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schaf enden Menschen des g a n z e n Volkes zusam­mengefaßt worden. Die Wertung des arbeitenden Menschen geschähe nicht mehr nach dem, w a s er tue, andern wie er es tue. Durch die Kräfte des Idealismus und einer heiligen Hingabefreudigkeit (ei das Wunder möglich geworden, daß schon jetzt von nahezu 7 Millionen Erwerbslosen, die der Na­tionalsozialismus bei der Uebernahme der Verant­wortung mitübernehmen mußte, über 5 Mil­lionen wieder in die Fariken und Kontore zurückgeführt worden feien.

Drei Kardinalprobleme feien bei der Dichtig­keit all' der anderen Probleme als besonders vordringlich empfunden worden: das Problem der inneren Einheit, das Problem der Beseiti- gung der Arbeitslosigkeit und das Problem der Diederherstellung unserer nationalen Sou­veränität. Diese drei Probleme seien heute be­reits einer weitgehenden Lösung zugeführt worden.

Während der Liberalismus, der das vom Natio­nalsozialismus niedergeworfene System charakte­risierte, vom Individuum ausgegangen sei und den Einzelmenschen in das Zentrum aller Dinge gestellt habe, habe der Nationalsozialismus Individuum durch Volk und Einzelmensch durch Gemein­schaft ersetzt. Dabei sei es freilich notwendig gewesen, die Freiheit des Individuums insoweit einzugrenzen, als sie sich mit der Freiheit der Nation in Widerspruch befand.

Kein Linzelmensch, er mag hoch oder niedrig stehen, kann das Recht besitzen, auf Kosten des nationalen Freiheilsbegriffes von seiner Frei­heit Gebrauch zu machen. Denn nur die Sicher­heit des nationalen Freiheitsbegriffes verbürgt ihm auf die Dauer auch persönliche Freiheit.-

Das gelte gleicherweise für den geistigen Men­schen. Wenn er sich von seinem Volke trenne, gebe er dabei die Quelle seiner Fruchtbarkeit auf. Die Kunst sei der edelste geistige Ausdruck einer Zeit. So gebe auch die neue deutsche Zeit der Kunst die Aufgabe, die ihr innewohnenden Gedanken in über die Zeit hinauswirkende Form zu gießen und damit nachkommenden Geschlechtern einen lebendigen und plastischen Ausdruck vergangener großer Epochen zu übermitteln.

Wenn noch nicht die letzte künstlerische Aus­drucksform der neuen Zeit gefunden worden sei, so möge man nicht vergessen, daß alles Große Zeit zum Reifen brauche und daß es der Geduld im Warten bedürfe, um des Großen wirtlich teilhaftig zu werden.

Wie tief und ehrlich die Sorge sei, die das neue Deutschland dem geistig Schaffenden entgegen­bringe, das bewiesen kulturelle Großtaten wie die Gründung der Reichskulturkammer, der Bau des Hauses der deutschen Kunst, die umfassenden Bau­pläne für Berlin und München, die großzügige Uebernahme einer ganzen Reihe repräsentativer Theater in die Hand des Staates, das neue Schrift­leiter- und Theatergesetz, die tatkräftige Fürsorge, die die nationalsozialistische Regierung dem Film angedeihen lasse, um nur einige zu nennen.

Uebergehend zu den Problemen der Innen­politik stellte Dr. Goebbels am Schluß seiner Ausführungen fest, die nationalsozialistische Staats­gestaltung sei nicht so undemokratisch, wie es auf den ersten Anblick scheinen möge. Sie habe eine neue Form des Zusammenwirkens zwischen Regierung und Volk gefunden. In ihr werde die Regierung zwar vom Volke beauf­tragt, nicht aber in der Durchführung dieses Auf­trages von einer Unzahl Unverantwortlicher kon­trolliert.

