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Hernsprechanschlüffe

unter Sammelnummer 2251

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siehrn

Nr. 275 Erstes 185. Jahrgang Montag, 25. November 1935

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zrantt^ °m Main 116«! Druck und Verlag: vrühl'sche UnioersttStr-vuch- und Steindn-cker-i R. Lange in Sieben. Schriftleitung und GeschSfirftelle: Schulstraße 7 ÄWkZULW

Zusammentritt des Gankttonsausfthuffes verschoben.

England stimmt dem Wunsch Lavals nach Hinausschiebung neuer Ganktiousbeschlüffe gegen Italien zu.

11 a r J 3 ' Nov. (DNB.) Laval hatte eine Unterredung mit dem englischen Botschafter, sie be- 3°9 stch auf die für den 29. November erwartete Sitzung des 18e r-A usschusses der S a n k- tionskonferenz, der über das Ausfuhr­verbot für Erdöl, Kohle und Ei en n a ch Italien Beschluß fassen sollte. In Genf nimmt man an, daß Frankreich und England sich aeemigt hätten, die Tagung dieses Ausschusses a u f | pater zu verschieben, in der Erkenntnis, daß ein Ausfuhrverbot für Erdöl die politische Spannung in gefährlicher Weife verschärfen wurde.

DasJournal" erklärt, Laval habe sich ausschließ­lich von der Erwägung leiten lassen, daß eine Ver­handlung über eine so wichtige Maßnahme wie die Sperrung der Oelzufuhr nach Italien nur möglich sei, wenn alle beteiligten Regierungen in der Lage seien, die volle Verantwortung für ihre Beschlüsse zu übernehmen. Die französische Regie­rung aber stehe am Vorabend sehr wichti­ger inner politischer Beratungen und der französische Ministerpräsident habe occher den Wunsch, zunächst einmal den Ausgang der großen Kammeraussprache abzuwar- t e n, ehe er sich auf so wichtige außenpolitische Be­schlüsse einlasse. Der britische Botschafter habe die Berechtigung dieses Standpunktes anerkannt und sich im Namen seiner Regierung mit dem Vor­schlag einer Vertagung einverstanden erklärt.

DerPetit Parisien" behauptet, daß der Ent­schluß Lavals auf außenpolitische Erwä­gungen zurückzuführen fei. Frankreich befürchte, daß die Ausdehnung der Sühnemaßnahmen auf Oel von Italien als eine feindliche Hand­lung militärischen Charakters ange­sehen werden könne. Die schon jetzt sehr gespannte Atmosphäre würde sich dadurch nur noch verschlech­tern. Der britische Botschafter habe den fran­zösischen Standpunkt anerkannt und sich ihm angeschlossen.

DasEcho de Paris" sagt, daß sich Italien die bisherigen wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen zwar habe gefallen lassen, daß es aber eine Sperrung der Oelzufuhr als feindselige Handlung an­sehen würde. Diese Ansicht hätten auch die Bot­schafter Italiens in London, Washington und Mos­kau sowie die italienischen Gesandten in Bukarest und im Haag m i t g e t e i l t. Frankreich gehöre nicht zu den Ländern, die Petroleum aussühren, es kaufe vielmehr selbst im Auslande seinen Petroleum­bedarf. Deshalb brauche sich auch Frankreich nicht in den Mittelpunkt der Aussprache ziehen zu lassen, sondern es könne diese Angelegenheit den andern ü b e r I a f f e n.

England will selbst die Initiative ergreifen.

Unmittelbare Besprechungen mit Italien ohne französische Vermittlung.

London, 25. Nov. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" schreibt, um ein wirksames Oelausfuhr- verbot zu sichern, sei die uneingeschränkte Mitarbeit von Sowjetrußland, Rumänien, Holland, Venezuela und den Vereinigten Staaten unentbehrlich. Infolgedessen rufe der Aufschub, der durch die Lage in Frankreich verursacht sei, keine wesentliche Aenderung hervor. Nach Berichten aus Paris wolle Laval die neue Atempause zu wei­teren Versöhnungsbemühungen be­nutzen. Seit einiger Zeit habe er es sich angelegen fein lassen, Mussolini der außerordentlich freund­schaftlichen Haltung Frankreichs gegenüber Italien zu versichern. Frankreich habe Italien versichert, daß es bereits in der Frage der Anwendung von Sühnemaßnahmen bis zu der beabsichtig- ten Grenze gegangen sei. Im Falle von Oel undKohle werde Frankreich keine wirk­same Aktion zu unternehmen brauchen.

