Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesien)
Gießener Crholunastätte „Eichgärten".
LW
Im Eichgärtengebiet ist in den letzten Monaten in eifriger Arbeit vieler Kräfte ein schöner Teich entstanden. Der Teich an der neuzuschaffenden Schlageterstraße, die in ihrem Unterbau schon völlig aufgeworfen ist, soll und wird zweifellos in Verbindung mit seinen Anlagen eine der schönsten Gießener Erholungsstätten werden. So wie sich die Wasserfläche und der ausgehobene Raum jetzt darbieten, handelt es sich um die endgültige Form. In einer Länge von etwa 450 Meter und einer Breite von 55 Meter ist ein ansehnlicher See entstanden, der der Stadt zur Zierde gereichen wird.
Demnächst wird der Teich nun auf den vorgesehenen Wasserstand etwa 1,50 Meter gebracht. Gegenwärtig ist die Wassertiefe noch aus Hochwasserrückstand und aus dem Grundwasserstand gering. Inzwischen hat sich aber schon ein starkes pflanzliches und tierisches Leben eingestellt. Schils- und Wasser
pflanzen in großer Menge und abwechslungsreichem Stand wachsen im und am Wasser, die Uferböschungen sind ebenfalls dicht bewachsen. Eine wilde Kamille blüht üppig und breitet ihren weißen Schimmer über die grüne Fläche und die schönen in den Teich vorgebauten Halbinseln.
Der Strahlenglcmz der hochsommerlichen Sonne tut ein übriges um das Bild, das sich dem Auge bietet, zu verschönen.
Frösche und Fische beleben das Wasser. Libellen huschen hin und her, stehen wie gebannt über dem Wasser und ihre glasklaren Flügel schimmern in der Sonne. Schwalben fliegen unauflörlich über dem Teich auf und ab. Wie wir hören, beabsichtigt man, das Wasser demnächst mit einer großen Anzahl von Karpfensetzlingen zu bevölkern. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
nr. 197 Drittes Blaff
Laßt die Blumen stehn!
Don Franz Hohen.
Es gibt Menschen, die alles, was grünt und blüht, als vogelfrei und herrenloses Gut betrachten. Wehe der Blumenhalde, über die sie geraten, wehe dem Baum, der einen Blütenzweig über die Mauer streckt, und der Geißblattranke, deren duftige Schößlinge durch die Lücken des Zauns ins Freie drängen! Ob sie Baum und Kraut mißhandeln und verstümmeln, gilt ihnen gleich, sie folgen dem Trieb, der Eingebung des Augenblicks — nur haben wollen, haben müssen! Jeder kennt das Bild, das ein vielbegangener Waldweg an einem Sonntagabend im Hochsommer bietet; alle paar Schritte weit liegen verlorene Blumen oder abgerissene und dann als lästige Bürde gedankenlos wieder weggeworfene grüne Zweige am Boden, und den Pfad entlang trauern an Busch und Strauch geknickte Reiser, die der Zerstörungwiderstanden und nun mit welkendem Laub den Wea verunzieren — kein schönes Bild für den, der sich gern an der Fülle und dem tiefen Einklang der Natur erfreut.
Warum werden ungezählte Blüten und Zweige gebrochen und zu soaenannten Sträußen vereinigt, um nach kurzer Gnadenfrist in den Ascheneimer zu wandern? Ist es wirklich Freude an der farbigen Pracht der mühelos gewonnenen Schätze, der irre- gehende Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach der Natur? Der Alpenjäger, der, am schroffen Gebirgsgrat über der gähnenden Tiefe hängend, einen Buschen Edelweiß „brockt" und seinem Schatz als Gruß ans Fenster steckt, kann sich immerhin darauf berufen, daß er das Liebeszeichen mit Einsatz seiner gesunden Glieder oder gar seines Lebens gewonnen hat, aber die von einer blühenden Wiese im Vorbeigehen abgerupften, schnell welkenden Blüten des Flachlands? Es ist so weit gekommen, daß die Verwaltungen der ostfriesischen Nordseebäder gezwungen waren, strenge Pflückoerbote au erlassen, um dem völligen Untergang der botanisch wertvollen Inselflora, vor allem der seltenen Pirola und der Stranddistel, in letzter Stunde oor- ^ubeugen.
