Nr. 225 Zweites Blaff
GietzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Dberhesien) Donnerstag, 26. September (935
see und dann nach Lenggries und Gmund am Tegernsee. Hier wartete der Flieger eine der schwie-
Zur allgemeinen Freude ergriff dann
Hermann Otto Erbprinz zu SolmS-Lich das Wort und schilderte das Erlebnis seines Alpenfluges.
Der Alpenflug hat, so erzählt er u. a., allen Teilnehmern gezeigt, daß die fliegerische Disziplin gewachsen ist. Oft waren viele Flugzeuge auf kleinem Raum in der Luft, ohne daß ein Unfall passierte. Aeußerste Disziplin wurde von den Fliegern im Wettbewerb verlangt. Die stets nahe Grenze durfte unter keinen Umständen überflogen werden. Es galt schwierige Aufgaben zu lösen: Sichtzeichen zu erkennen und in Meldekarten einzutragen, Meldun-
Erbprinz zu Solms-Lich schildert seinen Zuhörern an Hand einer Karte die Route des Alpenfluges 1935. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Erbprinz zu Golms-Lich erzählt vom Alpenflug 1935
Kameradschastsabend der Fliegerortsgruppe Gießen.
Sichtzeichen durften nur einmal angeflogen werden. Rur eines forderte der Wettbewerb diesmal nicht: Geschwindigkeit! Dadurch war es den Fliegern auch möglich, die Herrlichkeit der Alpen zu genießen.
Startplatz war, so erzählte der Flieger weiter, Kempten. In Abständen von je IV2 Minuten zogen die einzelnen Maschinen, 138 an der Zahl, los. lieber Füssen und das Ammergebirge mußte Oberammergau überflogen werden. Dort war auch das erste Sichtzeichen zu erkennen und einzutragen. An manchem steilen Hang galt es emporzufliegen. Der Flug führte von Oberammergau weiter über das Wankhaus, auf Mittenwald zu, über den Walchen-
Die Fliegerortsgruppe Gießen vereinigte am gestrigen Mittwochabend Kameraden und Gäste zu einem Kameradschaftsabend, der aus Anlaß des Sieges des'Erbprinzen zu Solms-Lich beim Deutschen Alpenflug 1935 abgehalten wurde. Für die Kreisleitung der NSDAP, war der stellvertretende Kreisleiter Hopfenmüller anwesend, für die Stadt Gießen Bürgermeister Dr. Hamm, für die Standarte 116 Obersturmbannführer Münker, Polizeidirektor Meusel war auch anwesend. Im Laufe des Abends erschien auch der frühere Unter-- gruppenführer Graf Solms-Laubach.
Oberregierungsrat Dr Schönhal« der Führer der Ortsgruppe Gießen des Luftsportoerbandes, gab zunächst seiner großen Freude darüber Ausdruck, daß es einem Mitglied der Gießener Ortsgruppe gelungen ist, den ersten Sieg im Alpenflua zu erringen.
Dann sprach er von der fliegerischen Tätigkeit im Flughafen Gießen, erinnerte an die in vergangenen Jahren regere Verkehrsfliegerei, dann an die organisatorischen Maßnahmen, die den Flugbetrieb in unserem Flughafen in ruhigere Bahnen lenkten, er erinnerte aber auch an schöne Erfolge, die Gießener Segel- und Motorflieger in der Rhön bzw. bei anderen Wettbewerben erringen konnten. Die erzielten Erfolge seien immer Beweis dafür gewesen, daß in der Ortsgruppe Gießen eifrig gearbeitet wurde. Der Sieg des Erbprinzen beim Alpenflug stelle eine Krönung dieser Arbeit dar. Oberregierungsrat Dr. Schönhals beglückwünschte nunmehr den Sieger des Alpenfluges im Namen der Fliegerortsgruppe und gab der Hoffnung Ausdruck, daß ihm der Sieg ein Ansporn zu weiteren großen Leistungen fein möge. In seinen weiteren Worten schilderte Oberregierungsrat Schönhals die Entwicklung der deutschen Fliegerei nach dem Kriege, erinnerte an die Beschränkungen, die uns auferlegt waren, bis uns der Führer mit der Wehrhoheit die nationale Ehre wiedergab. Mit einem Aufruf an die Kameraden der Fliegerortsgruppe, den fliegerischen Geist eines Jmmelmann und eines B 0 e l ck e hochzuhalten und weiterzugeben an die Jugend, und mit dem Aufruf, mitzuhelfen, daß „das deutsche Volk ein Volk! von Fliegern werde", schloß der Redner feine Ansprache. Lebhaft stimmten die Teilnehmer des Abends in das dreifache Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler ein.
