Ausgabe 
24.4.1935
 
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Nr. 95 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Mittwoch, 24. April (955

Aus dem Reiche der Krau.

einanderstellung von sogenannten Komplementär­farben. Gewisse Farbenkompositionen können ge­radezu dem Auge wehtun. Aehnliche Gesetze gelten für die Akustik: Disharmonien und Lärm sind immer unschön.

Nie wird daher eine Wohnung für schön gelten können, die nicht mindestens in einem Teil ihrer Räume die Möglichkeit gibt, sich dem Lärm der Stadt zu entziehen und völlige Ruhe zu ge­nießen. Nie wird eine Wohnung schön genannt werden können, in der nicht Stühle, Sofas, Betten bequem genug find, um sich darin von des Tages Arbeit wirklich zu erholen. In einer schönen Woh­nung müssen Wände, Fußböden, Möbel leicht zu reinigen sein. Eine schöne Wohnung muß sich leicht und ausgiebig lüften lassen, denn auch Nase und Lunge haben ein Anrecht auf Erfüllung ihrer Wünsche nach Erholung und Beglückung. Be­sonders wichtig ist es, daß im Speiferaum Auge, Ohr und vor allen Dingen die Nase in keiner Weise belästigt werden, denn das in angenehmer Um­gebung und daher in behaglicher Stimmung ver­zehrte Essen schmeckt doppelt so gut. Eine 'schöne Wohnung darf auch von der Hausfrau kein Uebermaß an Arbeit verlangen, denn ab- aearbeitet und abgehetzt wird sie für Schönheit kein Empfinden haben. Daher fort mit allen Nipp­sachen. Ist es dir möglich, dich mit ein paar schönen Bildern und hübschen Vasen zu umgeben, so be­trachte eine solche Anschaffung nie als Luxus! Ein Blick auf ein Bild, das man liebt, kann ablenken von Sorgen, wohltun, beglücken. Kannst du dir nichts dergleichen leisten, so tun es auch ein paar Feldblumen in einer einfachen Schale.

Laßt die Sorgen vor der Tür!" Das ist das beste Mittel, um sich in seinem Heim wohl zu füh­len. Dann wird jedem feine Wohnung, möge sie reich oder einfach ausgestattet sein, sicherlich schön erscheinen.

Frau mit dem Frontkampserkreuz

Vom stillen Heldentum

Ruhe, und Frieden liegen über den Räumen des Krankenhauses. Die Harmonie selbstverständlicher Pflichterfüllung und unermüdlicher Schaffensfreude spiegelt sich auf den Gesichtern der Pflegerinnen wieder. Auch Schwester Anna gehörte zu ihnen. Ihr Dasein heißt Hilfe spenden, Schmerzen lindern und immer wieder helfen. Silbergraues Haar schmückt chr feines, abgeklärtes Gesicht. Sie spricht nicht gern über ihr Leben, über all die schweren Jahre, in denen sie an der Flandernfront ihren anstrengenden Dienst versah.Ich tat doch nichts als meine Pflicht", erklärte sie.Denken Sie doch an die vielen jungen Menschen, die draußen ihr Leben beschließen mußten. Sie haben mehr für ihr Vaterland geopfert als unsereins ..

Mitte dreißig war Schwester Anna, als es hinausging. Gleich bei Ausbruch des Krieges verließ sie mit 14 Kameradinnen ihr Mutterhaus und fuhr nach Belgien, um dort den deutschen Soldaten, die schwer verwundet in die Feldlazarette getragen wurden, zu helfen.Ach, es war grauenvoll, was man da manchmal zu sehen bekam. Verstümmelun­gen, die von Granaten herrührten, wechselten mit lebensgefährlichen Verwundungen durch Minen ab. Mit Kopf- und Brustschüssen lieferte man die tapfe­ren Männer in unser Feldlazarett ein. Die leichten Fälle wurden sofort in die Heimat oder in das Kriegslazarett geschickt, so daß wir unsere ganze Hilfe auf diejenigen konzentrieren konnten, die jede Minute zwischen Leben und Tod schwebten. Glau­ben Sie mir, es war erschütternd mitanzusehen, wie alte Familienväter in ihrer letzten Stunde ihre ganze Kraft noch ein einziges Mal aufrafften, um an Frau und Kind ein paar Abschiedsgrüße zu schreiben. Wir haben viel Schweres in diesen Jah­ren miterleben müssen und waren glücklich, wenn wir helfen konnten ..."