Ausnahmen mögen gelten. Dem Kranken, den das Leiden an Haus oder Bett fesselt, soll ein bunter Feldblumenstrauß gern ein wenig Sonnenschein ins Zimmer bringen! Männer, wie Freytaa und Ranke, die emsiger Fleiß an den Schreibtisch bannte, brauchten, wie man weiß, je nach der Jahreszeit einen Stengel blühenden Seidelbasts, ein paar Vogelbeerreiser mit blutroten Beeren oder frischgrüne Birkentriebe, mit einer Efeuranke in ein geschliffenes Glas gestellt, um, wenn sie von der Arbeit aufblickten, das Auge zu neuer Sammlung darauf ruhen zu lassen; und mancher Naturfreund, der in der Ssadt zu leben gezwungen ist, sucht sich durch einen dunkelgrünen Föhrenzweig mit braunen Zapfen die Illusion des schmerzlich entbehrten Waldes zu verschaffen. Gemeinhin aber ist es nur* ein unreifes Gelüst, die launenhafte Freude am augenblicklichen Besitz. Und darin gleichen viele Erwachsene oft den Kindern — sie können von den zarten Blüten nicht genug erbeuten, doch ebenso schnell sind sie ihrer wieder überdrüssig. Darum schrieben, durch jahrzehntelange bittere Erfahrungen gewitzigt, die Mönche des Wallfahrtsklosters Andechs als gute Menschenkenner an die Pforte ihres sorgsam gepflegten Gartens:
„Für jeden Fuß ist jeder Gang, Für jeden Müden eine Bank, Für jedes Auge eine Blume Zum allgemeinen Eigentume, Für Herz und Sinn ist alles schier — Nur für die Finger ist nichts hier!"
Muß man überhaupt eine Blume pflücken, um ihrer froh zu werden? Riemer fand eines Tages Goethe am Rand einer entlegenen Waldmiese bei Tiefurt hingestreckt und in die innige Betrachtung einer prächtig erblühten Königskerze versunken. „Ich hätte sie gern mitgenommen und an mein Gartenhaus gesetzt", meinte der Richter, „aber habe ich größere Rechte als die vielen anderen, die vvrübergehen? Sie ist für alle gewachsen." Wer eine Blume findet, reiße sie nicht ab, sondern mache es wie Goethe, betrachte sie lange und liebevoll und nehme ihr Bild — jede Blüte, auch die unscheinbare, ist ja ein kleines Wunderwerk — mit allen Einzelheiten in sich auf; er wird staunen, was für ein kunstvolles Gebilde sie ist. er wird sie besser kennenlernen und größere Freude an ihr haben, als wenn er sie gedankenlos bricht,
um schließlich feinen anderen Gewinn davonzutragen, als daß er sie welken sieht; er wird damit einen Schritt vorwärts tun in der schweren Kunst, zu genießen, ohne zu besitzen. Wie heißt es doch in der „Verlorenen Handschrift"? „Der Professor hielt die lange Ranke eines Brombeerstrauchs, welch- über die Mauer herabhing, in der Hand und sah bewundernd auf weiße Blüten, grüne und gebräunte Beeren, welche in dicken Büscheln beieinander standen... und er wurde nicht müde, ein Büschel Moos zu betrachten, er bürstete es mit der Hand und leate es bald nach der einen, bald nach der anderen^Seite."
Wer auf diesem Wege in die wunderbare Mannigfaltigkeit und Schönheit der Pflanzenwelt tiefer einbringt, wird bald nur lebende Blumen und Gewächse, aus nahrhafter Erde getrieben um sich sehen wollen, wird lernen, auf den „Strauß" zu verzichten und ihn als das anzufehen, was er ist — ein unzulänglicher, schnell vergänglicher Ersatz des Lebens; denn das Schönste an unserem Naturbesitz ist doch die Freude, eine Pflanze keimen und wachsen zu sehen, Zeuge zu sein, wie sie sich von Tag zu Tag mehr entfaltet, Blätter, Knospen und Blüten treibt.
Eine vielbesuchte deutsche Stadt, altberühmt durch die verschwenderische Fülle von landschaftlicher Schönheit, die die Natur über sie ausgegossen hat, ist dem Bestreben zum Schutz der Pflanzenwelt in einer Form mit gutem Beispiel vorangegangen, der man Nachahmung wünschen möchte. Wer die laubgrünen Odenwaldberge um Heidelberg durchstreift,^ findet an den Wegscheiden Tafeln in
„Marterln"-Form, aus deren tiefrotem Grund ihm ein in frischen Farben gemalter Blumenkranz entgegenleuchtet, und darunter den Mahnspruch:
„Laßt die Blume stehn
Und den Strauch —
Andere, die vorübergehn. Freuen sich auch."
Militärfohrkarten für Wehrpflichtige.
Eine Neuregelung vom 1. September an.
