Ausgabe 
23.2.1935
 
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Aus der

Ä

fett des Ulms.

durch

ihr sympathisches Spiel, was zu retten war.

chen kennt und ihnen verzeiht. Der (Erfolg der vergißt, weil er die Fahne des RegimentsMaria Petersburger Nächte" ist ehrlich verdient. E. W. I Jfavell" retten will. Doch auch diese seine Welt des

R. E. P.

schen Erlebens sein.

zählen.

Man muß als Wochenschau-Kameramann zu­nächst einmal zwischen der vorbereiteten und der improvisierten Aufnahme unterscheiden", beginnt er zu berichten.Bei der ersteren ist genügend Zeit vorhanden, den Aufnahmeplatz technisch entsprechend vorzubereiten. Bei einer großen Rede im Sport-

Der österreichische Dragonerleutnant Lernet- H 0 1 enia schrieb seinerzeit einen Roman, der das Leben der österreichischen Armee zeigte, wie es einstmals war. Der Film Erich Waschnecks bringt einen Bildstreifen, der das Leben dieser Menschen, ihre Handlungen und ihre Taten, ihr Lieben, ihr Hoffen und Sterben verzerrt. Dinge, die nur unter Traumschleiern leben dürfen, werden hart an die Oberfläche gebracht und verlieren dabei Duft und Grazie. Ein Lob verdienen die oft sehr schönen Bilder. Man hat Viktor de K o w a zur Hauptfigur des Geschehens gemacht. Er ist ein jun­ger Offizier, der eine schöne Hofdame liebt, der nächtelang reitet, um sie zu sehen, und der trotzdem

heldischen Soldatentums zerbricht. Chaos zerbricht Zucht, Sitte und Ehre. Mit dem Wissen, daß alles vergebens war, übergibt er die Standarte der Flamme. De Kowa durfte diese Rolle nicht spielen. Wer Filme zu besetzen hat, muß als Voraussetzung soviel Menschenkenntnis haben, daß er nicht gerade das Gegenteil der darzustellenden Gestalt auswählt; de Kowa ist ein frischer, junger Mann, der nett aussieht, für manches sicher nicht unbegabt, aber keinesfalls irgendeiner Tragik oder seelischen Ge­staltung gewachsen. Die übrigen Darsteller: Maria Andergast, Veit Harlan, Junkermann, Hardt, Karin Evans und Peter Voß retten

Emo zeichnet für die Regte. Die mitreißende Musik ist von Franz Do eile.

Mein Leben für Maria Jsabell."

Personal schon vorher genauestens unterrichtet. Da sitzen dann Aufnahmeleiter, Beleuchter, Hilfsmecha­niker, Tonmeister und Operateure und versehen ver­antwortungsbewußt ihren Dienst.

Anders ist es bei unvorhergesehenen, unvorberei­teten Aufnahmen. Da heißt es dann alle Kräfte an­spannen, denn wegen einer mißglückten Aufnahme kommt kein prominenter Staatsmann noch einmal vor fein Palais, und ein Flugzeugrennen wird auch trotz häufigen Zuredens nicht ohne weiteres noch einmal wiederholt.

In diesen Stunden wird der Kameramann zum Krieger. Er kämpft gegen die sich ihm in den Weg stellenden Menschenmassen, er kämpft gegen das schlechte Licht, gegen den unzulänglichen Platz und doch wird jedesmal das Wunder wahr, das Wun­der einer bis in kleinste gelungenen Aufnahme.

..Manchmal vergißt man beinahe zu kurbeln", erzählt der Kameramann weiter,wenn man zum Beispiel im Banne eines Ereignisses steht. Partei­tag in Nürnberg oder irgend eine große Führer­tagung. Besonders schwierig waren die Aufnahmen zu einer Hochwafserkatastrophe im Erzgebirge. Bis über die Knie standen wir Kameraleute im Wasser und drehten diese erschütternden Bilder ..."

