zu melden. (Anschrift: Berlin W 9, Saarlandstr. 121, Fernsprecher Bl, Kurfürst 0258). Wer sich bis auf diesen Zeitpunkt nicht gemeldet hat, wird auf Grund des § 1 Ziffer 5 des Gesetzes vom 27. Februar 1934 mit Wirkung oom 1. August 1935 zwangsweise der Spitzenoertretung angeschlossen. Auf Die Strafbestimungen des §3 dieses Gesetzes, wonach vorsätzliche oder fahrlässige Zuwiderhand- tunaen gegen die Getroffenen Anordnungen mit Gelostrafen oder Gefänanis bis zu 1 Jahr bestraft werden, wird hingewiesen."
Auf Grund dieser Verfügung des Reichs- und Preußischen Verkehrsministers sind alle als Hotelvortiers in deutschen Hotels beschäftigte Personen verpflichtet, dieser Aufforderung Folge zu leisten, sofern sie irgendwelche Reisevermittlungen betreiben. Hierzu gehört der Verkauf oder Die Besorgung von Beförderungsausweisen jeglicher Art (Eisenbahn, Flugzeug, Rundfahrten, Kraftwagen, Schiff, Gesellschafts- outobusse o. ä.). Auch ist die Meldepflicht bereits gegeben, wenn z. B. Fahrkarten nur in einzelnen Fällen besorgt, oder vermittelt werden. Alle Hotel- portiers, auf welche obige Voraussetzung zutreffen, werden hiermit aufgefordert, ihre Anschrift der Spitzenvertretung „Hilfsgewerbe des Verkehrs , Berlin W9, Saarlandstraße 121, bekanntzugeben. Weitere Bekanntmachungen geben wir ihnen alsdann von dort aus zu.
Neuorganisation
des Gießener Einzelhandels.
Der Verein der Einzelhändler zu Gießen hatte feine Mitglieder auf den gestrigen Donnerstagabend zu einer außerordentlichen Generalversammlung in das Kaufmännische Vereinshaus einberufen. Rach einleitenden Ausführungen des Dereinsvorsitzenden, Kaufmann Karl H o r ft, wurde der Geschäftsbericht erstattet und anschließend der Kassenbericht be- farmt gegeben. Nach diesen Berichten wurde dem Dorftand Entlastung erteilt. Sodann wurden über den Stand der Neuorganisation im Einzelhandel berichtet, durch die u. a. auch die Auflösung des Vereins der Einzelhändler zu Gießen erforderlich geworben ist. Die Auflösung des Vereins wurde einstimmig beschlossen. Für den Kreis Gießen ist die neue maßgebende Vertretung des Einzelhandels die Geschäftsstelle Gießen der Wirtfchaftsgruppe Einzelhandel, Bezirksgruppe Hessen, die bereits mit Wirkung vom 1. Juli 1935 ihre Tätigkeit ausgenommen hat. Die Geschäftsstelle steht in engster Der- binbung mit ber Industrie- und Handelskammer Gießen. Leiter der Geschäftsstelle ist der letzte Vor- sitzende des seitherigen Vereins der Einzelhändler, Kaufmann Karl Horst, Geschäftsführer ist Dr. Kirchner von der Industrie- und Handelskammer Gießen. Die enge Zusammenarbeit mit der Kammer wurde im Auftrage des Kammerpräsidenten von dem Syndikus Dr. Keim besonders hervor- gehoben.
Im weiteren Verlause der Versammlung gab der Geschäftsführer einen Ueberblirf über die seit der Machtübernahme Adolf Hitlers erlassenen Gesetze und Anordnungen, die insbesondere für den Einzelhandel in Betracht kommen.
Die Unterhaltung mit dem Zugmaschinenführer untersagt!
