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Aus -er Provinzialhaupisia-t

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Die deutsche Arbeitsfront n.9.=Gcmeinf(haftfiraft öurdi kreude

Tageskalender für Donnerstag: NSG.Kraft durch Freude": 16 bis 18 Uhr All­gemeine Körperschule auf dem Universitätssportplatz;

Urlaubszug nach München (Oktoberfest) vom 27. September bis 1. Oktober.

Die Fahrkarten zu dieser Fahrt können in den Dienststunden auf dem Büro, Schanzenstraße 18 II, Zimmer 8, abgeholt werden. Die Fahrt geht ab Hanau Hauptbahnhof 9.52 Uhr

Uraufführung im Stadttheater:Holzappel", ein lustiges Volksstück von H. Aug. Weber, am Sonntag, 6. Oktober, 20 Uhr, am Tag des Deutschen Bauern. Preise der Plätze sind: 70 Pf. bis 1,50 Mk. Kartenvorverkauf in den bekannten KdF.-Vorver­

wirken junge Geschlechter nach uns ... Und ihnen gehört die Zukunft ...

Vornotizen.

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Huntemann,Oberh-si. Tageszeitung . und Krels- bienftftelle, Schanzenstrahe 18.

Sportamt »Kraft durch Freude^.

heute folgende Kurse:

Allgemeine Körperschule: Von 16 bis 18 Uhr Universitätssportplatz am Kugelberg.

Reichs s portabzeichen: Don 18 bis 19.15 Uhr Universitätssportplatz.

Fröhliche Gymnastik und Spiele. Von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr nur für Frauen.

Reiten: Don 21 bis 22 Uhr Reitschule Schombs.

Achtung! Reue Sportkurse ab 1. Oktober!

Ab 1 Oktober beginnen neue Sportkurse aller Art, zu denen schon jetzt Anmeldungen aus dem Sportamt, Schanzenstr. 18, Telephon 2919 (Sprech­stunden vormittags von 8 bis 13 Uhr) abgegeben werden können Besonders für die Kurse Reiten, Schwimmen, Kleinkaliberschießen und Hallentennis ist baldige Anmeldung erforderlich, da nur eine be­schränkte Anzahl von Teilnehmern zugelassen wer­den kann. Außerdem bitten wir die Teilnehmer, die sich in die Liste für H a l l e n t e n n i s eingetragen haben, nochmals auf dem Sportamt zwecks Ein­teilung vorzusprechen.

Hitler-Jugend Bann 116 Gießen

Montags Sprechstunde des Bannführers von 912 und 26 Uhr. Der Bannführer hat diesen Sprechtag eingelegt, um den Junggenossen, Parteigenossen, den Eltern und Erziehern zur Aussprache und Beratung zur Verfügung zu stehen.

Beginn der Mnterspielzeil im Stadttheater.

18.15 bis 19.45 Uhr Reichssportabzeichen auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen im Lyzeum, Dammstrahe; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Amphitryon".

O»e Erntedankfestfeiern

der Gießener Ortsgruppen

Die Ortsgruppe Gieß en-Süd beteiligt sich, wie wir bereits berichtet haben, am 6. Oktober an der Erntedankfestfeier in Lang-Göns.

Die Partei- und Volksgenossen der Ortsgruppe Gießen-Mitte vereinigen sich mit den Volks­genossen von Geilshausen zu der gemeinsamen Feier. Hin- und Rückfahrt mittels Sonderzugs, Ab­fahrt in Gießen zwischen 12 Uhr und 12.30 Uhr, Rückfahrt etwa 22 Uhr; Fahrpreis Hin- und Rück­fahrt zusammen 90 Pfennig.

Die Ortsgruppe Gießen-Nord fährt nut ihren Partei- und Volksgenossen nach Großen- Linden zur gemeinsamen Feier. Der Sonderzug fährt zwischen 13.30 Uhr und 14 Uhr ab, die Rück­fahrt erfolgt um 22 Uhr. Fahrpreis hin und zuruck etwa 30 Pfennig.