Große Kriegstage hat Schwester Anna miterlebt. Die Schlacht um den Kemmel, die Stellungskämpfe um Ppern, die Schlachten in Flandern, überall war sie dabei, um zu heilen. Zuletzt war sie in Antwer­pen und pflegte dort die verletzten Amerikaner, Engländer und Belgier. Am Kriegsende kam Schwe­ster Anna wieder an die Grenze ihres Vaterlandes und versah in Münster ihren.aufopfernden Dienst. Ihre Augen glänzen, wenn sie von der Freude er­zählt, die sie empfand, wenn ihr ein Kriegsverwun­deter, den sie gepflegt hatte und der inzwischen ge­nesen war, ein paar Zeilen des Dankes sandte.

Oft befanden sich die Insassen der Feldlazarette in größter Gefahr. Schwester Anna berichtet, wie eines Tages eine Fliegerbombe in das vor dem Lazarett zur Mahnung für feindliche Flieger aus­gezeichnete große rote Kreuz schlug und das ganze Gebäude gefährdete. Einige Erlebnisse kann sie nie vergessen. Sie sind für sie unauslöschliche Eindrücke geworden. So erinnert sie sich eines Luftangriffes, den sie 1917 in Flandern miterlebte. Es war ein sonniger Frühlingstag. Draußen im Lazarettgarten lagen ein paar Patienten, die sich aus dem Wege zur Gesundung befanden. Sie waren glücklich, die Strahlen der ersten Märzsonne zu empfangen. Schwester Anna ging mit ein paar Pflegerinnen auf das Feld, um noch etwas für den Mittagstisch zu holen. Da plötzlich hörte man ein unheimliches Surren in der Luft. Immer stärker und kräftiger kam der metallene Riefenoogel heran. Die Kranken schleppten sich so gut es ging in das Laza­rett. Der Bombenflieger kreiste über dem Gebäude. Eine gewaltige Explosion! Später entdeckte man am Wegrand einen jungen Soldaten. In der Hand hielt er einen Brief an seine Mutter, der er gern ein paar Zeilen aus dem Feld senden wollte. Bei dem Wort Mutter hatte ihn ein Splitter ins Herz getroffen.

Die Ereignisse jagten sich, berichtet Schwester Anna. Und das war vielleicht ganz gut, denn wenn man Zeit zum Nachdenken gehabt hätte, wäre viel­leicht manches noch schwerer zu ertragen gewesen."

Vor kurzem erhielt Schwester Anna nun das bronzene Ehrenkreuz für Frontkämpfer und die Bescheinigung, daß sie vom 1. Dezember 1914 bis zum Ende des Weltkrieges ihre Pflicht an der Flandernfront erfüllt hat. Ihr wurde der schönste Orden verliehen, den eine deutsche Frau schmücken kann. Ein Symbol des Mutes und der äußersten Pflichterfüllung. M.

Kleine Liebe zum Haushalt.

Von Senta Neckel.

Die kleinen Lieben, die machen das Glück des Lebens aus, nicht die großen, gewaltigen, die zwar alles überrennen, aber die auch viel Leid mit sich bringen! Aber diele kleinen, zärtlichen stillen Lie­ben, an denen soll man es nicht fehlen lassen!

Kleine Liebe zum Haushalt? Ja, das darf man schon sagen, wenn man eine richtige Frau sein will. Es gibt natürlich auch Tage, wo man seufzen muß: ach,'dieser Haushalt, und es gibt auch Tage, an denen man sagt: alles nur nicht Haushalt! Aber all die vielen anderen Tage im Jahr, da lächelt man und freut man sich über die kleine Liebe"!

