Zu jedem kommt einmal das GM.
Vornan von Ellen Kulm.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, -alle (6.)
28 Fortsetzung. Nachdruck oerboten!
Heimlich schlich ich mich hin. Ich glaubte, es würbe nicht lange dauern; aber Konrad von Tanner weigerte sich, mein so gern gebrachtes Opfer anzunehmen. Ich drängte und bestürmte ihn. Endlich nahm er es; unter Tränen sank er vor mir in die Knie, und ich konnte nicht anders, ich beugte mich zu ihm herab und küßte ihn. Doch ich schwöre es, es war ein Kuß der reinsten Freundschaft. Dann trennten wir uns, und ich wollte unbemerkt ins Haus zurückkehren.
Doch unterdessen war euer Vater verfrüht von der Reise zurückgekchrt, und seine Schwester hatte irgendwie von meinem Zusammentreffen erfahren — vielleicht hatte sie Konrad von Tanner kommen sehen — und erzählte ihm von einem heimlichen Stelldichein. Euer Vater glaubte ihr nicht, doch sie überredete ihn, mit ihr zum Gartenhaus zu gehen. Dort wurden sie durch das beleuchtete Fenster Zeu- gen, wie ich Konrad den Schmuck aufdrängte und ihn zuletzt küßte, ohne daß sie die Worte verstehen konnten. Euer Vater glaubte sich von Frau und Freund zugleich getäuscht. Er verbot mir mit erregten Worten sein Haus, so daß ich noch in der Nacht zu meiner alten Kinderfrau, die im Ort ver, heiratet war, lief und bei ihr blieb. Am nächsten Tage brachte mir Frau von Rieders einige meiner Sachen und etwas Geld. Herbert wolle mich nicht mehr sehen, sagte sie. Da empörte sich auch meirf Stolz im Bewußtsein des Unrechts, das an mir geschah, und ich reiste ab.
Ich fuhr nach Berlin und lebte einige Zeit von allen Menschen abgeschlossen in einer Pension. Mein Geld ging au Enoe. Und dann merkte ich auch, daß ich wieder ein Kind unter dem Herzen trug. Mein Stolz war gebrochen; ich schrieb einen verzweifelten Brief an Herbert, doch ohne von meinem Zustand etwas zu verraten. Ich erhielt keine Antwort. Ich war so unglücklich, daß ich meinem Leben ein Ende machen wollte. Nur der Gedanke an das Kind hielt mich zurück. So begegnete ich
eines Tages Konrad von Tanner. Er war zu tiefst erschrocken, erriet die Ursache meines Unglücks und brachte mich zu seiner Mutter. Die alte Frau nahm mich liebevoll auf. Ich mußte zu ihr übersiedeln und tat dies auch, nachdem Konrad von Tanner die Wohnung verlassen hatte, um meinen Ruf zu wahren. i
Eines Tages kam Frau von Rieders $u mir. Ich beschwor sie, eine Versöhnung mit meinem Mann herbeizuführen. Ich wagte nicht, von meinem Zustand etwas zu sagen, doch ich hoffte, sie würde es merken und es Herbert erzählen. Beim Abschied sagte sie, daß sie mir Antwort geben werde. Aber die Antwort ist ausgeblieben.
Von einem Rechtsanwalt wurde mir mitgeteilt, daß du, die kleine Monika, bei Herbert von Jnne- mann bliebe, daß es dem Kind sehr gut gehe, daß der Vater wünsche, daß ich das Kind nicht mehr sehen solle, und daß man der Kleinen erzählt habe, die Mutter sei tot. Ich habe mich dem Wunsch eures Vaters gebeugt, da ich den Frieden der kleinen Monika nicht gefährden wollte; ich hatte Ersatz in Evi, die inzwischen zur Welt gekommen war. Du, mein geliebtes Kind, gabst mir die Kraft, mein Leben zu ertragen. Bald darauf brach der Krieg aus. Konrad von Tanner wurde verwundet; nun konnte ich ihn pflegen und ihm damit wenigstens teilweise vergelten, was er an mir getan hatte. Er blieb leidend und konnte nicht mehr ins Feld zurück.