In Nr. 38 des Teils II des Reichsgesetzblattes 1935 ist eine Verordnung des Reichs- und preußischen Verkehrsministers zum Militärtarif für Eisenbahnen enthalten, in der es heißt:
„An Einzelreisende, und zwar an die zur Ableistung des a k t i v e n W e h r d i e n st e s, an die zur Ableistung des Wehrdienstes im 23 e uY l a u b t e n= ft a n b unb an bie zu Ausbilbungsübun- g e n in ber Wehrmacht eingezogenen Männer (Offiziere, Unteroffiziere, Mannschaften unb Wehrmachtbeamte) finb vom 1. September 1935 an Militärfahrkarten zu verabfolgen:
a) bei ber Einberufung vom Wohnort zum Gestellungsort gegen Vorzeigen bes Gestellungsbefehls ober bes Einberufungsschreibens;
b) bei ber Entlassung in bie Heimat ober nach bem künftigen Wohnort gegen Vorzeigen des Militärpasses ober ber Entlassungsbescheinigung;
Samstag, 24. August 1935
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463 D
Seltersweg 67 Telephon 3170
c) bei Reisen zur ärztlichen Untersuchung außerhalb bes eigentlichen Musterungsgeschäfts ober zur psychologischen Prüfung für bie Hin- unb Rückreise gegen Dorzeigen bes Aufforberungsschreibens.
Die Gestellungsbefehle, Einberufungs- unb Auf- forberungsschreiben werben in ber entmilitarisierten Zone burch bie Zioilbehörben, sonst burch bie militärischen Dienststellen ausgestellt.
Im Bebarfsfalle können Einberufene bei Einzelreisen auch auf Militärfahrscheine befördert werben. Bei Reisen zur M u st e r u n g unb bei Reisen zu Wehrversammlungen bars ber Militärtarif nicht in Anspruch genommen werben.
Die entgegenstehenben Bestimmungen bes Militärtarifs für Eisenbahnen vom 18. Dezember 1931 (Reichsgesetzblatt II Seite 603) werben hiermit aufgehoben."
ßtffie Henckell.
Die neue jugendliche Lalondame und Naive des Gießener Stadttheaters.
Mein Vater ist Kaufmann, lebte einige Zeit in Englanb, unb so mürbe ich am 8. April 1912 in Lonbon geboren. Ich war kaum 1 Jahr alt, als wir nach Buenos Aires zogen, wo ich bie ersten Jahre meiner Kinbheit verlebte. Später übersiedelten wir nach Deutschland, und ich besuchte in Hamburg die Schule. Schon damals machte sich ber Wunsch bemerkbar, zur Bühne zu gehen. Kein
Schulfest verging, an bem ich nicht remitieren mußte; mit Vorliebe führte ich Regie bei Märchenveranstaltungen. Enblich — mit 15 Jahren hatte ich es bet meinen Eltern burchgesetzt, Schauspielunterricht zu nehmen. Mein Lehrer, bamals Regisseur am Altonaer Stabttheater, brachte mich bort auch als Elevin unter. Dort machte ich meine ersten Gehversuche auf ber Bühne. Da ich auch fingen konnte, übernahm ich burch Zufall eine Rolle am Hamburger Operettenhaus unb würbe baraufhin ein Jahr verpflichtet. Ich wollte aber gern nur zum Schauspiel unb ging nach Altona ans Stabttheater zurück, wo ich zwei Jahre tätig war. Intendant Schultze- Griesheim engagierte mich für das Stadttheater in Gießen; ich bin glücklich über diesen Abschluß und freue mich unendlich auf die kommende Spielzeit. —
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Nhem-Mainisches Musikfest in Bad-Nauheim.
Die Zeiten, in denen die Musikfeste nur so aus dem Boden schossen, sind vorbei. Die Reichsmusik- fammer hat da mit Recht einen Riegel vorgeschoben, denn der künstlerische Erfolg stand oft durchaus nicht auf der Höhe, die der hochklingende Name verlangt. Anläßlich des 100jährigen Bestehens bes Nauheimer Babes veranstaltet die Stadt auf Veranlassung bes Generalmusikdirektors Stöver jetzt ein solches Fest, bei bem fast ausschließlich Komponisten des Rhein-Maingebietes zu Worte kommen. Die Reichsmusikkammer findet gerade die Badestädte für eine solche Veranstaltung besonders geeignet, weil so bem internationalen Publikum Gelegenheit geboten wirb, sich mit ben künstlerischen Bestrebungen bes neuen Deutschlanb bekannt zu machen.