Begleiter von Zuamaschinenanhänger verlassen häufig -ihren Sitz auf dem Anhänger, um sich — auf dem hinteren Teil oder Trittbrett der Zugmaschine ober auf dem 23erbinbungsgeftänge zwischen Zugmaschine unb Anhänger stehend — mit dem Führer der Zugmaschine zu unterhalten. Ganz abgesehen davon, baß durch ein solches Verhalten die Aufmerksamkeit des Führers abgelentt wirb, bringt triefe Unsitte für die Begleiter selbst ernste Unfallgefahren. Der Reichs- unb Preußische Innenminister hat deshalb in einem Runderlaß die Verkehrspolizei und insbesondere die Streifen der motorisierten Straßenpoli^ei ersucht, bei lieber« wachung des Verkehrs auf triefe Unsitte zu achten und aur Verhütung von Unfällen gegebenenfalls sinzuschreiten.
Zu jedem kommt einmal das Glölk.
ZRomdn von Glien Kulm
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
1. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Als Lotte Hartenberg den Gartenweg herunter ging, kam ihr Monika entgegen.
„Ach — du warst hier? Warum kamst du nicht -u mir ins Gartenhaus?"
„Ich wollte deiner Tante ein bißchen Gesellschaft leisten. Sie ist so einsam, die alte Frau." Ein leiser Tadel klang in ihrer Stimme.
Mit einem Ruck riß Monika ihren Arm aus dem der Freundin.
„Ich will nichts davon hören, Lotte! Du kannst pickt verlangen, daß ich bei ihr bleibe, wenn ich {»icyt muß. Sie hat mich nicht gern. Sie hat mmer an mir zu tadeln, und immer, auch wenn sie mich bloß ansieht, ist so ein Vorwurf in ihren Augen."
Das kurze Stück bis zum Doktorhause legten sie schweigend zurück.
Kaum klingten sie die altmodische Pforte auf, kam ihnen die kleine Annemarie entgegengelaufen. Sie war in ber Obhut bes alten Mädchens gewesen, die bas Kind so zärtlich liebte, daß Lotte es ihr sorglos anvertrauen konnte.
Monika beugte sich zu dem Kind nieder und hob is so stürmisch auf, daß die Kleine erschrak.
Wie heftig sie ist!, dachte Lotte bekümmert. Nein es ist etwas mit ihr nicht in Ordnung.
Doch auch jetzt fragte sie noch nicht. Der Doktor war noch immer nicht von Schneioer Sporke zurückgekehrt.
Es dämmerte bereits. Am blaßblauen Himmel irfcbien ber erste Stern.
„Du mußt noch bei mir bleiben, Monika! Frau von Riebers weiß, baß ich bich rnitnehrnen wollte."
So faßen bie beiben Freunbinnen auf ber Gartenbank neben ber Flieberhecke, zuerst noch mit bem Kinde beschäftigt, bas Mutter unb Tante Monika eifrig von dem kleinen weißen Kaninchen erzählte, das es so liebte, aber auch schon sorgfältig betreute.
Dann wurde Annemariechen ins Bett gebracht. Und tte blieben allein.
Und nun rückte Lotte näher heran.
„Was ist mit dir, Liebling? Ich merke schon die ganze letzten Zeit, daß du verstört bist. — Hat man dich vielleicht wieder einmal verheiraten wollen?"
Oie Deutsche Arbeitsfront.
NS-Semeinschast »Kraft durch Freude".
Achtung!
Abfahrt der Omnibusse an die Ldertalsperre (Walbeck) am Sonntag, 25. August.
Die Abfahrt geht vorn Hauptbahnhofplatz Gie- ßen Sonntag, 25. August, morgens 7 Uhr. Als Fahrkarte gilt bie von ber Geschäftsstelle erhaltene Quittung.
Rordseefahrt mit Dampfer „Der Deutsche" vom 31. August bis 8. September.
Nachbern bei ben letzten beiben Seefahrten wegen zu starker Anrnelbung nicht alle Interessenten berücksichtigt werben konnten, würbe jetzt noch eine Urlaubsfahrt nach ber Norbsee mit Dampfer „Der Deutsche ''eingelegt. Die Fahrt geht über Bremer- Hafen. Die Kosten betragen, wie bisher, 59.50 Mk.
Bunter Abend mit Willy Reichert
am 24. August in der Volkshalle in Gießen.