Bald starb euer Vater. Und da konnte ich nicht anders — ich mußte seinem Begräbnis beiwohnen. Ich tat es tief verschleiert. Damals sah ich auch dich, meine Monika, und deine Verlassenheit zerritz mir das Herz. Aber Frau von Rieders teilte mir nochmals mit, daß man dir gesagt hatte, daß deine Mutter tot sei. Sie warnte mich davor, mich dir zu nähern..."
Monika griff nach ihrer Hand.
„Oh, Mutter — ich erinnere mich, du sahst mich so liebevoll an, und fühlte genau, daß du mein Leid teiltest. Ach, wie gut hätte es getan, wenn ich mich zu dir hätte flüchten dürfen..."
„Mein armes Kind, es war auch für mich übermenschlich hart. Und wenn ich irgendeine Schuld habe — in dieser Stunde allein habe ich sie abge- büßt. Ich kehrte nach Berlin zurück. Bald darauf starb auch Konrads Mutter, und nun trat er noch einmal mit der Frage an mich heran, ob ich mich entschließen könnte, ibn zu heiraten. Auch jetzt sagte ich ihm offen, daß ich nur euren Vater geliebt
Pestalozzischule, Wernerwall.
Reiten: Von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs.
Reues Sportprogramm für herbst und Winter!
Ab 1. Oktober ist das neue Sportprogramm erhältlich. Es gibt Auskunft über alles Wissenswerte der KdF.-Sportkurse. Für Alle ist irgendein Kursus eingerichtet.
Treibt Leibesübungen mit „Kraft durch Freud e". Niemand ist zu alt dazu!
Uraufführungen
im Gtadttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Bei der Aufstellung des Spielplanes und der Auswahl der zur Aufführung gelangenden Stücke in der kommenden Spielzeit war die Intendanz darauf bedacht, vor allem jungen Begabungen den Weg an die Oeffentlichkeit freizumachen; besonders jene Autoren und Dichter, die den Mut haben, die Sprache als stärkstes dichterisches Ausdrucksmittel zu erkennen und verantwortungsvoll zu pflegen, wurden berücksichtigt. Im Rahmen des Winterspielplans sind denn auch zunächst zwei Uraufführungen zu verzeichnen. Als erste Uraufführung gelangt bereits am Sonntag, 6. Oktober, das lustige Volksstück „Holzappel" des hessischen Heimatdichters H. A. Weber unter der Spielleitung von Intendant Hermann Schultze-Griesheim in Gegenwart des Dichters zur Aufführung. Mit diesem saftigen und kräftigen Volksstück wird ein Stück bunten Volkslebens unserer engeren Heimat lebendig. Anläßlich des 300. Todesjahres des spanischen Klassikers Lope de Vega, dessen Dramatik nicht ohne Einfluß auf die Literatur und die Bühnenkunst Deutschlands geblieben ist, bringt das Stadttheater Gießen Lope de Vegas: „Der Stern von Sevilla" im Spätherbst zur Uraufführung. Mit dieser Uraufführung kommt einer der größten spanischen Dramatiker zu Worte, der in Hans Schlegel den besten deutschen Uebersetzer voll hoher künstlerischer Einfüh- lungskrast gefunden hat.
Landesversammlung
des Evangelischen Bundes in Alsfeld.
Der Landesverband Nassau-Hessen des Eoangeli- schen Bundes hält vom kommenden Samstag bis einschließlich Montag, 28. bis 30. September, feine Landesversammlung in Alsfeld ab. Für Samstag, 28. September, ist abends eine öffentliche Versammlung in der Walpurgiskirche vorgesehen, in der der Direktor des Predigerseminars in Friedberg, Lic. Stroh einen Vortrag über das Thema „Deutschglaube oder Christusglaube?" halten wird. Der Sonntag, 29. September, bringt Festgottesdienste in Alsfeld, Altenburg, Angenrod, Brauer- schwend, Eifa, Eudorf, Grebenau, Heidelbach, Hopfgarten, Kirtorf, Ober-Breidenbach, Ober-Gleen und Storndorf. Die Kollekten in allen Gotesdiensten sind für den Evangelischen Bund bestimmt. Nachmittags schließt sich in der Walpurgiskirche zu Alsfeld eine Evangelische Volksversammlung mit dem Thema „Luther, der ewige Deutsche" an. Abends findet im Deutschen Haus eine Begrüßungsversammlung statt. Am Montag, 30. September, wird zunächst die Sitzung des Oesterreichischen Hilfsausschusses statt- finden, anschließend folgt die Abgeordneten-Ver- sammlung, hierauf die Mitgliederversammlung, in der Pfarrer Dr. Bergör einen Vortrag über das Thema „Der Evangelische Bund heute" halten wird.