Morgens fängt es bann schon an. Man freut sich, daß man alles so wiederfindet, wie man es am Abend verließ. Jeden Morgen fröhliche Begrüßung und das Gefühl: Es ist doch eigentlich furchtbar nett und gemütlich bei uns! Allerdings, es fehlt noch so einiges in der Wohnung aber das ist ja ge­rade das Schöne, man weiß dann wenigstens, was man sich wünschen soll. Wohnungen, die so gänzlich komplett sind, die machen gar nicht so einen Spaß.

Morgens beim Kaffeetrinken wird dann überlegt, was alles am Tag zu tun ist. Minderwertigkeits­komplexe wegenHausfrauenarbeit" kommen dabei gar nicht auf, denn seitdem man weiß, daß drei Viertel des Volksvermögens durch die Hand der Hausfrau geht, ist man von der Wichtigkeit des Haushalts mit Recht überzeugt.

Kleine Liebe zum Kochtopf! Fragen Sie ein­mal ganz ehrlich, welche Frau die nicht hat! Kochen, das ist beinah so ein bißchen Zauberei, und dafür hat die Frau ja schon seit dem finstersten Mittel- alter etwas übrig! Was kann man alles aus einem E' machen? Wer ahnt, wieviele Teile ein Huhn hat, und was man alles daraus machen kann! Kein I Mann kann auf eine gelungene Börsentransaktion

stolzer sein, als eine Frau auf ein Hühnerfrikaffee mit einer ganz neuen, von ihr erfundenen Tunke! Am Kochherd wachsen der Frau Kräfte, von denen sie nichts ahnte! Daß sie nicht bis in die Sterne wachsen, dafür sorgt dann schon der A b w a s ch. Für den kann niemand eine Liebe aufbringen, nein, beim besten Willen nicht, denn Abwaschwasser ent­behrt jeden Reizes, da wird auch die kleine Liebe so klein, daß sie nicht mehr zu entdecken ist!

Kleine Liebe zum W i r t s ch a f Hs g e l d! Ja, da wird aus der kleinen Liebe sehr oft eine große Liebe! Besonders in der ersten Zeit einer jungen Ehe! Sehr oft ist ja das Wirtschaftsgeld das erste selbständige" Geld der jungen Frau! Ein herrliches Gefühl! Man macht sich lauter Kästchen und Täsch­chen und teilt zunächst alles ein. Diese Kästchen­wirtschaft har ihren ganz besonderen Reiz, den nie ein Mann begreifen kann! Es soll hier gar nicht die Rede sein von dem Kästchen mit demSchmu­pfennig", denn dieser Reiz hat meistens einen so bitteren Nachgeschmack, daß man ihn sich schnell ab­gewöhnt! Ader das Wirtschaftsgeld, dieses Kapital, das man kraft der häuslichen Vollmacht verwalten darf, das ist doch eine herrliche Sache solange es reicht! Und es muß reichen, dafür muß man halt sorgen, und diese Sorge ist eben ein ganz wichtiger Teil der kleinen Liebe! Man ist so glück­lich, wenn der Letzte des Monats herankommt und es wieder Geld gibt; ganz Schlaue machen sich ja zwei Ultimos, am 30. und am 15., dann haben sie doppelten Genuß'

Kleine Liebe zum Kinderzimmer! Welche Mutter kennt das nicht! Wenn man so in das Zimmer kommt, wo es immer ein klein bißchen unordentlich ist, wo immer etwas herumliegt und wo man deshalb nie schimpft! Kinderzimmer brau­chen nicht immer geleckt auszusehen, sie sollen es gar nicht. Wenn man da als Frau mitten drin steht, umweht, von der Atmosphäre der Kinder, dann schlägt das Herz ganz laut und fest, und die kleine Liebe wächst und wächst, und dann weiß man, daß die kleine Liebe eigentlich eine ganz große Liebe ist!

