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An die Bevölkerung des Kreises Gießen!

Am Sonntag, dem 25. August, findet auf dem llniversitätssportplah die haupt- sportveranstattung des Bannes und Jungbannes 116 statt. Ich richte an die Be­völkerung die herzliche Bitte, ihre Verbundenheit mit der Hiller-Jugend zu zeigen und an dieser Veranstaltung recht zahlreich teilzunehmen.

Was kann einem Volke geschehen, dessen Jugend aus alles verzichtet, um seinen großen Idealen zu dienen.

heil Hitler!

Gez.: Klostermann, Lreisleiter.

An Alle!

Am 2 4. u n d 2 5. A u g u st findet auf dem llniverfilatssportplah in Gießen das ,

Sportfest des Bannes undZungbannes 116 statt. Dir erwarten, daß recht viele Volksgenossen das Sportsest der HZ. besuchen, damit alle in die aus dem Gebiete der körperlichen Ertüchtigung von der HZ. ziel- bewußt betriebene Arbeit einen Einblick bekommen. Die Sonderveranstal- lungen, an der sich auch INarine-HZ. und Flieger-HI. beteiligen, beginnt am Sonntagnachmittag um 15 Uhr. Wer unsere Jungens beim friedlichen Wettkampf sehen will, der besuche schon vormittags unsere Sportwettkämpfe. Aus den hinder - nisgepäckmarsch weisen wir besonders hin.

Als Abschluß des Baunsportsestes findet am Sonntag um 20.30 Uhr aus dem Brandplah vor dem Alten Schloß ein

großes Gingen der HI. und desIV.

statt, an dem 650 hiklerjungen und Pimpfe teilnehmen. Außerdem wirkt der Lands­knechts-Trommel- und -Aanfarenzug des Jungvolks mit. Anschließend Schloß- beleuchtung.

heil Hitler!

Oer Führer des Bannes 116.

21t. d. $. b.: gez.: Schreiber, Gefolgschaftsführer.

Gingen der ÄJ.

am Gonntag um 20.30 Uhr.

In dem gestern veröffentlichten Aufruf der HI. ~2ln Alle!" war irrtümlicherweise anoegeben, daß das große Singen der HI. und des I V. am Sonntag um 19.30 Uhr auf dem Brandplatz stattfinden solle. Wie uns heute morgen von der zuständigen Stelle der Bannführung mitgeteilt wird, findet das Singen er st um 2 0.30 Uhr statt.

Deutsche Arbeitsfront.

Winzerfest am 31. August, 1. und 2. September in der Gießener Volkshalle.

An diesen Tagen findet das diesjährige Winzer­fest statt, das voriges Jahr so großen Beifall ge­funden hat. Dieses Jahr ist noch der Montag hin­zugenommen worden, um dem Fest den richtigen Ausklang zu geben. Für Humor und Heiterkeit wird bestens gesorgt, denn namhafte rheinische Künstler sind an diesen Tagen vertreten und sor­gen für Stimmung. Die Preise für Getränke sind äußerst niedrig gehalten, so daß es jedem Dolks- aenossen möglich sein wird, das Winzerfest zu be­suchen.

Bunter Abend mit Willy Reichert am 24. August in der Volkshalle in Gießen.

heute Bunter Abend mit Willy Reichert in der Volkshalle in Gießen, Anfang 8 Uhr. Kasse ab 7 Uhr geöff­net.

Achtung!

Abfahrt der Omnibusse an die Edertalsperre (Waldeck) am Sonntag, 25. August.

Die Abfahrt geht vom Hauptbahnhofplatz Gie­ßen Sonntag, 25. August, morgens 7 Uhr. Als Fahrkarte gilt die von der Geschäftsstelle erhaltene Quittung.

Abteilung für Arbeitsführung und Verufserziehung in der Kreiswallung Gießen.

AusstellungRhein-Walnische Wirtschaft- Frankfurt a. 2U.

In der Zeit vom 24. August bis 8. September findet in Frankfurt a. M. die AusstellungRhein- Mainische Wirtschaft" statt. Zum Besuch dieser Ausstellung werden verbilligte Eintrittskarten zum Preise von je 30 Pf. ausgegeben. (Der normale Preis beträgt 1 Mark.) Während der Ausstellungs- zeit werden von der Reichsbahn an allen Tagen Sonntagskarten zum Besuch dieser Ausstellung aus­gegeben. Verbilligte Eintrittskarten sind erhältlich m der Geschäftsstelle der Arbeitsführung und Be­rufserziehung in der Kreiswaltung Gießen, Lony- straße 18.