Eröffnet würbe bas Fest mit einer Veranstaltung in bem akustisch nicht gerabe sehr geeignete kleinen Bühnensaal. Die Folge beftanb aus ben Werken unserer Großmeister, bas „Mainzer Streichquartett" spielte einen Satz aus einem Beethovenquartett recht gefeilt, aber" noch nicht ganz schlackenfrei, und Eva Liebenberg (Alt) sang mit prachtvoller Stimme unb außerorbentlicher Dortragskunst Lieder von Schubert unb Wolf, fast zu temperamentvoll begleitet von Schirmer, Berlin.
Das Orchesterkonzert am Abenb brachte dann bie Werke ber genannten neuzeitlichen Kom- fionisten. Eingeleitet würbe es burch eine musizier- reubige „Abenbmusik" von F. Schaub (Frank- urt am Main), bie harmonisch unb auch in ber Orchesterbehanblung von Wagner unb Strauß beeinflußt ist Das Finale aus ber Sinfonie für Streichorchester von Helmut Backe (Frankfurt am Main) ist in ber Hauptsache polyphon gehalten. Es zeugt von einbringlichem Stubium ber alten Meister. Leiber ist die zu einheitliche Farbgebung gerade des Streichorchesters nicht geeignet, die kontrapunk- tische Arbeit in voller Klarheit erstehen zu lassen.
Die „Musik für Klavier und Orchester" von Arthur Grüber (Frankfurt a. M.) geht harmonisch oft über die Grenzen der Tonalität hinaus. Der Stil des Werkes ist noch zu uneinheitlich, bie Themen nicht gerabe bebeutenb. Eigenart und Le
bendigkeit besitzt zweifellos die rhythmische Prägung. Die starke Verwendung der Schlagzeuge verschiedenster Art wirkt recht äußerlich. Das Soloklavier wurde von O. Franze (Bad-Nauheim) virtuos gespielt. Don Philipp Mohler (Landau) hörte man ein Rondo für Bläser, Streicher und Schlagzeug. Ein reizvolles Thema wird harmonisch recht kühn abgewandelt, die Behandlung des Orchesters ist erfreulich maßvoll. Die „Unsterblichkeit" für hohe Stimme und Orchester von Johanna S e n s t e r (Oppenheim) geht harmonisch in den Bahnen Max Regers. Das ganze Werk wirkt etwas episodenhaft, obwohl Ansätze zum Zeichnen großer Melodiebögen von schlichter Schönheit nicht selten sind. Nicht gerade vorteilhaft ist der zu dick auf- getragene Orchestersatz. Ria G i n st e r (Frankfurt am Main) setzte sich mit ihrer hohen Gesangskunst restlos für das Werk ein.
Musikalisch natürlich gibt sich Walter Zachert (Mainz) in seinem Präludium und Scherzo für Bläser'. Hier spricht sich ein starkes musikalisches Talent ungesucht aus. Obwohl er hier ganz auf ben Schultern ber alten Meister steht, ist boch Eigenart genug vorhanben. Der Satz ist kunstvoll unb doch natürlich, bie Behanblung ber Instrumente originell unb witzig.
Mit ben Variationen über ein Mozartthema von Werner Trenkner (Oberhausen) würbe ber Abenb beschlossen. Die verschiebenen Variationen finb geschickt gearbeitet unb einfallreid). Das harmonische Gewanb ist uneinheitlich, aber reizvoll. Das Orchester ist fast mozartisch behanbelt.
Insgesamt gesehen war ber erste Tag recht erfreulich, wenn er auch keine Offenbarungen brachte. Bebauerlich war ber schwache Besuch; befonbers bie Jugend, um die es doch auch musikalisch geht, war fast nicht vertreten. Wenn diese Musikfeste zu einer dauernden Einrichtung werden sollen (wie in der Ansprache betont wurde), so muß das allgemeine Interesse dafür mehr geweckt werden. Für das Gelingen des ersten Tages fetzte sich sehr opferwillig bas" Kurorchester unter Leitung bes Generalmusikbirektors Stöver ein. Wenn auch nicht alle Wünsche erfüllt würben, so ist zu bebenten, welche Konzentrationskraft von bem Leiter unb ben Mit- gliebern verlangt wurde, um all den Werken unterschiedlichster Prägung und Form gerecht zu werden.