Inzwischen seien Anzeichen bemerkbar, daß die britische Negierung, nachdem sie vom Lande eine neue Vollmacht erhalten habe, entschlossen sei, bei ihren Beziehungen mit Rom eine unabhän - gigereRolle zu spielenals bisher. Dies |ei das logische Ergebnis der Erlaubnis, die der Völkerbund am 3. November gegeben habe, als Großbritannien und Frankreich ersucht wurden, ihre Bemühungen um Herstellung des Friedens fortzu- etzen. Während der letzten drei Monate habe die »ritische Regierung sich damit begnügt, Laval hie Initiative bei den Nachforschungen nach einer Friedensgrundlage zu überlassen. Ein u n e r ro a r - leter Besuch des britischen Botschaf- I e r 5 bei Mussolini am Samstag habe an­scheinend zeigen sollen, daß auch unmittel- 1 are Besprechungen zwischen Italien i n b Großbritannien möglich seien. Die Anregungen des Botschafters seien bestimmt ge- nefen, den Weg für einen Beistand Großbritan­niens bei der Wiederherstellung des Friedens auf einer gerechten Grundlage zu ebnen; man rechne eher nicht mit positiven Ergebnissen vor Ablauf eines ober zweier Monate.

NomsAnIworiaufdieSanttionen

Rom, 24. Nov. (DNB.) Je mehr die Sühne- waßnahmen sich auswirken, um so heftiger wirb I» Italien der Widerwille gegen alles» was <m die

sanktionsführenden Staaten erinnert. So richtet sich die Stimmung gegen fremde Straßen­namen, deren Straßenschilder an verschiedenen Stellen der Stadt über Nacht a u s g e w e ch s e l t wurden. Nach der Umbenennung der nach belgi­schen Städten benannten Straßen ist jetzt die zur Erinnerung an die Marneschlacht benannte V i a M a r n a, die Zufahrtsstraße zur französischen Botschaft, inStraße der Italiener von der Marne" um getauft worden. Die nach dem im Welt­krieg verbündeten Rumänien benannte Via R o - mania heißt jetzt zu Ehren der beiden Staaten, die sich der Sühnemaßnahmen enthielten, O e st e r - reich-Ungarische Straße. In Padua

P a r i s , 24. Nov. (DNB.) Die abessinische Ge­sandtschaft in Paris behauptet, die italienische Pro­paganda habe das Gerücht ausgestreut, die Reise des Kaisers an die Front habe dem drohenden Abfall verschiedener abessinischer Oberführer vorbeugen sollen. Die abessinische Regierung habe bereits mehrmals bekanntgegeben, daß einzig und allein Haile Selassie G u g s a seinen Kaiser und fein Vaterland verraten habe. Kein anderer abessinischer Füh­rer habe fick mit dem Feinde eingelassen. Im Ge­genteil, der Krieg habe die Einheit des abessinischen Reiches verstärkt. Angesichts der Gefahr habe sich das Ansehen des Negus bis in die entlegensten Ge­biete Abessiniens gefestigt. Auf feiner Reise habe der Negus die herzlichsten Treuekundgebungen aller seiner Untertanen entgegennehmen können. Der Widerstand gegen den einfallenden Feind habe die Bevölkerung in Erythräa und sogar in Jtalienisch- Somaliland auf die Seite Abessiniens gebracht.

wurden zwei amerikanische Ehepaare von mehreren hundert Kundgebern belästigt. Der vor dem Gasthaus stehende Kraftwagen wurde be­schädigt und der amerikanische Wimpel abgerissen in der Annahme, daß der Wagen englischer Herkunft fei, der durch den amerikanischen Wim­pel nur geschützt werden sollte. Carabinieri zer­streuten die Menge. Die Preise für Ben­zin sind bereits erheblich gestiegen. Zahlreiche Autobuslinien in Rom wurden eingestellt. An sämt­liche Autobesitzer ergeht die Aufforderung, ihre Wagen nur zu den dringend notwendigen Geschäf­ten zu benutzen und für längere Strecken die Eisen­bahn zu benutzen.

Die Zahl der Flüchtlinge aus den italienischen Ko­lonien, die in Abessinien Schutz suchten, sei so groß, daß die italienische Regierung schärfste Strafen für die Leute ankündigen müsse, die sich der italienischen Herrschaft entziehen wollten.