Gportkurfe »Kraft durch Freude-.

Schwimmen und Radfahren für das Reichssportabzeichen!

Das Schwimmen für das Reichssportabzei­chen wird am heutigen Samstag um 17 Uhr in der Müllerschen Badeanstalt abgenommen. Treff­punkt am Sprungturm.

Das Radfahren wird am morgigen Sonn­tag, 25. August, um 9 Uhr pünktlich abgenommen. Treffpunkt am Schützenhaus.

Der Kursus Leichtathletik auf dem Uni­versitätssportplatz muß heute und am Samstag, 31. August, aus fallen!

Reue kdF. Sportkurfe!

Schwimmen.

Am Mittwoch, 28. August, beginnen um 20 Uhr und 21 Uhr neue Schwimmkurse im Volksbad. Kosten: DAF.-Mitglieder 6 Sportmarken zu 30 Pf., = 1,80 Mark, Nichtmitglieder 6 Sportmarken zu 60 Pf. = 3,60 Mark. Anmeldungen auf dem Sportamt oder vor Beginn der Kurse im Volks- bad.

Reiten.

Für den am kommenden Mittwoch, 28. August, beginnenden neuen Reittursus können noch zwei Anmeldungen angenommen werden. Die Kosten betragen für DAF.-Mitglieder 8 Sportmarken zu 1 Mark = 8 Mark, für Nichtmitglieder 8 Sport­marken zu 1,50 Mark = 12 Mark.

Reichssportabzeichen.

Für diejenigen Volksgenossen, die noch in die­sem Jahre das Reichssportabzeichen erwerben wol­len, richtet das Sportamt KdF. einen weiteren Vor­bereitungskursus ein. Dieser beginnt am kommen­den Donnerstag, 29. August, um 18.15 Uhr auf dem Universitatssportplatz. Kosten: DAF.-Mitglie­der 8 Sportmarken zu 30 Pf. = 2,40 Mark, Nicht­mitglieder 8 Sportmarken zu 50 Pf. = 4 Mark.

*

Das Sportamt KdF. ist täglich von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Telephon 2919.

Landfchastsbund Volkstum undHeimat.

Orlsrlng Gießen.

Die Leitung der AusstellungRHein- Ma ini sch e Wirtschaft" in Frankfurt a. M. hat uns Vorzugseintrittskarten zum Preis von nur 30 Pfennig gegenüber einem Einzeleintrittspreis von 1 Mark zur Verfügung gestellt. Die Karten werden bei der Ortsringleitung,

Weserstraße 4, und beim Kassenwart, Friedrich­straße 16a, ausgegeben an Mitglieder und Freunde unseres Bundes und der angeschlossenen Vereine. Die Reichsbahn gibt für die Dauer der Ausstellung vom 24. August vis 8. September auch an Wochen­tagen Sonntags karten mit dreitägiger Gül­tigkeitsdauer an Besucher der Ausstellung aus.

Wer ist vom Pflichtarbeitsdienst befreit?

Verschiedene Gesuche um Befreiung von der Ar­beitsdienstpflicht an Ministerien und Dienststellen des Reichsarbeitsdienstes haben die Leitung des Ar­beitsdienstes veranlaßt, Stellung zu nehmen. Wir bringen nachstehend das Wichtigste.

Das Reichsarbeitsdienstgeseh vom 26. Juni 1935 hat die Arbeitsdienstpflicht für jeden jungen Deut­schen eingeführt. Eine Befreiung davon ist nur bei Vorliegen folgender Voraussetzungen möglich:

1. Der Arbeitsdienstpflichtige wird bei der Muste­rung für arbeitsdienstuntaualich befunden.

2. Der Arbeitsdienstpflichtige kann eine bereits freimütig abgeleistete Arbeitsdienstzeit von 26 Wochen nachweisen. (Solche, die vor dem 15. Dezember 1933 ihrer Arbeitsdienstpflicht genügt haben, haben entsprechend den damali­gen Bestimmungen 20 Wochen nachzuweisen.)