Ls war das tragikomische Verhängnis der tra­ditionellen demokratischen Parteien der deutschen Vergangenheit, daß sie zwar an das Volk appellierten, daß ihr Appell aber im Herzen des Volkes keinen Widerhall fand. Sie wollten lieber mit den Waffen irren, als gegen die Waffen das Richtige tun. Wir haben den Wut, dem Volke die wenn auch schwere Wahrheit zu sagen, und erleben dabei das Glück, daß das Volk uns versteht. Wenn es der Sinn einer wahren Demokratie ist, die Völker zu führen und ihnen den Weg zu Arbeit und Frieden zu zeigen, dann, glaube ich, ist diese wahre Demo­kratie in Deutschland, und zwar gegen die Parteien, die nur Zerrbild abgaben, verwirk­licht worden.

Diese Art wahrhaft moderner Demokratie haben wir dem deutschen Aufbau zugrundegelegt. Sie ist volksverbunden, souverän und autoritär, sie geht unbefangen an die großen Probleme der Welt heran und läßt sich in ihrer Lo­sung nicht durch den wandelbaren Geschmack der Masse beirren. Was dem Volke dient, das muß getan werden. Es muß ganz getan werden, damit es zu seinem Segen ausschlagt. Die Besten des Volkes sind dazu berufen, es zu tun Sie sind die Träger einer aristokratischen Demokratie, die in ewiger Auslese die Beru­fenen an die Führung bringt, weil sie den Willen zum Führen haben und die Kunst des Führens beherrschen. Niemand glaube, daß es ein Allheil­mittel gegen die große Krise gebe, oder eines Tages ein Zaubermann unter den Menschen aufstehe, der den Stein der Weisen gefunden hat.

Die Völker werden arbeiten müssen, um der Krise Herr zu werden. Ihre Regierungen haben viel Wut nötig, um die Völker dazu anzuhalten und ihnen die Kraft der Ausdauer zu bewahren.

Gebe Gott ein gütiges Schicksal, daß dieser Segen der Arbeit unter den Volkern und die Gnade einer mutigen Kraft unter ihren Staatsmännern einen sicheren und festen Platz einnehme, damit nach end­losen Wirren und grenzenlosen Leiden am Ende doch noch ein Stern aufgehe in dem dunklen Ge­wölk, das den Himmel Europas überschattet.

TieferEindruck.-HerzlicherDank.

Berlin, 23. August. (DNB.) Die Rede des Reichsministers Dr. Goebbels, die den auslän­dischen Kongreßteilnehmern in französischer und englischer -Sprache vorlag, machte offensichtlich auf alle Zuhörer tiefsten Eindruck. Als Dr. Goebbels betonte, daß der Nationalsozia­lismus Deutschland und Europa vor dem kommunistischen Ansturm 5e- wahrt habe, war der Beifall allgemein, und on Händeklatschen beteiligten sich auch die ausländischen Teilnehmer lebhaft. Das gleiche war am Schluß der Rede der Fall.

Präsident B u m k e gab dem wärmsten Dank des Kongresses an Dr. Goebbels Ausdruck. Er er- klarte dabei u. a.: Der Kongreß hat die Ehre und me Freude gehabt, aus dem Munde des Herrn Reichsministers der Justiz Dr. Gürtner, des Herrn Reichsministers und Präsidenten der Akade­

mie für Deutsches Recht Dr. Frank, des Herrn Staatssekretärs im Reichsministerium der Justiz Dr. Freisler zu hören, wie der Nationalsozialismus mit einer Art Naturgegebenheit das Recht des Drit­ten Reiches und insbesondere jein Strafrecht ge­staltet. Was dem Kongreß an Belehrung, an Einblick in die tiefsten Gründe der Erneuerung Deutschlands bisher geboten worden ist, hat heute seine Voll­endung dadurch erfahren, daß Reichsminister Dr. Goebbels uns, losgelöst von dem engen Ge­biet, auf dem wir arbeiten, eingeführt hat in das Gedankenreich des Nationalsozialismus. Für uns Deutsche ist es keine Ueberraschung und doch ein erneuter Genuß, zu hören, wie dieser Wegbe­reiter des Dritten Reiches mit einer ich darf wohl sagen unvergleichlichen Rednergabe, mit einer einzigartigen Klarheit der Gedanken so einfach und eindringlich uns näher­gebracht hat, was ihm und anderen Lebensauf­gabe und Angelegenheit tiefen Glaubens, festen Willens und heiliger Ueberzeugung ist.