Gießener Dochenmarktprelse.
♦ Gießen, 24. Sept. Auf dem heurigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Kochbutter 1,25 bis 1,30 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (Bulgaren) 11, (inländische) Handelsklasse B 12, C 11, ungezeicynete 10 bis 11, Wirsing, das Pfund 9 bis 12, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 7 bis 12, Rote Rüben 9 bis 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 20 bis 25, (gelb) 20 bis 25, Unterkohlrabi 5 bis 6, Erbsen 25 bis 30, Feldsalat 1 bis 1,20 Mark, Tomaten 15 bis 20 Pf., Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 80, Kürbis 5 bis 6, Pilze 30 bis 40, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,50 bis 3,80 Mark, Frühäpfel, das Pfund 10 bis 20 Pf., Falläpfel 4 bis 5, Pfirsiche (deutsche) 40, (italienische) 50, Brombeeren 40 bis 45, Preiselbeeren 40 bis 42, Birnen 10 bis 25, Zwetschen 9 bis 15, Nüsse 50, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70, Gänse 85, Blumenkohl, das Stück 10
bis 50, Salat 5 bis 10, Salzgurken 5 bis 20, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
vornottzen.
— TageskalenderfürDienstag: NSG. „Kraft durch Freude": 18.30 bis 20 Uhr Allgemeine Körperschule auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg, 21. bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schombs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ich liebe alle Frauen". .
— EineBach-Händel-Feier, ausgefuhrt vom Schülerkreis der Frau C l ä r e - S ch l e s i e r - Altmann unter Mitwirkung von Herrn Hemz Weiser (Tenor), findet am Sonntag statt. Auf die heutige Anzeige sei aufmerksam gemacht.
** Der Neubau eines Verwaltungsgebäudes fürden Städtischen Schlachthof (wir berichteten bereits vor einiger Zeit darüber) ist nunmehr in Angriff genommen worden. Die Ausfchachtungsarbeiten sind in vollem Gange. Das neue Verwaltungsgebäude soll noch im Laufe des diesjährigen Herbstes im Rohbau erstellt werben.
** Versammlung der Heimattreuen Ostdeutschen. In der im „Pfälzer Hof" abgehaltenen September-Versammlung der Heimattreuen Schlesier, der Vereinigung aller Ostdeutschen in Gießen und Umgebung, konnte der Vereinsführer Kostorz auch einen Gast aus Marienburg begrüßen. Der Vereinsführer gab dann in einer gedrängten Uebersicht einen Rückblick auf die hervorragendsten historischen Ereignisse im deutschen Osten. Er erinnerte an die Huldigung der Stände Ostpreußens für Friedrich den Großen im Jahre 1772, an die unmittelbar folgende Aufhebung der Leibeigenschaft, ferner an die zweite Teilung Polens, durch
die das Posener Land, Thorn und Danzia an Preußen kamen u. v. a. m. Der Redner kam Dann auf die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit zu sprechen, erinnerte an die Augusttage 1914, an die Schlacht bei Tannenberg und an den Masurischen Seen, durch die großes Leid von den Ostmarken abgewandt worben sei. Man hörte ferner von den schweren Tagen in Oberschlesien und dem Glaubenszug der Heimattreue, der Abstimmung. An dieser Pilgerfahrt der Heimattreuen hat auch eine Anzahl der in Gießen und Umgebung ansässigen Schlesier teilgenommen. An Hand von statistischen Angaben, wie auch auf Grund eigener persönlicher Erlebnisse schilderte der Vortragende noch den Kampf der Minderheiten um ihre Rechte. Der Ostdeutsche, der Jahre hindurch großes Leid und große Sorge um seine Heimat tragen mußte, der in vielen Fällen Heimat und Besitz verlassen mußte, habe ein starkes Mitempfinden für die Not der Volksgenossen jenseits der Grenzen