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(Ströme, Bruchwaid und Moor ...

Von Edmund Gcharein.

Zu den oft genannten Reisegebieten gehört sie nicht, diese Moorwildnis am Kurischen Haff, diese Landschaft zwischen den Strömen, in der der Mensch auf den Kahn als wesentlichstes Beförde­rungsmittel angewiesen ist. Wer sich aber im Zeit­alter der Motoren den Sinn für die Einsamkeit ur­wüchsiger Landschaften und unverfälschtes Volkstum bewahrt hat, dem kann das Moor im Norden Ost­preußens viel geben, so viel, daß er noch lange die Erinnerung an dieses Land im Bereich dunkler Ströme, an diese Fischerbevölkerung, die zäh und unverdrossen Not und Gefahr überwindet, zurück- bebält. Dieses Moor und feine Bewohner hinter­lassen Eindrücke, die nicht von heute auf morgen verlassen; Eindrücke, die haften, man mag auch als Landfremder nicht immer gleich die Erklärung für manche Erscheinung haben.

Urwüchsig ist hier alles: die breiten Ströme, die aus dichten Wäldern kommen und ihren Weg zum Kurischen Haff nehmen, die schweigenden dunk­len Forsten, der wilde unzugängliche B r u ch w a l d , das endlose unberührte Moor, das sich trotz der Tech­nik, die es bedroht, noch seine Eigenart gewahrt hat, Urwüchsig sind auch die Beivohner mit ihren Tu­genden und Fehlern. Man muß sie kennen, diese M oosbrüche r", um ihnen gerecht zu werden. Nachfahren alter Kolonisten sind es, die zum Teil schon vor Jahrhunderten ins Land kamen.

Urwüchsig ist auch die Tierwelt dieses wilden Stromgebiets. Hier haust noch Deutschlands stärk­stes Wild der urige Elch, dessen Hauptstandorte die Oberförsterei Jbenhorst und Tawellningken sind; hier horsten noch Schreiadler und Uhu: hier tummelt sich das Wasserwild aller Art auf den Blänken des Moores, in den Schilfwäldern der Ströme und den Rohrbuchten des nahen Kurischen Haffs. Hier ist es wie es war vor tausend Jahren.

Es ist auch nicht ohne Gefahren, dieses Land. Manche Mühsale kommen über seine Bewohner. Wenn derSchacktarp" hereinbricht mit seiner Ein- samkeit, wenn der Frühling mit Ungestüm herfällt über die Eisdecke feiner Ströme, wenn die bersten­den Eismassen sich haffwärts bewegen und der Zu­tritt zur Mündung durch Eis noch gesperrt ist, so daß sich die Wassermassen in wildem Anprall über die weiten Niederungsflächen ergießen, dann sind die Manschen im Moor nicht zu beneiden, dann

kommen Tage der Not, Tage, an denen der Mensch um Haus und Hof kämpft. Wildes Land...

Aber das ficht sie nicht an, die Moorbauern. In zäher Arbeit ringen sie dem Moor Erträge ab. Da sehen wir Dämme, die tragen reiche Frucht. Es ist bitter wenig, wähnt ihr, nur soviel, daß es gerade reicht zum eigenen Bedarf. Mit Nichten. Wohl sieht das Auge keine großen Flächen, keine wogenden Ge­treidefelder. Trotzdem: das kultivierte Moor trägt reiche Frucht, ist eine Quelle des Wohlstands. Die Erzeugnisse dieser Gegend haben sich längst Geltung verschafft auf dem Markt. Fruchttragendes Moor ...

Schon ein Markt in diesem Lande, der Markt in Seckenburg, zeigt, was die Moorscholle und die Fischerei hervorzubringen vermögen. Welch ein buntes Marktleben rollt sich da ab. Anders sind diese Märkte als die, die man im Binnenlands zu sehen gewohnt ift Anders sind Verkäufer und Käufer, anders die Ware und die Geschäftsgepflogenheiten. Früh geht's los. Noch verhüllt der Nebel das Moor, da find sie schon unterwegs, die Frauen und Mädchen mit ihren Erzeugnissen, während die Manner derweil meist dem Fischfang obliegen. Auf Strömen und Kanälen gleiten sie im Boot dahin, wahrend andere in kleinen Wäglein auf schmalen Dämmen fahren und mittels der Fähre über breite Wasserläufe setzen.