Die Ortsgruppe Gießen - Ost besucht die Ge­meinde Großen-Buseck. Abfahrt des Sonder­zugs in Gießen gegen 14 Uhr, unter Umständen kann auch an der Haltestelle Licher Straße ein- und ausgestiegen werden. Rückfahrt Legen 22 Uhr. Fahr­preis hin und zurück etwa 40 Pfennig.

Altweibersommer

Der schöne alte NameAltweibersommer" kam mir in den Sinn, als ich vor einigen 2-a9en im Son­nenschein wandelte. Ich schaute die späte Schönheit, die noch in allen Farben brannte, und es war mir, als ob auf der großen, breiten Waldwieie, über die ich schritt, zahlreiche Gestalten zwischen den Herbst­zeitlosen wanderten. Das waren wohl die Crmne- rungen an den vergangenen Sommer ... Wie ein schattenhafter Reigen tauchten die Gestalten auf und verschwanden wieder, als ich den Wald erreichte.

Das Schönste aber brachte mir dieser Sonnentag ganz zuletzt: In dem Vorgarten eines abseits stehen­den Hauses des Dörfchens saß eine alte, weißhaarige Frau und hatte einen Kinderwagen vor sich stehen, in dem ein Zwillingspaar, kaum einige Monate alt, lag. Die Kleinen krähten und strampelten mit ihren dicken Beinchen, und die alte Frau faß im Sonnen­schein mit glücklichem Lächeln dabei.

Bei einer solchen Begegnung muß man stehen- bleiben. Das sieht man nicht alle Tage. Hier be­rührten sich Vergangenheit und Zukunft, denn zwi­schen der Urgroßmutter und den Zwillingen lagen über achtzig Jahre! o..< ,

Und wer kennt nicht das gütige, glückliche Lächeln, das auf dem gefurchten Gesicht unserer alten Frauen wie Sonnenstrahlen leuchtet? Es gibt nichts Schone- res als dieses Lächeln silberhaariger Frauen.

Still und gütig wie dieser Altweibersommer saß sie ba und schaute dem Treiben der Kleinen zu. Was war eigentlich anziehender, dieses Frauenlächeln oder die jauchzende Freude der Zwillinge?

Lange, lange schaute ick zu, unterhielt mich und ging dann hüt glücklichen Augen meines Weges.

Was mag die alte Frau beim Anblick dieses schönen Tages, vielleicht des letzten des Sommers, vielleicht des letzten Sommertages in ihrem Leben, gedacht haben? Voll Stolz und Zuversicht hütete sie die beiden Bübchen und fühlte dabei auch wohl un­bewußt: Hier berühren sich Vergangenheit und Zu­kunft. Auch wenn wir wie der scheidende <5om= mer von dieser Welt gehen, bann leben und

sein Orter glaubten scyon unter oie rnaoat ner liefen" zu fallen, als die Führerscheine von 12 Fliegern verlangt wurden, denn es war bekannt, daß bei Punktgleichheit der jüngere Flieger bevor- zugt war. Wie groß aber war Sie Freude für den Gießener Piloten und seinen Orter, als dann end­lich die Ergebnisse bekanntgemacht mürben und an erster Stelle der Erbprinz S o l m s - L i ch und sein Orter H. W. Storp genannt würben. Mit wo von 800 erreichbaren Punkten wurde den beiden Fliegern der Preis des Reichsstatthalters von Epp eine Plakette und eine wertvolle Film­kamera zugesprochen.

In seinen Schlußworten gab der Redner noch einig- Ausblicke auf die Arbeit in der Fli-ger°rts. aruppe Gießen unb betonte, baß es für ihn eine große Freude fein würde, wenn es eines Tages möglich wäre, einen ausgebildeten Orter aus den Reihen der Gießener Kameraden bet spateren Wettbewerben im Flugzeug zu haben. Die inter­essanten Ausführungen des Redners wurden mit herzlichem Beifall ausgenommen.