Für ben Bunten Abend mit Willy Reichert sind Karten im Vorverkauf zu haben bei Oberhessische Tageszeitung, Schokoladenhaus Huntemann, Seltersweg; Musikhaus Challier; Ortsgruppe der NSDAP. Gießen-Nord, Walltorstraße; Kreisdienststelle der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Sckanzenstraße 18II, Zimmer 8; allen Geschäftsstellen der DAF.-Ortsgruppen.
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Für die Ausstellung Rhein-Mainische Wirtschaft in Frankfurt am Main vom 24. August bis 8. September sind uns 100 Stück verbilligte Eintrittskarten zur Verfügung gestellt worden, die statt
1,— Mark 0,30 Mk. kosten. Auf Grund dieser Kar- ten gibt die Reichsbahn Sonntags karten auch an Wochentagen, die 3tägige Gültigkeit haben. Die Karten können auf ber Geschäftsstelle abgeholt werben.
Sportkurse »Kraft durch Freude".
Achtung!
Schwimmen für das Reichsfportabzeichea!
Am kommenden Samstag, 24. August, wird um 17 Uhr in der Müllerschen Badeanstalt bas Schwimmen für bas Reichssportabzeichen abgenommen. Treffpunkt am Sprungturm. Alle Inhaber ber KbF.-Jahressportkarte können baran teilnehmen.
heule folgende KdF.-Sportkurse:
Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer von 20 bis 21 Uhr, Lyzeum, Dammstraße. Reiten von 20 bis 21 unb 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs.
Reue KdF.-Schwimmkurse!
Am Mittwoch, 28. August, beginnen um 20 Uhr unb um 21 Uhr neue Schwimmkurse im Volksbab. Die Kosten betragen für Mitglieber ber DAF. 6 Sportmarken zu 30 Pfennig = 1,80 Mark, für Nichtmitglieber 6 Sportmarken zu 60 Pfennig = 3,60 Mark. Anmelbungen nimmt bas Sportamt, Schanzenstraße 18, entgegen. Desgleichen können am Mittwoch vor Beginn der Kurse Anmeldungen im Volksbad abgegeben werden.
Treibt Leibesübung mit..Kraft durch Freude".
Oie Oeutschlandfahrt -er HL.
LPD. Frankfurt a. M., 22. August. 50 Wagen — tausend Jungen: bas ist bie Deutsch- lanbfahrt ber HI., bei ber bie Hitlerjugend ber auslandsbeutschen Jugenb ihr Daterlanb zeigt. Ueberall find bie Jungen mit großer Herzlichkeit unb Begrüßung empfangen worden. Die Durch- sahrtsstrahen prangen im Fahnenschmuck, die Be- oölterung stand auf den Straßen. Fahnen und Transparente grüßten die Kolonne.
4000 Kilometer weit geht die Fahrt durch das deutsche Vaterland zu allem Schönen, zu allem Großen und Denkwürdigen zu allem, was sehenswert und erlebenswert ist in Deutschland.
Niemals vorher ist eine derartige Fahrt unternommen worden, und jedem Teilnehmer wird sie in Erinnerung bleiben für sein ganzes Leben. Diese Erinnerung muß bleiben, weil ja viele dieser Jungen Deutschland vielleicht niemals mehr sehen werden, unb barum muß biefe Erinnerung groß unb schön sein. Wir wollen alle dazu beitragen unb helfen, bah sie so wird.
Run trifft die auslandsdeutsche Jugend an der Grenze des Gebietes Hessen-Rassau ein.
Dann geht die Fahrt den Rhein entlang über Mainz und Wiesbaden in unsere herrlichen Jugendherbergen und Burgen. Zum erstenmal werden die Jungen den Rhein sehen, die sagenumwobenen Burgen, die Reben an den Flanken der Berge. Sie
werden morgens auf ben Höhen stehen und bas wunderbare Schauspiel genießen, .wenn bie Morgensonne ihr Licht burch die Frühnebel schickt unb alles in diesem wunderbar silbernen, nur der Rheinlandschaft eigenen Leuchten steht. Keine großen Feiern und Reden sollen an diesen zwei Ruhetagen — denn Ruhetage sollen es sein — den Jungen vorgesetzt werden. Alle Veranstaltungen sind so gelegt, daß die Jungen Gelegenheit haben, sich von den Anstrengungen der Fahrt zu erholen. Aber die Orte werden sie sehen, die ihnen aus Geschichten und Sagen bekannt sind. Das Niederwald-Denkmal werben sie besichtigen als bas Mahnmal beutscher Reichseinheit, unb staunend werden sie auf bem Thingplatz ber Loreley stehen unb ben großartigen Blick in Das Tal hinunter genießen. Auf ben gemeinsamen Kamerabschaftsabenben werden sie die Hitlerjugend vom Rhein kennenlernen.
