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slbernen Rahmen als Ehrengabe zur Verfügung «stellt. Auch der Reichs- und Preußische Minister | Innern, Dr. Frick, hat eine wertvolle Schreib- Maschine als Ehrenpreis gestiftet. Der Oberbürger­meister der Stadt Frankfurt a. M., Staatsrat Dr. ;reb», hat ebenfalls eine Schreibmaschine mit ^sprechender Widmung zur Verfügung gestellt. Die miiringische Staatsregierung hat eine Plakette ge- iftet. Weitere Länderpreise stehen noch in Aus- cht. Um diese Ehrenpreise, zu denen sich noch hun- °rt Schreibmaschinen gesellen, die von anderer Seite jur Verfügung gestellt werden, wird ein heißer «Wettstreit entbrennen.

Vornotizen.

Tageskalender für Donnerstag: !SG.Kraft durch Freude": 18.30 bis 20.30 Uhr Vorbereitung zum Reichssportabzeichen auf dem liniversitätssportlatz am Kugelberg: 16 bis 18 Uhr «allgemeine Körperschule auf dem Universitätssport- I atz am Kugelberg: 20 bis 21 Uhr für jüngere, und V bis 22 Uhr für ältere Frauen fröhliche Gyrnna-

,k und Spiele in der Schillerschule. Lichtspiel- inus, Bahnhofstraße:Ehestreik". Johannessaal: 10.15 Uhr in der Bibelstunde spricht Pfarrer E i ch - |er, Stuttgart.

** Neueindeckuna derDolkshalle. Das städtische Hoch- und Tiefbauamt schreibt in unserem f -utigen Anzeigenteil die Vergebung von Dachdecker- rbeiten für die Neueindeckung der Volkshalle im j-mfange von etwa 3100 Quadratmetern aus. Inter­venten seien auf die Bekanntmachung besonders jmaewiesen.

** Arbeitsgemeinschaft Schicksals- jL m e i n s ch a f t. Eine bei der hiesigen Universi- tllsklinik beschäftigte Näherin hatte dieser Tage tnen Zwanzigmarkschein verloren. Das bedeutete hr das arme Mädchen einen schweren Verlust. Die nrigen Angestellten der Klinik führten darauf unter ich eine Sammlung durch und konnten auch den betrag zusammenbringen und dem Mädchen über» f-ben.

' ** Verkehrsunfall. An der Ecke Moltke- fraße und Kaiserallee ereignete sich gestern gegen 15 I'hr ein Verkehrsunfall. Der Studienassessor ! r a b e r t aus Büdingen, der gegenwärtig in hießen zu Besuch weilt, fuhr mit seinem Motorrad .;gen den Kotflügel eines Lastkraftwagens und ; hm dabei zu Fall. Er erlitt eine Kopfverletzung

iawie Hautabschürfungen und mußte von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz i die Chirurgische Klinik gebracht werden. Der (Dziusfahrer erlitt keinerlei Schaden. Der Hintere fotflügel des Lastkraftwagens wurde durch den .'usammenstoß so verbogen, daß die Fahrt nicht iirtgesetzt werden konnte. Das Motorrad des ^runglückten wurde am Vorderteil erheblich be- riäbigt. Die Polizei nahm sofort die notwendigen bmitHunqen auf.

R i ch t i g st e llun g. Der bet dem Verkehrs- rifall an der Ecke Marburger Straße und Wiesecker beg verletzte Eugen Pletsch von hier saß, wie jir Berichtigung unserer Meldung vom Dienstag ritgeteilt sei, n i ch t als Führer in dem Kraftwagen, srndern lediglich als Mitfahrer.

Schöffengericht Gießen.

!Wegen Urkundenfälschung wurde ein Mann aus ließen an Stelle einer an sich verwirkten Gefäng- rssstrafe von einem Monat zu 15 0 Mark Geld- f:tr a f e verurteilt.

