äußere Ehren oder heimtückische Intriguen, nicht durch Glücksfälle oder Schicksalsschläge des Lebens. Er ist geradewegs die Straße marschiert, die ihm sein Gewissen und sein Deutschtum vorschrieben.
Dieser Weg führte ihn über den aktiven Militärdienst der Friedenszeit in den Großen Generalstab, in die verantwortungsvollsten Stellen während des Weltkrieges, er führte ihn über den Zusammenbruch und den Bürgerkrieg an die Seite Adolf Hitlers. Ist es nur ein Zufall, ist es ein Wink des Schicksals, daß der Geburtstag Konstantin Hierls mit dem Tag zusammenfällt, an dem vor fünfzehn Jahren auch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei geboren wurde? Schon im Jahre 1920, dem Gründungsjahr der Partei, schrieb Hier! in einem Zeitungsaufsatz: „Der Druck des feindlichen Auslandes aber wird, so hoffe ich, das deutsche Volk zu einem Stahlblock zujammenschweißen, er wird es tatsächlich möglich machen,
die große Masse unseres Volkes zu innerer Geschlossenheit zu vereinigen im Zeichen .nationaler und sozialer Befreiung'." Adolf Hitler antwortete am 3. Juli 1920 dem damals im aktiven Heeresdienst stehenden Major in einem langen Brief und setzte ihm den Sinn seiner Massenversammlungen auseinander. So fanden sich beide Männer schon in den ersten Stunden des beginnenden Freiheitskampfes, der Offizier der Reichswehr und der Führer der politischen Bewegung.
Aber erst nachdem Hier!, der inzwischen zum Oberst befördert worden war, am 30. September 1924 seinen Abschied genommen hatte, konnte die nationale Bewegung auf seine volle Arbeitskraft zählen. Alsbald nach der Entlassung Hitlers aus der Festungshaft und der Neugründung der Partei trat Hier! in die Reihen der braunen Kämpfer. 1929 ernannte ihn Adolf Hitler zum Organisationsleiter der Abteilung II in der Reichsleitung. Dort im Braunen Haus hat Hierl im Stillen eine ungeheure Arbeitsleistung vollbracht, und als im Jahre 1933 die Tore zur Macht aufgerissen waren, da stand der riesenhafte Plan des Nationalszia- listischen Arbeitsdienstes in seinen Grundgedanken und in allen seinen Einzelteilen fix und fertig da. Als Staatssekretär für den Arbeitsdienst und dann auch als selbständiger Reichsarbeitsführer hat Hierl in unwahrscheinlich kurzer Zeit seine große Idee in die Wirklichkeit umgesetzt. Einen neuen Menschen und diesem neuen Menschen einen neuen Lebensraum zu schaffen, das ist die unveränderliche Aufgabe dieses schönsten Ehrendienstes an der deutschen Nation. Die Arbeit ist hart, der Lohn ist nicht klingende Münze, sondern Freude am gelungenen Werk. Das erfordert selbstlose Hingabe und ewige Jugend, wie sie sich in dem sechzigjährigen Konstantin Hierl verkörpert.
3m emsländischen Mor.
