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da tnlr auf wesentliche Hilfe vom Ausland nicht rechnen können (Blockade, Mangel an Zahlungs- Mitteln für die Einfuhr von Lebensmitteln).

Für die Mobilisierung des Arbeitsheeres, zu dem sowohl die Kopf- als auch die Handarbeiter jeder Art rechnen, wird eine allgemeine Kriegs­arbeitspflicht geschaffen werden müssen, die die Angehörigen beiden Geschlechts vom 17. bis zum 65. Lebensjahr erfaßt, soweit sie arbeitsfähig sind. Auszunehmen wären nur die weiblichen Volks­genossen, die einen Hausstand mit Kindern zu ver­sehen haben. Die Kriegsarbeitspflichtigen müßten sich zu jeder Zeit bereithalten, da eingesetzt zu wer­den, wo sie nach ihrer körperlichen oder geistigen Veranlagung gebraucht werden. Sie unterliegen den Kriegsgesetzen in ähnlicher Weise wie die An­gehörigen des Kampfheeres. Aehnliches hatten Hin­denburg und Ludendorff schon im Jahre 1916 mit dem Hilfsdienstpflichtgesetz beabsichtigt, leider wurde dieses durch den Reichstag derart ver­wässert, daß ihre Absichten in schädlichster Form durchkreuzt wurden. Daß im autoritären Staat der Gedanke bis zur vollen Wirksamkeit durchgeführt werden könnte, unterliegt keinem Zweifel.

Eine der wichtigsten wirtschaftlichen Kriegsmaß­nahmen ist die Umstellung aller dafür geeig­neten Betriebe von der Friedens- auf die Kriegswirtschaft, d.h. auf die Herstellung von Kriegsbedarf aller Art. Daß diese Um­stellung nicht, wie im Weltkriege geschehen, impro­visiert werden kann und darf, ist klar. Sie muß vielmehr im Frieden geplant und vorbereitet sein, wozu eingehende wirtschaftliche Mobilmachungs­arbeiten erforderlich sind, auf die im einzelnen hier nicht eingegangen werden kann. Alle hierfür vor­gesehenen Betriebe müssen mit ihrem Personal und ihren Einrichtungen durch ein Kriegsleistungs- 8 e setz für den Kriegsdienst herangezogen werden. Freiwilligkeit und zeitraubende Verhandlungen wie im Weltkriege müssen ausgeschlossen sein.

Neben der eigentlichen Kriegsindustrie, die selbstverständlich nur einen Teil der Gesamt­industrie erfassen wird, ist aber auch die Aufrecht­erhaltung der Industrie, die der Beschaffung des unbedingt notwendigen Bedarfs der Bevöl­kerung dient, ganz besonders aber desjenigen Teiles der Industrie erforderlich, der die Aus­fuhr nach Ländern betreibt, mit denen ein Han­delsaustausch möglich ist. Nur dadurch, daß wir uns eine lieferfähige Ausfuhrindustrie, soweit irgend möglich, erhalten, können wir uns die Einfuhr der notwendigsten Rohstoffe sichern. Die Erfassung und Verteilung der Rohstoffe muß im Gegensatz zum Weltkriege schon im Frieden durch­dacht und sofort bei Kriegsausbruch durchgeführt werden. Die Schaffung einer Kriegsrohstoffbehörde wird zu diesem Zweck notwendig sein.

Wir wollen nun eins der schwierigsten -Gebiete streifen: Die Finanzierung eines Krieges. Sie wird für Deutschland einerseits viel schwerer sein, als in den Jahren 1914/18, da wir damals ein reiches Volk mit erheblichem Gold- und Deoifen- vorrat waren, während wir jetzt verarmt sind und keine nennenswerten internationalen Zahlungs­mittel besitzen. Andererseits wird sie erleichtert werden dadurch, daß im nationalsozialistischen Staat der Begriff desKriegsgewinnlers" undenkbar ist und jeder Deutsche weiß, daß er zu jedem Opfer an Geld und Gut bereit sein muß, wenn es sich um die Rettung des Vaterlandes handelt. Daß ein von der Finanzierung des Weltkrieges völlig ver­schiedener Weg beschritten werden muß, ist klar. Worin bestehen nun die Kriegskosten in der Haupt­sache? 1. Persönliche Ausgaben (Besoldung und Verpflegung des Kampf- und Arbeitsheeres). 2. Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln. 3. Beschaffung des Kriegsmaterials.