Die Abessinier haben 24 Tanks erbeutet. 3m Kampf gegen die italienische Tankwaffe benützen die Abessinier, wo das Gelände es erlaubt, Ele- fantenfaUen. An Stellen, wo diese nicht an­gelegt werden können, melden sich Freiwillige, die unter Einsatz ihres Lebens mit Dynamit den Tanks auf den Leib rücken. Sie lassen die Tanks vorüberfahren und fallen sie dann mit größeren Dynamitmengen von hinten an, um sie in die Luft Zu sprengen. Im Somaligebiet wurden auch Tanks gefunden, die von der Besatzung verlassen waren. Da die Sonne die Wände der Panzer, sehr stark erhitzt, dürften die Insassen ihre Fahrzeuge aufgegeben haben.

Frankreichs Gefahrenzone.

Mögen für den Beginn des abessinischen Krieges auch nationale Prestigefragen eine große Rolle ge­spielt haben, er ist im Grunde eine Not­lösung, mit der sich die italienische Regierung an der Stelle des scheinbar geringsten Widerstandes Luft schaffen will. Eine nüchterne Beleuchtung der bevölkerungspolitischen Zahlen zeigt dagegen den unverändert weiter bestehenden eigentlichen Gefahrenherd für den europäischen Frieden. Er entsteht durch den überhitzten italienischen Bevölkerungsdruck auf die dünnbesiedelten Nachbarländer.

Italien hat von den Mittelmeerstaaten die weit­aus größte Bevölkerungsdichte von fast 133 Ein- wohnern auf 1 Quadratkilometer. Rechnet man da­bei von dem Gesamtgebiet von 310 000 Quadratkilo­metern die unfruchtbaren oder wenig kultivierten Landstriche mit dünner Bevölkerung ab, so ergibt sich für die eigentlichen italienischen Siedlungsge­biete eine bedrohliche Uebervölkerung. Die größte Bevölkerungsdichte weist Ligurien mit der Hauptstadt Genua auf. Hier leben 264,3 Men- schen auf 1 Quadratkilometer; dann folgt die Lom­bardei mit 233,8 und Kampanien mit 258,7 Einwohnern auf ein Quadratkilometer. (Deutschland hat eine Bevölkerungsdichte von 140,5.) Am dünn­st e n besiedelt sind die Alpengegenden, d. h. Südtirol und das Trentino mit 48,4, die Provinz Catania mit 50,9 und die Insel Sardinien mit 40,4 Einwohnern auf den Quadratkilometer. Uebervölkert sind also: Die Po-Ebene, die Riviera und die Umgebung von Neapel. Die ungleiche Volksverteilung, der Druck auf den schmalen sied­lungsfähigen Raum läßt das 41-Millionenvolk nicht zur Ruhe kommen.

Die übrigen Nachbarn Frankreich, Jugosla­wien und Albanien verfügen über wesentlich mehr Lebensraum. In Frankreich kommen 76 Men­schen auf einen Quadratkilometer, in Jugosla­wien 56 und in Albanien nur 36,5. Selbst wenn wir einrechnen, daß eine Jndustriebevölke- rung mehr Menschen auf den Quadratkilometer er­nähren kann als ein Bauernvolk, und wenn die Verschiedenheiten des Bodens und der Anbaufläche berücksichtigt werden, liegen die Verhältnisse für Italien unglücklicher als für alle seine Nachbarn. Abhilfe konnte bisher nur, da die eigene Kraft zur wirtschaftlichen Erschließung seiner Kolonien nicht ausreichte, durch die Auswanderung geschaf­fen werden. Dabei boten weder Jugoslawien noch Albanien lohnende Auswanderungsziele. Anders liegen die Verhältnisse in Frankreich.

3n den Jahren 1920 bis 1932 sind allein aus Italien rund 3,5 Millionen Menschen ausgewan­dert! Wenn auch ein gewisser Teil der Arbeiter in die Heimat zurückkehrt, so gingen doch mindestens 2 Millionen dem Mutterlande in dieser Zeit ver­loren. Allein nach Frankreich wanderten in den Jahren 1920 bis 1932 rund 1356 000 italie­nische Arbeitskräfte aus, von denen höchstens ein Drittel zurückkehrten. Im einzelnen wandten sich 1930 von 220 000 auswandernden Arbeitskräften allein 167 000 nach Frankreich, da­von kehrten nur 60 000 zurück. Vom Jahre 1931 sank die Ziffer der Auswanderung allerdings er­heblich ab, da sich auch in Frankreich die ersten Vorboten der Wirtschaftskrise meldeten. Immerhin überschritten noch im Krisenjahr 1931 125 000 ita­lienische Arbeitskräfte die Heimatgrenzen, davon gingen allein 74 000 nach Frankreich! Im gleichen Zeitraum suchten vergleichsweise nur 700 Italiener Deutschland als Arbeitsstätte auf!

