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nr.195 Drittes Blatt

Donnerstag, 22. August 1935

«Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Mue Bücher zur Politik und Geschichte.

durch Oesterreich 1908 gab die Anregung für einen Balkanbund mit Einschluß der Türkei als Schutz gegen weitere Ausdehnungsbestrebungen der Donau­monarchie. England förderte diesen Plan, um Ruß­land von den Meerengen fernzuhalten und den deutschen Einfluß in Konstantinopel zu beseitigen. Von der anderen Seite setzten Iswolski und sein Gehilfe Tscharikow in Bulgarien den Hebel an, das nun von Oesterreich und Rußland gleichzeitig umworben wurde, Ferdinand hielt beide hin und suchte bessere Beziehungen zu Serbien, ohne sich andere Türen vorzeitig zu versperren. Rußlands Versuch, die Meerengenfrage mit der Türkei zu lösen, scheiterte an dem Mißtrauen der Türken, aber ihre Niederlage im Tripoliskrieg aab dem Plan eines serbisch-bulgarischen Bündnisses neue Nahrung. Das Bündnis kam unter Vermittlung des russischen Gesandten Hartwig im März 1912 zustande. Die Erweiterung zum Balkanbund durch den Beitritt Griechenlands gefchah ohne Mitwir­kung, ja ohne Wissen der Russen. Damals verdiente

sich der geschäftige Kreter Veniselos die ersten diplo- matischen Sporen. Die Bevormundung Petersburgs empfand man bereits als lästig, wenn man auch im Ernstfall mit der russischen Rückendeckung rech­nete. Die gewünschte Anlehnung an Italien gelang indessen nicht, da dies ein Eingreifen Oesterreichs fürchtete, wenn die Existenz der Türkei durch einen Zweifrontenkrieg bedroht würde. Daß der Balkon- bund zum Kriege gegen die Türkei schritt, sobald ihm der Augenblick der größten Schwächung des Gegners durch den Tripoliskrieg günstig erschien, widersprach den Interessen des russischen Protek­tors, der für einen europäischen Krieg noch keines­wegs hinreichend vorbereitet war und deshalb gegen die Kriegstreiber in den eigenen Reihen alles tat, um den Balkankrieg zu lokalisieren, Nach der Niederlage der Türkei und der Verteilung der Beute zerfiel der Balkanbund so schnell, wie er entstanden war, Rußland wurde die gegen Oester- reich geschmiedete Waffe vorzeitig aus der Hand geschlagen. Die recht verwickelten diplomattschen Vorgänge, die hier kurz wiederholt wurden, hat Bickel sehr klar gegliedert und anschaulich darge- stellt. Ein wertvoller Beitrag zur Vorgeschichte des

I Weltkrieges. e-

' Konservative Vorknegspolitik.

Jacob Burckhardt: Die Zeit Kon­stantins des Großen. Große illustrierte Phaidon-Ausgabe, mit 200 Kupfertiefdrücken. Preis 4,80 Mark. Phaidon-Verlag in Wien. (228) Dies Jugendwerk des großen Baseler Historikers ist 1852 erschienen, manches in seinem Inhalt ist durch moderne Quellenkritik widerlegt oder durch die Er­gebnisse der historischen Forschung von acht Jahr­zehnten überholt worden, aber ewig jugendfrisch bleibt die Diktion dieses Buches, ein echtes Erzeugnis Burckhardtschen Geistes, hervorgebracht aus der sel­tenen Paarung von höchster Gelehrsamkeit und stärk­stem künstlerischen Empfinden. So ist es durchaus berechtigt, wenn der Phaidon-Verlag der Reihe feiner verdienstvollen Neuausgaben bedeutender Werke der Kulturgeschichtsschreibung nach BurckhardtsRenais­sance" nun auchDie Zeit Konstantins des Großen" einfügt, zumal sich auch hier Gelegenheit bot, durch Zusammenstellung eines vielseitigen, gut ausgewähl­ten und sorgfältig wiederaegebenen Bilderteils dem nicht so sehr fachlich interessierten Leser etwas Neues und als willkommene Ergänzung der Ausführungen Burckhardts gewiß Verlockendes in die Hand zu aeben. Die Zeit Konstantins ist die Wende vom Altertum zum Mittelalter, vom Morgenland zum Abendland, vom Heidentum zum Christentum. Die alte Welt, soweit sie um den Mittelpunkt Rom kreiste, in Auflösung. Don der Peripherie drängen junge, unverbrauchte Völker zu den Sitzen antiker Kultur vor. Die seltsam labile Verfassung des römischen Imperiums vermag kaum noch den Er­fordernissen dieser harten Zeit zu entsprechen. Das dritte Jahrhundert bringt im schnellen Wechsel der Herrscher wohl manch kraftvolle Persönlichkeit, manch bedeutenden Feldherrn, aber nicht das Genie, dem es qelänae, gleichzeitia die Grenzen des Reichs im Norden, Osten und Süden zu schützen und im Innern dem sittlichen Verfall zu wehren, auf ge­sünderen Grundlagen ein neues Staatsgebäude zu errichten und mit Leben zu erfüllen. Das ist auch dem Größten in dieser Reihe der Soldatenkaiser nicht gelungen. Diokletians Reichsreform die übrigens eigentlich im Mittelpunkt der Darstellung Burckhardts steht blieb eine Behelfsmaßnahme ohne nachhaltige Wirkung. Erst dem klaren Blick Konstantins gelang es, durch die Verbindung mit dem Christentum der Reichsgewalt neue Funda­mente zu geben. In den äußeren Rahmen der politischen Geschichte zweier von Kampf an den Grenzen und im Innern blutiger Verfolgungen, grausiger Morde im Streit um den Thron ange­füllter Jahrhunderte spannt Burckhardt ein un­gemein farbiges Bild der großen geistigen Ausein­andersetzung, die für diese Zeitwende so charakte­ristisch ist. Hier zeigt sich Burckhardts meisterhafte Gestaltungskunst, die Kraft des Ausdrucks, das Temperament des Urteils von der schönsten Seite. Wir hoffen, die neue Ausgabe möge recht viele verlocken, zu dem Buch zu greifen, das auch heute noch uns fo viel zu sagen hat.e.