und stehe in starkem Glauben zum Führer aller Deutschen. Diesem Glauben gab die Versammlung in einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler Ausdruck. Im weiteren Verlaufe des Abends berichtete der Vereinsführer über den Bundestag der Schlesier in Waldenburg, auf dem besonders soziale Erleichterungen für kinderreiche Mitglieder, verbilligte Fahrten in die Heimat und die Durchführung der Heimatspende zur Linderung der kulturellen Not im Osten beschlossen wurden. Die Ausgabe der Ehrenzeichen der Abstimmungsberechtigten in Ost- und Westpreußen und in Oberschlesien soll im November erfolgen. Anträge auf Ehrenzeichen können beim Vereinsführer noch gestellt werden. Die Ortsgruppe Gießen fonhte erfreuliche Erfolge für die Werbung von Ferienreisen, sowohl nach Ost- und Westpreußen, wie auch nach Schlesien erzielen. Die Werbung soll, besonders für den Wintersport im Riesengebirge, fortgesetzt werden. Kameradschaftliches Beisammensein beschloß den Abend.
Darlehen von der DAI.
Wer kann sie erhalten?
Um den durch die Wirtschaftsbelebung bedingten Kreditbedarf des Handwerk zu decken, hat die Deutsche Arbeitsfront die durch die NS.- Hago geschaffene Darleyenshilfe übernommen und weitergeführt. Die Kredithilfe ist ausschließlich für die Mitglieder der Reichsbetriebsgemeinschaft Handel und Handwerk bestimmt.
Mit dieser Maßnahme wurde seiner Zeit der Hebel an der richtigen Stelle angesetzt, denn Banken und Kreditinstitute waren bei der Vergebung von Personalkrediten an den kleingewerblichen Mittelstand äußerst vorsichtig geworden, so daß nur in Ausnahmefällen derartige Kredite gegeben wurden.
Die Deutsche Arbeitsfront gewährt einen Kredit an die Mitglieder der Reichsbetriebsgemein- fchaft handel und Handwerk, die ohne Rückstand eine ordnungsmäßige Beitragszahlung vgn mindestens 1 Jahr aufweifen können, hierunter sind alle selbständige Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibende zu verstehen. Das Darlehen beträgt durchschnittlich 500 Mark.
Grundsätzlich werben alle Anträge abgelehnt, wenn das Darlehen zur Schuldentilgung oder zu Anschaffungen für nichtgeschäftliche Zwecke dienen soll. Ebenso werden Anträge von der DAF., Abteilung Sonderhilfe, abgewiesen, bei denen als Verwendungszweck die Neuanschaffung von Maschinen genannt ist, da die Gesuchsteller von einschlägigen Geschäften Maschinen und Betriebseinrichtungen, von geringen Ausnahmen abgesehen, auf Ratenzahlung erhalten können.
Bei allen Darlehensanträgen, bei denen eine große Verschuldung vorliegt und bei denen Wechsel laufen, ist durch Vorlage einer Aufstellung über die Wechseloerpflichtungen der Nachweis zu erbringen, daß die Rückzahlung des Sonderhilfe-Darlehens durch die Wechselfälligkeiten und sonstige Schulden nicht gefährdet werden. Bei besonders angespannten Vermögensverhältnissen ist die Beibringung einer Sicherung in Form von Bürgschaften erwünscht.
In vielen Tausenden von Fällen konnte die NS.- Hago bzw. die DAF. durch die Sonderhilfe unverschuldet in Not geratenen Volksgenossen durch Gewährung von Darlehen helfen, Den festgefahrenen,
oder sonstwie ins Stocken geratenen Betrieb wieder slottmachen und zu seiner Gesundung beitragen. Selbstverständlich kann das Ziel der endgültigen Gesundung des gewerblichen Mittelstandes auf dem Abschnitt der Darlehensgewährung der Sonderhilfe durch die DAF. nur dann erreicht werden, wenn die auf etwa eineinhalb bis zwei Jahre zinslos und ohne besondere Sicherheit gewährten Darlehensbeträge regelmäßig zurückfließen.
