nen 2frt der Regierung allerhand Sorgen und lassen schon am Horizont das erhebliche Steigen einer irredentistischen Gefahr voraussehen." Ein Blick auf die gesamte Volksentwicklung Italiens und Frankreichs feit dem Jahre 1880 läßt diese Besorgnis durchaus als berechtigt erscheinen, sobald die Italiener nicht mehr als Einzelsiedler, sondern als bewußteVorposten eines volksbewußten Regimes ins Ausland gehen. War doch im Jahre 1880 die Bevölkerung Frankreichs noch mit 37,45 Millionen um falt ein Drittel größer als die Italiens mit 28,12 Millionen Einwohnern! 1931 hatte bagegen Frankreich mit 41,83 Millionen knapp 800 000 Einwohner mehr als Italien. In wenigen Jahren wird Italien wahrscheinlich also mehr Einwohner haben als Frankreich!
Diese nüchternen Zahlen beleuchten eindeutig die eigentliche latente Gefahrenzone am Mittelmeer. Sie zeigen, daß Frankreich ein berechtigtes Interesse daran haben muß, Italien außenpolitisch so fest^ulegen, daß es das Wohlwollen Frankreichs für lange Zeit hinaus benötigt. Rur so konnte Italien $um Verzicht auf eine irre» dentistische Propaganda in Nizza und Savoyen usw. gezwungen werden. Der Schachzug Lavals vom Januar 1935 bedeutet ein Umbiegen der zunächst nach Tunis gerichteten italienischen Expansionsbewegungen auf Kosten Englands! Wohnen doch in Tunis heute allein gegen 91 000 Menschen mit
italienischer Staatsangehörigkeit, denen nur knapp 90 000 Franzosen gegenüberstehen.
Die Zahlen zeigen aber nicht nur latente Gefahrenquellen, sie unterstreichen zugleich auch die Berechtigung des italienischen Anspruchs auf Lebensraum für feine Bevölkerung. Ob Mussolini diesen freilich mit der Unterwerfung des Unruheherdes in Abessinien schaffen kann, darf bezweifelt werden, da er sich dabei von den eigentlichen Expansionsmöglichkeiten Italiens in den fruchtbaren Gegenden Mittel- und Südfrankreichs, in dem Wein- und Gemüsegarten von Tunis abdrängen läßt.
Auf die Dauer dürften diese französischen Manöver fruchtlos bleiben. Denn dasjenige Volk erobert ein Land endgültig, das den Boden besitzt und bebaut. Unter solchen Voraussetzungen dürfte auch das heutige Wunschbild einer Annäherung der „lateinischen Schwestern" in Zukunft zu schwereren Belastungsproben führen, die weder Frankreichs Selbstgefühl, noch Italiens Landhunger befriedigen können. Nicht Abessinien, sondern Korsika, Tunis und Savoyen werden eines Tages die Objekte einer naturnotwendig kommenden Auseinandersetzung der beiden lateinischen Mittelmeermächte sein. Daß Frankreich diese Entwicklung vorausahnt und sich bereits bei England Rückendeckung sucht, beweisen die Genfer Ereignisse.
Kabinettswechsel in Bulgarien.
Oer bisherige Außenminister Lhef der neuen Regierung.
Sofia, 23. Nov. (DNB.) Das Kabinett T o s ch e f f ist Samstag zurückgetreten, da es nicht imstande war, die ihr vom König gestellten Aufgaben der Ausarbeitung einer neuen Verfassung und einer Wahlordnung zu erfüllen. Der König vollzog am Samstagnachmittag die Ernennung des neuen Kabinetts, in dem das Ministerpräsidium und das Ministerium des Aeußeren der bisherige Außenminister Küsse- I w a n o f f übernommen hat. Inneres: General a.D. Sapoff; Finanzen: Der bisherige Dizegouver- neur der Bulgarischen Nationalbank, G u n e f j; Unterricht: General a. D. Jo wo ff; Krieg: Divisionskommandeur General Lu ko ff; Oeffentliche Arbeiten: Der bisherige Staatssekretär Ingenieur Ganeff; Verkehr: Ingenieur Stojanoff; Landwirtschaft: Professor Atanasoff; Handel: Großkaufmann W a l e f f.
