DM
SÄi
W
I
MW
UW
LM
saft'
Nr. 225 Drittes Blatt
Donnerstag, 26. September 1935
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesien)
Neue Lebenskräfte
denen das Schiff auf feine Leistungsfähigkeit
rend
Die Außenhaut des neuen Zeppelins wird lackiert. (Luftschiffbau Zeppelin-M.).
der
man
Gar- Weg, Vor-
Oer Krottenkopf.
Aus meinem Wanderiagebuch
Strophe:
„Dann bög' ich mich, ein fel'ger Zecher, Wohl über Bord, von Kränzen schwer Und gösse langsam meinen Becher Hinab in das verlass'ne Meer."
Denkt!
Den Zug bekamen wir zwar, aber gleich in misch lief mir ein alter Bergsteiger über den Daß muß für Schlemmerfahrten ein schlechtes
Zereinstum Turnenim
m NachM die W: sommers int ganze Ser» musterH
• TurnersM , Artur Helmut A i Luh. W
Ich bin der unberühmte Dichter in der berühmten Dachkammer. Meine Hauswirtin, sehr resolut mit iitrengem Majorsbärtchen, hatte mir erst nach Vorauszahlung von zwei Monaten Miete diese Wände- arung in die Berge erlaubt! Ihre Vorsicht schien begreiflich, denn wie leicht konnte ich verunglücken bei Vieser ersten Jungfernfahrt in die Berge, die mich o oft schon gelockt und begeistert hatten, wenn ich bei Föhnwind aus meinem Mansardenfenster chaute! „Bei die Floß- und Bergfahrten muaßt fei -rüh aufstehn, mein Liaba!" hatte der Stammtisch 'achverständig gemeint. Und ich richtete mich darnach. Bereits schon zu nachtschlafender Zeit, als es noch dunkel war, und nur die Zeitungsdamen und Semmelherren die Straßen belebten, trabten wir j;um Bahnhof. Wir hatten nämlich eine Fahrt auf Vie Zugspitze vor, um Deutschland durch einen abelhaften Pressebericht zu alarmieren! — ürftens kommt es* anders, und zweitens als
„Graf Zeppelins" großer Bruder.
L.Z.429" geht der Vollendung entgegen. — Ein Pionier des Friedens und der deutschen Wertarbeit.
zwei Luftschiffe in den Verkehr zu bringen. Auf diese Weise würde mit der Zeit die Verbindungsmöglichkeit von Erdteil zu Erdteil und die Schnelligkeit der Beförderung noch mehr gesteigert. Der neue „L. Z. 12 9", der in den nächsten Monaten auf der Zeppelinwerft in Friedrichshafen fer- tiggestellt wird, soll Deutschland weitere Gebiete der Welt erschließen.
Nach den Werkstätten- und Probefahrten, wäh-
fe**
?rs ' dqh Mi
'nen, fr
line
J tAettt" 0.88 B?
ihn
war eine brillantenblitzende Dame mit Eispickel und Stöckelschuhen. Sie warf unternehmungslustige Blicke auf die Berge und kühne auf die arme Männerwelt! „Wolln's auch ins Gebirg, Froilein?" eröffnete ich die Feindseligkeiten. Aber sie funkelte mich mit solcher Verachtung an, als ob ich ihr schönstes Hühnerauge betreten hätte. „Pack mer zsamm und geh mer", sagte ich zu meiner Frau.
Wir marschierten weiter, die Sonne brannte im Verein mit den Fußsohlen. Die Rucksäcke drückten schwer. Bald kamen wir ober zu einer Stelle, wo die Meinungen und Wege gänzlich auseinander gingen. Meine liebe Frau wollte einen schönen, bequemen Fahrweg gehen. (Wahrscheinlich dachte sie: jeder Weg führt nach Rom!), Luischen beliebte einen Weg in mittlerer Preislage (sie hat ein sparsames Gemüt!) Ich selber wählte einen steilen, wilden Gebirgspfad, denn, ich dachte bei mir: Der rnuaß 'naufführn, weil er gradeso steigt! Aber bald schon rief meine bessere Hälfte von unten, Luischen juhute von der Mitte, und ich brüllte von oben. Nach schwierigen Verhandlungen fanden wir uns indessen in der Mitte.