Reichsarbeitsführer Hierl besuchte am zweiten Tage seiner Fahrt durch die emsländischen Moore von Meppen aus die Unterkunft des A r - beitsdienstes im Darlumer Moor. Am
Mittag fand in Meppen ein Appell aller emsländischen Arbeitsdienstabteilungen im Stadion statt, zu dem fast 1800 Mann aufmarschierten. Der Reichsarbeitsführer hielt eine Ansprache, in der er mit besonderem Nachdruck den ehrenvollen Charakter des NS.-Arbeitsdienstes gerade in diesem Gebiet unterstrich. Wenn man im Emsland einen Uebergangspunkt an der deutsch-holländischen Grenze aufsucht, dann zeigt sich dem Beobachter auf der deutschen Seite, soweit das Auge reicht, eine Moorlandschaft, eine Wüste ohne Baum und Strauch, während auf holländischer Seite mit dem Grenzstrich beginnend sich blühendes Kulturland vor uns ausbreitet. Dieser Zustand ist ein Schandfleck für die deutsche Kultur, der im Bilde des neuen Deutschland nicht geduldet werden kann. Deshalb ist der deutsche Arbeitsdienst hier eingerückt, um mit der F r i e d e n s w a f f e des Spatens unserem Volke eine neue Provinz zu erobern. Es ist das eine Aufgabe, die so ganz im Sinne des
Arbeitsdienstes liegt. Deshalb ist es für unser Ehrempfinden unerträglich, daß für die gleiche Aufgabe auch Strafgefangene eingesetzt werden. Wir wollen den besserungsfähigen Strafgefangenen die Wohltat der Arbeit nicht aberkennen und ihnen die Möglichkeit nicht vorent- halten, wieder in die Volksgemeinschaft zurückzukehren. Die Eroberung von Neuland für unser Volk aber ist eine Arbeit, die als Vorrecht dem freien deutschen Mann und im besonderen der im Ehrendien st der Arbeit stehenden deutschen Jugend vorbehalten bleiben muß. Das Werk des Arbeitsdienstes verpflichtet auch die künftigen Siedler z u m D i e n st a m V o l k.
Nachdem der Reichsarbeitsführer am Nachmittag noch dem Halbwegs zwischen Haselünne und Klo- penburg gelegenen Arbeitsdienstlager Löningen einen Besuch abgestattet hatte, folgte er am Abend einer Einladung des Reichsstatthalters auf dessen Landsitz bei Ahlhorn.
Geschichten aus aller Welt.
Winterliches Abenteuer in Minnesota.
(th) Neuyork.
Mister Browns, ein Fabrikbesitzer aus Fargo in Minnesota (USA.) befand sich mit seinem Automobil auf der Heimfahrt aus einem Städtchen im nahen Staate Dakota, wo er geschäftliche Besprechungen erledigt hatte, als mitten auf der Landstraße ein heftiger Schneesturm einsetzte. Mister Browns Hoffnung, noch rechtzeitig die schützenden Mauern seiner Heimatstadt zu erreichen, erwiesen sich dem Wüten des Elements gegenüber jedoch als trügerisch, der Schneesturm nahm von Minute zu Minute an Gewalt zu, sein Automobil blieb in dem mittlerweile schon über einen Meter hoch gefallenen Schnee stecken, und er mußte es verlassen. Nach fünfstündiger, mühseliger Wanderung, während der er wiederholt die Orientierung verlor und sich nur durch die äußerste Willensanspannung davor bewahren konnte, erschöpft in den Schnee zu sinken, erreichte er eine dicht vor Fargo liegende Farm, in der er ausgenommen wurde. Da Mister Browns in seiner Stadt eine große Rolle spielt, wußte er am nächsten Tage durch das glücklicherweise noch funktionierende Telephon die Feuerwehr Fargos zu bewegen, mit einem Motorschneepflug zu erscheinen und sein auf der Landstraße festliegendes Auto freizumachen.
Er begleitete selbst die fünf Feuerwehrleute auf dem Schneepfluge zu feinem Automobil, das bis an das Verdeck eingeschneit war. Wer beschreibt den Schrecken Browns sowohl wie seiner Begleiter, als ihnen bei der Annäherung an das Automobil aus dessen Innern vier mächtige große — Wölfe entgegensprangen, die anscheinend unter dem Verdeck Schutz vor dem Unwetter gesucht hatten? Die hungrigen Bestien stürzten sich ohne weitere auf die sechs Menschen, und es entspann sich mitten auf der verschneiten Landstraße Minnesotas — wo Wölfe eine große Seltenheit sind, wenn sie nicht wie diese hier in besonders harten Wintern Über die kanadische Grenze herüberwechseln — ein erbitterter Kampf, der schließlich durch einen der Feuerwehrleute geistesgegenwärtig dadurch entschieden wurde, daß er das Auspuffrohr des Motorpflugs in Tätigkeit setzte. Bei diesem erschreckenden Geräusch zogen es die Wölfe vor, in einer naben Pflanzung zu verschwinden, nachdem sie Mister Browns und einen der Feuerwehrleute erheblich verletzt hatten.
