Ausgabe 
25.11.1935
 
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Ur. 275 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 25. November (935

A 4d

MHM

sugenie^nSro X"l M*' menschlich und dichterisch wert- nationalpolitisch viel wich- I voller, dabei ungewöhnlich spannender Aoman.

um die rassebiologisch und

Meister des Dudelsacks

Zeitschriften.

europäischen Auswanderern überall in überseeischen Landern jungfräulichen Boden zugänglich machte, wo sich dle einheimische Bevölkerung leicht auf im­mer kleinereReservate" beschränken oder auch ge­waltsam ausrotten ließ. So verhielt es sich nicht nur in der Union, sondern auch in Argentinien und einigen anderen lateinamerikanischen Ländern so­wie in Australien und auf Neuseeland. Gegenden, wo alte Kulturen bei den Eingeborenen eine gewisse Arbeitsdisziplin und technische Geschicklichkeit ent­wickelt hatten, oder solche, wo natürliche Hinber- nlße, wie undurchdringliche Urwälder oder schwie­rige Verkehrsverhältnisse die Aufschließung für weiße Siedler erschwerten, blieben in der Regel vorwiegend von den ursprünglichen Bewohnern be­setzt, wenn sie auch unter dieKontrolle" weißer Kolonialmächte gerieten.

Am Montag, 2S. November, beginnen wir in den Zamtltenblattern mit der Deröfsenilicbung eines neuen Werkes: Der norbbeuffcbe Dicbter Wil- h e I m S ch arre l m a n n schreibt in seinem Roman

Flrrae auf Arbeit, Fleiß, Sachlichkeit und Kamerad- 1 lltyafft.Auf Schlamperei steht die Todesstrafe", |ht ein alter Artistenspruch: Privatleben und Ar- fflat haben nichts miteinander zu tun: sonst ist es dis mit der großen Nummer. Jetzt, wo die drei kieÜJmt geworden sind über Nacht, passiert genau tys, woran sie zuvor nicht gedacht haben, was

Ministerpräsident B a l d w i n hat nach den Wahlen nur geringfügige Veränderungen in seinem Kabinett vorgenommen. Der bisherige Kriegsminister Vis- count Halifax wurde zum Lordsiegelbewahrer ernannt, während der bisherige Finanzsekretär im Schatzamt, Duff Cooper, den unser Bild zeigt, Kriegsminister wurde. (Weltbild-M.)

"Och den Reiz ihres Spieles; in der Liebesszene mit Pierre gelingt ihr ein Höhepunkt, der den sonst auf derbere Wirkungen gestellten Film merkwürdig oermnerlicht. Attila Hörbiger, seinem viel be­kannteren Bruder Paul äußerlich in manchen Sze- nen sehr ähnlich, gestaltet die weit weniger dank­bare Rolle des George durchaus überzeugend. In kleineren Aufgaben machen sich Etlinger, Niko­lai K o li n und Ernst Rotmund verdien!.

Im Beiprogramm sieht man, außer der For- Wochenschau, auf der Bühne dieVier Lind- Ü rr 5"min cinem Parterre- und Perche-Akt, der bestes Varretä ist, durch saubere Arbeit und humor­volle Leichtigkeit besticht und reichen Beifall ver­dient. r

ker begann schon lange vor dem großen Kriege und erhielt ihr großes Schwungrad durch die rasche Umwandlung Japans in ein ostasiatischesEng­land". In demselben Maße entwickelte sich in allen überseeischen Ländern, die die freie Kolonisation mit einem freilich mehr ober weniger weit­maschigen Netz von Ansiedlungen weißer Men­schen zu überziehen vermochten, das Verlangen, sich gegen farbige, besonders asiatische Einwanderer möglichst luftdicht a b z u s ch l i e ß e n. Mit der Zeit wurde diese Absonderung auch mehr und mehr auf Angehörige nicht nahverwandter weißer Völker übertragen. Aus der unbedingten Fernhaltung farbiger Einwanderer, mit der die nordamerika­nische Union die Vormacht der von überseeischen Kolonial-Rebellen" begründeten Freistaaten ge­wann, entstand in den britischen Dominien die Po­litik einesweiße n" Australien, Neuseeland, Kanada ober Sübafrika, entstaub bie Jbee, baß alles von Weißen besiebelte LaubWhite mans country", weißen Mannes Laub blei­ben müsse.