Drei Stunden (der ganze Ausstieg sollte kaum so lange dauern) verfolgten wir den neckigen Weg. Der fiel — stieg an — zeigte weidende Herden, rauschende Quellen, dazu die schönste Aussicht, — kurz, er tat alles was man nur verlangen konnte — nur zum Ziel führte er nicht!
Meine Frau war müde, Luischen durstig und ich grantig. Aber was half's? Drei Stunden mußten wir zurückgehn, das war bitter! Ich schleppte also meine kleine Karawane, die ich frevelhafter Weise mit widerspenstigen Kamelen verglich, genau dahin, wo wir hergekommen waren und im Triumph von dort in weiteren drei Stunden auf meinem Weg zur Krottenkopf-Hütte! Spät abends, 21 Uhr, todmüde, aber bei herrlichstem Mondschein, hungrig und ausgedörrt wie Wüstenwanderer trafen wir dort ein.
Die Nacht war erstaunlich kurz. Eben hatten wir uns hingelegt — da war es schon morgens 7 Uhr! Also, Abmarrrsch!
Bald wachten wir aber ganz auf, denn gleich bei der Hütte gab es einen sehr interessanten, aber etwas heiklen Schneeferner zu überqueren. Und dann kam das erstaunliche: Unmittelbar hinter Felsen und Schnee, lachte der Frühling! Tiefblaue Enzianfelder leuchteten, Alpenrosen blühten und glühten unter grünschwarzen Latschen. Während ich mich männlich und stolz auf schroffer Felszacke Photo- graphieren ließ, lag Luischen romantisch begraben unter lichten Alpenrosen. Ein paar große, weiße Wolken trieben schwerfällig dahin, — in hoher Luft hingen mächtige Raubvögel mit unbewegtem Fittich, laut tönte ihr wilder, herrischer Schrei: Spätsommer
Atutnt. 'N: i
* -Romer. ?neM«eu. Auf); x
Kurt Puh 5 Nmann,
CBaltaeil, del' $un
N.
nm Sonntag 8*t< o6*n-SSufed -Curnerriege Pf mit ben se des Wett. $o würben 'UN hoch.
N..11 MeteL ^uhenNoch. nannschasten ausgetragen, u Lause bes ' Wieselt er. J. Schreiner, ste unb er. beizutreten, obe gemacht chtigung bei eil" aus ben dem gemein, m war, zeig. Barren uni all.
rf(£a6n) u. b. Lahi durchgeführti Erfolg. Nich! iem auch bii i Zuschaum beturnen an Einheit niö Begrüßung!. a. In einen einsgeschichli herein inw illt habe uti ! Zahl sein« licken fönni m Verein» )er Hossnuüj n herein ja rben aut) di ' in junge ld tzeoyfe
rusgeze7.! auch biir? ib die Iis* Veifall.
• Fabel!! imen gehch !eistungen y Dr. Nöinü h anschlie^ im heutig» einem
eingehend geprüft wird, soll es in den Verkehr zwischen Deutschland und Nordamerika gestellt wer- den. Stationiert wird das Schiff, nachdem es abgenommen und für den Verkehr freigegeben ist, in Frankfurt a. M. Von hier soll es die Reiseroute Frankfurt — Sevilla — Lakehurst und zurück be- fahren. Ein Termin für die Indienststellung kann vorerst noch nicht angegeben werden. Man rechnet aber auf der Werft damit, daß bei einer regulären Abwicklung der Versuchs- und Probefahrten die Indienststellung des Schiffes späte ft ens im Sommer 1 9 3 6 erfolgt. Den Plan einer Weltreise des neuen Luftschiffes, der zuerst fallen gelassen wurde, scheint man jetzt wieder aufgegriffen zu haben. Endgültiges hierüber liegt noch nicht fest, doch ist damit zu rechnen, daß man der Welt — wie damals mit „Graf Zeppelin" — auch mit dem neuen „L Z. 129" wieder das Schauspiel der W e l t- reife eines deutschen Luftschiffes bieten wird. Die vielen Werkstättenfahrten, die das Luftschiff nach seiner Fertigstellung zu absolvieren hat, dienen neben der Prüfung der Fahrtüchtigkeit der wissenschaftlichen und technischen Festlegung dec Fahrtergebnisse.