In diesem Augenblick wird unser Gewährsmann am Telephon verlangt. Aufgeregt fragt jemand auf der anderen Seite:Sind Sie frei? Dachstuhlbrand in X. Sehr eilig!" Der Wochenschaureporter notiert sich die Adresse, nimmt seinen Apparat, seine Aus­weise und ein paar hundert Meter Film mit.Wol­len Sie mitkommen?" fragt er mich, und wenige Sekunden später sitzen wir in seinem Kleinwagen und saußen durch die Straßen. Vorbei an endlosen grauen Häuserreihen, an neuen Siedlungsbauten, an verlassen daliegenden Laubenkolonien führt der Weg. Eine Stunde ist vergangen, da macht sich der Feuerschein am Abendhimmel bemerkbar. Schon vernimmt man das Klingeln der Löschzüge und bald sind wir an der Brandstelle angelangt. Der Kameramann zeigt seine Ausweise und darf unge­hindert die Kette der absperrenden Polizisten passie­ren. Sein Weg führt über glühende Balken und schwarze, verkohlte Bretter. Mit Leichtigkeit bahnt er sich seinen Weg durch das dichte, beizende Nebel­meer des Qualms. Plötzlich erkenne ich ihn oben am Brandherd zwischen Feuerwehrleuten, die mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt sind. Dann steht er auf dem Dach des Nebenhauses und kur­belt einige Bilder. Nach zehn Minuten sitzen wir wieder gemeinsam im Wagen und treten den Rück­weg an ...

Der Wochenschaumann, ein Mensch, der bereit ist, sein Leben einzusetzen für ein paar Meter Film. Nicht nur Länder und Völker haben uns diese Ka­meraleute näher gebracht, sondern haben uns leben­dige Geschichte im Augenblick ihrer Entstehung ein­gefangen. Die Archive der Wochenschauen werden kommenden Generationen ein Quell kulturhistori-

Moment mal", sage ich,wie heißt denn der Film?" H. 1. 6512."

Wieso H. 1. 6512?"

Das ist meine Telephonnummer", sagt Boll, uns fiel kein anderer Titel ein, klingt auch sehr gut, und nun schreibe doch schon los!"

Schön", sage ich,ihr müßt mir nur noch etwas erklären: Wer hat denn die Dokumente gestohlen?"

Seid mal alle still", sagt Boll,jetzt werde ich erklären: Also, während die Matrosen an Bord des Dreimasters kommen, stiehlt Andersen die Do­kumente aus der Kajüte, das haben wir schon ge­dreht, ist fabelhaft geworden, nun wird Andersen..."

Moment mal", sage ich,wieso sind die Doku­mente an Bord des Dreimasters?"

Die sind irgendwie dahin gekommen, ist ja egal, danach fragt kein Mensch. Jetzt springt Andersen ins Meer und schwimmt ans Ufer, haben wir schon gedreht, ist fabelhaft geworden, und jetzt mußt du schreiben, wie es weiter geht. Wir haben schon alles ausgetiftelt, du mußt es nur zu Papier brin­gen. Also ein kleines Kind bringt jetzt die Doku­mente zu Karin, und die hat..."

Moment mal", sage ich,wieso ein klemes Kmd? Andersen hat doch die Dokumente!"

,Ja, gewiß, aber mit Andersen sind wir böse, er macht nicht mehr mit, daher darf er auch in den Innenaufnahmen nicht mehr Vorkommen. Wir haben das ganz einfach gemacht: Großaufnahme, man sieht, wie Andersens Hand die Dokumente eifern kleinen Kinde übergibt, und das kleine Kind bringt sie dann..." ,

Das ist doch Unsinn , unterbreche ich,man gibt doch gestohlene Festungsdokumente nicht einem kleinen Kinde!" .

Warum nicht?" sagt Boll,es ift em sehr klu­ges kleines Kind. Das Publikum will immer ein kleines Kind im Film haben, außerdem ist diese Szene schon gedreht, sechzig Meter, ist fabelhaft ge­worden, sie muß unbedingt in die neue Fassung hinein!"

Schön", sage ich,und nun?

3etjt bringt also das kleine Kind die Dokumente in "das Wirtshaus im Walde zu den Spionen, und jetzt mußt du weiter machen!"

Gut", sage ich,ich halte es zwar für falsch, daß das kleine Kind Wirtshäuser besucht, aber wir wollen uns damit nicht aufhalten."

