Ausgabe 
25.9.1935
 
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Will Italien weiter verhandeln?

Frankreichs Garantiewiinsche werden nicht erfüllt

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glieder.

Die Befürchtung, daß eine Einstimmigkeit über die Empfehlungen nicht zu er3t e Ien fei, da Polen sich möglicherweise der italienischen Auf­fassung anschließen könnte, wird von der franzosi- schen Presse nicht geteilt. Man spricht dagegen von Meinungsverschiedenheiten zwischen Laval und Eden über die Fortsetzungen der Verhandlungen. Der französische Außenminister habe ursprünglich gefordert, man möge vorläufig Den Mißerfolg der Versöhnungsverhandlungen des Fünfer-Ausschusses feststellen und dann den wei - teren Verlauf der Ereignisse abro ar­te n. Eden habe jedoch auf Anwendung des Artikels 15 bestanden, weil er befürchte, daß andernfalls die Anwendung des Artikels 16 (Sühnemaßnahmen) Schwierigkeiten begegnen könnte. Wahrscheinlich werde der neue Ausschuß, der sich mit der Aufstellung der Empfehlungen zu beschäftigen haben werde, seine Arbeiten einige Wochen in d i e Länge ziehen, um auf diese Weise die weitere Entwicklung der Lage abwarten zu können.

Oeuvre" weist darauf hin, daß man in sow­jetrussischen Kreisen für die Wieder­aufnahme von diplomatischen Ver­handlungen eintrete. AuchPetit Pari- s i e n", dessen vorzügliche Beziehungen zu Rom be­kannt sind, schreibt, nach dem Mißerfolge des Fun- er-Ausschusses wäre es vielleicht angebracht, erneut den Weg zu beschreiten, der in Paris zwar zu keinem Ergebnis geführt habe, der aberdiesmal einen anderen Ausgang nehmen könnte. Die Lon­doner Regierung habe sich bereits unmittelbar mit Rom in Verbindung gesetzt, und diese Fühlung­nahme habe bereits zu einer Entspannung geführt. Wenn man aufdiesem Wege fortfahre, so werde man vielleicht zu Verhandlungen nach dem Muster der Dreier-Konferenz gelangen. Auf diese Weife könne man die 14 Tage, die bis zur Er­öffnung der Feindseligkeiten blieben, ausnützen, um einen Ausweg aus der Sackgasse zu suchen.

Nach der Regenzeit.

Man hat bei der Beurteilung der Haltung Ita­liens in den diplomatischen Verhandlungen allge- mein angenommen, daß diese weniger auf eine Verständigung, als auf Zeitgewinn gerichtet waren, bis das Ende der Regenzeit in Abessinien den Beginn des Vormarsches gestatten. Da nun am 21. September in Addis Abeba das sogenannte M a s k a l f e st feierlich begangen wurde, mit dem die Abessinier die für ihre wirtschaftlichen Verhältnisse ausschlaggebende klimatische Wendung zu einem religiösen und staatlichen Akt gestalten, sieht man darin vielfach auch das Zeichen, daß nun die Zeit der Verhandlungen vorüber ist und der Krieg beginnt. Aber ganz abgesehen davon, daß immerhin noch einige diplomatische Aussichten zu friedlicher Lösung vorhanden zu sein scheinen, lie­gen der Vorstellung vom Ende der Regenzeit doch einige Irrtümer zugrunde. Es ist nicht so, daß in einem Lande von mehr als der doppelten Große Deutschlands, das sehr starke geographische und kli­matische Unterschiede aufweist, nun etwa überall schlagartig die Regengüsse aufhören und das schone Wetter, das kriegerische Operationen gestatten würde, beginnt Die Wendung tritt vielmehr in den einzelnen Teilen des großen Reiches sehr verschieden ein, ganz abgesehen davon, daß sie sich natürlich kalendermäßig nicht genau feststellen

»iflerrat in Rom.

