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forscher Johann Jakob von Tschudi in Glarus ge­boren (gestorben 1889). 1850: die um ihre Frei- heit kämpfenden Schleswig-Holsteiner bei Idstedt geschlagen. 1867: der Dichter Max Dauthendey in Würzburg geboren (gestorben 1918 zu Malong auf Java).

Rindfleisch im eigenen East/'

Die Geschäftsstelle der Fleischer-Innung für Stadt und Kreis Gießen teilt uns mit, daß der Verkauf desDosenfleisches im eigenen Saft" im Stadt­bezirk sehr rege eingesetzt habe, nachdem sich die Hausfrauen von der Güte, Zweckmäßigkeit, leichten Verwendbarkeit im Haushalt, sowie bei allen sonsti­gen Anlässen, wie Wochenend, Ausflügen mittels Auto und Boot, wie auch von der wirklichen Billig­keit überzeugt hätten, alles Veranlassung genug, um immer wieder auf den Einkauf des erstklassigen Nahrungsmittels gerne zurückzukommen.

Anders mit der Landbevölkerung, die dem Ver­brauch des Dosenfleisches anscheinend im gewissen Sinne noch ablehnend gegenübersteht, während doch gerade für die Landbevölkerung die überaus leichte und schnelle Verwendbarkeit dieses Fleisches beim Herstellen von Mittag- und Abendessen eine große Ersparnis an Zeit und Mühe bedeuten dürfte, ganz abgesehen davon, daß doch mit den hier getroffenen Maßnahmen der Reichsstellen in erster Linie dem Interesse der Landbevölkerung gedient werden soll und wird. Es ist und wäre deshalb kaum zu ver­stehen, wenn die Landbevölkerung hier weiter eine ablehnende Stellung einnehmen wollte, zumal man darin sonst leicht eine Undankbarkeit den Regie­rungsstellen gegenüber erblicken könnte.

Die Geschäftsstelle der Fleischer-Innung für Stadt und Kreis Gießen glaubt deshalb, daß es nur dieses Hinweises bedürfe, um auch die Landbevölkerung zu veranlassen, in gleicher Weise sich restlos hinter die Maßnahmen der Regierung zu stellen und sich an dem Absatz und Verbrauch des Dosenfleisches lebhaft zu beteiligen.

Vornotizen.

Tages kalender für Mittwoch: RSG. Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. Stadt­theater:Hilde und 4 PS". Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Die törichte Jungfrau".

*

** 25 Jahre im Dienste der Stadt Gießen. Der Oberfeuerweyrmann Heinrich Funk kann am heutigen Tage auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Stadt Gießen zurück­blicken. Der Jubilar war ursprünglich als städtischer Arbeiter tätig und kam im Jahre 1914 zur Feuer­wehr. In eifriger Pflichterfüllung versah er stets seinen Dienst. Er erfreut sich bei den Kameraden, wie auch bei den Vorgesetzten aller Achtung und Wertschätzung.

** Ihren 70. Geburtstag kann am morgi­gen Donnerstag Frau Sophie Lehr, Wilhelm- straße 31, bei bestem Wohlbefinden begehen. Das Geburtstagskind" steht seit mehr denn 46 Jahren in Treue zu ihrem Heimatblatt, demGießener Anzeiger".

** Eintrittspreise und Voroerkaufs­stellen für das 1. Gaufest des R f L. Im heutigen Anzeigenteil sind die für das 1. Gaufest des Reichsbundes für Leibesübungen festgelegten Eintrittspreise veröffentlicht. Gleichzeitig werden auch die Vorverkaufsstellen bekanntgegeben. Auf die Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.