Augenblick", sagt Grams,du darfst die Szene nicht vergessen, wo mein Schlager kommt. Holten sitzt am Flügel, Jngeborg steht ihm gegenüber, und

Wir schreiben ein Drehbuch.

Oder: das waren noch schöne Zeiten.

Zion Walter Saw.hky

Das war noch zu jener Zeit, als neben einigem anderen auch die Filmindustrie ein wenig durch­einander gekommen war, als man von einigen be­gonnenen Filmen nicht wußte, ob und wie man sie fertigstellen sollte, und als hier und da Kollektive sich anschickten, das auszuessen, was die Produzen­ten eingebrockt hatten...

Da läutet mich eines Morgens um neun Uhr Grams an, obgleich ich mir derartige Bosheiten strikt verbeten hatte. Grams sagt also, ich sollte sofort hinkommen, es sei furchtbar eilig, da sei ein Drehbuch, ein Schmugglerfilm, und jetzt solle ein Spionagefilm daraus gemacht werden, unb fein SchlagerWarum hast du mich belogen? käme darin vor, das Kollektiv sei beisammen, ich wurde ausgenommen, das neue Konsortium, neunzig- tausend Mark, die Innenaufnahmen, der -Produk­tionsleiter, fünf Ateliertage, Baby fprele auch mit, die Tochter eines Generalkonsuls, der Regisseur habe gesagt, das fei aber gar nicht wahr, man müsse doch unbedingt, ich sei wohl jetzt im -öuöe, und ob ich in zehn Minuten da sein könne.

Wo ist das Geld?" frage ich. .

Grams stellt sich dämlich.Was für ein Geld/

Na, das Geld für mich! Für meine Arbeit. Ich werde doch nicht bei nachtschlafender Zett... Ihr habt doch ein Konsortium! Wo ist das Geld vom Konsortium?" .

Lange Leitung", sagte Grams frech, »mit dem Konsortium sind wir doch böse, deshalb haben wir doch ein Kollektiv! Der Film ist ja fast fertig, nur noch ein paar Innenaufnahmen mit der Spionage­sache, die sollst du machen, bann bist du doch drin, im Kollektiv, dann wird der Film verkauft, aus deinen Teil entfallen wahrscheinlich zweitausend­siebenhundertachtzig Mark!"

Ich sage:Schickt mir vorläufig die siebenhunderl- achtzig, dann komme ich." Dann lege ich den Hörer in bie Gabel unb mich auf die andere Seite.

Nach zwei Minuten schrillt das Telephon wieder. Grams' Stimme überschlägt sich. Ich solle doch nur nicht so angeben, also die Taxe würden sie zahlen, unb zwanzig Zigaretten zu fünf.

Auch gut", sage ich,ich bin gleich da!" iiie ich also bei Grams eintrudle (die Taxe haben sie natürlich nicht bezahlt), sitzen da einige

Wie entfielt eine Tonfilm-Wochenschau?

Auf der Jagd nach Sensationen - Mit dem Wochenschau reporter unterwegs.

Oer deutsche Tierfilm ist fünfzehn Jahre alt.

Kinernatographische Tierbilder sind, genau ge­nommen, ebenso alt wie der Film selbst. Aber da sie eigentlich nur zufällig entstanden man knipste in der ersten Zeit des Films alles, was einem vor die Linse kam so kann man den Geburtstag des Tierfilms und überhaupt des Kulturfilms erst für die Zeit nach dem Weltkrieg annehmen, als sich die großen deutschen Filmgesellschaften die­sem Gebiet richtig zuwandten.

Noch gab es aber keine speziellen Aufnahme­apparate und keine eigenen Aufnahmeräume. Ein paar Eimer Sand, Grasbüschel unb Steine schufen bie Umgebung derStars", die zuerst von Insekten, Kriechtieren und Vögeln gestellt wurden. Das war aber noch nicht das Leben und Treiben der Tiere in ihrer eigenen Welt und in der freien Natur, für diese Aufnahmen fehlte noch das Teleobjektiv, das genau wie ein Fernglas das aufzunehmende Ob­jekt vergrößert und an die Linse heranholt. Das erste Fernobjekt wurde 1923 verwandt. Das war der Anfang einer erstaunlich schnellen Entwicklung des Tierfilms. Konnte man zunächst nur aus dreißig Meter Entfernung an die Tiere heran, so gelang es bei verbesserter Optik bald, noch aus hundert Meter Entfernung einen Hirsch so groß heranzuholen, daß er das ganze Bildfeld ausfüllte.