aen abzugeben, Meldebeutel auf kleine Flächen (9X9 Tegernsee. Hier wartete der Flieger eine der schwie- Meter, 30X30 Meter, 60X60 Meter) abzuwerfen, «rigsten Prüfungen: der Abwurf des Meldebeutels, Zeiten festzuhalten und große Höhen zu überwinden. | den der Flugzeugführer selbst übernommen hatte.
Am Eingang zum Laubacher Schloß.
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
August R 0 e s ch e n (gestorben 1930), einem rührigen Lehrer des ehemaligen „Fridericianum".
Als der Stammvater der alten Solms-Laubachi- schen Linie Graf Friedrich Magnus (1544), der zu Luthers Freund Melanchthon in nahen Beziehungen stand, zur Regierung gelangt war, erwarb er sich besondere Verdienste durch die Gründung einer Lateinschule im Jahre 1555. Ihre Blüte fällt in die zweite Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts, und zwar unter dem Rektorat von Magister Philipp P i st 0 r i u s (1592—1599). Die Zahl der Schüler war bis auf 104 gestiegen. Selbst aus den Städten Frankfurt, Wiesbaden, Marburg, Grün- berg, Ufingen, Butzbach und vielen anderen finden wir in dieser Lehranstalt eine stattliche Anzahl von Schülern. Noch im ersten Jahrzehnt des siebzehnten Jahrhunderts kann man den blühenden Zustand der Schule feststellen. Bald aber brachen schwere Zeiten über Laubach herein. Die Pest in den Jahren 1611 und 1613 sowie der Ausbruch des 30jäh- rigen Krieges verursachten für uojer Städtchen die fdjlimmften Verheerungen und verderblichsten Folgen. Fremde Kriegsscharen brachen herein und hausten entsetzlich. Auf lange Heit wurde der Wohlstand untergraben. Auch die Lateinschule litt unter dem schweren DruS dieser Drangsale. Der Unterricht blieb längere Zeit unterbrochen. Unter der Regierung des Grafen Friedrich Ernst (1696 bis 1723) nahm die Lateinschule wieder einen Aufschwung. Der Unterricht gestaltete sich mannigfaltiger. Ein neues Schulhaus wurde gebaut und eine vierte Lehrerstelle errichtet. Die schweren Zeitverhältnisse des 18. Jahrhunderts bewirkten jedoch den Verfall der alten Lateinschule, die allmählich in eine Elementarschule überging. Im Jahre 1791 verschwand
Die Lateinschule und das Gymnasium „Fridericianum" zu Laubach.
Zur WiedersehenSfeiel der „Fridericianer" am 28. und 29. September.
* ßaubad), 25. Sept. Wenn in diesen Tagen anläßlich der bevorstehenden Wiedersehensfeier Der ehemaligen „Fridericianer" im Städtchen wieder viel von der schönen Zeit des Laubacher Gymnasiums gesprochen wird, so wird es doch manchen interessieren, auch etwas von der Geschichte dieser Lehranstalt und ihrer Vorgängerin, der alten Lateinschule, zu hören. Diesen geschichtlichen Rückblick verdanken wir unserem verehrten Professor Dr.
nun auch die lateinische Klasse, der letzte Rest der altehrwürdigen Melanchthonschule. Mit dem alten Deutschen Reich war die Lateinschule zu Grabe getragen worden.