Es muh unser Ziel sein, unseren deutschen Jungen aus bem Ausland den Aufenthalt so zu gestalten, daß sie von uns die Erinnerung an einen der schönsten deutschen Gaue und an zwei wunderbare Tage am deutschen Rhein mitnehmen, wenn sie am Sonntagmorgen rhein- wärts fahren, um noch einige andere deutsche Gaue zu besuchen.
Volksgenossen! Grüßt bie beutsche Jugend aus allen Ländern der Welt bei ihrem Besuch. Grüßt sie mit den Fahnen der Bewegung!
Vornotizea.
— Tage skatender für Freitag: NSG. „Kraft burch Freude": 20 bis 21.15 Uhr Allgemeine Körperschule im Lyzeum, Dammstraße; 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Herr Senator". — VHC., Ortsgruppe Gießen: 20 Uhr Monatsversammlung.
** Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen in ber Zeit vom 1. bis 20. August: 3. Wilhelm Lubwig Karl Heinz Jost, 6 Jahre alt, Welckerstraße 5; 3. Anna Seusert, ohne Beruf, 61
Aber als sie sah, wie es in Monikas blassem Gesicht zuckte, streckte sie zärtlich ben Arm aus unb legte ihn um Monikas Schulter.
„Sprich bich'aus, Monika...!"
„Ach, Lotte, Lotte...!" Unb Monikas tränen» überströmtes Gesicht sank plötzlich nach vorn. „Ich habe sie nie gern gehabt, aber jetzt — jetzt hasse ich sie..."
„Monika, ja — von wem sprichst bu denn?"
Statt aller Antwort sprang Monika auf und lief ein Stück tiefer in ben Garten hinein. Lotte ließ sie gewähren. Sie kannte Monika. Sie würbe halb zurückkommen, unb wenn ihr Kummer sie übermannte, so mußte sie allein sein. So war sie schon als kleines Mädchen gewesen, in ben ersten Jahren, wenn die Erinnerung an den einzigen Menschen, zu dem sie gehört unb ben sie geliebt hatte, an ihren Vater, sie jäh überfallen hatte.
So blieb Lotte geduldig auf ihrem Platz unb wartete. Unb sie sagte auch nichts, als Monika zurückkam. Monika selbst war es, bie bas Schweigen brach.
„3a, Lotte, bu sollst es wissen, denn ich weiß, du hast mich lieb! Du wirst es auch verstehen, daß ick — daß ich... Sieh mal, Lotte, du weißt doch, ich habe meine Mutter nicht gekannt. Aber du kennst dock ihr Bild. Alle Leute sagen, daß meine Mutter schön war. Aber für mich ist dieses liebe Antlitz das schönste auf der Welt. Es steht neben Vaters Bild, und immer bringe ich beiden zu- 0 frische Blumen. Und am letzten Mai war
ers Geburtstag. Da schmückte ich immer ihr Bild. Ach weiß nun nicht, ob — ob meine Tante früher nie etwas davon gemerkt hat. Sie kommt ja nicht so oft in mein kleines Manfardenstübchen. Viel- leicht hat sie sich auch bloß nicht darum geküm- mert. Aber diesmal kam sie. Sie stellte sich vor das bekränzte Bild und sagte plötzlich: ,Was soll denn das heißen?' — Glaube mir, Lotte, wenn sie etwas Freundliches gesagt hätte, ich wäre fo froh aeroefen; aber als ich ihre harte, kalte Stimme hörte, sagte ich bloß: ,Es ist ber Geburtstag meiner Mutter.' — Unb ba fagte sie, unb bu hättest bloß hören sollen, wie sie Das sagte: ,Ach, beine