Zur gleichen Zeit wurden biologische Ateliers errichtet, in denen ein ganzer kleiner Filmzoo ein­quartiert wurde. Später begnügte man sich nicht mehr mit der Fauna, die man in Deutschland fand. Die Auslandsreisen des Tierfilmoperateurs began­nen mit einer Fahrt nach dem romantischen Korsika, der Jahr für Jahr eine neue Expedition folgte. Bald ging es zu den menschenverlasfenen Stätten, wo man tatsächlich unberührte Natur aufnehmen konnte, und für die Operateure selbst war es zwar an­strengend, aber sicher wunderschön, in diese Gegen­den einzudringen und dort wochenlang zu arbeiten.

Mit dem Einzug des Tonfilms kam für den Tierfilm zunächst der erläuternde Begleitvortrag, der die oft langen Zwischentitel ersetzte und gerade dem Tierfilm einen ungewöhnlichen Gewinn an An­schaulichkeit und Inhalt sicherte. Noch ist die Ton­filmapparatur so beschwerlich zu transportieren, daß man auf richtige Tonfilmaufnahmen vorläufig noch verzichtete. Dennoch gehören gerade diese letz­ten Stummtierfilme heute noch zu den schönsten Kulturfilmen.

1933 reifte zum ersten Mal eine Tonfilmappa­ratur in fernes Land mit. Bild- und Tonurkunden der Vogelwelt, daneben das bunte und interessante Volksleben südlicher Länder werden festgehalten. Ein weiterer großer Fortschritt ist die neuartige Unterwasserapparatur, mit der die Film­leute auf den Grund der Adria gehen. Zu gleicher Zeit werden Gemsen und Steinböcke auf schwer zu besteigenden Gebirgshängen tonfilmisch ausgenom­men. In diesem Jahr, 1935, soll zum erstenmal ein eigener Tonfilm vom deutschen Wild herauskommen, der in den vergangenen Monaten gedreht wurde. Alle Staatsforsten unb bie Jagd­reviere der bekanntesten deutschen Weidleute stan­den den Operateuren zur Verfügung, und 16 000 Meter Bild und mehrere tausend Meter Ton konn­ten aufgenommen werden. Eine neue Großtat des deutschen Tierfilms.

genden Thema ein Kammerspiel voll feinster Wirkungen. Die Handlung: der Meister Johann Strauß ist beleidigt, daß seine Ernennung zum K. und K. Hofballmusikmeister immer wieder hin- ----------- _ .

ausgeschoben wird, und folgt aus dieser Stimmung palast, aus der Ausschnitte in einer Wochenschau heraus einem Angebot, das ihn nach Petersburg festgehalten werden sollen, ist ein umfangreiches

dann singt Holten: ,Warum hast du mich belogen?* Das macht sich wunderbar!"

Ja, durchaus", sage ich,sehr originell, sowas ist noch in keinem Tonfilm oorgefommen, doch sagt mir, Leute, wieso hat Jngeborg Holten belogen?"

Die Kollektivisten sehen einander verlegen an, dann sagt Boll:Gelogen ... Gott, ja ... eigent­lich ... aber schließlich lügt jede Frau mal, das will das Publikum gar nicht so genau wissen, bie Haupt­sache ift, ber Schlager kommt hinein, Grams hat ja schon fünfzig Mark Vorschuß drauf!"

Nu schön, wie habt ihr euch denn den Schluß gedacht?"

Den Schluß? Na, happy end, natürlich, Groß­aufnahme Holten-Jngeborg, Kuß Schluß aus! Ach so, was noch vorher kommt? Also Holten unb Molenius haben die Spur der Spione entdeckt, sie schleichen ihnen nach, wir haben herrliche Aufnah­men davon, zwei Troika-Schlitten jagen durch die winterliche Schneelandschaft, umgeben von fackel- tragenden Reitern, so kommen sie..."

