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IMfe Drittes Blatt Gießener Anzeiger «General-Anzeiger für Gberhciieni Samstag, 25, gebniat 1955

Horst-Wesiel-Ge-enkfeier in Gießen

Ausruf an die Bauern

der Deut-

vom

allen

ereigniffe, und Schicksalsschläge einfach machtlos Ist es nicht

der Deut- die beruf«

auch im Menschenleben spielen eine Rolle, denen gegenüber wir sind.

ganz schön, daß wir soviel Ab-

Es ist beabsichtigt, in Kürze dieDeutsche De­korations-Kurse" nach hier zu verpflichten. Jedem Teilnehmer wird die Möglichkeit geboten, sich im Dekorieren, Preisschildschreiben und Plakatmalen auszubilden. Der Kursus erstreckt sich über drei Wochen, und zwar jeden Abend drei Stunden. Es werden in einem Saal 15 Schaufenster auf gestellt, in denen täglich praktisch gearbeitet wird. Die Ge­bühr beträgt für Mitglieder der DAF. 25 Mark plus 3 Mark für Lernmittel. Anmeldungen sind bis fpätestens 2. März unverbindlich <m dos Kreis­berufsgruppenamt, Gießen, Lonyftr. 18, zu richten.

Vereidigung der politischen Leiter und Amtswalter in Gießen.

Rach einer Bekanntmachung der Kreisleitung Gießen der NSDAP, findet die Vereidigung der Politischen Leiter und Amtswalter des ganzen Gießener Kreisgebietes am morgigen Sonntag in der Dolkshalle zu Gießen statt. Die Feier wird um 19.30 Uhr beginnen und um 21.45 Uhr beendet sein. Alle Volksgenossen, die ein Amt in der Partei oder irgendeiner Gliederung innehaben, gleichgültig ob sie Parteigenossen sind oder nicht, sind zur Teil­nahme an der Feier verpflichtet. Zutritt zu der Ver­eidigung haben nur diejenigen, die im Besitz eines vorläufigen Amtswalterausweises sind.

Wie uns vom Bahnhof Gießen mitgeteilt wird, ist auf Veranlassung der Kreisleitung zur Rückfahrt der vereidigten Amtswalter von Gießen aus durch das Lumdatal ein Zug eingelegt worden, der in Gießen um 20.20 Uhr abfährt und auf der Strecke

Hessen.nassauische Bauern !

Die Winlerarbeit ist vorüber und die Bestellung beginnt. Ich habe den Wunsch, daß ihr hessen­nassauischen Bauern im Lause des INärz noch ein­mal in euren Kreisstädten zusammenkommt. Der Gauleiter und Reichsstatthatter will zu euch in einer großen Kundgebung sprechen. Die Bormittage sind durch Sondertagungen der Landjugend, der Bäue­rinnen, der Ortsbauernführer und Angehörigen des agrarpolitifchen Apparates, der Bezirksbauernführer und Geschäftsführer und der Hauptabteilungen aus- gefüllt.

In den Rachmittagskundgebungen findet gleich­zeitig eine Ehrung der ältesten Landarbeiter im Gebiete der Kreisbauernschasten in echt nationat- sozialistischem Geiste statt.

Eure Bauernführer in Hessen-Nassau nehmen

rechts vor dem Denkmal aufgestellt, aus der gegen- überliegenden Seite werden der Spielmannszug und der Wusikzug der Standarte stehen. Der INusikzug wird die Feier mit einem Musikstück einleiten, hier­auf wird eine Ansprache des Standortführers der Gießener SA. folgen. Anschließend wird ein Kranz an dem Denkmal niedergelegt und dann die vier Berfe des Horst-Wesset-Liedes gesungen. Nach dem Präsentiermarsch und dem Abmarsch der Fahnen treten die Stürme weg.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 23. Febr. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 12, Wirsing, das Pfund 18 bis 20, Weißkraut 8 bis 10, Rot­kraut 15, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 8 bis 9, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat

Am heutigen Samstag um 19.30 Uhr (abends 7.30 Uhr) findet auf dem Landgraf-Philipp-Platz am Kriegerdenkmal eine horst - Wessel - Gedenkfeier der SA. des Standortes Gießen statt. Die Gießener SA. versammelt sich auf Oswaldsgarten und mar- schiert von dort aus (Abmarsch 19.10 unter Bor­antritt des Spielmannszuges und des Musikzuges) über den Horst-Wessel-Wall, Seltersweg, Kreuzplah und Sonnenstrahe zum Landgraf-Philipp-Plah. Dort werden die Standarte und die Fahnen links und

Berufsgruppenamt.