man aber im Stillen von Anfang hat kommen sehen: George hat sich in Jeanne verliebt, und da er zu schwerfällig und zu schüchtern ist, ihr bas zu lagen, beauftragt er Pierre mit biefer Mission. Der tut es auch, nach anfänglichem Sträuben zwar, aber nun stellt sich heraus, baß Jeanne ihrerseits nicht George, fonbern Pierre liebt. Da haben wir's. Zur Liebe kommt bie Eifersucht, unb aus ber Eifersucht erwächst eine erbitterte Feinb- Ichaft zwischen beiben Männern. Was ist aber von einer Trapeznummer zu halten, bie ohne Netz oben m ber Kuppelarbeitet", wenn bie beiben Män­ner, ber eine hüben, ber anbere brüben, einen Ab­grund zwischen sich, um ber Frau willen, bie jeber für sich haben will, einanber nicht mehr bebingungs- los vertrauen können? Das ist schon so ein Spiel auf Leben unb Tob, jetzt muß es unfehlbar zur Katastrophe kommen. Es kommt nicht bazu, es geht haarscharf baran vorbei; wir wollen bas nicht öor- wegnehmen, unb es mag sich jeber selbst bavon überzeugen, wie bas enbet, wie zur glücklichen Lösung am Enbe aus benDrei Maxims"Zwei Maxims" geworben finb. Ob bas eine Lösung für bie Praxis wäre, kann hier nicht untersucht wer­ben, für ben Film, für bas Publikum ist es bie einzig mögliche. Nicolas Farkas hat bie Spiel­leitung, unb obwohl bas Manuskript nicht gerabe ausgesprochen filmisch genannt werben kann, ist es ihm gelungen, bas Bewegte, Glitzernbe, Aben­teuerliche unb bis zur Sensationswirkung Span- nenbe biefer Fabel ins Bilb zu bringen. Dabei i gelingt es ihm auch, in Episobenszenen wie in i benen mitbemGänsemann", hübsche, kleine Streif- | lichter auf bie Welt bes Varietes hinter ben Ku- | Offen fallen zu lassen. Den Pierre spielt Al- : b e r s, bas ist unbestreitbar eine bankbare Rolle i

Der Film,/Bartete."

Gloria-Palast.

Die Welt bes Theaters, bes Films, bes Varietös urrb bes Zirkus, bie bunte unb immer etwas oben»

Ä nA6ru fd,eS> Großadmirals J-llica-wurde in der W ° st m i N st - r ° b t - i

zu L o n b on auf geb ah r t. Nach altem Brauch halten Matrosen bes KriegsschiffesPembroke" mit um- gekehrtem Karabiner unb gesenktem Haupt bie Totenwache. (Scherl-Bilberbienst-M.)

Kin verdienter Heimatforscher.

LPD. Fronhausen (Lahn), 23. Nov. Der be- rannte Volkskundler Amtsgerichtsrat Karl von B a u m b a ch konnte auf eine 40jährige §^^sb""stzeit zurückblicken. Seit bem Jahre 1912 wirkt ber Jubilar, bem der Führer, bie un& &er Qberlanbgerichtspräsibent Glückwünsche übermittelten, am Amtsgericht in Fronhausen. 0 1

Weißen Mannes Land

Don Otto (5orbach.

tigere Aufgabe zu kümmern, wenigstens die men- sthenleeren ober -armen Räume in ben während bes kolonialen Zeitalters eroberten überseeischen Lanbern beizeiten mit europäischen Aus- manberern z u besetzen.

Soweit man nunmehr ernsthafte Anstregungen macht, bas Versäumte nachzuholen, sträuben sich maßgebenbe englische Kreise boch nach wie vor gegen bie Einsicht, daß sich ohne Zuhilfenahme kontinen- taleuropaischer Auswanderer bei dem Mangel an eigenem geeigneten Menschenmaterial nicht viel er­reichen la fjt. England mag gewichtige Gründe ha­ben, sich im italienisch-abessinischen Streit als Protector of coloured peoples", als Beschützer Obiger Volker zu bewähren. Aber es sollte ein- eyen, daß em friedlicher Ausgleich verhältnismäßig leicht gewesen wäre, wenn britisches Finanzkapital wenigstens einem größeren Teil der Hunderttau- fenbe von Italienern, die vor dem Kriege regel- mäßig jährlich im Auslande Beschäftigung fanden, Arbeitsgelegenheiten, wenn nicht in den eigenen Kolonien oder Dominien, so wenigstens in latein­amerikanischen Ländern erschlossen haben würbe. DieSehnsucht nach einemneurömischen Jmpe- num entftanb ja ursächlich aus ber BebrängniS bes oerhinberten italienischen Auswanderers.