Mussolini erörtert weitere Verhandlungs- Möglichkeiten, die sich aus dem Völker­bund spakt ergeben.

Genf, 24. Sept. (DNB.) Der Fünferausschuß des Völkerbundsrates hat den Bericht ange- 0 rn rn e n , der dem Völkerbundsrat über das Miß­lingen der Vermittlungoerhandlungen im ttalienlfch- abessinischen Konflikt unterbreitet werden soll Der Dälkerbundsrat wird am Donnerstag zusammentre ten, um diesen Bericht entgegenzunehmen.

Die Genfer Berichterstatter der großen Pariser Nachrichtenblätter meinen, daß nunmehr e 1 n neuer Ausschuß gebildet werden wird, der auf der Grundlage des Artikels 15 (Emp­fehlungen) arbeiten solle, und dessen Bericht dann dem Völkerbund zur einstimmigen An­na h m e unterbreitet werden mußte. Der ,,3our spricht von einem Ausschuß von 14 Mitgliedern, d h. einer Vertretung sämtlicher ständigen Ratsmit-

t e t alle Bundesmitglieder,mit keiner Partei, die sich den Vorschlägen des Berichtes fugt, Krieg zu führen." ,

Es muß also den Engländern unter allen Um­ständen darauf ankommen, eine e i n ft t m m 1 g e Annahme eines Ratsberichtes herbeizufuhren, denn ein Mehrheitsbeschluß überläßt es den Parteien, nach ihrem Gutdünkendiejenigen Maß- nahmen zu treffen, die ihnen für die Aufrechterhal­tung von Recht und Gerechtigkeit erforderlich schei­nen". Aber auch in diesem Falle besteht die Ver­pflichtung nach dem Artikel 12,in keinem Falle vor Ablauf einer Frist v 0 n drei Monaten nach Fällung des Schiedsspruches oder Erstattung des Berichtes des Rates zum Kriege zu schreiten". Also auch dann, wenn nur em Mehr­heitbeschluß zustande kommen sollte, Mussolini aber

Möglichkeiten der weiteren E n t w i ck l u ng der Lage und die Haltung, die Italien je nach den Umständen einnehmen wird.

Die Beschlüsse des Ministerrats vom Dienstag betreffen zum größten Teil militärische JBerroab tungsgeschäfte. Die wichtigste Maßnahme bestimmt, daß alle Wehrpflichtigen der Jahr- qänge 1901 bis 1914, die bisher aus gesund- heitlichen und anderen Gründen nicht eingezogen worden waren, sich einer Nachmusterung un- terziehen müssen. Der Dienst in den nach ü|t* afrika entsandten Schwarzhemden-Divisio- nen wird dem Dienst des regulären Heeres gleich- gestellt. Die höheren Offiziere der faschistischen Ml- liz erhalten den Rang von Reserveoffizieren des Heeres. Ferner werden die Bezüge der nach Ost- afrika entsandten Reserveoffiziere den Bezügen der Berufsoffiziere gleichgestellt. 1 Million Lire wurde

di- ihm g-st-llt- Frist nicht einhält treten die Sanktionsbestimmungen des Artikels 16 in Kraft der auch eine Verletzung der durch den Artikel 12 übernommenen Verpflichtung als eine kriegerische Handlung gegen alle andererl Bundes­mitglieder bezeichnet. Es ist also nur em Streit um Worte, wenn von der Lokalisierung des Kon- fliktes gesprochen wird. Erne kriegerische Handlung Mussolinis, die vor Ablauf des Jahres eingeleitet würde, müßte als eine Kriegserklärung an alle Dölkerbundsstaaten angesehen werden, wenn Ber- träge überhaupt noch einen Sinn haben sollen. Das heißt, da Mussolini natürlich nicht mehr warten kann, wenn er zum Kriege schreiten will, daß der europäische Konflikt unter allen Umstanden da ist, wenn nicht auf diplomatischem Wege die Streitfrage ausgeglichen werden kann.