Besuch in Friedrichshafen
Der größere Bruder des „Graf Zeppelin" hat seit dem letzten Besuch, den wir der Zeppelinwerft abftatte- ten erhebliche Fortschritte gemacht. Rein äußerlich ist davon wenig zu merken. Das kommt daher, daß das Gerippe bereits seit langem fertiggestellt und zusammenmontiert ist, während man sich jetzt den Präzisionsarbeiten widmet, die die Steuerung, Navigations- und Funkräume, die Aufenthaltsräume und Schlafkabinen für die Fahrgäste, der Rauchsalon und vieles andere bedingen. Wichtig ist die ungeheure Kleinarbeit, die die Bewegungsmöglichkeit des Schiffes aufs pünktlichste garantiert .und feine Manövrierfähigkeit so erhöht, daß mag von einer Fortentwicklung der bisher gemachten Er« fahrungen sprechen kann. Das Schiff ist jetzt so weiß fertiggestellt, daß man nach den Montagearbeiter? und dem Einbau der Del- und Wassertanks daran« gehen kann, die Motorengondeln anzubringen. Erst dann wird die Bespannung und damit das Luftschiff seinem äußeren Ansehen nach vollendet.
voll, wenn sie endgültig lösbar wäre. Gerade die hervorragenden Aufsätze des Heftes — neben den genannten sind hervorzuheben: Dr. Hans Dan» n e n b a u m , der Mitarbeiter von Professor Bute- nandt (Danzig-Langfuhr), „Die chemische Erforschung der Hormone", ein Apfsatz, der in anschaulichster Form die großen Schwierigkeiten und das Forscherglück bei diesen Untersuchungen miterleben läßt, und Dozent Dr. Walter Putschar (Göttingen) „Hormondrüsen", worin der Wert und die Unentbehrlichkeit der pathologischen Anatomie für die Erforschung dieser Lebenskräfte überzeugend dargestellt werden — sind durchweg von der Ganzheitsauffassung des Lebens und mit jener höchsten Bescheidenheit geschrieben, die den echten Forscher anaesichts der Wunder des Lebens befällt und die feiner Arbeit erst ihren letzten Wert gibt, und dazu mit jener Volksverbundenheit der heutigen Wissenschaft, die sie so vorteilhaft vom engen Spezialistentum hinter uns liegender Jahrzehnte unterscheidet. Wobei auch dieses eine wohl notwendige Etappe der Erkenntnis war. Gin» zelergebnisie der Aufsätze zu geben, ist hier weder unsere Absicht, noch wäre es möglich: wer dies vielleicht reizvollste, weil geheimnisvollste Gebiet der Biologie, also der Erforschung des Lebens kennen» lernen will, der lese das Heft selbst, das auf knappstem Raum eine schier erschöpfende Auskunft gibt.
nicht nur die Wirkung, sondern auch die Erzeugung der Hormone in hohem Maße abhängig ist von der Zufuhr der lebenswichtigen Vitamine in der Nahrung. Und noch über diese Erkenntnis hinaus führt uns die Feststellung von Dozent für organische Chemie Fritz M i cy e e l (Göttingen) „Die Vitamine", wonach das skorbutheilende bekannte Vitamin C sowohl aus der Pflanze als aus der Nebenniere dargestellt werden kann, ja bei den Ratten z. B. vom Körper selbst gebildet wird, hier also die Rolle eines Hormons nicht eines Vitamins spielt. Wo ist nun die Grenze?
