Ausgabe 
26.8.1935
 
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Oer Reichsfinanzminister über den deutschen Aufbau

Eine Rede auf dem Preffeempfang bei der Eröffnung der Leipziger Messe.

Stilles Gedenken.

Rach Bergung des ersten Toten wurden mit ver­mehrter Anspannung aller Kräfte die Arbeiten an der Fundstelle fortgesetzt. Reichsminister Dr. Goe b- bels verweilte auf dem Wege zur llnglücksstätte einige Minuten im stillen Gedenken an der Bahre des im Garten der Ministerwohnung aufgebahrten ersten Opfers und ordnete impulsiv an, dah alle Blumen aus seiner Wohnung geholt und an der Bahre niedergelegt würden. Dann erstattete Gene­ralleutnant Daluege dem Minister eingehenden Bericht über die Auffindung, wenig später traf auch Reichsinnenminister Dr. Frick an der Bau­stelle ein.

Während der Anwesenheit der Minister wurde gegen 21.30 Uhr das zweite Opfer gebor­gen. Der Lautsprecher kündete wiederum Arbeits- stille an. Bon allen Seiten eilten die Arbeitskame­raden herbei, um den Toten durch den deutschen Gruß zu ehren. Ls war ein ergreifender Augen­blick, als die Bahre von den Bergknappen aus der Tiefe der Sohle den Pionieren übergeben und von Stufe zu Stufe im grellen Licht der Scheinwerfer bis auf die Strahenhöhe gehoben wurde. Mit er­hobener Rechten standen alle in tiefem und er­griffenem Schweigen. Wenige Minuten später dröhnten wieder die Bohrhämmer, kreischten die Winden, polterten dumpf die Schollen der von vielen hundert kräftigen Armen bewegten Erde. Der Führer an der Llnglücksstätte.

Der Führer, der am Sonntagmittag mit seiner Begleitung in Berlin eingetroffen war. besichtigte im Berlaufe des Rachmittags die llnglücksstätte in der Hermann-Göring-Stratze. Bereits am Flug­hafen empfingen Reichsminifter Dr. Goebbels, Reichsminister Dr. Frick und Generalleutnant der Landespolizei Daluege, der die Rettungsarbei­ten in der Hermann-Göring-SKatze leitet, den Füh­rer und erstatteten ihm ausführlich Bericht über den Stand der Arbeiten.

Der Führer begab sich dann selbst an die Un­glück s st ä t t e und ließ sich hier von dem Leiter der technischen Arbeiten Geheimrat Schaper ein­gehend über den Hergang des Unglücks und den Umfang der Rettungsarbeiten foroie die getroffenen Sicherungsmaßnahmen unterrichten. Der Führer besuchte auch die Arbeiter auf der Tunnelfohle und sprach sich autzerordentlich anerkennend über die Einsatz- und Opferbereitschaft der bei den Ret­tungsarbeiten eingesetzten Formationen aus. Der Führer lieh sich ferner von Reichs Minister Dr. Goebbels die hilfsmahnahmen schildern, die für die Hinterbliebenen der Katastrophe getrof­fen worden sind, und informierte sich übet das bis­herige Ergebnis der Untersuchungen, die die Staats­anwaltschaft über die Ursachen der Katastrophe an- gefteöt hat.

DerStand derVergnngSarbeilen

Am Sonntagnachmittag ließ die Unglücksstelle am Brandenburger Tor gegenüber dem Stande der Aufräumungsarbeiten am Samstag weitere w e« se ntliche Fortschritte erkennen. Unter Ein­satz aller menschlichen und technischen Kräfte gehen die Arbeiten mit unverminderter Kraft vorwärts. Der in dreißig Meter Länge fertiggestellte Längs- stollen reicht bis auf die Sohle der ursprünglichen Tunnelgrube. Seiner Verlängerung nach Süden stehen zur Zeit noch die Trümmer des Tunnel- mundes im Wege.