Der Name der Insel Malta ist jetzt in aller, Munde und in den Spalten aller Zeitungen. Eigentlich handelt es sich um eine Inselgruppe, die neben der Hauptinsel noch drei Nebeninseln (Gozzo, Comino und Cominotto) umfaßt. Diese Eilande sind von England stark befestigt und bilden den wichtigen Flottenstützpunkt auf dem Wege vom westlichen zum östlichen Mittelmeer. Da die Insel­gruppe von Malta sich gerade zwischen Sizilien und die italienische Kolonie Libyen einschiebt, so beherrscht sie auch den kürzesten Weg zwischen Ita­lien und seinem nordafrikanischen Besitz. Daß im Zeitalter des Flugzeuges der strategische Wert sol­cher Flottenstützpunkte sich erheblich verändert, liegt nahe genug. Gleichwohl ist es für Großbritannien von ungeheurer Bedeutung, nicht nur den Eingang zum Mittelmeer mit Gibraltar und den Ausgang mit dem Suezkanal zu besitzen, sondern auch noch im Herzen dieses Meeres über den starken Stütz­punkt von Malta mit dem Kriegshafen La Valetta zu verfügen.

Die Inselgruppe blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Phönizier, Karthckger, Römer, Griechen und Normannen haben Malta beherrscht. Im 16. Jahr­hundert war die Insel ein Lehen des Johanniter- Ordens, dessen Malteserritter sich durch die berühmte Verteidigung des Bollwerks gegen die Türken 15 6 5 einen geschichtlichen Namen gemacht haben. Das Malteserkreuz als Abzeichen jener Genossen­schaft steht heute noch in hohen Ehren. Als Napo­leon Bonaparte die Insel 1798 eroberte, gingen die

sei und nicht nur viele Irrtümer enthalte, die einer marschierenden, von einem landeskundigen Feinde ständig bedrohten Truppe gefährlich werden können, sondern daß über verschiedene Gegenden über­haupt keine kartenmäßige Kenntnis oorliege.

Der italienische Optimismus für einen guten Aus­gang des Unternehmens gründet sich vor allem auf die technische Ueber 1 egenheit der italie- nischen Ausrüstung gegenüber dem mehr als man- gelhaften Zustand des abessinischen Heeres. Obwohl man die persönliche Tapferkeit und die kriegerischen Eigenschaften des Abessiniers keineswegs unter­schätzt, glaubt man, daß er im Gegensatz zu den Berberstämmen Marokkos, die der französischen Er- oberung 20 Jahre lang heftigen Widerstand leisten konnten, nach seiner ganzen Veranlagung nicht für einen Kleinkrieg, sondern nur für den Kampf in geschlossenen Formationen geeignet sei, in dem er einem geistig und moralisch überlegenen europäischen Gegner nicht gewachsen sein werde. Diese Berechnun­gen und Ansichten mögen mehr oder weniger zu- treffen; immer aber bleiben das Klima des Landes und die Art des nach europäischen Maßstäben nicht zu messenden Feindes höchst unsichere Posten in der italienischen Rechnung und machen sie zu einem Glücksspiel, das mehr oder minder jeder Krieg ist.

