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Die Verantwortung des Völkerbundes, der so viele europäischen Staaten dem schwer zu bestimmenden und gefährlichen Kollektiogedanken untertan ge­macht hat, ist riesengroß. Was die Genfer Liga mit den friedlichen Mitteln des Fünfer-Ausschusses nicht erreicht hat, wird es noch viel weniger mit der vorbedachten Lenkung der Kriegsmaschine erzielen können. Denn noch problematischer als der Kol- lektivfriede ist der Kollektiokrieg.

Ehertoks Konzession.

Kein Erdöl, aber Gold und wahrscheinlich auch Platin.

London, 23. Sept. (DNB.) Zwischen dem abes­sinischen Gesandten in London, Dr. Martin, und dem amerikanischen Börsenmakler Lio Chertok ist ein vorläufiges Abkommen über bas Kon­zessionsgebiet, das persönliches Eigentum Dr. Martins ist, zustandegekommen. Dr. Martin hat das Gebiet vor etwa zehn Jahren von dem Kaiser von Abessinien erhalten. Das etwa 13 000 Quadratmeilen große Gebiet liegt im n o r d w e st- lichen Teil Abessiniens auf der West - seite des Blauen Nils. Die Untersuchungen mehrerer Ingenieure sollen das Vorhandensein b e - trächtlicher Goldvorkommen ergeben haben, die sich teilweise in dem Fluß D a d e s s a, einem wichtigen Nebenfluß des Blauen Nils, befin­den. Der ganze Fluß liegt innerhalb des Kvnzes- ionsgebietes. Oelvvrkommen sollen nicht fest- gestellt worden sein, doch hält man das Vorhanden- ein von Platin nicht für ausgeschlossen.

Spannung im ösllichenIllittelmeer

Istanbul, 23. Sept. (DNB.) Angesichts der zunehmenden Verschärfung des englisch-italienischen Gegensatzes im Mittelmeer ist der türkische M i n i ft e r r a t nach Ankara einberufen worden. In der Begleitung des Staatspräsidenten Ata­türk, der mit fast allen Regierungsmitgliedern nach Ankara abreifte, befand sich auch der Höchst- kommandierende. Er wird neben anderen militärischen Sachverständigen am Ministerrat teil­nehmen.

Auch der Oberste Landesverteidigungsrat Grie­chenlands hat mehrere Sitzungen abgehalten. Den Vorsitz führte Ministerpräsident Tsaldaris. Es verlautet, daß die Versorgung der bewaffneten Macht mit Kriegsmaterial und Munition sowie 27 Flugzeugen, Zerstörern und Unterfeeboten be- schlossen worden sei. Ferner seien die Liefer- fristen von einem Jahr auf drei Monate und darunter herabgesetzt worden. Die normalerweise jetzt erfolgende Entlassung der Reservisten sei auf unbestimmte Zeit ver­schoben worden.

In den nächsten Tagen werden Manöver statt- firtben, an benen bie türkische Flotte und bie in ben Dardanellen liegenden griechischen Kriegsschiffe und Flugzeuge teilnehmen werden. Das Oberkommando bei diesen Uebungen führt der griechische Admiral, der seine Flagge zu diesem Zweck auf den türkischen Schlachtkreuzer Yawuz^ setzen wird. Auch zwei rumänische Torpedoboote werden möglicherweise an den Uebungen teilnehmen.

Kommunistische Wühlarbeit in Frankreich.