Nachdem Bürgermeister Dr. Hamm noch die Glückwünsche des Herrn Oberbürgermeisters über- bracht und seiner Freude darüber Ausdruckgegeben hatte daß der Name unserer Stadt erneut und in rühmlichstem Sinne in Deutschland genannt und in die Welt hinausgetragen werde, fand der manisch verlaufene Abend seinen Abschluß.

oxanrenb die anderen Prüfungen der Orter Storp, mit dem der Erbprinz bereits den Deutschlandflug bestritten hatte, bewerkstelligte.

Der Abwurf der Meldebeutel mußte aus gering­ster Höhe erfolgen, gestaltete sich aber infolge der hohen Geschwindigkeit der Flugzeuge sebr schwierig. Die Freude war um so größer, als der Abwurf gelungen war. Mit freudigem Händeklatschen mel­dete der Orter den Erfolg. r , .

Bei dem Flug über den Wendelstein bot sich den Fliegern ein lustiges Bild. Diele Bergkraxler sahen hoch oben, um den Flug zu beobachten. Rittlings saßen viele auf den scharfen Graten in luftiger Höhe. Fast mußten die Flieger daraus achten, daß sie keinen der kühnen Kletterer von der Höhe war­fen. lieber Hohenaschau und Schliersee gelangten die Flieger über Rosenheim nach dem Zwischenlande­platz Prien, der auch das Ziel darstellte. Nach ein­genommener Stärkung und nach einer Ruhepause wurde der Flug fortgesetzt, der in seinem Zweiten Teil weniger Aufgaben brachte. Nach dem Abschluß des Wettbewerbs wurde amLandeplatz überall eifrig die Frage diskutiert:Wer hat's geschafft?"

In München traf man sich bann zur PrelSver- teilung und zur Siegesfeier. Auch hier war die Frage: Wer ist der Sieger? Die Ergebnisse wa­ren noch nicht da! Es dauerte lange, und feder der Flieger druckste herum, erwog mit sich selbst und anderen die Chance auf Sieg. Der Erbprinz und

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Nur wenige Tage trennen uns noch von der Er­öffnung der Winterspielzeit, die den Theaterbe­suchern eine außerordentlich reichhaltige Abwechslung und mannigfache Vielgestaltigkeit eines sorgsam aufgestellten Spielplans bringen wird. Der m seiner Eigenart charakteristische Spielplan in der Art der Auswahl der zur Aufführung kommenden Werke in bezug auf die persönliche Note des Ensembles hat die volle Anerkennung des Reichs- Propagandaministeriums und des Reichsdramatur­gen gefunden. Am 1. Oktober beainnt die Winter­spielzeit mit der feierlichen Eröffnungsvorstellung. Das städtische Orchester spielt unter der Führung von Kapellmeister Paul Walter die Ouvertüre zuCvriolan" von Beethoven. Dann wird der neue Intendant Hermann S ch u l tz e - G r i e s- heim zu einer kurzen Ansprache das Wort er­greifen. Anschließend kommt in neuer Inszenierung unter der Spielleitung des Intendanten das Schau­spiel:Der Prinz von Homburg" zur Aufführung. Als nächste Ausführungen sieht der Spielplan die Erstaufführung des LustspielsHau-ruck!" von Dulpius und Roberts vor, während in Mozarts komischer OperCosi fan tutte" erstmalig die neu­verpflichteten Gesangskräfte sick vorstellen. Am 6. Oktober findet in Gegenwart des Dichters H. A. Weber bereits die erste Uraufführung statt, das VolksstückHolzappel".