Lars der Gerechte

ILÄÄ und seiner kleinen Familie, die Geschichte einer Sehnsucht nach etge- "er Scholle, die alte Geschichte von Schuld und Schicksal, von Sühne und neuem Lebensbeginn.

ieuerliche Welt der Artisten hat von jeher zu litera- ü cher, theatralischer unb filmischer Gestaltung gereizt, fyoar ist von ber Romantik, bie ber Außenstehenbe noch vielfach mit ber Vorstellung von Komöbianten- Imii unb fahrenbem Volk verbinbet, heutzutage in ier rauhen Wirklichkeit kaum noch etwas zu spü- i?rt, unb gerade beim modernen Variete und Thea- iti- ist das tägliche Leben ganz unb gar auf nüch- feine Sachlichkeit unb harte Arbeit eingestellt. Der fiumDarietä" hält es nun freilich mehr mit ber jcinantif, mit bem abenteuerlichen, unsteten unb ifCen Zufälligkeiten anheimgegebenen Dasein ber leinen Artisten, bie, von Ort zu Ort roanbernb, >) Zelt heute hier unb morgen dort aufschlagen. )i meisten von ihnen wandern ja freilich so bis n ihr Lebensende; aber einmal, ganz selten ein- mcl, kommt auch zu solchen kleinen Leuten vom

für ihn, besser noch und wirksamer alsQuick" seinerzeit, an den dieser Film gelegentlich erinnert; er kann hier den starken Mann machen, einen Kerl mit Mundwerk und Muskeln, das lag ihm von jeher. Gefühlstöne liegen ihm weniger, er ist fein Liebhaber, fein Mann mit Herz, er ist aber ein guter Kerl und guter Kamerad, und er vermag feinen rauhen Ton in den entscheidenden Szenen so sehr zu dämpfen, daß man ihm die Rolle und ben Konflikt in ber kleinen Gemeinschaft glaubt. Das schauspielerische Ereignis unb Erlebnis in diesem Film ist freilich nicht Albers, fonbern Annabella: eine Darstellerin von bezaubernd natürlicher Anmut unb Frische, ganz jung unb schmal; ihr Gesicht unb ihre Figur wirken manch­mal rührenb kindlich, ber fremde Akzent, unüber­hörbar, stört keineswegs, fonbern die weiche, bunkle stimmhafte Lautbilbung ber Auslänberin erhöht

reifen @5 finb Klagen, bie zum Vortrag bei natio- m würben, Festkompofitio- nen für feierliche Versammlungen, ober Musikstücke bie sich mit geschichtlichen Ereignissen beschäftigen Dann gibt es z. B. eine Komposition, bie eine rf^rt schilbert unb bie rhythmische Bewegung ber Ruberer das leise Gemurmel ber Wellen malt $7(111(1)6 bufer Musikwerke finb kriegerisch, anbere roieber ^0101-00^, noch anbere finb voll rührenber Die schönsten Musikwerke für ben Dudelsack stammen von ber berühmten Pfeifer» familie ber MacCrimmon, bie feit bem 15 Jahr- bunbert Diefc Künstler bes Dubelfacks hervorgebracht bat unb bie klassische Kunst bis auf ben heutigen Dog überlieferte. Wer einmal Gelegenheit hat einen ... r. ~ » s bei einem großen

Wettbewerb zu Horen, bem wirb aus ben jubelnden HS , senden, den mächtig brausenden und leise säuselnden Tonen dieser Zauberpfeife bas prächtige Süb altschottischer Festlichkeiten erstehen. 9

Hochschulnachnchten.

ttühere Professor an ber lettischen Universi- tat in Riga Lic. Gustav Mensching ist beauf- Evangelisch-Theologischen ookultat ber Universität Kiel im Winterhalbjahr bie Vertretung ber burd) bas Ausscheiden bes geworbenen Professur für fystematifche Theologie wahrzunehmen. Mensching 'm be^Liturgischen Blätter" und

Aus ber Welt ber Religion".