Mit der Errichtung des neuen Deutschen Reiches wurde die Lateinschule in neuer Gestalt wiederbelebt. In Gemeinschaft mit der Stadtverwaltung begründete Friedrich Graf zu Solms- Laubach, der sich bei seinen historischen Studien im gräflichen Archiv in die Geschichte der Laubacher Lateinschule vertieft hatte, im Herbst 1875 ein Progymnasium, das sich, ebenso wie die Stadt, infolge der lebhaft angeregten Bautätigkeit gedeihlich entwickelte. Im Jahre 1880 wurde die Lehranstalt, deren Schülerzahl in diesem Jahre die Zahl 153 erreichte, zu einem Vollgymnasium ausgebaut. Am 22. März desselben Jahres entließ das Gymnasium „Fridericianum" seine ersten Abiturienten zur Universität. Durch Verstaatlichung des Gymnasiums im Jahre 1890 wurde die Entwicklung wesentlich ge
fördert. Nachdem Direktor Ritsert im Jahre 1894 in den Ruhestand versetzt worden war, erreichte das Gymnasium unter den tüchtigen Direktoren Dr. Windhaus und Dr. Hensel! seine höchste Blütezeit. Den Höhepunkt erreichte das „Fridericianum" im Jahre 1898, wo es 191 Schüler zählte. Gar mancher junge Mann, der in der Großstadt entgleist war, wurde hier in dem idyllischen, waldumrauschten Städtchen wieder in das richtige Fahrwasser gebracht, lernte arbeiten und wurde zum nützlichen Glied des deutschen Volkes vor- gebildet. Die alten Lehrer des Gymnasiums dürfen für sich in Anspruch nehmen, daß sie durch ihre treue Arbeit an den Schülern manches bekümmerte Daterherz beruhigt und manche heiße Mutterträne getrocknet haben. Für das Städtchen aber und für die weitere Umgegend bedeutete das „Fridericianum" eine wichtige Bildungszentrale. Seit dem Jahre 1899, unter der Direktion Balfer (1899 bis 1905), begann das Gymnasium zurückzugehen. Am Schluffe des Schuljahres 1904/05 war die Schülerzahl schon auf 91 gesunken. Den Direktoren Baur und insbesondere Müller gelang es noch einmal, die Schülerzahl über 100 zu heben, wozu nicht zuletzt auch die Eröffnung des evangelischen Alumnats an Ostern 1910, in dem über 20 auswärtige Gymnasiasten Aufnahme fanden, beigetra- gen hat. Mitten im Aufblühen brach der Weltkrieg aus. Die meisten Schüler der drei oberen Klassen
eilten freiwillig zu den Fahnen, und viele opferten ihr junges Herzblut für das Vaterland. Am Ende des Krieges war das Vertrauen der Bevölkerung zur Anstalt geschwunden, die feit August 1914 von dem letzten Direktor Henk geleitet wurde. Die schwierigen Verhältnisse der Nachkriegsjahre konnten den Verfall nicht aufhalten, zumal in dieser Zeit zur Erhaltung des Gymnasiums keine Schritte unternommen rouroen. Am 7. April 1922 wurde die letzte Maturitätsprüfung an dieser segensreichen Lehranstalt abgehalten und das „Fridericianum" zu einem Realprogymnasium und bald darauf zu einer Realschule umgewandelt.
Die treue Anhänglichkeit der alten Schüler und Lehrer hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten und erscheint deutlich in der überaus starken Beteiligung an den Zusammenkünften der alten Pennäler des Fridericianums, die alle fünf Jahre und diesmal wieder am 2 8. und 29. September ftattfinben. Wie wir das feste Vertrauen hatten, daß das deutsche Vaterland wieder in alter Größe erstehen würde, wozu uns der Führer und Volkskanzler Adolf Hitler den Grundstein gelegt hat, so hegen wir Laubacher auch die feste Hoffnung, daß das Gymnasium „Fridericianum" wiederkehren und wieder den Stolz und die Zierde des lieblichen Städtchens am Fuße des Vogelsberges bilden wird. Das gebe Gott!
