worden. Sie zu erhalten, war Aufgabe der Friedensarbeit.
S ch a r n h o r st, der Schöpfer dieser Waffen, war nicht mehr. G n e i s e n a u lehnte die Nach- folge ab. Da traf Hardenbergs Wahl wieder aus sogen, und diesmal stimmte der König zu. Am 3. Juni 1814 wurde der General von Bogen zum Staats- und Kriegsminister ernannt; der erste Minister mit diesem Titel. Ein reifer Mann von 43 Jahren, einfach und besonnen, kein Meister des Wortes, eher der Schrift, ohne den Schwung des genialen Gneisenau, ohne die tiefe Selbstlosigkeit des stillen Scharnhorst, aber ein Mann von unermüdlicher Arbeitskraft und zähem Willen, der mit ehrlicher Freude an sein neues Werk ging.
Bogens erste Arbeit war die Neugliederung des Kriegsmini st eriums. Die Rücksichten auf Wünsche und Forderungen des Feindes konnten fallen. Scharfe Zusammenfassung aller Zentralstellen war Bogens Leitgedanke.
Die allgemeine Wehrpflicht war nur für die Dauer des Krieges eingeführt, hatte sich aber unvergleichlich bewährt. Nun galt es, dieses Sgstem, dem Preußen den Sieg verdankte, für den Frieden zu erhalten. Bogen stand vor der Frage: zurück zum Kantonsgstem Friedrich des Großen mit seinen zahlreichen Befreiungen vom Waffendienst oder vorwärts auf dem Wege der eben erworbenen Erfahrungen? Wohl war seine Verehrung für den großen König unverändert, aber für den Schüler Scharnhorsts, den Bewunderer der Landwehr von 1813, den Patrioten mit den edelsten Auffassungen von Staat und Bürgerpflichten konnte es feinen Zweifel geben. Ihm war die allgemeine Wehrpflicht höchster Ausdruck des endlich gewordenen Staatsbewußtseins. Bogen erhielt die allgemeine Wehrpflicht dem preußischen Staat und hat durch diese Tat dem Leben seines Volkes für ein Jahrhundert den Stempel gegeben. „Derweil in Wien der große Friedenskongreß zusammentrat, erhob sich in Preußen eine neue Größe der deutschen Geschichte: das Volk in Waffen". (Treitschke.)
Am 24. August 1814 legte Bogen den wohl im wesentlichen von ihm gefertigten Jmmediatbericht „über einige Gegenstände der künftigen Armeeverfassung" vor, dessen Gedankengänge für die Beurteilung des Wehrgesetzes vom 3. September 1814 bedeutungsvoll sind. Der Bericht war ohne Rücksicht auf den künftigen Umfang Preußens gefaßt worden. Es kam dem Kriegsminister vielmehr dar- auf an, den Grundgedanken der allgemeinen Wehrpflicht unverzüglich zu verankern, ehe der Durchführung ernste Gefahren entstehen konnten. Im Hinblick auf die politische Lage nennt Bogen es „heiligste Pflicht, durch eine zweckmäßige Anordnung der Verteidigungsmaßregeln die Selbständigkeit der Nation zu sichern". Die Grenzen aber sieht er in der B e v ö l k e r u n g s z a h l und den Finanzen des Staates und in der Notwendigkeit, Gewerbe und Wissenschaft zu erhalten, und mit unumstößlichem Glauben an die Sieghaf- tigkeit seiner Gedanken stellt er fest, daß die Aufgabe eigentlich schon gelöst ist durch die Verfassung der siegreichen bewaffneten Macht, „die nicht allein den Staat und Deutschland befreit hat, sondern auch alle die Keime und Grundlagen enthält, von deren zweckmäßiger Erweiterung mit Zuversicht die Erhaltung der preußischen Monarchie zu erwarten ist". Prophetische Worte, die ein Jahrhundert lang von 1814 bis 1914 geschichtliche Wahrheit wurde!
Kein Widerspruch regte sich. So fest schien die allgemeine Wehrpflicht in Preußen schon verwurzelt. Es war aber auch ein gut Stück politischer Klugheit darin, daß der Bericht zum Schluß emp- fahl, noch vor dem Antritt des Wiener Kongresses diese Einrichtungen als ein Vorbild „für die übrigen fürstlichen Länder fest zu bestimmen". Kein anderer Staat ist damals auf diesem Wege gefolgt. Preußen-Deutschlands Größe wurde einsam geboren.