Tatsächlich offenbart uns die enge ursächliche Zusammenarbeit des innersekretorischen Drüsenappa- rates einmal unter den Drüsen selbst, dann aber mit den Vitaminen die untrennbare Ganzheit des Lebensprozesses. Wir können heute, je nachdem, mit einem ödere mehreren Hormonen ober Vitaminen krankhafte Erscheinungen im Wachstum und im Funktionieren des Körpers und des Geistes günstig beeinflussen, ja oft heilen, aber das ganze Geheimnis dieser Zusammenhänge der Natur zu entreißen, wird niemals gelingen. Sonst wäre diese Aufgabe ja auch nicht so schön und unendlich reiz-
Es ist noch nicht so arg lange her — einiae Zeit vor dem Weltkrieg —, als der berühmte Alpinist, langjährige erste Meteorologe auf der Zugspitze und Naturforscher Enzensperger auf einer Insel der Antarktis an Beriberi erkrankte und starb. Einer seiner Expeditionskameraden schrieb damals, es sei unbeschreiblich traurig, daß „in dieser antarktisch reinen (also bazillenfreien) Luft, die nicht einmal den kleinsten Schnupfen aufkommen ließ", irgendwie, vielleicht durch Schiffbrüchige, ,chie Keime dieser entsetzlichen Seuche" auf dies weltabgeschiedene, bisher den Menschen noch kaum bekannte Eiland übertragen worden seien.
Dieser Satz beleuchtet schlagartig die Lage, in der sich die Medizin vor der Entdeckung der Vitamine befand. Zwar den Skorbut hatte man schon lange als eine sogenannte „Mangelkrankheit" erkannt, aber die noch gefährlichere Beriberi-Krankheit hielt man noch im 20. Jahrhundert für eine „Seuche", also für eine Infektionskrankheit. Erft allmählich stellte sich heraus, daß auch sie eine „M anaelkrankheit" ist: aber was bei diesen heute „Avitaminosen" genannten Krankheiten dem Körper eigentlich mangle, bas wußte man bei keiner dieser Erkrankungen.
Man kam nach unb nach barauf, baß die Nahrungsbestandteile, deren länger dauerndes Fehlen im menschlichen Organismus jene Mangelkrank- I heilen heroorrief, bestimmte Stoffe enthalten mühten, die mindestens in kleinen Mengen notwendig seien, um das menschliche Leben (vita) zu erhalten. Man nannte sie daher, noch ohne sie zu kennen, „Vitamine". Wie es dem Zusammenarbeiten der Pathologie, Physiologie und (physiologischen) Chemie in unendlich mühevoller Klein- unb Kleinstarbeit über ben Tierversuch zur Reindar- • stellung, ja zum synthetischen Aufbau vieler bieser sogenannten Vitamine gelungen ist, einen Teil ihrer Geheimnisse zu entschleiern, schildert in hervorragend anschaulicher Weise bas Septemberheft ber „S ü d - ibeutscheri Monatshefte" (München), betitelt „Neue Lebenskräfte".