Was Gericht befaßte sich sodann mit dem W. St. fc.s Ober-Mörlen wegen Transportgefährdung in Tateinheit mit fahrläsfiger Tötung und fahrlässiger K örperverletzung. Am 6. Dezember vorigen Jahres tisanden sich der Berufsberater Otto Leucht und t _ Berufsberaterin beim Arbeitsamt Gießen Frl.

Haußig auf der Rückfahrt von Altenstadt nich Gießen. Etwa kurz nach 18 Uhr passierte der s-aftwagen den Marktplatz in Butzbach und fuhr a.if den Bahnübergang der Strecke FrankfurtGie- zu. Da der Führer des Kraftwagens die Schranken offen fand, fetzte er feine Fahrt fort. Als

Iagdga« Oberhessen.

Zagdkreis Gießen.

Die Pressestelle des Gaujägermeisters teilt mit:

1. Der Gau- und Kreisjägermeister Oberforst­meister Nicolaus ist bis Ende August beurlaubt. Seine Vertretung hat Studienrat H ö l z e l, Gie­ßen, Hitlerwall 29, übernommen. Alle dienstlichen Zuschriften u. ä. sind weiter nach Stephanstrahe 4 zu richten.

2. Im weiteren Ausbau der Organisation der Deutschen Jägerscbaft hat der Gau- bzw. Kreis­jägermeister für Den Kreis Gießen folgende Er­nennungen vollzogen:

Zagdgau Oberhessen.

I. Stab des Gaujägermeislers.

Stabsleiter: Studienrat Hölzel, Gießen.

Geschäftsführung: Forstassessor Freiherr v. Gall, Gießen.

Presse und Aufklärung: Der Stabsleiter.

Waffen - und Schießwesen: Regierungs­rat Freiherr Schenck zu Schweinsberg, Gießen.

Hundewesen: Ingenieur August Pascoe, Dutenhofen.

Rechtswesen: Rechtsanwalt Beilstein, Grün­berg, und Dr. Paul Münch, Gießen.

Jagdschutz: Oberforstmeister Lipp, Gießen.

Landwirtschaftlicher Sachverstän­diger: Gutsbesitzer Oppermann, Lehrbach.

n. Ehrengericht.

Zu Mitgliedern des Ehrengerichts für den Iagd- gau Oberhessen für die Dauer von drei Jahren:

er sich auf der Mitte des Uebergangs befand, kam aus Richtung Gießen ein Güterzug, der mit unge­heurer Wucht das Auto zur Seite schleuderte, wo­bei sämtliche Insassen auf die Straße flogen. Frl. Dr. Haußig war sofort tot, Leucht mußte mit schwe­ren Verletzungen in die Chirurgische Klinik ver­bracht werden, der Kraftwagenführer Raab kam mit leichteren Verletzungen davon. Die Ursache des furchtbaren Unglücks ist darauf zurückzuführen, daß der Angeklagte St. das Herannahen des Güterzuges vergessen und den Bahnübergang nicht geschlossen hatte. Er wurde deshalb zu einer Gefängnis- strafe von fünf Monaten und in die Kosten des Verfahrens verurteilt.

Oer Brand bei LG -Farben in Höchst.

Ein zweites Todesopfer.

LPD. Frankfurt a. M., 24. Juli. Der Brand bei der I G. Farbenindustrie in Frankfurt a. M.-Höchst hat nach ein zweites Todesopfer gefordert. Heute morgen ist einer der schwerverletzten Arbeiter im Höchster Kranken­haus gestorben.

Oie Ursache des Brandes.

1 % Millionen Mark Schaden.

Zu dem bedauerlichen Brandunglück teilt die IG. Farbenindustrie mit:

In der Nacht vom 23. auf den 24. Juli, 23.45 Uhr, entwickelten sich in einem in der Lösungsmittel­abteilung des Werkes Höchst befindlichen Kessel, der mit Acetaldehyd gefüllt war, durch plötzlich einfetzende starke Erhitzung Dämpfe, die aus einer Oeffnung des Kessels in starkem Strahl nach oben entwichen und sich im Raume selbst entzündeten. Der in der Nähe des Kessels befindliche Johann Karg aus Frankfurt am Main-Höchst wurde durch die eintretende Ex­plosion schwer verletzt und ft a r b einige Zeit nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Der Vor­arbeiter Johannes R o e l l aus Frankfurt q. M.-

1. Vorsitzender: Regierungsrat Freiherr Schenck zu Schweinsberg, Gießen.

Stellvertreter: Kreisdirektvr Straub, Friedberg.