Das Kreis-Verufsgruppenamt Gießen

Provinz Oberhessen, veranstaltet NSBDT. im Hotel Hopseld. Eintritt frei!

Die Verwaltung der Matthäus-Pfarrstelle.

wechslung im Laufe des Jahres haben? Wie lang­weilig mag es dort im Süden fein, wo derewige Frühling" oder woimmerwährender Sonnen­schein" herrschen! Wir haben die Frühlingsstürme, die alles aus dem Winterschlafe reißen, wir haben auch Sonnenschein genug, das hat uns der Som­mer 1934 gezeigt, wir kennen die schönen Herbst­tage, in denen die Welt so golden vor uns liegt, und wir schätzen die Tage des Winters, wenn der Schnee unter den Sohlen knirscht.

Schauen wir einmal nach unseren Bauern! Von ihnen können wir das rechte Verhalten dem Wet­ter gegenüber lernen. Sie stehen ja mit der Natur und mit allen Wetterlagen auf dem vertrautesten Fuße. Wenn es morgens nur so in Strömen reg­net, dann läßt der Bauer es ruhig regnen. Auch im Hause gibt es genug zu tun. Und wenn der Bauer im Felde von einem anhaltenden Regen überrascht wird, dann hört er mit seiner Arbeit auf, spannt ein und fährt ruhig nach Hause. Er wird wohl durch und durch naß. Aber das macht ihm nichts aus. Er zieht sich um und verliert kein Wort darüber.

Und manche Städter wollen sich darüber be­schweren, wenn einmal ein Ausflug verregnet? Wenn in den Sommerferien die Sonne nicht durch­kommen will, wenn esBindfaden" regnet, vier­zehn Tage lang? Schön ist das freilich nicht. Aber soll das Wetter Herr über uns werden? Es find doch noch andere Menschen da. Können wir nicht auch im Zimmer gemütlich zusammensitzen? Die Ferien z. B. sind doch dafür da, daß wir uns er­holen, nicht aber dazu, daß wir uns ärgern.

Und so soll es auch in diesen Tagen sein. Mag es regnen, mag es einmalMatschwetter" geben, das soll uns nichts ausmachen. Getrost und voll Zuversicht nehmen wir alles hin. Es wird auch einmal anders werden, und ändern können wir mit unferm Aerger gar nichts. Und wenn es ganz schlimm kommt, bleiben wir eben im warmen Zimmer! Kl.

über Lollar, Londorf nach Grünberg auf Stationen hält.

Deutsche Arbeitsfront.

Berufsgruppenamt.

Lernen Sie dekorieren!

Durch Entschließung des Landesbischofs ist die Verwaltung der Pfarrstelle der Matthäusgemeinde zu Gießen bis auf weiteres dem Propst a. D. Karl Knodt zu Gießen übertragen worden. Propst a. D. Knodt hat den Pfarrdienst der Matthäusgemeinde am 21. Februar angetreten.

Eonderzug Gießen Saarbrücken zur Befreiungsferer.