Die Vitaminforschung ist aber nur die eine Seite bieser neuen Lebenskräfte, wobei „neu" nur • 'in dem Sinn gemeint ist, daß ihre Erkennung für •uns etwas Neues war und z. T. noch ist; ihr Vor- chandensein ahnte schon das Altertum. Die andere «ebenso wichtige Seite ist die Hormonsorschung, tbie ursprünglich Lebensstoffe grunbsätzlich anberer Art vor sich zu haben alaubte und erst durch die 'Forschungen hervorragender Gelehrter in den letzten Vahren in engste Verbindung mit den Vitaminen »gerückt wurde. Universitäts-Professor Dr. Wilhelm 'Stepp (München) sucht den Unterschied zwischen J)ormonen und Vitaminen in feinem Aufsatz „Neue Lebenskräfte" etwa folaendermaßen zu definieren: Witamine sind Stoffe, die im Pflanzenreich zum eigenen Zelleben der betreffenden Pflanze erzeugt werden, dann aber nach ihrer Aufnahme (als Mayrung) in den Tier- Und Menschenkörper mit iben Hormonen zusammen für die Regulierung der Lebensfunktionen verwendet werden; die Hormone Dagegen bildet der Tier-bzw. Menschen- ö ö r p e r selb st. Schon daß beide zusammen Die Regelung vollziehen, zeigt eine enge Verwandt- ßchaft; tatsächlich beziehen wir aber auch gar nicht olle Vitamine (ober deren „Vorprodukte", die dann Der Körper oft erst in Vitamine umwandelt, vergleiche das Carotin!) wirklich aus unserer pflanzlichen Nahrung, manche sind in bestimmten tierischen Organen, die wir verzehren, angereichert Kßebertran), es bliebe als unterscheidendes Merkmal nur noch, daß wir die Vitamine durch die Nahrung zu uns nehmen, die Hormone selbst bil- foen. Aber selbst dieser Unterschied ist nicht restlos llaufrechtzuerhalten: im „Leberstoff", der die perniziöse Anämie heilt, haben wir ein unmittelbares Zusammenwirken von Hormon und Vitamin vor uns, und Stepp kommt daher zu dem Schluß, daß
i. kesselt inwerein 2» rtstampf B n Austrag? i IugendtMi
gute akiil sä« rät mch-inZ it Die 4X1‘ 'für M
ib« ®trÄ ten. B-Ä ( freuiE
Die Weltausgabe des Luftschiffs.
In diesen Tagen vollendete, wie schon kurz berichtet, das Luftschiff „Graf Zeppelin" seine 10 0. Ozeanüberquerung. Im nächsten Jahre wird ein weiteres, noch größeres und vollkommeneres Zeppelin-Luftschiff „L. Z. 1 2 9", das jetzt kurz vor der Vollendung steht, das, was das Jubiläums-Luftschiff eingeleitet, weiter abrunden.
Rekord und Leistung kommen aus einer Quelle. Während das eine die Zusammdallung aller Kräfte bis zum äußersten darstellt, um einen Erfolg einmalig zu erzielen, ist das andere dis konsequente Durchführung eines Willens. Er übersteigt das Maß des Durchschnitts und bringt Ergebnisse zustande/! die in ihrer Fortbildung das Resultat eines Rekords weit hinter sich lassen. Auf diese Weise wird Vertrauen ausgelöst. Das Ansehen eines Unternehmens wächst mit dieser Entwicklung. Es öffnet mit der Zeit die Ventile, durch die die Leistung einzelner der Gesamtheit und damit dem Volk zugute kommen. Das Werk Graf Zeppelins war nach den ersten Erfolgen und Mißerfolgen bis Echter- dingen mehr ein privates Unternehmen. Erst das Unglück in Echterdingen, nach einer ausgezeichnet gelungenen Deutschlandfahrt, die beim Volk helle Begeisterung über das Werk gebracht hatte, hat es zum Allgemeingut des Volkes gemacht. Sechs Millionen Mark hat damals die Stiftung des deutschen Volkes an Graf Zeppelin betragen. Dieser Betrag hat es den Pionieren von Friedrichshafen ermöglicht, von nun an ein Werk auf die Beine zu stellen, das zum Allgemeingut des Volkes werden mußte. Heute ist Deutschland ohne dieses Werk deutschen Geistes und deutschen Erfinderschicksals nicht mehr zu denken. Es hat die Welt davon überzeugt, daß der Wille eines Volkes schließlich doch den Weg zum Herzen der Völker findet, die auf Leistung Wert legen. Was das Luft- schief „Graf Zeppelin" auf diesem Gebiet in den letzten fünf Jahren geleistet hat, ist vorerst nicht zu fassen. Es hat die Kontinente einander näher gerückt und auf diese Weise der künftigen Entwicklung und Anbahnung wirtschaftlicher Beziehungen Deutschlands nach Uebersee den Weg geebnet. Man hat daran gedacht, auf jeder Reiseroute
Gottfried Keiler besingt dos Luftschiff.
