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nr-197 Erstes vlatt

Zamrtag, 24. August 1955

185. Jahrgang

übergegangen. Der Reichsminister hat den Preis­überwachungsbehörden mitgeteilt, daß Preisstei­gerungen grundsätzlich nicht zuge­lassen werden dürfen. Zur Besprechung der sich hieraus ergebenden Fragen der Preisüber­wachung sind außerdem die obersten Landesbe­hörden, die Oberpräsidenten, die Preisüberwachungs­stellen, sowie die Gauleiter der NSDAP, für Mitte nächster Woche zu einer Besprechung nach Berlin eingeladen worden.

seien und dem Begriff einer in sich geeinten schaffenden Volksgemeinschaft hätte

Platz gemacht werden müssen.

Zwar könne kein rechtlich Denkender erwarten, daß in zweieinhalb Jahren alle Probleme des gran­diosen Aufbaues gelöst worden seien, aber der Na­tionalsozialismus könne mit Stolz von sich sagen, daß er wenigstens mit den Problemen angefangen

habe. So seien die Klass en als Organisa­tionsform en aufgelöst worden, ohne daß man indes die in ihnen zum Ausdruck kommenden Interessengegensätze bagatellisiert, oder gar außer Acht gelassen habe. Durch das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit sei auf dem Felde der Pro­duktion ein wirklicher Werksfrieden her­gestellt, und in der Deutschen Arbeitsfront seien die

menhang gedachte der Botschafter in warmen Wor­ten des Marschalls P i l s u d s k i, der gemeinsam mit dem Führer und Reichskanzler die Grundlagen für die Annäherung beider Nationen gelegt habe.

Dieses Werk habe feine Festigkeit und Trag­fähigkeit bereits erwiesen und gezeigt, daß die aus benachbarter Lage naturgegebene Gemein­samkeit der Interessen einen Zusammenhalt schaffe, der stärker sei, als juristische Konstruk­tionen. Dieses Werk sei ein ruhender Pol in dem Wirbel politischen Geschehens und damit ein Faktor, der für die Festigung des Friedens in Europa immer größere Bedeutung gewinne.

Kriegsminister General K a s p r z y ck i dankte dem Botschafter für die Worte des Gedenkens für dey polnischen Nationalhelden Marschall P i l s u d s k i und betonte, daß der Flottenbesuch beider Nationen geeignet erscheine, die freundschaftlichen Beziehungen weiter zu festigen und zu vertiefen. Es sei ihm eine besondere Freude, die Vertreter der hervorragenden deutschen Kriegs­marine zu begrüßen, mit her durch den Besuch polnischer Kriegsschiffe in Kiel eine direkte Fühlung ausgenommen worden sei.

Der Kriegsminister dankte allen, die zu dem deutsch-polnischen Verständigungswerk beitrugen, das nicht nur im Sinne des Marschalls P i l s u d - s k i, sondern auch des Führers und Reichs- kanzlers Adolf Hitler begonnen worden sei.

Das Echo im polnischen Volke.

Warschau, 23. Aug. (DNB) Der regierungs­freundlicheK u r j e r Polski" äußert sich zu den Tischreden, die wäbrend des Essens im Offiziers­kasino in Gdingen zwischen Konteradmiral Unruh und dem Kommandanten des KreuzersKönigs­berg", Kapitän zur See S ch m u n d t, ausgetauscht worden sind, und bemerkt dazu, daß sie viel herz­licher und aufrichtiger gewesen seien, als es sonst der Fall bei solchen Tischreden zu sein pflege. In der einen wie der anderen Rede sei das Mo­ment der Kameradschaft besonders unter­strichen worden, wie sie die Männer der Meere auf der ganzen Welt verbindet, wie auch die Tatsache nicht ausbleibe, daß der gegenseitige deutsch-polnische Flottenbesuch einen neuen Schritt zur Nor­malisierung der nachbarlichen Be­ziehungen zwischen Polen und Deutschland dar- stelle. Tatsächlich liege in diesen zwei Momenten das Wesen des deutschen Flottenbesuches. Das Blatt erinnert daran, wie herzlich und gastfreundlich die Besatzungen der polnischen Zerstörer in Kiel aus­genommen worden sind und wie hoch die öffentliche Meinung Polens diese herzliche Gastfreundschaft einzuschätzen gewußt habe. Die deutschen Gäste wür­den in Polen sicher dieselbe Herzlichkeit und Gastfreundschaft finden, zumal es die erste deutsche Aufwartung dieser Art sei

Der Sinn der Revolution, die wir gemacht haben, ist die Volkwerdung der deutschen Ra­tion. Erst in diesem heißen Ausbruch der volk- bedingten Kräfte wurde sie möglich.