Die persönlichen Ausgaben für das Kampfheer find selbstredend unvermeidlich, sie dürfen aber nicht annähernd die Höhe erreichen wie im Weltkriege. Ich denke hierbei u. a. an die unnötig hohe Besoldung der Dienstgrade und meine, daß diese nicht über die Friedensbesoldung hinausgehen sollte, zumal, da die Verpflegung aus praktischen Gründen im mobilen Verhältnis kosten­los geliefert wird. Wenn die Voraussetzung zu­trifft, daß das Kampfheer wefenttich weniger zahl­reich fein wird als in den Jahren 1914/18, so wer­den damit auch die persönlichen Ausgaben ent­sprechend geringer sein. Auch bei den Verpflegungs­kosten wird gespart werden können. Die Verpfle­gung muß reichlich, aber einfach sein. Verschwen­dung, wie sie im ersten Teile des- Weltkrieges, z. B. in ßiebesgaben, stattgefunden hat, muß ausge­schlossen sein.

Einfuhr von Rohstoffen und Lebens­mitteln kann nur durch entsprechende Ausfuhr

Heimat und Dichtertum.

Don Hans Franck.

Der mecklenburgische Dichter Hans Franck, der hier ein persönliches Glaubensbekenntnis ablegt, ist unfern Lesern seit langem aus zahlreichen Beiträgen im Feuilleton und in der Unterhaltungsbeilage bekannt; in den Familienblättern" erschien von ihm zuletzt der RomanDie Schusterkugel".

50 Morgen der Deutschen Erde, der mecklenbur- aischen Heimat gehören mir. Sie sind in schweren Jahren erarbeitet, erspart, erkämpft, erhungert wor­den und bilden nun die unerschöpfliche Quelle alles wahrhaften, dauernden Glückes. Das Haus selber, das dritte Gebäude auf unserm Fleckchen Erde, das auf drei Seiten von Wasser und Wald umgeben ist, horstet in den Bäumen. Der äußere und innere Zugang zu ihm ist nicht ganz leicht. Man muß schon die Flügel lupfen, wenn man bis zu ihm ge­langen will. Ist es seltsam, daß im allgemeinen Tiere dafür eine größere Geschicklichkeit und Be­harrlichkeit zeigen als Menschen? Tatsache jeden­falls: Auf demFrankenhorst" spielt sich der bedeut­samere und ungetrübtere Teil unseres Lebens nicht mit Menschen ab, sondern mit Tieren. Und mit Bäumen und Blumen, mit Wolken und Winden, in Garten, Acker und Wiese, auf, am und im See.

Denn die Heimat, in der das Dasein um so reicher und vielfältiger wird, je einsamer und e^facher man es führt, ist in unfaßbarem, in unbestimm­barem Maße für mich zu einem Teil meines Selbst geworden.

Darin drückt sich nicht etwa Flucht vor der Wirk­lichkeit und dem Dinglichen aus. Ich hab' draußen, in der sogenannten Welt, meinen Mann aestanden, zehn Jahre als Volksschullehrer in Hamburg und sieben Jahre als Dramaturg Louise Dumonts in Düsseldorf. Dies letztere Amt ist von mir zu einer Zeit, wo der Dramaturg eine mehr oder minder überflüssige, ja lächerliche Figur war, in einer Weise geführt worden, die vieles von dem Gegenwärtigen vorwegnahm. Ich brauche wohl nur daran zu er­innern, daß wir als erste Bühne im Reich den Einsamen" des damals noch gänzlich unbekannten Hanns Johft aufführten und, was mehr besagen will, durchsetzten.