„Amphitryon."
Lichtspielhaus.
„Schon die alten Römer —", mit dieser berüch- itigten Festredner-Phrase müßte eigentlich die Be» isprechung beginnen; so ehrwürdig ist die Fabel, die i ber Film sich zu eigen gemacht hat. Ein weltlitera- 1 rischer Stoff würbe hier aufs neue ergriffen unb imit ben Zaubermitteln der jüngsten Kunst unserer ^Zeit noch einmal zum Leben erweckt. Die bekannteste antike Fassung ist der „Amphitruo“ des römi» jschen Komödienschreibers Plautus, der den alten ,griechischen Mythus zu derben und handfesten Büh- menspäsfen ausnutzte. Auf Plautus folgten zahlreiche Bearbeiter des immerhin gefährlichen und delikaten Stoffes; unter ihnen ragt Moliere hervor, der ein elegantes Lustspiel im Sinne seiner Zeit daraus machte; auf dieses französische Stück beruft sich schon im Titel ausdrücklich Heinrich von Kleist; aber es Sann freilich kein Zweifel darüber bestehen, daß jfein „Amphitryon" auch den moliereschen übertraf, Daß ihm die dichterische Krönung der hellenischen Sage gelang in einem Werk, welches — um der -Wundervollen Frauengestalt der Alkmene willen — ^-unvergleichlich erscheint und dennoch kaum bekannt, geschweige denn nach Verdienst gewürdigt worden üift: ein seltener Gast auf der deutschen Bühne.
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Von dieser reifsten, reinsten und feelenvollsten Durchdringung der berühmten Fabel ist in dem Dilm, den Reinhold S ch ü n z e l für die Ufa geschrieben und inszeniert hat, nur in ganz seltenen üAugenblicken ein Abglanz zu spüren. (Aber das war Wohl freilich auch nicht die Absicht und konnte es micht sein; in einem Duell mit Kleist würde nicht mur Schünzel unterlegen sein. Doch liegt es uns am Herzen, den Besucher daran zu erinnern, daß diese menschlich-göttliche Komödie der Deutschen immerhin seit dem Jahre 1807 existiert und Anspruch bar» nuf hat, gelesen unb gekannt zu werben.)
Nichts gegen Schünzel, nichts gegen den Film als solchen sei damit gesagt, schon deshalb nicht, weil die Kamera hier einen Stoff für sich entdeckte unb neu eroberte, ber mehr versprach unb auch geworden ist als nur die Der-filmung irgendeiner der iwhlreichen literarischen Vorlagen, — selbst wenn ioies mehr im parodistischen Stile des opernhaften Dötter-Ulks etwa nach dem Muster der „Schönen Helena" oder des „Orpheus in der Unterwelt" ge- -chah. .
Der Film tritt ausdrücklich mit dem Anspruch tgeroor, ein Unterhaltungsstück zu sein. Das ist auf
eine heitere, stellenweise überaus witzige Weise verwirklicht worden; es besteht also fein Anlaß, sich über die Verse, die ja wirklich nichts weniger als klassisch sind, und die unterschiedlichen Chansons zu verwundern oder zu erhitzen. Bestaunen muh man dagegen die enorme Ausstattung, den wahrhaft großzügigen Aufwand an Statisterie, an Architektur, an irdischer und olympischer Szenerie, nicht zuletzt die filmtechnische Eleganz, mit der die Regie die beiden Schauplätze — über den Wolken und hienieden auf Erden — anschaulich macht und mit einander zu verbinden weiß. Wie aus einer modernen ßaterna magica wirken die Bilder, in denen die Lustspielfabel den Beschauer mit dem Blendwerk der Doppelgängerei, mit erstaunlich- komischen Derwandlungskünsten, mit grimmigen Blitzen und neckischem Sternschnuppenfall verblüfft; nicht zu vergessen die an Münchhausen ober Jules Derne erinjiernben Flüge vom Olymp auf bie Erbe unb wieder hinauf zum wolkigen Thron der Götter.
