Ausgabe 
25.1.1935
 
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geschlagenen Abkommens über öle 1! n a b - hängigkeit Oesterreichs, die Stärkung der im Locarno-Vertrag enthaltenen britischen Verpflichtung, die Aufrechterhaltung der zahlenmäßigen Aeberlegenhei» der französischen Armee gegenüber der Reichs­wehr und schließlich Ausführungsbürg­schaften für das Rüstungsabkommen und Schaffung einer wirksamen internatio­nalen Rüstungsüberwachung.

23 Mittionen-Gpende zum Tagdernationalen Revolution

Berlin, 25. Jan. (DRV.) Am Jahrestag der nationalen Revolution wird, wie derBB. meldet, vom Winterhilfswerk eine große zu­sätzliche Spende im Wert von 23 Mil­lionen Mark verteilt werden. Es handelt sich dabei um 14 Millionen £ e b e n s m i f (e l g u t - scheine im Werte von einer Mark und um 6 Millionen Kohlengutschelne im Werte von je 1,50 Mark. Die Lebensmittelgutscheine werden in der Zeit vom 30. Januar bis 15. Februar 1935 in allen Lebensmittelgeschäft en in Zah­lung genommen.

Die Erstattung des Gegenwerts an die Lebensmittelgeschäfte oder Großhandlungen erfolgt nach Abgabe der Gutscheine nach Abzug von 5 v. h. für das Dinterhilfswerk bis spätestens 2 8. Februar 19 3 5 bei allen Zahlstel­len der in der Reichsgruppe IV zusammengeschlos­senen Kreditinstitute. Die Gutscheine, die n a ch d e m 15. Februar 1935 von den Bedürftigen in Lebensmittelgeschäften v o r g e l e g t werden, oder Scheiue, die den A u s g a b e st e m p e l des Winter­hilfswerkes nicht tragen, dürfen nicht in Zahlung genommen werden. Die als Son­derausgabe zur Verteilung gelangenden Kohlengut­scheine werden gemeinsam mit den gewöhnlichen Kohlengulscheinen Serie D verausgabt und sind ge­nau so zu behandeln. Ihre Geltungsdauer erstreckt sich auf den Monat Februar 1935.

Oie Bekenntnisgemeinschast der Deutschen evangelischen Kirche zum 30. Januar.

Berlin, 24. Jan. (DNB.) Die Bekennt- n i s g e m e i n s ch a s t in der deutschen evangelischen Kirche hat an ihre Anhänger die Auffor­derung gerichtet, aus Anlaß des zweiten Jahrestages der Machtübernahme durch den Füh­rer und Reichskanzler am 30.Januar im Got­te s d i e n st des vorhergehenden Sonntags für« bittend des Führers zu gedenken. Denn ihm soll der Dank für asles, was Gott dem Fübrer in diesen zwei Jahren zum Wohl unseresBol- kes hat gelingen lassen, und di« Bitte um weiteres Gelingen unter dem Se­gen Gottes zum Ausdruck gebracht werden.

Tagung des Kuratoriums der Hindenburg-Spenve.

Das Gesamtkuratorium der Hindenburg-Spende trat im Hause des Reichspräsidenten, wo es so oft unter dem Vorsitz Hindenburgs getagt hatte, zu einer Trauerkundgebung für den verewigten Reichspräsidenten und Generalfeldmar­schall zusammen. Im Anschluß an die Gedenkrede wählte das Kuratorium, einem Wunsche des ver­ewigten Reichspräsidenten folgend, den Landes­direktor a. D. Dr. von Winterfeldt-Menkin zu feinem Vorsitzenden und Staatssekretär Dr. Meißner zu seinem Stellvertreter. Dem-Jahresbericht der StiftungHindenburg- Spende" ist zu entnehmen, daß auch im Jahre 1934 wieder rund eine Million R M. Unter- stützungen an 6038 Kriegsbeschädigte, Kriegs­hinterbliebene und Veteranen im Einzelbetrag von durchweg je 150 RM. ausgezahlt wurden. Bisher hat die 1927 von dem verstorbenen Reichspräsi­denten errichtete Stiftung Unterstützungen in der Gesamthöhe von 7,9 Millionen RM. verausgabt.

China erstrebt friedliche Regelung.