Zur Befreiungsfeier des Saargebiets wird von Gießen aus am 28. Februar ein Sonderzug über Koblenz nach Saarbrücken gefahren. Die Rückfahrt erfolgt am 3. März. Der Fahrpreis beträgt ab Gießen 5,50 Mark für die hin- und Rückfahrt; ab Wetzlar gleichfalls 5,50 Mark. Reifende von An- schlußskrecken erhalten bis zum nächsten Einsteige­bahnhof, sofern die Entfernung nicht mehr als 100 Kilometer beträgt, um 75 v. h. ermäßigte An­schlußkarten nur gegen Dorzeigen der Sonderzug-

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karten. Die Sonderzugkarten können bei den Ein- fteigebahnhöfen sofort bestellt werden. Für Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren wird keine besonders Ermäßigung gewährt. Die genauen Abfahrtszeiten des Sonderzuges werden noch bekanntgegeben. Unterkunft in Privatquartieren vermittelt die Deutsche Front in Saarbrücken.

Daten für den 23. Februar

1685: der Komponist Georg Friedrich Händel in Halle (Saale) geboren, (1759 gestorben); 1834: der Afrikareisende Gustav Nachtigal in Eich- stedt (Altmark) geboren, (1885 gestorben); 1855: der Mathematiker und Astronom Karl Friedrich Gauß in Göttingen gestorben, (1777 geboren); 1863: der Maler und Bildhauer Franz von Stuck in Tettenweis geboren, (1928 gestorben); 1879: der preußische Generalfeldmarschall Albrecht Graf von Roon in Berlin gestorben, (1803 geboren); 1930: horst Wessel als Opfer des kommunistischen Ueberfalles vom 14. Januar 1930 gestorben, (1907 geboren).

Taten für den 24. Februar

1920: Adolf Hitler entwickelt in der ersten Mas- senversammlung der NSDAP, im Festsaal des Hof- bräuhauses in München sein Programm.

KameradschastSnachmittag stellenloser Derufskameraden beim

Aus der provinzialhaupistadi.

Dasscheußliche^ Wetter!

Die ersten Anknüpfungspunkte bei fremden Men­schen bietet uns in vielen Fällen das Wetter.Ein schöner Tag heute!"Wollen Sie auch den Son­nenschein genießen?"Darf ich Ihnen meinen Schirm anbieten?" Das sind so ungefähr die ersten Sätze, die wir zu den Leuten sprechen, mit denen wir Zusammengehen und plaudern möchten. Sind nicht auch schon viele glückliche Ehen aus solchen Einleitungen" entstanden?

Nörglern freilich ist das Wetter nie recht. Sie haben immer etwas auszusetzen. Im Sommer sagen sie:Die Hitze ist nicht auszuhalten!" Im Herbst bei Wind und Regen:Einfach sürcherlich, dieser Sauregen!" Im Winter:Man wird zu einem Eisklumpen bei dieser Kälte!" Und von den Frühlingsmonaten macht ihnen nur der April Freude, weil sie dann meistens recht behalten, wenn morgens die Sonne scheint und sie sagen können: Am Mittag gibt es doch Schneegestöber!"

Bei solchen Leuten fällt mir immer wieder die alte Lesebuchgeschichte vom Schulzen Hoppe ein. Ihm konnte es der liebe Gott auch nie recht mit dem Wetter machen, bis ihm einmal erlaubt wurde, selber im Wettermachen tätig zu sein. Zum Schluß kam dann die Bescherung: Er hatte den Wind ver­gessen, und das Getreide hatte sich nicht besamen können. Da gab er beschämt nach und ließ nun wieder den lieben Gott das Wetter selber machen.

Alle Menschen, die auf das Wetter nur schimp­fen, sind zu bedauern. Wenn sie sich doch einmal fragen wollten: Was hat das denn für einen Zweck, sich über das Wetter zu ärgern? Es gibt Natur-

felbff an den Sondertagungen und der großen öffentlichen Kundgebung teil.

Bauern, im Winter habt ihr durch die Presse, durch viele Borträge und durch den Rundfunk, durch die Beratungsstellen gehört, was die E r - zeugungsschtacht will: Die Rahruugs- freiheit des deutschen Bolkes.

In diesem Kamps um die Unabhängigkeit steht ihr in vorderster Front. Jetzt heißt es, die Er­zeugungsschlacht zu beginnen und zu gewinnen. Ich mache hiermit sämtlichen Amtsteitern des Reichs­nährstandes die Teilnahme an den Kreisbauern- schafts-Beranstaltungen zur Pflicht. Darüber hin­aus aber erwarte ich von euch Bauern, daß ihr durch euer zahlreiches Erscheinen der Gauleitung der Partei helft, diese Beranstattungen wirklich macht­voll zu gestatten.