Der König wies in einer kurzen Ansprache aus feinen Aufruf vom 22. April d. I. hin, in dem betont worden war, daß Bulgarien in feinem staatlichen Leben nicht mehr von dem feit dem 19. Mai 1934 vorgezeichneten Weg abweichen werde, d. h. vom autoritären System. In diesem Aufruf war auch eine vom Volk selbst gebilligte Verfassung versprochen worden, deren Schaffung die Hauptaufgabe der neuen Regierung sein wird.
♦
Als König Boris am 21. April dieses Jahres den Professor der Botanik und ehemaligen Gesandten in Cettinje, Belgrad, Konstantinopel und Wien T o s ch e f f aus dem selbstgewählten Ruhestand und aus seinen wissenschaftlichen Arbeiten herausholte, und ihm den durch den Rücktritt des Generals S l a t e f f freigewordenen Posten des Regierungschefs anzubieten, war von vornherein klar, daß die Position des neuen Mannes außerordentlich schwierig sein würde. Das innerpolitische Leben des uns befreundeten bulgarischen Staates ist überreich an Spannungen, die auch seit dem Umsturz vom 19. Mai 1934 und feit der damit verbundenen Einsetzung einer autoritären Regierung nicht abgeklungen sind. Die wichtigste Aufgabe, die Toscheff zu erfüllen hatte, war die Schaffung eines neuen Verfassungsentwurfes, durch welchen die autoritäre Stellung des Königs und des Ministerpräsidenten verstärkt und der Einfluß des künftigen Parlaments verringert werden sollte. Außerdem war auch eine weitgehende A ende r u n g der Wahlordnung vorgesehen, die unter anderem in der Verminderung der Abgeordnetensitze ihren Ausdruck finden sollte.
Wenn auch der Rücktritt des Kabinetts auf inner-
politische Gründe zurückgeführt wird und Tofcheff selbst mitgeteilt hat, daß der Rücktritt zweier Ressortminister ihn zur Gesamtdemission veranlaßt habe, so dürfte doch vor allem die neuerliche Zuspitzung des Verhältnisses zu Jugoslawien eine Hauptrolle gespielt haben; man muß sich vergegenwärtigen, daß der bisherige Ministerpräsident einst der Syndikus der mazedonischen Unabhängigkeitsbewegung „Jmro" gewesen ist und daß er sein politisches Leben dem Kampfe um die Unabhängigkeit bzw. die Einverleibung Mazedoniens in Bulgarien und dem Kampfe gegen das alte Serbien und das heutige Jugoslawien geweiht hatte. Es ist ohne weiteres nicht erkennbar, ob das Wiederaufleben des Mißtrauens zwischen Bulgarien und Jugoslawien unmittelbar mit feiner Person zusammenhängt. So viel ist nur sicher, daß seit seiner Amtsführung der offene und vielversprechende Gedankenaustausch zwischen den feindlichen flämischen Brüdern immer mehr versandet ist und schließlich ganz aufhörte.
Den neuen Ministerpräsidenten und bisherigen Außenminister Küsse-Jwanoff kann man als einen außenpolitischen Antipoden Toscheffs bezeichnen; er war von jeher ein überzeugter Gegner der „JMRO." und genießt seit seiner mehrjährigen Tätigkeit als Gesandter in Belgrad das Vertrauen der jugosiawischen Regierung. Dazu kommt noch, daß Küsse-Jwanoff als früherer Chef der Kanzlei des Königs das besondere Vertrauen seines Monarchen genießen soll. Ob und inwieweit der neue Ministerpräsident feinen innerpolitischen Ausgaben gewachsen sein wird, muß sich erst noch Herausstellen. Vom außenpolitischen Standpunkt gesehen dürste seine Ernennung daraus hinauslaufen, eine Beseitigung der bestehenden Mißverständnisse und eine engere Zusammenarbeit mit Jugoslawien vorzubereiten, um endlich ein Gegengewicht zu schaffen für die von außen her in den Balkan hineingetragene Willkür imperialistischer Diplomatie, für die das Schicksal der Balkanvölker nur ein Mittel darstellt, um eigenen Interessen zu dienen.