Schwierigkeiten wird, wie erwähnt, vor allem die Versorgung mit Fetten und Kraft­futtermitteln verursachen. Wenn auch ein ge­wisser Teil davon aus dem Auslande wird beschafft werden können, so wird doch eine Einschränkung im Fettverbrauch und ein Rückgang der Milcher­zeugung voraussichtlich unvermeidlich sein. Immer­hin scheint die Gesamtlage der Verpflegung weniger bedrohlich als in den Jahren 1914/18, es fei denn, daß erhebliche landwirtschaftlich ergiebige Teile des Reiches vom Feinde besetzt würden. Das zu ver­hindern wird eine wichtige Aufgabe der Kriegfüh­rung fein.

Zweifellos wird die wirtschaftliche Kriegführung, die neben der Strategie und Taktik ein unendlich

wichtiges Gebiet der neuzeitlichen Gefamtkriegfüh- rung ist, sehr umfangreiche, sorgfältig durchdachte Friedensoorbereitungen erfordern, die von einer Art wirtschaftlichen Generalstabes in Zusammen­arbeit mit dem militärischen Generalstabe und dem Kriegsministerium geleistet werden muß. Dre wirt­schaftliche Kriegführung wird die geistige physische und finanzielle Leistungsfähigkeit desVolkes tn höchstem Maße beanspruchen. Wir wollen hoffen, daß dieses Opfer von unserem durch den Weltkrieg und seine äußeren und inneren Folgen schwer ge­prüften Volke in absehbarer Zeit nicht gefordert werden wird. Sollte es aber doch notwendig wer­den, so wird es von unserem durch Adolf Hitler geeinigten Volke gebracht werden.

Aerztliche Studienreise nach Amerika.

Medizinische Wolkenkratzer. - Fahrt durch die »Provinz-. - Bei deutschen Krankenschwestern in Neuyork.

Don unserem Sonderberichterstatter Dr. Kurt Kir.kenrach.

In dem steinernen Meer hoher und höchster Ge­bäude erhebt sich ein Bauwerk, das der ärztlichen Wissenschaft, Bildung und Krankenbilfe dient, das Medical Center o f New York. Der Ge­danke der Zusammenballung in einer Straße, einem Block ober einem Hochhaus kommt auch hier zum Ausdruck, indem Kliniken und Ambulatorien aller Spezialitäten Kinder, Augen, Haut, Innere Nerven, Chirurgie, Frauen, Röntgen in einem Häuserblock größten Umfanges zusammengepackt werden. Die europäischen Dimensionen verschwinden vor solch einem Häuserkomplex, in dem Hunderte von Aerzten ihrer segensreichen Tätigkeit nachgehen. Aber in dieser Stadt, wo das Empire State Building 380 m hoch ist, der Zentralbahnhof allein für feine Ver­waltung Wolkenkratzer gigantischen Ausmaßes be­nötigt, fällt das gar nicht auf. Die riesenhaften An­lagen bedingen eine umfassende Benutzung tech­nischer Hilfsmittel und zahlreicher Hilfskräfte. Die Arbeit des Arztes wird weitgehend entlastet durch stärkere Inanspruchnahme von Sekretärinnen.

Der riesenhafte Krankenhauskomplex dient auch der Ausbildung des ärztlichen Nach- wuchfes. Das Medizinstudium in Amerika ist keineswegs mit dem in Deutschland zu vergleichen. Die Medizinschulen sind meistens private Einrich­tungen, sie sind außerordentlich ungleich in ihrer Lei st una und werden dementsprechend von der American Medical-Association, der größten Aerztevereinigung Amerikas, klassifiziert, um die minderwertigen Schulen zu bekämpfen, da es kein gesetzliches Mittel gibt, um ihre Existenz zu verhin­dern. In manchem erinnern diese Zustände an Deutschland vor hundert Jahren.