Die Militärdienstzeit der Scdulamtsanwärter

Die Landesregierung Abteilung II hat den Kreis- und Stadtschulämtern folgendes mitgeteilt:

Anwärter im Vorbereitungsdienst, die demnächst zur Ableistung ihrer einjährigen Militärdienstzeit eingezogen werden, müssen ein Gesuch um Beur­laubung aus dem Vorbereitungsdienst vorlegen. Durch die Zugehörigkeit zum Heere verlängert sich der Vorbereitungsdienst automatisch um 1 Jahr, d. h. die Staatsprüfung kann erst 1 Jahr später abgelegt werden.

Eine Benachteiligung dieser Anwärter gegenüber denen, die nicht zum Heeresdienst eingezogen wer­den, tritt hierdurch nicht ein, da die aktive Militär-

Deutschland rüstet zum Erntedanktag «w 6. Oktober an dem sich das Bauerntum auf dem Buckeberg bei Hameln verfammeln wird. An diesem Tage werden 16 Millionen Erntesträußchen verkauft, deren Her« stellung 10 000 Volksgenossen im Obererzgebirg« Arbeit und Brot gegeben hat. (Scherl-Bilderdienst.)

dienstzeit demnächst ganz auf das Anwärterdiensb alter angerechnet wird.

Sie wollen das weiter Erforderliche veranlassen.

Oie Tilgung der Ehestandsdarlehen wird erleichtert.

Ndz. Die Tilgung der Ehestandsdarlehen mal bisher so geregelt, daß 1 v.H. des ursprünglichen Darlehensbetrages auch dann je Monat zu tilgen war, wenn die Gesamtsumme sich durch die Abzug« für ein oder mehrere Kinder bereits wesentlich Der« ringert hatte. Bei einem Darlehen von beispiels­weise 600 Mark blieb also auch dann der Tilgungs. betrag auf 6 Reichsmark im Monat, wenn nach dem ersten Kinde die Gesamtsumme um die vorgesehenen 25 Prozent auf 450 Mark gesenkt worden war. Der Reichsfinanzminister wird nun, wie das Ndz. mel­det, in den nächsten Tagen durch Erlaß an die Finanzämter eine Erleichterung der Tilgung an­ordnen. Es soll danach in Zukunft der Tilgunas- betrag nur noch 1 v. H. der Summe betragen, die nach Abzug der Erlaßbeträge für Kinder von dem ursprünglichen Darlehen noch übrig geblieben ist. Dadurch wird die Gesamttilgunaszeit hinausgescho- ,ben, gleichzeitig aber auch ein Anreiz zu größerer Kinderzahl gegeben; denn es bleibt nun infolge der verlangsamten Tilgung für eine längere Reihe von Jahren ein fühlbarer Darlehensrest zur Abtragung zurück, der sich durch neuen Kindersegen ebenso fühl­bar vermindert. Nach Inkrafttreten der Neurege­lung, deren Termin bisher noch nicht feststeht, wird also das Verfahren so sein, daß nach dem Nachlaß von 25 v. H. für jedes Kind die Tilgung auf 1 Jahr ausgesetzt und dann der Tilgungsbetrag mit 1 v. H. vom verbliebenen Darlehensrest berechnet roirA Für die folgenden Kinder haben die Ehepaare bann Aussicht auf größere Erlasse, weil ja der Darlehens- rest infolge der verlangsamten Tilgung größer bleibt.

Oie Kampfspiele der hessischen Schu'-n.

Die Landesregierung Abteilung II hat an die Direktiosten der höheren Schulen und die Kreis- und Stadtschulämter folgende Verfügung erlassen:

A. Kurz vor dem Abschluß der Mannschaftswett­kämpfe und -spiele, die die Sommerarbeit bestimm-

Vornan von Anny von panhuys

Urheberrechtsschutz Aufwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

1. Fortsetzung Nachdruck verboten!

Er hob sein Gesicht, das der Frau um viele Jahre gealtert schien und antwortete fast heftig: Wozu sollte das Unsinnigste, was je auf Erden geschah, gut fein?" Seine Stimme bebte heftig. Wir liebten uns Wally und ich, wir liebten uns von ganzem Herzen. Wir standen dicht vor der Hochzeit und freuten uns auf das Glück der Verei­nigung. Da griff das Schicksal hinterhältig und gemein ein. Gönnte uns beiden nicht einmal einen Abschied." Er erhob sich langsam von den Knien. Mutter, wie ich mich an den Gedanken gewöhnen werde, daß Wally nie mehr hier zur Tür herein kommen wird, mich nie mehr anlächeln und nie mehr: ,Du lieber dummer Gerhard!' zu mir sagen kann, wie fies tat, wenn ich ein bißchen eifersüch­tig war, weil ihre Schönheit auch anderen Män­nern gefiel, das ist mir ein Rätsel. Hätte ich nur mit ihr im gleichen Auto gesessen, läge ich jetzt nur auch kalt und tot neben ihr, dann hätten wir doch zusammen den dunklen Weg beschritten, bann"

Seine Mutter unterbrach ihn durch eine Hand­bewegung.

Ganz leise sagte sie:Denkst du denn gar nicht mehr an mich, Gerhard? Bin ich ausgelöscht, weil die arme Wally so jäh sterben mußte? Ich habe dich doch auch lieb."

Sie nahm seinen Kopf in beide Hände unb zog ihn zu sich nieber, küßte ben Sohn.

Mein armer Junge, ich verstehe unb weiß, bein Schmerz ist so übergroß, aber auch ich leibe, auch ich habe Wally lieb gehabt. Sie war doch mein Töch­terchen von ihrem zwölften Jahre an. Wollen zusammen trauern um sie und uns zusammen trösten, aber tue nichts, wodurch du mich unglück­lich und einsam machen würdest fürs ganze. Leben."

Die letzten Worte klangen ganz erstickt und große Tränen liefen der um den Sohn bangenden Frau über das Gesicht.

Gerhard Diendorf holte Atem, ganz langsam und tief wie man es tut, wenn man sich gewaltsam zur Ruhe zwingen will.

Er versprach:Ich werde nichts tun, was dir neuen Kummer bereiten könnte, Mutter, ich hab dich doch auch lieb."

Er führte sie zu einem Sessel und drückte sie sanft darauf nieder. Er aber blieb stehen.

Mutter, ich habe jetzt sehr viel zu tun unb du auch, unser Liebling muß ja zur letzten Ruhe ge­bracht werben. Und du willst sie auch sicher noch

einmal sehen. Sie sieht wundervoll aus im Tob, als ob sie schliefe. Wie eine schöne Statue."

Seine Stimme verlor an Festigkeit unb wie ein Schrei brach es von seinen Lippen:Warum mußte das geschehen, Mutter, warum?"

3. Kapitel.

Der Fremde am Grad.

Wally Walb war mit großem Gefolge zu Grabe geleitet worben. Frau Dienbors und ihr Sohn hat­ten zahlreiche Freunde und Bekannte und Wally viele Freundinnen. Die Nachricht von ihrem so plötzlichen Tod hatte Aufsehen erregt und da auch die meisten Blätter etwas darüber gebracht, daß die wunderschöne Wally Walb, die Pflegetochter und Verlobte des bekannten Arztes Dr. Diendorf, auf dem Weg zu ihrer Schneiderin einem Auto­unfall zum Opfer gefallen, fanden sich auch eine Menge von Neugierigen auf dem Kirchhof ein. Leute, die nichts zu tun haben ober ihre Arbeit im Stich lassen, um große Beerbigungen wie ein Schauspiel zu genießen.

Das Trauergefolge verließ langsam den Kirchhof. Draußen warteten ein paar Dutzend Autos. Die schwarzgekleideten Damen verschwanden darin, Her­ren im Zylinder folgten.

Auch Dr. Diendorf mit feiner Mutter fliegen in ein Auto, doch unterwegs, nach ungefähr einer Viertelstunde Fahrt, ließ der junge Arzt halten, bat:Nimm es mir nicht übel, Mutter, wenn ich dich jetzt allein lasse.