Ihr Vollzug war um so mitreißender, spontaner und explosiver, je länger man versucht hatte, sie durch künstliche Staudämme aufzuhalten. Das deut- che Volk erhob sich in einer einzigartigen Dernon- tration seines Lebenswillens und vollzog damit eine Einigung, die bis dahin nur von wenigen stark­gläubigen Menschen für möglich gehalten, von allen anderen aber als unwahrscheinlich, gegen jede Er- ahrung und Lehre der Geschichte verstoßend be- ächelt und abgelehnt wurde.

Der ausgesprochene Charakterzug der deutschen Erhebung, so führte Dr. Goebbels weiter aus, liege im Willensmäßigen. Diese Revolution sei fast ausschließlich Sache der deutschen Jugend gewesen. Sie habe sich heroisch und herb, sentimentalitätslos und wirklichkeitsnah erwiesen, und ihr nüchterner Sinn für gegebene Tatsachen habe sie das Notwendige nicht nur rechtzeitig er­kennen, sondern auch rechtzeitig tun lassen.

Was uns an materiellem Glück", so rief Dr. Goebbels aus,vom Schicksal in dieser Zeit versagt blieb, das haben wir durch die V e - glückung neuer Ideen doppelt und drei­fach aufgeholt." Diese neue Gesinnung gebe Deutschland ein Tempo und eine Durchschlags­kraft seiner aufbauenden Arbeit, wie sie bis dahin für unmöglich gehalten worden sei. Dies habe sich am deutlichsten sichtbar auf dem Ge­biete der Wirtschaft ausgewirkt, wo die Klas­sengegensätze überwunden worden

portugiesischer Dank an den Führer.

Berlin, 23. August. (DNB.) Die aus Leh­rern und Studenten bestehende portugiesische Studienkommission, die Deutschland be­reist hat, hat an den Führer und Reichskanzler das nahstehende Telegramm gerichtet:

Beim Verlassen des gastfreien deutschen Landes grüßen die 260 portugiesischen Lehrer und Studen­ten, die Hamburg und Berlin besuchten, b e g e i - stert und dankbar das deutsche Volk in Ihrer werten Person. Es lebe Deutschland!"

Preissteigerungen grundsätzlich nicht zugelaffen.

Berlin, 23. August. (DNB.) Nach dem Ab­lauf des Gesetzes über die Bestellung eines Reichs­kommissars für Preisüberwachung ist die Ausübung der Befugnisse des Reichskommissars für den Ge­schäftsbereich des Reichs- und preußischen Ministers für Ernährung und Landwirtschaft auf diesen

Deutsche Seeoffiziere in Warschau:

Vertiefung der guten deutsch-polnischen Nachbarschaft.

Metzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

des abessinischen Volkes gegen die angreisenoe euro­päische Macht zu organisieren. Das ist viel weniger eine Gemeinschaftsaktion empörten Gerechtigkeits­gefühls als eine bewußte politische Soli­daritäts-Kundgebung. Die Welt außerhalb Europas erwacht nicht nur zum Eigenbewußtsein, sie erwacht zum organisierten gemeinschaftlichen Widerstand.

Perspektiven von ganz gewaltiger Tragweite tun sich hier auf. Probleme, die keine beschränkte terrr- oriale die eine weltpolitisch universale Be­deutung haben. Noch ruht die Welt auf der alten Ordnung, die Europa chr gegeben hat. Aber diese Ordnung wird nicht mehr anerkannt, nicht mehr als unabänderlich hingenommen nicht mehr als Autori­tät aeachtet. Es bedarf nur des Anstoßes, um diese geistige Zersetzung der europäischen Autorität, für di- in erster Linie der selbstmörderische Krieg der Europäer gegen sich selbst verantwortlich ist, weiter­zuführen in offener Auflehnung gegen den europäischen Primatanspruch. Japan wartet nur auf eine solche Gelegenheit. Es müßte feiner ganzen antieuropäischen Tradition untreu werden, wenn es nicht in Abessinien eine solche Gelegenheit sehen und benützen sollte.

In Rom wo seit 2000 Jahren die koloniale Tra­dition fehlt, sieht man das nicht, aber in England das von dieser Tradition seit 300 Jahren lebt, weiß man das sehr genau. Und in Washington, wo man dem asiatischen Gegenspieler gegen den weißen Im­perialismus am argwöhnischsten auf die Finger schaut, weiß man es ebenfalls. Daher ist man plotz-

Das Aufbauwerk Adolf Hitlers.