Der Landesbauernführer. Gez.: Dr. Wagner.

Neichsbund Volkstum und Heimat.

Ortsring Gießen.

Morgen, Sonntag, letzter Tag der Stickerei- Werkschau im Turmhaus am Brand. Um 11 Uhr und 16 Uhr führt Stickereimeisterin Frl. P e t e l e r persönlich. Eintritt 10 Pfennig.

Wir empfehlen unseren Mitgliedern den Besuch folgender Veranstaltungen:

Montag, 25. d. M., 20 Uhr, Lichtbildervortrag überSchlesiens Berawe 11", veranstaltet vom Bund heimattreuer Schlesier im Studenten­heim. Eintritt 20 Pfennig.

Montag, 25. b. M., 20.30 Uhr, Vortrag von Ober« baurat Cellarius über Reichsautobah- n e n und das Straßenbauprogramm der

fchen Arbeitsfront berichtet uns:

Ausschließlich das Berufsgruppenamt schen Arbeitsfront hat die Aufgabe, für liche Erziehung der schaffenden deutschen Volks- aenossen Sorge zu tragen. In Auswirkung dieser Aufgabe werden von dem Berufsgruppenamt der DAF. zur Zeit auch Lehrgänge für stellenlos» Be- rufskameraden durchgeführt, um diesen durch Er­weiterung ihres beruflichen Wissens die Möglich­keit zu geben, wieder in Arbeit und Brot zu kom­men. Ein Lehrgang von großem Ausmaß, der sich mit Kurzschrift, Maschinenschreiben, Briefwechsel und Gedächtnis-Schulung befaßt, wird augenblick­lich mit Unterstützung 'des Arbeitsamtes Gießen durchgeführt. Den beteiligten Berufskameraden soll aber auch im Rahmen von Kameradschaftsnach- mittagen die Möglichkeit geboten werden, außer- halb der Arbeit sich näher kennenzulernen und bei fröhlichem Zusammensein sich neue Kraft für ziel- bewußtes Schaffen zu holen.

Im Haus des Berufsgruppenamtes, Lonyftr. 18, fand am Mittwoch der erste Kameradschastsnachmit- iag der Teilnehmer obenerwähnten Lehrganges statt. Der Leiter des Berufsaruppenamtes, Pg. W. Wertes, wies zu Anfang Der Veranstaltung dar­auf hin, daß diese in erster Linie das Ziel habe, die Verbundenheit der Berufskameraden zum Aus- druck zu bringen und daß einem jeden die Möglich­keit geboten fei, auch feiner rednerischen Begabung freien Lauf zu lassen. Vier Kursteilnehmer bildeten eine nette Kapelle, die mit ihren musikalischen Dar­bietungen für angenehme Unterhaltung sorgte. Bk. Feußner brachte mehrere recht schöne Lieder ernsten und heiteren Inhaltes zu Gehör, der Sän­ger konnte für seinen guten Vortrag reichlichen Bei­fall ernten. Einige luftige Rezitationen steigerten die Gemütlichkeit, und so verflossen rasch die Stun- den dieses Nachmittags. Die herrschende Fröhlichkeit gab den Teilnehmern wieder Mut zu neuer Arbeit, die am darauffolgenden Tage mit entsprechend größerem Ernst wieder auf sie wartete.

Zwei Teeschalen.

(Sine (Erzählung von Joses Friedrich perkonig.

