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Vornan von Charlotte prenzel.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.).
31. Fortsetzung Nachdruck verboten!
Gerda hob jäh den Kopf. Zum ersten Male hatte sie alle Vorsicht außer acht gelassen, sonst hatte sie den Rock stets so geschickt in Falten gelegt, daß man den Riß nicht sah. Sie wurde glühend rot; aber was half es, sie mußte beichten.
Der Großmutter Antlitz verdüsterte sich noch mehr. „Also mit den Straßenjungen zankst du dich herum? Ich habe mich schon immer gewundert, daß du ihnen so vorsichtig aus dem Wege gehst. Mädchen, Mädchen, wann lernst du endlich Manieren? Ich habe es ja immer gesagt, man kann dich nirgendshin mitnehmen."
„Ich habe doch nur der Katze helfen wollen", stieß Gerda, immer erregter werdend, hervor. „Auch weiß ich nicht, was ich mir sonst noch zuschulden habe kommen lassen."
„Du hast den Riß doch nicht zugenäht? Das ist doch nicht deine Arbeit?"
„Nein! Frau Scholz hat es getan!"
„Soso?! Sie verleitet dich auch noch zu Heimlichkeiten mir gegenüber. Nur gut, daß ich jetzt davon erfahre. Und eine solche Freundin willst du besuchen? Was habt ihr denn noch hinter meinem Rücken beschlossen?"
„Nichts haben wir beschlossen!" brach es aus Gerda hervor. „Gar nichts. Frau Scholz hat mich nur lieb, sie weiß auch, daß du mich nicht leiden kannst, daß du immer etwas auszusetzen hast an mir, daß du ..."
„Schweige!" unterbrach Frau Morland hart. „Du weißt nicht mehr, was du sagst! Geh mir aus den Augen! Ein solch undankbares Geschöpf wie dich will ich nicht mehr sehen!"
Gerda stand wie erstarrt da, tiefe Reue über ihre unbedachten Worte bemächtigten sich ihrer. „Großmutter!" bat sie verzagt.
Doch Frau Morland hatte sich schon abgewandt. „Geh auf das Zimmer! Sofort — komm mir heute nicht mehr unter die Augen!"
Gerda warf der Großmutter einen flehenden Blick zu, dann stahl sie sich langsam davon und verschwand in dem gemeinsamen Zimmer. Sie warf sich weinend auf den nächsten Stuhl — wilde Verzweiflung kam über sie...
Der Gong, der die Gäste zum Mittagessen rief, tönte durch das Haus. Gerda horchte auf. Ob sie nun geholt wurde? Sie trocknete ihre Tränen. Trotz ihrer Verzweiflung hatte sie großen Hunger; aber sie wagte nicht, das Zimmer zu verlassen. Die Großmutter würde sie schon holen lassen, wenn sie nicht selbst kam.
Gerda wartete vergebens. Sie hörte die Kurgäste sich nach beendeter Mahlzeit in ihre Zimmer begeben. Zu ihr kam niemand. Die Großmutter ließ sie weder rufen, noch ihr irgend etwas Eßbares schicken. Sie sollte einfach hungern; nicht genug, daß sie wie ein kleines Kind Stubenarrest hatte, sie bekam noch nicht einmal zu essen.
Ohnmächtige Wut kam über Gerda. Von neuem begann sie zu weinen. Sie fuhr ganz einfach mit der Fremden zu Frau Scholz, dann war die Großmutter die Enkelin los, brauchte sich nicht mehr über sie zu erregen.
Gerda riß die schon halb gepackte Handtasche hervor, leerte den Inhalt auf den Fußboden aus, warf einige Toilettesachen hinein: einige Wäschestücke, ein Kleid. Mehr brauchte sie fürs erste nicht. Dann begann sie, sich umzukleiden. Sie zog ihr Reisekostüm an, drückte den hellen Filzhut auf den Kopf, nahm den Rest ihres Taschengelds zu sich. Es würde wohl reichen, um nach Frankfurt zu kommen, selbst wenn sie die Fremde nicht mitnahm!" überlegte sie flüchtig. Nun war sie fertig.