** Fahrt der Betriebsgemeinschaft Dresdner Bank zum Edersee. Man berich­tet uns: Einer Einladung der Betriebsführung fol­gend, unternahm die Gefolgschaft der Dresdner Bank, Zweigniederlassung Gießen, am vergangenen Sonntag eine Fahrt an den Edersee und nach Bad Wildungen. In schneller Fahrt brachte der Omni­bus die Teilnehmer über Marburg, Gilserberg und Zwesten zu dem gigantischen Werk'deutschen Fleißes und deutscher Jngenieurkunst, der Edertalsperre. Nach Besichtigung der Anlagen brachte ein Motor-

sanden zueuianm.

Roman von Klothilde v. Stegmann.

Urheberrechtschutz: Fünf-Türm?-Verlag Halle (S.)

10 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Der einzige Mensch, mit dem er darüber sprechen konnte, war vielleicht die Jugendfreundin. Seit dem Tode Tante Albertas waren nun schon drei Monate verflossen. Innerhalb eines Jahres mußte diese un­glückselige Testamentsklausel erfüllt sein. Wenn er daran dachte, stieg Zorn in ihm auf. Juttas Ver­halten hatte in ihm eine solche Verachtung gegen Frauen erzeugt, daß der Gedanke, mit einer Frau Zusammenleben zu müssen, ihm unerträglich war. Die einzige Ausnahme war Karla. Aber die war schon Mehr als ein irdischer Mensch in ihrer Güte und Selbstlosigkeit. Eine solche Frau wie Karla gab es nicht zum zweiten Male auf der Welt.

Was er sonst kennengelernt hatte bei kurzem Aufenthalt in den Tropenstätten, war alles immer so gewesen, daß ihn der Abscheu vor der Geldgier, der Charakterlosigkeit und Unaufrichtigkeit des Frauengeschlechts immer stärker ergriffen hatte. Uno doch mußte er sich zur Heirat entschließen! -venn Beltheim aufzugeben, war ein Gedanke, den er überhaupt nicht durchdenken mochte.

Karla saß leicht zurückgelehnt in ihrem Sessel; ihre schmalen Hände ruhten leicht auf ihrem wei­chen, dunkelroten Kleide. Sinnend sah sie zu dem Jugendfreund herüber. Was für Gedanken mochten durch seinen Kopf gehen? Er saß so still und in sich gekehrt da. Auf seiner Stirn stand die senkrechte Kerbe, die sie von Kinderzeiten her kannte, wenn ihn etwas Schweres beschäftigte.

Was hast du denn, Dietz? Woran denkst du denn? Du siehst ja so ernst aus?"

Da nahm Dietrich die Hände der Jugendfreundin- Karla, eine schwere Sorge liegt mir auf dem Herzen. Es ist da eine unglückselige Bestimmung in Tante Albertas Testament. Es ist so schwer, es zu sagen."

Karla wurde rot. Beinahe hätte sie sich ver­plappert und gesagt, daß sie durch Jutta unterrich­tet wäre. Aber im letzten Augenblick hielt sie die Worte noch zurück. Sie wollte Jutta nicht bloß- stellen und Dietrich nicht beschämen. Nach Juttas Mitteilungen liebte Dietrich Jutta noch. Er hätte sicher gelitten, wenn sie ihm die gehässige Unter­redung wiedergegeben hätte.

Sprich dich doch zu mir aus, Dietz! Wir sind doch beinahe wie Bruder und Schwester mitein­ander du weißt doch, doß du mir vertrauen kannst."

"Das weiß ich, Karla." Er nickte ihr dankbar zu. Dann begann er zu sprechen. Erst stockend, bann schneller. Die innere Erregung und Empörung über die Gewalt, die ihm durch Tante Albertas

boot die Fahrtteilnehmer nach Schloß Waldeck. Der von diesem Schloß sich bietende Blick über einen Teil des riesigen Sees war für viele ein Erlebnis. Ein gemeinsames Mittagessen vereinte Betriebs­führer und Gefolgschaft in den Räumen des Schloß ses. Gestärkt wurde alsdann die Weiterfahrt nach Bad Wildungen angetreten, dessen Kuranlagen zu einigem Verweilen einluden. Die untergehende Sonne sah den Omnibus mit den Fahrtteilneh­mern auf der Heimfahrt. Dankbar wurde es von der Gefolgschaft empfunden, daß die Betnebssuh- rung sämtliche Kosten dieser Veranstaltung über­nommen hatte. Abschließend kann man sagen, daß diese Fahrt ein Genuß für alle Teilnehmer war und gleichzeitig ein Bild echten nationalsozialistlfchen Gemeinschaftsgeistes bot.