Prompte Bedienung.
D. London.
Man sage nichts gegen die Menschenfreundlichkeit der englischen Justiz. Hat ein Gefängnisinsasse einmal einen Herzenswunsch, dann braucht er es nur zu melden, und die Gefängnisverwaltung wird sich überlegen, was sie tun kann.
Saß da im Gefängnis von Oxford ein junger Mann, den man wegen Fälschung von Postan- weifungen einaesperrt hatte. Es geht ihm ganz gut da, dem Arrestanten, man hat sein Dach über dem Kopf und satt zu essen. Aber einsam ist es,
mächtig einsam. Niemand besucht ihn. Denn das Mädchen, das er liebt, wohnt in London und hat nicht genug Geld, um nach Oxford zu fahren.
Ehe der Einsame noch von Sehnsucht übermannt wird und der Schwermut in die Arme fällt, erinnert er sich rechtzeitig an die Möglichkeit einer Eingabe und läßt sich Tinte und Feder und Papier bringen. Höflich und bescheiden fragt er bei der Verwaltung an, ob man ihn nicht nach London transportieren würde, damit ihn seine Freundin besuchen kann, und er weiß der Verwaltung seinen Kummer recht ans Herz zu legen.
Die Behörden waren gar nicht so. Die Behörden fühlten ein menschliches Rühren und gaben ihre Einwilligung zu der Ueberführung des sehnsüchtigen Gefangenen. Schon wenige Tage später wurde der junge Mann in ein Auto geschoben und in das Brixton-Gefängnis in London gebracht. Hoffentlich hat er sich in der Treue seiner Freundin nicht getäuscht.
Der unheimliche Schreibtisch.
(th) Paris.
In einem versteckten Althändlergeschäft hat man einen berühmten Schreibtisch aufgetan, der im Jahre 1809 für Napoleon gebaut wurde. Er dürfte der einzige Schreibtisch seiner Art sein. Denn wenn ein „Unbefugter" die Tischplatte berührt, sausen zwei Metallhände hervor und greifen genau zu der Stelle hin, wo der „Unbefugte" die Platte berührte.
In dem Schreibtisch aber läuten einige Glocken so eindringlich, daß der „Unbefugte" eiligst Hasenpanier ergreift.
Napoleon ließ den kuriosen Schreibtisch eigens für sich bauen und in sein Schlafzimmer stellen. Angeregt wurde er zu der Idee durch eine der ersten Prothesen, also künstlichen Glieder, die je herge- stellt wurden. Es handelte sich um die Hand des Herzogs Christian von Braunschweig, die ihm in der Schlacht von Fleury verlorenging und die ein holländischer Uhrmacher dann ersetzte. Die Hand konnte greifen und sich strecken und auch sonst mancherlei Kunststücke vollführen. Als Napoleon die Zeichnung für diese Hand zu Gesicht bekam, hatte er sofort Gedanken, die Erfindung für sich verwerten zu lassen.
So entstand der unheimlichste Schreibtisch Frankreichs, unheimlich natürlich nur, solange man sein Geheimnis nicht kannte. Denn nach rückwärts konnten z. B. die Hände nicht greifen ...
Der Millionär an der Drehbank.
R. D. Reims.
Unter den vielen tausend Arbeitern in einer französischen Automobilfabrik steht ein gewisser Eugene Paris an der Drehbank, der sich in nichts von seinen Kollegen unterscheidet. Er ist der Arbeiter Nr. 192 206, tut seine Pflicht, und damit basta!
Dann führt der Mann vielleicht ein interessantes Privatleben? Mitnichten. Sein Gehalt ließe das gar nicht zu. Er schlägt sich recht und schlecht durchs Leven, richtet sich so gut ein, wie er kann, und seine Frau verdient tapfer mit.