Von den bisher Geborgenen konnte nun auch der zweite erkannt werden. Es handelt sich um den in Berlin, Pappelallee 40, wohnenden Werner Pom - merenke. Inzwischen ist man auf einen vierten Vermißten gestoßen, dessen Leiche aber noch nicht geborgen werden konnte.

Im Interesse einer einwandfreien Aufklärung der Ursache des Einsturzunglücks hat die Deutsche Reichs­bahn umfangreiche Maßnahmen zur beschleunigten Durchführung der Ermittlungsaktion getroffen. Um die Objektivität der Nachprüfungen und der Unter­suchungen auf jeden Fall zu gewährleisten, hat der Generaldirektor einen Reichsbahnoberrat der Reichs­bahndirektion Berlin von seinem Dienst zu­rückgezogen.

Das Urteil eines Fachmannes.

Der zur Zeit in Berlin weilende Präsident des Internationalen Kongresses für Feuerschutz und Ret­tungswesen General Pouderoux (Paris) ließ sich von Generalleutnant Daluege an die Unfall­stelle führen und über die Anlage der Rettungs­arbeiten an Ort und Stelle unterrichten. General Pouderoux, der übrigen auch Mitglied der franzosi- fchen Feuerkreuz-Organisation ist, zeigte für die an­gewandten Rettungsmethoden und für die Auf­räumungsarbeiten besonders lebhaftes fachmänni­sches Interesse, da seinerzeit bei dem Bau der Pa­riser Untergrundbahn eine ähnliche furchtbare Ein­sturzkatastrophe mit zahlreichen Verlusten erfolgte. Bei diesem Pariser Einsturzunglück waren die Ret­tungsarbeiten ebenfalls äußerst schwierig und lang­wierig. Der Leiter des französischen Rettungs­wesens stand den Ausmaßen der Katastrophe am Brandenburger Tor erschüttert gegenüber. Er war angesichts der ungeheuren Schwierigkeiten von der Zweckmäßigkeit der angewandten Methoden über­zeugt. Dieses Urteil eines internationalen Fach­mannes ist sehr wertvoll. Die seinerzeit in Paris mannes ist sehr wertvoll.

Der Brandschaden bei der Funkansstellung. Eine phantasievolle Erfindung derReuen Freien Presse-.

DieNeue Freie Presse" in Wien bringt eine Berliner Meldung, die den Schaden, der bei dem Brand der Funkausstellung entstanden ist, auf 32 Millionen Mark beziffert. Dieser Betrag ist einfach irrsinnig. Der durch die Zerstörung der einen Halle IV mit ihrem Inhalt und durch den Brand im Funkrestaurant entstandene Schaden ist im einzelnen noch nicht festgestellt, beträgt aber nach gewissenhafter Schätzung höchstens eine Mil­lion Mark. Die Spanne zwischen dem von der Neuen Freien Presse" angegebenen Schadensbe­trag von 32 Millionen zu dem wirklichen Schadens­betrag von 1 Million Mark zeigt, auf welche gro­teske und leichtfertige Weise das Wiener Blatt sei­ner Phantasie die Zügel hat schießen lassen. Den Urhebern der frei erfundenen Angabe wäre das Unsinnige dieses Betrages vielleicht selbst ausge­fallen, wenn sie sich nur einmal überlegt hätte, was heute für den Gegenwert, also für fast 64 Mil­lionen Schilling, in Wien an Haus- und Grund­besitz zu kaufen ist.

Leipzig, 25. Aug. (DNB.) Der herkömmliche Empfang der in- und ausländifchen Pressevertreter auf der heute eröffneten Leipziger Herbst- messe 1935 am Messesonntag erhielt fein be­sonderes Gepräge durch die Ankündigung der Rede des Finanzmimsters Graf Schwerin von Krosigk.