In unterrichteten Kreisen möchte man annehmen, daß auch ein Kabinett Küsse-Jwanow nur einen Uebergang darstellen würde. Im Hintergründe steht immer noch Alexander Zankoff zur Verfügung, dessen Erneuerungsbewegung von dem Standpunkt ausgeht, daß mit parlamentarischen Mitteln bzw. mit Umgruppierungen bereits bestehender Strömun- aen dem Staatswohl auf weite Sicht hinaus nicht sonderlich gedient fei, sondern daß die Erneuerung des Volkes und die Erneuerung der Politik von einer Erneuerung auch der geistigen und politischen Grundhaltung des Volksganzen getragen sein müßte.
Eeparattsten-Bewegung in Nordchina.
Zn Hopei wird eine »unabhängige Regierung" auögerufen.
P e i p i n g , 23. Nov. (DNB.) Der Schwerpunkt der Unabhängigkeitsbewegung in Nordchina liegt gegenwärtig in Tientsin, wo am Samstag die Ausrufung einer unabhängigen R e - g i e r u n g von Hopei durch zahllose Flugblätter angekündigt worden ist. Wie aus diesen Ankündigungen heroorgeht, wird diese neue Regierung aus fünf Ausschüssen bestehen. Der politische Ausschuß steht unter der Leitung des Generals Schihsiehyuan, eines bekannten Mitgliedes der Schihlipartei, die vor zehn Jahren durch den Fall Wupeifus aus dem politischen Leben Chinas ausgeschieden ist. Schihsiehyüan hat viele Jahre in Japan gelebt. Den militärischen Ausschuß wird Schihyusan, der „Graue General", leiten, dessen Unabhängigkeitsbestrebungen seit langem bekannt sind und der bei dem Handstreich auf Pei- pwg feine Hand im Spiele hatte. Die Leitung des außenpolitischen Ausschusses soll einem Koreaner namens Li anoertraut werden, der in Tientsin die Zeitung „Pungpao" herausgibt. An diese drei Ausschüsse reihen sich dann ein wirtschaftspolitischer Ausschuß und ein Ausschuß, dessen Hauptaufgabe die Bekämpfung des Kommunismus ist. Als zukünftiger Gouverneur der Provinz Hopei wird der Verwaltungschef des Dftteils der entmilitarisierten Zone, P i n j u k e n g, genannt. (Barnifonfommanbant für Peiping und Tientsin soll P a i f ch i e n w u werden, der Ende Juni den mißglückten Handstreich auf Peiping geleitet hat.
Die vorläufige Regierung Ost-Hopeis hat von der Stadt Tungtschau aus ein Rundtelegramm an bie Häupter ber fünf Norbprovin- zen gefanbt, in bem sie unter scharfen Angriffen auf bie Nanking-Regierung unb bie Kuomintang aufforbert, an ber neuen Unabhängigkeitsbewegung teilzunehmen. Das Ziel einer völligen Trennung von Nanking wirb offen zugegeben. Die Bewegung stützt sich vornehmlich auf zwei Organifa« tionen, bie ihren Sitz in ber japanischen Konzession in Tientsin haben. Bei ber einen hanbelt es sich um bie von bem Japaner Kojischo organisierte „F r i e b e n s g e s e l l s ch a f t", bet ber zweiten um bie „Bereinigung zur B e - fchleunigung ber Dolksautonomie für Norbchin a". Beibe Organisationen stehen den japanischen Truppen sehr nahe. Der
Regierungsausscbuß in Tungtschau besteht ausschließlich aus Unterbeamten I i n j uk e n g s und Offizieren der Sonderpolizei der entmilitarisierten Zone. Die Haltung Sung- ch e y u a n s und der 29. Armee ist noch ungewiß. Von ihrer Haltung jedoch wird die weitere Entwicklung der Bewegung abhängen.