2. Beisitzer: Steuerberater Albrecht Jäger, Gießen. Stellvertreter: Studiendirektor Hahn» Schotten.

3. Beisitzer: Forstrat Dr. Zentgraf, Lauter­bach. Stellvertreter: Forstmeister Roßmäßler, Eisen­bach.

Zagdkreis Gießen:

Geschäftsführung: Forstafsessor Freiherr v. Gall, Gießen.

Presse - und Ausstellungswesen: Stu­dienrat Hölzel, Gießen.

Waffen - und Schieß wesen: Regierungs­rat Freiherr Schenck zu Schweinsberg, Gießen.

H u n d e w e f e n : Dr. van Bentheim, Gießen (Vorstehhunde) und Albrecht Jäger, Gießen (Erd­hunde).

W i l d k r a n k h e i t e n : Dr. van Bentheim, Gießen.

Rechtswesen: Dr. Paul Münch, Gießen, und Rechtsanwalt Beilstein, Grünberg.

Jägerausbildung: Oberforstmeister Lipp, Gießen.

Wildschaden: Gutspächter Brückmann, Birk­lar.

Stellvertreter des K r e i s j 8 g e r m e i- ft e r s ist Studienrat Hölzel, Gießen.

Nied, der feinem Arbeitskameraden z u Hilfe kommen wollte, wurde von den Flammen erfaßt und fand den Tod durch Verbren­nung. Acht weitere Arbeiter wurden mit teils schweren, teils leichteren Verletzungen ins Krankenhaus Höchst übergeführt. Der Zustand Jft bei drei Arbeitern noch bedenklich.

Für die Angehörigen der toten und verletzten Ar­beitskameraden wird weitgehend durch die Werks­leitung gesorgt werden.

Die Produktion wird durch den Brand nur un­wesentlich beeinträchtigt. Der Sachschaden wird auf IV2 Millionen Mark geschätzt.

Das Beileid des Gauleiters.

Anläßlich des Explosionsunglücks bei der IG. Farben Frankfurt a. M.-Höchst hat Gauleiter Sprenger heute morgen sofort die Unglücks- stelle ausgesucht. Er unterrichtete sich ein­gehend über den Verlauf des Unglücks und richtete folgendes Telegramm an die Werksleitung:Anläß­lich des Explosionsunglücks in Ihrem Werk Höchst, bei dem zwei tapfere deutsche Arbeiter den Tod fanden, übermittle ich mein Beileid. Ich bitte, meine Teilnahme den Hinterbliebenen und verletz­ten Arbeitskameraden auszudrücken.

Sprenger, Gauleiter."

23 Personen wegen Vorbereitung zum Hochverrat vor Gericht.

LPD. Darmstadt, 24. Juli. Nicht weniger als 23 Personen stehen vor dem Strafsenat des Oberlandesgerichts Darmstadt unter der An­klage der Vorbereitung des Hochver­rats. Die auf mehrere Tage berechnete Ver­handlung führte bereits heute zur Aburteilung von drei Fällen. Der 23jährige Fr. Gondolf aus Dieburg gab zu, Beiträge für die Bezirksleitung der illegalen KPD. nach Frankfurt a. M. abgeführt und weiter hochverräterische Druckschriften empfan­gen und verteilt zu haben. Unter Anrechnung von 4V2 Monaten Untersuchungshaft wurde er zu 4V2 Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehr­verlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.