So dauert im Kerngebiet Abessiniens, dem Hoch- ' land von Schoa, in dem die Hauptstadt Addis 1 Abeba liegt, die Regenzeit etwa von Milte Juni bis Mitte September. Jm Nor- d e n Abessiniens, an der Grenze nach Eritrea, wo der erste Vorstoß der Italiener einsetzen soll, geht sie schon Anfang September zu Ende, was ja der italienischen Heeresleitung auch erlaubte, das Gros der in Massaua gelandeten Truppen schon seit längerer Zeit bis Asmara und darüber hin­aus an die Grenze des aufsteigenden abessinischen Hochplateaus in der Richtung auf Adua vorzuschie­ben. Dagegen dauert die Regenzeit i n den f u 0 - lichen Provinzen, in Kaffa, im Westgalla- land und in Dschimma gewöhnlich bis zum November, häufig auch bis in den Dezember hinein, wodurch also ein gleichzeitiger umfassender Vormarsch von Eritrea und von Somattland aus- geschlossen ist. In Slldostabessinien, wozu die den Italienern durch die Vermittlungsmächte angebo­tene Provinz O gaben gehört, endete die Regen­zeit s ch 0 n i m I u l i. Einen völlig anderen Wech­sel zeigen die K ü st e n l ä n d e r des Roten Meeres, also die Aufmarschgebiete der italienischen Truppen, in denen die Regenzeit jetzt im Oktober be­ginnt und bis in den April hinein dauert.

Aus dieser allgemeinen Skizzierung der klimati­schen Verhältnisse geht hervor, daß die italienische Eroberung des Landes nicht konzentrisch angelegt werden kann, sondern sozusagen von Norden nach Süden hinter der jeweils ablaufenden Re­genzeit vorzudringen versuchen muß. Daß sich hier­aus unvorhergesehene Schwierigkeiten in der Durch­führung eines vorausberechnenden Planes, insbe­sondere für den Nachschub und die Verpflegung der Truppen ergeben können, ist klar und dürste mit der Anlaß fern, weshalb man in Italien den anfäng­lich als militärischen Spaziergang empfundenen Krieg mit größerer Vorsicht zu betrachten beginnt.

Auch gute Kenner des Landes, die es mit Expe­ditionskarawanen bereisten, haben mit den unbe­rechenbaren Tücken des abessinischen Klimas zu kämpfen gehabt. So berichtet der ehemalige Letter der deutschen A eth io p ien-Exp edition, Mar Gruhl, daß er unversehens m die Regen­zeit hineingekommen, van 40 Maultieren und Pfer­den über 30 Tiere verloren habe. Auch der einzige Versuch einer europäischen Eroberung Abessiniens, der vor dem unglücklichen Feldzug der Italiener im Jahre 1895 gemacht wurde, die Expedition des englischen Generals Sir R 0 b er t Napier im Jahre 1867, ist ein Vorgang, der Ita­lien zur Vorsicht mahnen könnte. Die Engländer schifften damals, um den Negus Theodor wegen der Einkerkerung eines englischen Konsuls zu bestrafen, im Hafen von Zeila 14 000 Mann weißer Trup­pen und 30 000 Mann indischer Hilfstruppen mit 20 000 Zugtieren ein. Obwohl sie in dem in völliger Anarchie befindlichen Lande keinerlei Widerstand fanden, hatten sie nach ihrer Ankunft in Magdala, nur 650 Kilometer von der Küste entfernt, nur noch 5000 krieg- und marschfähige Mannschaft zur Ver­fügung, so daß der Befehl zum Rückzug ge­geben werden mußte. Auf diese Erfahrung der Eng­länder gründete sich auch wohl jene skeptische und warnende Bemerkung Bismarcks, als er zu dem italienischen Ministerpräsidenten Crispi, der ihm von einer Festsetzung Italiens in Abessinien sprach, bemerkte:Wenn Abessinien von einer euro­päischen Macht erobert werden könnte, so hatten es die Engländer wohl schon lange eingesteckt".