In Flugblättern wird die Notwendigkeit betont, daß die Bevölkerung Nordchinas mit Japan und Mandschukuv zur Verwirklichung eines allasiatischen Programms Hand in Hand gehen müsse. Die Flugblätter wenden sich besonders an die G e h e i m g e s e 11 s ch a s t e n Tsing- p a n g, was soviel wie „Blaue Bande" bedeutet. Andere Handzettel greifen die Währungspol i- t i k der Nanking-Regierung an und rufen zur Bekämpfung des Silberabzuges aus Nordchina auf, obwohl Die Regierung ausdrücklich versichert hat, daß ein solcher nicht beabsichtigt sei.
Maueranschläge, die gleichen Inhaltes waren wie die Flugblätter, wurden von der Bevölkerung sofort wieder abgerisien. Im Namen der Universitäts- freife, aber auch des überwiegenden Teiles ber Bevölkerung Peipings, erklären der bekannte Philosoph H u s ch i a und andere Persönlichkeiten des Geisteslebens in Nordchina in einem Rundtelegramm feierlich ihre äußerste Gegnerschaft gegen jeden Versuch, Teile von China abzutrennen oder unter besondere politische Organe zu stellen. Sie fordern die Zentralregierung auf, alle Kräfte der Nation zur Bewahrung der Gebiets- unb verwaltungsmäßigen Unversehrtheit Chinas einzusetzen.
Chinesische Truppen gehen nach Hopei.
Japanischer Protest gegen die Verletzung der entmilitarisierten Zone.
Tokio, 25. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der Ober- tommanbierenbe bes Militärbezirks Peiping-Tient- sin, General Sungtscheyuan, hat sofort nach ber Erklärung ber Selbständigkeit von Ost-Hopei brei Kompanien Infanterie nach Tungtschau, der Hauptftabt bes abgefallenen Gebietes, gefanbt. Die japanischen Militärbehörden haben
Oie Flucht des Großen Pferdes.
Sven Hedins neues Buch über eine Autoexpeditton in das westlichste Ehina.
Das „Große Pferb" ist nicht etwa ein vierbeiniges Roß, fonbern ber Beiname eines Chinesen, bes jungen Generals Ma Chung-yin, der im Jahre 1934 um d i e Herrschaft über Sinkt a n g kämpfte. Diese chinesische Provinz, bie im wesentlichen aus Teilen der Dsungarei unb Chinesisch-Turkestans besteht, beherbergt auf einer Fläche von 1,8 DUllionen Quabratkilometer etwa 2,6 Millionen Menschen — bas Land ernährt also auf vierunbeinhalbmal so großem Boden wie das Deutsche Reich nur den 24. Teil ber reichsbeutschen Bevölkerung. Sinkiang besitzt bemnach nur ungefähr den 90. Teil ber Bevölkerungs- b i d)t e bes Deutschen Reiches, lieber ein solches riesiges, halb leeres Gebiet zu herrschen, das ungeahnte Möglichkeiten der Entwicklung birgt, dürfte zweifellos feine Reize haben. Unb Die hat benn Man Chung-yin, bas Große Pferb, auch gründlich ausgenützt. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: er war ein Wolf im Schafspelz. Hinter weltmännischem Benehmen und ansprechendem Aeußeren verbarg er ein finsteres, brutales Wesen. Er ließ die Einwohnerschaft einer ganzen Stadt über die Klinge springen, weil feine Soldateska von ihr nicht mit offenen Armen begeistert empfangen worden war, schoß Offiziere nieder, die nach seiner Meinung undifzipliniert gehandelt hatten, schonte weder Frau noch Kind — und ging dann fröhlich und ohne sich von einem empfindlichen Gewissen beschweren zu lassen, mit den Damen der ausländischen Gesellschaft Tennis spielen und höfliche Konversation treiben.