Die deutschen Mediziner sind hier im all­gemeinen sehr angesehen, da man das ernste wissen­schaftliche Streben, die Reinheit der Zielsetzung und die Würde ärztlicher deutscher Gesinnung, die in erster Linie helfen und heilen will, anerkennt. Diese Tatsache hat manchem deutschen Arzt fein Los, im fremden Lande fein Brot suchen zu müssen, erleich­tern helfen. Aber die deutsche medizinische Wissen­schaft hat auch die offizielle Anerkennung Amerikas gefunden. Als vor Jahren, um den unhaltbaren Zu­ständen der Ausbildung amerikanischer Aerzte ein Ende zu machen, ein Beauftragter Amerikas Europa bereifte, um die Studien und Ausbildung der Aerzte in allen Ländern zu kontrollieren, kam er zu der Auffassung, daß die deutschen Aerzte die b e ft e wissenschaftliche Ausbildung in d er We l t erhalten. Die wissenschaftliche Erziehung zu­sammen mit der hervorragenden humanistischen Vor­bildung waren die Grundlagen des hohen Standes- ethos des deutschen Arztes und seines Ruhmes in aller Welt.

Die knapp 100 deutschen Aerzte, die jetzt Amerika besuchten, um mit offenen Augen zu sehen und zu lernen, muhten bei allem Erstaunlichen und Be­wunderungswerten, sei es in Neuyork, fei es in Detroit, Rochester bei den berühmten Brüdern Majo, in Washington, Philadelphia, Chikago, bei Zivil und Armee immer wieder hören, was Amerika den deutschen Aerzten verdankt, und warum sie die deutschen Aerzte schätzen und worin sie ihnen Vorbild sind. Deutschland hat in seiner ärztlichen Wissenschaft und im deutschen Arzttum einen wich­tigen Aktivposten in diesem Lande.

Neuyork ist nicht Amerika" war das erste, was ein amerikanischer Arzt bei unserem Emp­

fang in der großen Halle des New Weston Hotels uns entgegenrief. Neuyork mit feinen Wolken­kratzern, der wunderbaren Silhouette von Lower Manhattan mit feinen riesigen Warenhäusern, sei­nem hastenden Treiben, ist und bleibt Hafen- st ad t. 7,5 Millionen Menschen aller Raffen und Farben auf engem Raum. So zahlreich wie die Kirchen sind auch die Glaubensbekenntnisse dieser Stadt. Ein ganzes Negerviertel. Chinesenviertel und Ghetto. Aber die Rassen sind nicht auf ihre Wohn­viertel beschränkt. Fast 3,5 Millionen Juden treiben ihre Geschäfte in dieser Stadt. Neben dem technisch Großartigen, den ungeheuerlichen Häusern und Brücken, den schön gekleideten Frauen, den herr­lichen Auslagen in den Geschäften grinst das Elend in den engen Straße des Hafens, die fern von der Fifth Avenue und dem Broadway liegen. Neuyork ist ein ft e i n e r n es Meer. Kein grüner Baum in den Straßen. Wenige Parkanlagen im Verhältnis zur Riefengröße der Stadt. Auf den steinernen Vorstufen der kleinen Häuser, die schmutzig und verwahrlost aussehen, sitzen Mann, Weib und Kinder in knappster Bekleidung, um in später Abend­stunde der fürchterlichen Hitze ihrer Wohnhöllen zu entgehen.