Paris, 23. Sept. (DNB.) Die französische Presse beschäftigt sich mit der in Straßburg er­folgten Verhaftung einer deutschen Staats­angehörigen und eines Dänen, von denen bald bekannt wurde, daß. es sich um Kommu­nisten handelt. Man habe bei ihnen bedeutende Beträge vorgefunden, die dazu bestimmt gewesen seien, bie Kassen der kommunistischen Partei Frank­reichs aufzufüllen. Man habe außerdem bei den beiden Verhafteten S ch r i f t st ü ck e beschlagnahmt, aus denen unschwer herooraehe, daß sie für di e Sowjets gearbeitet hätten. Die Schriftstücke behandelten Fragen der französischen Lan­desverteidigung. U. a. habe man einen bis ins einzelne ausgearbeiteten Plan aufgefunden, in dem bie Taktik b e r Kommunisten in ber französischen Kriegsinbustrie vorge­schrieben wird. Es sei beschlossen worden, bei einer ausländischen Macht (gemeint seien die Sowjets) diplomatische Schritte zu unternehmen. In Ostfrankreich habe man die Spuren eines gewissen Münzen beras (des berüchtigten Herausgebers derRoten Fahne") entdeckt, ber als ehemaliger Mitarbeiter des Chefs der politischen Büros der Sowjetbotschaft in Berlin, Petrowski, mit der Leitung der kommunistischen Propa­ganda in Frankreich betraut worben sei.

Neuer Zwischenfall in Nordirland.

London, 24. Sept. (DNB. Funkspruch.) In B e I f a ft hat sich am Montagabend schon wieder eine politische Schreckenstat ereignet die dritte im Laufe von vier Tagen. Eine Frau namens Sophie Mc Gabey wurde im Flur ihres Hauses von einem Unbekannten durch einen Revol­verschuß schwer verwundet, so daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Niemand hat den Vorfall beobachtet. Frau Mc Gabey ist rö­misch-katholisch, ihr Ehemann Protestant, beide leben in einem protestantiscken Viertel. Bei den beiden vorausgegangenen Anschlägen hatte es sich einmal um einen Protestanten gehan­delt, der am Freitag erschossen wurde, sowie um einen katholischen Schankwirt, der in seiner Gaststube getötet wurde.

Ein Memel-Buch.

Heinz Gerhards RomanKameraden an ber Memel" (Brunnenverlag Willi Bischof, Ber­lin SW 68. Preis Leinen 5,60 Mark. (290) Ein Buch, bas ein Deutscher von ber Memel selber schrieb, ergreift uns durch seine Lebensnähe. Im Schicksal eines jungen Deutschen unb seiner Freunbe erleben wir ben Kampf ber Deutschen von ber Memel um ihre völkische Selbstbehauptung. Wir teilen ihre Erfahrungen, ringen mit ihnen um bas Recht unb leiben mit ihnen. Da begegnet uns ber pflichtgetreue Beamte, ber unter ben Rechts­brüchen litauischer Willkürherrschaft seelisch unb körperlich zusammenbricht. Arbeitsame Bauern ler­nen mir kennen, aufrechte Menschen, die eine widersinnige Agrarpolitik langsam zugrunderichtet und ber Ausbeutung burch gewissenlose Profitgier überläßt. Für jeben einzelnen mürbe in ben letzten Jahren bas Los immer härter, aber selbst ber größte Terror, ber um unb über sie herrscht, die täglichen rechtswidrigen Verhaftungen, die nüber« rechtlichen Eingriffe in ihre Selbstvermaltung unb jenes schamlose Bluturteil von Komno können sie alle nur fester zusammenschmieben. Angesichts ber schmeren Prüfung, bie ben Memelbeutschen bei ben bevorstehenden, von ben Litauern mit unerhörten Nechtsbrüchen unb Dergemaltigungen sorgsam vor- bereiteten Wahl ermartet, ist bas packende Buch von höchstem aktuellen Interests

Die Monatstürplakette des Winterhilfswerks 1935/36.

Richtlinien des Reichsbeauftragten Hilgenfeld.