Andere Bilder, noch buntere, zeigen die Kö­nigsberger Märkte. Vom Sommer an tehen sie im Zeichen der Moosbrucherzeugnisse. Auf langen Schleppkähnen gelangen diese durch Ströme und Kanäle in die Deime und von dort den Vreqel hinab auf den Großstadtmarkt. Da türmen sich Gur- ken und Kürbisse, Zwiebeln und die beliebten Blanken", diese gelbfleischigen Kartoffeln, die als begehrte Salatkartoffeln in den verschiedensten Ge­genden unseres Vaterlandes Absatz finden.

Einen eigenartigen Anblick gewähren die großen Schl e p p k ä h n e, die lautlos ihre Frachten auf Strömen und Kanälen an üppigen Wiesen und schmucken, mit Pferdeköpfen gezierten Holzhäusern vorbeitragen. Eigenartig wirken auch die auf Holz- gerusten befindlichen Heuhaufen, die durch diesen hölzernen Unterbau vor oer Zerstörung durch das Wasser geschützt sind. Ebenso absonderlich muten sie an wie die schmalen Dämme, die da vorstoßen ins schwarze Moor. Zeugen menschlichen Schaffens­dranges.

Alles alles, was der Mensch hier an landwirt- schaftlich genutzter Fläche besitzt, was er erntet muß er in zähem Kampfe dem Moor entreißen. Kampf

Der Reichswetikampf der SA.

25. Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 10 bis 11, Wirsing (grün), das Pfund 12 bis 18, Weiß­kraut 10 bis 15, Rotkraut 20 bis 25, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 15, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 25, (gelb) 25, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 30 bis 45, Zwiebeln 15 bis 18, Rhabarber 8 bis 10, Kar­toffeln (neue) 7 bis 8, der Zentner 6,20 bis 7 Mark, Pfirsiche 40 bis 60, Himbeeren 50, Birnen 28 bis 50, Kirschen 40 bis 50, Heidelbeeren 40 bis 45, Stachelbeeren 20 bis 30, Johannisbeeren 20 bis 25, j wisse Hahnen 0,90 bis 1 Mark, Suppenhühner 80, Blumenkohl, das Stück 10 bis 70, Salat 5 bis 12, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 1% bis 5, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Suppengrün 5 bis 8, Radieschen, das Bd. 8 bis 10 Pf.

Oas Arbeitsbuch.

Das Arbeitsamt Gießen fordert alle Betriebe und Gewerbetreibenden der Betriebsgruppen

1. Industrie der Steine und Erden,

2. Eisen- und Stahlgewinnung,

3. Metallhütten - und Metallhalbzeugwerke,

4. Herstellung von Eisen-, Stahl- und Metall­waren,

5. Maschinen-, Apparate- und Fahrzeugbau (auch mit Gießerei),

6. Elektrotechnische Industrie,

7. Optische und feinmechanische Industrie,

8. Chemische Industrie,

9. Papierindustrie,

10. Leder- und Linoleumindustrie,

11. Kautschuk- und Asbestindustrie,

12. Baugewerbe und Baunebengewerbe,

13. Großhandel,

14. Einzelhandel,

15. Verlagsgewerbe, Handelsvermittlung und son-- stige Hilfsgewerbe des Handels,

16. Geld-, Bank-, Börsen- und Versicherungs­wesen

auf, bis f p ä t e ft e n s 31. 7. 35 dem Arbeitsamt Gießen oder der zuständigen Nebenstelle die An­träge zur Ausstellung der Arbeitsbücher für die bei ihr Beschäftigten einzureichen.

Für die Einhaltung des festgesetzten Termins, so­wie die ordnungsgemäße und richtige Ausstellung der Vordrucke, sind die Betriebsführer verantwort­lich. Jeder einzelne Antrag muß ortspolizeilich be­glaubigt fein.

Antragsvordrucke find beim Arbeitsamt Gießen oder den zuständigen Nebenstellen kostenlos zu er­halten. Diese Stellen stehen mit Rat und Auskunfts­erteilung jederzeit zur Verfügung.

Beförderung von Personen auf Last- und Lieferwagen!