Ich muh nur noch einmal zurück zu Wally, ich muß ein Viertelstündchen ganz allein an ihrem Grabe stehen. Dessen bedarf ich, es wird mich ru­higer machen. Ich möchte ein wenig mit ihr allein sein, Mutter, nur ganz kurze Zeit. Verstehst du mich, Mutter?"

Frau Diendorf neigte den Kopf.

Ja, Gerhard, ich verstehe dich."

Gerhard Diendorf winkte eine Taxe heran, nannte, ehe er einstieg, sein Ziel.

Er sehnte sich fieberhaft und stark danach, ganz allein am frischen Grabe der Geliebten zu verwei­len unb geheime Zwiesprache mit ihr au halten, bie er über alles geliebt, die er nie vergessen würde, niemals und der er Treue bewahren wollte bis er ihr einst nachfolgen mußte.

Die Taxe hielt schon. Er stieg aus, bat den Chauffeur zu warten und ging mit schnellen Schritten durch die Gräberstraßen, wunderte sich fast, mit welcher Sicherheit er sich hier schon zu­rechtfand.

Jetzt fand sein Auge das Grab. Hell leuchtete der gelbliche Sand unter den vielen Kränzen her­vor. Plötzlich durchfuhr es ihn wie ein elektrischer Schlag, denn neben dem ftischen Hügel stand ein sehr großer eleganter Herr, unb obwohl er ihm den Rücken wandte, erkannte Gerhard Diendorf doch, daß der Herr sehr erschüttert schien.

Er verhielt den Schritt und jäher Zorn lohte in ihm hoch. Was fiel dem Menschen ein, so zu tun, als besäße er ein Recht sich hier aufzuhalten, ein Recht, auf das doch nur er allein Anspruch erheben durfte. Er, der Verlobte Wallys, er, den sie geliebt.

Mit zwei lautlosen Schritten, die Sprüngen glichen, erreichte er das frische Grab, stand vor dem anderen, der erschreckt aufschaute. Gerhard Diendorf sah in ein völlig fremdes Gesicht, in ein dunkelgetöntes Männergesicht, das fast eckig schien vor lauter Herbheit mit der scharf vorspringenden Nase, dem trotzigen Kinn.

Tiefbraune, fast schwarze Augen sahen ihn an und es entging Gerhard Diendorf nicht, daß Tränen in den Augen des Fremden schimmerten.

Das gab den Ausschlag, das trieb Gerhard Dien­dorf das Blut in die Wangen.

Er stieß maßlos erregt hervor:Ich glaube, Herr, Sie stehen an einem falschen Grabe, denn hier liegt meine Verlobte und ich verlange, daß Sie sofort hier weggehen. Ein Fremder hat hier nichts zu suchen."

Der andere sah mit einem Mal erschreckend fahl aus. Es war, als würde das Blut in seinem Ge­sicht grau unter der bräunlichen Haut.

Scharf gab er zurück:Ich glaube, es ist besser, nicht genau zu untersuchen, wer von uns beiden mehr Rechte besitzt, an diesem Grab zu stehen."

In seinen Augen war ein böses Licht, es schien fast, als wollte er die Rechte erheben zum Schlage.

Wer sind Sie?" fragte Gerhard Diendorf.

Der andere zuckte die Achseln.Es ist vielleicht richtiger. Sie erfahren das nicht."

Schon hatte er sich abgewandt und ging schnell davon, verschwand hinter dem kapellenähnlichen Erbbegräbnis an der Wegbiegung.

Gerhard Diendorf war wie gelähmt, er machte keinen Versuch, ihn zu verfolgen. Seine Füße wur­zelten am Boden, obwohl er zwingend fühlte, er durfte den Fremden nicht weglaufen lassen.

Er stand nun allein, blickte auf den Hügel nie­der und dabei schwand sein Zorn, seine Empörung, er begriff die Szene von eben nicht mehr. Wie ein Traum erschien sie ihm, unwirklich wie ein tol­ler Spuk.