Die schönste Stunde am Tage? Wenn der Haus­halt ruht, wenn man abends schlafen geht? Ach nein, die schönsten Stunden sind die, wo man sich an den Kopf faßt und fragt: wie soll ich bloß fertig werden? Aber man wird ja fertig und das ist das Wunder!

Kleine Liebe zum Haushalt! In diesen Worten liegt der Lebensinhalt der Frau! Nicht etwa sich als Haushaltssklavin fühlen und sich und anderen das Leben schwer machen! Jeden Tag einmal rich­tig lachen, das gehört unbedingt dazu. Aber wer sich das Leben vergällen läßt, weil einmal ein Teller kaputt ging, ober weil das Gemüse um zwei Pfennig teurer wurde, der hat das noch nicht er­faßt, was es heißt, eine kleine Liebe zu haben! Der Haushalt will umworben werden, von selbst fällt einem nichts in den Schoß!

Haushalt als Beruf heißt: berufen fein zum Haushalt! Liebe gehört dazu, viel Liebe und Ver­ständnis.

-Was sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

PÖR SONNEN

TAGE

REGEN

MÄNTEL

fek * W

H und KUHLE

Unsere heutigen Skizzen zeigen drei Sommer- mäntel für die verschiedenen Witterungsarten.

Für die schönen Tage ist der dreiviertel­lange Seidenmantel gedacht, der am elegan­testen, in Schwarz wirkt, und so auch am häufigsten zu verwenden ist zu buntgemusterten wie einfar­bigen Kleidern jeder Stoffart, einerlei ob zu den hellsten oder dunkelsten Farbtönungen. Der Rücken ist sehr weit gehalten, die beiden Schleifenteile sind dem gezogenen Schulterstück angeschnitten.

Der hochzuschließende Regenmantel ist aus

beige Gabardine. Den Aermeln sind schmale Schulterstücke angeschnitten, die großen, aufgesetzten Taschen sind durch Klappen und Knöpfe zu schließen.

Für kühlere Tage, ist der warme Mantel in leichtglockiger Form. Sein Material ist heller W 0 l l st 0 f f, für sportliche Zwecke weißer Flausch. Das Modell zeigt zu dem großen Aufschlag­kragen und den Stulpen breite Steppnähte, ein­geschnittene Taschen und einen Gürtel aus einem neuartigen Kordelgewebe. H.

Wann lst eine Wohnung schön? praktische Anregungen für Zedermann

Bon Zrma Lohse.

Kein Heim, in dem man sich nicht wohlfühlt, wird wenigstens auf die Dauer schön er­scheinen. Dieneue Sachlichkeit" in der Architektur des Hauses und des Hausrats stellt als wichtigste die Forderung auf, das Haus im ganzen, jede Wohnung, jeder Raum und jeder Gegenstand müsse zweckentsprechend gebaut sein. Das bedeutet aber keineswegs, daß künstlerische Gesichtspunkte nicht mehr berücksichtigt werden müssen, daß es auf Schönheit nicht meyr ankomme. Im Gegenteil, ge­sunde Ueberlegung wird stets zeigen, daß die eine Forderung der anderen nicht nur nicht widerspricht, sondern mit ihr geradezu übereinstimmt.

Was ist schön? Es ist eine alte Weisheit, daß sich über Geschmack nicht streiten lasse; aber es ist nicht unbedingt richtig. Schön kann nur sein, was unseren Sinnen wohltut, und so individuell unsere Augen, Ohren und Nasen auch beschaffen fein mögen, in den Grundlagen ihrer Arbeitsweise stimmen sie natürlich überein und werden von be­stimmten Gesetzen beherrscht. Bekanntlich tut es unserem Auge wohl, wenn sich Linien in einem b e ft i m m t e n Verhältnis schneiden oder an­stoßende Linien in bestimmtem Verhältnis zuein- anderstehen. Schon die Künstler des Altertums kannten die Lehre vomgoldenen Schnitt" und verwerteten häufia diese Kenntnis. In der Tat empfindet unser Auge es als angenehm, wenn die anstoßenden Seiten eines Rechtecks (z. B. eines Bildes oder eines Möbels) imgoldenen Verhält­nis" zueinander stehen, das heißt, daß die eine L'nie sich zur anderen verhält, wie die andere zur Summe beider. Bestimmte Farbenzusammenstellun- gen sind unserem Auge sympathisch, z. B. Neben-

Toni will nicht essen.