Mutter — du, hab' dich man bloß nicht so...' Und dabei nahm sie eine große Schale mit Maiglöckchen, die aerobe vor dem Bild stand, und stellte sie auf die Kommode. — ,Rühr' meine Blumen nicht an!', schrie ich, und bann stellte ich mich vor sie hin unb sah ihr ins Gesicht unb fragte: ,Was ift mit meiner Mutter: Warum sprichst du so von meiner Mutter...?' Und da drehte sie verlegen den Kopf weg und brummte: ,Du hast sie ja gar nicht gekannt. Und dann ging sie aus dem Zimmer. Und ba habe ich wohl gemerkt, es tat ihr leib, baß sie so gesprochen hatte; unb ich hätte auch kein Wort mehr herausgekriegt. Ab« ich weiß
Jahre, Bleichsttaße 7; 5. Helene Klinkersuß, geb. Weißmüller, Wwe., 81 Jahre, Löwengasse 25; 5. Anna Maria Gerbig, ohne Beruf, 23 Jahre, Am Riegelpfab 46; 6. Rosemarie Ursula Martha Peiser, 5 Monate, Licher Straße 77; 7. Henriette Letzing, geb. König, Wwe., 67 Jahre, Lubwigstraße 56; 9. Karl Jakob Küchel, Kaufmann, 71 Jahre, Kaiserallee 1; 9. Marie Schmibt, geb. Schmibt, 62 Jahre, Robheimer Straße 40; 9. Anbreas Weber, Jnva- libe, 68 Jahre, Robheimer Straße 56; 12. Wilhelmine Pasbach, geb. König, Wwe., 61 Jahre, ßinbengaffe 4; 12. Friebrich Bo eck, Obergewanb- meifter i. R., 63 Jahre, Liebigstraße 66; 16. Kon- rab Wenzel, Hausbiener i. R., 75 Jahre, Kirch-
es jetzt, baß Tante von Rieders meine Mutter haßt. Ich habe das gefühlt, und mit hunderttausend Worten könnte sie es nie mehr gutmachen. — Ach, Lotte, wenn du wüßtest, was das für eine Nacht war! Ich habe die ganze Zeit wach gelegen und habe an meine Eltern gedacht und habe mir gewünscht, ich müßte nicht mehr leben. Aber einen Vater und die Liebe eines Vaters, die habe ich doch wenigstens einmal besessen. Aber was eine Mutter ist, Lotte, bas, siehst bu, Lotte, kann ich nur an ben Schmerzen ermessen, bie mir in dieser Nacht bas Herz zerrissen."
Mit tiefster Erschütterung hatte Lotte dieser Beichte zugehört.
Aber trotz allen Mitgefühls dachte sie auch über die Auswirkung dieses Erlebens auf Monika nach. Und sie begriff, daß dies Monika auf immer Frau von Rieders entfremden mußte. Wie oft hatte sie schon Monika beruhigt, und Frau von Nieders' Zorn über Monika besänftigt! Aber die Kluft, die sich hier auftat, die war wohl nicht mehr zu überbrücken.
Stumm streichelte sie Monikas Hand.
Monika aber warf jetzt das schöne weiche, blonde Haar mit einem jähen Ruck aus der Stirn.
„Nächsten Monat werde ich einundzwanzig Jahre, Lotte! Und es ist mein fester Entschluß, daß ich keinen Tag länger hier bleibe. Sie haben mich ernährt und erzogen. Ich bin ihnen zu Dank verpflichtet. Aber sie haben ja doch keine Freude von mir. Tante wird aufatmen, wenn sie mich nicht mehr sehen muß. Ick weiß es jetzt. An meinem einundzwanzigsten ©eourtstage bin ick mündig, und an demselben Tage verlasse ich bas Haus."
Unabänberliche Entschlossenheit lag in der hellen, starken Stimme. Lotte fühlte es wohl.