Große Strafkammer Gießen.

Der am 13. April 1885 zu Möhringen geborene Alfred G u t wurde wegen Vergehens des fort­gesetzten Betrugs nach §263 StGB, zu einer Ge­fängnisstrafe von 2 Jahren 6 Mona­ten und zur Tragung der Kosten verurteilt. Dem Angeklagten werden 6 Monate der erlittenen Unter­suchungshaft auf die Strafe angerechnet.

Am 20. April 1933 gründete der Angeklagte mit einem Zeugen in Kirtorf durch Umwandlung

durch die falsche Angabe, es handele sich um ein gut fundiertes Unternehmen, zu gewinnen.

Amtsgericht Gießen

Während eine Sache wegen Nichterscheinens des Angeklagten vertagt wurde, nahmen in zwei weite­ren Sachen die Angeklagten die gegen die Straf­befehle erhobenen Einsprüche zurück.

Oberhesfen.

Pädagogen aus USA. besuchen deutsche Städte.

LPD. Bad-Nauheim, 23. Juli. Unter Führung des Leiters des Instituts für Ausländer in Berlin, Dr. Kartzke, weilte eine amerikanische Studiengesellschaft, darunter sechs der bedeutendsten Pädagogen und Leiter höherer Lehranstalten, in Bad-Nauheim. In ihrer Begleitung befand sich auch Professor Ernst Beutler vom Goethe- Museum in Frankfurt a. M. Die Reise durch Deutschland wurde von der Henry-Janssen-Founda- tion zum Zwecke des Studiums deutscher Schulver­hältnisse veranstaltet. Die Gesellschaft mar hier zu Gast bei dem Gründer dieser Stiftung, dem Deutsch­amerikaner Henry Janssen, der in Bad-Nau­

24 Stunden sind nur ein Tag,

ober sie genügen vollaus, um den Entschluß zu verwirklichen:

Auch ich werde Mitglied der 7lSV.

Hier habt ihr meine Hand, ich will mithelfen, deutschen Brüdern und Schwestern, deutschen Müttern und Kindern zu helfen!-Zch will mich nicht schämen müssen, wenn die NSV. demnächst aus den roten Haustafeln mich nicht als Mitglied der NSV. ausweist.

Hier, Mann von der NSV., melde mich als Mitglied der NSV. bei der

Kreisamtsleitung der NSV.

derDampfmolkerei und Mühle Kirtorf Oberhesfen m. b. H." dieDeutsche S e l b st h i l f e und Zweckspargesellschaft m. b. H." als Sitz des Unternehmens, dessen Gegenstand die Beschaf­fung von Darlehen durch kollektives Zwecksparen bilden sollte, wurde Gießen bestimmt. Als Stammkapital wurde die Summe von 15 000 Mk. angegeben, die zu gleichen Teilen von den oben­genannten Teilhabern getragen werden sollte. Da aber weder der Angeschuldigte, noch die beiden an­deren Beteiligten im Besitze von Barmitteln waren, war von dem Angeklagten geplant, das Stamm­kapital durch Aufnahme einer Hypothek auf den Grundbesitz eines der Beteiligten zu sichern. Dieser Plan konnte aber nicht zur Ausführung kommen, da das inzwischen ergangene Erbhofgesetz sine Be­lastung nicht zuließ. Trotzdem wurden von G u t Geschäfte mit Sparern abgeschlossen. Auf die Be­schwerde der Sparer wegen der mangelnden Ka­pitalkraft der Gesellschaft wurde von der Polizei festgestellt, daß das Unternehmen noch nicht im Handelsregister eingetragen war. Trotz dieses ge­setzwidrigen Zustandes hat der Angeklagte im Jahre 1933 insgesamt 83 Sparer mit einer Darlehens­antragssumme von 106 000 Mark geworben und die von den Sparern eingezahlten Raten von rund 16 000 Mark entgegengenommen. Trotzdem G u t den Sparern zusicherte, daß die Darlehen nach Ab­lauf einer kurzen Wartezeit und Erfüllung der Be­dingungen ausgezahlt würden, ist der größte Teil der Sparer bis heute unbefriedigt geblieben. Der Angeklagte, wußte die für ihn tätigen Vertreter