Der Präsident der Leipziger Messe, Dr. Raimund Köhler, führte in feiner Begrüßungsansprache u. a. aus, die Herbstmesse stehe unter dem günstigen Stern der Mengenkonjunktur im Inland, die die industrielle Produktion seit dem Tiefstand um 76 v. H. gesteigert und die Arbeitslosigkeit ent­scheidend gesenkt habe. Wie in historischer Zeit die Messen Instrument für den Ausgleich und die Aus­übung von Währungsschwierigkeiten waren, habe auch in heutiger Zeit die Internationale Leipziger Messe dieselbe Aufgabe: Schaffung des Ausgleichs von Handelsschwierigkeiten.

Reichsfinanzmmister Graf Schwerin von Krosigk nahm dann das Wort. Nach einleitenden Ausfüh­rungen über die Bedeutung der Leipziger Messe und nach einer eingehenden Darlegung der Be- mühungen Deutschlands zur lieberminbung der durch die Nachkriegsentwicklung entftanbenen Schwierigkeiten führte der Minister u. a. aus: Man hat uns in den letzten zwei Jahren vor allem zwei Vorwürfe gemacht, die beide dahin gehen, daß wir selbst die Bezahlung unserer Schulden unmöglich aemacht hätten. Der eine Vorwurf geht dahin, daß wir durch Streben nach Autarkie eine Belebung und Erhöhung des Welt­handels unmöglich machten. Ich kann diesen Vor­wurf nicht schlagender zurückweisen als mit den Worten, mit denen der Führer und Reichs­kanzler in feiner Rede am 21. Mai 1935 zu dieser Frage Stellung genommen hat:

Wir alle sind der lleberzeugung, daß die reftlose Durchführung des Gedankens der roirt- fchaEtlichen Autarkie aller Staaten, wie sie sich heute anzubahnen droht, von einer höheren Warte aus gesehen unklug und in ihrem Er­gebnis für alle Bölter nur schädlich fein fann.* Der zweite Vorwurf geht nach der genau ent­gegengesetzten Richtung, nämlich dahin, daß wir durch den erhöhten Import von Roh­stoffen, der die notwendige Folge unserer inne­ren Wirtschaftsbelebung war, unseren Export­überschuß vernichtet und dadurch die Bezahlung unserer Schulden unmöglich gemacht hätten. Dieser Vorwurf geht schon deshalb fehl, weil die ver­stärkte, einer Inlandsbelebung folgende Einfuhr zur Belebung des Handels der Ausfuhr­länder und durch Stärkung ihrer Kaufkraft wieder zu erhöhten Absatzmöglichkeiten des Ein­fuhrlandes führt.

Die Schwierigkeiten, die dem Absatz unserer Waren im Ausland gemacht wurden, und die da­durch die Möglichkeit unserer Einfuhr begrenzten, führten vor einem Jahre zu dem sogenannten Neuen Plan in der Handelspolitik, dessen In­halt darin besteht, dah nicht mehr gekauft werden kann, als bezahlt werden kann und daß in erster Linie das gekauft wird, was notwendig gebraucht wird. Auch dieser neue Plan ist von uns niemals als eine weale Losung angesehen worden. Man wird aber nicht abstreiten können, daß er eine absolut notwendige Folge von Maßnahmen und Verhältnissen gewesen ist, für die Deutschland nicht verantwortlich gemacht werden kann.

Run hat eine Reihe von Ländern den Berfuch gemacht, die Krise durch eine Abwertung ihrer Währung zu überwinden, und sie empfehlen dieses Heilmittel auch denjenigen Ländern, die diesen Weg bisher nicht gegangen sind. Ich möchte hier ganz klar zum Ausdruck bringen, daß es nach meiner Ansicht ein für alle Län­der passendes Allheilmittel nicht gibt, dah die Lösungen für jedes Land je nach feiner wirt­schaftlichen, politifchen, sozialen und kulturellen Struktur verschieden ausfallen können und aus­fallen müssen.