Reichsminister Or. Goebbels spricht vor dem Internationalen Gtrafrechtskongreß in Berlin

folgerungen. ,L

Der zweite Grund für Englands Gegnerschaft ge­gen Italiens Pläne ist die Sorge um Öen Seeweg nach Indien. Der Seeweg nach In­dien ist der Lebensnerv des englischen Imperiums. Es ist traditionelle englische Politik, alles, was ihm zur Gefährdung werden könnte, fernzuhalten. Man sehe sich aber nur einmal die Karte an, um Die Sorge Englands zu verstehen: stößt zu dem italie­nischen Lydien im Westen durch die Einverleibung Abessiniens noch ein italienisches Riesenkolomalreich im Süden, dann ist die Basis dieses Verbindungs­weges so eingeschnürt, daß daraus leicht eine Blockierung werden könnte.

Die dritte Sorge, die England bewegt, ist Die Sorge der Rückwirkungen eines italienifch- abessinifchen Konfliktes auf feine kolonialen Besitzungen. England ist m erster Lime Kolonialmacht und in zweiter Linie erst europäische Macht. Es kann es sich einfach nicht leisten, m einem Konflikt unbeteiligt zu sein, der die Gemüter seiner kolonialen Völker erregt Sie wurden mit dem angegriffenen Abessinien sympathisieren, uno wenn England seine Pflicht gegen den Angreifer und für den Angegriffenen nicht erfüllt, wurde ernste Mißstimmung aufkommen

Noch gewichtiger als diese Ruckwirkung des abes­sinischen^ Konfliktes auf die Einstellung ber euro- päichen Staaten selbst ist., die Rückwirkung a u f d i e außereuropäische Welt. Aegyp ten, Arabien, die Türkei, Indien, und hinter: all diesen als treibende und dirigierende Macht Japan, sind einig in der moralischen und materiellen Unt^- tützung Abessiniens. Türkische Generale, abtfäe Arbeiter indische Soldaten, japanische Kaufleute alles trifft sich in Addis Abeba, um den Widerstand

lich überall so eifrig bemüht, den Kriegsfunken aus­zutreten, zu verhindern, daß der Lokalkonflikt zu einem Weltkonflikt werde. Das Wörtchen Krieg, das aus dem Dunkel Afrikas blitzt, bekommt plötzlich einen ganz anderen Klang. Sein Donner grollt über die ganze Welt hin, und keiner weiß, wie weit die Blitze reichen werden. Eine neue Er­kenntnis und ein neues Erschrecken geht durch die politische Welt und es kann sehr heilsam sein.

Erfchelm lägltd), außer ä Annahme von Anzeigen

Sonntags und Feiertags für die Miltagsnummer

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Warschau, 24. August (DNB.) Sechs Offi­ziere der Besatzung des KreuzersKönigs­berg" sind Freitag vormittag unter Führung des Kommandanten im Flugzeug in Warschau ein­getroffen. Sie wurden von dem deutschen Geschäfts­träger und dem deutschen Militärattache sowie pol- nischerseits von dem Kommandeur K o d r e b s k i begleitet. Nach verschiedenen offiziellen Besuchen legten die Offiziere in den Mittagsstunden einen Kranz am Grabe des Unbekannten Soldaten nieder.

Besuch beim Chef der polnischen

' Kriegsmarine.

Der Chef der polnischen Kriegsmarine, Konter­admiral Swirski, hat um 14.15 Uhr ein Essen zu Ehren der deutschen Seeoffiziere gegeben, an dem u. a. der deutsche Botschafter von Moltke, Botschaftsrat Dr. S ch l i e p, der Militärattache General Schindler und von polnischer Seite der Vizedirektor im Außenministerium Potocki, der Stellvertreter des Kriegsministers Oberst Ulryc, der Stellvertreter des Chefs des Protokolls Lu- bienski, sowie eine Reihe führender polnischer Marineoffiziere teilnahmen.

Während des Empfanges hielt Konteradmiral Swirski eine Ansprache, in der er betonte, daß der Besuchsaustausch die Annäherung der Kriegsmarinen Polens und Deutsch­lands eingeleitet habe.

Diese Annäherung würde das gegenfeifige Sich- kennenlernen ermöglichen, das zur Vertiefung der gutnachbarlichen Beziehungen führen werde.