Gerhard Diendorf atmete leichter. Wally war ja so wunderschön gewesen und der Fremde mochte ein Mensch fein, der sich in sie verliebt, von dessen Existenz sie aber wahrscheinlich kaum etwas geahnt. Und feine dreiste und kränkende Bemerkung, es wäre vielleicht besser, nicht zu untersuchen, wer von ihnen beiden mehr Rechte besäße an Wallys Grab zu stehen, durfte er gar nicht genau nehmen. Er lächelte. Es war zwar ein Lächeln voll unendlicher Traurigkeit, aber es war ein Lächeln. Wally war sein Lieb gewesen, er hatte Wally im Arm ge­halten und geküßt, er hatte dicht vor der Hochzeit mit ihr gestanden. Ihn hatte sie wiedergeliebt und der ander« war nur ein ganz armer Narr.

Er schaute auf die vielen Kränze nieder und ihm war es, als könne er durch das Grün und die Blumen und den Sand Wally im weißen Braut­kleid im Sarge liegen sehen.

O, warum hatte das Furchtbare geschehen müssen, warum?

Ein leiser Wind zog über den Friedhof und es war dem erregten Manne, als streiche eine sanfte Hand 'über sein Gesicht. Wallys Hand. Sein Atem ging hörbar und er fuhr mit dem Taschentuch über die Augen. Sie brannten so sehr, sie schmerz­ten. Wally war tot, Wally würde nie, niemals mehr wiederkommen und das Leben war für ihn viel­leicht noch sehr lang. Er fürchtete sich vor einem langen Leben, weil sie ihn verlassen, die seine Weg- begleiterin hatte werden sollen.

4. Kapitel.

Ein Bries der Toten.

Ein paar Tage vergingen. Gerhard Diendorf hatte den Fremden fast vergessen, in seinem Ge­dächtnis war die seltsame Begegnung auf dein Friedhof nur als unwichtige Episode hasten gt* blieben.

Er saß in seinem Arbeitszimmer, es war dicht vor der Sprechstunde, als es klopfte. Das Mäd­chen trat ein.Herr Doktor, die Schneiderin, Frau Hahn, ist draußen und wünscht Sie zu sprechen.

Ich lasse bitten," war die kurze Antwort.

Frau Hahn trat gleich darauf ein.

Verzeihung, Herr Doktor, ich wollte eigentlich ZU Ihrer Frau Mutter, doch da sie nicht zu Hause ist, möchte ich Ihnen das hier abliefern."

Sie hielt ein Köfferchen mit der Hand hoch.

Er schwieg und sah sie nur fragend an.

Sie erklärte:Einen Tag vor ihrem Tode brachte nämlich Fräulein Walb den Koffer zu mir und sagte, es befänden sich allerlei Kleinigkeiten darin, die sie für die Hochzeit zusammengekauft. Ich sollte ihn einen Tag aufheben, weil sie noch Besorgungen zu machen hätte und sich nicht damit herumschlep' pen wollte. Nun ist Fräulein Walb tot und das Köfferchen gehört in die Hände Frau Diendorfs oder in Ihre Hände." Sie murmelte:Ich bebaute, Herr Doktor, wenn ich Sie nun wieder sehr an das Schreckliche erinnert t)abe, aber es war meine Pflicht, den mir anoertrauten Gegenstand persönlich zu bringen." Sie zog leicht die Schultern hoch. ist ja möglich, es befinden sich Werte darin, jeden­falls mochte ich niemand damit herschicken."

Sie stellte den kleinen Koffer auf einen Stuhl, meinte, von seinem Schweigen irritiert:Ich nicht länger stören, Herr Doktor, auch wartet ZU Hause eine Kundin auf mich."

Gerhard Diendorf murmelte einen Dank und ge­leitete Frau Hahn zur Tür. Es war, als täte ihm das Herz weher, feit die Frau Wallys Namen g** nannt

(Fortsetzung folgt!)