Aber dennoch schwebt um ihn ein Hauch des Abenteuerlichen, denn der Arbeiter Nr. 192 206 ist ein — Multimillionär. Das Testament seines Onkels, der ihn zum Erben über riesige Ländereien zwischen San Franzisko und Hollywood, über etliche Oel- quellen, 50 000 Stück Vieh und über ein Bankkonto von 30 Millionen Dollar einsetzte, hat nur einen recht empfindlichen Haken: der Neffe soll bis zum Antritt der Erbschaft sein einfaches Leben weiterführen und vor allem sich keinen Sou borgen.
So steht er weiter an der Drehbank, brüht sich in der Mittagspause seinen Kaffee auf, genau wie seine Kollegen, und hilft seiner Frau am Samstag beim Großreinemachen. Aber natürlich ist er mit seinen Gedanken schon in seinem künftigen Leben, und jeden Morgen erwartet er vom Briefträger die Nachricht, daß die laufenden Geschäfte und Angelegenheiten in Amerika erledigt sind und er nach drüben abdampfen kann.
Wie sich der Millionär fein künftiges Leben einrichten will? Beileibe nicht so luxuriös, wie er es bei den Größen erlebt hat, die er einstmals als Schwimmlehrer in Biarritz an der Angel gehabt hat. Nur seinem geliebten Sport möchte er sich in Zukunft mehr hingeben, aber zwischendurch, wie er erzählte, ein einfaches Marmeladenbrot nicht verschmähen, womit sich Herr Eugene unsere Sympathien in weitestem Maße erworben hat.
Der Mann, den niemand will . . .
(st) Lissabon.
Derartige unselige Menschen, die nirgendwo hingehören, die jeder grundsätzlich herauswirft und die nun eines Tages auf einem Schiff fitzen und nicht mehr herunterkommen von dem Schiff — weil kein Hafen sie aufnimmt — solche Menschen hat es schon des öfteren gegeben in unseren etwas verdrehten Zeiten. Aber selten kutschiert jemand solange auf den Meeren umher wie Alfred Torton, der Mann, den niemand will. Er sagt, er sei aus San Francisco. Aber er kann es nicht beweisen und die USA.-Behörden glauben es ihm nicht. Er wurde in England aufgegriffen und sollte .. aber da war er schon entflohen und wurde erst an Bord des Royal Mail Liners „Almanzora" entdeckt, als das Schiff bereits auf hoher See war.
Die „Almanzora" hat nun die unmöglichsten Stücke versucht, um ihn wieder loszuwerden. Nichts zu machen. Cherbourg winkte stürmisch ab, Havre, alle Nordafrika-Häfen. Und auch Lissabon nahm ihn nur, bis die „Almanzore" auf der Rückreise wieder vorbeikommt und ihn wieder mitnimmt. Und wenn kein Wunder geschieht, wird er ewig auf den Meeren herumfahren müssen — an Bord der „Almanzore". Man sagt, der Kapitän liebe ihn sehr..-
In der eigenen Falle gefangen.
(z) Rom.
Der seit über zwanzig Jahren im Dienst stehende und bei allen Vorgesetzten gut angeschriebene Polizist Vandetti meldete zuerst vor einem halben Jahr seiner vorgesetzten Behörde, daß er fortwährend anonyme Briefe mit blutigen Drohungen erhalte. Don unbekannter Hand werde ihm angedroht, wenn er nicht eine bestimmte Summe an genau bezeichneter Stelle niederlege, wolle man ihn bei der Polizeiverwaltung als Mitwisser und gar als Mithelfer der vielen Einbrüche anzeigen, von denen die Stadt feit einiger Zeit allnächtlich heimgesucht wurde! Bei der hohen Behörde hatte man für diese anonymen Drohungen nur ein lächelndes Achselzucken, klopfte dem bewährten Beamten aus die Schulter und bedeutete ihm, er solle sich daraus nichts machen. Bekanntlich müsse ja auf dieser Welt der Gerechte viel leiden ...