. Trotzdem sagte sie kopfschüttelnd:
„Liebling, ich verstehe wohl, baß man dir sehr weh getan hat, baß bu in beinen heiligsten Gefühlen verletzt bist. Ich will bich auch nicht überzeugen, bah bu Frau von Riebers vielleicht unreckt getan hast. Glaube mir, sie ist nicht schlecht. Sie ist so verbittert; ich benke mir oft, es muß manches Traurige in ihrem Leben geben, wovon wir nichts wissen. Vielleicht ist sie auch von bir enttäuscht. Denn bestimmt wollte sie gut für bich sorgen. Du sagst ja selbst, baß sie beinen Vater, ihren einzigen Bruber, heiß liebte. Nein, Monika, ich will bavon jetzt nicht reden! Ich sehe wohl, baß ihr einanber nicht verstehen könnt. Aber, Monika, du hast dir nicht überlegt, was du ba sprichst! Wo willst bu benn hin?"
„Das weiß ich nicht! Aber ich gehe fort."
„Ja — aber bu hast doch niemanben, zu dem bu Scheu kannst. Unb bu hast eigentlich auch nichts
sttaße 13; 16. Hugo Meininger, Bahnarbeiter, 38 Jahre, Bubbestraße 5; 19. Heinrich Reining, Post« assistent i. 3t., 75 Jahre, Wilhelmstr. 51; 20. Elise Noll, geb. Junker, Wwe., 58 Jahre, Bahnhofstr. 50.
** Straßensperre. Wegen Ausführung von Straßenbauarbeiten wird die Landstraße Schlitz- Willofs vom fommenben Montag ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Salz- schlirf—Lanbenhausen.
** Aufgehobene Straßensperre. Dom morgigen Samstag ab ist die Straßensperre auf der Reichsstraßenstrecke Alsfeld—Lauterbach, Abteilung Brauersfchwenb—Reuters, wieder airfge- hoben.
** Grummetgras-Der st eigerungen ber Stabt Gießen finben am Montag und Dienstag nächster Woche statt. Interessenten finben Näheres in ber heutigen Bekanntmachung ber Bürgermeisterei.
Rundfunkprogramm.
Samstag, 24. August.
6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnasttk. 6.30: Frühkonzert. In ber Pause (7): Zeitangabe, Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9: Nachrichten. 9.15: Konzert. 9.45: „Auf Goethes Spuren". Von Hanns Reitz. 11.30: Sozialbienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittags- konzert: Klingenbes Ostpreußen. 13: Nachrichten (auch aus bem Senbebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Lieb unb Arbeit: Sachfenlanb. Heimat unb Volk. 16: Der frohe Samstagnachmittag bes Reichssenbers Köln. 18: Das Bärvele von Straßburg. Funkspiel um eine Frankfurter Plastik. 18.20: Stegreifsenbung. 18.30: Wir schalten ein! Das Mikrophon unterwegs. 18.40: Saardienft: Braune Messe in Neunkirchen. 19: „Glück ab". Lieber ber Flieger unb ihre Märsche. 19.45: Eröffnung ber Ausstellung: Die Rhein-Mai- niscke Wirtschaft. 20: Nachrichten. 20.10: Ruf der Jugend! 20.15: Großer Bunter Abend im Kurhaus Bad Kreuznach. 22.30: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk. 22.50: Bericht vom großen Befreiungs-Gau- sportfest. 23: Tanzmusik zum Wochenende.
Verurteilte Zigarettenpapier- Schmuggler.