Dem Dank des Präsidenten schloß sich der Kon- greß durch neue Beifallskundgeoungen an. Nach einer kurzen Pause setzte der Internationale Strafrechts- und Gefängniskongreß seine Verhand­lungen fort.

Litauische Sabotage der Memelwahlen.

Tilsit, 23. Aug. (DNB.) Der Vorsitzende des widerrechtlich amtierenden Direktoriums des Me­melgebietes Bruvelaitis hat auf Grund des

810 der neuen Wahlordnung des Memelgebiets die S t i m m b e z i r k e für die am 29. September stattfindende Wahl des Landtags festgesetzt. Die erste Ausführungsbestimmung des neuen Wahl­gesetzes deckt mit einem Schlag den ganzen Plan der beabsichtigten Wahlbeeinflussung auf. Bruvelaitis hat die Zahl der Stimmbezirke in den Landkreisen von 198 auf 63 herabgesetzt. Lediglich die Stimmbezirke in der Stadt Memel selbst sind in ihrer bisherigen Zahl erhalten geblie­ben. Was diese Herabsetzung der Stimmbezirke auf dem Lande bedeutet, kann man sich vorstellen. Auf diese Weise werden die Wähler zum Teil gezwun­gen, Anmarschwege von vielen Kilo­metern vorzunehmen, ehe sie an ihre Wahlurnen kommen können. In diesen Wahlorten wird ein starkes Gedränge einsetzen, so daß also die Wahl für die Wähler so unbequem wie möglich gemacht wird.

Regierungskrise in Jugoslawien.

Belgrad, 23. Aug. (DNB.) Die seit einigen Tagen erwartete Regierungskrise ist Freitag ausgebrochen. Drei Mitglieder, nämlich der Minister für Sozialpolitik, Preka, der JustizyPnister Auer und der Forstminister Stefanowitsch überreichten ihre Rücktrittsgesuche dem Ministerprä­sidenten und Außenminister Stojanowitsch, der gerade aus Veldes zurückgekehrt war, wo er vom Prinzregenten Paul in Audienz empfangen wurde, lieber die Ursachen der Krise wird von amt­licher Seite noch keine Mitteilung gemacht. In po­

litischen Kreisen verlautet, daß die zurückgetretenen Minister mit der Gründuna der neuen Regierungs­partei, bestehend aus den ehemaligen Serbisch-Radi» kalen, den bosnischen Muselmanen und der Slawe- Nischen Volksvartei, nicht einverstanden sind, weil sie darin eine Erschwerung zur Losung der kroatischen Frage erblicken, deren Bereinigung insbesondere ht Offizierskreisen gewünscht wird.

Ministervesprechung beim polnischen Staatspräsidenten.

W a r s ch a u, 23. Aug. (DNB.) Beim Staatsprä- sidenten M o s c i ck i fand am Donnerstagnachmittag eine Besprechung statt, an der Ministerpräsident Slawe t, Außenminister Beck und der General­inspekteur der Armee General Rydz-Srnigly teilnahmen.

Ein Amerikaner über das Zudenproblem.

Neuyork, 23.Aug. (DNB.)Herald Tri­büne" veröffentlicht eine Unterredung mit dem aus Deutschland zurückgekehrten Neunorker Grundstücks­makler August checkscher. Aus die Frage nach dem Judenproblem in Deutschland antwortete Heckscher mit der Gegenfrage, wasdenninNeu- york geschehen solle. Das Neuyorker Juden­problem gleiche durchaus dem früheren deutschen Judenproblem. Der Prozentsatz jüdischer Aerzte und Richter sei in Neuyork sehr hoch im Verhältnis zu der übrigen Bevölkerung. Ein derartiger Zustand müsse zu Schwierigkeiten führen.