Die Central Railway führte uns den Hudson aufwärts aus Neuyork. Die Eisenbahnlinie um­säumten kleine Holzhäuser, Einfamilienhäuser, die für unsere Begriffe einen kalten trostlosen Anblick boten. Sie stehen reihenweise nebeneinander, ohne Zaun, ohne jedes Grün, ohne eine Blume. Statt dessen steht fast vor jedem Haus ein Auto, und in größeren Abständen sieht man in Talmulden ein Gewirr von Eisenteilen und Blechen Auto- friedhöfe. Je weiter der Zug ins Innere fährt, desto lichter wird das Bild. Dann und wann zeigt sich ein grüner Rasenstreifen vor den Häusern. Erst in Detroit und im kanadischen Grenzland finden wir Gärten und schöne Dillen aus Stein in den verschiedensten Baustilen. Von Detroit, der Auto­mobilwerkstatt Amerikas, geht «s nach Chikago mit seiner großen deutschen Einwohnerschaft und seinen deutschen Erinnerungen. Die schönste Stadt Amerikas aber war für uns Washington, eine Stadt, in der das Grün vorherrscht wie m deutschen Gartenstädten.

Vom ärztlichen Standpunkt war die große Sehenswürdigkeit die berühmte Klinik der Brüder Majo in Roche st er (Minnesota). Die bekannten Prinzipien der amerikanischen In­dustrie hinsichtlich Normung und Rationa­lisierung der Arbeit sind hier in gewissem Sinne auch in der Medizin zur Anwendung gelangt. Ursprünglich waren es zwei Brüder, die gemeinsam operierten und immer mehr Spezialisten in den Dienst ihrer Klinik stellten, um so in der Diagnostik und Therapie ihren Patienten das Beste bieten zu können. Aus diesen Anfängen ist die weltberühmte Klinik entstanden, zu der die Kranken mit Auto und Flugzeugen eilen, um sich helfen zu lassen. Die deutschen Aerzte sind in Rochester in herzlichster Weise aufgenommen worden und haben gerade an dieser Stelle Dank und Anerkennung hören dürfen.

Es gab nur noch eine Besichtigung, mit der die Aufnahme in Rochester sich messen konnte. Das war der Besuch des Army Medical-Hospi- t a I in Washington. Trotz des Sonntags waren die höchsten Dienststellen dort geblieben, um die deutschen Aerzte zu empfangen und ihnen ein Bild der geradezu mustergültigen und vorbildlichen Einrichtung des amerikanischen Militärsanitäts­

bezahlt werben. Gold und Devisen werden wir wohl in absehbarer Zeit nicht in so nennenswertem Um­fange besitzen, daß damit ein wesentlicher Teil der unentbehrlichen Einfuhr bestritten werden kann. Daß uns das Ausland Kredite für feine Lieferun­gen bewilligt, erscheint auch bei günstigster Kriegs­lage ausgeschlossen, denn die Ausfuhrländer wer­den durch das Beispiel der Vereinigten Staaten von Amerika, die von der siegreichen Entente die Kriegs­kosten nicht eintreiben können, abgefchreckt sein. Daß nur die für die Kriegführung unentbehr­liche Einfuhr für uns in Frage kommen kann, entbehrliche Genußmittel und Luxuswaren für die Kriegsdauer ausscheiden müssen, kann keinem Zwei­fel unterliegen.

Die Beschaffungskosten für das Kriegsmaterial fetzen sich im wesentlichen aus den Kosten für die Rohstoffe und den persön­lichen und sachlichen Bearbeitungskosten zusammen. Die Kosten für ausländische Rohstoffe können von uns schwerlich beeinflußt werden, wenn auch natür­lich möglichst günstige Lieferverträge anzustreben sind. Die Kosten für inländische Rohstoffe werden dadurch gesteigert werden, daß der erhöhte Kriegsbedarf zur Erschließung von an sich nicht abbauwürdigen Rohstoffquellen, z. B. Erzvorkom­men, sowie zur Verarbeitung teurer Ersatzstoffe zwingen wird. Im übrigen aber muß eine lieber» Höhung der Rohstoffkosten durch unbedingte Liefer­pflicht zu fchärfstens kalkulierten Preisen vermieden werden.