Nanking, 25. Jan. (DNB.) Zwischen dem Präsidenten des Staatsrates.Tschiangkaischek, dem Ministerpräsidenten Wangtschingwei und dem Leiter des Politischen Rates in Peiping. H u a n f u, fand am Donnerstagabend in Ran- fing eine Besprechung statt über die Nord- China-Angelegenheiten. Einzelheiten über die Un- terredung sind nicht bekannt geworden. Es soll aber anscheinend beschloßen worden sein, den Tschachar- Zwischenfall durch Verhandlungen örtli- cher Stellen Nordchinas beizulegen.

In chinesischen Kreisen ist man über di« Haltung Ja- pans außerordentlich entrüstet. Man vergleicht mit Bitterkeit die friedfertige Rede des japa­nischen Außenministers mit dem rücksichts- losen Vorgehen des japanischen Heeres, das sich anscheinend jeder Kontrolle durch die zivilen Be- Hörden entzogen habe. Die Erklärung des japani- scheu Militärattaches in Peiping, daß die Japaner bei Tuschikau nicht stehen bleiben würden, falls die Chinesen ihren Widerstand fortsetzten, löste i n Schanghai erhebliche Nervosität aus, was sich an der Börse durch starke Kursver­luste chinesischer Staatspapiere aus­drückte. Die Abendpresse befürchtet, daß die Kämpfe weitergehen und damit entgegen den japanischen Er- klärungen der Anfangfür den Verlust der Tschachar-Provinz für China gemacht ist. Chinesische Regierungskreise zeigen äußerste Zurück. Haltung und Selbstbeherrschung, um die Möglichkei­ten für eine friedliche Regelung nicht zu beein­trächtigen.

Bombenabwurf auf ein chinesisches Hauptquartier.

Tschangtschun, 25. Jan. (DNB.) Japanische Flugzeuge belegten am Donnerstag das Haupt­quartier des Generals Liutuche, eines örtlichen Unterbefehlshabers der mit Japanern ins Gefecht geratenen chinesischen Truppen, mit Bom­ben. Die Chinesen erlitten ernstliche Verluste. Die Japaner wollen diesem General die Ver­antwortlichkeit für d i e Zusammen- st ö ß e aufbürden. Sie behaupten, daß die Truppen Liutuches die Japaner beschossen haben. 40 japanische Gefangene wurden von dem japani­schen Regiment Asami bei der Besetzung Tschang- liangs wieder befreit. Ein Vertreter der japanischen Armee erklärte, der japanische Befehlshaber fei z u durchgreifenden Maßnahmen fest ent­schlossen, falls der Gouverneur von Tschachar weiter eine feindliche Haltung gegen die Mandschurei einnehme.

Bei der Beschießung Tschachars durch die Ja­paner sind mehr a l s 50 Personen, meist Zivilisten, getötet und verletzt worden. Japanische Verstärkungen tauchten in der Nähe von Kaynan auf. Die Japaner haben erneut auf Kuyu- ang, Tuschikau und Tungschatze Bomben ge­worfen. Im Gebiete von Dolonor sollen die ja­panischen Truvpen sich stark mit der Vorbereitung militärischer Maßnahmen beschäftigen.

Amerika findet sich mit der Expansions­politik Japans ab.

Washinton, 24. Jan. (DNB.) Japans Vor­gehen in der Mongolei wird getreu der Roosevelt- schen Politik, sich nicht in fremde Ange- legen h eiten einzumischen, hier nicht amt- lich kommentiert. Diplomatische Schritte, ähnlich de- nen des früheren Außenministers Stimfon, werden nicht wiederholt werden. Man hat sich viel­mehr offenbar damit abgefunden, daß Japan feine Vormachtstellung in Dftafien programmgemäß allmählich auf alle Gebiete außerhalb der Großen Mauer erstreckt.

England verstimmt.