Doro erzählte: Glaubt mir oder glaubt mir nicht, es ist eine seltsame Geschichte, und sie könnte ge­wiß erdichtet sein und in einer Sammlung von unheimlichen Geschichten stehen, aber ich habe sie in Sibirien wirklich erlebt. Ich könnte euch einen beugen für die Wahrheit nennen, aber er ist tot. Einige von euch haben ihn gekannt, Sylveri, Syl- verie mit der schneeweißen Locke im schwarzen Haar ja, und den gelben Fingern, von Nikotin waren sie so gelb; ihr erinnert euch, er zündete im= mer eine Zigarette an der anderen an; der näm­liche ja. Wir hatten im Lager einige Freiheit, das heißt wir nahmen sie uns, die Sitten waren locker geworden, die Wachen faul und nachlässig oder sie ließen sich leicht bestechen, und Sylveri hatte im­mer Geld, weiß Gott, woher er es bekam, aber er hatte Geld, wahrscheinlich trug ihm der kleine Han­del wirklich mehr ein als wir dachten, er war em fixer Kerl, wenn er von einem heimlichen Streif­zug ins Lager zurückkam, brachte er gewohnUch ein Geschenk, es war billig, lawohl, es durfte nicht viel kosten, denn er war sparsam, er sammelt. Geld für die Flucht, aber es war doch em Ge­schenk. Eines Tages kommt er mieber aus der Stadt zurück und bringt zwei Teeschalen, schönes chinesisches Porzellan, durchsichtig und bläulich w Papier, ihr wißt schon, von der Sorte, die man nicht zwischen die Lippen nehmen will, weil man gleich die Scherben mit dem Tee schlucken femn. Sylveri stellt die Schalen vor mich hin und schaut sie verliebt an.Schön, was?" sagt er. ,/^eyr schön."Aus dem Bazar, sündhaft teuer, -ö«) lächle in mich hinein; aus verschiedenen ®n~cn muß ich es tun: Warum nur hatte er sich das Porzellan aufschwätzen lassen, seine Geschenke waren sonst doch von anderer Art, sie waren zu essen, zu trinken, zu rauchen; und viel Geld soll er dafür ausgegeben haben? Sylveri verschwendete für ein Geschenk sein liebes, sein teures Geld? Er aber muß mein Lächeln bemerkt haben.Es ist so, mein Lieber", beteuert er,weiß der Teufel, warum ich sie gekauft habe, der Kerl hat mich überredet, sie stammen aus einem chinesischen Klo­ster, dort sind sie gestohlen worden, und der Dieb hat sie einem Beg geschenkt, der Beg hat Geld ge­braucht und hat sie verkauft, oder so ähnlich; aber sind jetzt einmal da." Im Lager war man dank­bar für Abwechslung, wir beschäftigten uns einen Tag lang mit den chinesischen Teeschalen, wir be­fühlten sie immer wieder, sie waren wie eine kühle, seidene Haut, wir hielten ein brennendes Zündholz hinter das Porzellan, und wir sahen fast die

Flamme; wir entzifferten die winzigen Bilder und lachten über die komische Schrift, und vor allem tranken wir Tee daraus, an diesem Tage öfter als sonst. Und am Abend sagte Sylveri plötzlich:Eine gehört natürlich dir und eine mir", so als gälte es, zwei liebe Mädchen zu teilen, und Braut und Bräutigam gehörten dann zusammen.Ich danke dir", sagte ich. Er aber war noch nicht zufrieden, ich merkte eine sonderbare Unruhe an ihm.Du mußt mich richtig verstehen ... es ist eine Dumm­heit ... aber jeder muß seine eigene Schale haben. Ich wunderte mich zwar über ihn, er war sonst nicht so umständlich, aber vielleicht hatte ihn die Kostbarkeit des chinesischen Porzellans gewandelt. Besitzende sind anders als Empfangende.Es ist gut", stimmte ich zu, und wir suchten irgendein deutliches Merkmal, an dem wir die beiden ge­schwisterlich ähnlichen Schalen unterscheiden konn­ten.Siehst du das erste Wort da oben, es schaut aus wie ein Gitter, das ist meine Schale." So ge­schah also die Teilung, und jeder trank den Tee aus seinem eigenen Porzellan.