Der Minister kam dann auf die innere Kon­solidierung des deutschenWirtschaf t s- lebens zu sprechen: Man hat eine zeitlang im Auslande die tatsächlichen Ergebnisse unserer Maß­nahmen nicht wahr haben wollen; die Richtigkeit der Ziffern über das Sinken der Arbeitslosigkeit ist in Frage gestellt. Allmählich setzte es sich durch, daß die Ziffern unbe ft reitbar sind. Tatsächlich waren im Januar 1933 6 Millionen, im Juli 1935 nur noch 1,7 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Es ist unbestreitbar, daß wir zur Ar­beitslosenfürsorge im Jahre 1932 insgesamt 2,9 Mil­liarden benötigten, in diesem Jahre dagegen noch rund 1,5 Milliarden ausgeben. Es ist eine Tatsache, daß die Indexziffer der gewerblichen Gütererzeu­gung, wenn man 1928 gleich 100 fetzt, 1932 bei 58 und im ersten Vierteljahr 1935 auf 90 lag. Und es ist eine für mich als Finanzminister besonders er­freuliche Tatsache, daß

gegenüber dem krisenliefstand die Reichssieuern in diesem Jahr eine Zunahme um rund zwei Milliarden zeigen.

Diese Ergebnisse sind die Folge einer zielbe­wußten aktiven und kühnen Finanz- und Wirtschaftspolitik gewesen. Was in den vergangenen zweieinhalb Jahren die Reichs­regierung auf dem Gebiete der Zins- und Kapital­marktpolitik, der Steuerpolitik, Der Arbeitsbeschaf­fung in die Wege geleitet und getan hat, das gehört zusammen in den Rahmen einer einheitlichen großen Aktion. Wenn es durch ein morsichttges und schrittweises Vorgehen gelungen ist, den Zins­satz in Deutschland allmählich herabzusetzen und schließlich im Frühjahr d. I. eine gewaltige Kon­version mit einem dauernden Erfolg durchzuführen, so war dieses Vorgehen für die Arbeitsbeschaffungs- Politik genau ebenso notwendig, wie die Maßnah­men im Bereich der Steuerpolitik.

In diesem Zusammenhang wies der Minister auf die großen Erfolge hin, die durch die Auf­hebung der Kraftfahrzeug st euer und die Einführung der Ehestandsdarlehen erzielt werden konnten, und fuhr dann fort: Man muß sich die Bedeutung dieses Vorgehens an den erschütternden Zahlen unserer Bevölkerungsbe­wegung klarmachen. Wir haben 1901 noch über zwei Millionen Kinder m Deutschland gehabt, 1933 nur

noch 950 000, nicht mehr die Hälfte, obwohl in­zwischen die Bevölkerung an sich sich vermehrt hatte. Anders ausgedrückt:

Während wir im Jahre 1901 noch 37 Geburten auf 1000 Einwohner hatten, hatten wir im Jahre 1933 nur noch 14,7 und waren damit weit unter unsere meisten Rachbarländer ge­sunken. Line Vermehrung von 14,7 Geburten je Taufend bedeutet nicht nur einen absoluten Bevölkerungsrückgang, sondern eine immer mehr zunehmende Bergreifung des Bolkes. Denn ich von den politischen Jdeengängen, die mit dieser Bewegung verbunden sind, ganz ab­sehe, sondern einmal rein wirtschaftlich dieses Problem anschaue, dann bedeutet diese Berfrei- sung eine allmählich immer stärker werdende Belastung der noch arbeitsfähigen Teile des Bolkes, und der Rückgang der Kinderzahl be­deutet den Ausfall eines der stärksten Motoren wirtschaftlichen Aufschwungs und Fortschritts.