Von Zlse Mahl.

Der Toni ist kein verzogenes Kind. Er hat nur eine grenzenlose Abneigung gegen manche Speisen. Er mag keinen Wirsing, keine Tomaten und keine Roten Rüben, er ißt auch manchmal kein Fleisch, und wenn er Milch trinken soll, streckt er den Hals. Da hilft keine Strafandrohung von feiten des Vaters, der in seinem Hause keine Leckermäuler duldet, da hilft auch kein Zuspruch der Mutter, die den Toni gelegentlich schon auf den Schoß genom­men hat und durch Erzählen eines Märchens aus dem garstigen Essen eine Wunderspeise machen wollte. Toni merkte den Schwindel und wurde erst recht widerspenstig. Ja, als er sah, daß er da zum Mittelpunkt einer hochwichtigen Angelegenheit wurde, wuchs seine Apathie zusehends, und er machte sich ein teuflisches Vergnügen daraus, die besorgten Eltern noch mehr zu ängstigen.

Erst als Tonis Mutter eine neue Behandlungs­weise einschlug, wurde es besser. Sie hat sich nämlich erinnert, daß es in ihrer Kindheit ebenfalls Dinge gab, die sie um alles in der Welt nicht essen konnte, und die heute zu ihren Lieblingsspeisen gehören. Es gibt eben manche Speisen, namentlich Gemüse, die aus irgendwelchen Gründen von vielen Kindern abgelehnt werden, ohne daß man diesen Kindern nachsagen könnte, daß sie Leckermäuler sind. Da­gegen wird alles, was süß ist, Obst, Pudding, Brei, Mehlspeisen, mit wahrem Heißhunger verschlungen. Toni wird nicht mehr gezwungen, Dinge zu essen, die er nicht mag, die er nur mit Widerwillen essen und daher schlecht verdauen würde. Sondern seine Mutter wartet ruhig auf den Tag, an dem er nach all den Sachen verlangen wird, die er jetzt ver­schmäht. Kinder wollen ja bekanntlich immer von dem, was die Eltern essen und was sie selbst nicht bekommen sollen.

Seitdem wird manche peinliche Familienszene, bei der es nur Aerger, Tränen und böse Worte gab, vermieden.

Nicht alle Fälle liegen natürlich so einfach wie der Tonis. Es gibt wirklich Kinder, die in ihrem Eigensinn gefährliche Anlagen zu einem Leckermaul zeigen. Aber auch hier wird durch Schimpfen und Schläge gewöhnlich nur das Gegenteil von dem er­reicht, was man bezwecken will. Am besten ist es auch in diesem Fall, nicht viel Aufhebens von der Sache zu machen. Im übrigen nicht alle Wünsche bedingungslos erfüllen und sich nicht gleich zu Tode ängstigen, wenn das Kind dann einmal gar nichts ißt. Eine ausgelassene Mahlzeit verursacht noch keinen Hungertod. Es wird dann das nächste und übernächste Mal um so herzhafter zugreifen.

Ein gesundes Kind, das sich viel in freier Luft aufhält und genügend Bewegung hat, wird sich in diesen Dingen auch ohne gewaltsames Zutun der Eltern richtig verhalten, vorausgesetzt, daß die Mahl­zeiten pünktlich eingehalten werden und das Kind zwischendurch ober gar nichts bekommt Plötzliche Appetitlosigkeit bei sonst gut essenden Kindern ist immer ein bedenkliches Zeichen für ihre Gesundheit. Oft ist eine Fieberkrankheit im Anzug, und es wäre gerade in diesem Falle von der Mutter besonders töricht, das Kind zu quälen und es unbedingt zum Essen zwingen zu wollen.