Was nun die Verarbeitsungskosten be­trifft, so ist ein wesentlicher Teil derselben, die Personalkosten, durchaus beeinflußbar. Das A r b e i t s h e e r ist nach Kriegsgrundsätzen zu be­solden und zu verpflegen, d. h. die Arbeiter er­halten den gleichen Barlohn wie die Frontsoldaten, Familienzulagen für die zu ernährenden Ange­hörigen. Bei einer solchen Regelung würde der Zustand nicht wiederkehren, der im Weltkriege zu großer Unzufriedenheit geführt hat, daß der Front­kämpfer bei bescheidenster Besoldung sein Leben einsetzen mußte, während die Arbeiter in der Heimat weit über Friedenslohn verdienten. In ähn­licher Weife wie die Handarbeiter wären die zum Arbeitsheer zählenden Kopfarbeiter zu behandeln. Es wäre hierbei eine Regelung denkbar, daß je nach der Art der Leistung und der Höhe der Ver­antwortung die Gehälter denen der Dienstgrade im Heer (Unteroffiziere und Ofsiziere bzw. Militär­beamte) angeglichen würden.

Die sonstigen V e r a r b°e i t u n g s k o st e n, wie elektrischer Strom, Kohlen u. bergt, dürfen die Friedenskosten nicht überschreiten. Von einem besonderen Kriegsgewinn der zu Kriegslieferungen verpflichteten Werke darf keinesfalls die Rede fein. Divio end en oder sonstige Gewinne, die über einen festzusetzenden bescheidenen Satz hinausgehen, sind wegzusteuern. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist z. B. ein Nutzen von nur 3 v. H. für Kriegslieferungen vorgesehen. Ferner sind die Ver­arbeitungskosten durch äußerste Rationalisierung und Erhöhung der Arbeitszeit auf 9 bis 10 Stun­den herabzudrücken. Durch solche Maßnahmen würde die Beschaffung des Kriegsbedarfs relativ wesentlich billiger sein als im Weltkriege.

Die Kriegskosten sind vorwiegend durch Abgaben und nur zum geringeren Teil durch Kriegsanleihen zu decken, da nur so eine neue Inflation verhütet werden kann. Die Kriegs­abgaben würden sehr hart fein und das ganze Volk zu bescheidenster Lebenshaltung zwingen, die aber berechtigt ist, da der an der Front stehende Teil des Volkes bei größten Entbehrungen fein Höchstes, das Leben einsetzt.

Wir wollen nun zu einem besonders wichtigen Punkt, der Verpflegung, kommen. Don vorn­herein müssen alle Maßnahmen unter dem Gesichts­punkte vorbereitet werden, daß auf einen nennens­werten Zuschuß aus dem Auslande nicht zu rech­nen ist (Blockade, Mangel an Zahlungsmitteln). Wir wissen, daß unsere Selbsterzeugung an unent­behrlichen Lebensmitteln bis auf Fette, die wir noch zu 55 v. H. aus dem Auslande beziehen müssen, und bis auf Kraftfuttermittel, seit Kriegs­ende fo gestiegen ist, daß wir bei sparsamer Wirt­schaft damit unser Volk ernähren können. Wir dürfen nur nicht den Fehler begehen, daß wir, wie im Weltkriege, die Lebensmittel erst dann rationieren, wenn sie knapp werden. Es wird sich also im Ernstfälle nicht vermeiden lassen, daß s o - fort bei Kriegsausbruch für die wichtigsten Lebens­rnittel Karten ausgegeben werden. Verschwendung, wie im ersten Jahre des Weltkrieges, z. B. durch umfangreiche Liebesgabensendungen, die vielfach verdarben, muß gesetzlich ausgeschlossen werden.