Leise öffnete sie die Tür ihres Zimmers, spähte vorsichtig die Treppe hinab. Kein Mensch war zu sehen, niemand begegnete ihr. Die hintere Haustür stand offen. Gerda schlüpfte ungesehen hinaus; mit großen Schritten eilte sie den Berg hinab, der Stadt zu. Nun brauchte sie nur noch die Enz zu überschreiten, und schon lag das große Hotel vor ihr, das ihr die Fremde genannt hatte.
Keinerlei Bedenken kamen Gerda, als sie durch die breite Glastür trat. Erst im Vestibül stockte ihr Fuß; aber da war ja die Fremde. Ganz vorn am Eingang saß sie und stand eilends auf, als Gerda eintrat.
Kittys erste Regung bei dem Eintritt Gerdas war maßloses Erstaunen. Im Ernst hatte sie nie geglaubt, daß das Mädchen ihr folgen würde. All ihre Gedanken hatten sich mit der Entführung der Tochter beschäftigt, und nun war sie hier. Em jähes Frohlocken stieg in Kitty auf. So mühelos war ihr niemals ein Plan geglückt.
„Fahren Sie wirklich noch heute nach Frankfurt? Komme ich heute noch zu Frau Scholz?" sprudelte es aus Gerda hervor, während ihre Augen flehend zu der schönen Frau empor sahen.
Kitty nahm Gerda in ihre Arme. Ein seltsames Gefühl durchrieselte sie, als sie den Körper des Mädchens fest an sich gedrückt hielt. „Wir fahren noch heute; sofort werde ich meine Sachen packen, ein Auto bestellen, dann geht es auf dem schnellsten Wege nach Frankfurt."
„Wirklich?" lachte Gerda, und der letzte Rest Angst zerflatterte in ein fröhliches, sorgloses Lachen.
Im Zimmer Kittys plauderte sie unbefangen von ihrem Erlebnis mit der Großmutter, von ihrem Kummer und ihren Sorgen.
Kitty horte gerührt zu, von Gefühlen bin und her gerissen. Das Mädchen vor ihr war ihr «mo, es lehnte sich gegen das strenge Regiment der alten Frau auf, stand dieser feindlich gegenüber. r es nicht vor Jahren genau so bei lhr 8^wefen Hatte sie sich nicht stets geweigert, Fred zu 1 Mutter zu begleiten? s - rc-*.
Aus den Worten Gerdas hörte Kitty, daß Eile geboten war. Kam die Großmutter tn d o mer, entdeckte sie die Flucht Gerdas wurde st-s'ch hierher wenden. Sie mußten fort sem, ehe Frau Morland nachfragen ließ. Auf der F h ■ 5 sie Zeit genug haben, sich d.e Liebe ihres Dndes zu erringen; es würde ihm wohl nicht a z sch
Sie bestellte ein Auto, verlangte nach ihrer Rech-
ar5 ihr das Auto gemeldet wuroe.
Au! der Fahrt war Kitty klug genug, noch aller, lei über di-I- Frau Scholz aus Gerda h-rauszu- fraaen Für sie bestand bald k-m Aweisel mehr, dast Liane sich m ihrem Mädchennamen Gerda ge- nähert Allerhand Achtung vor der kleinen grau. So viel Großzügigkeit hätte K.tty mcht erwar et. Und sie wußte nicht recht, ob sie über diese Entdeckung spöttisch lachen oder ein wenig gerührt sein
Gerda plauderte indessen unaufhörlich, Herrlich war diese Fahrt! Sie hatte nicht gedacht, Wildbad im Auto verlassen zu können. Ja, wenn der Vater daqewesen wäre, hätte er sie vielleicht mit seinem Wagen abgeholt.
Immer wieder kam das Mädchen auf den Vater zu sprechen, immer wieder weilten Gerdas G->- danken bei ihm und bei der jungen Frau, die sie so schnell liebgewonnen hatte, und zu der es nun ging. Gerda hatte all ihre Sorgen um die Großmutter vergessen; heute noch würde sie ihr Nachricht geben, wenn sie glücklich bei Frau Scholz angelangt war.