Die bösen Geister haben es nun auf solches Por­zellan abgesehen, denket einmal, ein Porzellan, dünn wie Papier, wie lange kann das in einem sibirischen Lager dauern? Das erstemal erschraken wir beide an einem Abend. Sylveri war aus der Stadt zurückgekommen und fluchte mörderisch. Es war in der Zeit, als sich die Roten und Weißen um die Eisenbahn zu raufen anfingen, und wir brauchten diese Eisenbahn, denn wir wollten jetzt flüchten. Also Sylveri brachte schlechte Nachrichten aus der Stadt, und als er erzählte, daß Admiral Koltschak auf die Stadt losrückte, warf eine hef­tige Handbewegung beide Schalen auf den Boden. Ich glaube, auch er hielt den Atem an, als wir die Porzellanscherben aufheben wollten. Aber die Schalen waren ganz, sie hatten auch nicht den leisesten Sprung. Und dieses Wunder wiederholte sich dann noch einige Male. Die Barackenkäuze, die wir uns hielten, weil uns sonst die Mäuse auf« gefressen hätten, fegten die Schalen einmal mit ihrem buschigen Schwanz vom Tisch, der kleine Kasten, in dem wir die Schalen aufbewahrten, stürzte um, und jedem von uns fielen sie aus den Händen. Aber dieses chinesische Porzellan zerbrach nicht so fein es auch war. Vielleicht war das nur ein Zufall, vielleicht hatte es tiefere Ursachen. Es ist ja möglich, daß die Chinesen solches Porzellan mit einem Geheimnis fabrizieren. Jedenfalls sagte Sylveri eines Abends, als wir das Wasser für den Tee sotten:Direkt unheimlich ... Also daß ich gerade die zwei Schalen hab kaufen muffen weißt du, wie sie mir Vorkommen? Wie unser Leben, nicht umzubringen." Wir hatten wahrhaftig furchtbare Jahre hinter uns, Krankheit, Heimweh, Gefahr, Hunger, Verzweiflung. Ich hatte ihm noch

nicht geantwortet, denn ich zögerte etwas, ihn mit meinem Aberglauben zu warnen, man soll nichts berufen, da machte es einen scharfen Klang, und aus einer der Schalen fällt ein kleines Stück her­aus, ein halbrundes Stück, als hätten es Zähne herausgebissen. Das viecht jetzt nach Aufschneiderei, aber es war häargenau so. Sylveri nimmt das Stück in die Finger, schaut lange darauf und sagt dann:Schad um deine Schale." Nun hatte ich auf dem obersten Rand der Porzellanscherbe wohl das kleine schwarze Gitter gesehen, aber rechtzeitig hielt ich die gefährliche Frage:Meine Schale?" zurück. Wahrscheinlich wollte er sich von dem Porzellan nicht trennen: war es das eine nicht, so war es das andere. Er blieb einige Zeit stumm, er schien nicht zu hören, daß ich sagte:Scherben bringen Glück." Plötzlich nahm er die zerbrochene Schale und warf sie mit aller Kraft in den Boden.Alte Weiber werden wir hier im Lager", schrie er so laut, daß die Wache hereinkam. Er ließ sich nicht überreden, er war auch in den nächsten Tagen noch wie ein Wilder, am dritten Morgen war er fort... Weiß Gott, was mit ihm geschehen ist."

So erzählte Doro.Und die andere Schale?" fragte jemand.S)ab ich natürlich mitgebracht." Ein schönes Andenken", sagte ein anderer.Ja­wohl, schön und merkwürdig."Glauben Sie an einen Zufall, oder ...?"Das ist sehr schwer zu sagen ... Aber vielleicht war es nicht nur ein Zu­fall Asien ist ein Land der Wunder."Kann man die Schale nicht sehen?"Gewiß, guten Freunden kann man sie zeigen." Und Doro schloß ein Taber­nakel in einem altertümlichen Tischschrank auf. Die Gesellschaft atmete kaum, und da hörten sie alle einen seltsamen Hellen Klang in der düsteren Oeff- nung. Man sah das blasse Gesicht des Gastgebers, man brauchte nicht erst eine Bestätigung, aus seinen blutleeren Sinnen. ..Alles hat eben feine Zeit, auch chinesische Teeschalen", sagte er mühsam. Wahrscheinlich ist die frische Lu,i schuld, die zu plötzlich an das Porzellan kam ... Aber bitte, ent­schuldigen Sie mich jetzt; ich habe heute morgen etwas Fieber ...Ich habe aus Asien ... Malaria mitgebracht."