3. Der Arbeitsdienstplichtige hat bereits in der Wehrmacht ober Polizei aktiv gedient.

4. Der Arbeitsdienstpflichtige hat feine studentische Arbeitsdienstpflicht abgeleistet und ist im Besitz des Pflichtenheftes.

Neue Kurse in Kurzschrist und Maschinenschreiben.

Von der Ortsgruppe Gießen der Deutschen 6te- nografenschaft wird uns geschrieben:

Es ist heute nicht mehr notwendig, noch eilt Wort über die Bedeutung der Kurzschrift zu sagen. Die Tatsache, daß in Deutschland heute 10 bis 12 Millionen die Kenntnis der Deutschen Kurzschrift besitzen, zeigt deutlich, daß die meisten Volksgenos- sen erkannt haben, daß die Kurzschrift unerläßliche 1 Voraussetzung für fast alle Berufe ist. Bedauer­licherweise beschränken sich aber viele daraus, es höchstens bis zu einer niederen Geschwindigkeit au bringen, ober gar nur gerabe die Anfangsgrünoe zu erlernen, so daß sie mit ihrerKunst" nichts anfangen können und von einer wirttichen Beherr­schung der Kurzschrift überhaupt nicht die Rede fein kann. Dabei muß sich boch jeher barüber klar sein, baß, wie überall, auch auf bem Gebiete ber Kurzschrift nurLeistungen" zum Erfolg führen können. Wenn man mit Hilfe ber Kurzschrift be­ruflich vorankommen will, muß man überbürd)» schnittliche Leistungen aufweisen können. Aber immer kehren bie Klagen wieder, daß leistungsfähige Stenografen nicht aufzutreiben sinb.

Das gleiche gilt vom Maschinenschreiben. Bei den meisten Volksgenossen ist immer noch basTip­pen mit zwei Fingern" gang unb gäbe. Dabei ist burch Wissenschaft unb Erfahrung längst bewiesen, baß nur basZehn-Finger-Blinbschreiben" bie - allein sachgemäße, schonenbste unb flotteste Schreib­weise ist, bie zu erlernen sich jeher vornehmen sollte«

Die Leistungssteigerung auf beiden Gebieten ge­schieht mit Hilfe ber Organisation, bie sich mit ber Förberung unb Pflege ber Kurzschrift bereits 74 Jahre besaßt unb auch bem Maschinenschreiben bie ihr gebührenbe Achtung schenkt: bas ist bie Deutsche Stenografenschaft. Die hiesige Ortsgruppe ber Deut­schen Stenografenschaft beginnt am 2. September ihre Kurzschriftkurse und am 3. September ihre Maschinenschreibkurse. In den elf verschiedenen Lehrgängen ist jedem Gelegenheit gegeben, sich bis zu den höchsten Geschindigkeiten emporzuarbeiten. Es sei nur daran erinnert, daß bei den diesjähri­gen Wettschreiben eine ganze Reihe von Mitgliedern Leistungen von weit über 200 Silben zeigten und an der Spitze von ganz Oberhessen standen Beson­deren Wert legt bie Stenografenschaft auf die für bie Leistungssteigerung besonders wichtige rebe­schriftliche Unterweisung, bie für die Besucher der Diktatkurse vollkommen kostenlos ist.

Näheres ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen, bie man zu beadjten bittet.

Das Goldene Militär-Verdienst -Kreuz

kameradfchaflsbezlrk Frankfurt-Gleßen-Würzburg.

Vor etwa Jahresfrist hatten sich die Ritter bes Preußischen Golbenen Militärverdienstkreuzes, des Pour le Märite ber beutfchen Unteroffiziere", in Berlin zu einer Kamerabfchaft zufamnftzngeschlossen. Seitdem ist die Kamerabfchaft in soldatischem Geist treu gepflegt worden und es vereinigten sich die Frankfurter Ritter desGoldenen" regelmäßig zu Kamerabschaftsabenden. Auch im weiten rhein- mainischen Bereich ist bie Pflege der Kameradschaft aufgenommen worben. Es sind die Kameraden aus dem Bereich ber Hauptversorgungsämter Frankfurt, Gießen unb Würzburg zu einem Bezirk zusammengefaßt, besten Leitung in ben Händen bes Inspektors der Frankfurter Rat- Hausverwaltung, Gustav Ide, liegt. Angehörige dieser Kameradschaft desGoldenen", der auch die Ritterschaft des Pour le M6rite lose angeschlossen ist, sind in folgenden Orten des Bezirks Frankfurt- Gießen-Würzburg: neun in Frankfurt, zwei in

Zu jedem kommt einmal das Glück.