Die mit der Wehrhoheit verbundenen Aus­gaben sind ein Teil der großen Arbeitsbe­schaffung geworden, der der wirtschaftliche Auf­schwung zu verdanken ist. Daß diese Arbeitsbeschaf­fung durch kurzfristige Kredite finanziert worden ist, wird von Kritikern unserer Finanz- und Witschaftspolittk besonders getadelt. In der Abwicklung der für die Arbeitsbeschaffung aufge­nommenen Kredite liegt eine Aufgabe, Deren Große und Schwierigkeit durchaus nicht verkleinert werden soll. Die Abwicklung kann nur dadurch er­folgen, daß die Kredite durch Aufnahme entspre­chender Summen in den ordentlichen Etat zurück- gezahlt, oder daß sie durch Umwandlung in langfristige Anleihen funbiert werden. Die Abwicklung erfolgt also entweder über den Etat, oder über den Kapitalmarkt.

Die geffiegenen Steuereinnahmen der öffent­lichen Hand haben die Möglichkeit gegeben, einmal In weitgehendem Umfange die Fehl- betrüge zu befeittgen, die in der krifenzeit für die Ltatgestaltung aller öffentlichen haushalte kennzeichnend waren. Sie haben es weiter er­möglicht. gewiffe Beträge zur Abdeckung auf­genommener Kredite in den Etat einzufehen, wie das im Reichsetat zur Abdeckung der Steuergutfcheine des Popen- und Reinhardt- Programms laufend erfolgt. Und fie haben es endlich ermöglicht» Ausgaben, die im Jahre 1933 auf Kredit genommen wurden, wieder in den normalen haushalt als Ausgabe einzu- stellen. Um aber diese drei Aufgaben der jetzi­gen Ltatpolittk durchzuführen, find Opfer an liebgewordenen Gewohnheiten und Aufgaben unumgänglich, wir muffen uns konzentrieren auf die große politische Aufgabe, die uns der Führer ge st eilt hat. Ls wird die attpreußische Sparsamkeit wieder zu Ehren kommen müssen, die uns der große König und sein ffrenger Bater vorgelebt haben. Daß der große König gleichzeitig der Fürst war, der zielbewußt Arbeitsbeschaffungs­politik im großen Stil getrieben hat, ist kein Gegensatz, sondern Grund und Folge seiner Sparsamkeit. Derselbe Mann, der auf seinen Jnspekttonsreisen sich bei seinen Beamten zu Tisch lud, um Kosten zu sparen, und eine Uni­

form trug, die nur durch ihn königlich war, gab das Geld mit vollen Händen, wenn es sich um die Armee und neue Siedlungen oder die Urbarmachung eines Moores handelte. Eine solche produktive Sparsamkeits­pol ! 111 wird auch heute im Blick auf das große Ziel und unter straffer Führung durch­geführt werden müssen.

Und sollen die Ausgaben, die der Etatspolitti durch die wirtschaftliche und politische Entwicklung der letzten zwei Jahre gestellt worden sind, erfüllt werden, dann wird hierzu ein Steueraufkommen von mindestens in der Hohe gebraucht werden, wie es die Steigerungen der Jahre 1934 und 1935 in einer weiteren Entwicklung nach oben erhoffen lassen. Don Steuersekungen zu sprechen, wäre fehl am Platze. Die Wirkung der Finanz- und Wirtschastspolittk der Reichsregierung äußert sich aber nicht bloß in den steigenden Steuereinnahmen, sondern sie findet auch ihren Niederschlag am Geld- und Kapitalmarkt. Hierdurch wird die Möglichkeit geschaffen, immer wieder kurzfristige Kredite durch Umwandlung in Anleihen zu fundie­ren. Mit dieser Fundierung ist, wie bekannt, mit der 500-Millionen-Sparkassenanleihe im Frühjahr d. I. begonnen und sie wird, wie Sie aus den Er­eignissen der letzten Tage gesehen haben, weiter fort­gesetzt.