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Aus dem Kern-Motiv des griechischen ©öfter» mythos — Jupiter steigt für eine Nacht zu Alkmene, der Sterblichen, in Gestalt ihres Gatten herab — erwächst vor allem hier die schmunzelnde Vermenschlichung und Modernisierung der olympischen Welt. Jupiter wird aus Theben am Telephon verlangt: so bringt bie flehenbe Anrebe Alkmenes vor seinem erhabenen Stanbdilb in Theben (dem er übrigens wenig gleicht) an das Ohr eines mit gemütlichem Bauch begabten älteren Herrn, dem man es durchaus zutraut, obgleich er auf Wolken schläft unb beim Erwachen einige Blitze fahren läßt, baß er die Gelegenheit zu einer „Babereife" in Griechenlanb freubig begrüßt, zumal er sich bem majestätischen Szepter seiner energischen Gattin Juno bamit aufs angenehmste entzieht.
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Das wirb nun sehr amüsant ausgesponnen. Der Flug burch bie Wolken; bie Derwanblung Jupiters unb Merkurs — bas bankbare Parallelspiel ber alten Fabel ist natürlich beibehalten worben — in bie Gestalten von Amphitryon unb Sofias. Jener ist übrigens Hauptmann bei ber thebanischen Garbe, dieser sein Bursche. Sie stehen im Felbe wie alle thebanischen Männer; zu Hause murren bie gatten- losen Frauen. (Das Lysistrata-Motiv wirb nur flüchtig gestreift.) Jupiter beschließt, die Thebaner ihren Krieg gegen die Böotier „in erster Instanz" gewinnen zu lassen — alles Alkmene zuliebe. Dann kommt die Begegnung mit den verwandelten Göttern ... im Angesicht ihrer herorisch stilisierten Standbilder. Die Damen wird es interessieren,,
bei der Gelegenheit Einzelheiten über die theba- nische Hutmode oder eine standesgemäße Abendbrot- Einladung von anno dazumal zu erfahren.
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Das delikate Motiv der zweiten Begegnung wird ganz ins Komische gewendet und endet harmlos, da der verliebte Olympier sich am guten Samos übernimmt, einen Schwips bekommt, feiner Alkmene in Götterlaune ein Sternchen vom Himmel schießen läßt, sich dabei auf dem Balkon verkühlt und von der enttäuschten „Gattin" mit einer Wärmflasche ins Bett gesteckt werden muß.
Es würde zu weit führen, wollte man die Handlung in alle Einzelszenen verfolgen; aber man muß der Regie bestätigen, daß sie Atem und Auftrieb bis zuletzt behält, um alles — nach filmischer Weise — ins Reine zu bringen. Rückkehr des siegreichen Heeres, Katzenjammer am andern Morgen; Amphitryon und Sofias sehen sich plötzlich mit Grimm unb Schrecken verboppelt; Jupiter macht in seiner Not ein Anwaltsbüro auf, um bie Scheidungsklage bes Hauptmanns entgegenzunehmen; Sofias wirb energisch; Juno, ber es zu bumm wirb, kommt auch nach Theben, um ben Gatten zur Drbnung zu rufen; Demaskierung, Versöhnung, Einzug ber Götter im Olymp.