Berlin. 23. Sept (DBB.) Für bas Dinter- hilfswerk 1935/36 werden, wie im Vorjahr, gleich­falls vronalskürplaketlen herausgegeben. Für ben Erwerb dieser INonalstürplaketlen hat der Reichsbeauftragte für bas Winterhilfswerk im Ein­verständnis mit dem Herrn Reichs- und preußischen Minister des Innern und dem Herrn Reichsfinanz­minister folgende Richtlinien erlassen:

Anspruch auf Aushändigung der Plakette haben: 1. s) Lohn- und Gehaltsempfänger, die wahrend der sechsmonatigen Dauer des WHW. 1935/36 (1. Oktober 1935 bis 31. März 1936) ein Opfer von 1 0 v. h. ihrer Lohnsteuer an das WHW. leisten.

b) Lohn- und Gehaltsempfänger, die wegen ihres geringen Einkommens zur Einkommensteuer nicht herangezogen wer­den, gegen ein Opfer von monatlich 0,25 Mark.

c) Fe st besoldete, die neben ihrer Lohn­steuerleistung noch zur Einkommen­steuer veranlagt werden, wenn sie neben ihrer monatlichen Spende in höhe von 10 v. h. ihrer Lohnsteuer ein monat­liches Opfer in höhe von 3 v. h. ihres für das Iahr 1934 veranlagten Eln - kommen st euerbetrages an das WHW. entrichten, soweit die Steuerschuld nicht durch Lohnabzug gettlgt ist. Diese 3 v. h. werden also lediglich von der Ein­kommensteuer-Restschuld errechnet.

2. a) Gewerbetreibende und Angehö­rige der freien Berufe sowie son­stige Linkommensbezieher. die zur Einkom­mensteuer veranlagt werden, soweit monat­lich ein Opfer in höhe von 3 v. h. bes für das Iahr 1934 veranlagten Ein­kommensteuerbetrages an das WHW. ent­richten,

b) Inhaber von offenen Handelsgesell­schaften und Kommanditgesell­schaften, wenn sie monatlich 3 v. h. des für das Iahr 1934 veranschlagten Ein­

kommensteuerbetrages au das WHW. ent­richten,

c) Gewerbetreibende und Angehörige freier Berufe sowie sonstige Einkom­menbezieher, die nicht zur Einkom­men st euer veranlagt werden, wenn sie einen Mindestbetrag von monatlich einer Mark während der Dauer des Winterhilfswerkes opfern.

3. Kapitalgesellschaften (namentlich Ak­tiengesellschaften und G. m. b. h.), wenn sie während der sechsmonatigen Dauer des WHW. (vom 1. Oktober 1935 bis 31. März 1936) ein Opfer in höhe von i n s g e s a m t 20 v. h. der ihnen auferlegten Vorauszahlungen auf die Körperschafts st euer bringen. Falls im vorhergehenden Geschäftsjahr ein ent­sprechendes Einkommen nicht erzielt wurde und Vorauszahlungen auf die Körperschafts­steuer nicht festgesetzt sind, erhalten sie die Pla­kette, wenn sie für die sechsmonatige Dauer des WHW. insgesamt*/- vom Tausend des Reinvermögens vom letzten Bilanz­stichtag opfern. Wer weder Reinvermögen be­sitzt, noch Vorauszahlungen auf die Körper- schaftsfteuer leisten muß, hat sich, um die Pla­kette zu bekommen, mit einem seiner Leistungs­fähigkeit entsprechenden Betrage zu beteiligen, mindestens aber monatlich eine Mark an das WHW. zu opfern.

Die obigen Richtlinien enthalten lediglich Mindestsätze zum Erwerb der WHW.-Plakette. Es wird jedoch die bestimmte Erwartung ausge­sprochen, daß das von den Einzelpersonen und Firmen zu bringende Opfer in einem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen Leistungsfähigkeit steht.

Das gebührenfreie Abbuchungsverfahren der Eintopf-, Pfund- und Reichs st rahen- sammlungen bleiben von dieser Regelung un- berührt.

Gez. Hilgen selb, Reichsbeauftragter für das WHW.