In die unheimliche Gewalt dieses Mörders in der Maske eines Elegants geriet Sven Hedin, mit ihm seine Gefährten. Im Hochsommer 1933 erhielt der Forscher von der Zentralregierung in Nanking den Auftrag, auf feiner Expedition bie Möglichkeiten von Autostraßen b ur cf) bie große Wüste zwischen China unb Sinkiang zu erforschen. Mit 4 Lastwagen, einer Limousine unb 14 Begleitern machte er sich auf bie Reise. Als sie sich im Frühjahr 1934 burch unbewohnte (Begenben ber Stadt Hami näherten, ber ersten großen Oase in Sinkiang, hörten sie von ben schrecklichen Kämpfen, die das Land fast verbluten ließen. „Meine Verantwortung war wirklich sehr groß." So schreibt Sven Hedin. „Es handelte sich um bie Anlage von Auto st raßen burch bie größte Wüste ber Erbe im Dienst einer fremben Regierung. Aber, was noch mehr war, ich trug auch bie Verantwortung für bas Leben berer, die unter meinem Befehl standen, und niemand wußte besser als ich, daß es ein wildes, beinahe wahnsinniges Abenteuer war, das ich ausführen wollte, ein Wagnis, in bem ich nicht bloß anberer Leute Leben, fonbern auch meine eigene Ehre aufs Spiel fetzte... Als es dun- kel würbe, glaubte ich bas Hohngelächter zu hören, das mich bei ber Rückkehr zur Küste erwartete, wenn ich das Spiel verlieren würde." Aber der Siebzigjährige wagte den großen Einsatz — ein ernstes Ringen um Sein oder Nichtsein nahm seinen Anfang.
Der Weg ging an Bauernhöfen, Aeckern unb (Bärten vorüber. Alles war verwüstet, bie Dächer waren verbrannt und eingestürzt, die Bäume verkohlt unb schwarz. Nur bie Stämme waren noch übrig unb sahen aus wie Kirchhofskreuze. Adler und Habichte spähten über ber Einöde nach Ratten, den einzigen Bürgern dieser Stätten des Grauens.
Immer wieder mürbe die Autokolonne von Sol« baten aufgehalten, bie mit angelegtem Gewehr mitten auf die Fahrbahn stürzten; sie waren roh und wild, unb es fehlte nicht viel, daß sie schossen. Sven Hedin besaß mehrere Pässe, unb es bedurfte wacher Aufmerksamkeit, daß jeweils der richtige vorgezeigt wurde.
Nach einigen Tagen solchen anstrengenden Fah- rens durch diese Landschaft des Todes wurde ein heftiger Feuerangriff auf die Expedition verübt. Das Große Pferd trat auf den Plan! Sven Hedin und seine Kameraden wurden gefangen- gesetzt; man behandelte sie zwar höflich, aber ein drohender Schatten hing über ihnen. Diese dunkle Wolke verdichtete sich eines Tages zu einem tobenden Gewitter: Ma Chung-yin war endgültig geschlagen worden, unb nur die schnellen Kraftwagen der Expedition ermöglichten ihm noch die Flucht. Zunächst fragte er nur an, ob Dr. Hedin ihm seine Autos leihen wollte; doch lag darin ein deutlich warnender Unterton. Der Befragte antwortete, daß er von ber Zentralregierung strenge Weisung erhalten habe, nicht in ben innerpolitischen Kampf Chinas einzugreifen. Aber was kümmerte bas Große Pferd schon Nanking? Er lieh eine Abteilung seiner wilden Soldateska aufmarschieren. Sven Hedin unb seine Gefährten wurden an bie Wanb gestellt, man fesselte ihnen bie Hänbe, Pistolen richteten sich auf bie Herzen — es fehlte nur noch eins: „Legt an! Feuer!"
Wie es bem helbenhaften Forscher, ber in seinem abenteuerlichen Leben mehr als einmal bem Tobe ins Angesicht gesehen hatte, im letzten Augenblick gelang, bie Gefahr abzuwenben, auf welche meisterhafte Weise er danach auch bie siegreichen Feinbe bes Großen Pferbes besänftigte, die bie Expebition bafür verantwortlich machten, baß er entkam (breimal innerhalb weniger Tage sollten sie erschossen werben), wie ber Forscher burch seine Persönlichkeit bas Vertrauen ber Generale errang, das macht den weiteren Inhalt des Buches „D i e Flucht des Großen Pferdes" (mit vielen Photos, Originalzeichnungen Sven Hedins unb einer vierfarbigen Routenkarte bei Brockhaus, Leipzig, Preis geb. 8 Mark — 502 —) aus. Das Buch gibt ein erschütterndes, ungemein fesselndes Bild von der innerasiatischen Kriegführung und schildert in glühenden Farben ein großes Land auf Gottes weiter Erde, über das sämtliche Plagen dieser Welt ausgegossen sind.