Damit wurden die anonymen Briefe aber nicht aus der Welt geschafft. Im Gegenteil: Vandetti b - kam seitdem fast jeden Tag einen neuen. Jnzwisch n war in die Polizeiverwaltung ein neuer Inspektor versetzt worden, der sich, als Vandettis Klagen nicht aufhörten, alle bisherigen Schreiben noch einmal oorlegen und einen graphologischen Sachverständigen kommen ließ. Und der stellte in kürzester Zeit fest, daß Vandetti selbst der Schreiber dieser Briefe war! Sofort vernommen, gab Vandetti schließlich zu, er habe sich durch die Beförderung anderer Kameraden zurückgesetzt gefühlt und sich durch diese Briefe wichtig machen wollen.
Selbstverständlich wurde er auf der Stelle seines Amtes enthoben und obendrein auch noch wegen
Gießener Stadttheaier.
Gastspiel der „Bier Nachrichter":
„Die Nervensäge".
Nach Goethe und Wieland — Edgar Wallace; nach der klassischen Parodie die Verulkung des modernen englischen Kriminalstücks. Diese Geschichte kann sich nirgends besser ereignen als auf dem schottischen Landadelsitz derer von O'Why und zwar am Freitaa, dem 13. Hier ist es nicht geheuer. Das macht sozusagen die kriminalistische Atmosphäre des Hauses.
*
Es treten neben denen von O'Why und etlichen minder wichtigen Personen auf: Edgar Wallace mit der überlebensgroßen Zigarettenspitze und mit dem famosen Antrittslied „Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu fein",' Sherlock Holmes, Chef der Abteilung für Spuk und Gespenster in Scotland Nord, Dr. Mabuse der Spieler, und Stuart Webbs. Aber das ist alles noch nichts. Der Hausarzt Dr. Mortimer hat seinen Doppelgänger mit falschem Dollbart gleich mitaebracht. Da ist ferner Miß Trown, die sich — trau, schau, wem? — als die Spionin „R 6" entpuppt. Auch Willi, das Hausgespenst, geht in seiner Ritterrüstung über die Bühne; es hat übrigens ein Verhältnis mit der Zofe Mary und kündigt gegen Morgen, als es ihm zu dumm wird.
♦
Die berühmten Leute sind als aparte Geburtstagsüberraschung vom guten Pappi O'Why eingeladen und sollen seinem Töchterchen Mabel bei der Abfassung eines Kriminalstückes mit Anregung und Erfahrung zur Seite stehen. Die kriminalistische Atmosphäre des Hauses tut ein Uebriges, und das Stück ist dann auch schon bald in großer Fahrt, kaum daß das Licht zum ersten Male ausge- gangen und Dr. Marbuse der Spieler spurlos aus dem verhängnisvollen Sessel verschwunden ist, in dem schon vor fünfhundert Jahren Tante Agathe selig aus der Ahnengalerie ... aber das führt zu weit.
*
Das unerschöpfliche Frage- und Antwortspiel jedes redlichen Kriminalstückes — wer ist der Täter, wer hat wen, wann, wo und warum? — wird andauernd durch die schauerlichsten Zwischenfälle unterbrochen. Die Nervensäge kreischt vor, auf und hinter der Bühne. Schatten erscheinen im gotischen Fensterrahmen; Tante Agathes Bild fällt mit Donnergepolter von der Wand: zwar hat es feinen erschlagen, aber immerhin guckt jetzt oben
ein beachtlicher Totenkopf aus der ohnehin schadhaften Tapete derer von O'Why.