Fertigstellung der Reichsautobahn Frankfurt a.M.-Mannheim-Heidelberg

Mannheim, 23. Sept. (DNB.) Nach genau zweijähriger Bauzeit ist nunmehr bie gesamte Strecke ber Reichsautobahn Frankfurt Darmftabt Mannheim H e i b e l b e r g fertig­gestellt morben. Generalinspektor Dr.-Jng. Tobt begrüßte zahlreiche Gäste. Anschließend gab ber Lei­ter ber Obersten Bauleitung Frankfurt a. M., Reichsbahnbirektor Pückel, einen kurzen lieber- blick über bie Daten unb Arbeiten ber Strecke, bie durch schönste Walbungen, burch dichten Laubwald unb gesegnete Fluren führt. Mit dem seit Enbe Mai b. I. bem öffentlichen Verkehr übergebenen Autobahnstück Frankfurt Darmftabt sinb im Zuge der großen Norb-Süblinie mit ber Fertig­stellung ber Strecke FrankfurtMannheimHeibel- berg insgesamt 85 Kilometer Autobahn vollenbet.

Im Jahre 1936 wird die Linie an den beiden Hauptendpunkten weitergeführt, und zwar von Frankfurt nach Bad Rau­heim und von Heidelberg nach Bruchsal. Die Strecken Bad-Rauheim bis Alsfeld und Bruchsal bis Karlsruhe werden im Jahre 1937 vollendet sein.

Bei ber Linienführung der neuen Strecke werden lanbwirtschaftliche Reize erschlossen, bie man beim Befahren ber bisher bestehenben Straßen, insbe» sonbere ber Bergstraße, nicht kannte. An befonbers schonen Ausblickstellen sinb Abstellplätze einge­richtet, bie ben Fahrer zum Verweilen locken unb seinen Blick auf bie malerischen Höhenzüge bes Obenwalbes lenken. Neben kleineren Bauwerken mürben in bie neue Strecke brei große BrÜk- k e n eingefügt, unb zmar eine 400 Meter lange Beton- unb Großbrücke über ben Neckar unb Neckar-Kanal, eine Brücke über benMain unb über bie ausgebehnten Gleisanlagen bes Bahnhofs Friebrichsfelb. An brei An- schlußstelle n, nämlich in Darmftabt, bei Viern­heim unb kurz vor bem Mannheimer Flugplatz ist

eine Zu- unb Abfahrt möglich. Die Tei­lung ber Strecke für ben Verkehr nach Heibelberg unb Mannheim stellte an bie Planung ganz'beson­dere Aufgaben. Durch Kurven, Unter- unb Heber» ührungen mirb ber Verkehr fließen!) erhalten, unb ür ben reibungslosen Fortgang auf ber Haupt- trecke Sorge getragen. Die Einfahrt in Mannheim, bie in bie 52 Meter breite Lanb- straße ber Stabt, bie Augusta-Anlage, übergeht, ist besonbers wirkungsvoll unb beshalb von Bebeu- tung, weil in biesem Falle bie Reichsautobahn gradlinig in eine Großstadt einmünbet.

Die neue Strecke wird nicht nur eine Ver­kehrsvermehrung mit sich bringen, die allein auf der kurzen Strecke Frankfurt Darmstadt bereits 34 v. h. beträgt, sondern sie wird wesentlich zur Sicherheit unseres ge­samten Verkehrs beitragen und durch die Art der Linienführung und die Beschaffenheit ihrer Oberfläche bedeutende Betriebserspar- nisse ermöglichen.

Eine lange Autokolonne, an ber Spitze General­inspektor Dr. Tobt, fuhr bann über bie neue Strecke. Auf ber Neckarbrücke unb vor ber Einfahrt nach Mannheim würbe kurz gehalten, um über bie Be- sonberheiten ber neuen Strecke unterrichtet zu wer­ben. Nach einer Mittagspause in Mannheim ging bie Fahrt weiter zum Enbpunkt Heidelberg. In Mannheim zeichnete Professor Gropengießer vom Mannheimer Verein für Altertumskunbe ben Verlauf ber alten Heer st raße im Gebiet ber heutigen Reichsautobahn. Bei ben Bauarbeiten mürben bank ber engen Zusammenarbeit zmischen Bauleitung unb Altertumsforschung zahlreiche Funde gemacht unb glücklich geborgen. Professor Gropengießer überreichte bem Reichsstatthalter in Baben ein solches Stück, unb zmar ein Sonnen- mirbel aus Bronze, ein Symbol germanischen Son­nenkultes.