LPD. Mainz, 22. August. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde vor ber Großen Strafkammer gegen 13 Angeklagte wegen Steuerhinterziehung, Hehlerei unb teilweise wegen Devisenvergehens verhanbelt. Es hanbelte sich um einen Ausschnitt aus einem großen Schmuggelprozeß, bessen Haupttäter bereits bestraft sind. Gegen zwei Angeklagte wurde das Verfahren ab- getrennt, weitere vier wurden wegen Geringfügigkeit ihrer Vergehen amnestiert, bie übrigen sieben verurteilt, unb zwar ber 32jährige Leitwein aus Bingen wegen fortgesetzter Steuerhinterziehung unb Hehlerei sowie Devisenvergehens zu einem Jahr Gefängnis unb 35276 Mark Gelbstrafe, evtl. 9 Monaten Gefängnis; die 27jährige Ehefrau Maria Walter aus Bingen wegen fortgesetzter Steuerhinterziehung unb Devisenvergehens zu neun Monaten Gefängnis und 36 665 Mark Geldstrafe, evtl, sechs Monaten Gefängnis; die 30jährige Anna Walter aus Bingen-Büdesheim wegen Steuerhinterziehung zu drei Monaten Gefängnis und 14 7 6 0 Mark Geldftrafe, evtl, einem Monat und einer Woche Gefängnis; der 33jährige Albert Hill aus Bad Kreuznach wegen fortgesetzter Steuerhinterziehung zu sechs Monaten Gefängnis und 14 4 5 0 Mark Geldstrafe, evtl, zwei Monaten und zwei Wochen Gefängnis; der 40jäh- rige Willy Anspach aus Mainz wegen fortgesetzter Steuerhehlerei im Rückfall zu zehn Monaten Gefängnis, der 27jährige N. in Dietersheim wegen Hehlerei zu 240 Mark Geldstrafe, evtl, einer Woche und zwei Tagen Gefängnis, und der 30jährige H. in Dietersheim wegen Hehlerei zu 36 Mark, evtl, zwei Tagen Gefängnis.
Die Angeklagten haben große Mengen, im einzelnen bis 30 000 Heftchen, unversteuertes Zigarettenpapier teils selbst geschmuggelt, teils von den Schmugglern als Hehler bezogen und abgesetzt. Gegen die drei Haupttäter, Leitwein, Maria Walter und Anspach, erging erneut Haftbefehl.
gelernt. Mein Mann sagte oft, daß du begabt bist; aber Frau von Rieders sagte immer zu meiner Mutter, sie wolle das einzige Kind ihres Bruders einem braven Manne zur Frau geben, unb wollte doch von einer praktischen Ausbildung für einen Beruf nichts wissen."
„Sie kann sich darauf verlassen, daß ich niemals den Mann nehmen würde, den sie für mich aussucht. Ich werde überhaupt niemals heiraten, wenn ich nicht einen Mann finde, den ich fo lieb habe, daß ich ihm überall folgen muß, in die Wüste ober an ben Norbpol, in jede Armut unb Sorge unb Entbehrung."
„Ja, Monika, wenn du einen Mann fändest, der dein Ideal ist, wäre es natürlich das beste!"
„Ich will ihn finden, Lotte! Er soll so tapfer und stolz sein wie mein Vater, keine Gefahr fürchten; er soll arbeiten und etwas Großes erreichen, und bei allem muß er ehrlich sein und wahrhaft wie pures Gold."
Wie erregt die arme Monika war! Lotte fühlte, wie Monikas schmale Schultern von Krämpfen ae- schüttelt wurden.
„Ja, Monika, ja, ja, mein Herz, wir wollen ein anderes Mal darüber sprechen! Und auch über deinen Wunsch, von hier fort zu kommen. Vielleicht findet sich doch etwas für dich."
Die Ankunft des Doktors schreckte die beiden Freundinnen auf. Er kam mit großen, kräftigen Schritten, seine massige Gestalt warf einen schweren Schatten über den Weg. Er war erschöpft und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Lotte lief ihm entgegen.
„Ist es nun ein Junge?"
„Stimmt auffallend! Erraten, Lotte! Und ein ganz ordentlicher dazu. Und Schneider Sporke ist so froh, daß er mir unbedingt einen neuen Wintermantel machen will. Ich mein aber, ber alte ist nod) ganz gut. Was sagt meine Ehegattin dazu?"
„Ma, die sagt, daß, wenn es auf dich anfärntj bu bir überhaupt niemals einen neuen Mantel machen läßt. Du trägst boch überhaupt nur bie ältesten Sachen gern. Jedenfalls krame ich morgen den Wintermantel heraus und werde ihn mir gründlich anfehen."
Sie hatte sich in feinen Arm gehängt und strich ihm zärttich über bie Stirn.
Dann erinnerte sie sich wieder an Monika. Aber bie war verschwunben. Unb Lotte verstand, baß Monika jetzt allein sein wollte. Und so suchte sie sie nicht. Aber sie nahm sich vor, mit ihrem Manne einmal ernsthaft über die Freundin zu sprechen.
v * (Fortsetzung folgt!-