Zfioman von Gllen Kulm

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

2. Kapitel.

Weit von Europa, mitten im persischen Hoch­lande, saßen an diesem selben Tage zwei Männer mit ihren kurzen Pfeifen vor dem Eingang ihres Schlafzeltes.

Nun, Friedrich, gestehe, daß es sich hier recht angenehm sitzt. Dir muß doch weiß Gott schon der Kopf rauchen, wenn du bei der kleinen Lampe so viele Stunden über ben Skizzen unb Plänen sitzt. Dein fanatischer Fleiß kennt halb keine Grenzen mehr."

Aber du weißt boch, Rolf", hörte man bie Ruhige, tief Stimme bes Angesprochenen,baß ich meine guten Grünbe bazu habe. Es ist boch gerabe in beinern Interesse, wenn ich bir bie Pläne für die Strecke ber Bahn, bie bu in meiner Abwesen­heit weiterführen sollst, so ausgearbeitet als mög- lich übergebe. Man muß boch so vieles bebehten."

Ich weiß schon'. Aber fange jetzt nicht bavon an. Morgens, wenn bu willst, schon um vier Uhr, aber jetzt laß uns ben Abenb genießen. Der Him­mel mit seinem Sternenmeer könnte ebenso gut über unserer beutschen Heimat leuchten."

Ja, bie Heimat! Unb nun werbe ich sie wieber- sehen! Nächste Woche geht bie ,Abukir' ab. Unb unsere Karawane braucht wenigstens vier Tage ba» zu. Wirb bebeutenb schneller gehen, bis unser Zügle lausen wirb."

Dein Zügle, Friebrich! Ich bin nur ein be- scheibener Mitarbeiter, unb bu kannst mir glauben, es fällt mir manchmal sehr schwer, baß ich jetzt allein weiter arbeiten muß. Daß bu auch gerabe jetzt Heimaturlaub nehmen mußt!"

Rolf, ich war brei Jahre nicht mehr in Europa!"

Eben barum! Hätte es nicht noch ein paar Monate Zeit gehabt bamit, bis wir über bas Ge­birge hinüber sinb?"

Du wirst es sehr gut allein bauen, mein Junge. Im übrigen: es hat keine Zeit mehr gehabt. Unb ich muß mich höllisch dazuhalten, um bie ,Abukir' nicht zu verpassen. Ich darf sie nicht ver­passen, denn sie ist schon die allerletzte Gelegenheit, rechtzeitig nach Europa zu kommen."

Der andere machte einen tiefen Zug aus feiner Pfeife unb lachte bann kurz auf.

Du bist immer ein guter Freund gewesen, Fried­rich. Aber erzählt hast du niemals viel von bir. Wenn man bich so reben hört, so möchte man

glauben, bu fährst nach Deutschlanb, um bir eine Frau Heimzuholen."

Nun, Rolf unb wenn es so wäre?!"

Was?" Der anbere sprang auf.Aber bas ist boch wohl nicht möglich! Du machst einen Scherz, Friebrich!^

Ich würbe nie bamit scherzen, unb ich verachte bie Menschen, bie bas tun können. Ja, ich fahre nach Deutschlanb, um ein Mäben zu fragen, ob es meine Frau werben will!"

Rolf Werber, ber trotz feines lebhaften Tempe­raments auch feinen Gleichmut immer wieber schnell zurückfanb, hielt bem anberen bie Hanb hin.

Nun, bann meinen herzlichsten Glückwunsch, Friebrich! Nun verstehe ich auch beine Eile. Du bist aber boch auch ein komischer Heimlichtuer. Lebt man mit bem Jungen zwei Jahre zusammen, teilt Arbeit unb Schlafzelt, unb weiß nichts von ihm. Habe ich bir nicht immer getreulich mitgeteilt, wenn ich einen Brief aus ber Heimat von Liselotte, meiner Jugenbfreunbin, bekam, bie ich vielleicht auch einmal heirate, wenn ihr bas Warten nicht au lang wirb. Unb Liselottes Bild kennst bu auch. Aber bu hast nicht ein einziges Mal auch nur ein Sterbenswörtchen von einer Braut gesagt, wenn du deine Post erwartet hast."