Das Wehrgesetz vom 3. September 1814, das „herrliche", wie es in diesen Jahren der Volksmund bald nannte, enthielt folgende Bestimmungen: Jeder Einwohner, sobald er das 20. Jahr vollendet hat, ist zur Verteidigung des Vaterlandes verpflichtet. Um aber die Fortschritte der Wissenschaften und Gewerbe nicht zu stören, sollen für Dienstleistung und Dienstzeit folgende Abstufungen stattfinden: Die bewaffnete
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Auf Grund der Vereinbarungen der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Jugendherbergen wird in jedem Staat eine Jugendherberge errichtet, die ausländischen Jugendwanderern als Heimstätte zur Verfügung stehen soll. Die deutsche Jugendherberge dieser Art wird die Burg Altena bei Hagen i.W. sein, die unser Bild zeigt. Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, wird, wie bereits gemeldet, diese Jugendherberge am 25. Mai einweihen.
Macht soll bestehen: 1. aus dem stehenden Heere; 2. der Landwehr ersten Aufgebots; 3. der Landwehr zweiten Aufgebots 4. dem Landsturm. Die Stärke des stehenden Heeres und der Landwehr wird nach den jedesmaligen Staatsverhältnissen bestimmt. Die stehende Armee ist ständig bereit, ins Feld zu rücken, sie ist die Hauptbildungsschule der ganzen Nation für den Krieg und umfaßt alle wissenschaftlichen Abteilungen des Heeres.
(Schluß folgt.)
Was weiß ein Volk vom anderen?
Don Dr. Paul Harms.
Politik fei die Kunst vorauszusehen, was der andere unter bestimmten Umständen tun werde — sagt Bismarck irgendwo in seinen „Gedanken uno Erinnerungen". Das Wort ist so zu verstehen, daß die Kunst der richtigen Voraussicht ein wesentlicher Bestandteil der hohen Politik ist. Äoraussehen, wie ein anderer unter gegebenen Bedingungen handeln wird, kann ich nur, wenn ich den anderen genau kenne. Ist das schon schwierig bei Einzelpersönlichkeit, um wie viel schwieriger wird es sei bei einer Volkspersönlichkeit!
Was weiß ein Mensch vom anderen? — hat Goethe zweifelnd gefragt. Schließlich geht jeder bei der Beurteilung des andern von sich aus. Er nimmt an, daß gewisse Voraussetzungen, deren er bei sich selbst gewiß ist, auch für den andern maßgebend sind, lind nicht anders machen es die Völker! Jedes Volk beurteilt das andere nach sich selbst. Und je ausgeprägter und gefestigter die eigene Volkspersönlichkeit ist, um so schwerer wird es ihr werden, aus sich selbst herauszugehen und sich vorübergehend in die Seele eines anderen Volkes zu versetzen. Diese Schwierigkeit, den andern zu verstehen, — die bei manchen bis zur Unfähigkeit gesteigert ist — ist das Haupthindernis, wenn es für die aufeinander angewiesenen Völker gilt, sich von einem veralteten System des
Zusammenlebens auf ein neues umzustellen. Daß das Versailler System sich überlebt hat, wissen oder fühlen alle Völker Europas. Aber die die Nutznießer dieses Systems waren, klammern sich verzweifelt daran, nicht weil sie sich noch weiteren Nutzen davon versprächen, sondern weil sie die Beweggründe derer nicht verstehen, die unter dem System gelitten haben und nun von ihm loswollen.
Der Franzose, als Volkspersönlichkeit, fühlt im Unterbewußtsein, wie er handeln würde, wenn er an Stelle des Deutschen wäre. Er weiß, wenn er erlebt hätte, was der Deutsche 1918—1919 und in der Folgezeit erlebt hat, daß bann sein einziger Gedanke sein würde: Revanche, Revanche um jeden Preis! Und die andere Einstellung des Deutschen, dem das Bedürfnis nach Revanche als Dauerzustand der Seele fremd ist und fremd bleiben wird, die ist ihm unheimlich, weil er sie nicht versteht. Er wittert dahinter Gefahren, gegen die er „Sicherhei t" verlangt. Und er sucht diese Sicherheit lieber dadurch herzustellen, daß er der Reihe nach zu allen Völkern rund um Deutschland reist und mit ihnen verabredet, was man für den Fall tun wolle, daß diese eingebildeten Gefahren für beide Teile wirklich werden sollten — als daß er zu seinem Nachbarn geht und versucht, ob eine offene Aussprache mit ihm nicht rascher zum Ziele führt.