Konteradmiral Swirski schloß mit einem Trink­spruch zu Ehren der deutschen Kriegsmarine, des Deutschen Reiches und des Reichskanzlers Adolf Hitler.

In der Antwortansprache dankte Botschafter von Moltke für die Begrüßung und betonte, daß der Besuch an demselben Tage stattfände, an dem die deutsche Armee mit Freude bei sich die Ver­treter der polnischen Armee begrüße und daß

dieser Besuch zur Vertiefung der gegenseitigen deutsch-polnischen Beziehungen führen werde.

Der Botschafter brachte dann einen Trinkspruch auf die polnische Kriegsmarine, das polnische Volk und den Staatspräsidenten Moscicki aus.

Gmpfona beim deutschen Botschafter.

Auf einem Empfang, den Botschafter v. Moltke am Freitagabend für die Offiziere des Kreuzers Königsberg" veranstaltete und an dem Vertreter der polnischen Militär- und Regierungsstellen teil- yahmen, wurden Tischreden zwischen dem Bot­schafter und dem polnischen Kriegsminister General Kasprzycki ausgetauscht.

Botschafter von Moltke gab der Freude dar- über Ausdruck, Vertreter der deutschen und der polnischen Marine begrüßen zu können, und ver­wies u. a. auf die Bedeutung des Besuches für das Werk der Verständigung. In diesem Zusam-

Abschluß des deutsch-französischen Studentenlagers auf llsekom.

Stettin, 24. Aug. (DNB.) Nach vierwöchiger Zusammenarbeit der nach Deutschland eingeladenen französischen Studenten mit ihren deut­schen Kameraden im Studentenlager von Zempin auf Usedom ist dieses jetzt be­endet worden. Der Eindruck, den die Franzosen in der Arbeits- und Sportgemeinschaft mit den deut­schen Studenten vom neuen Deutschland erhalten haben, ist außerordentlich tief. Vor der Abreise erklärte der Führer der französischen Stu­denten, Broudeur, daß er und seine Kameraden in Deutschland einen wirklichen Sozialis­mus kennengelernt hätten, der keine Phrase sei. Zwischen den deutschen und den französischen Studenten sei beschlossen worden, zur weiteren Ver­ständigung ihrer Völker noch mehrere Lager in Frankreich und in Deutschland ge­meinsam abzuhalten.

Die andere Seite....

Man mag über Den Abessinienkonflikt denken wie man will, er hat auch seine guten Seiten. Er ist ein Exempel, am Horizont des europäischen Geschehens ausgeführt, das ungemein lehrreich ist und in mancher Hinsicht geradezu aufregende neue Perspektiven zeigt.

Abessinien?! Ein kleiner Kolonialkrieg in Afrika? ! Was konnte das die Welt schon viel angehen! Er i brauchte sie nicht zu interessieren! Er würde eine kleine nebensächliche Episode im großen weltpoli- ; tischen Geschehen bleiben, eine Episode, die sich ver- i hältnismäßig leicht in der allgemeinen Betriebsam- ' feit dieser Politik durchschmuggeln ließe. So dachte i man ganz sicher in Rom, so dachte man vielleicht i auch anderswo. Es war das Denken in alten Vor- | ftellungen und in Erinnerungen an Zeiten, in denen i das Wörtchen Krieg, wenn es irgendwo am Hori- 1 zont auftauchte, die Gemüter ungerührt ließ, in ' denen Kriege sozusagen Lokalereignisse waren, die : sich abkapseln ließen von den übrigen Geschehen. Und I siehe: nun muß man plötzlich die Entdeckung machen, daß diese Zeiten vorbei sind, daß, kommt die Politik 1 auch nur in einem entlegenen Zipfel Afrikas in Bewegung, sie als Ganzes in Aufruhr zu ge­raten droht. Die Welt ist erstens zu eng geworden für Ellenbogenmanieren, ihre Interessensphären sind zu sehr abgegrenzt und zu nahe aneinandergerückt, als daß man noch neue, ohne Komplikationen, zwischen die alten schieben könnte: die Erde ist auf­geteilt, wer sich neu anmeldet, der bringt die alten Inhaber gegen sich in Aufruhr.