*
Immer noch nicht genug: die Hauswappen leuchten, genau wie im „Hexer", von Zeit zu Zeit gespenstisch auf und erlöschen wieder. Erst viel später erfährt der jäh ernüchterte Besucher, was es damit für eine Bewandtnis hat. (Es spart viele unnötige Wege.) Die riesige Standuhr geht ... quer durch die ganze Halle und wieder zurück; allerdings wird sie auf halbem Wege von den Herren Holmes und Wallace mit gezückten Revolvern verhaftet und geöffnet: heraus kommt der Kuckuck oder Bobby Todd oder Stuart Webbs... oder war es am Ende nur ein Generalvertreter für das Nervenberuhigungsmittel „Ekrafit"?
Sobald einer den hier wirklich nahelieaenden Versuch macht, den ersten Schottenwitz abzuschießen, wird er mit Entrüstung zum Schweigen verdonnert. Aber was steht da im halbdunklen Hintergrund, vom ehrwürdigen Staub der Jahrhunderte bedeckt? Die Hausorgel derer von O'Why. Daß dies ein Schottenwitz von ganz besonderer Art ist, erfährt man erst viel später; die Pointe wird freilich auf eine handgreifliche Weise vorausgenommen: sobald jemand auf dieser Orgel das dreigestrichene blutrote Fis anschlägt, fällt der chinesische Koch Tau En Tsien (wo habe ich den Namen schon mal gehört?) tot aus dem Schrank.
Das ist stark, obwohl er später wieder lebendig wird. Aber da sitzen schon um Mitternacht Heinrich der Achte, die auferstandene Tante Agathe O'Why und der bleiche Jonathan in der Halle, tauschen blutige Erinnerungen aus, singen, tanzen, trinken, fechten und spielen Skat ... Genug, genug: wir können hier unmöglich das ganze Kriminalstück in vier Akten mit Gesang und Tanz und sämtlichen Witzen und Pointen bis zum Finale nacherzählen.
Dieses Stück mußte mal kommen, es lag auf dem Wege der Nachrichter von den schüchternen Anfängen im Münchener Seminar bis zum allabendlichen Erfolg auf der Rundreise durch ganz Deutschland. Ist es trotzdem erlaubt, zu bemerken, daß das erste, noch völlig improvisatorische Stück ihr bestes war? „Das sogenannte zweite Stück ist immer ’ne Gefahr", so fangen sie selber im „Esel". Das dritte erst recht. Routine ist gefährlich. Kollektiv ist gefährlich. Erfolg ist gefährlich. Ein paar Längen und tote Stellen sind schwer zu überbrücken
*
Ader die musikalische Einkleidung und Begleitung (Kurd E. Heyne, Bobby Todd, Frank Nor
bert) ist wiederum ausgezeichnet, einfallsreich, spritzig, zündend und witzig: bestes Kabarett. Neben Wallaces Antrittslied ist hier vor allem die „Ballade von Heinrich VIII." zu nennen und der „Song vom Aberglauben", der um ein Haar sogar hochaktuell wird. Aber auch der „Mabel-Tango" und „Wann kommt für mich der große Unbekannte?" haben es in sich, und herrlich komisch zuletzt der schottisch-oberbayerische „Hochländer".
*
Den Text schrieben wieder gemeinsam K. E. Heyne, Helmut Käutner und Bobby Todd. Käutner führt auch Regie (eine Leistung, die in diesem Fall kaum abzuschätzen ist) und entwarf ein sehr begabtes Bühnenbild, das den Schauplatz vollendet kennzeichnet. Technische Leistung: Beppo Schwaiger; Requisiten und Indizien: Walter Sesselberg. (Es wimmelt natürlich von Revolvern, Gi^t, Pillen und falschen Bärten.)
Das Ensemble umfaßt dreizehn Personen. Von den vier Nachrichtern waren nur drei anwesend: Herr Heyne ist erkrankt und wurde von Rudolf Kalvius vom Landestheater Braunschweig vertreten, der den Wallace brillant spielte und sich dem Stil der Studenten feinfühlig anpaßte. Sherlock Holmes: Helmut Käutner; er ist darstellerisch wohl die stärkste und individuellste Begabung. Bobby Todd machte den Kuckuck; sehr trocken, komisch und etwas münchnerisch; doch bleibt seine „Ballade vom trojanischen Krieg" (aus dem „Esel") noch immer unerreicht. Don den Damen: Erica Balquö und Gundel Thormann, beide darstellerisch, musikalisch und tänzerisch individuell talentiert und sehr sicher. Don den übrigen neuen Mitgliedern des Ensembles: Fred Hansen (O'Why) und Walter S e s s e l b e r g (Mortimer). —
*
Ausverkaufes Haus. Es war ein großer Erfolg und einer der hübschesten Theaterabende dieser Spielzeit. hth.