Neue Ministerkonferenz in London.

Oer Tana-See und die Quellen des Blauen Nils unter keinen Umständen für eine fremde Macht. England verstärkt feine strategischen Punkte auf dem Wege zum Roten Meer.

London, 23. Aug. (DRV.) Am Freitag fand in Downingstreet 10 unter dem Vorsitz des amtie­renden Winisterpräsidenten Wacdonald eine zweistündige Besprechung über den Ha- lienifch-abessinischen Streitfall statt, an der die noch in London verbliebenen Minister, nämlich der A u ß en m i n i st e r, der Kriegs- Minister, der Erste Lord der Admira­lität, der Kolonialminister und die Ab­teilungsleiter des Foreign Office und anderer Re­gierungsstellen teilnahmen. Während Wacdo­nald sich Freitagabend mit der Bahn nach Schott­land zurückbegibt, verbleibt Sir Samuel Hoare in der Umgebung Londons, um sich über die Ent­wicklung ständig aus dem Laufenden halten zu las­sen. Die französische Regierung ist von den Entscheidungen des britischen Kabinetts auf diplomatischem Wege unterrichtet worden. In unterrichteten Kreisen wird darauf hingewiesen, daß nicht beabsichtigt sei, irgendeine besondere Witteilung an Italien zu richten. Die hier und da aufgetauchte Behauptung, daß Eden in Kürze nach Paris zu einer Aussprache mit Laval fah­ren werde, gilt zum mindesten als verfrüht.

Au der Aufnahme der britischen Kabinettsbeschlüsse in Rom stellen die englischen Berichterstatter das Fehlen einer maßgebenden Aeuhe- rung zu der Entschlossenheit Englands fest, sich strikt an die Verpflichtungen der Völkerbundssatzung zu halten. Gleich­zeitig lasse man in Rom durchblicken, daß die Er­gebnisse der Kabinettsslhung nur das darstellen, was Italien erwartet habe. Dagegen werde der Be­schluß, die Verhandlungen auf diplomatischem Dege fortzusehen, zwar als wohlgemeint, aber hoffnungslos angesehen.

lieber den Inhalt der Beratungen des Kabinetts sind inzwischen einige weitere Einzel­heiten durchgesickert. Der im allgemeinen gut un­terrichteteStar" schreibt, das Kabinett habe sich einmütig auf den Standpunkt gestellt, daß der Tanasee und die Quellen des Blauen Rils unter keinen Umständen unter die Kontrolle einer fremden Wacht allen dürften. Ferner fei beschlossen worden, gewisse lebenswichtige strategische Punkte auf der Verbindungslinie des Weltreiches zwischen dem Wutterlande und dem Roten Weer zu verstärken.

Der politische Berichterstatter desManchester Guardian" weiß zu berichten, daß das seinerzeitige Angebot Englands, einen Gebiets­treifen von Britisch - Somaliland zusammen mit dem Hafen Zalla an Abessi­nien unter der Voraussetzung abessinischer Zuge- ländnisse an Italien abzutreten, trotz der unfreund­lichen Aufnahme dieses Vorschlages im llnterhause nach wie vor G ü l t i g k e i t habe, falls es hierdurch gelinge, den Frieden zu erhalten.

Der Staatssekretär des Aeußeren Sir Samuel Hoare und der Völkerbundsminister Eden haben sich nach Norfolk bzw. Porkshire begeben, um dort einige Tage auf dem Lande zu verbringen. Am Dienstag nächster Woche werden beide Minister wieder im Foreign Office fein.

Einberufung i>e« französischen Minlstmafö. Datl» 23. Aug. (OHB.) AmIIIch wird mit- geteilt, daß am kommenden Mittwoch unter Vor­sitz des Präsidenten der Republik ein Mi niste r- r a t Zusammentritt.

Mussolinis Ziel:

Völlige militärische Besetzung Abessiniens.