London, 25. Jan. (DNB. Funkspruch.)Times" begrüßt die außenpolitische Rede des japanischen Außenministers Hirota, bedauert aber, daß es un­mittelbar nach diesen versöhnlichen Reden zu «inem Angriff japanischer und mandschurischer Truppen auf die Chinesen gekommen fei. Das Blatt bemerkt, diese Tatsache werfe ein grelles Licht auf die Un» fähigkeit der japanischen Diplomatie, ihre Soldaten zu veranlassen, nicht nur militärische, sondern auch politische Gesichtspunkte zu beachten. Das Blatt vergleicht die Selbständigkeit der japanischen

Arme« in Mandschukuo mit der Selbständigkeit, die Julius Cäsar und seine Legionen in Gallien hatten und bemerkt, solange das japa­nische Außenministerium außerstande sei, die Wehr­macht dazu zu überreden, ihre eifrige Tätigkeit i n Einklang mit der Politik der Regie- rung zu bringen, dürften die Wortführer Japans nicht enttäuscht sein, wen ihr« friedfertigen politischen Erklärungen im Ausland« mit Skepsis auf- genommen würden.

Umbildung der italienischen Regierung.

Die regelmäßige Ablösung in den leitenden Stellen.

Rom, 24.Jan. (DNB.) Sämtliche Mini- st e r i e n, die nicht in den Händen des Regierungs­chefs liegen, also ausgenommen die Ministerien für Inneres, Aeußeres, Heer, Flotte^ Luftwaffe, Kolo­nien und Korporationen, find neu besetzt worden. Neu ernannt sind als Finanzmini st er der Senator und Admiral Thaon di Revel (an Stelle von Jung), Unterrichtsmini st er der Quadrumvir de V e ch i (bisher Ercole), Land- wirtfchaftsminister der bisherige Unter­staatssekretär in der Präsidentschaft Rosfoni (früher Acerbo), Minister für öffentliche A r - beiten der Abgeordnete Razza (bisher Crolla- lanza), Verkehrsminister der Abgeordnete und Industrielle Benni (bisher Puppini), Justiz- minister Solmi (bisher de Francilci). Auch der Gouverneur von Rom, Fürst Bon- compagni, ist zurückgetreten und zum Staatsminister ernannt worden. An seine Stelle tritt der frühere Korporationsminister Bottay.

Die Umbildung der Regierung ist, obwohl von Zeit zu Zeit immer wieder davon die Rede war, im gegenwärtigen Augenblick, nachdem vor kaum zehn Tagen der Wechsel im Kolonialministerium eingetreten war, doch überraschend gekommen. Die Nachtausgaben der römischen Presse bringen die amtliche Mitteilung in großer Ausmachung unter Ueberschriften, die die Umbildung als das kenn­zeichnen, was ein Regierungswechsel im faschistischen Italien tatsächlich ist: Eine Ablösung in den leitenden Regierungsstellen. In einem kurzen Kom­mentar führtGiornäle d'Jtalia" dazu aus, es handele sich um die in aller Stille, aber regel­mäßig eintretende Neuverteilung der A e m t e r. So ausgedehnt sie diesmal auch aus­gefallen sei, so sei sie doch nichts anderes als die Ablösung der in die ermüdende politische Tages­arbeit eingeschalteten verantwortlichen Männer, ohne daß damit irgendeine Abweichung von der Politik Mussolinis verbunden wäre.

Merkwürdige Einberufung des Memellandtags.

Memel, 25. Jan. (DNB. Funkspruch.) Am 22. Januar hatte das Büro des Memelländischen Landtages zu der auf den 28. Januar anberaumten Landtagssitzung an die Abgeordneten d i e Einladungen a b g e f ch i ck t. Am 23. Januar erschien bei der Memelländer Post die Poli­tische Polizei und beauftragte sie mit der sofortigen Fe st Haltung der vom Landtags­büro ausgesandten Briese. Die Einladung des Land­tagsbüros soll also den Landtagsabgeordneten nicht zugestellt werden!

Mit dieser Landtagseinberufung versucht der litauische Gouverneur des Memelgebietes also, den Signatarmächten erneut Dünst vorzumachen, denn man weiß ja aus den letzten Sitzungen, daß es gerade der Gouverneur gewesen ist, der jede Landtagssitzung verhinderte und man weiß auch, daß die hinter dem Gouverneur stehende kleine litauische Fraktion durch widerrechtliche Mandatsentziehungen das Zünglein an der Waage nicht für die Mehrheit oder Minderheit im Land­tage, sondern lediglich für die Beschlußun­fähigkeit bildet. Man darf deshalb also anneh­men, daß auch die neu einberufene Tagung weiter nichts ist als litauische Schaumschlägerei.

Oie Rechte der Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront garantiert.