Testamentsbestimmung angetan werden sollte, sprach deutlich aus ihm:

Und das Schlimmste ist dieser raffinierte Plan Juttas", sagte er zornig.Sie hat geglaubt, mich wieder einfangen zu können."

Karla sah den Jugendfreund erstaunt an: Ich denke, du liebst Jutta noch?" Er lachte hart auf:

,Lieben? Ich verachte sie! Ich hasse sie! Denn sie hat mir den Glauben an die Frauen genom­men. Mit einer Ausnahme", fügte er warm hinzu, den Glauben an dich, Karla, den wird niemand und nichts in mir wankend machen. Aber sonst nach meinem Erlebnis mit Jutta kann es mir nie­mand verdenken, wenn ich den meisten Frauen nichts Gutes" zutraue."

Karla lächelte beinah heiter. Die Eröffnung, wie Dietrich zu Jutta stand, hatte sie geradezu von einem schweren Druck befreit. Also hatte Jutta wieder einmal gelogen. Sie kannte ja chre Nei­gung, die Dinge so zu drehen und zu wenden, wie sie ihr ins Spiel paßten. Schon in der Pensions- Zeit hatte sie diese Lügenhaftigkeit gezeigt. Karla zweifelte keinen Augenblick, daß Dietz die lautere Wahrheit sprach.

Was er über seine Verachtung gegen die Frauen sagte, störte sie nicht weiter. Ja, sie lächelte darüber, so ein bißchen mütterlich überlegen. Der liebe, gute Mensch, er war durch Juttas Hinterhäl­tigkeit so tief getroffen, daß ihm der Blick für chahres Frauentum getrübt war! Wenn ihr Lieb­lingswunsch in Erfüllung ginge, wenn aus Dietrich und Marlen ein Paar werden könnte, dann würde Dietrich bald anders urteilen. Dann würde er sehen, es gab nach Frauen auf der Welt, die ein reines Herz hatten, die selbstlos liebten und lauter bis in den Grund der Seele waren.

Als Dietrich Karla nun fragte:

"Was hälft du nun von dieser Testamentsbestim­mung? Und was soll ich tun?", da sagte sie mit einem übermütigen Lächeln, das ihr Gesicht wun­derbar verschönte:

Ganz einfach, Dietz heiraten!"

Das sagst du so. Aber wen? Du weißt ja verlieben kann ich mich nicht mehr in eine Frau' würde lediglich eine Formehe schließen. Das mußte die Frau von vornherein wissen. Und ich glaube, dann wird sich keine finden, bet der nicht wiederum die Berechnung eine große Rolle spielt."

Das wollen wir sehen!" sagte Karla weiter. Dann lauschte sie unten tönte die Klingel.

N heute noch Besuch?" fragte Dietrich ent- t(W- hatte so gern noch ein Weilchen allein mit dir geplaudert.«- Hoffentlich sagt der Diener, daß ich nicht zu sprechen bin."

. stand auf und ging ans Fenster. Unten im Schloßportal stand ihr Auto.