Sie erreichten Pforzheim nach kurzer Fahrt. An dem ersten besten Restaurant ließ Kitty halten.
„Warum halten wir?" fragte Gerda befremdet.
„Wir können die Fahrt unmöglich in einer Tour machen. Hast du übrigens keinen Hunger, Gerda? Du hast doch seit dem Morgen nichts zu essen bekommen."
An den Hunger hatte Gerda in ihrer Erregung nicht mehr gedacht. Sie wäre viel lieber weiter gefahren, aber so viel Rücksicht mußte sie wohl nehmen, das war sie der Freundin, Frau Scholz, schuldig. Sie stand innerlich widerstrebend auf und verließ den Wagen.
„Aber wir fahren heute noch weiter?" erkundigte sie sich ängstlich.
„Natürlich! Sobald wir gegessen haben!"
Der Aufenthalt dehnte sich für Gerdas Ungeduld viel zu lange aus. Kitty hatte es nicht so eilig. Und während Gerda essen und trinken konnte, was
sie wollte, verschwand Kitty für länger- nm mit zwei Chauffeuren weaen der Welterfahrt zu verhandeln. Schließlich, als die Sonne schon >m Sinken war, brachen sie auf.
„Kommen wir heute noch bis Frankfurt?" fragte Gerda ängstlich. .
„Nicht mehr ganz! Heute fahren mir nach Karlsruhe, und morgen sind wir in Frankfurt!"
Gerda erblaßte. „Wir fahren nur bis Karlsruhe?"
„Aber Kind, wie hast du dir denn die Fahrt gedacht? Wir kämen ja in dunkler Nacht in Frankfurt an!"
Gerda versuchte aufzustehen, die Tür zu öffnen, schon aber fuhr der Chauffeur los, und sie fiel auf ihren Sitz zurück.
„Ginge es nicht mit der Bahn schneller? fragte sie kleinlaut.
„Nein! Wenn wir wirklich jetzt einen Zug erreichen würden, wäre es auch tiefe Nacht, bis wir in Frankfurt find. Gedulde dich nur ein bißchen, es geht wirklich nicht anders!"
„Ich bange mich nur um Großmutter!"
„Ihr telegraphierst du morgen aus Frankfurt!" Beklommen, mit einem schlechten Gewissen, blieb Gerda ruhig neben der Fremden sitzen. Sie hätte sich doch nicht auf diese Fahrt einlassen tollen. In welcher Aufregung würde die Großmutter jetzt fern? Wie würde der Vater sie schelten, wenn er von ihrer Flucht erfuhr? Auch Frau Scholz würde die Heimlichkeit nicht gutheißen. Wie kam sie nur zu dieser Freundin, die ihr zu der heimlichen Flucht geraten hatte?
Kitty versuchte Gerdas Zweifel zu zerstreuen, das Mädchen zu erheitern. Aber seltsam, ihre glänzende Ueberredungskunst hatte heute nicht die rechte Wirkung. Gerda blieb still und einsilbig. Das elegante Hotel, in dem sie in Karlsruhe ab- stiegen, das vornehm eingerichtete Zimmer, das sie bekam, bedrückten Gerda aufs höchste. Sie hätte am liebsten geweint.
Kitty aber ließ sie nicht einen Augenblick allein: ie führte das Mädchen in den Speisesaal, suchte ie mit allerlei Leckerbissen zu erheitern, nötigte ie freundlich zum Trinken, schenkte das Weinglas immer wieder voll.
Gerda fühlte bald die Wirkung des schweren Weins: sie verlor jede Kraft zum Denken. Die Augen fielen ihr zu. Ohne Widerstand ließ sie sich von der Fremden zu Bett bringen.
*
Noch an dem gleichen Abend verlangte Ernst Schröder Liane telephonisch zu sprechen.
Liane trat arglos an den Apparat. „Was gibt es zu so später Stunde, Ernst? Haben Sie Nachricht von Fred? Wird er bald kommen?" fragte sie.
Die erregte Stimme des Freundes antwortete: „Nichts von alledem — leider! Es handelt sich um Gerda — sie ist fort!"
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