. Der orbentliche Profesfor Dr. Kurt Goerttler in Hamburg (Anatomie) ist in gleicher Eigen- schast an bie Universität Heibelbera der ordentliche Professor Dr. Hermann S ch u l tz^e' v o n S- Q ^Rostock (Deutsche Rechtsgeschichte Bürgerliches Recht, Handels- und Kirchenrecht) in gleicher Eigenschaft an die Universität Jena be­rufen worden.

Auch das ging dem eigentlichen europäischen Kolonialimperialismus wider den Strich. Abge­sehen davon, daß Frankreich und andere kon­tinentale Kolonialmächte mit gar keinem oder ge­ringem Auswanderungsbedürfnis ohne jegliche Re­gung von Rassenstolz die Eingeborenen in den Kolonien mehr und mehr als den Weißen eben­bürtigeBürger" (farbigeFranzosen",Spanier", Portugiesen" usw.) behandelten, wich England nur dem Druck einer wild aufschäumenden aufrühreri­schen Bewegung in den Dominien aus, als es fein Bündnis mit Japan durch die Weigerung in die Brüche gehen ließ, japanischen Auswanderern Sied­lungsraum innerhalb des Imperiums zu gewähren.

Inzwischen hat die Gefahr, daß es zu einem Masseneinbruch asiatischer Auswanderer in bie vom weißen Manne besetzten Ranbländer bes Stillen Ozeans kommen könnte, eine solche Bebrohlichkeit angenommen, baß sie zu einer Hauptangelegenheit ber britischen Reichsverteibigung geworben ist. Nun erst fällt es ben britischen Kolonialimperialisten gleichsam wie Schuppen von ben Augen, sie erken­nen, welche ungeheuerliche Unterlassungsfünbe es bebeutete, jahrhunbertelang sorglos bie Früchte p o t i tischer Kontrolle über Hunberte von Millionen farbiger Kulis < " -

Nicht nur berKilt" unb bie kleine Mütze geboren 3u einem echten Schotten, fonbern auch ber Dudelsack, ber sogar in ben Musikkapellen ber chottifchen Regimenter vertreten ist. Dieser Dubel- ,adx. l'l w(mchem von uns nur noch bem Namen 3i.?efannf: «r scheint uns ein recht komisches pf nVln riüntn!r 6" sem, unb wenn man von einer klassischen Dubelsackmusik hört, möchte man bies zu- nadjft vielleicht für einen Witz halten. Unb boch gibt es _im schottischen Hochland Sackpfeifer, die als grofee Künstler ihres Faches edelste Musik auf öfefem Instrument zu Gehör bringen. Zu Oban

^uverneß werden alljährlich sogar große Dudel­sack-Konzerte veranstaltet, bei denen die besten Pfei­fer bes Lanbes miteinanber in Wettbewerb treten Das Spielen bes Dubelfacks ist keine leichte Kunst. Jruher gab es berühmte Pfeiferfchulen, in benen öie Zöglinge sieben Jahre lang unterrichtet würben, bevor sie in klassischen Musikstücken öffentlich auf­treten durften. Auch heute noch braucht ein guter Dudelsackpfeifer viele Monate, ja, sogar Jahre des Studiums, wenn er einen Preis bei ben Wett­bewerben erlangen will. Die schottische Dubelsack­musik zerfällt nach einer feit Jahrhunberten fest- gehaltenen Einteilung in brei große Gruppen Die erste, biekleine Musik", umfaßt Märsche unb Tanze, biemittlere Musik" weist hauptsächlich lang­same Märsche, Volkslieber unb sehr einbrucksvolle Klagelieber auf; bie britte Gruppe, biegroße Musik", kann nur auf ber großen Hochlanbs-Dubel- farfpfeife gespielt werben, unb sie stellt höchste An­sprüche an ben Künstler. Sie ist bie sogenannte klassische Dubelsackmusik". Schottlanb besitzt einen reichen nationalen Schatz von Kompositionen für bie Sackpfeife, bie bis ins 16. Jahrhunbert zurück-

