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W ?S soll ich denn mit einem Auto?

ROMAN VON KÄTHE METZNfR.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).

Günter von Gersheim aber war es, Äs stürze eine Welt in.ihm zusammen ... -

Günterchen, sei doch nicht so erregt! Jtias Stimme flüsterte neben ihm, und ihre gepflegte Hand strich schnell mit einer zärtlichen Bewegung über seine Wange.

Günter von Gersheim aber winkte dem Ober.

Zahlen!" sagte er barsch.

Willst du nicht bleiben, Günter?" Ria trmm- phterte innerlich. Sie hatte wirklich Mühe, ihre freudige Erregung niederzuringen.

Der Plan war geglückt! .

Wir wollen woanders hingehen, Ria! «öft em bißchen stumpf hier. Ich bin heute in Laune, mich zu amüsieren. Komm, wir wollen heute abend mal ein bißchen froh sein", sagte Baron Gersheim, mit einem schwachen Versuch zum Galgenhumor.

Aber gern!" Ria war mit allem einverstanden.

Und sie täuschte sich doch. Günter von Gersheims Stimmung hielt nicht an. Sie hatte im Laufe des Abends einen schlechten Partner an ihm.

Mit echt weiblichem Instinkt fühlte die schöne Frau die andere hatte Gersheim nicht gewonnen, sie selber aber hatte ihn trotz allem ... verloren!

Doch Ria war zäh. Sie hoffte noch immer. War­tete auf die Zeit. Ach, und wenn es eben dieser nicht war, dann war es ein anderer. Ihr Kum­mer war nicht lebenslänglich. Das lag ihrem We­sen nicht.

Ria kannte nur Genuß und wieder Genuß. Rach anderem strebte sie nicht doch ihn zu erreichen um jeden Preis, scheute sie vor nichts zurück.

*

Am nächsten Morgen erhob sich Günter von Gersheim mit brennendem Kopf. Er war nicht ge­wöhnt, oft und viel Alkohol zu trinken. Gestern abend aber hatte er versucht, mit schwerem Wein den rasenden Schmerz in seiner Brust zu betäuben.

Unsäglich elend und zerschlagen fühlte er sich.

Was war nun zu tun? Er mochte Gerlinde nicht wiedersehen. Das konnte er nicht ertragen. Es war alles, aber auch alles an ihr Lüge gewesen?

Fast traten dem Manne die Tränen in die Augen. Eine ganz ekelhafte, widerliche Komödie hatte sie ihm da vorgespielt und er, der sich auf seine Menschenkenntnis vielleicht manchmal sogar etwas eingebildet hatte, war hereingefallen auf das Theater.

Meinen Glückwunsch! Meinen Glückwunsch, du geniale Komödiantin! Wirst deinen Weg schon machen!" Günter von Gersheim lachte bitter auf.

Der Kaufvertrag mit dem Auto? Run, wohl oder übel. Ein Wort war ein Wort. Er würde von sich aus sein Versprechen einlösen. Mochte der Wagen dann in der «Garage stehenbleiben. Ihn interessierte das alles nicht mehr. Er wollte nichts sehen. Nichts hören. ____________________

Der Diener klopfte.

/.Hereinl" - ..... - -

Friedrich brachte feinem Herrn den Morgenkaffee und die Post.

Gersheims Herz zuckte noch einmal auf. Das war dasselbe Briefchen dieselbe Schrift.

Ha was mochte sie ihm mitte ilen? Sie würde schnellstens den Kaufvertrag bestätigen. Freilich. Damit sie ihn sicher hatte. Oder ... hatte sie wie­der eine neue Komödie ersonnen? Er mußte an die Geschichte mit der kranken Mutter denken.

Ich Narr ich habe wirklich Mitleid gehabt! Ich hätte nicht gedacht, daß ich noch so ein Esel bin mit meinen neunundzwanzig Jahren."

Ohne sich sonderlich zu beeilen, öffnete Gersheim den Brief. Als er den Inhalt gelesen hatte, stutzte er doch. Dann aber wurde er nur noch überzeug­ter.

Hm! Wahrscheinlich auf Sachs' Anraten. Er hat vielleicht Bange, daß ihm seine Freundin ausge­spannt wird. Keine Angst, Doktor, für solche Frauen habe ich noch nie Zuneigung gehabt!"

Wieder war seine Stimme schmerzdurchzittert. Oh, einmal hab' ich gedacht, daß da eine sei, anüers als die anderen na, vorbei!"

Ganz gut so. Dann war die Sache mit dem Auto wenigstens erledigt, sonst hätte er den Wa­gen noch zur Erinnerung an die leidige Affäre gehabt.

Gersheim schlug hart mit der Faust auf den Tisch.

Oh, dieses Berlin! Ich habe es satt. Satt bis hierhin" er hielt die Hand an den Hals.

Dann aber überkam ihn etwas wie Trotz und Auflehnung gegen das Schicksal.

Hart drückte er auf den Knopf der Dienerklinzel, daß sie schrill durch das stille Haus gellte.

Als der Alte eilig und ein wenig furchtsam an­getrippelt kam, schrie der Baron ihm überlaut ent­gegen:

Koffer packen! Sofort! Wir fahren heim!"

8. Kapitel.

Es war Sonntag.

Gerlinde Steinbrück war nun doch nichts anderes übriggeblieben, als ihren Wagen zum Verkauf zu inserieren. Jetzt stand sie frierend in der kleinen Garage, in der das Auto untergestellt war und wartete auf Käufer. Besichtigungszeit hatte sie von 9 bis 1 Uhr angegeben.