Das ist das eine. Das andere ist, daß der Welt­krieg die ganze Welt politisiert hat. Es ist ein gefährlicher Irrtum, ein Irrtum, an dem Europa leicht einmal sterben könnte, zu glauben, daß Politik eine Angelegenheit des Europäertums und der von ihm geführten weißen Rasse sei. Sie ist heute in zunehmendem Maße eine Angelegenheit der farbigen Völker, und zwar nicht nur der Ja­paner geworden. Ganz Abessinien befindet sich auf der Suche nach neuem politischem Gemeinschafts­wollen und neuen politischen Gemeinschafts­formen, in Afrika ist unter den Schwarzen min­destens die dunkle Sehnsucht danach fpürbar. lieber» all ist die Solidarität ber anoeren Welt gegen Europa im Wachsen.

Solidarität braucht aber zum Werden und zur Wirksamkeit die Voraussetzung des Kon­fliktes. Der abessinische Konflikt hat diese Vor­aussetzung geschaffen, Er hat uns plötzlich mit wirk­lich ernüchternder Deutlichkeit klar gemacht, wie sehr daß außereuropäische Solidaritätsgefühl wach und zum gemeinsamen Handeln auch entschlossen sei. Beide Umstände, die enge Verflechtung der euro­päischen Interessen selbst und der enge Zusammen­schluß der außereuropäischen Welt gegen unser Europa, haben den Abessinienkonflikt zu der großen wertvollen Lehre werden lassen: daß es erstens keine Absonderung eines Konfliktes, und scheine er noch so klein und noch so entlegen, aus dem allgemeinen Problemkreis der europäischen Politik gibt, und daß zweitens heute jeder Konflikt zu einer allgemeinen Auseinander­setzung zwischen europäischer Geltung und außereuropäischem Anspruch wird.

Wenn Rom sagt, daß England nicht des Völker­bundes, sondern eigener egoistischer Interessen wegen so leidenschaftlich am Abessinienkonflikt An teil nimmt, so hat es vielleicht Recht damit, aber diese Feststellung unterstreicht nur Die Bedeu­tung d e r Gefahr, die die Störung der Ord­nung heutigen Tages an irgendeinem Punkt für das ganze Problem des weltpolitischen Friedens cheraufbeschwört. England setzt sich so energisch gegen Italien aus drei Gründen ein: erstens fürchtet es für Aegypten und Öen Su­dan, dessen wirtschaftliches Gedeihen vollkommen von den Wassern des Blauen Nils abhängt, die wie­derum ihr Quellengebiet im Tana-See-Gebiet des abessinischen Hochlandes haben. Wer den £arm5 Se^ beherrscht, hat Aegypten und den Sudan Das weiß man in London und zieht daraus seine Schluß-

Berlin, 23. Aug. (DNB.) Die Verhandlungen des 11. Internationalen Strafrechts­und Gefängniskongresses wurden am Freitagvormittag fortgesetzt. Sie erreichten ihren Höhepunkt mit der großangelegten Rede des Reichs­ministers für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels, der den versammelten Vertretern von 50 Nationen vor Augen führte, wie die natio­nalsozialistische Revolution Deutschland politisch, sozial, geistig und kulturell umgestaltet hat. Parkett und Tribünen waren überfüllt. Die Reichsminister Gürtner und Frank, die Staatssekretäre Freister und Schlegelberger, Polizei­präsident Graf H e 11 d o r f und zahlreiche andere bekannte Persönlichkeiten wohnten der Sitzung bei.

Reichsgerichtspräsident Bumke eröffnete die Sitzung mit Dankesworten für Reichsminister Dr. Goebbels für seine Bereitwilligkeit, zu den Kon­greßmitgliedern zu sprechen.

Reichsminister Dr. Goebbels führte u. a. folgendes aus:Jede Revolution, die vor der Geschichte Bestand hat, ist ein geistiger Akt. Die Bewegungen auf dem Felde der Machtpolitik, die dadurch ausgelöst werden, sind nur die sicht­baren Ausdrucksformen dieses Prozesses. Hinter jeder Revolution steht eine Idee, und es ist ihr Sinn, daß diese Idee auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Da­seins zum Durchbruch kommt. Revolutionen, die sich lediglich im Machtpolitischen erschöpfen, sind meistens nur von kurzer Dauer. Sie bringen zwar neue Männer an die Verantwortung, aber mit diesen neuen Männern werden keine neuen Ideen in Form gebracht. Erst eine Machtpolitik, die sich als Mittel zu einem höheren Zweck empfindet und ihren eigentlichen Selbstzweck darin sieht, die hinter ihr stehende Ideenwelt, die sie zum Antrieb brachte, aus Der Welt der Theorien in die Welt Der Reali­täten zu versetzen, gibt der Revolution eine über die Zeit hinaus wirkende Bedeutsamkeit.