Jeder Volksgenosse, der die Mittel der Sonderhilfe in Anspruch nimmt, hat es zu feinem Teil in der Hand, dafür zu sorgen, daß das in die Ehrlichkeit und Anständigkeit des Gewerbetreibenden gefetzte Vertrauen nicht enttäuscht wird, indem er, auch ohne eine dingliche Sicherheit gegeben zu haben, alles aufbietet, nm feinen Ratenverpfttchtungen bis zur endgültigen Til
gung des Darlehens gerecht zu werden.
Pfennigweise trägt die Deutsche Arbeitsfront in den Beiträgen der Mitglieder aus Handel und Handwerk die Mittel zusammen, mit deren Hilfe sie infolge sparsamster und sorgfältigster Verwaltung dann in aber Tausenden von Fällen ein Stück nationalsozialistischen Aufbauwerkes vollbringt.
LandeSireffen ehemaliger Nachrichtentruppen.
LPD. Marburg, 23. Sept. Zu dem Treffen der Landesgruppe Hessen und Hessen-Nassau im Waffenring deutscher Nachrichtentruppen, das am Sonntag in Marburg stattfand, hatten sich etwa 150 Angehörige ehemaliger Nachrichtenformationen aus den Ortsgruppen Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Hanau, Homburg v. d. H., Mainz, Offenbach, Marburg, Wetzlar und Wiesbaden eingefunden. Vormittags gab ein lehrreicher Vortrag des Generals der Infanterie a. D. Schniewind - Marburg den alten Soldaten einen vortrefflichen Einblick in das Nachrichtenwesen eines neuzeitlichen Heeres. Nachmittags fanden sich die Teilnehmer zu einer kameradschaftlichen Veranstaltung ein, bei der das Musikkorps des Marburger Jnfanteriebataillons mitwirkte.
Modellschau der Damenschneiderinnung Kreis Gießen.
Die Modell-Schau, die auf Veranlassung dec Damenschneider-Innung des Kreises Gießen durch die Deutsche Modenzentrale im geschmückten Saal, des Cas6 Leib ftattfanb, braute eine schöne Aus. wähl von Wintergarderoben in schlichter Eleganz. Die Obermeisterin der Innung, Frau Schneider, meifterin Anna Vogt, eröffnete die unter dm Motto: „Dein Gewand aus deutscher Meisterhand* stehende Schau mit freundlichen Begrüßungsworte, und mit dem Hinweis darauf, daß im Zusammen wirken von deutschen Modellkünstlern und deutsche, Handwerkern der Mode jene Eigenart verlieh, werden soll, die dem Wesen der deutschen Art um der deutschen Frau entspricht und sich dennoch bei Weltmode anpaßt. Diese Betonung Heimischei Eigenart fand man später bei der Schau unter, strichen, die Garderobe vorwiegend aus Wolle, Spitzen brachte, zu deren Verzierung Lammfell Fohlenfell, Leder u. a. verwendet war. Dazu warei ruhige dunkle Farben, wie taubengrau, filbergrau, grün, dunkelrot, tabakbraun bevorzugt. Die dezente: Garnierung am Kleid, wie am Mantel erhöhte, vielfach den Reiz der Kleidungsstücke. Bei den Stro« ßenkleidern herrschte der enge Schlitzrock vor, wijh. renb die Nachmittagskleider plissierte Rocke aufwi» sen und zum Abendkleid der Schlepprock bevorzug erschien. Außer einfachen, aber ansprechenden Str» ßenkleidern mit halbrundem Halsausschnitt uni vielfach engen Bündchen-Aermeln und durchs guten Paßformen waren schöne, ein- und zwei bahnige Mäntel, in taubengrauen, grünen uri braunen Farben, kaum noch mit Gürtel getragq zu sehen. Zu den Kostümen wurden Wollstofskleii, und Blusen gezeigt. Neben reicher Auswahl n, Hauskleidern traten auch die Abendkleider, auch hi, wieder vorwiegend mit mäßigen Ausschnitten, kio zen Aermeln und sehr aparten Complets hervoi Die Pausen füllte Hans Winter mit einige, Liedvorträgen. Kreishandwerksmeister Stühlei sprach das Schlußwort mit dem Hinweis daran', daß alle die vorgefühvten Modelle bei dem heim schen Handwerk in Auftrag gegeben werden km neu und schloß mit Dankesworten an den Führ« der es dem Handwerk wieder ermöglichte, berartigi Ausstellungen, bie früher in Hänben ber Konzern, lagen, wieber selbst auszuführen.