Von der Polizeidirektion Gießen wird uns mit­geteilt:

In noch ganz erheblichem Umfange werden Per­sonen auf der Ladefläche von Lastkraftwagen oder von Anhängern befördert, ohne daß die nach der Ausführungsanweisung zu § 30, Abs. 1, der Reicks­straßenverkehrsordnung erforderliche Erlaubnis, die durch das zuständige Kreisamt ausgestellt wird, vorliegt.

Alle Last- und Lieferwagenbesitzer werden hier­mit letztmalig auf die feit 1. Oktober 1934 bestehen­den Bestimmungen hingewiesen. Die Schutzpolizei­beamten, die mit der besonderen Ueberwachung dieser Wagen beauftragt sind, wurden zum schärfsten Einschreiten angewiesen.

Förderung der Bienenweide.

Der Reichs- und Preußische Landwirtschafts­minister weist in einem Erlaß darauf hin, daß die Neuschaffung von Siedler- und Bauernstellen eine vermehrte Haltung von Bienenvölkern mit sich bringe. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus sowie im Interesse des Obstbaues sei dies sehr zu begrüßen, zumal es bisher nicht möglich gewesen sei, den Inlandsbedarf an Bien- nhonig aus eigener Erzeugung zu decken. Eine Grundbedingung für die Hebung der Bienenzucht fei aber die Verbesserung der Bienenweide, d. h. die vermehrte Anpflanzung von Bienennährpflanzen. Der Minister ersucht die Nachgeordneten Behörden, auf die Förderung der Bienenweide durch Erhaltung und Neupflanzung von Honigenden Bäumen und Sträuchern an den Ufern der Wasserläufe usw. Bedacht zu nehmen. Er teilt dabei mit, daß auch der Landschaftsgestalter der Reichsautobahnen bemüht sei, bei der Anlage

Am vergangenen Sonntag fanden im Bereiche der Standarte 116 wieder Sportwettkämpfe statt. Der Sturm 4/116 (Sturmbann 1/116) konnte abermals sehr gute Leistungen erzielen. Hier seien nur die besten Ergebnisse erwähnt:

SA.-Mann Rühl: Keulenweitwurf 60 Meter, Kugelstoßen 11,30 Meter, 100-Meter-Lauf 12,4 Se­kunden, Weitsprung 5,30 Meter.

Die SA.-Männer Knebel und Ullrich liefen die 3000 Meter in 9,14 Minuten. Die Obertrupp­führer Sieg und Heinz, beide 45 Jahre alt, bewältigten den 3000-Meter-Lauf in 10,02 bzw. 10,37 Minuten.

Außer diesen Leibesübungen stehen der SA. aber noch große Lei st ungen in sportlicher Hinsicht bevor. Da wäre z. B. der 1000-Meter- Querfeldeinlauf zu nennen, bei dem 4 Hindernisse zu überwinden sind. Als erstes eine 1 Meter hohe feststehende Hürde, die ohne Berührung genommen werden muß. Bei dem nun folgenden 2,50 Meter hohen Hindernis soll sich der Kameradschaftsgeist in der Hilfeleistung zeigen. Nach einem kurzen Lauf stellt sich dem Sturm schon wieder ein erneutes Hemmnis in den Weg: der zu überschreitende drei Meter lange Schwebebalken. Das Ueberspringen eines 3 Meter breiten Grabens ist die letzte Anfor­derung, die bei dieser Uebung gestellt wird. Weiter­hin muß ein 10-Kilometer-Gepäckmarsch mit Wäsche-

der neuen Autostraßen eine gute Bienenweide durch entsprechende Anpflanzungen zu schaffen.

Oie Reisezahlungsmittel bei Auslandsreisen.

DNB. In der letzten Zeit mehren sich die Fälle, in denen Reisende Auslandsreisen nach Ländern, mit denen Reiseoerkehrsabkommen bestehen, an­getreten haben, ohne sich im Besitz der in diesem Abkommen vorgesehenen Zahlungsmittel, die Reise­schecks, Reisekreditbriefe usw. zu befinden. Diese Reisenden sehen sich im Auslande großen Schwierig­keiten ausgesetzt, wenn die Nachsendung der Zah­lungsmittel durch die zu ihrer Ausgabe ermächtigten Reisebüros oder Banken aus irgendwelchen Grün­den nicht oder nicht alsbald erfolgen kann. Dieser Zustand ist auch geeignet, dem deutschen Ansehen im Auslande zu schaden. Es wird deshalb jedem Reisenden, der auf Grund eines Reiseverkehrsab­kommens ins Ausland fahren will, dringend nahe­gelegt, die Reife erst anzutreten, wenn ihm die erforderlichen Reisezahlungsmittel von dem Reise­büro oder der Bank ausgehändigt worden sind. Ist das geschehen, so begegnet die Einlösung der Reise­zahlungsmittel im Auslande keinen Schwierigkeiten. Dagegen bietet ein von der Ausgabestelle in dem Reisepaß angebrachter Vermerk, wonach die bestell­ten Reisezahlungsmittel vorgemerkt sind, noch keine Gewähr dafür, daß die Reisezahlungsmittel auch tatsächlich zugeteilt werden.