Der Dichter des „Grünen Heinrich" ist als einer der ersten für die künstlerische Schönheit der modernen Technik eingetreten und hat die Wunder des Luftschiffs schon zu einer Zeit besungen, als man ihre Verwirklichung noch nicht ahnte. Den Anlaß für den jungen Keller, als Vorkämpfer der Poesie der Technik und als Verherrlicher der Flugkunst aufzutreten, bot das Gedicht eines Zeitgenossen, der sich bitter über die Dampfmaschine und die Eisenbahnen beklagte und die Befürchtung aus- sprach, schließlich könne noch „das Fliegen, der unselige Traum" zur Wahrheit werden, so daß die Luftschiffe das Sonnenlicht verdunkeln würden und ch« klarem Himmel tzatt Les Regens Del auf die
Nase träufle. Keller trat 1845 in einer rasch berühmt gewordenen poetischen Entgegnung für die „Poesie des Dampfes" ein und brach damit die Bahn für ein besseres Verständnis des „Dampf- roffes", das man damals nur schüchtern mit dem „edlen Pferd" zu vergleichen wagte und das 1844 Karl Beck als „die Eisenschlange" bezeichnet, die die Schönheiten der Fluren begeifere. Die Poesie der Luftschiffahrt wurde erst viel später entdeckt. Wohl hat nach Keller H e y s e den Luftschiffer im Gedicht gefeiert, und Max Eyth widmete dem alten Traum vom Fliegen in feinem „Schneider von Ulm" 1906 einen Roman, in dem er das Andenken seines fliegenden Landsmanns Berblinger wieder auffrifchte. Aber Kellers wundervolle Vision aus dem Jahre 1845 ging bereits viel weiter, wenn er das Luftschiff schildert, das mit Griechenwein beladen und mit Kränzen geschmückt hoch durchs Morgenrot fährt. Begeistert ruft er aus: „Wer möchte da nicht Fährmann fein?" und schließt mit
Zeichen sein.
Mit angsterfüllter Seele klomm ich also die Zug- 'pitzbahndirektionstreppe empor. Schüchtern bat ich Die mich argwöhnisch musternde Maid um Meldung. Aber, obwohl ich über die Schwelle des „Aller- Heiligsten" stolpernd auf die Knie fiel, sah ich doch isogleich: In diesen Zügen wohnt kein Herz!
Ich zählte dem Gewaltigen all die Blätter her, 'für die ich schreiben wollte ... er sah gelangweilt auf mich nieder! Ich deutete auf den herrlich-blauen Himmel, er sagte: Nein! (und schaute gar nicht hin). Mit wahrer Essigmiene aber meinte er: Es täte ihm j>ib! (ich hörte nur bas Nein!). Er bebauerte mit wahrhaft tragischem Achselzucken ... (ich sah nur: »r wollte nicht!). Wütend gab ich ihm auf Bayrisch meine Geringschätzung zu verstehn — dies schien mehr Eindruck zu machen, denn ich war bedeutend schneller drunten als ich vorgehabt!
In meiner Wut vergaß ich die große Enttäuschung l'unb die vorausgezahlte Miete!), ich faßte einen an» Deren Plan! Drunten warteten meine Frau und Luischen, was unser Gast war „Wos ist?" fragte meine Getreue, „Nix is!" knurrte ich unb klopfte wir den Staub ab. Wir faßten nun eine regelrechte Wergbesteigung und im Speziellen den Krotten- Itopf ins Auge. „Also, auf geht's!"