Dietrich -- das ist nämlich der Vater. Er hat mich hierher gefahren und hat inzwischen em paar Sachen in der Stadt er»

heim zur Kur weilt. In angeregter Unterhaltung wurden die bisher gewonnenen günstigen Eindrücke über die deutschen Verhältnisse im allgemeinen und die Schulverhältnisse im besonderen ausgetauscht. Alle Teilnehmer waren voll des Lobes über die gastliche Aufnahme und das Entgegenkommen in deutschen Städten.

Landkreis Gießen.

* Lang-Göns, 23. Juli. Am Samstag fand im hiesigen Rathaus die Generalversamm­lung der Spar - und Leihkasse statt. Der Vorsitzende K. A. Artz eröffnete die Versammlung und begrüßte die erschienenen Mitglieder. Er gab bekannt, daß im vorigen Jahre drei Mitglieder durch Tod ausgeschieden seien, worauf die übliche Ehrung für die Verewigten erfolgte. Der Rechner Bürgermeister Wenzel erstattete den Geschäfts­bericht von 1934, woraus zu entnehmen war, daß der Umsatz seit dem vorhergehenden Jahre be­deutend gestiegen ist. Da keinerlei Beanstandungen des Geschäftsberichts durch die Versammlung er­folgte, wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. Der Vorsitzende schilderte hierauf die günstigen Ver­mögensverhältnisse der Kasse, da diese über große Summen Wertpapiere verfüge. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats Karl Bergt erläuterte noch einmal in Zahlen den Stand und das ansehnliche Ver­mögen der Kasse. Hierauf sprach der Vorsitzende den Wunsch aus, daß sich die Kasse immer weiter entwickeln möge nicht allein zum Segen der Kasse, sondern auch für die ganze Gemeinde. Er schloß dann die Versammlung mit einem Sieg-Heil.

leöigt. Nun kommt er mich abholen. Er möchte dir doch nur guten Tag sagen."

Dein Vater? Das ist etwas anderes. Ich freue mich immer, ihn zu sehen."

Jetzt meldete der Diener:

^Herr Hauptmann von Weckenroth und Fräulein Fragend sah Dietrich Karla an.

Meine Freundin Marlen, Dietrich!" sagte Karla schnell.Du weißt, ich schrieb dir doch nach Rio von ihr. Ich lernte sie in dem Sanatorium von Doktor Langgisser kennen. Sie war dort Gärtne­rin. Sie ist seit einiger Zeit ohne Stellung und bei uns als lieber Gast."

Etwas bedenklich sah Dietrich an sich hernieder: Ich weiß nicht, ob ich eine fremde junge Dame so empfangen kann. Ich bin doch im Hausanzug."

Du bist Patient. Damit ist alles entschuldigt", entschied Karla.Ich möchte Hoch, daß Marlen dich endlich einmal kennenlernt. Ich habe ihr ja so viel von dir erzählt."

Eigentlich war es Dietrich nicht recht, jetzt noch fremden Besuch zu empfangen; aber er wollte Karla nicht kränken. Außerdem wäre es unhöflich gewesen, abzulehnen.

Ich lasse bitten!"

8. Kapitel.

Der Diener verschwand und öffnete die Tür vor Karlas Vater und Marlen.

Guten Tag, mein lieber Dietrich!" Hauptmann Weckenroth kam mit ausgestreckten Händen auf Dietrich zu. Er brachte eine Welle von frischer Luft und Gesundheit mit sich:

Na laß dich mal anschauen, mein Junge! Wie siehst du denn aus? Bißchen klapprig noch! Wird schon wieder werden."