Kleine politische Nachrichten.

Der Stellvertreter bes Führers, Reichsminister Rubolf Heß, empfing ben Präfibenten des Reichsinstituts für Geschichte bes neuen Deutschland", Professor Dr. Walter Frank zu einer eingehenden Aussprache über Fragen und Aufgaben der deutschen Geschichts­schreibung unb Geschichtsforschung. Weil der Ge­schichtsschreibung, so betonte der Stellvertreter des Führers, eine besondere nationale Mis­sion zusamme, dürfe auch dasReichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschland" des warmen Verständnisses und der tätigen Förde- berung ber gesamten Bemegung sicher sein.

Reichsminister Dr. Goebbels empfing eine sva- nische unb eine französische Delegation von Zert- schriftenverlegern, die an dem Kongreß ber Zeitschriftenverleger in Warschau teilgenommen hatten. Mit ber Delegation mar ber Präsident der F^döration Internationale de la Presse technique et professionelle, Pawlomski (Warschau), er­schienen, ber Leiter des Reichsverbandes der deut­schen Zeitschriftenverleger. Dr. Bischoff, hatte bie Führung ber ausländischen Delegation in Berlin übernommen.

Im Reichsjusttzmimsterium kamen die G e n e - ralstaatsanrnälte aus dem ganzen Reich zu einer Arbeitstagung unter dem Vorsitz des Reichsministers der Justiz Dr. G ü r t n e r zusam­men. Aus dem Reichsjustizministerium nahmen u. a. Staatssekretär Dr. Freister unb Ministe­rialdirektor Dr. Crehne daran teil. Es wurden grundsätzliche Fragen der Strafrechtspflege behandelt, zu denen die Generalstaatsanwälts über

die in ihren Bezirken gesammelten Erfahrungen berichteten.

Heber bie letzte Unterrebung bes polnischen Außenministers Oberst Beck mit bem litauischen Außenminister Lozoraitis in Genf melbet bie halbamtliche Iskra, daß die polnisch-litauische Frage nicht in eine neue Etappe eintreten kann".

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Der polnische Staat s/präs ident hat 32 Mitglieder des neuen Senats er­nannt. Hierunter befinden sich auch zwei Deut­sche und zwar Ermin Haßbach, der viele Jahre Abgeordneter roar, und Ingenieur Rudolf Wies- n e r aus Bielsk. Von den Vertretern der übrigen nationalen Minderheiten Polens wurden je zwei Vertreter bei Htrainer unb ber Juden er­nannt.

An Canberra, ber Hauptstabt bes Australischen Bundes, mürbe bie Antwort bes Königs von En glaub auf bie Ergebenheitsbotschaft ber australischen Regierung anläßlich des 25jährigen Jubiläums veröffentlicht. Der König bringt barin fein Vertrauen zum Ausdruck, daß Australien in Hebereinstimmung mit ben übrigen Mitgliebern bes Reiches bei ber Aufrecht­erhaltung ber Ideale des Friedens und der Freiheit seine Rolle spielen mirb. Die Schilberungen, bie des Königs Söhne von ihrer Reise nach Australien ge­geben hätten, zeigten, daß das australische Volk txotz räumlicher Fern- im Geists England nahe

Die kämpfende Giadt.

Von Dr. Hans von MalotM.

Zur Zeit Danzig, September 1935. Herbstsonne über bem Danziger Land.