Aber für jeden, der seine Lebensaufgabe nicht in der Umgestaltung, der Aenderung der Wirklichkeit, sondern in ihrer Gestaltung und Läuterung sieht, kommt die Stunde, in der sein Werk ihn so ganz hinnimmt, daß daneben in feinem Dasein nichts mehr Raum haben kann und darf. Dann tritt nach den Jahren des Bestimmtwerdens die Frage der selbsttätigen, selbstbestimmten Lebenshaltung vor ihn hin. Als sie für mich da war, diese Entschei­dungsstunde, beschloß ich der Mecklenburger, nach dem Süden, nach Bayern, zu ziehen. Ein Haus am Ammersee wurde besichtigt und für gut befun­den. Alle Abmachungen waren getroffen. Nur eines mußte noch geschehen: den Namen unter das sorg­sam vorbereitete, in allen Teilen anerkannte Schrift­stück setzen. Aber dies Letzte, dies scheinbar Win­zige, vollbrachte ich nicht. Ich ließ den Verkäufer samt Haus und Kaufvertrag sitzen und fuhr davon. Er hat mich sicher bis auf den heutigen Tag nicht begriffen. Ich aber begriff. Es gab für mich als Menschen und als Dichter nur eine lebenswerte Lebensmöglichkeit: die Rückkehr in die Heimat, die Verwurzelung in dem Boden, der mich gebar. Ge­wiß, Hebbel hat in Wien gelebt, nicht in Hamburg ober gar in Meldorf ober Wesselburen. Ader ob nicht boch in ihm manche Verkrampfungen gelöst, manche Ueberfteigerungen zurechtgerückt hätten, wenn ber Boben ber Heimat seinem Menschtum unb seinem Künstlertum zur Nahrung geworben wäre? Allerbings, Johannes Brahms hat seine ent- scheibenben Werke in Wien geschaffen unb ist bort ein waschechter Norbbeutscher geblieben. Aber ob nicht boch, wenn man statt eines Drittrangigen ihn, seinem Wunsch gemäß, zu rechter Zeit nach Ham­burg als Dirigent unb Chorleiter berufen hätte, seine Musik gelöster und überquellender geworden wäre? Ein guter Freund von mir behauptet frei­lich immer wieder, gerade unter Hinweis auf Heb­bel und Brahms, ich hätte an den Bodensee gehört statt an den Ziegelsee; aus der Ferne sähe man klarer als aus der Nähe, aus der Sehnsucht heraus gestalte man reicher als aus dem Besitz. Es gelte nicht, jene Eigenheiten und Besonderheiten, die, wenn nicht als das Werk, dann doch die Wirkung Hebbels und Brahmsens gefährdete, durch das Le­ben in der Heimat zu erhalten, sondern sie zu ent­fernen, abzuschleifen, um aus einem Mecklenburger, Hamburger ober Dithmarscher ein wahrhafter, ein

ganzer Deutscher zu werben. Wer will in biefer Frage Recht sprechen? Wahrscheinlich läßt sie sich theoretisch unb allgemein überhaupt nicht beantwor­ten, sonbern nur praktisch unb persönlich.

Meine burch bie Tat befunbete persönliche Ant­wort lautet: In bemselben Maße, wie wir ber Welt nur baburch wahrhaft bienen können, baß wir im vollsten unb reinsten Sinne Deutsche finb unb immer mehr werben, können wir dem Deutschtum nur da­durch in feiner Entfaltung nutzen, daß wir unser Stammestum rein und reich erhalten. Ich sage mit vollem Bedacht und reich. Denn man verstehe mich beileibe nicht dahin falsch, als wolle ich einer Kirchturmkultur, einer Heimatkunst im überwunde­nen, abgestandenen Sinn das Wort reden. Der Hei­mat gehören nur die Wurzeln, sie allerdings ganz. Stamm jedoch und Krone des Menschentums und Künstlertums müssen sich über das im engeren Sinne Heimatliche hinaus in das Deutsche, in das Welthafte erheben. Aber Deutschland, die Welt kommen mit ihrem Atem, der sich gerade heute nur zu oft zum Sturm steigert, in die verborgensten Winkel.