Lincoln und die Sokdatenmutter.

Von Abraham Lincoln, dem berühmten Prä­sidenten der Vereinigten Staaten, erzählt man folgende Geschichte: Wie gewöhnlich fragte Lincoln den Türhüter seines Hauses, nachdem der Haupt­strom der täglichen Besucher seine Bitten und Sor­gen vorgebracht hatte, ob noch etwas Besonderes zu bemerken wäre.Da ist noch eine arme alte Frau, Herr Präsident", antwortete dieser,die jam­mert schon feit mehreren Tagen nach Ihnen und

möchte Sie dringend sprechen, aber sie hat noch keine Aussicht, an die Reihe zu kommen."Laß sie eintreten", sagte Lincoln. Dann gab der Präsi­dent der Frau Gelegenheit, von ihrer Geschichte zu erzählen. Ihr Mann und drei Söhne standen beim Heer, und sie litt deshalb bitterste Not. Ob ihr der Präsident nicht einen Sohn wenigstens freilassen könnte? Lincoln stand während der ganzen Erzäh­lung bewegungslos am Kamin, die Hände auf dem Rücken verschränkt. Als die Frau geendet hatte, öffnete er die Lippen nur zu dem lakonischen Satz:

habe zwei und Ihr habt keinen". Dann setzte er sich an den Schreibtisch, füllte den Entlassungs- befehl aus und gab der Frau noch Anweisungen, wie sie es anzustellen habe, um ihren Sohn frei­zubekommen. Einige Tage später aber kam der Torhüter wieder zu Lincoln und sagte:Die alte Frau ist wieder da und möchte Sie sprechen". Laß sie eintreten", sagte Lincoln. Und wieder stand er schweigend am Kamin und hörte der Frau zu. Wohl hatte die Anweisung des Präsidenten alle Wege freigemacht, aber als die Mutter nun glück­lich in das rechte Lager gekommen war, da hatte sie, statt den Sohn zu umarmen, nur noch seinen Leichnam auf dem letzten Gange folgen können. Bei Gettysburg war er gefallen. Der Präsident möchte ihr jetzt doch den zweiten Sohn freigeben. Wieder sprach Lincoln:Ich habe zwei und Ihr habt kei­nen", und seine stark zusammengepreßten Lippen ließen seine Erregung ahnen. Er ging zum Schreib­tisch und schrieb eine neue Anweisung. Die Frau aber, von einem Gefühl tiefster Mütterlichkeit er­griffen, trat hinter ihn an den Tisch, legte die Hand auf des Präsidenten Kopf und streichelte feine grauen Haare. Menschliche Sorge und menschliches Mitleid hatten hier alle Schranken überwunden, und der Beherrscher eines großen Volkes unter­schied sich durch nichts von dieser alten armen Frau. Der Befehl wurde unterzeichnet, und Lincoln drückte ihn der Mutter mit einem erstickten AusrufDa" in die Hand und stürzte aus dem Zimmer.

Zeitschriften.

Wie aus einer kleinen Blockhaus-Siedlung innerhalb von hundert Jahren eine Weltstadt wurde, schildert ein umfangreicher SonderartikelChikago" int) er neuen Nummer der Leipziger 111 u ft r i r ten Zeitung". Neben interessanten historischen Dokumenten geben charakteristische Ausnahmen aus der modernen Weltstadt mit ihren ragenden Wolken­kratzern ein geschlossenes Bild von Chikago. Weiter enthält diese Nummer u. a. einen Gedenkartikel zu Andreas Hofers 125. Todestag, einen Chopin-Bei- trag zu feinem 125. Geburtstag und einen um- fassenden Bericht von der großen Menzel-Aus- stellung in Berlin.