Zeitschriften
— Das „Blatt der Hausfrau" (Verlag Ullstein, Berlin), das alle 14 Tage erscheinende Frauen- und Familienblatt, beginnt disser Tage seinen 50. Jahrgang. Es feiert damit ein Jubiläum, wie es nicht viele Zeitschriften erleben. Ein solches Alter bei einem solchen Blatt bürgt für einen reichen Schatz an Erfahrungen, mit denen es jeder jungen Frau Fehlschläge ersparen kann. Zum Jubiläum erschien ein besonders inhaltreiches Heft, das einen interessanten Querschnitt durch 5 Jahrzehnte deutschen Hausfrauen-Lebens bringt.
— Die „SHuftrirte Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) bringt in der neuesten Nummer anläßlich des 50. Todestages von Spitzweg einen Gedenk-Beitrag und einige seiner Bilder. Noch eines anderen großen Deutschen wird in der gleichen Nummer aedacht: des Philosophen Arthur Schopenhauer, dessen Todestag sich zum 75. Male jährte. — Ein reich illustrierter Beitrag berichtet über das „Väterkunde-Museum" in Bremen, dessen aufschlußreiche Sammlungen ein getreues Bild geben von der Entwicklung und der Kulturhöhe des nordischen Menschen. — Was die Mädchen heute alles lernen: Nähen, Säuglingspflege, Kochen — fa Häuser bauen, wenn es auch nur Papvhäuser für den Heimatunterricht sind, davon geben anschauliche Bildtafeln Zeugnis. — Vom Reichsparteitag füllt eine Auslese der schönsten Aufnahmen vier ganze Seiten.
Ein paar Holzfäller mit kurzen Aexten kreuzten den Weg. Der eine, ein großer, schwarzer Kerl funkelte mein Frauchen mit wilden, verliebten Blicken an — aber, die lächelte nur und frug ihn nach dem Weg. „Hergottsa--" meinte der ganz verdutzt mit schö
ner Offenheit — „i bin do froh, daß roieber Leit ins Gebirg femma, die wo ma achten ko!"
Nach langem Marsch erreichten wir endlich Vörde r r i ß, die Heimat des Dichters Ludwig Thoma, und übernachteten in demselben Försterhaus, das einst sein Vater bewohnte! — Der volle Mond hing hoch am Himmel und überglänzte die wilden Berge des nahen Oesterreich. Tief unten aber schäumte und rauschte die ungestüme Isar so Tag wie Nacht.
Der nächste Tag brachte die ersehnte Floßsahrt. Wie hatten wir uns drauf gefreut! Unsere Flößer waren derbe, kernige Gesellen von altem Schlag. Der Sepp, groß, blond, stark wie ein Baum. Neben ihm der Kiesersauer, schwarz wie die Tannen, zgh wie Arvenholz!
In sausender Fahrt ging's über schäumende Stromschnellen, dicht und haarscharf oft an gefährlichen Felsen vorbei ... dann wieder ruhig-gelassenes Gleiten auf sonniger Flut. Hoch empor fliegen starre Felswände, auf denen Gemsen ästen, mächtige Tannen ragten steilrecht empor — welch ein Tag!
Tölz glitt vorbei mit seinen herrlichen alten Häusern. Faltboote mit fröhlichen Menschen zogen vorüber — das ganze Leben schien ein sonniger, wirbelnder Strom ... Untiefen kamen, und unsere Flößer sprangen ins eiskalte Wasser, das ihnen oft bis an die Hüften reichte, hoben unb schoben ... und schon trieb unser Fahrzeug weiter den Strom hinab. Grünwald tauchte auf, das alte Schloß mit grauen Zinnen und Türmen, ^die mächtige Prücke von Großhesfeloh zog vorüber ... Und nun, die schäumende Fahrt den brausenden Wasserfall hinab. Menschen jubeln uns zu — pfeilschnell schießt das Floß in die alte Lände bei München. Wir sind am Ziel!
Ferdinand Bruger.
Bei schönstem Sonnenschein stiegen wir zur Ester- verg-Alm empor, das kostete manchen Schweißtrop- ren. Aber dort gab es frisches Bier vom Faß und M wlchr-s WMfti ftfl LerMiMromavLtk. Las Uü Lev