Im milben Licht biefer späten Sommertage enthüllt ber herrlich geschmungene Bogen ber Danziger Bäberküste noch einmal seine beglücfenbe Schönheit. Zoppot es blickt auf eine gute Saison mit starkem reichsbeutschen Besuch zurück präsentiert sich bereits in ungemöhnlicher Ruhe und Behag- lichkeit. Der wirbelnde Akkord elegant-mondänen Badelebens klingt ab in einer sanften, besinnlichen Melodie. Wie die Kulisse einer Waldbühne zeichnet sich die grüne Hügelkette in die glasklare Luft. Weit und silbernglänzend träumt die See unter Dem Gang der Wolken, die weiß und ruhevoll über bas spätsommerliche Blau bes Himmels ziehen, unb in ben Olivaer Wälbern webt schon bie leise Traurig­keit verlöschender Farben. .

Auch wer Danzig kennt, nähert sich biefer Stabt nicht ohne erregende Erwartung, denn die Bilder der Erinnerung sind blaß gegenüber bem Erlebnis ber Wirklichkeit. Danzig, unmöglich über bich zu sprechen, über beine Sorge und Not, ohne das Lod deiner schwermütig-stolzen Schönheit! Stadt der dunkelnden Gassen, der Kuvpeln unb Türme, unb bämmrigen Tore. Wo noch sonst gibt es biefen ver- schmenberischen Reichtum ber prunkvollen Häuser- sassaben auf bem Langen Markt, wo biefen Blick durch die enge Welt der Häuserzeilen auf den jäh hochfchießenden Turm und die stürzenden Dächer ber Riesenkirche von St. Marien? Selbst bein großer Sohn unb grimmiger Verkünber ber Lebensver­neinung, wenn sein Blick vom Fenster bes schmalen Patrizierhauses in ber Heilig-Geistgasss bas Bild dieser Stadt umfing, das raumlose Ge­wirr roter Dächer und zierlich geschwungener Gie­bel, die spielerische Leichtigkeit des schlanken Rat­hausturmes, wie im Rausch hinaufsteigend in den hellen, gleißenden Raum, dann mußte auch Scho­penhauer dich bejahen, bann war ihm bie Schön­heit biefes einzigen Stabtbilbeserstarrte Musik".

Der Hebergang von den Wundern ber Vergan­genheit zur Gegenwart ist hart unb doch nicht leicht zu erschließen. Der Fremde, bei flüchtigem Besuch unb verloren an ben Zauber bes Alten, sieht viel­leicht nicht einmal bas verborgene Antlitz einer leiberfüllten Stadt, um das bie Sorge kreist. Unb boch ist btefe Sorge von höchster Aktualität, sie brückt ber Stabt ihren Stempel auf unb wirkt bop- pelt herb auf bem Hintergrunb einer reichen Ver­gangenheit. Danzig kämpft heute um seine <§xi st enz. Im vollen Sinn bes Wortes. Nicht mehr unb nicht weniger. Heber bie Schwere dieses Kampfes belehren bie Ein- und Ausfuhr- ftatiftifen in höchst nüchterner Sprache, und die Kaufmannschaft, die in den alten Kontoren ihrer Vorfahren das Erbe vergangener Zeiten verwalten möchte, blickt sorgenvoll in eine schier ausweglose Zukunft.

Seit Jahrhunderten lebte Danzia von feinem Hafen, von der Vermittlung Der Waren unb Güter für das Hinterlanb. Diese naturgegebene Vermittlungsfunktion, Danzigs ßebensbebingung, ist heute von Grund auf gestört, der Hafen an manchen Tagen verödet. Die Frage nach den Ur­sachen dieser betrüblichen Entwicklung ist verständlich und berechtigt, die Antwort lehrreich und einmal mehr die gelinde gesagt phantastische Selbst­täuschung derer beleuchtend, die am grünen Tisch von Versailles Danzig zum Dasein einerFr eie// Stadt" verurteilten. Aus natürlichen, durch JaHr- hunderte bewährten Bindungen und sinnnvollen Zu­sammenhängen herausgeschnitten, einer ungewissen und neuartigen Existenz überantwortet, hat Danzig seitdem das Prädikatfrei" nur in negativer Hin- sicht, als Fessel unb Bebrängung, emp» finben können. Gewiß: mit der Neuvrbnung der D a n z i g - p v l n i sch e n Beziehungen, der Ersetzung des offenen Kampfverhältnisses durch ben beiderseits ausgesprochenen Willen zur wirt­schaftlichen Kooperation wurde, der Weg beschritten, der den Versailler Friedensmachern wohl als Recht­fertigung ihres Tuns vorgeschwebt haben mag. Heute zeigt sich seine ganze Fragwürdigkeit.