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Willy Fritsch als „Jupi" ist kaum wieberzu- erkennen, aber ber thebanische Hauptmann steht ihm ausgezeichnet, unb er bringt den Humor und die beschwingte Laune auf, bas Doppelspiel auf eine überlegen-heitere Manier zum guten Enbe zu führen unb babei vor (sehr möglichen) peinlichen Entgleisungen zu bewahren. Paul Kemp, als Merkur auf Rollschuhen unb als Bursche Sofias, ist mit beschwörenben Grimassen unb herben Zwischenrufen sehr in seinem Element. Käthe Golb als Alkmene (ber man anmerkt, baß sie im Berliner Staatstheater bas Gretchen gespielt hat) wirkt am feinsten unb überzeugenbsten in ben ersten Szenen, vor allem in ber flehentlichen Ansprache am Stand- bilbe Jupiters; übrigens erinnert sie gelegentlich ein wenig an Brigitte Helm. Sehr brollig macht sich Fita B e n k h 0 f f als die kokette und mund- fertige Zofe Andria (bei Kleist: Charis). Don Adele Sandrock braucht wohl nur gesagt zu werden, daß sie eine in jeder Hinsicht junonische Erscheinung abgibt — *
Der Film ist gestern hier angelaufen und scheint dem Publikum in der Tat eine heitere Unterhaltung bereitet zu haben. — r —
Warum ist die Dreizehn eine Unglückszahl?
Noch immer übt ber Zahlenaberglaube auf viele Menschen seine Wirkung aus. Vor allem steht bie Zahl 13 im Mittelpunkt ber Befürchtung. In den Hotels wird sie bei der Numerierung der Zimmer meistens ängstlich übergangen, und sogar in manchen Städten alaubte sich die Verwaltung entschließen zu müssen, die verhängnisvolle 13 bei der Bezeichnung der Häuser zu überspringen. Woher gerade diese Zahl ihren schlechten Ruf erhalten hat, ist kaum mehr eindeutig zu ermitteln. Man hat dafür verschiedene Erklärungen versucht. Unter ihnen hat eine Deutung, die von einem englischen Ethnologen vertreten wird, viel für sich. Die Urmenschen lernten das Zählen, wie heute noch die Kinder, an ihren Fingern. Dann kam einer von ihnen auf den Gedanken, durch die beiden Daumen noch zwei weitere Zahlen zu kennzeichnen, fo daß man über einen Zahlenoorrat von insgesamt zwölf Einheiten verfügte. Darüber aber versagte das Gehirn des Neandertalers, und so behielt die folgende Zahl, die 13, einen geheimnisvollen und dunklen Sinn. Diese uns zuerst etwas kühn erscheinende Herleitung der Unglücksbedeutung läßt sich durch umfangreiches völkerkundliches Material belegen. Die meisten primitiven Stämme, können, wie schon Schweinfurth heroorgehoben hat, nur bis 10 zählen, weil eben die Finger ber beiben Hänbe nicht mehr Einheiten barstellen, unb deshalb hat bei vielen Völkern die 11 eine Unglücksbedeutung. Es gibt aber auch Stämme, die nur bis 3, ja nicht einmal fo weit zählen können, wie die Pauco- Jndianer im Gebiet des Amazonenstroms. Wie schwer ihnen bereits die Vorstellung der Zahl 3 fällt, beweist das umständliche Wort „Poettarra- rorincoaroac", mit dem sie die 3 bezeichnen. Wenn die Bewohner der Andamanen über 2 angeben wollen, so sagen sie einfach „viele" unb heben bie betreffertben Finger empor; so wirb z. B. bie Zahl 6 von ihnen folgenbermaßen ausgebrüdtr- „Eins, zwei, viele, viele, viele, viele." Sinb sie auf diese Weise bis zur 9 gelangt, fo haben sie für die 10 nur noch einen Begriff, der soviel wie „alles" bedeutet. Die brasilianischen Botukuden können nicht einmal bis 2 zählen, für jede weitere Zahl haben sie nur das Wort „urahu , bas „mefjr' heißt. Die Chiquita- Indianer können sogar nur bis 1 zählen. Es aibi also eine Reihe primitiver Völker mit einem sehr beschränkten Zahlensystem; für sie sind die unvorstellbaren Zahlen mit unheilvollen dämonischen (Ein* jlüffen verbunden.