Ein Blick auf die französische Bevölkerungsstati- tik zeigt nun, daß Frankreich nicht nur vorüber­gehend Lebensraum und Arbeitsplätze für diese Ita­liener bietet. Frankreich muß sich bereits heute zum Aufrechterhalten feiner Wirtschaft in den südlichen Provinzen auf fremde Sauerarbeiter tützen! Der Kindermangel zeigt die ersten furcht­baren Folgen. Allein im Jahre 1924 wanderten in Frankreich 400 000 Menschen ein. Zur Beförde­rung dieser Menschenmengen wären täglich zwei vollbesetzte Personenzüge mit neun Dritter-Klasse- Wagen notwendig gewesen. Diese Einwanderung nach Frankreich fand die bewußte Unterstützung der ranzösischen Regierung, die beim Arbeitsministe- rium einOffice Centrale" für alle Fragen der remdvölkischen Einwanderung einrichtete. An der Einwanderung nach Frankreich sind neben Italie­nern noch Spanier, Schweizer, Polen und Afrikaner beteiligt. Auch die Minderheiten der Elsässer und Bretonen stellen mit ihrem relativen Geburten­überschuß ein starkes Kontingent der innerfranzö- ischen Neu-Kolonisierung.

Die Einwanderung der ftemden Arbeiter und Bauern stellte für Frankreich keine Gefahr dar, solange diese fremden Gruppen vom französischen Volkstum widerstandslos aufgesogen werden konnten. Das gilt für Spanier, Polen, Afrikaner usw Ganz anders liegen die Verhältnisse aber bei den Italienern. Sie sind bewußte Vor­posten einer italienischen Kolonisation. Ihre Ein­wanderungsziele sind die Provence und die Gascogne. Diese Italiener setzen sich in den verlassenen und verfallenen französischen Bauern­dörfern fest. Allein im Departement Gers (Gas­cogne) lagen, wie Harmsen mitteilt, 1925 2500 Besitztümer und Bauernhöfe brach mit 500 000 Hektar Land! Im Departement Gironde betrug die Zahl der Fremden 1911 gegen 10 000. Ende 1923 gab es bereits 33 000 Fremde. Man könnte diese trostlose Bilanz völkischer Unterwanderung belie­big fortsetzen.

Langsam erkannte man auch in Frankreich die drohende Gefahr. ImJournal Agricole dAlsace et de Lorraine" hieß es bereits 1925: Im ganzen genommen machen diese Ausländer durch ihre ge­schlossene Ansiedelung und die Echaltung ihrer eige.

Wachsende Spannung in Frankreich.

Mrd das Kabinett Laval die Kammerdebatte überleben?

Paris, 25. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der radikalsozialeQ u o t i d i e n", der von Beginn an gegen die Regierung Laval eingestellt war, rechnet bestimmt damit, daß das Kabinett a m kommenden Donnerstag gestürzt wird. Das Blatt versucht diese Ansicht anhand von Zahlen zu rechtfertigen und geht dabei von der Abstim­mung aus, die bei der Erteilung der außerordentlichen Vollmachten auf finanzpolitischem Gebiete im Juni in der Kammer stattfand. Damals habe man der Re­gierung Laval diese Vollmachten mit 324 gegen 160 Stimmen erteilt. 107 Abgeordnete hätten sich der Stimme enthalten, 20 seien abwesend gewesen. Bevor man also überhaupt gewußt habe, wie die Regierung diese Vollmachten anwenden würde, habe es bereits 160 Gegner und 107 Zweif - l e r gegeben. Man könne also annehmen, daß sich nach den inzwischen gemachten Erfahrungen m i n -- öeftens 2 6 7 Stimmen gegen die R e - aierung aussprechen würden. In diesem Falle würde das Kabinett also noch über eine Mehrheit von 57 Stimmen verfügen, wenn nicht inzwischen Dinge eingetreten wären, die das Ansehen der Regierung endgültig untergraben hät­ten. Die Frage der Kampfoünde habe alle Linksgruppen auf den Plan gerufen. Während sich im Juni nur 73 Radikalsozialisten gegen die Re­gierung ausgesprochen hätten, könne man nach Aussagen eines führenden Mitgliedes dieser größ­ten französischen Partei diesmal damit rechnen, daß mindestens 135 Radikale gegen d i e Regierung stimmen werden. Unter diesen Um­ständen sei mitmathematischer Sicherheit" mit dem Sturz des Kabinetts zu rechnen.

