob die Lage seit dem Weltkriege jemals düsterer gewesen sei als jetzt Beide werden Recht haben, Lloyd George mit seiner pessimistischen Kritik und Baldwin, wenn er aus besserer Kenntnis des augenblicklichen Standes der Verbandlungen meint, daß England nach ber un­gewöhnlichen Aktivität seiner Außenpolitik während der letzten Monate nun mit gutem Gewissen sich | für ein paar Wochen seinen inneren Angelegen-

Die Wahlparole der Arbenetparlef.

L o n d o n, 26. Okt. lDNB. Funkspruch.) Die Na- tionale Negierung veröffentlichte am Samstag ein großes Wahlmanifest. 24 Stunden vorher hat die Arbeiterpartei ihren amtlichen Wahlaufruf herausgegeben. Sie wirft darin ber Regierung vor, baß sie nicht einen einzigen konstruktiven Schritt zur Verbesserung ber i n n e r p o l i t i s ch e n Lage getan habe. Zwei Millionen Menschen in Englanb seien arbeitslos unb über IV2 Millionen seien auf bie Armenunterstützung angewiesen; bie Tragödie ber Notstandsgebiete habe sich verschärft. Durch ihres e l b st m ö r b e r i s ch e" Außenpolitik habe die Regierung die Abrüstungskonferenz zu Grunde gerichtet und eine Vereinbarung für die vollständige Abschaffung ber Luftstreitkräfte Der« hinbert. Im übrigen forbert bie Arbeiterpartei Zu­sammenarbeit mit bem Völkerbunb, Aufrechterhal­tung ber Streitkräfte soweit sie sich mit ber Mit­gliedschaft beim Völkerbunb vertrügen unb Wieder- aufnahme ber Verhandlungen für eine allgemeine Abrüstung. Auf innenpolitischem Gebiet wiederholt bie Arbeiterpartei ihre altbekannten Forberungen nach Verstaatlichung ber Banken unb ber wichtigsten Industrien des Laubes, nach Planwirtschaft und nach Abschaffung bes Oberhauses.

Regelung zu gewinnen, bie Sanktionen ganz über- ilüssig machen würbe. Aber Englanb hat ihnen so- l<inge bie kalte Schulter gezeigt, wie sie sich nicht Entschließen konnten, in ber Auslegung bes viel er­örterten Artikels 16 ber Völkerbunbssatzung ein­deutig Farbe zu bekennen. Erst nachbem Laval Frankreichs Pflicht zur Hilfeleistung im Falle eines talienischen Angriffs auf britische Schiffe zugegeben hatte, bie im Auftrage bes Völkerbunbes von die- em ungeordnete Sanktionen durchführen, erst nach tiefer Klarstellung war man in London bereit, auch über andere Dinge mit sich reden zu lassen. Aller- ' >ings so Zug um Zug. wie Herr Laval es sich ge­lacht hatte, um dem italienischen Freund die An­näherung an den Beratungstisch zu erleichtern, ging

5 auch jetzt noch keineswegs. Laval hatte bereits 'n einem früheren Stadium der Verhandlungen gegen das britische Verlangen nach Hilsleistung ein- zeworfen, daß bie ins Mittelmeer dirigierten Teile ier britischen Heimatflotte keinen französischen Schutz -eanspruchen könnten, da sie ohne Auftrag bes Völkerbundes dort konzentriert seien. England werde ulso gut tun, sie zurückzuziehen unb bamit eine Neste zur Entspannung ber Lage im Mittelmeer machen. Man hat in Lonbon darauf erwidert, daß die i»edrohliche Sprache der römischen Presse, die sich en Luftbombardements von Malta unb U-Bootan- uriffen auf Gibraltar berauscht hatte, und noch mehr Me starken italienischen Truppenkonzentrationon an ber aayptisch-libvichen Grenze die britische Admi­ralität zu ben Schutzmaßnahmen im Mittelmeer

beutet, baß er ft bie Rückführung ber italienischen bie ben moralischen Schilb bes Völkerbunbes brau» Truppen in Libyen auf ihre Normalstärke (eine chen, um hinter ihm für nationale britische Inter- Division, abgesehen von einigen Spezialeinheiten, essen zu kämpfen. Gerabe aus ihren Reihen, so statt jetzt vier) Englanb veranlassen könne, bie im pazifistisch sie sich sonst gebärden mögen, kommen Mittelmeer getroffenen Sicherungsmaßnahmen zu die lautesten Rufe zu schärfster Anwendung von überprü'en Es muh abgewartet werden, ob man Sank^owm. Hier hat die Regierung die heftig» in London hierauf beharren wird, was mit Rück- ften Kritiker ihrer hinhaltenden, alle Möglichkeiten ficht auf die Wahlpropaganda der fanktionsfreudigen Opposition immerhin nicht ausgefchloffen ist, oder ob England sich im Ausmaß seiner Entspannungs­geste der Bescheidenheit anpaßt, die Mussolini hat walten lassen.

Wie hierüber noch keine volle Klarheit besteht, so scheint auch in punkto Verhandlungen über bie eigentliche Ursache bes Konflikts, bie Slbeffinie n- frage nämlich), noch alles in ber Schwebe, um nicht zu sagen im An'angsstadium zu sein. Die italie­nische'Presse erörtert Pläne, stellt Punkte für eine Regelung auf, spricht von .Vorschlägen, bie aus Lonbon ober Paris gekommen sein sollen, aber alles dies trägt zu sehr ben Charakter bes Versuchsbal­lons an ber Stirn, um ernst genommen werben zu können. Laval bestreitet, von Rom Anregungen zur Weitergabe nach Lonbon erhalten zu haben unb auch bie britische Presse glaubt nicht an mehr als eine erste Fühlungnahme, um bie Möglichkeit einer Verhanblungsgrundlage zu ergrünben Immerhin acht aus den Erklärungen ber Regierung roabrenb ber außenpolitischen Aussprache im Unterhaus soviel hervor daß England eineRegelung" vor dem Wiederzusammentreten des Genfer Sanktionsaus- schusfes durchaus begrüßen würde. England hält mit eiserner Miene an der für bie Verteidigung der eigenen Interessen sehr zweckmäßigen These fest, daß der Konflikt ausschließlich Italien, Abessinien und den Völkerbund berühre, daß daher eineRege­lung" diese drei Kontrahenten befriedigen müßte, wobei im stillen als selbstverständlich vorausgesetzt wird daß rvöer Ab stinien noch der Völkerbund