Sieht man es so, führt man fein Leben nach diesen Grundsätzen, bann ist bas Dasein in ber Heimat burchaus nicht, wie man auf ben ersten Blick meinen kann, leicht unb mühelos. Denn dort will man meistens gerade das Enge, Abschließende, will man Ueberbetonung des Besonderen, Zufälligen, verlangt jeden Preis. Und der dilettantische Pfuscher, der den Leuten nach dem Maul redet, steht hoch im Ländchenkurs, während der aufrichtige Dichter, der die Ganzheit des Lebens gestaltet und vor Kritik um der Besserung, keineswegs um des Absprechens willen nicht zurückscheut, nur zu oft das Wort vom Vogel, der fein Nest beschmutzt, hören muß und reinstes Wollen mit Beschimpfung unb Derdächti- qungbelohnt" sieht. Insbesondre ist in Nord- beutschlanb die Verwechslung von Niederdeutsch und Plattdeutsch unausrottbar, so daß als Heimatdichter immer wieder fragwürdige Gestalten gelten, die weder ein Anrecht auf ben Ehrennamen Dichter be­sitzen, noch fähig finb, bie Heimat in ihrer Vielfältig­keit zu umfassen. Aber wenn es um das Werk geht, nicht um die Wirkung, wer sich einer höheren In­stanz verantwortlich fühlt, der kommt mit dem Leid­vollen und Schweren, das ihm die Heimat bereitet, um des unermeßlichen Segens willen, den sie ihm

spendet, sehr viel leichter zurecht, als nicht nur die anderen, sondern er selber es für möalich hielt. Es ist schon so, wie ich es einmal in Versen faßte:

Und ließest du die Heimat auch, weltwärts gewendet das Gesicht, kannst scheiden dich von Baum unb Strauch, von deiner Heimat nicht.

Die Nation ber Milchtrinker.

Die Finnen stehen in dem Ruf, die größten Milchtrinker der Welt zu sein, und man hat ihre Erfolge im Sport, besonders in der Leicht­athletik darauf zurückgeführt, daß die Milch bei ihnen nicht nur als Getränk, sondern auch als Nahrungs­mittel eine hervorragende Rolle spielt. Man kann den durchschnittlichen Tagesverbrauch eines Finnen mit anderthalb Liter rechnen, eine Menge, die viele Menschen in anderen Ländern nicht einmal in der Woche zu sich nehmen. Die Milch im Verein mit einfacher unb kräftiger Kost setzt bie Bewohner bes Lanbes ber tausenb Seen" inftanb, ein oft sehr an­strengendes Leben als Holzfäller, als Flößer ober als Ackerbauer zu führen. Der finnische Sportsmann empfiehlt als ausgezeichnetes Mittel zur Erzielung überragenber Leistungen, ein Glas Milch zu trinken, in dem ein Eßlöffel voll Honig aufgelöst worben ist. Alle erfolgreichen Leichtathleten Finn- lanbs sollen bieses Rezept vor dem Eintritt in ben sportlichen Wettkampf befolgen. Wirb das gleiche Getränk vor dem Einschlafen genommen, so soll sich ein tiefer, traumloser Schlummer einstellen. Uebri- gens ist auch Nurmi, der berühmteste Mittel­streckenläufer der Neuzeit, ein starker Milchtrinker. Das Milchtrivken ist in Finnland eine so bekannte Erscheinung, daß es nichts Außergewöhnliches ist, wenn sich ein Gast in einem Hotel einen Krug mit einem Liter Milch zum Frühstück bestellt unb den Inhalt bis auf den letzten Tropfen ausleert. Läßt sich ein Hofbesitzer beispielsweise für besondere Ar­beiten einen Mechaniker aus der nächsten Stadt kommen, so gilt es als Selbstverständlichkeit, daß dieser Handwerker ohne weiteres die gewohnte Milch erhält. Als Regel hat sich herausgebildet, daß der alleinstehende Mann täglich ungefähr ein Liter ver­langen kann, unb daß ein Mann mit Familie rund vier Liter beanspruchen darf, unb zwar muß es voll- fette, noch nicht abgerahmte Milch sein, die soeben warm und frisch von der Kuh kommt.