,)U [UlU/l'H lieillüll -CelUtll UUlll er. nen Wagen das große Glück, die große Chance, Mi große Erfolg, der sie mit einem Schlage, über §ccht gleichsam, aus den Niederungen ihres namen- lifm Bohemelebens zur Höhe trägt und sie zur Diltberuhmtheit macht, zurgroßen Nummer" im tviendkerzigen Scheinwerferlicht. Einen solchen -chenhaften Aufstieg schildert, anschaulich, ge- stk voll und nicht ohne Humor, dieser Film. Da fh drei wandernde Artisten, zwei Männer und en Frau. Pierre, George und Jeanne, die seit (rnnem miteinanber burch bie Welt ziehen, auf bie Jäjfer unb kleinen Ortschaften, ihr Zelt aufbauen, * Pauken unb Trompeten Reklame schlagen uii bann am Abend im Schweiß ihres Angesichtes, mii primitivsten Mitteln, aber sozusagen auf Tod mit Leben, mit Lust unb Liebe unb einer echten, in vielen Stürmen gehärteten unb erprobten Ka- Mwbschatt Variete spielen. Da sie begabt unb ehr- (Wij g finb, haben sie eines unwahrscheinlichen Mhnbe bas Glück, baß sie von einem großen unb cksiußreichen Theaterbirektor entbeckt, engagiert ui!) sofort alsgroße Nummer" herausgebracht n-rxen. Soweit wäre alles in bester Orbnung.

' ttie- bie große Nummer beruht noch mehr als bie

DerMann auf ber Straße" hatte von jeher bie gefunbe Auffassung, baß Kolonien in erster Linie bie Bestimmung haben sollten,B e v ö l k e ° rungsüberschüsse^ bes Mutterlanbes aufzu- nehmen. Die maßgebenden Kolonialpolitiker haben ihn immer gern barin bestärkt, um ihn für ihre weitergehenden Absichten günstig zu stimmen. In der Hauptsache nämlich kam es biesen stets vor allem barauf an, burch bie Ausbehnung ihrer Ko­lonialherrschaft Rohstoffquellen unb Ab­sa tz m a r k t e zu gewinnen. Das ließ sich am leich­testen durch dieKontrolle über rückständige Län- ber mit dichter farbiger Bevölkerung erreichen Wenn man bie Arbeitskraft bes farbigen Kuli" rücksichtslos ausbeutete, um billige Rohstoffe zu er- halten fo drückte man dadurch" seinen Wert als Abnehmer von Fertigfabrikaten zu sehr herab, aber immerhin konnte man vermöge einerPolitik ber mSlinnon$ir k, unb nach Hunberte von

b?Kio r ^r FJenfd,Jn 3U Zwangsabnehmern 2J 2"f Maschinen hergestellter Massengüter machen. Demgegenüber spielte bie Kaufkraft roei- Pjj Siebler, mochte sie pro Kopf noch so hoch ^n?nJ^f9r°6eu Unb ganzen eine geringe Rolle. Die ^.sis^luerwaltungen zogen weiße Beamte, Kapi- Mm PflanzerKulitreiber" usw. aus ben Mut- terlanbern an sich; ber freie Einwanberer, ber sich m der Wildnis eine frei» Heimstätte gründen wollte, sKeel angesehen, oft gar nicht erst zugelassen ober bald roieber hinausgeekelt.

Zu einer stärkere Einwanberung aus Europa e®. jahrhunbertelang in benneuen" ßänbern über See nur bort, wo sich bie Eingeborenen zu Wroerer, regelmäßiger unb nachhaltiger Arbeit im l)ien|te weißer Herren weber zwingen noch erziehen netzen. Unb ba bevorzugte man aus Afrika impor- tierte schwarze Sklaven. Als Ersatz ober jur Ergänzung bebiente man sich deportierter Ver­brecher aus bem Mutterlanbe, beren Los bann niajt viel besser, nicht selten sogar schlimmer war als bas ber Neger-Sklaven.