Oberhessen.
Scharfschießen bei Butzbach.
Am 26. unb 27. September finbet, jeweils von 7.30 bis 13 Uhr unb von 14 bis 18 Uhr, auf ben: Exerzierplatz Butzbach Gefechtsschi!, ßen mit scharfer Munition statt. Es wiü. geschossen in Richtung Kleeberg. Gefährbet ist bw Gelände südlich Ebersgöns, süblich Oberkleen uitifl ostwärts von xleeberg. Für bie Schießtage werber gesperrt bie Straßen Hausen—Kleebery unb bis Straße Ebersgöns—Kleeberg. Den Weisungen bear ausgestellten Sicherheitsposten ist Folge zu leisten
Scharfschießen bei Griedel.
Am 26. unb 27. September finbet, jeweils von 7.3] bis 13 Uhr unb von 14 bis 18 Uhr, auf ber Feuei^ stellung am Galgenberg (nördlich Griedel) Gefechtsschießen mit scharfer Munitioi statt. Es wird geschossen in Richtung Obbornhofen — Wahnbach. Gefährdet ist das Gelände südlH Oberhörgern, südlich Münzssnberg, westlich Dbborfr? Hofen und Wohnbach und nördlich Oppershofen M Rockenberg. Für bie Schießzeiten werden gi" sperrt bie Straße Rockenberg—Münzenöerg unb । Wohnbach—Münzenberg. Den Weisungen ber aus- gestellten Sicherheitsposten ist Folge zu leisten. ro.Lahresfest der evangelischen Kraueu- hilfe in Lang-Göns.
= Lang-Göns, 22. Sept. Am heutigen Sonntag beging ber hiesige evangelisch» Frauenverein bas Fest feines 2 0 jährigen Bestehens. Es waren von auswärts gegen 201 ü Gäste erschienen. Wegen des schönen Wetters rourbii der Gottesdienst auf dem Kirchplatz ab gehalten. Die Begleitung der Lieder hatte der Posaunen» chor übernommen. Die Festpredigt hielt Propst a.L. Knodt (Gießen). Er legte der Predigt den Tepl 1. Pett. 4, 10 zugrunde. („Dient einander, ein jeglicher mit ber Gabe, bie er empfangen hat, ah Haushalter ber mancherlei Gnade Gottes.") Jiu Anschluß daran sprach er über christliche Feste, Bin
hatte, wenn ihn über meine Freundschaft genüge, so würde ich es schon um Ems willen tun. Er stimmte freudig bei, und ich habe es nie bereut.
Er adoptierte Evi bald darauf, und wir beschlossen, dich in dem Glauben zu lassen, er wäre dein Vater. In seiner Obhut waren uns einige ruhige Jahre vergönnt. Dann erkrankte er schwer und hoffnungslos. In feinen letzten Lebenslagen erzählte er mir, daß er mit Frau von Rieders, bevor er mich kannte, sehr befreundet gewesen war und auch daran gedacht hatte, um sie zu werben, da sie aus ihrer Zuneigung zu ihm kein Hehl gemacht hatte. Als aber ich in sein Leben trat, zog er sich ganz von ihr zurück. Nun erst wurde mir klar, warum sie mich haßte, da sie in mir die Zerstörerin ihres Glückes sah, so unschuldig ich auch daran war. Und die Ehe, die sie dann mit dem viel älteren Rittmeister schloß, und die nur auf Vernunft aufgebaut war, hat sie wohl nicht glücklich machen können, um so mehr, als ihr ja doch ein Kind versagt blieb ..."