Guten Tag, Weckenroth!" Dietrich schüttelte dem älteren Freunde herzlich die Hand.Ich freue mich aud), daß du" Er konnte nicht weitersprechen. Er stand und schaute auf das junge Mädchen, das etwas schüchtern und ratlos in der Tür stand, und das Weckenroth während seiner lärmenden Begrü­ßung ganz vergessen hatte. Herrgott, war das ein bezauberndes Geschöpf! Was für wundervolle, ernste Augen in dem klaren, hellen Gesicht! Augen von einem samtigen Grau, wie er es noch niemals gesehen hatte überschattet von tiefdunklen, sei­digen Wimpern. Diese seidigen Wimpern und dunklen Augenbrauen waren von einem eigentüm- lidjen Reiz zu der Lichtheit des Gesichts und des blonden Haares, das unter der kleinen Kappe her- oorfam. Er glaube noch nie etwas so Liebliches und Reines gesehen zu haben wie dieses Mädchen, das jetzt mit einem schüchternen Lächeln um den jarkn, geschwungenen Mund ihn anschaute. Er machte einen Schritt auf sie zu:

du mich nicht bitte vorstellen, Wecken­roth?"

®einaf) hilflos sah er von ihm zu Karla.

Ach natürlich; Entschuldige! Hab' ich in der Wiedersehenssreude ganz 'vergeßen."

Rodheim bei Hungen, 24. Juli. Der in die Chirurgische Klinik nach Gießen unter dem Der. dacht auf Schädelbruch bewußtlos eingelieferte Ri­chard Bley von hier, hat, wie wir hören, gluck, licherweise keinen Schädelbruch erlitten, |on- dem bei seinem Unfall nur eine Kopfverletzung daoongetragen. Sein Befinden gibt zu Bedenken zum Glück keinen Anlaß.

Kreis Friedberg.

* Pohl-Göns, 23. Juli. In einer der Kurven bei unserem Orte ereignete sich gestern gegen 20 Uhr ein Autozusammenstoß. Ein Gießener Kraftwagen, der in der Richtung nach Gießen fuhr, stieß mit einem von einem tschechischen Staatsange, hörigen gesteuerten Auto zusammen. Der Unfall kam dadurch zustande, daß der Ausländer, seiner heimatlichen Gewohnheit entsprechend, links vor­beifahren wollte. Der Zusammenstoß war so heftig, daß der ausländische Wagen 16 Meter weit in das Feld geschleudert wurde. Glücklicherweise entstand nur Sachschaden.

Kreis Alsfeld.

* Romrod, 23. Juli. Auf der Gießener Straße, kurz unterhalb des Waldes, ereignete sich durch einen doppelten Reifendefekt ein Autoun. fall. Der Kraftwagen, eine Opellimousine, geriet ins Schildern, drehte sich um sich selbst und schlug heftig gegen einen Baum. Der Kraftwagen- führer'blieb zum Glück unverletzt. Das Auto wurde schwer beschädigt.

Runöfunfprogramm.

Donnerstag, 25. Juli.

6.15 Uhr: Choral Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Morgenmusik. In der Pause: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 9: Werbe- kontert. 9.15: Musik am Morgen. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11: Werbekonzert. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mit­tagskonzert I des NS.-Reichs-Symphonie-Orchefters. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten der Gauleitung. 15.15: Kinderfunk. 16: Kleines Konzert für Violine und Klavier. 16.30: Bücherfunk. 16.45: Große Deutsche erleben Heimat und Welt.Eine Fahrt nach Rügen vor hundert Jahren". Von Carl Gustav Carus. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Ein­maleins für Gartenfreunde. Nützliche Betrachtungen eines Dichters. 18.40: Kunst und Glaube. 19: Unter­haltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Neichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Sinfonie-Konzert. 22: Nachrichten. 22.10: Nach­richten aus dem Sendebezirk und Sportbericht. 22.20: Unterhaltungskonzert. 23: Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtmusik.

Freitag, 26. Juli.