Endlich, endlich, nach langen, ermüdenden Kämpfen, tauchte ein silberner Hoffnungsstrahl am sonst so trüben Horizont der Expedition auf: Der Weg in die Wüste stand frei! „Und so brachen wir auf zu einer der bezaubernsten Reisen, die ich je im Herzen Asiens gemacht habe. Denn jetzt kehrte ich nach dreiundvierzig Jahren in mein altes Reich rings um die Ruinen von Lou-lan unb zu bem roanbernben See zurück. Wir zogen in eine anbere Welt, bie feierlich unb vornehm war unb burchbraust von ben Winben ber Wüste. Von bem Krieg in Sinkiang hatten wir genug. Jetzt würben wir für einige Zeit Ruhe finben für unsere Seelen in einer Gegend, wo die Erde selbst von Erinnerungen aus vergangenen Jahrtausenden singt, unb deren größter Reiz ist, daß keine Grausamkeit unb keine Leiden ihren Frieden stören unb Menschen ihren klassischen Boben nur selten betreten."
gegen biefe Maßnahme unter Berufung auf ben Waffenstillstand von Tangku, durch den chinesischen Truppen das Betreten der entmilitarisierten Zone untersagt wurde, Protest eingelegt.
In Tientsin veranstalteten 8000 Chinesen eine Kundgebung, in der ebenfalls die Selbständigkeit von der Nanking-Regierung gefordert wurde. Die Kundgeber besetzten alle öffentlichen Gebäude, sie wurden jedoch aus dem Polizeipräsidium wieder vertrieben. Die chinesischen Behörden haben die japanischen Militärbehörden gebeten, ihnen bei der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in Tientsin behilflich zu sein.
Die polttik 3aW.
Tokio erwartet Vorschläge der Nanking- Negierung.
Tokio, 25. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte, die japanische Regierung erwarte genaue Vorschläge der Nanking - Regierung für die Durchführung der von Dschiangkaischeck angenommenen japanischen Forderungen. Der Finanz- und der Außenpolitik der Nanking-Regierung müsse man den Charakter einer zentralen chinesischen Regierungspolitik absprechen. Das Verhalten der Nanking- Regierung sei unaufrichtig. Sie vertrete nur einzelne Gruppen, gestützt auf gewisse Mächte. Die Politik der Nanking-Regierung sei gegen d i e altchinesischen und japanischen Interessen gerichtet. Der Sprecher gab schließlich Angriffe japanischer Kreise auf das Auswärtige Amt in Tokio wegen der Verhandlungspolitik mit der Nanking-Regierung zu.
Militärische Beratungen der Kleinen Entente.
Belgrad, 24. 'Roo. (DNB.) In Belgrad ist eine Konferenz der General ft abschefs der Kleinen Entente zusammengetreten. Auch der rumänische Verkehrsmini st er soll Ressortangelegenheiten mit bem jugoslawischen Eisenbahnminister besprechen wollen. Seine Anwesenheit bürste aber mit der Konferenz ber Generalstäbe im Zusammenhang stehen.
Athen in GrwattiW des Königs.
Athen, 24. Nov. (DNB.) Aus allen Gegenben Griechenlanbs finb viele Taufende nach Athen gekommen, um hier am Montag ben Einzug bes Königs zu erleben. Auch viele Fremde, unter ihnen zahlreiche ausländische Journalisten, haben sich eingefunden. Die griechische Hauptstadt ist bereits jetzt festlich geschmückt. Ein Meer von Fahnen, Wappen, Kronen und Königsbildern deutet auf den Festtag hin. Extraausgaben der Zeitungen unterrichten über die Ueber- fahrt des Königs.