Das Büro der sozialistischen Landes­arup p e des Seine-Departements hat an alle feine Untergruppen ein Rundschreiben gerichtet, in dem die allgemeine Alarmbereitschaft angekündigt wird. Die sozialistischen Stadtverwal­tungen hätten die Pflicht, die Bevölkerung aufzu­fordern, sich bereit zu halten, um gegen jede Be­drohung der demokratischen Freiheiten einzuschrei­ten. Die Verbindungen zwischen den einzelnen Untergruppen müßten enger gestaltet werden, und alles müsse vorbereitet werden, um im gegebe­nen Falle kampfbereit zu sein.

In zahlreichen Städten Frankreichs veranstalteten am Sonntag die kommunistischen und sozialistischen Gewerkschaften der öffentlichen Dienste Kund­gebungen gegen d i e Notverordnun­gen der Regierung. In Auxerre, wo in einer Kundgebung der Volksfront u. a. auch der Innenminister des 6. Februar 1934 Fröt sprechen sollte, kam es zu einem Zwischen­fall. Frot, der von auswärts zu der Kundgebung eintraf und auf einem Platz von Auxerre feinen Kraftwagen wechselte, wurde von einem Mann aufgelauert, der versuchte, einen Eimer mit Blut auf den früheren Innenminister auszuschutten. Der Inhalt traf jedoch in erster Linie einen Gendarmen, der sich vor Fröt stellte. Der Angreifer flüchtete, wurde jedoch von

dem Gendarmen eingeholt und auf die Polizei­wache geführt. Hier stellte es sich heraus, daß es sich um einen Reserveoffizier und Ri t- t e r der Ehrenlegion handelt, der einer Rechtsorganisation angehört.

Deutschlands Lugendertüchtigung vorbildlich.

Paris, 24. Nov. (DNB.) Das Journal" übt unter der ÜberschriftWill man Frankreich zu einer Nation von Schwächlingen absinken lassen?" Kritik an der Tatsache, daß 55 v. H. b e r e i n b e = rufenen Franzosen alsfür d e n Mili­tärdienst untauglich" wieder nach Hause ge­schickt wurden. Wenn diesem Mißstände nicht bal­digst mit durchgreifenden Maßnahmen abgeholfen werde, so sei es unausbleiblich, daß Frankreich eingeschlossen von gesunden und starken Völkern eine Nation von Schwächlingen würde. Schuld an dem schlechten Gesundheitszustand der französischen Rekruten seien der Krieg, der eine schlechte Ernährung zur Folge gehabt habe, die Ab­wanderung der Landbevölkerung in die ungesunden Großstädte und die aufreibende Tätigkeit der Ar­beiter in den Fabriken. Die Hauptursache sei aber, daß nichts für d i e körperliche Ertüch­tigung in Frankreich getan wurde. Da­gegen zeigten Deutschland, wo eine herrliche Jugend voll Kraft stolz heranwachse, und Italien mit seiner Jugendorganisation der Balilla vorbild­lich, was man mit einem festen, auf ein bestimm­tes Ziel gerichteten Willen erreichen könne.

Ein Denkmal

für Generaloberst von Linsingen.

In Hannover fand auf dem Neuen St.-Niko- lai-Friedhof die feierliche Enthüllung und Weihe des auf Wunsch des Führers und Reichskanzlers vom Reich gestifteten Denkmals auf der Grabstätte des verstorbenen Generalobersten von Linsingen statt, lieber dem verhüllten Grab­mal wehte die Reichskriegsflagge. In der großen Trauergemeinde sah man u. a. die vom Standorts­ältesten Generalmajor v. Go ß l e r geführte Witwe des Verstorbenen, zahlreiche weitere Angehörige, die Truppenkommandeure und Dienststellenleiter sowie Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen. Ge­neralmajor v. Goßler übergab den Gedenkstein, eine dem Sinne des Verstorbenen entsprechende einfache wuchtige Feldanlage aus Granit mit dem Wappen der Familie sowie Namen und Daten des Entschla­fenen, seiner Bestimmung. Für die Gedenkworte dankte der Vorsitzende des Linsingenschen Familien­verbandes Rittmeister a. D. Kurt v. Linsingen. Als erster legte darauf der Standortsälteste im Na­men des Oberbefehlshabers des Heeres einen Lor­beerkranz nieder, dessen rote Schleife das Hakenkreuz und das Eiferns Kreuz schmucken.

Die Lage im Innern Abessiniens.

Ein abessinischer Bericht über die Frontreise des Negus.