Das Mädchen, an das ich denke, hat mir nie­mals geschrieben, Rolf. Du darfst es mir glauben. Aber ein Bild von ihr will ich dir gern zeigen."

Mit Interesse betrachtete Rolf seinen Freund, ber aus seiner Brusttasche ein kleines Bilb hervorsuchte unb es bem Freunb hinhielt. Eine kleine Taschen­lampe blitzte auf, unb Rolf beugte sich mit unver­hohlener Spannung ifter bie Photographie, um im nächsten Augenblick hell aufzulachen.

Also boch ein Scherz, Friebrich."

Wieso benn?"

Ist ein reizenbes Mädelchen, muß man ihr lassen mit ben kurzen Löckchen um bie Ohren! Aber wie alt ist sie benn?"

Auf bem Bilb hier? Ich glaube, fünf Jahre alt. Ich besitze aber kein anberes Bübchen von ihr."

Rolf betrachtete mit immer wachsenberem Stau­nen ben Freunb. Aber ba er bas Gefühl hatte, daß Friebrich auch von selbst mehr sagen würbe, so reichte er bas Bilb zurück unb klopfte bebächtig unb erwartungsvoll feine Pfeife aus.

Sieh mal, Rolf, ich will bir die Sache erzählen. Du sollst nicht an mir unb meiner Aufrichtigkeit Zweifel hegen. Aber es gibt Dinge, über bie man gar nicht ober nur in ganz seltenen Augenblicken sprechen kann. Du weißt, baß ich ben Welt­krieg von Anfang bis zu Enbe mitgemacht habe, bin auch ein paarmal verwunbet gewesen. In wirklicher Lebensgefahr war ich aber eigentlich nur einmal. Es war an ber Somme. Wir lagen wochenlang im Schützengraben; bas eintönige Trommelfeuer, bas Warten, bie Langweile, bös Grauen zerrten an unseren Nerven. Damals gab

es nur einen Menschen, ber uns mit seinem Mut, feiner Tapferkeit, seiner wortkargen, aber glühen- ben 23aterlanbsliebe half, biese Zeit zu ertragen. Das war unser Major Herbert von Jnnemann. Ein Mensch, ber uns zuerst finster unb verbissen schien, unb ben wir bann, als wir ihn erkannten, leibenschastlich liebten. Er war ein Vorbild von Ausdauer, Kameradschaftlichkeit, ein lauterer Mensch. In seinem Privatleben schien er uns tief unglücklich zu sein. Er erhielt selten Post, sprach niemals von seiner Familie, war sehr früh er­graut.

Dieser Major von Jnnemann schickte mich nun einmal auf Vorposten, das heißt, er schickte niemals einen von uns auf einen gefährlichen Weg, er fragte immer nach Freiwilligen, und wir alle mel­deten uns wie ein Mann. Wir wußten, daß Jnne­mann nur das von uns verlangte, was fein mußte. Ich bezog einen Schützengraben, ber schon geräumt war, unb bort würbe ich durch eine Granate nur leicht gestreift, aber zugleich verschüttet. Damals habe ich vierunbzwanzig Stunben lang mitgemacht, die die Hölle waren, und wenn ich Daran zurück­denke, so sind alle Entbehrungen, die mir hier bei unserer Pionierarbeit manchmal ertragen müssen, ein Kinderspiel. Zuletzt raubte mir eine wohl- tätige Schwäche das Bewußtsein. Als ich erwachte, lag ich im Feldspital.

Unb damals, siehst du, hat mich Major Jnne­mann gerettet Unter schwerster Gefahr, benn bie Franzosen nahmen gerabe zu ber Zeit ben eigent­lich schon geräumten Frontabschnitt erneut unter Feuer. Meine Kameraben berichteten mir später, daß sie ihn alle beschworen hatten, ben aussichts­losen Versuch zu meiner Rettung aufzugeben. Aber er ließ sich nicht abhalten unb ging ganz allein, benn er erlaubte auch niemanben, ihn zu begleiten. Ich will bir bas nicht wiebererzählen, was ich mir später von meinen Kameraben oft erzählen ließ, aber es muß ein grauenhafter Tobesweg gewesen sein, ben Major von Jnnemann ging, um einen blutjungen Leutnant feiner Kompanie zu retten. Ich habe ihm eigentlich niemals banken bürfen.