Am Sonntagmorgen befand sich ber Kreuzer „Helli" auf der Höhe von Korfu und wurde mit 21 Schüssen Salut begrüßt. Der Kreuzer fuhr dicht am Quai vorüber, so daß die aus dem ganzen Lande herbeigeströmte Menge den König begrüßen konnte. Eine große leuchtende Königskrone mit einem Willkommensgruß strahlte weit über das Meer hinaus. Die Bevölkerung, darunter Schulen
und Militär, hatte schon seit fünf Uhr ben König erwartet. Der König war in Abmiralsuniform, in seiner Begleitung befanben sich ber Kronprinz unb Abmiral Sakellariou. Die Begeisterung bes Volkes war unbeschreiblich. Nach langsamer Vorüberfahrt verschwanb bie Flotte im Morgengrauen.
Sicherung derAnwattssreiheii TagungderNeichsfachgruppeRechtsanwätte des NS.-Juristenbundes.
Berlin, 23. Nov. (DNB.) Die NSK. berichtet u. a.: Die Tagung ber Reichsfachgruppe Rechtsanwälte bes NS.-Juristenbunbes befaßte sich eingehenb mit ber Notlage ber Anwaltschaft unb ben Möglichkeiten ihrer Milberung unb Behebung. Der Reichsjuristenführer wies auf bie notroenbige Sicherung ber Anwaltsfreiheit hin, sie sei eine ber ©runblagen für ben nationalsozialistischen Staatsaufbau, bei bem Rechtssicherheit, Rechtswahrheit unb Rechtsklarheit an ber Spitze stehen.
Der Umbruch bes Staatsaufbaues im nationalsozialistischen Sinne könne niemals etwa zu einer Verbeamtung ber Anwaltschaft führen, alle darauf abzielenden Versuche gingen gerade an den wesentlichen Erfordernissen des unabhängigen An- walts als des Repräsentanten des Volksgewissens auf dem Gebiete des Rechts vorbei. Unter diesem Gesichtspunkt ging der Reichsjuristenführer insbesondere auf die Unvereinbarkeit der Pensionierung älterer Anwälte von Staats wegen mit dem Prinzip des freien Anwaltsberufes ein und befaßte sich unter warmem Einsatz für die nachwachsende Jugend mit dem Ausleseprinzip. Die Beseitigung aller unwürdigen Elemente aus der Anwaltschaft ist ein Gebot des Nationalsozialismus. Die Not der Anwaltschaft erheischt eine grundsätzliche Lösung und Behandlung. Der Reichsjurlstenführer dankte allen an dem Gesetzentwurf zur Behebung der Not der Anwaltschaft beteiligten Stellen und billigte grundsätzlich die oorgelegfen Entwürfe.
Der Stellvertreter bes Reichsjuristenführers, Rechtsanwalt Dr. R a e k e , gab einen Ueberblirf über bie bisherigen gesetzlichen Regelungen. Der kommissarische Reichsfachgruppenleiter, Rechtsanwalt Dr. D r o e g e , erläuterte bie weiteren für bie Behebung ber Notlage in Aussicht stehenben gesetzlichen Regelungen, über bie eine Aussprache ftattfanb.
Pfarrer zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt.
Siegen, 23. Nov. (DNB.) Das Sonbergerichk bes Oberlandesgerichts in Hamm verurteilte ben Pfarrer Anton Ebers aus Kirchveischede z u sieben Monaten Gefängnis. Die Verurteilung erfolgte wegen fortgesetzten Vergehens gegen die Verordnung zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Reichsregierung und die nationale Erhebung sowie gegen das Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf den Staat und die Partei. Ebers hatte sich dritten Personen gegenüber mehrfach in einer unglaublichen Weise geäußert, bie geeignet war, bas Ansehen ber Reichsregierung unb ber Partei zu schäbigen, bie von innen geschaffenen Einrichtungen verächtlich xu machen unb bas Vertrauen zur politischen Führung zu untergrabt»