Erlaubt mal, das ist doch wieder ein Blödsinn, so schleicht man doch nicht! Das sehen die Spione ja schon von weitem und kneifen aus!"

Das muß aber drin fein, wir haben das doch schon gedreht, ist fabelhaft geworden, zweihundert Meter, die können wir doch nicht weglassen! Die Spione bemerken es eben nicht, sagen wir, sie sind sehr kurzsichtig, nein, viel besser, sie sind betrunken, alle drei Spione sind total betrunken!" Boll sieht sich triumphierend um.

Also gut, gebt mir einen Bleistift, fangen wir an."

Ich bin jetzt zu allem entschlossen. Ich mache mich bereit, zu schreiben, da läutet das Telephon. Grams hebt den Hörer.Pst, die Baby!" sagt er. Alles schweigt, dann wird Grams' Gesicht immer länger, schließlich knallt er wütend den Hörer hin.Kinder, der Mann aus Wien war ein Schwindler, den hat man eben im Caf6 verhaftet, die neunzigtaufend sind futsch! Hat jemand vielleicht einen Geldmann an der Hand?"

Ich stehe auf. Aus dem Tisch liegt eine Ziga- rettenschachtel, acht Stück sind noch drin, die stecke ich ein. Dann gehe ich zur Tür, drehe mich um und sage:Ich trete aus!"

Gleich rechts, die erste Tür', sagt Grams.

Ein Mißverständnis, Leute", sage ich,ich trete aus aus dem Kollektiv! Guten Morgen!"

Das ist ein Pessimist", höre ich Grams bannen sagen,wer schreibt das Drehbuch weiter?"

Bruchstücke vom Kollektiv. Nun wird mir das Dreh­buch erklärt, unb zwar erklären alle zu gleicher Zeit. Der Dreimaster, bie Festungsbokumente, ein Flugzeug, Sonnenuntergang, zehn Kanonenboote von der Küstenbewachung, zweiundzwanzig Kanister Spiritus, ein Ball beim Generalkonsul, Baby hat ein phcttastisches Kleid an, Andersen hat die Festungs- bokumente, Leutnant Holton, vierzig Meter Eifer­sucht, bie Solbaten schießen auf bas Auto, Karin ift aber aus bem Wirtshaus herausgelaufen, weil sie nicht mit Jngeborg Zusammentreffen will. Sie stürzt in einen Abgrunb, ein Hund findet sie im Schnee, das sei ja alles ganz klar, und nun müsse bie Spionagesache kommen. Die Kollektivleute schweigen alle mit einemmal und sehen mich er­wartungsvoll an.

Moment mal", sage ich,ein bißchen langsamer! Was soll das vorstellen?"

» Sie schnattern wieder alle zusammen los. Das feien doch die Außenaufnahmen, bie finb schon fertig, bie Spionagesache wird jetzt hineingebaut, das sei doch eine Kleinigkeit, ich solle jetzt ganz schnell sagen, wie ich mir das denke, am besten alles gleich aufschreiben.

Moment mal", sage ick,wer hat denn bisher das Drehbuch geschrieben? .

Das hat Myndell geschrieben!"

Wer ist Myndell? Warum schreibt er nicht weiter?"

Der sitzt in Helsingfors, wir haben m Finnland gedreht", sagt Grams,wir konnten doch die Hotel­rechnung nicht bezahlen, da haben wir ihn als Pfand dagelaffen. Außerdem sind wir böse mit ihm, aber wenn der Film fertig unb verkauft ist, bann lösen wir ihn roieber ausr

Gut", sage ich,und wer hat das Geld ge= 0CgSit mischt sich Boll ein, der die Hauptrolle hat.

Das Geld hat ein Konsortium gegeben, das ist aber geplatzt, und daher sind wir böse mit ihm, aber bie Baby hat einen neuen Gelbgeber, einen Mann aus Wien, jetzt eben trifft sie sich im Cafe mit ihm, der gründet ein neues Konsortium, über­morgen ist das Geld da, wahrscheinlich neunzig- taj3d)b denke, Ihr habt jetzt ein Kollektiv!"

Haben wir auch, auf alle Fälle, das ist doch ganz einfach, die neunzigtausend sind nur für Vor­schüsse." Grams ereifert sich.Was hast du denn so viel zu meckern, die Hauptsache ist doch jetzt das Drehbuch, nu mach doch schon, hier ist Papier!