Es ist für die Beurteilung der Aussichten Italiens natürlich nicht zu verkennen, daß es Vorberei­tungen in einem Maße getroffen hat, die mit sei­nem eigenen früheren Versuch und mit jenem Eng­lands nicht verglichen werden können. Immerhin bleiben eine ganz Reihe van Unsicherheitsfaktoren, die den Krieg zu einem gefährlichen Wagnis machen. So berichten französische Korrespondenten im italie­nischen Hauptquartier, daß das italienische Kar­te n m a t e r i a l außerordentlich mangelhaft

schen zwei Wegen wählen können. Ent­weder werde er nach Artikel 15 des Völkerbunds­vertrages vorgehen und einen Bericht annehmen oder er werde die Politik der Versöhnung fortsetzen, um zu prüfen, ob nicht doch eine andere Grundlage als die vom Fünseraus- schuß vorgeschlagene für eine Versöhnung gesunden werden könne. Das Kabinett hat weiter mit Be­friedigung festgestellt, daß in den Beziehun­gen zwischen England und Italien nach Veröffentlichung der britischen Verlautbarung über die Flottenbewegungen sowie auf die persön­liche Botschaft Hoares an Mussolini hin eine g e - wisse Entspannung eingetreten sei. Das große Interesse der englischen Oeffentlichkeit an der heutigen Kabinettssitzung bewies die große Menschenmenge in der Downing Street, die die Ankunft der Minister erwartete.

Daily Telegraph" meldet, die Frage von Sühne­

maßnahmen sei in der Kabinettssitzung nicht im einzelnen erörtert worden. Die Maßnahmen lagen vollkommen auf wirtschaftlichem Gebiet. Auf jeden Fall müßten Sühnemahnahmen auf der Grundlage kollektiver Ver­antwortlichkeit angewandt werden. Es könne keine Rede davon sein, daß England für sich allein vorgehen würde. Soweit ein kollektives Vorgehen in Frage komme, so würde besondere Wichtigkeit den Maßnahmen beizumessen fein, die nicht nur Frankreich, sondern auch I u g 0 sIawien und d i e Tschechoslowakei anzu­wenden bereit sein würden. Inzwischen werde die britische Regierung keine Gelegenheit zu einem Ver- söhnungsschritt versäumen. Eine Wiederauf­nahme der Dreimächte-Besprechungen außerhalb des Völkerbundes komme allerdings nicht in Frage.

Enttäuschung in Paris.

England gibt keine neuen Garantien.

Paris, 25. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Lon­doner Sonderberichterstatter desFigaro" glaubt, daß als englische Antwort auf die Anfrage hinsicht­lich der englischen Haltung im Falle einer europäischen Gefahr, das Foreign Office zwar ein sehr langes Schriftstück ausgearbeitet habe, daß dieses aber keinerlei Garantien ent- halte. Man befcgränte sich vielmehr darauf, die Genfer Rede Sir Samuel Hoares näher auszulegen, vermeide es aber, irgendeine Garantie für die Hal­tung Englands im Falle einer Gefährdung. des europäischenStatus quo" abzugeben.Journal" be­zeichnet es als vergebliche Mühe, wollte man in der englischen Antwort eine festumgrenzte Garantie suchen. Man werde lediglich eine erneute Bestäti­gung des englischen Grundsatzes finden, daß man auf d i e Mitarbeit Englands rechnen könne, wenn es sich daraum handele, gegen einen Angreifer vorzugehen, der den Völ- kerbundspakt herausfordere. Diese Zurückhal­tung sei darauf zurückzuführen, daß man englischer- feits den Standpunkt vertrete, eine innerpolitische Revolution in irgend einem europäischen Land könne gegebenenfalls von der einen oder anderen Macht als eine Bedrohung der durch das Versailler Sy» ftem aufgestellten Sicherheit angesehen werden. Des- I halb enthalte sich auch die englische Regierung, fest umschriebene Garantien dafür abzugeben, wie ft sich in dem einen oder anderen . Fall verhallen Iwerde.

Engländer mit großer Zähigkeit daran, sie in ihren eigenen Besitz zu bringen.