Daß der kurzfristigen Verschuldung, über deren Hohe das Ausland vielleicht nicht immer ohne eine gewisse Tendenz übertrieben hohe Zahlen bringt, Grenzen gesetzt sind, und zwar einmal in der Tragfähigkeit des Etats für Verzinsung und Tilgung dieser Schuld und zum anderen in der Auf­nahmefähigkeit des Kapitalmarktes für die Fundie­rung dieser Schulden, das wissen wir selbst, das braucht uns von außen nicht gesagt zu werden. Und wir würden wahrhaftig die geschichtliche Größe Der uns gestellten politischen Aufgabe gewalttg un­terschätzen, wenn wir glaubten, sie ohne Opfer und Schwierigkeiten erreichen zu können. Wir würden uns aber auch der Größe der uns gestellten Auf­gabe unwürdig zeigen, wenn wir nicht gewillt wären, mit aller Anspannung unseres Willens und unseres in Deutschland nun einmal nicht geringen Könnens der Schwierigketten Herr zu werden.

Dir glauben nun, durch die Belebung und Ord­nung unserer deutschen Wirtschaft auch einen Beitrag zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft geleistet zu haben. Wir glauben auch, dah die gewaltige kraftanfpannung des deutschen Bol­tes, jeden Deutschen wieder in Arbeit zu sehen und ihm ein menschenwürdiges, der kulturhöhe unseres Bolkes angemessenes Dasein zu schassen, die denkbar stärkste Friedensgarantie bedeutet. Und wir glauben auch, dah der Führer und Kanzler den Wiederaufbau der Weltwirtschaft den stärksten Dienst durch seine grohe Friedens­rede geleistet hat.

In dieser Entwicklung zum Frieden und zu gemeinsamer Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet ist die Leipziger Messe stets eine wichtige Etappe.

Der Gruß des Führers.

Berlin, 24. Aug. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat in einem Begrüßungstele- §ramm an Das Messeamt in Leipzig Der Diesjährigen eipziger Herbstmesse anläßlich ihrer Er­öffnung am Sonntag feine besten Wünsche für einen vollen Erfolg übermittelt.

Die Sterilisationsfrage.

Der Internationale Strafrechtskongreß erkennt -en deutschen Standpunkt praktisch an.

B erlin, 24. August. (DNB.) Der 11. 3nter- nationale Stra fr echts- und Gefäng- niskongreß trat am Samstagvormittag zu fei­ner Schlußsitzung zusammen, nachdem Die verschie­denen Sektionen in langen, arbeitsreichen Sitzun­gen Die ihnen zur Beratung vorgelegten Fragen fast vollkommen erledigt haben.

Von besonderer Bedeutung sind zwei Entschlie­ßungen, Die heute Dem Kongreß Vorlagen: Die Frage Der Unterscheidung von Frei- heits st rasen und Sicherungs maßre­geln, sowie die Frage der Sterilisation und Kastration. Besonders in Der zweiten Frage ist mit Genugtuung festzustellen, daß die von Der Sektton unterbreiteten Vorschläge sich Den im nationalsozialistischen Deutschland bereits einge­führten gesetzlichen Maßnahmen außerordentlich stark annähern. Die Sektion III des Kongresses hat zu dieser Frage folgende Wünsche ausgesprochen:

1. Es ist angebracht, in Den gesetzlichen Bestim­mungen genau zu unterscheiDen zwischen den Aus­drückenSterilisation" undKastration", welche Operationen verschiedenen Wesens, verschiedener Art und verschiedener Wirkung sind.

2. Die günstigen präventiv-therapeutischen Er­gebnisse Der Kastration bei sexuellen Störungen in Fällen mit Hang zur Kriminalität müssen alle Staaten dazu veranlassen, ihre Gesetze entsprechend zu ändern oder zu ergänzen, um die Durchführung

Aus aller Wett.

Die Hitler-Jugend ehrt den Erfinder des Fernsehens.