Conbon, 24. Muguft. (BBB. Suntfpr.) Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" will berichten können, daß Italien be­absichtige, die militärische Besetzung Abessiniens offiziell als polizeiliche Schutzmaßnahme" zu bezeichnen. Es wolle seinen Gesandten in Addis Abeba nicht abberufen, sondern wünsche ein Bataillon Infanterie zur Ver­stärkung der Gesandtschaftswache nach der abessi­nischen Hauptstadt zu senden.

Mussolini führe Klage darüber, daß Groß­britannien den abessinischen wider­st und ermutige und ihu dadurch zu einer Ver­

doppelung seiner militärischen Vorbereitungen nö­tige. Er sei aber entschlossen, sich durch nichts von seinem Ziele abbringen zu lassen: der völligen militärischen Besetzung Abessiniens, der Erwerbung des Tief­landes und der Errichtung eines italieni­schen Protektorats über das Hochland. Die englischen Kredite fürMlien hören auf.

London, 24.Aug. (DRB. Funkspruch.) Die Finish News" schreibt, ein Beschluß der Londoner Llearing-Banken, die bisher italienischen Banken ge­währten Krediterleichterungen nicht zu erneuern, werde dazu führen, daß die Kre­dite sich in den nächsten drei Monaten immer mehr vermindern, und nach ihrem Ablauf gänz­lich aufhüren würden. Die Londoner Banken hätten ihren Beschluß nur widerwillig gefaßt. Die italieniischen Banken seien stets ausgezeichnete Kunden gewesen, aber es herrsche die begreifliche

Sorge, daß der abessinische Streit zu einer Der, schlechterung der italienischen nan}tage führen werde.

Englische Bombenflugzeuge für den Sudan.

London, 24. Aug. (DNB. Funkspruch.) Reutet meldet aus Athen: Die britische Gesandt» s ch a f t hat die griechische Regierung ersucht, einem Geschwader britischer Bombenflug­zeuge, das für den Sudan bestimmt ist, dis Erlaubnis zum Landen und zur Einnahme von Brennstoff in Griechenland zu geben.

Lustschuhbelehrung an die Bevölkerung von Malta.

London, 23. Aug. (DNB.) Wie aus M a 11 d berichtet wird, hat die Polizei am Freitag an die Bevölkerung Flugblätter verteilt, die Verhal­tungsmaßregeln im Falle eines Gasangriffs aus der Luft enthielten.

Weiikchin Zurückhaltung in Paris.

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Nur von den eigenen Interessen leiten lassen. Gegen französische Kolonial­zugeständnisse an Italien.

Paris, 24. Aug. (DNB. Funkspruch.) In der Beurteilung der Lage, die durch die Londoner Kadinettsbeschlüfse geschaffen worden ist, beobachtet man in Paris weite rhin Zurück­haltung.

In einer Londoner Meldung desPetit Parisien" wird hervorgehoben, daß die englische Regierung die Prüfung der Sanktionsfrage mit aller Sorgfalt fortsetzen werde.

ImEcho de Paris" wird die Frage gestellt, was Frankreich tun werde, wenn es zwischen Rom und London zu wählen habe. Das Blatt beantwortet diese Frage selbst dahin, daß

Frankreich sich ebenso wie Italien und Eng­land von seinen eigenen Interessen leiten lassen müsse.

Das Interesse Frankreichs aber liege ausschließ- sich in Europa. Das Blatt spricht dann wieder in seiner bekannten scharfmacherischen Art von einer angeblichendeutschen Gefahr" (!), gegen die man sich schützen müsse, und schließt, zwischen Frank­reich, England und Italien gebe es angesichts die­serGefahr" eine tatsächliche Solidarität. Aber allein Frankreich habe mit Deutschland eine ge­meinsame Grenze. Daher sei es zu ständiger Wach­samkeit verurteilt (I).

Der Londoner Berichterstatter desEcho de Paris", der stets gut über die Absichten der bri­tischen Regierung unterrichtet ist, meldet, daß man sich täuschen würde, wenn man die abwar­te n d e Haltung der britischen Regierung als Schwäche auslegen wollte.