Oer reichste Mann Arabiens.
Anläßlich des silbernen Regierungsjubiläums des Königs Georg von England, das im Mai dieses Jahres mit großem Pomp gefeiert werden wird, und zu dem die Großen des Weltreiches sich in London einfinden werden, um dem Jubilar ihre Huldigungen darzubringen, wird auch Abdullah Ben I a f i m, der Scheik von El Katar in Arabien, nach London reifen. Er ist der reichste Mann Arabiens und wird der „König der Perlen" genannt.
Die „Daily Mail" behauptet jedenfalls, daß es
auf der ganzen Welt keine Perle von Bedeutung gäbe, die er nicht in der Hand gehabt hätte, und unzählige Perlenfischer stünden in seinen Diensten. Er soll der größte Perlenkenner überhaupt fein, und wer passende Ergänzungsperlen sucht, was tm Juwelenhandel sehr häufig vorkommt, wird sie bet diesem Scheik eher erhalten als sonst irgendwo.
Er lebt mit seinen 84 Frauen in einem palast- ähnlichen Bau und überall, wohin er in feinem Bereich kommt, steht ein Pferd und eine Frau für ihn bereit. In feinem Hofstaat betätigen sich Hunderte Menschen, und mit der Perlenflscherei geben sich 4000 Sklaven ab, die einen sehr kärglichen Lohn für ihre schwere und gefährliche Arbeit erhalten.
Am Hof herrscht eine Pracht, wie sie nur von den Palästen indischer Nabobs übertroffen wird. Für seine und seiner Gäste und Freunde Unterhaltung hält er einen großen Stab von Tänzerinnen, Gauklern, Astrologen, Spaßmachern. Bei seinen Untertanen erfreut er sich größter Beliebtheit.
Sein Thron ist mit den kostbarsten Perlen geschmückt, wie man sie so erlesen und zahlreich nicht wieder beieinander findet. Bisher hat er fein Reich nicht verlassen, da er aber zu dem Regierungsjubiläum des englischen Königs eine Einladung erhalten hat und England kennenlernen möchte, wird er ihr Folge leisten. Doch nicht nur mit einem stattlichen Hofstaat wird er die Reife antreten, er will auch 24 feiner Frauen mitnehmen, um bei den anderen hohen Gästen in London Eindruck zu machen.
Da er ein sehr strenger Mohammedaner ist, der den Verkehr mit den Andersgläubigen nach Möglichkeit einschränkt, wird schon seitens der englischen Regierung außerhalb Londons ein großes Haus gesucht, das ihn mit seinem Harem und Hofstaat aufnehmen kann.
Hochschulnachnckien.
Bei der Wahl des Rektors der Berliner Universität erhielt der ordentliche Professor und Direktor des englischen Seminars Dr. Wilhelm Horn Stimmenmehrheit. Es ist zu erwarten, daß die Wahl vom Relchsministerium bestätigt wird. Professor Horn ist erst seit etwa zwei Jahren in Berlin tätig; vorher wirkte er in Breslau und in Gieße n, wo er im Jahre 1908 zum ordentlichen Professor ernannt wurde und seit 1923 die Gießener Beitrage zur Erforschung der Sprache und Kultur Englands und Amerikas herausgab.
Geh. Medizinalrat Professor Dr. Karl Kitz- kalt, Ordinarius für Hygiene und Bakteriologie an der Universität München, hat einen Ruf als Direktor des Hygienischen Instituts der Universität Berlin erhalten.