Attöle nicht vernichten.

DNB. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Trotz der in der Presse veröffentlichten zahlreichen Artikel und Aufrufe, die sich mit dem Problem der Rohstoffersparnis befassen und in denen im be­sonderen auch auf die angesichts der schwierigen Devisenlage dringende Notwendigkeit einer voll­wertigen Altölaufarbeitung hingewiefen worden ist, muß leider festgestellt werden, daß es noch immer Kreise gibt, die offenbar aus Bequemlichkeit gebrauchte Mineralöle einfach vernichten oder zu minderwertigen Zwecken verwenden. Damit aber nicht genug. In einem Falle hat sich sogar eine große westdeutsche Tageszeitung verleiten lassen, einen ihr einqesandten Artikel abzudrucken, in dem Altöl, in diesem Falle gebrauchtes Motorenöl, als zum Verbrennen in Defen geeignet bezeichnet wird.

Es muß noch einmal nachdrücklichst darauf hin- gewiesen werden, daß jeder, der gebrauchtes Del, im besonderen Motorenöl, vernichtet, verbrennt oder in sonst irgendeiner Form minderwertig ver­wendet, gewissenlos handelt. Es ist vielmehr Pflicht eines jeden Verbrauchers, dafür Sorge zu tragen, daß die anfallenden Altöle gesammelt, sorglich auf­bewahrt und, wenn genügend Ware aufgespeichert

wechsel in kürzester Zeit und Ueberquerung eines mangelhaften Steges ausgeführt werden.

Die Propaganda fahrt wird wohl die Uebung fein, die dem Einzelnen am meisten zu­sagen und Erinnerungen an frühere Kampfzeit wachrufen wird. Bei den Einsatzübungen werden den Stürmen Aufgaben aus dem Alltag gestellt, denen sie sich gewachsen zeigen müssen, z. B. Abriegelung eines Waldteiles, ober wach­samer Absperrungsdienst gelegentlich eines größe­ren Aufmarsches mit markierten Gegnern, oder Einsatz einer Einheit zur Bekämpfung eines Bran­des und dergleichen, also alles Aufgaben, denen man täglich gegenüberstehen kann. So rasch und so flink der SA.-Mann bei den vorerwähnten Uebun- aen sein muß, um so mehr Ruhe und Sicherheit er­fordert das Kleinkaliberschießen.

Aber nicht nur der Körper soll durch diese sport­lichen Uebungen gestählt werden, auch die geistige Ausbildung muß mit der körperlichen Schritt halten. Dafür ist in den Reichswettkampf auch die weltanschauliche Schulung ausgenommen worden.

Der SA.-Mann erfährt also bei diesem Reichs­wettkampf keine Sonoerausbildung zur Erreichung von Rekordleistungen, sondern gerade die vielseitige Ausbildung auf allen Gebieten, die Bewährung in allen Lagen, in jeder Gefahr seinen Mann zu stel­len, das ist das Ziel, welches erreicht werden soll.

ist, der nächsten Regenerationsanlage zwecks voll­wertiger Wiederaufbauarbeit zugeführt werden. Die Aufarbeitung kann hierbei gegen Lohnzahlung durchgeführt werden; es kann aber auch ein Ver­kauf des Altöles an die Aufarbeitungsanstalt statt­finden.