Wenn sich gleichwohl in Norbamerika bie Freie weiße Kolonisation frühzeitig in großem ^nle entwickelte, so lag es nur baran, weil bie lehgios unbulbsamen herrschenben Kreise in Enq- uanb Anhängern mißliebiger Sekten gern gestatte- en, einenAuszug aus Aegypten" zu vollziehen, mm sich m amerikanischer Wilbnis ihrZion" auf- Zubauen. Puritaner, Quäker unb Katholiken grün­deten jenseits bes Ozeans Gemeinwesen, bie von A"sang an gegenüber ber alten Heimat ein rebel- Irscher Geist beseelte; sie erhielten immer stärkeren Zuzug unb ihr Wahlspruch:Das Lanb ber Masse! war bestimmen!) sowohl für ben Abfall oom Mutterlanbe, wie für ben späteren Kampf ber Narb- gegen bie Sübstaaten, beren mit schwarzen Sklaven betriebene Plantagenwirtschaft immer irofjere Gebiete jungfräulichen Bobens einer freien Kolonisation vorzuenthalten brohte

Nach bem Verlust ber aufständischen norbamerifa- Aschen Kolonien \ud)te Englanb bie freie Kolonisa- ion in Kanada, Australien unb später auf Neu- -elanb möglichst zu verhindern, indem es für un- efiebeltes Laub so hohe Preise festsetzte, baß mittel- bfe Einwanderer nur durch vieljährige Lohnarbeit Ene entsprechende Summe zum Ankauf einer Sied- Ijngsfteüe ersparen konnten. Um so schwunghafter »uröe die Einfuhr von zur Deportation verurteilten Verbrechern betrieben, die als Kontraktsklaven ent­weder für Wegebauten oder andere öffentliche Ar- lsiten verwandt oder aber an private Unternehmer wrliehen wurden. Die unerwünschte Folge aber war, daß englische und kontinentaleuropäische Aus- v anderer fast ausschließlich den freien Gemein- refen der nordamerikanischen Union, später auch ten mittel- unb südamerikanischenSchwestern- r publiken" zuströmten. Erst dadurch wurde Eng- lind veranlaßt, einer freien Kolonisation in seinen iverseeischen Besitzungen mit ber Zeit einigen Spielraum zu gewähren.

Die freie Kolonisation in ben Vereinigten Staa-! kn war bas Schwungrab einer Entwicklung, bie I

AlpenoeremszeitschriftDer Berg- Re.r. F-, Bruckmann AG. München) bringt interessante Beiträge über schwierige Fahr- s- fei e'"Marttge Lichtbilber. Vor allem sinb bri^. hrUn9n /i9° TomascheksDie Mächte bricht und von Hubert Peterka über Kaukasus- fafjrten zu nennen, aber auch BilkosOfttiroler Erinnerungen" und ber kulturhistorische Bilber- Alt-Berchtesgaden wird gefallen. Walter 5 6rfreUt mit ^ner trefflichen Kurzg/.

Erne wie geringe Rolle die Entfaltung euro­päischer Kolonialmacht bei ber tatsächlichen Be­setzung überseeischen Bobens mit weißen Menschen spielt, geht ohne weiteres baraus hervor, baß von runb 55 Millionen Europäern, bie in bem Jahr­hunbert, bas 1920 enbigte, ben Atlantik kreuzten, um brüben neue unb bessere Lebensmöglichkeiten zu finben, nur 10 Millionen Briten waren, wobei nicht nur bie übermältigenbe Mehrheit ber Konti­nentaleuropäer, fonbern auch 65 v. H. ber Briten non ben Vereinigten Staaten ausgenommen wür­ben. Nur 15 v. H. ber britischen Auswanberer gingen nach Kanaba, 11 nach Australien, 7 nach anberen Teilen bes Empire.

Seit 1931 ist in Englanb bie Zahl berRück- roanberer größer als ber Leute, bie braufeen ihr Gluck suchen wollen; im Jahre 1933 betrug ber Wanberungsgewinn 33 000. Wenn bas auch haupt­sächlich an ben Sperrmafenahmen liegt, bie bie Do­minien seit bem Einsetzen ber Weltwirtschaftskrise wegen ber bei ihnen entftanbenen Arbeitslosigkeit verhängten, so finb boch biefe Sperrmafenahmen, wie bie allgemeinen Erscheinungen ber Krise, vor- mtegenb nur Ausbruck einer immer stärkeren Be­anspruchung bes internationalen Finanzkapitals für bie Entwicklung von ßänbern mit farbiger Bevölke­rung, bie sich baburch inftanbgefefet sehen, ihre eigenen mobernen Probuktiokräste zu entwickeln, b. h. sich zu inbuftrialifieren unb von frember Warenemsuhr möglichst unabhängig zu machen.

Die bobenftänbige moberne Macht- unb 5ßirt- schaftsentsaltung in ben ßänbern ber farbigen Völ-