Seit 1802 ist Malta mit seinen Nachbarinseln britische Kronkolonie. Das bedeutet, daß die Insel eine eigene Selbstverwaltung unter dem unmittelbaren Schutz der englischen Krone besitzt- In de» letzten Jahren nahm die. nationalistische Strömung der Italiener, die sich gegen die eng' lische Vormundschaft richtete, ständig zu. Die katho» lische Geistlichkeit, die im ständigen Zusammenhang mit Italien steht, übt einen starken Einfluß auf die Bevölkerung aus. Obwohl unter den 250 000 Ein- wohnern nur etwa 13 v. H. Italiener sind, entstand so etwas wie eine italienische Jrredenta. Der Gouverneur der Insel, Lord Strickland, Sohn eines englischen Vaters und einer maltesischen Mutter, hat sich lange um den Ausgleich der inne­ren Kämpfe bemüht. Das englische Element der Bewohner macht etwa 12 v. H. aus, während^ große Mehrheit der Bewohner ein maltesisches Idiom spricht. Die politischen Kämpfe auf Malta sind von Rom aus immer stark beachtet worden, doch hat Mussolini Zurückhaltung geboten, als vor einigen Jahren die Beziehungen zwischen Englano und Italien durch die Vorgänge auf den 3n|em gespannt wurden. Seitdem hat die englische Regie rung die bis dahin sehr weitherzige velbstverwai' tung eingeschränkt und dis polihfierenbe GeistUY' feit unter Aufsicht gestellt. Eine starke Besatzung van über 12 000 Mann bildet nicht nur das nw"

chen Gefahr" (!).

Times" bedauert die Rückwirkungen des ita­lienisch-abessinischen Streites auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet. Unsicherheit in einem großen Lande müsse Rückwirkungen auf alle anderen Länder haben. Das italienische Aben­teuer habe nicht nur die Finanzlage Italiens in Mitleidenschaft gezogen, es habe auch die großen und erfolgreichen Bemühungen anderer Länder um Wiederherstellung des finanziellen und kommer­ziellen Gleichgewichtes erschwert, wie sich dies in England durch die Notwendigkeit einer Erneuerung der nationalen Verteidigung zeige.Financial News" sagt, den italienischen Industrie- und Fi­nanzführern werde ebenso wie dem italienischen Generalstab die Gefahr e in e r Entfrem­dung zu England und Frankreich immer klarer. Je mehr die Entschlossenheit und Zusammenarbeit der beiden Regierungen zunehme, desto anziehender müsse der Vorteil einer friedlichen Regelung erscheinen.

Die GenferProzedur".

Das Verfahren, in das der Genfner Fünfer-Aus- schuß eingeschaltet war, beruht auf dem Artikel 15 der Dölkerbundsakte. Der Völkerbundsrat .ist danach zunächst verpflichtet, wenn ein Streitfall vor fein Forum gebracht wird,alle Maßnahmen zu einer umfassenden Untersuchung und Prü­fung" zu treffen. Das sollte auf dem Wege über den Fünfer-Ausschuß geschehen. Dieses Gre­mium hat nun zu verstehen gegeben, daß es seine Bemühungen als gescheitert ansieht. Das bin­det den Rat nach nicht. Er kann die Angelegenheit zurückverweisen ober neue Maßnahmen suchen. Wenn er sich aber der Auffassung des Fünfer-Aus­schusses anschließt, daß die Streitfrage nicht aus­geglichen werden könne,so versaßt und ver- ö ff entlieht der Rat einen einstimmig oder : mit Stimmenmehrheit zustande gefomme» 1 nen Bericht, worin die Umstände der (Streitfrage ' sowie die von ihm als gerecht und für den Aus- > gleich am zweckmäßigsten erachteten Lösung darzu- t legen sind.Nun hat aber ein Bericht, der nicht : einstimmig angenommen wurde, nur a u f » t schiebende Bedeutung. Nur ein ein - . ftimmig angenommener Bericht verpfIich -

Wird der Völkerbund einen Ausweg finden?