Der 28jährige M. A. Huth er aus Münster M Dieburg hat noch dreimal Beiträge, angeblich jedoch für die Angehörigen der politischen Gefangenen, ge­zahlt. Er wurde unter Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft zu zwei Jahren G e f ä n g - n i s verurteilt. Mangels Beweises wurde die 32jäh- rige Marie Stix aus Dieburg freigesproch en, da ihr nicht nachzuweisen ist, daß Zusammenkünfte von Kommunisten in ihrer Wohnung mit ihrem Einverständnis erfolgten. Die Verhandlung geht weiter.

Bewährte Arbeitskameradschast.

D a r m ft a b t, 24. Juli. (LPD.) In der Oben* wälder Hartfteinindustrie war ein Ar­beitskamerad van einem Unfall betroffen worden. Auf Anregung des Betriebsführers arbeitete die ge­samte Belegschaft eine Stunde länger und überwies der Familie des Verletzten den Betrag von 52 Mark, während der Betriebsführer den glei­chen Betrag zulegte.

Schweres Schadenfeuer im Odenwald.

F r ä n k i f ch - C r u m b a ch, 24. Juli. (LPD.) Ein schweres Schadenfeuer äscherte das Sägewerk Chr. Katzemeier am Bahnhof Fränkisch- Crumdach fast völlig ein. Vermutlich durch Selbstentzündung brach das Feuer aus, dem die gesamte Werksanlage mit der Dampfmaschine und dazu noch ein Teil des Holzlagers zum Opfer fielen.

Oer erste deutsche Gasschlepper auf dem Mein.

Lpb. Mainz, 24. Juli. Nachdem der 40 Meter lange und 7 Meter breite Motorschlepper Harpen N r. 1" vor einigen Tagen mit fünf Anhängern in Gegenwart von Vertretern der Rhein- schiffahrtsbehörden seine zur vollsten Zufriedenheit verlaufene Versuchsfahrt gemacht hatte, passierte bas festlich geschmückte Boot gestern auf seiner ersten Fahrt nach Mannheim die Mainzer Reede. Bei dem Boot handelt es sich um einen Gasschlepper, der ohne störende Erschütterungen mit einem 700- pferbigen Motor arbeitet. Der Gasgenerator ist vom Maschinenraum getrennt und stellt im Prinzip einen Füllofen dar. Auf diesen neuen Rhein- schleppertyp, der nur einen Tiefgang von 1,25 Meter hat, setzt man allgemein große Hoffnungen.

Neue Frühkartoffelerzeugerpreise ab 25. Juli.

DNB. Die Hauptvereinigung der deutschen Kar­toffelwirtschaft hat mit Zustimmung des Reichs­und Preußischen Ministers für Ernährung und Landwirtschaft und des Reichsnährstandes folgendes angeordnet:

Die Erzeugerpreise für Speisefrühkartoffeln je Zentner ausschließlich Sack betragen ab 25. Juli 1935 bis auf weiteres:

a) für lange, gelbe Sorten mindestens 4,50 Mark, jedoch nicht mehr als 5,00 Mark:

b) für runde, gelbe Sorten mindestens 4,10 Mark, jedoch nicht mehr als 4,60 Mark;

c) für blaue, rote und weiße Sorten mindestens 3,70 Mark, jedoch nicht mehr als 4,20 Mark. Die Preise verstehen sich je Zentner, und zwar im geschlossenen Anbaugebiet roaggonfrei Verladestation ober frei Bezirksabgabestelle, im nichtgeschlossenen Anbaugebiet roaggonfrei Verladestation oder frei Uebergabeftelle am Erzeugungsort.

Diese Anordnung tritt mit dem 25. Juli 1935 in Kraft.

CREME: 15 Pf.-RM 1.00 / ÖL: 35 Pf.-RM 1.23

I NIVEA

Kir sanden zueinander.

Vornan von Klothilde v. Siegmann.

Lrheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.)

1 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

-Ehe Dietrich noch etwas einwenden konnte, hatte s ihm bereits den kleinen Teetisch herangerollt, T-e eingeschenkt, Brötchen aufgelegt.

»Eine behagliche Plcnjderstunde begann. Auch Ii arlen verlor langsam ihre Befangenheit und nnrf ab und zu ein Wort in die Unterhaltung, liit Entzücken lauschte Dietrich der sanften, wohl- t'ingenben Stimme, beobachtete ihre zarten, gra- jiöfen Bewegungen..