Das von den Verbrauchern vielfach geäußerte Bedenken, daß ein Motorenöl während des Ge­brauches chemische Veränderungen erfährt, die eine spätere vollwertige Aufarbeitung des Oeles aus­schließen, ist unbegründet: die Gütevorschriften der Ueberwachungsstelle für Mineralöl für aufge­arbeitete (regenerierte) Mineralöle jeder Art sorgen dafür, daß aufgearbeitete Altöle mindestens den vom Fachnormenausschuß für Schmiermittelanfor­derungen herausgegebenen Normen für Frischöle entsprechen. Damit aber ist grundsätzlich gewähr­leistet, daß das aufgearbeitete 'Mineralöl stets dem ursprünglichen Schmierzweck wieder zugeführt wer­den kann. Auch besteht in Deutschland kein Mangel an den erforderlichen Aufarbeitungsanstalten. Die Anschriften der für die Verbraucherschaft (Betriebe, Garagen, Einzelverbraucher) jeweils am günstig­sten gelegenen Anlagen sind bei der Ueberwachungs­stelle für Mineralöle zu erfragen.

Oie Baugenossenschaft 1894 feiert Richtfest.

Im Zuge der umfangreichen Wohnhausneubauten in unserer Stadt läßt auch die Gießener Bauge­nossenschaft 1894 gegenwärtig wieder ein stattliches Wohnhaus (an der Ecke Aulweg undAm Riegel­pfad") errichten. Es handelt sich um ein Wohnhaus, das unter der Bauleitung des Architekten Hamann von der Baufirma H. W. Rinn errichtet und in drei Stockwerken sechs Dreizimmerwohnungen und drei Zweizimmerwohnungen bergen wird. Das Wohnhaus wurde nunmehr im Rohbau, wie auch im Dachstuhl fertiggestellt, auf dem das bänderge­schmückte Bäumcken prangte.

Die Baugenossenschaft hatte aus diesem Anlaß gestern zum Richtfest eingeladen. Etwa 50 Arbeiter, meist Maurer und Zimmerleute, die in dem Hause bisher geschafft hatten, fanden sich zu dieser Feier ein. Gemeinsam marschierte man von der Baustelle aus zurStadt Wetzlar" (Ludwigstraße), um dort in arbeitskameradschaftlicher Verbundenheit einige Stunden zu verbringen. Bei einem guten Stück Wurst und bei einigen Glas Biex saß man bei­sammen.

Im Verlaufe der Feier hielt der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Schneider, eine kurze An­sprache, in der er alle Teilnehmer zunächst im Na­men der Baugenossenschaft herzlich willkommen hieß. Der Richtbaum, der auf dem Giebel des Neubaues aufgestellt worden sei, bedeute den Ab­

schluß einer Gemeinschaftsarbeit. Für den Bau­herrn, die Baugenossenschaft, sei es das Zeichen, sich einzuschalten und das zu geben, was sich ge­bühre: das Richtfest! Wenn der 1. Mai den Ge­danken der Volksgemeinschaft und der Verbunden­heit aller Volksgenossen zum Ausdruck bringe, so solle das Wiederaufleben alter Tradition geworde­ner Zunftgebräuche einen Teil des Weges zu dieser Volksgemeinschaft darstellen Wir wüßten heute mehr denn je, daß der Mensch nicht nach der Art seiner Arbeit, sondern nur nach [einer Leistung an seinem Arbeitsplatz gewertet werden dürfe. Wenn das Wort Adolf HitlersEhret die Arbeit und ach­tet die Arbeiter!" Geltung haben solle, dann sei es auch die Pflicht der Baugenossenschaft, allen denen zu danken, die am neuerstandenen Werk, am neuen Wohnhaus mitarbeiteten. Jeder habe an feinem Platz seine Pflicht erfüllt. Mit Stolz blicke man auf den Neubau. Der Stolz fei um so berechtigter, wenn jeder einzelne, der mithalf, sich dessen bewußt sei, daß er in höherem Zusammen­hänge schuf. Die unzertrennliche Gemeinschaft zwi­schen Betriebsführer und Gefolgschaft müsse ihren Ausdruck in dem WorteGemeinnutz geht vor Eigennutz" finden. Nachdem der Redner noch einen Ausspruch Alfred Rosenbergs über die Ekp:e der Arbeit wiedergegeben und noch einmal allen Mit­arbeitern am Werk gedankt hatte, schloß er mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler, in das alle begeistert einstimmten. Ge­meinsam wurden sodann die ersten Verse der beiden Nationalhymnen gesungen.