Hemmungen anderer Art unterliegt der Brite. Der ist, als Volkspersönlichkeit, zutiefst davon überzeugt, daß der Wohlfahrt aller anderen Völker gar nicht besser gedient werden könnte als dadurch, daß sie sich britischer Führung anvertrauten. Stößt er bei seinen Versuchen, für die anderen Vorsehung zu spielen, auf Widerstand, so ist er ohne weiteres bereit, dafür jeden Beweggrund anzunehmen, nur nicht den: der andere könnte so handeln, wie er handelt, weil er anders gar nicht handeln kann; wenn er nämlich der bleiben will, der er ist. Er nimmt an, der andere leiste den wohlwollenden britischen Absichten Widerstand, je nachdem; weil er verbockt, bösartig, irregeleitet, dumm, schlecht erzogen, gottlos oder wer weiß was ist; nur eine Ahnung davon, der andere leiste Widerstand, weil die Lebensbedingungen, in die das Schicksal ihn hineingestellt hat, ihn dazu
zwingen — diese Ahnung kommt dem echten Briten selten oder nie. .
Es könnte reizen, noch andere Dolkspersonlichkei- ten zum Vergleich heranzuziehen, wie beispiels- weise die italienische, die sich uns neuerdings von so anmutigen Seiten offenbart. Aber darüber redet man zweckmäßigerweise erst, wenn offenbar geworden ist, wie diese Volkspersönlichkeit die große Feuerprobe des abessinischen Abenteuers bestanden hat. Inzwischen ist für uns die Frage nicht unwichtig: unterliegen wir bei der Beurteilung anderer ähnlichen Hemmungen wie die Franzosen und Briten? Und da dürfen wir wohl sagen: wenn wir überhaupt Hemmun- gen haben, bann eherzuwenigalszuviel. Wir sind immer noch viel zu sehr geneigt, dem Ausländer Verständnis entgegenzubringen, wo wir es dem Volksgenossen schon versagen. Wir nehmen, was der Ausländer sagt, immer noch viel zu bereitwillig für bare Münze. Wir meinen immer noch viel zu oft, was aus dem Ausland kommt, müßten wir schon deshalb bewundern, weil es aus dem Ausland kommt. Und wir sind immer noch bereit, den Landsmann, wenn uns dazu Gelegenheit geboten wird — wie Bismarck an einer anderen Stelle feiner „Gedanken und Erinnerungen" sagt — „mit mehr Eifer zu bekämpfen als den Ausländer".
Das alles hat feinen guten Grund. Die französische wie die britische Volkspersönlichkeit hat sich seit Jahrhunderten entwickelt im Rahmen der zugehörigen Staatlichkeit. Die deutsche Volkspersönlichkeit dagegen hat sich, in den Jahrhunderten zwischen dem Niedergang der Staufer und der Aufrichtung des Dritten Reiches einseitig im Rahmen der deutschen Kultur ausbilden müssen, während dieser Kultur die Ausbildung eines Einheits-Staates, als ihrer höchsten Blüte, versagt war.
Was es an deutscher Staatlichkeit in diesen Jahrhunderten gegeben hat, das war so zersplittert, so vielgestaltig und so auseinanderstrebend, daß es der Ausbildung einer festen und geschloffenen Volkspersönlichkeit bis zuletzt, bis zum 30. Januar 1933, hinderlich geblieben ist. Daher ist die, einseitig mit Kulturgütern, politisch aber überwiegend mit Wunschträumen und Sehnsüchten genährte deutsche Dolkspersönlichkeit überempfänglich geblieben für alles, was aus der Fremde kommt. Und wenn ihr etwas nottut, so ist es die endliche Besinnung auf die Eigenwerte ihrer völkischen Wesensart. Ihr kann daher auch die Selbstbeschränkung, die den Völkern Europas durch die Weltwirtschaftskrise aufgezwungen worden, am wenigsten schaden. Dazu hat sie immer noch zuviel nachzuholen. Hat sie erst die Festigkeit und Geschlossenheit erlangt, die die französische und die englische seit Jahrhunderten vor ihr voraushaben, dann — so dürfen wir hoffen — wird die Welt auch wieder reif geworden sein für einen Völkerverkehr und einen Güteraustausch, wie ihn die, die sich noch an Vorkriegszeiten erinnern können, als normal ein- schätzen werden.