Berlin, 24. Jan. (DNB.) Der Reichsorganisa­tionsleiter der NSDAP. Dr. Ley gibt bekannt: Ich möchte noch einmal bekanntgeben, daß für all« Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront alle vor dem 2. Mai 1 933 erworbenen Rechte garantiert werden. Dies gilt auch in Son­derheit für die deutschen Angestell­ten. Es ist in Aussicht genommen, zu den Leistun­gen der DAF. nach dem 2. Mai 1933 noch eine be­sondere Zusatzversicherung aufzun«h- men, die von jedem Mitglied der DAF. benutzt wer­den kann."

Oberstudiendirektor Gchwedtke seines Amtes enthoben.

Berlin, 24. Jan. (DNB.) Reichsminister R u st hat den Oberstudiendirektor Dr. Kurt S ch w e d t k e (Berlin) mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben.

Kunst und Wissenschaft.

Hochschulreife und hochschulauslese. Sfubentenfagung in Heidelberg.

In diesen Tagen findet in Heidelberg eine T a gung der Deutschen Studentenschaft über die Frage der Hochschulauslese statt. Zu dieser Tagung wird die Reichsleituna der Deutschen Studentenschaft anwesend sein. Im Mittel­punkt der Tagung steht die Aussprache über den heutigen Stand der Frage der Hochschulauslese und die Stellungnahme der deutschen Studentenschaft und der Hitlerjugend. Zugleich werden Berichte über die Auswirkung derHochschulreife" und über den Einsatz von 20 Jungarbeitern ohne Abitur in der Hochschule gegeben, wie er bereits in Heidelberg und Königsberg durchgeführt wurde. Die Leitung der Tagung hat der Führer der Deutschen Studenten­schaft, Ehren-Arbeitsführer Andreas F e i ck e r t.

Eine von Brahms bespielte Phonographenwalze aus dem Jahre 1889.

Dem Leiter der musikwissenschaftlichen Abteilung des Berliner Instituts für Lautforschung Dr. Fritz Bose ist es gelungen, die einzige von Johannes Brahms 1889 gespielte Edison-Walze im Berliner Privatbesitz ausfindig zu machen. Durch Umspielung der alten Originalaufnahme auf Gram­mophonplatte ist dieses einzigartige Kulturdokument der Mitwelt und Nachwelt erhalten und zugäng­lich gemacht worden. Tie Aufnahme der Original­walze geschah in Wien anläßlich der ersten Europa­reise des Edison-Vertreters Th. Wangemann, der das Wunder des Phonographen in den euro­päischen Großstädten vorführte und die namhafte­sten Künstler für feine Firma Walzen bespielen ließ. Die nun auf der Schallplatte festgehaltene Brahms-Walze ist die einzige, die Brahms je be­spielt hat. Da sie nicht vervielfältigt wurde, existierte sie nur in dem einen Exemplar. Brahms spielt darauf einen ungarischen Tanz am Klavier. Da aus so früher Zeit kaum noch Walzen existieren, stellt diese Aufnahme auch technisch eine der wertvollsten Stücke der Autophon-Sammlung des Instituts für Lautforschung dar, die die Stimmen bekannter Per­sönlichkeiten besonders auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft auf Schallplatten fest- gehalten hat.

Aus aller Well.

Das Urteil im Gerecke-Prozetz bestätigt.

Das Reichsgericht verwarf die von dem früheren Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung, Dr. Günther G e r e rf e, gegen das Urteil des Ber­liner Landgerichtes eingelegte Revision als unbegründet. Damit ist der Angeklagte wegen Betrugs in zwei Fällen rechtskräftig zu 2'/- Jahren Gefängnis verurteilt. Dem An­geklagten lag zur Last, sich durch über Jahre hin- ziehende Täuschungs- und Derwischungsmanöver das Eigentum an dem Verbandsorgan der preußi­schen Landgemeinden,Die Landgemeinde", rechtwidrig angeeignet zu haben. Weiter wurde er beschuldigt, aus dem ihm anläßlich der Reichspräsi­dentenwahl anvertrauten Hindenburgfonds 480 000 Mart zu seiner persönlichen Verfügung zu­rückgehalten zu haben. Der Reichsanwalt betonte eine Amnestierung komme nicht in Frage. Die Triebfeder des Handelns des Angeklagten seien nicht politische Beweggründe, sondern Eigennutz und per­sönliches Geltungsbedürfnis gewesen.

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