Irgendwo in der Welt ereignet sich in den frühen Morgenstunden ein folgenschweres Brandunglück. Mittags bringen die Tageszeitungen Berichte in großer Aufmachung unb ein paar Stunben später kann der Kinostammgast im bequemen Lehnstuhl bereits bie ersten Silber davon auf der Filmlein­wand sehen. Kaum 20 Stunden sind vergangen ... Wie ist es möglich, innerhalb so kurzer Zeit ein Ereignis auf die Leinwand zu bannen? Mit wel­chen Mitteln arbeiten die modernen Kameraleute, die pflichttreu unermüdlich nach dem Zeiterlebnis jagen.

Organisatorisch ähnelt der Betrieb der To n f i l m- Wochenschau in den wesentlichen Punkten einer großen Zeitungsredaktion. In der Reichshauptstadt ift die Zentrale, von ber aus ber Hauptschriftleiter seinen in ganz Deutschlanb unb in allen größeren Städten der Erde verteilten M i t a r b e i t e r ft a b dirigiert. Erhält nun die Zentralrebaktion bie Nach­richt:Explosion in X", so setzt sich sofort ein Dienst- habenber an das Telephon, jagt einen Kamera­mann aus dem Bett, bestellt eine besonderes schnell- fliegende Flugmaschine unb wenige Minuten später saust bereits der Wochenschaureporter im Auto zum Flugplatz, wo ein brummender Riesenvogel auf ihn wartet.

Ein paar Stunden später landet er am Ort der Katastrophe, saust zum Schauplatz des Unglücks, dreht ein paar Motive, sucht neue, fesselnde Ein­stellungen, wieder ins Auto, zurück zum Flugplatz! In rasender Fahrt geht es wieder in den Heimat­ort, sofort nach der Landung in die Kopieranstalt. Hier wird der gesamte Filmstreifen blitzschnell ent­wickelt und getrocknet. Es geht um Sekunden! Jetzt kommt der Film auf die Wochenschauredaktion, wo der Verantwortliche die 400 bis 600 aufgenomme­nen und entwickelten Filmmeter auf 50 bis 70 Meter zurechtschneidet. Im Tonatelier wartet in­zwischen bereits der Sprecher, um die passenden Be­gleitworte ins Mikrophon zu sprechen. Mit Windes­eile wird die erste fertige Kopie zur Zensur- Sonderstelle gebracht, bie ben Filmstreifen prüft unb zur Vorführung Zuläßt. Inzwischen sind in ben Kopieranstalten mehrere Kopien fertiggefteüt worben, unb einige Minuten später rattern Motor­räder zu den verschiedenen Filmtheatern, wo die Vorführer schon auf die aktuellen Filmstreifen war­ten, die die ersten Bilder von der Katastrophe tragen.

Lassen wir uns von einem alten Kameramann etwas von seiner anstrengenden Berufsarbeit er­

führt. Unterwegs trifft er eine junge Edeldame, deren Postkutsche zusammengebrochen ist. Sie müs­sen im gleichen Hotel übernachten. Strauß spielt, und aus seinem Spiel entwickelt sich eine Herzens­angelegenheit. Sie endet damit, daß die junge Dame am nächsten Morgen verschwunden ist und dem Strauß ein sehnsüchtiges Herz zurückgelassen hat. Als er sie später nach langem Suchen findet, erfährt er, daß sie die Braut des Kriegsministers ist und für ihn ewig unerreichbar bleiben wird. Na!

Aber wie das alles gemacht ist, wie es sich ent-

Berliner Filmbrief.

Der stählerne Strahl."

Der stählerne Strahl" ist ein Film, der das Lied der Technik in feiner berauschendsten Melodie singt. Er durchrast Wolken, Winde und Wetter, über glit­schig-nasse Autorennstraßen, fliegt im Höllentempo, bricht Rekorde. Spannend, erregend, atembeklem- menb in allen Szenen, die sich um diese Technik und nicht um die Liebe und bas übrige alltägliche Drum unb Dran der ManuskriptHandlung ranken. Franz W e n z l e r hat das Drehbuch von Ober­länder in Regie genommen. Er verdient das Lob, ein kritisches Publikum interessiert zu haben, das dafür am Schluß begeistert Beifall klatscht.