Frau von Tanner trocknete sich die Augen.
„Ach, mein armes Muttchen! Vieviel hast du leiden müssen!" rief Monika und legte den Arm um sie. Auch ihre Augen waren voll Tränen.
Evi aber sagte nachdenklich:
„Ach, Mutti, ich kann mich noch gar nicht daran gewöhnen, daß dieser gute, edle Mann nur mein Pflegevater war. Und wenn ich dir so zugehört habe: Wie konnte nur mein wahrer Vater so an dir handeln? Er muß doch ein sehr harter Mensch gewesen sein ..."
Frau von Tanner schüttelte mit dem Kopfe, doch bevor sie noch etwas sagen konnte, sprang Monika auf. Ihre Augen flammten auf, als sie sagte:
„Auch ich verstehe es nicht. Aber das eine weiß ich: Unser Vater, Evi, war der beste, gütigste Mensch. Jetzt verstehe ich aber auch vollkommen, warum er so unglücklich war...!"
Unb auch Gerling sagte nun im Ton tiefer Ueberzeugung:
„Major von Jnnemann war ber ebelfte Mensch, ben ich kannte!"
Mit einem jähen Ruck starrte ihn Monika an.
„Herr von Gerling, Sie kannten meinen Vater? — Unb Sie haben mir niemals bavon gesprochen?"
„Ich habe auch Sie von Kinbheit an gekannt, Fräulein von Jnnemann. Sie haben nur Ihren großen Spielgefährten, mit bem Sie als kleines Mäbchen so fröhlich spielten, vergessen. Unb es war auch kein Zufall, daß unsere Wege fich wieder
kreuzten. Kaum eine Stunde später, als Sie rniti Frau Klinke das Haus Ihrer Verwandten verlasse» hatten, traf ich in Wunsiedel ein... Aber nun müssen Sie mir gestatten. Ihnen alles zu tr klären..."
Außer Evi, die bereits alles wußte, lauschten al» Anwesenden mit atemloser Anteilnahme GerliW Erzählung.
Als Gerling offen eingestand, daß er getomnw- war, um sich um Monika zu bewerben, erröten i diese, zugleich aber warf sie einen Blick auf Johnic, und beider Augen redeten eine deutliche Sprach'. Aber noch zwei Augenpaare wechselten einen W' voll glückseligen Einverständnisses — das Gerling und Evi.
Und als Gerling geendet hatte, sagte er:
„Nun habe ist noch zwei Dinge zu tun. eine ijt dies — Fräulein von Jnnemann — habe gier einen Brief an Sie zu übergeben, £ü" Vermächtnis Ihres Vaters an Sie, den er mir Mi vor feinem Tode übergab."
Mit zitternden Fingern griff Monika nach b<CI Brief. Dann fetzte sie sich in eine stille Ecke Zimmers und las, was ihr geliebter Vater ihr 91 viele Jahre nach feinem Tode zu sagen hatte.
Gerling aber wandte sich an Evi:
„Dieser Brief war auch der Grund, warum '~ über den Verlust meiner Brieftasche so erfcbrod® war. Und nicht, wie du, Euchen, glaubtest, N kleine Photographie. Und nun", sagte er, und gli^ licher Jubel lag in seiner Stimme, „ich habe das Schwur geleistet, daß ich nur die Tochter des M jors von Jnnemann zu meiner Frau wählen Ich will ihn halten und dabei der glücklichste Men^- auf der Welt werden. Gnädige Frau, wollen mir Ihre Evi zur Frau geben?"
Ueberrascht sah Frau von Tanner auf. schon lag Evi an ihrem Hals.
„Muttchen!"
Frau von Tanner sttich über ihre weichen Haara- Dann nickte sie Gerling zu.
„Ich glaube, daß mein Eochen zum ersten MA in ihrem Leben ein Geheimnis vor ihrer gehabt hat. Da muß sie Sie wohl sehr lieb haoA
Und sie hielt ihm die Hand hin, die er ehrerbiern küßte.
Nun trat auch Monika wieder zu ben übrig zurück. Ihre Augen standen voll Tränen.
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