Mal was anderes!

Eine Handvoll erprobter Rezepte.

Schwarzwurzeln in Pfannkuchenteig. Die Wurzeln werden gut geschabt, in fingerlange Stucke geschnitten, sofort in Wasser mit etwas Zitronensaft gelegt und bann gar gekocht. Wenn fie gar finb, werben sie in bickem Pfannkuchenteig gewälzt und in schwimmendem, kochenden Fett ge­backen, bis fie hellbraun sind. Mit Tomatentunke zu Tisch geben.

Braunes Rindfleisch mit Gelb e b e n und Kartoffeln. Zutaten: 1 bis IV2 Pfund Rindfleisch, 40 g Butter, 50 g Mehl, eine halbe Zwiebel, 3A bis 1 Liter Wasser, IV2 Teelöffel Salz, 1 Eßlöffel Essig, V» Lorbeerblatt, 1 Prise Pfeffer, 4 bis 5 Gelberüben, 2 große Kartoffeln, 1 Teelöffel Maggis Würze. Zubereitung: Das Fleisch, am heften vorn Schlegel, schneidet man m Portions­stücke, bratet diese im heißen Fett gut an, streut das Mehl darüber und röstet es schön braun. Nun läßt man noch die geschnittene Zwiebel mitdämpfen, bis sie weich ist, und löscht mit Wasser ab, gibt die an­gegebenen Gewürze hinzu und dämpft das Fleisch in gut verschlossenem Topf. Wenn es etwa halb weich ist, mengt man die gewaschenen, geschabten, in Stifte geschnittenen Gelberüben und etwas später die rohen Kartoffelwürfel unter. Beim Anrichten verbessert man das Gericht noch mit Maggis Würze.

F l e i sch p u d d i n g. Die Fleischreste werden recht fein gewiegt. Man bräunt IV2 Teelöffel Zwiebel in ein wenig Butter. Hierauf bereitet man aus 80 g Butter und 100 g Mehl eine Mehlschwitze, der man die Zwiebeln und 1% Liter kochende Milch zusetzt. Man nimmt die Soße vorn Feuer und tut, sobald sie etwas abgekühlt ist, unter kräftigem Rüh- ren 3 Eier hinein. Nun gibt man das gewiegte Fleisch hinzu, schmeckt die Masse mit Salz, weißem Pfeffer und ein wenig Zucker gut ab und mischt das zu festem Schaum geschlagene Weiß der drei Eier darunter. Die Masse wird in eine gut mit Fett ausgestrichene und mit Semmelmehl aus­gestreute Puddingform getan, mit dem Deckel gut verschlossen und im Wasserbade etwa IV2 Stunden gekocht. Die Form wird gestürzt und der Pudding mit zerlassener Butter und Tomatensoße zu Tisch gegeben.

Gebratene Lammschulter mit Fül­lung. Aus der Lammschulter entfernt man den Knochen bis auf den äußeren Beinknochen. Dann nimmt man 60 g feingestoßene Semmel, 50 g ge­hackten rohen Schinken, zwei Teelöffel voll Stein­pilze und je einen Teelöffel voll Zwiebeln, Peter­silie und andere Küchenkräuter, wiegt das letztere alles ganz fein und bindet hierauf die Mischung durch ein geschlagenes Ei. Die leere Stelle, die der fortgenommene Knochen hinterlassen hat, roirö mit diesem Füllsel gefüllt und sorgfältig zugenäht. Gleich- zeitig umwickelt man das Fleischstück mit Garn, (egt den Boden der Bratpfanne dicht mit dem Fett aus, das man von dem Lamm gewonnen hat, und dar- über die Knochen, Petersilie,'Würzkräuter und Zwte- beln. Die Lammschulter wird angebraten, mit einem halben Liter Fleischbrühe übergossen und langsam gar gebraten. Begießen nicht vergessen.