Gorlin^ stand da und wartete. Ihr Herz war traurig. Wie einfach wäre alles gewesen, wenn sie den Vertrag mit Baron Gersheim nicht rückgängig gemacht hätte. Dann hätte sie heute das viele Geld Man konnte die rückständige Miete bezahlen, eine gesündere Wohnung mieten und die arme Mutter, die immer wieder sv schwere Herzanfälle hatte, in die Behandlung eines tüchtigen Spezialisten geben.

Gedämpfte Musik klang durch den Raum. Einige Paare tanzten.

Ria Velten saß in Erwartung.

Dann wurde angesagt:

Und jetzt, meine sehr verehrten Damen und Her­ren, die zweite Solo-Tanzeinlage ,Traum. Getanzt von Fräulein Steinbrück, der entzückendsten Tän­zerin von Europa!" sagte der Conferencier ohne viel Pathos, aber gerade dadurch irgendwie beson­ders wirksam. , .

Dom Orchester her erklang eine ganz zarte, fa|t unirdische Melodie. Die erste Geige schwebte wie eine Engelstimme über dem Klavier und Cello. Und dann huschte eine zarte, feine Gestalt über die Tanzfläche.

Günter von Gersheim war es, als erstarre ihm das Blut in den Adern. Das Lächeln, das eben noch ein wenig überlegen um feine Lippen gedurft hatte, weil er geglaubt, es handle sich um den Na­men Steinbrück, wurde maskenhaft und erlosch.

Gisela Steinbrück tanzte mit aller Hingabe und aller Süße, die ihr zu Gebote stand, ihre zweite SolonummerTraum".

Bum ... bum ... bum .... Gersheims Herz häm­merte wie irrsinnig gegen die Rippen Er ballte die Fäuste, bis sie schmerzten. War das möglich! War das nur menschenmöglich?

Narrte ihn denn ein Trug? Das war doch Ger­lindes Lächeln ... ihre Bewegungen ... Gerlindes Gestalt, ihr Haar mit dem Schimmer ms Sil­berne ... ihr Gesicht! Und der Name Stein­brück. . .

Nia blickte nur einmal flüchtig zu Gersheim hm. Ach, sie hatte genug gesehen in seinem Gesicht. Der Ausdruck genügte ihr. Das war grimmiger Schmerz. Bittere Enttäuschung.

Die Musik verklang. Giselas Tanz war zu Ende.

Tosender Beifall setzte ein. Nach allen Seiten verneigte sich die junge Künstlerin. Ein Boy brachte ihr einen riesenhaften Strauß Rosen.

Das junge Mädchen lächelte beglückt, und ihre Augen suchten sekundenlang nach ejner bestimmten Richtung. Wie gebannt folgte Gersheim diesem Blick. Die Augen der Tänzerin begegneten sich mit den Blicken des berüchtigten Frauenjägers und Lebe­mannes Doktor von Sachs.

Und statt befferi wartet sie fetzt auf einen K8ufsL Oh, die kleine Gerlinde.hatte sich das.-alles ja.geb­leichter vorgestellt. Wirklich hatte sie in ihrer Un­erfahrenheit geglaubt, daß, die Interessenten nuK so geströmt kämen, wenn so ein schöner Wagen mit allem Komfort. als Gelegenheitskauf angeboten wurde. ..

Dem jungen Mädchen standen fast die Tranen in den Augen. .

Irgendwo in der Ferne läuteten Glocken. Also schon Kirchzeit. Aber wieder faßte Gerlinde Mut^ Es war immerhin Sonntag, die Leute schliefen sich aus. Gewiß kamen später welche. Und wieder stieg eine leise Hoffnung in ihr auf, während sie weiter geduldig wartete.

Da jetzt klangen im Hof Schritte!

Und wirklich, die ersten Interessenten kamen Aber Gerlinde zuckte vor Schreck zusammen. Zwei Männer kamen auf sie zu, die alles andere als einen vertrauenerweckenden Eindruck machten.

Morjen!" klang es kurz und lässig.Wir kom­men wejen bet Auto. Js bet bte Mühle hier? Je- hört bet Ihnen?"

Gerlinbe konnte nur nicken.

Die Männer schienen ihre Anwesenheit aber gar nicht weiter zu beachten. Mit fachmännischen Blicken gingen sie um ben Wagen herum. Prüften alles ganz sorgfältig. Hoben bie Kühlerhaube hoch und ließen ben Motor arbeiten.

Dreck!" sagte ber eine verächtlich unb spuckte auf ben Boden.Diese Luxusdingers. Da kann ja feen Mensch wat mit anfangen. Wat woll'n Sie vor die Klamotte ham?" wandte er sich an Gerlinde.

Das Mädchen nahm sich fest zusammen, um nicht merken zu lassen, wie sie vor Angst bebte.

Der Wagen ist fabrikneu. Ueberhaupt noch nicht gefahren. Und ich denke es rft eine ganz bekannte Marke", sagte sie leise.

Ach was, Marke hin, Marke her. Wenn ick sage, is Dreck, denn is es Dreck. Wat Paul Pille sagt, bet stimmt, Frollein! Verlassen Sie sich drusst Unsereener weeß bet. Freilich sonne höhern Töch­ter wie Sie ..." Wieber spuckte ber Mann aut die Erbe; aber Gerlinbe sah nicht, wie er seinem Be- gleiter, ber sich bis jetzt noch gar nicht geäußert hatte, einen verwegenen Blick zuwarf.

Na also? Wat soll bet Ding kosten?"

Er kostet neu breitaufenb Mark", erwiderte Gerlinbe kaum hörbar.Ich buchte zweitau- senb Mark."

Wat?"

Paul Pille schien einen Lachkrampf zu kriegen; wenigstens lief fein Gesicht dunkelrot an, und er schien direkt nach Lust zu schnappen.

(Fortsetzung folgt!)

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