Ein neu« Ausschuß so«Empfehlungen'' au«arte«en.-©ie Möglichkeit »er Wieder, aufnahme direkter Verhandlungen.

Times" muß zugeben, daß Mussolini eine Aen- berung seiner Haltung nur ganz langsam vollziehen könnte. Abessinien fürchte jetzt lebhaft einenZwischenfall", der den Italienern ermöglichen würde, die hinhaltende Methode des Völkerbundes zu tadeln und in abessinisches Gebiet einzudringen. In Paris werde erkannt, daß Mussolini zwar seinenTon,nichtaberseine Forderun­gen gemäßigt habe, es bestehe daher eine größere Bereitschaft, die Möglichkeit zu erwägen, daß Frankreich feine Völkerbundspflichten durch Be­teiligung an wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen werde erfüUen müssen. Wenn jetzt mehr von fal­le f t i d e r Aktion gesprochen werde, werde aller­dings noch mehr an kollektive Sicherheit ge­dacht. Jedes neue Zeichen engerer Freundschaft mit England und dem Völkerbund belebe von neuem die Frage der Zusammenarbeit mit Groß­britannien bei einer künftigen Angriffsgefahr. Ein Teil der französischen Oeffentlichkeit werde sich in dieser Beziehung mit nichts anderem zufrieden­geben als einer starren Garantie des Sta- tusquo in Europa. Es gebe aber auch viele Franzosen, die verständen, baß es töricht fei, zuviel zu verlangen, indessen andere wollten möglichst viele Zusicherungen erhalten hinsichtlich der Vorstellung, von der sie besessen seien: der vermeintlichendeut-

Die Sitzung des englischen Kabinetts. Britisch-italienische Entspannung festgestellt.

London, 24. Sept. (DNB.) Das englische Kabi­nett trat am Dienstagvormittag zum ersten Male seit der am 22. August abgehaltenen Sondersitzung wieder zusammen. Außer Eden waren sämtliche 21 Minister anwesend. Es ist anzunehmen, daß Außenminister Sir Samuel Hoare seinen Kollegen u. a. über die Besprechungen zwischen dem britischen Botschafter in Rom, Sir Eric Drummonb und Mussolini berichtete. Ferner lagen Mitteilungen Edens aus Genf vor, dieEinzelheiten über die beunruhigende Lage in Genf" enthielten. Wie Preß Associatton erfährt, billigte das Kabinett das Vorgehen Hoares und Edens einstimmig. Neue Entscheidungen hat das Kabinett nicht ge­troffen.

Dem Kabinett lag ferner der Text der Antwort aufdieAnfragendesfranzösischenBot- schafters Corbin vor, die Großbritanniens Lölkerbundsverpflichtungen im Falle einer Angriffs­handlung in Europa betreffen. Die Antwort wird nach ihrer Uebergabe an die französische Re­gierung Ende dieser Wache veröffentlicht werden.

Weiter berichtet Reuter, daß nach den Mitteilun­gen, die dem Kabinett oorliegen, der Völker- bunbsrat am Donnerstagvormittag zusammen­treten werde. Der Völkerbundsrat werde zwi-

Rom, 24. Sept. (DNB.) Der, italienische Mi­nisterrat hat sich auf nächsten Samstagvertagt. Mussolini erstattete einen kurzen Bericht über Die Entwicklung der politischen Lage von Samstag bis heute, wobei er feststellte, daß Italien in Genf keine Gegenvorschläge unterbreitet hat, sondern ledigttch mündlich die Motive ausein­andersetzen ließ, aus denen die Vorschläge des Fünferausschusses unannehmbar waren. Silles, was seit Samstag vor sich gegangen ist, ist em Be­weis dafür, daß die Haltung der italienischen Re- Meßend" erörterte Mussolini V n tz anVeVn igemzum Sau mm bombe nfidjere n Unterftan. Artikel des s ö l k e r b u nd s P a ktL s dieiden in Messina ausgeworsen.