Sanitätsdienst in Ztaiienisch-Ostafrika
Die Vorgänge der letzten Monate haben für die Italiener die Notwendigkeit ergeben, den Sanitätsdienst in ihren Besitzungen in Nord- und Oftafrika noch weiter zu verstärken. Dabei ist, wie in ber „Deutschen Mebizinischen Wochenschrift" berichtet wirb, bie Sanierung dieser Gebiete von ben Italienern in ben letzten Jahren bereits planmäßig unb ohne Rücksicht auf bie Kosten in Angriff genommen worben. Für bas Heer wie für bie Zivilbevölkerung stehen heute in allen größeren Orten höchst mobern eingerichtete Spitäler, Ambulatorien für bie Behandlung ber Tuberkulose, der bösartigen Geschwülste und tropischen Krankheiten, Desinfektionsanstalten und Beratungsstellen des Mutter- und Säuglingsschutzes zur Verfügung. Die sanitären Verhältnisse der europäischen und einheimischen Bevölkerung bessern sich daher von Jahr zu Jahr; nach dem letzten Bericht betrug die Sterblichkeit unter den Europäern kaum 8 vom Tausend, eine der niedrigsten Sterbeziffern der Welt überhaupt, für die kinderreiche einheimische Bevölkerung nur noch 20 vom Tausend, während in den Jahren vorher 25 vom Tausend Krankheiten zum Opfer fielen. Heute sind alle die Gebiete bekannt, die als gefährliche Infektionsherde in Betracht kommen, und so war es möglich, die Standorte der Truppen und Arbeitergruppen so zu wählen, daß ihrer Gesundheit keine besondere Gefahr droht. Die nach Ostafrika gesandten Truppen verfügen über eine ausgezeichnete sanitäre Organisation und werden vor der Einschiffung durch eine besondere Schrift über die Hygiene in den heißen Gegenden auf ihren Dienst vorbereitet. Auch die dreißigtausend Arbeiter, die gleichzeitig nach Ostafrika gesandt wurden, sind vorher eingehend ärztlich untersucht und gegen die wichtigsten tropischen Krankheiten vorbeugend behandelt worden. Die Hauptsorge der Hygiene-Kommission gilt der Trinkwasser-' und Eisbeschaffung für die Truppen und Arbeiterkolonien; die vor wenigen Jahren angelegten Wasserleitungen stehen unter strenger militärischer Bewachung, und in den größeren Städten sind modernste Eiserzeugungsmaschinen aufgestellt worden. Im Senat konnte Senator Castellani, der kürzlich von einer Inspektionsreise aus Ostafrika nach Rom zurückkehrte, mitteilen, daß der Gesundheitszustand
der Truppen und der Arbeiter ausgezeichnet ist. Von ben breißigtausenb Arbeitern würben bisher nur 240, bie an Malaria erkrankt finb, in die Heimat zurückbefördert. Eine epidemische Krankheit ist in den letzten Monaten nirgends aufgetreten.
7000 Eier als Krönunasgabe.
Im Herbst wird der künftige Dalai Lama in Tibet gekrönt. Die sieben weisen Lamas, hohe Priester, werden sich im Saal zu Potala versammeln und unter den zwanzig Kindern, die in der Sterbestunde des letzten Dalai Lama geboren wurden, den Herrscher heraussuchen. Dieses Kind wird mit dem heiligen Wasser des Ganges gesalbt werdeZf das man mit aufopfernder Mühe über ben Himalaya gebracht hat, unb schließlich wirb bas Kinb eine kostbare Krönungsgabe bekommen: 7 0 0 0 Eier, bie lange Jahre in ber Erbe vergraben gewesen finb. Die ersten Dutzenb bieser Eier wirb bie eigene Mutter bem jungen Herrscher übergeben, die das Kind später nicht mehr sehen wird. Sie darf sich aber aus ber geheimen Schatzkammer so viel Schätze mitnehmen, wie sie in ihren Armen tragen kann, benn sie hat ber bubdhistischen Welt ihren Sohn geschenkt, in bem sich Gautama roieber verkörpert hat.
Die aufreizende „DMone".
Manche Insassen ber Zoologischen Gärten haben merfmürbige Abneigungen gegen bestimmte Klei- bungsstücke. So berichtet ber Direktor bes Zoologischen Gartens in Melbourne, baß er sich vor einigen feiner Schützlinge nicht im steifen runben Hut, ber sogenannten „Melone", sehen lassen barf. „Ein alter Löwe", erzählt er, ,kommt mir nur bann freunblich unb herzlich entgegen wenn ich ihn in meinen ältesten Sachen besuche. Wage ich aber, in einem steifen Hut bei ihm einzutreten, so knurrt er mich sofort wie einen Fremden an und nimmt eine feindselige Haltung ein. Ebenso unbeliebt mache ich mich mit bieser Kopfbebeckunq bei meinen Leoparden und Bären. Der Drang Utang Jimmy wird durch die Melone in solche Wut versetzt, daß er aus jede Weise versucht, sie herunterzureihen und zu vernichten.