Meben Karlas dunkler, etwas kraftloser Lieblich- L.t wirkte Marlen wie ein lichter Frühlingstag. Ihnö dieses Bild hätte sich tief in Dietrichs Seele emgefchmeichelt, wäre in ihm nicht bas Mißtrauen ui 8 die Abneigung gegen Frauen allzu stark ge- n: Jen. So aber zwang er sich förmlich, der leisen Eiimme seines Herzens nicht zu lauschen. Herr- i:tt, er war doch kein schwärmerischer Jüngling. V tte er nicht eben genug Enttäuschung an Jutta inebt? Und wollte sich schon wieder von den cjönen Augen und dem lieblichen Aeußeren einer fr au gefangennehmen lassen? Nein, er wollte nicht irm zweiten Male so bitter getäuscht werden. Uötzlich stieg etwas in ihm auf, beinah wie Haß gyen Marlens Schönheit. Schon einmal war er aji ein fo reines, unschuldvolles Gesicht hereinge- cllen! Wer konnte wissen, ob hinter Marlens ü ufjerem sich nicht etwas Aehnliches verbarg?

..Aber sie ist Karlas Freundin", sagte eine Eiimme in ihm. Doch er verschloß sich ihr. Karla rir so gut, daß sie in allen Menschen auch nur Gu- ie- sah. Und vielleicht hatte diese Marlen wirklich . |e r viele gute Eigenschaften. Aber wenn es darauf uffam, würde sie auch nur an ihre Vorteile ben= lex Beinah bekam er Lust, das zu erproben.

So gingen die Gedanken widerstreitend in Dietrich siu und her. Schließlich fühlte er sich ermüdet. Da lebhaften Erzählungen Hauptmann Weckenroths amen nur wie von fern an sein Ohr. Er fühlte i e bleierne Schwere im Kopfe und auf ben 2 gen.

Marlen fjatte schon eine ganze Weile stillgesessen, n hrend Hauptmann Weckenroth erzählte. So lomte sie, ohne selbst beachtet zu werden, Dietrich Tltheim beobachten. Wie magisch angezogen, haf- |ien ihre Augen an seinem edlen Gesicht. Was für eine Leidensfalte lag um den energischen Djnb und auf der Stirn, durch deren Haut die :uen Adern schimmerten! Freudlos sah dieser Uifte Mensch aus. Man hatte das Gefühl, man c:te ihm etwas Gutes tun wollen, ihn mit viel oj.be umgeben mögen. Sie wußte ja durch Kar­

las Erzählungen von Dietrichs einsamer Jugend, daß ihm Liebe und Güte immer gefehlt hatten.

Eine heiße Sehnsucht stieg in ihr auf, ihm mit zarter Hand über die Stirn zu streichen, ihn zu umsorgen, für ihn da zu fein. Aber sofort drängte sie diesen Gedanken zurück. Wie kam sie nur darauf? Dietrich Veltheim und sie? Zwischen ihnen war ein unendlicher Abgrund. Er war reich sie bettelarm! Sie war ein Nichts! Und er liebte ja diese Jutta van Bergfelde. Sie hatte es ja selbst mit angehört. Aber was sie nicht be­griff, war, daß irgendein Mensch auf der Welt Dietrich Veltheim verschmähen konnte. Es mußte das höchste Glück fein, von ihm geliebt zu werden. Und dieses Glück konnte man zurückftoßen? Ihre Empörung gegen Jutta von Bergfelde, ihr Mit­leiden mit Dietrich Veltheim ließen ihr das Herz fast zerspringen. Sicher, er litt um Jutta und wurde darum nicht gesund. Plötzlich erschrak sie. Schien es ihr nur so? Oder wurde er plötzlich sehr bleich? Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn und schloß die Augen. . /

Ich glaube, es wird zuviel", flüsterte Marlen erschreckt Karla zu. Die nickte und stand auf.