Bis dahin müssen wir es ertragen lernen, vox andern immer wieder falsch eingeschätzt und mißverstanden zu werden. Diese Gefahr ist auf die Dauer jedenfalls geringer, als die, der wir in seliger Vorkriegszeit dauernd ausgesetzt waren, der Gefahr der Ueberfrembung nämlich. Man kann einen ungehemmten Austausch gleichberechtig, ter Kulturgüter aufs innigste wünschen unb braucht sich doch nicht nach den Zeiten zurückzusehnen, wo Emil Zola, Henrik Ibsen, Leo Tolstoi, Gabriele d'Annunzio in Deutschlanb eine Verehrung und An- betung genossen, als wären sie deutsche National- dichter. Denn eine gefestigte und geschlossene Volks- Persönlichkeit wird fremdes Kulturgut nur so weit an sich herankommen lassen, daß das Verhält- nis zum eigenen Kulturgut nicht er- ftickt wird. Und je mehr wir, in der Zeit ungewollter Abschließung der Völker gegeneinander, die eigene Volkspersönlichkeit festigen unb abschließend entwickeln, um so mehr werden wir den andern das Verständnis dafür vereinfachen und erleichtern.
Was ein Volk vom andern weiß? Es ist nicht allzuviel und wird auf absehbare Zeit nicht allzuviel sein. Daß das Wenige aber wenigstens nichtig ist, bas sollte ein gemeinsames Interesse aller sein, bie nun einmal auf ben Verkehr mit- etnanber angewiesen finb, wenn sie nicht verknöchern unb verkalken wollen.
Nachts unter Bäumen.
Von K H. Waggerl.
Es ist rounberbar, nachts unter einem Baum zu kauern, ganz in sich selbst verkrochen, wie es bie Tiere machen, bie Rehe im Wald. Auch bie Kinder kennen dieses Gefühl heimlicher Geborgenheit — wir waren doch einmal Kinder? Der Mond jagt durch das lichte Gewölk, in seinem Schein bewegt sich alles, Busch unb Baum, unb' auf der Esche klappern bie Früchte im Winb.
Man hört ben eigenen Atem gehen unb bas Blut im Leibe klopfen, aber bas ist nicht so gewiß, es kann auch in ber Erbe selbst fein, biefes klopfende Blut. Die Welt liegt weithin ausgebreitet mit gelösten Gliedern unter dem Himmel wie eine mütterliche Frau, du ruhst in ihrem Schoße.
Wenn du fingen könntest, sängest du jetzt. Es müßte ein recht vergnügtes kleines Lied jein, von einem Pferdchen vielleicht, auf dem du abends in der Dämmerung zur Tränke reitest. Und da säßen die Mädchen am Wasser, ja, viele Mädchen, schöne darunter. Aber eines von ihnen wäre nur deinetwegen gekommen. Dieses Mädchen spräche nicht mit dir und grüßte dich auch nicht, unb erst, wenn bu weit in ben See hinausschwämmest, immer weiter in bas gefährliche Wasser hinein, da vergäße sie endlich ihren Stolz unb riefe nach bir mit angst- voller Stimme.
Unb nun könntest du ja immer weiter schwim- men, daran läge dir gar nichts, an diesem Ruf? Du könntest am anderen Ufer noch einmal winken und von bannen reiten für immer.
Aber bas klänge vielleicht gar zu traurig in deinem Lieb. Nein, vielleicht kehrtest du doch wieder um auf deinem weißen Pferdchen, abends in ber Dämmerung. Gewiß, und dein Mädchen liefe vor dir her mit fliegenden Röcken, unb du holtest sie dennoch ein auf ihrer angstvollen Flucht, unb das geschähe weit draußen im Felde, wo die Büsche dunkel am Wasser stehen.
Du kannst nicht singen, früher einmal konntest du es, in jungen Tagen. Ach, damals war die Welt weit am anderen Ufer! Wie klein ist sie jetzt, dieses Fleckchen Erde, wie einsam und verloren! Man sieht den spitzen Kirchturm aus dem milchigen Dunkel ragen, das schiefe Dach ber Säge unb ein paar Häuser, die sich im Schlaf umklammern. Es läßt sich nicht gut sagen, wie merkwürdig es ist, daß so vieles gleichzeitig geschieht.