England werde in der Frage der Sank­tionen nicht auf eigene Faust vor­

gehen. 3m Kabinettsrat fei In der Sanktionsfrage keine Einstimmig­keit erzielt worden. Einstimmigktzil habe es nur darüber gegeben, daß die All- quellen und der T a n a f e e nicht der Kon­trolle einer fremden Macht unterliegen dürften und daß es notwendig fei, gewisse lebens­wichtige strategische Punkte, wie Gibraltar, Mqlta, Lypern, Suez, Aden, Perim und Lhartum zu verstärken. Die britische Regierung erwarte im übrigen, daß Italien nach dem japanischen Beispiel in der Man­dschurei die Feindseligkeiten in Abessinien ohne Kriegserklärung eröffnen werde. Italien werde feine militärischen Operationen als polizeiliche Maßnahmen hinstellen, wie England und

Frankreich dies oft genug getan hätten.

DasJournal" erklärt, wenn man dem Völker« bunb treu bleiben wolle, müsse vor allem dessen eiaentliche Aufgabe bestehen bleiben, d.h« man müsse versuchen, den Frieden zu b e* wahren, nicht aber den Streitfall zu oerallge« meinem.

L'Ordre" ist der Ansicht, daß es mit den kolo­nialen Zugeständnissen Frankreich an Italien nunmehr genug fei.

Frankreich habe in Tibesti und Tunis beträcht­liche Zugeständnisse gemacht, und es habe in Französisch-Somaliland auf weitere wirtschaft­liche Ausbeulung verzichtet. Größeres Entgegen­kommen könne Frankreich auf kolonialem Gebiete Italien nicht zeigen.

Der Aeutralitätswille Amerikas.

»Amerika aus dem Rat der Völker ausgescholtet." Ernüchtert nach den Erfahrungen des Weltkrieges.

®aff)ingfon, 24. Aug. (DNB.) Vas Re- präfentantenhaus nahm in feiner Sitzung am Freitag ohne Abstimmung die Neulrali- tätsvorlage des Senats mit der ein Kom­promiß darstellenden Ergänzung an, daß der Prä­sident bis Ende Februar 1936, d. h. bis nach Be­ginn der nächsten Kongreßperiode, zwangsläufig ein Waffenausfuhrverbot gegen alle krieg­führenden Staaten verhängen muffe. Die Vorlage wirb nach Bereinigung einiger unbedeutender Ein­zelheiten mit dem Senatskomitee an das Weiße Haus weilergehen.

^Än der Neutralitätsfrage hat sich das Staatsdepartement trotz schwerer Bedenken dem allgememen Ruf nach Isolierung von euro- paischen Streitfällen beugen müssen und xc. bamlt seinen Willen durchgesetzt,

daß die Regierung im Falle eines Kriegsaus­bruch e s alsbald die Ausfuhrsperre a e gen alle kriegführenden Staaten Der« hängen muß.

Damit ist Amerika aus dem Rat der Völker ausgeschaltet und die Mitarbeit Washingtons an den Bemühungen um eine friedliche Bei­legung des Streitfalles zwischen Italien und Abessinien nunmehr unmöglich geworden.

Zwar hat man dieFesselung" der Bundesregie» rung vorläufig auf 6 Monate begrenzt, aber es handelt sich gerade um die kritischen Monate, in denen die Frage, ob ein Krieg in Afrika aus» oncht, entschieden werden muß. Weiter ist zu be- öenfen, bafj es erfahrungsgemäß schwerer ist, tm Uttaftliabr so stark umstrittene Punkte wie die Neu» tralitatsfrage gegen den Willen des Bundessenats durchzusetzen. Die Stimmung ist fast überall in oen Vereinigten Staaten so, daß irgendwelche Bin­dungen an oder auch nur Verhandlungen mit fremden Staaten abgelehnt werden.

Die Erfahrungen des Weltkrieges und insbe­sondere die Richtzahlung von Kriegsschulden von feiten Englands, Frankreichs und der Übrigen verbündeten haben fc ernüchternd gewirkt.