Das Rundfunkamt Der Reichsjugendführung hat zur diesjährigen Funkausftellung Die Funkwarte und Jungamateure der Hitler-Jugend, Die bereits Die Reichsfunkfchule in Göttingen besucht haben, zu einer Arbeitstagung nach Berlin berufen. Die Tagung wurde in Form eines Zeltlagers durchgeführt. Ihre Eröffnung fand im Berliner Funkhause Durch Ober­gebietsführer C e r f f und Reichssendeleiter Hada- m o v s k y statt. Zu Beginn Der Feier gab Ober- gebietsführer Cerff bekannt, Daß die Lehrgangs­teilnehmer dem Erfinder des Fernsehens, Paul N i p k o w ihre Glückwünsche zum 75. Geburtstage übermittelt hätten. Das Glückwunschtelegramm lau­tet:Die zu einer Arbeitstagung im Berliner Funk- Hause versammelten Funkwarte und Jungamateure der Hitler-Jugend beglückwünschen Sie als Den Er­finder Des Fernsehens zu Ihrem 75. Geburtstag. Nehmen Sie mit Diesem Glückwunsch Den AusDruck ehrenvollen GeDenkens Der in Der HI. geeinten deut­schen Jugend entgegen.

dieser Operation auf Antrag des Betreffenden oder mit seiner Zustimmung zu sichern, um ihn von einem entarteten Geschlechtstrieb zu befreien, dec die Begehuna sexueller Vergehen befürchten läßt.

3. Das Gleiche gilt für Die Sterilisation aus ge­sundheitlichen ober eugenischen GrünDen bei Vor­liegen Der Zustimmung Der zu operierenden Person.

4. Zwangsweise Kastration kann Den anderen sichernDen Maßnahmen gleichgestellt roerDen, die durch die bestehende Gesetzgebung vorgeschrieben sind. Zwangsweise Sterilisatton aus eugenischen Gründen ist eine empfehlenswerte Präventivmaß­nahme, da fie die Zahl der Minderwertigen, aus denen sich Die Kriminellen erheblich rekrutieren, für die Zukunft erheblich mindern mürbe.

5. Die Sicherungsmaßregeln Der Sterilisatton aus gesunDheitlichen oder eugenischen Gründen und Der Kastration gefährlicher oder rückfälliger Sitt­lichkeitsverbrecher sind zweckmäßia unter der Bedin­gung, Daß sie Durch ärztliche Gutachten gerecht­fertigt finD.

Die Entschließung verlangt Dann weitere äußerste Vorsichtsmaßnahmen bei Der Kastration unD Ste­rilisation, sowie eine grünDliche Prüfung Des Falles Durch ein Kollegium von Juristen unD MeDizinern.

Diese Entschließung rourDe in Der Vollsitzung Des Kongresses mit übermältigenDer Mehr­heit angenommen.

Anschließend sprach ReichssenDeleiter HaDa - moosky, Der Die Geschichte Der urnwälzenDen Deut­schen Erfindungen unD Das Schicksal Der meisten deutschen Erfinder behandelte. Weiterhin gab ReichssenDeleiter Hadamovsky einen lleberblid Dar­über, wie Die nationalsozialistische Bewegung in Den Tagen Des Kampfes und nach Der Machtübernahme Den Rundfunk für Die Eroberung Des Deutschen Volkes eingesetzt habe.

Auslandsdeuffche Jugend am Schlageterkreuz.

Die Teilnehmer der D e u t f cf) l a n D f a t) r t b e s Welttreffens der HI. trafen in Düsseldorf ein, wo sie von Abordnungen Der HI. unD des BDM. empfangen wurden. In den Abendstunden traten Die ausländsdeutschen Jungen an der Ge­fängniszelle Albert Leo Schlageters zum Schweigemarsch nach dem Schlageter-Ehrenmal auf der Golzheimer Heide an, wo sie vom Letter der Deutschland fahrt, Oberbannführer Minke, dem Gauleiter Staatsrat Florian aemelbet wurden. Staatsrat Florian wies in einer Ansprache daraus tM daß Schlaget« für Deutschland gestorben sei