Anschließend sprach Herr Wagner von der Firma H. W. Rinn, dankte im Namen der bau­ausführenden Firmen der Baugenossenschaft für die geschaffene Arbeitsmöglichkeit und gleichzeitig auch für die Ausrichtung des Richtfestes. In dem ver­gangenen Jahrzehnt einer oolksfremden Regierung fei nur selten Gelegenheit gewesen, Richtfest zu feiern, jetzt aber könnten viele Volksgenossen Richtfest mitfeiern, denn allenthalben werde gebaut. Mancher Familienvater, der die Arbeitslosigkeit habe kennenlernen müssen, freue sich über die Ver­dienstmöglichkeiten, die ihm im Dritten Reich geboten seien. Mit dem Gelöbnis zu treuer Gefolgschaft zum Führer und mit der Mahnung, alle Kraft für das große deutsche Aufbauwerk einzusetzen, schloß der Redner.

Bei gemeinsam gelungenen Volksliedern und bei einigen auf demMaurerklavier" wiedergegebenen Melodien verging die Zeit in schöner Kameradschaft. Wiederaufbau der Seifenfabrik Möbs.

Die im November des vorigen Jahres nieder- gebrannten Fabrikgebäude der Seifenfabrik Möbs an der Rodheimer Straße werden gegenwärtig wieder aufgebaut. Der Wiederaufbau geschieht in einer erweiterten Form. Das Gebäude wird zwei­stöckig, zum Teil sogar dreistöckig aufgeführt und für feine Zwecke auf das neuzeitlichste ausgestattet werden.

Die Firma trägt sich mit der Absicht, einen Teil der damals im November nach Aßlar verlegten Fabrikation wieder in das neue Betriebsgebäude zurückzuverlegen, darüber hinaus aber die Fabri- fation von Spezialerzeugnissen der Stzifenindustrie aufzunehmen. Es entsteht ein völlig neuer Betrieb. Das Bauvorhaben ist eine Planung auf weite Sicht, wenngleich vorgesehen ist, nach der Fertigstellung des Neubaues sofort mit der Arbeit zu beginnen.

Die Erstellung des Rohbaues für bas neue Fabrikgebäude geht rasch vonstatten. Seit etwa drei Wochen ist man an der Arbeit. Zahlreiche Arbeiter finden Beschäftigung. Der Plan für den Neubau stammt von Architekt Nicolaus, in dessen Hän­den auch die Bauleitung liegt. Die Bauarbeiten werden von der Firma Abermann ausgeführt. Man hofft, im Frühjahr des nächsten Jahres das neue Betriebsgebäude fertig zu haben und die Ar­beit mit zum Teil neuen Arbeitskräften aufnehmen zu können.

Deutscher Steuoarapheutag.

Ehrenpreise für das Leistungsfchreiben der Fünftausend.

Der größte Kurzschrift-Wettbewerb, der je ver­anstaltet wurde, wird das Leistungsschreiben der Fünftausend anläßlich des Deutschen Stenographen­tages 1935 in Frankfurt a. M. fein. Der Führer und Reichskanzler hat, wie bereits berichtet, fein Bild mit eigenhändiger Unterschrift in einem

ist das Leben des Moorbruchbewohners. Und doch find sie mit der schwarzen Scholle verbunden, daß sie sich nicht von ihr trennen trotz Mühsal und Not, daß den Moorbewohnern im fernen Land das Heim­weh packt, diese Moorsehnsucht, die gewiß nicht schwächer ist als des Aelplers Sehnsucht nach den heimischen Bergen.

Höflichkeit unter den Papuas.