6.15 Uhr: Choral Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9.15: Musik am Morgen. 10.45: Prak­tische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozial, dienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. Am Wohenende Dolce far niente. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Kleines Konzert. 16.30: Ist ein Saison-Ausgleich in der Automobil-Industrie möglich? Eine konjunktur- politische Betrachtung von Dr. K. Kühn, Frankfurt a. M. 16.45: Kampf um das Reich. Friedrich Bar­barossa oder Heinrich der Lowe. 17: Bunte Musik am Nachmittag. 18.30: Jugendfunk. 18.45: Das Leben spricht! 19.05: Tanzfunk. 19.40: Deutsche Mikrophone. Ein nicht technisches Gespräch. 19 50' Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. N: Nachrichten. 20.10: Volksmusik. 20.30:Auf der Alm, do gibts foa Sünd". Bürgerliche Komödie von Sigmund Graff. 22: Nachrichten. 22.15: Nach­richten aus dem Sendebezirk. 22.25: Sportvorschau. 22.45: Vom Nürburgring: Hörbericht vom Training zum Großen Preis von Deutschland. 23: Ausschnitte aus Bunten Abenden. 24 bis 2: Nachtmusik.

Weckenroth wandte sich um, nahm Marlen bei der Hand und schob sie ins Zimmer:

Also das ist das kleine Fräulein Marlen Korda, die Freundin Karlas und unser lieber Hausgenosse, Und das ist der Dietrich, Fräulein Marlen! Na die Karla hat Ihnen ja sein Lob sicher. schon in allen Tonarten gesungen. Eigentlich verdient er es nicht, der Nichtsnutz, der so leichtsinnig mit feiner Gesundheit umgeht und uns wochenlang in solche Angst versetzt."

Gutmütig schlug Weckenroth Dietrich auf die Schulter.

Guten Abend, Herr Graf!" sagte Marlen Korda befangen. Zaghaft reichte sie Dietrich die Hand, die er ergriff. Es war eine Hand, die trotz der Feingliedrigkeit die Arbeit kannte. Er spürte es. Ein wunderbarer Lebensstrom ging von dieser Mädchenhand aus von diesem schönen, reinen Gesicht mit den klaren, grauen Augen.

Vielen Dank, mein gnädiges Fräulein, daß Sie mich besuchen!"

Marlen wollte etwas erwidern. Aber sie brachte keinen Ton über die Lippen.

Das war also nun Dietrich Veltheim, von dem ihr Karla so viel erzählt hatte der in Kar'as Worten ihr so lebendig und gegenwärtig geworden war. So wie er ausschaute, hatte sie ihn sich ge­dacht und doch wieder anders! Kräftiger, blühen! sicher, aber die Krankheit mußte ihn sehr oeräii» öert haben. Wie abgezehrt und schmal das schön» geschnittene Gesicht war! Nase, Kinn und Wan» genpartie hatten durch die Abgezehrtheit etwas Kantiges und Unerbittliches. Das war ein Mensch aus einem Guß, festgefügt auch in seinem Charak­ter! Ein Mensch, der sich sicher nicht wandeln konnte! Der streng und hart auf dem beharrte, roas er als seine Lebensgrunchatze anerfaniit hatte!

Karla hatte von ihrem Sessel aus mit einem ge* heimen Lächeln die Begrüßurm ihrer beiden lieb­sten Menschen mit angesehen. Sie kannte Dietrich genau. Sie kannte Marlen noch genauer. Sie faf) in Dietrichs Augen das heiße Entzücken und auf Marlens Gesicht die zarte Verwirrung. Dicfe beiöen Menschen mußten zusammenkommen! Sie waren vom. Schicksal füreinander wie geschaffen. Was sie dazu tun konnte, würde getan werden. Aber behutsam mußte man sein. Ganz behutsam. Dietrich mußte von selbst erkennen lernen, wie misch seine Ansicht von Frauen war, daß er kein Nechte hatte, von Jutta auf andere zu schließen. Und Marlen, dies kleine, scheue Wesen ob sie Dietrich wohl liebgewinnen konnte? Aber wer sollte Dietrich nicht liebhaben?

Bitte, nehmen Sie doch Platz!" Dietrich wies auf die Sessel.Karla, willst du so gut sein, Hausfrauenpflichten zu übernehmen? Der Dienet bringt uns soeben den Tee."

Darf ich es nicht tun?" fragte Marlen schnell.

(Fortsetzung folgtI)