Daß in diesem Augenblick hunderttausend Schreie zum Himmel aufsteigen, Schreie der Lust, ber Klage, Schreie des letzten unb bes ersten Atemzuges.
In biefer Minute kniet ein Hirt in ber Wüste auf feinem Teppich unb verneigt sich neunmal vor Gott. Anberswo steht jemand vor einer Tür unb benkt an Morb, es ist ein Mensch mit einem blonben Bart unb mit einer grünen Halsbinbe, genau so. Stäbte liegen jetzt strahlenb in ber Sonne, aber im Norben, mitten im Eis, kämpfen ein Mensch unb ein Rudel Hunde um das Leben, dort ist Kälte unb erbarmungslose Nacht. Unb bas alles geschieht wirk- lich unb wahrhaftig jetzt, bebenft das einen Augenblick; unb babei ist doch jeher Mensch allein, seine Not und seine Freude ist bas Einzige, bas Wichtigste in ber Welt.
Ja, biefe Welt ist unermeßlich groß, wir aber halten unsere Grenzen für bie ihren. Wir sind so wahr in uns selbst wie ein Baum, wie ein Kornhalm, allein, nun wollen wir bie Wahrheit wissen, barin liegt bas liebel. Denn wir sollen bie Wahrheit nicht suchen, wir sollen sie fein. Der Mensch ist ein zertrümmerter Spiegel, aus ben Scherben notdürftig wieder zusammengeflickt, und darum verwirrt sich alles in ihm. Ja, denkst bu, so ist ber Mensch.
Legenden ans Sachsen.
Von Peter peppermint
Fritz Viehweg, ber verstorbene Direktor bes Leipziger Schauspielhauses, pflegte mit feinen tres- fenben Urteilen manchem Jüngling unb mancher Jungfrau bie Illusionen zu rauben. Ein älteres Fräulein beispielsweise hatte ihm ganze Partien ber „Jungfrau von Orleans" Vorgesprächen. „Meinen Sie", fragte sie schließlich, „baß ich als Schauspielerin eine Zukunft habe?" „Ach, meine Gudste", sächselte Viehweg, „Zugunft Ham wir alle, wenn wirsch erleben, aber Sie — wenn Sie nur weniger Vergangenheit hätten!"
Professor K. vorn Plauener Gymnasium ging einst mit einem neuen Kollegen nach Hause. „So" — sagte ber Neue — „Sie waren im Felbe?"
„Ja — Sie ooch?"
„Aber natürlich, vier Jahre lang."
„Gomisch — baß mir uns da nid) gesähn Ham!"
Die dritte Leonoren-Ouvertüre wird im Leipziger Gewandhaus gespielt. Der Kenner weiß, baß da ein Tompetensolo „in Entfernung" geblasen wird. Das Solo erklingt zweimal. Der Trompeter steht darußen im Dorraum und bläst. Das erste Mal flappt’s ausgezeichnet. Das zweite Mal aber kommt Einer auf ben Trompeter zugerast, entreißt ihm bas Instrument unb sagt: „Menschens-
finben waren. Dr. Anton Mayer, ber über die Annehmlichkeiten des Essens und Trinkens als ein gelehrter Feinschmecker Bescheid weiß, hat in alten Kochbüchern, deutschen wie ausländischen, gestöbert und rettet daraus im Juniheft von Velhagen « Klasings Monatsheften u. a. drei Soßenrezepte gewürziger Art, die mancher ehr» g.Mgen Hausfrau zum Ansporn dienen mögen. Die ^Nurnbergische Köchin" — so heißt eins ber von JJlaper burd)ftubierten Kochbücher — beschreibt eine
* r onensoße zu Kalb- oder Lammfleisch: 7xu e r-ein. roeni9 Mehl schon gelb im Schmalz
Q,,0 e,n.e Mehlschwitze, zu ber ich Butter dem Schmalz vorziehen würde), streue allerlei gute Ge- njurge darein, schneide das Gelbe von einer Zitrone herab und das Mark zu Scheiben. Tu diese Scheiben und etwa zwei Schnitten von derselben gelben
. zu dem gerösteten Mehl, Wein und Fleisch- brühe in ben Hafen, zuckre es auch ein wenig, laß alles und zuletzt ein Stückchen Butter mit aussieben und gieße diese Brühe über das gekochte Fleisch, nach- oem die Zitronenscheiben entfernt finb. Man kann