Was nützen Abreden über wirtschaftliche Koope­ration, was bie als Sicherung gebuchten Bestim­mungen bes Hafenabkommens, was die Zuweisung von Ein- unb Ausfuhrkontingenten, wenn bie lebenbige Entwicklung längst weitergegan­gen ist? Man braucht gar nicht einmal den Willen bes polnischen Partners, zu seinem Wort zu stehen, grundsätzlich in Zweifel zu ziehen; und die Unter» stellung, die polnische Politik sei zutiefst von dem geheimen Wunsch der bewußten Schädigung Dan­zigs beherrscht, wäre zweifellos falsch. Wenn aber ein aus Verfall und Staatenlosigkeit sich verjüngt erhebendes Volk wie das polnische anschickt, seinen Lebensinteressen Gestalt zu geben, wenn es, ehr­geizig und mit der ganzen Freude an der wieder­gewonnenen Macht eine halbe Stunde von Danzig entfernt mit Millioneninoestierungen dem nackten Strand und Moor einen ständig sich ausdehnend en Hafen abringt, bann ist es nur zwangsläufig, wenn sich bas natürliche Schwergewicht des polm- scheu seewärtigen Handels nach Gdingen ver­lagert.

Diese Erfahrung muß Danzig heute machen und sieht sich damit Realitäten gegenüber, die stärker sind als der Buchstabe ber Abkommen unb Ver­träge. Zumal nach der Einführung ber Devisen­bewirtschaftung suchte sich der Warenstrom in noch nie erlebtem Maße den Weg über ben aufnahme» freubigen Kunsthafen jenseits ber Zoppoter Höhen. Danzig hat bie Devisenbewirtschaftung aufgegeben, bie Gulbenbewirtschaftung ist gelockert, der Handel genießt alle vorn Staat zu verantwortenden Er­leichterungen. Nur eines lag außerhalb der Kraft Danzigs: den War en ström, der ben Weichsel- unb Mottlauhafen einmal verlassen hatte, wieder in bas alte Bett zu lenken.

Daß bie Danziger Regierung auf bem Wege di­rekter Verhandlungen Erleichterungen zu schaffen sucht, enchebt sie nicht der Notwendigkeit, der Wirk­lichkeit ins Gesicht zu sehen. Diese Wirklichkeit be­sagt, daß Danzig in der bisherigen Form nicht leben kann. Deshalb die tief einschneiden­den Sparmaßnahmen, deshalb soll nicht eine die völkischen Existenzgrundlagen gefährdende Verarmung Platz greifen der für alle Beteilig­ten schwere Entschluß, bie Pensionäre ins Reich zu schicken. Ein bitteres Los für bie Be­ttoffenen. Der Plakate unb Schilber, bie leere ober noch freiwerbenbe Wohnungen in ben Städten des Freistaates ankündigen, sind viele, und die Mö­belspediteure haben in diesen Tagen vollauf zu tun. Diese durch die Not erzwungene HmfieMung ist ein tragisches Kapitel. Es ist nicht nur der Ausfall an Kaufkraft, es find auch nicyt nur die seelischen Komplikationen, das Scheiden von der Heimat, die schmerzliche Trennung von Verwandten, bas Zu­rücklassen teurer Gräber neben denen man selbst seins letzte Ruhs zu finden gedacht^ -- es P vor