Die Hauptdarsteller haben nicht alle das gleiche Format. Diehl ist von einer prächtigen, sympa­thischen Männlichkeit, natürlich unb gesund. Daß feine Persönlichkeit seelischen Konflikten möglichst aus dem Wege geht, entspricht seiner unbeschwerten Natur. Eine Enttäuschung ist diesmal Dorothea Wieck. Diese Frau, die inMädchen in Uniform" von vollendetem Ausdruck war, fand bisher noch keinen Regisseur und keinen Photographen wieder, der ihre Eigenart zur Entfaltung bringt. Sie kann in der Rolle des weiblichen Ingenieurs nicht über­zeugen. Friedl H ä r l i n, Filmstar und Ehegattin des berühmten Rennfahrers, die den todkranken Gatten verläßt und einen Kontrakt nach Amerika annimmt, wird mit ihrer Aufgabe leidlich fertig. Ausgezeichnet ist Walter Frank als Regisseur. Sein filmbesessenes Wesen geht über Menschen und Ehen kalt lächelnd hinweg. Es gelingt ihm, die innere Notwendigkeit für diese Besessenheit zum Ausdruck zu bringen unb sie psychologisch zu ver­tiefen. Ihm ebenbürtig ist Galling als Freund des Rennfahrers, ber dessen Idee für ben neuen Explosionsmotor stiehlt unb auswertet. Da ihm bie Voraussetzungen für diese Arbeit fehlen, fliegt das ganze Werk in bie Luft, er selbst wirb das Opfer seines Betruges. Zur gleichen Zeit hat Diehl, der sich nach der Enttäuschung dem Flugzeugbau ver­schrieben hat, seinenStählernen Strahl" durch grandiose Unwetter über ben Ozean geführt. Er er­scheint mit bem Schnelligkeits-Weltrekord über ben Dächern von Neuyork.

Glückliches Enbe: ber Betrüger ist tot unb ent­larvt, Diehl geschieben von seiner anspruchsvollen Diva, so daß er seinen Arbeits- und Ehekameraden, Fräulein Dr.-Jng., heimführen kann.

Frühjahrsparadc."

Noch einmal Wien. Lachendes, glückliches Wien, in dem die Bäume blühen, die Mädels goldig, die Kipferl knusprig sind unb bie Musik die Hauptsache ist. Traurigkeit hat man vermieden, doch eine leise ans Herz greifende Sentimentalität ist geschickt in die Handlung ein geflochten. Es geht um die Ent­stehung des Deutschmeister-Marsches. Was ber Re­gisseur Geza von Bolvary aus diesem schon etwas reichlich ausgeleierten Stoff herausgeholt hat, verdient volle Anerkennung. Keine öde Minute. Ein witziger Einfall löst den anderen ab.

Hörbiger ist der Kaiser Franz Joseph. Vor­nehm, ritterlich unb wundervoll echt in der Maske. Seine Partnerin ist das rassige Ungarmäbel Fran­ziska Gaal. Munter -unb lieb wie je, ober schon ein klein wenig zu routiniert. Vorsicht, noch ist es Zeit!

Lingen, Abele, Anni Rosar'alsmol­lerte" Wienerin, Moser und Hans Richter spielten mit soviel übermütiger Laune, daß das Publikum feinen Dank in endlosem Beifall zum Ausdruck brachte.

Petersburger Nächte."

Ein Film voller Anmut und Heiterkeit, voll be­zaubernder Straußscher Musik, voll erfüllter und unerfüllter Liebessehnsucht. Die Darsteller, Hör­biger, Lingen, Eliza Jlliard und Ernst Dumke, machen aus dem nicht gerade überwälti-

wickelt unb amüsante und ernsthafte Charakter- züge aufrollt, das ist zwingend. Sehr hübsch, kulti­viert in Spiel, Gesang, Gebärde und Ausdruck Eliza Jlliard. Dumke spielte den Kriegsmini­ster mit überlegener Weisheit: er siegt über die eigene Eifersucht, weil er die menschlichen Schwä-