Aber ich bürste ihn nach Kriegsenbe auf feinem kleinen Besitz in Thüringen besuchen Er war ba- mals schon ein tobkranker Mann. Er hatte sich im Kriege ein schweres Herzleiben zugezogen, bas er nicht beachtete. Nun saß er einsam am Kamin in seinem großen büfteren Zimmer, bas nur burch bas golbige Haar unb bas fröhliche Lachen seines kleinen Töchterchens aufgehellt würbe. Unb ich war bamals selbst noch so jung, kaum zwanzig Jahre alt. Ich verstaub es so gut, mit ber kleinen Monika zu spielen. Wir würben oft so übermütig, baß ich manchmal erschrocken zu bem in warme Decken gehüllten Kranken hinüberblickte. Aber es freute ihn sichtlich, daß bas Kinb, bas sonst so wenig Heiterkeit um sich fand, an mir einen Spiel­gefährten hatte. Er hatte feine Frau so früh ver­

loren, daß das Kind keine Erinnerung an die Mut­ter fjatte.

Uebrigens sprach er nie von feiner Frau, und hier muß ein düsteres Geheimnis gewaltet haben, das wohl auch die Schuld an seinem einsamen Leben hatte. Ich kam bann öfter, bis ich ihn zuletzt so schwach fanb, baß er sein Lager nicht mehr ver­lassen konnte. Er, ber im Krieg so oft bem Tod ins Aug gesehen hatte, war auch jetzt gefaßt. Doch die Sorge um bie kleine Monika quälte ihn.

/Sie ist ein so gutes, liebes Kinb. aber sie tjat so ein lebhaftes, wilbes Blut. Jetzt bleibt sie allein zurück. Meine Schwester wirb sich ihrer wohl an- nehmen, solange sie klein ist. Sie wirb auch für sie sorgen. Aber später, wenn Monika erwachsen ist, bann wüßte ich gern, baß jemanb ba ist, ber für sie sorgt.'

Ich kniete an seinem Lager nieber, brückte seine Hand an mein Herz und bat ihn um die (Erlaub­nis, selbst für Monika sorgen zu dürfen, solange sie klein fei. Später aber würde ich Monika einmal heiraten. Und ich bat den Sterbenden um seinen Segen für unseren Bund, den er selbst nicht mehr sehen würde. Er sttich mir sanft über mein Haar:

Mein lieber Junge!' sagte er. ,Wäre meine kleine Tochter ein wenig größer, so würde ich sie dir gern zur Frau geben. Aber bu kannst dich dock nicht mit einem Kinb verloben. Du kannst boch nicht so lange warten!'

,Herr Major!' rief ich, ,Sie haben mein Leben ge­rettet! Es gehört Ihnen! Nehmen Sie meinen Schwur entgegen, baß ich...'

Aber er ließ mich nicht zu Enbe sprechen. Er schickte mich fort unb bat mich, am Abenb wieber» zukommen. Unb ba teilte er mir seinen Entschluß mit.

Es sollte mein eigener freier Wille bleiben, ob ich einmal, wenn es so weit sei, um Monika von Jnne­mann werben wollte. Es sollte auch Monikas freier Wille bleiben. Bis zu ihrem einunbzwan- zigsten Geburtstag« würbe sie bei bes Majors Schwester, Frau von Riebers, aufwachsen. Sie würbe sie behüten unb für sie sorgen. In dieser Zeit sollte ich auch keinerlei Verbindung mit Mo- nifa haben, sie nicht besuchen und ihr nicht schrei­ben. Dann aber, wenn es bis dahin immer noch mein Wunsch unb Wille wäre, bann sollte ich kom­men unb um Monika werben.

,Unb wenn sich eure Herzen bann zysammenfin- ben, sagte Major von Jnnemann mit leiser Stimme, ,bann wird es bie Erfüllung meines lieb­sten Wunsches fein, unb mein Segen wirb such, meine beiben geliebten Kinber, umschweben/"

Friebrich von Gerling verstummte. In feinem schönen, schmalen von Strapazen und glühender Sonne gebräunten Gesicht spiegelte sich die Erre­gung jener weihevollen Stunde.

(Fortsetzung folgt!)