Fleisch auch etwa eine Viertelstunbe in der ^ru^e sieden lassen." Das scheint mir eine glückliche poee zu sein; durch die „allerlei guten Gewürz" offnen sich dem komponierenden Kochgeist manche Wege. Noch eigenartiger ist die „Stachelbeer- 1 e i n s - B r ü h" für dieselben Fleischsorten: „Nimm geriebene Semmel und halbreife Stachelbeeren tu sie zusammen in ein Häselein, gieß Fleischbrüh und ein wenig Essig daran unb laß sie sieden, bis bie ■oeerletn weich finb. Alsdann zwing's durch einen Durchschlag streike es durch,, würz es mit Ingwer, I und geriebener Muskatnuß, tu noch mef)r Stachetbeertem wie auch etliche Lössel Milchrahm darem und laß es sieden, bis die Beerlein weich sind, hernach tu Butter dazu und richt es alsbald über das gesottene Fleisch." Der Versuch dürste lohnen! Ebenso wie beim Fleisch findet sich bei öen Mschen eins Menge eigenartige Rezepte für 00^611, beschämend für unsere Armut, denn zerlassene Butter nut Senf oder Petersilie — andere toofeen werden bei uns kaum zum Fisch gereicht, r1? eme holländische Soße ist, von der reöen wollen. Ein trauriges Mehlgebilde. . Nun, die brave Nürnbergerin ist "llnn O-Ä^en;.. Hecht in einer Erbsenbrüh, eine
Brüh , die an unsere „Polnische Art" WfpnlT'er"- Lebkuchen, geschnittene Aepfel, Wein, r' <?,"9wer, Kardamomen, Muskatenblüte und p nc c’ncn Buck ins Gewürzparadies geht ® ? itrrQb' ober es können ja einige der Zutaten meggelancn werden, wenn ein zu starkes Aroma befurchtet wirb.
finb, fin Sie denn verrückt, hier zu blasen? Heern Se denn nicht, daß bie brinne spielen?" Der Kapellmeister wartete vergeblich au. Das Solo.
Der Maler und Bildhauer Max Klinger hatte ein paar Schüler. Einer rückte einmal mit einer großen Statue eines Ringkämpfers an.
„Haste das alleene gemacht?" fragte der Meister, was der Schüler stolz bejahte. „Dann kannste Döpper wer'n?"
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Der Leipziger Cellist Julius Klengel ging oft auf Reisen. Einmal kam er auch auf den Gedanken, in Pulsnitz zu spielen. Der Wirt, bei dem er sich einquartierte, meinte: „?ie großes Geschäft wer'n Se hier nid) machen, Herr Professor, vorgestern war erscht ä Zauberkinstler hier!"
Als Otto Lohse Operndirektor in Leipzig mar, fam eines schonen Tages aufgeregt der damalige Oberregisseur zu ihm gelaufen unb sagte: „Denken Sie, bie B. hat eben angerufen, baß sie bie Brün- hilbe nicht fingen kann!"
„So" — meinte Lohse seelenruhig. „Sieht sie bas enblich ein?"
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Der Leipziger Thomaskantor Karl Straube sollte in einem großen Bach-Konzert Orgel spielen Der Wiener Komponist Hellmesberger war eigens nach Leipzig gefahren, um ihn zu hören Aber Straube erkrankte plötzlich unb sagte ab Ein anberer sprang für ihn ein. Hellmesberger sagte wahrenb des Konzerts zu feinem Nachbarn-
„Die Orgel hör' ich wohl, allein mir fehlt der Straube!
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Friedrich August von Sachsen besichtigte irgendwo während des Krieges eine Ausstellung feldgrauer Kunst. ”
„Sagense mal", meinte ber König zu einem Unteroffizier ber Reserve, ber vorher Kunstmaler gewesen war, „warum hamse benn bie Wolken grien unb bie Bäume blau gemalt?"
„Ich sehe bie Dinge so, Majestät!"
„Da hättense nid) Maler wer'n sollen, mei ©über!"
Oie„Nürnbergische Köchin" von 1252 empfiehlt drei Sofien.
Lange Zeit war unsre Küche arm an Gewürzen unb erst neuerbings besinnt man sich wieber auf allerlei Kräuter unb andre gute Dinge, wie sie in bem für verloren gewähnten Gewürzparabies zu