Hauptmann Weckenroth war gerade in der Er­zählung einer Iagdgeschichte gestört worden.

Na, was ist denn los? Warum denn so plötz­lich Aufbruchsalarm?" fragte er. Wenn er bei feinen Jagdgefchichten war, konnte er über jede Unterbrechung mächtig grob werden.

Genug für unfern Patienten, lieber Vater!" entschied Karla sanft, aber bestimmt.

Aber ich bitte dich, Karla, bleib' doch noch." Dietrich riß sich aus der bleiernen Müdigkeit müh­sam empor.Ich bin wirklich ganz frisch."

Dann schau mal in den Spiegel, mein lieber Dietz, der wird dir sagen, daß es höchste Zeit für dich ist, wieder ins Bett zu gehen."

Karla sprach sehr bestimmt und ließ sich durch Dietrichs Bitten nicht bewegen, länger zu bleiben.

Morgen ist auch noch ein Tag, lieber Dietz. Wenn der Doktor es erlaubt, besuchen wir dich recht bald wieder. Und wenn ich dir irgend, etwas abnehmen kann, bisbu nach dem Süden fährst, tue ich es herzlich gern."

Ach, Sie verreisen?" fragte Marlen ganz er­schrocken, fast ohne es zu wollen. Sie hätte plötz­lich so gewünscht, Dietrich Veltheim noch öfter zu sehen. Aber nun schämte sie sich ihrer plötzlichen Frage.

Jawohl, Dietz reift fort. Auf höchsten Befehl, damit er ganz gesund wird. Nicht wahr, Dietrich? Also, wenn ich dir mit irgend etwas behilflich sein kann verfüg' über mich!"

Und über mich auch", fiel Weckenroth ein.

Vielen Dank, Weckenroth! Vielen Dank, Karla? Ja, es wird wohl in den nächsten Wochen noch ver­schiedenes zu besprechen geben. Vielleicht darf ich

auch schon einmal im Wagen zu euch herüber­fahren. Ich habe den Stubenarrest schon satt."

Aber nur, wenn der Doktor es erlaubt", meinte Karla.

Dann verabschiedete sie sich mit dem Vater herz­lich von dem Jugendfreund. Marlen legte scheu ihre Hand in die Dietrichs. Wieder schaute er sie so forschend an. Aber es war jetzt in feinem Blick nicht mehr dieses Gütige, Freudige von vorhin, es war etwas Finsteres, Prüfendes, vor dem sie fast erschrak.

Wie verschieden er blicken konnte! Jetzt hatte sie vor feinen Augen beinahe Furcht. Hatte sie etwas gesagt, was ihn unangenehm berührt hatte? Oder war es ihm vielleicht überhaupt nicht lieb gewesen, daß sie mit dabei war? Vielleicht hatte er mit sei­nen Freunden verschiedenes zu besprechen gehabt, wobei sie, die Fremde, nur störte? Sie hatte ja nicht mitkommen wollen. Aber Karla hatte sie so sehr darum gebeten. Und nun war es doch viel­leicht verkehrt gewesen. Um so zurückhaltender wollte sie nun sein.

Außerdem fuhr sie ja doch morgen für einige Tage nach Dresden. Sie hatte einen Brief von ihrem Bruder Georg erhalten. Zwischen den Zei­len las sie, wie schlimm es mit ihm stehen mußte. Sie wollte ihn besuchen. Vielleicht konnte man doch irgendeine Möglichkeit finden, ihn aus feinem schlimmsten Elend herauszureißen.

Hauptmann Weckenroth hatte ihr ja angeboten, Georg auch zu sich aufs Gut kommen zu lassen. Aber sie hatte abgelehnt. Ihr Stolz sträubte sich dagegen, daß sie dann zu zweien Hauptmann Weckenroths Güte in Anspruch nehmen sollten. Außerdem kannte sie den Stolz ihres Bruders. Der ging eher zugrunde, ehe er Almosen von andern annahm. Das Herz war ihr schwer, wenn sie an Georg dachte. Aber wenigstens würde sie dann zu­nächst mit Veltheim nicht mehr zusammenkommen.