Unter den primitiven Völkern zeichnen sich die Papuas von Neuguinea durch besonders höfliche Umgangsformen aus. Allerdings ist es nicht Europas Übertünchte Höflichkeit", die sie beweisen, sondern sie haben ihre eigenen Vorstellungen da- oon, was schicklich und höflich ist. Sie scheuen sich nicht dreist zu lügen, wenn sie fürchten, daß das Aussprechen der Wahrheit verletzend sein könnte; dennoch haben sie aber viele ihrer für europäische Begriffe recht rauhen Sitten beibehalten. So er- geben sich seltsame Widersprüche in ihrem Beneh­men, die ihnen nicht auffallen, da sie zu einem solchen Verhalten von früher Kindheit an erzogen sind. So soll es Vorkommen, daß sich Papuas ganz unschuldig vor Gericht verurteilen lassen, nur weil ne es für unschicklich empfinden, den harten Vor- wursen der Richter zu widersprechen. So sind sie ideale Zuhörer. Man kann ihnen ein unö dieselbe Geschichte zwei- und dreimal erzählen; sie werden immer wieder herzlich lachen und eine Spannung auf den Ausgang verraten, obwohl sie genau wissen, wie es weitergeht. Kein Sterbens- wortchen wird ihnen entschlüpfen, daß sie die Ge­schichte schon kennen. Ein früherer Gouverneur von s u^onn-ea zu berichten, in welch verblüffen- öer Weise ein Papua unter dem Vorwurf eines }flm^n^bred)ens an den Gesetzen der Höflich­keit sesthielt. Der Gefangene, der beschuldigt war, einen anderen Eingeborenen ertränkt zu haben, erklärte: Er bat mich, ihn über das Wasser zu roa?-enr.^Gr !r .sch^n mir sehr schwer zu sein. Natürlich konnte ich nicht so unhöflich sein, ihm seine Bitte abzuschlagen, aber als ich ihn hinüber- trug konnte ich seine Last nicht mehr tragen, und öer beste Ausweg erschien mir der, ihn ins Wasser 3U werken. Auch als einige Eingeborene des Berg- s ® von Rigo beschuldigt wurden, eine Patrouille Der Kolomaltruppen angegriffen zu haben, hatten sie eine höfliche Entschuldigung zur Hand.Wir hatten niemals vorher Schutzleute gesehen", sagten sie,und wir wußten nicht, wer sie wären. Hätten wir geahnt, daß es Leute von Bedeutung wären, so wurden wir sicher nicht unsere Speere gegen sie

geschleudert haben; aber wir meinten, es fei an chnen nichts dran." In höchstem Maße seltsam mutet ein Vorfall an, die derselbe englische Gouver­neur selbst erlebt zu haben behauptet. Er erzählt: Ich erinnere mich an zwei eingeborene Schutz­leute, die wegen Mordes zum Tode verurteilt wor­den waren und auf den Reaierungsdampfer nach Port Moresby gebracht werden sollten, um dort gehängt zu werden. Als das Schiff abgehen sollte, waren sie nicht an Bord, tarnen aber auf Rufen und Pfeifen ganz atemlos angehetzt und entschuldig­ten sich vielmals. Sie sagten, sie hätten ganz ver­gessen, daß sie in Port Moresby gehängt werden sollten, sonst wären sie sicher nicht so weit von dem Dampfer fortgegangen/' Die Höflichkeit würde die Papuas aber nicht daran hindern, ein Ver­brechen zu begehen, sie würden lediglich bedacht sein, dabei nicht gegendie guten Sitten" zu ver­stoßen. So zieht ein eingeborener Polizist die Uni» form aus, ehe er sich aktiv an einem Händel be- teiligt und die Gesetze verletzt, zu deren Wahrung er verpflichtet ist. Bei einem Mord waren die Ein­geborenen hauptsächlich deswegen so entrüstet, weil er °uf einem von der Regierung angelegten Weg geschehen war. Daß einer einen anderen tötete, konnten sie gut verstehen, aber sie hielten es für einen Gipfel der Gemeinheit, daß der Täter das Opfer nicht vorher in den Busch schleppte, sondern es auf offener Landstraße ermordet hatte.

Arzt und Patient

Ahr Husten gefällt mir gar nicht", sagte der Arzt zu dem für feine Liebeswürdigkeit bekannten Grafen K.

Ja, Herr Doktor einen anderen habe ich leider nicht", bemerkte der Aristokrat.

Ein junger Mann wurde bei einer Schlägerei gefährlich am Kopf verletzt. Als ihn der Wundarzt untersuchen wollte um zu sehen, ob das Hirn keinen Schaden gelitten, sagte der Vater des Verwundeten:

Sie suchen vergeblich, Herr Doktor. Denn hätte er em Hirn, dann hätte er diesen Streit nicht an­gefangen."

*

Endlich fiel bas Fieber. Der Arzt atmete auf.

''H^r haben nur Gott und Ihre kräftige Natur Sie gerettet", sagte er.

Der Kranke nickte.

Ich hoffe, Herr Doktor, daß Sie das bei Ihrer Honoraraufstellung berücksichtigen werden." -hag-