Hat dir mein Freund gefallen?" fragte Karla abends Marlen.

Marlen sah an Karla vorbei.

Ganz gut!"

Nur ganz gut?" Karla war geradezu empört. Du, damit bin ich aber gar nicht zufrieden. Ich habe gedacht, du würdest ihn genau so wundervoll finden wie ich."

Dazu kenne ich ihn doch viel zu wenig, Karla. Ich glaub's schon, daß er ein sehr, sehr wertvoller Mensch ist, nur eben noch sehr leidend. Und vor allen Dingen scheint er irgendein Vorurteil gegen mich zu haben."

Ach, Torheit, Marlen! Er ist oft fo scheu und befangen. Vor allen Dingen hat er von Frauen feine gute Meinung er hat eine schwere Enttäu­schung hinter sich."

Marlen schwieg. Vor ihrem Geiste stand die Szene, die sie gegen ihren Willen auf Schloß

Veltheim belauscht: die Szene zwischen Jutta und Karla. O ja, sie wußte von der schweren Enttäu­schung Dietrichs. Von seiner unglücklichen Liebe zu Jutta. Zorn und Schmerz stiegen wieder in ihr auf, wenn sie an diesen Augenblick dachte. Und plötzlich sagte sie, eigentlich ohne es zu wollen:

Gott gebe, daß er diese Enttäuschung über­windet."

Karla sah Marlen von der Seite an.

Was meinst du, auf welche Weife das geschehen könnte?"

Marlen wurde verlegen.

Ach, ich weiß nicht, Karla."

Karla nahm Marlens Hände. Zwingend sah sie die Freundin an.

Du weichst mir aus, Marlen. Seit wann bist du nicht offen zu mir? Sieh, Marlen, das ist dock das Beglückende an unserer Freundschaft, daß wir uns immer sagen, was wir denken."

Marlen fühlte in Karlas Worten einen leisen Vorwurf. Dieser Vorwurf traf sie. Denn zum ersten Male war sie gegen Karla wirklich nicht offen. Aber sie brachte es nicht über die Seele, da­von zu sprechen. Sie schämte sich für Jutta, für Dietrich. Sie schämte sich, daß er an einem Men­schen wie Jutta Bergfelde sich verloren hatte. Das war das erste Verschweigen zwischen ihr und Karla.

Das zweite war etwas, was sie sich selbst kaum eingestehen wollte: daß sie ein unerklärlich heißes und starkes Gefühl zu Dietrich von Veltheim hin- zog. Noch nie hatte ein Mann einen solchen Ein­druck auf sie gemacht. Als sie ihn so leidend vor sich sah, war in ihr ein einziges inbrünstiges Seh­nen gewesen: er möge Gesundheit und Freude wiederfinden? Aber daß sie ihm dazu verhelfen konnte diesen Gedanken hatte sie gang erschrocken in das tiefste Unterbewußtsein ihrer Seele versenkt.

Marlen", klang wieder Karlas Stimme,du weißt, es gibt nur drei Menschen auf der Welt, mit denen ich ganz unzertrennlich verbunden bin: Der Vater, du und Dietrich Veltheim. Du kannst be­greifen, was ich mir für Sorgen wegen Dietrich mache. Und nun weichst du mir aus. Dabei sehe ich's dir an: du hast selbst schon über Dietrich nach­gedacht. Ich frag dich noch einmal, Marlen: Wie konnte man Dietrich von seiner unglückseligen Vor­stellung abbringen, daß die meisten Frauen nichts taugen?"

Da wandte Marlen ihren Blick Karla voll za. Ihr Gesicht erblaßte vor innerer Erregung. Ihre grauen Augen bekamen einen tieferen, beinahe grausamen Ausdruck.

Wenn er eine Frau fände, die wirklich selbstlos ist, die nichts weiter will als sein Gluck. Die sich ihrer eigenen Persönlichkeit ganz entäußern kann vielleicht würde er dann glauben lernen."

(Fortsetzung folgt!)