Karl Alexander v. Muller: Zwölf Historikerprofile. Preis geb. 3,60 Mark. Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart. (176) Der Münchener Geschichtslehrer gibt hier Skizzen nach dem Leben, meist geschaffen aus einem An­laß des Lebens, gegründet auf persönliche Ein­drücke. Und gerade dies Unmittelbare, von großem wissenschaftlichem Apparat Unbeschwerte macht diese Porträts so menschlich warm, gibt ihnen den Reiz des Subjektiven, den persönliche Memoiren vor Werken der Geschichtsschreibung stets voraus­haben. Eine Fülle von markanten Profilen, ver­schieden in Charakter wie in ihren Interessen, in Lehre und Forschung, eine lebendige Illustration für die Vielseitigkeit deutschen Gelehrtentums. Neben dem großen Essayisten und Biographen Erich Marcks, dem künstlerischen Gestalter Bis­marcks und des Alten Kaisers, Philipps II. und

der englischen Elisabeth, steht der eigenwüchsige, streitbare Max Lenz, der Geschichtsschreiber der Berliner Universität, steht der Historiograph des preußischen Staates Reinhold K o s e r , dessen kon­zentrierter Arbeitskraft und Forscheringenium wir die hervorragende Lebensbeschreibung Friedrichs des Großen verdanken, steht schließlich Friedrich M e i n e ck e , dessenWeltbürgertum und Natio­nalstaat" wie selten ein zweites Buch die junge Ge­schichtswissenschaft angeregt und befruchtet hat, strenger Forscher, grüblerischer Denker, künstlerisch empfindender Gestalter, leidenschaftlich und ehrlich die Erkenntnisse seiner Forschung darbringend, deren tiefgreifender Wirkung sich so leicht niemand zu entziehen vermag, lieber den Kreis der engeren Zunftgenossen hinaus, außerhalb der wissenschaft­lichen Atmosphäre Münchens weniger bekannt ge­worden sind die bayerischen Geschichtsforscher Karl Theodor von H e i g e l, langjähriger Präsident der bayerischen Akademie der Wissenschaften, auch er wie Erich Marcks ein Meister des historischen Essays, künstlerisch empfindend, warmherzig und volksnah, Siegmund von Riezler, der ver­diente Erforscher bayerischer Landesgeschichte, Her­mann von Grauert, der katholische Kirchen­historiker, Maximilian Fastlinger, gleich volks­tümlich und eindrucksvoll als Priester wie als Ge­lehrter, als der er vom kleinen Kern der Ortsge­schichte vordrang zur Gesamtschau der Christiani­sierung Altbayerns, und schließlich der vielseitige Karl Mayr, eng im künstlerischen Leben des Münchens der Jahrhundertwende wurzelnd, Freund Hugo Wolfs und Fritz Erlers, ein Mann von eige­nem persönlichen Charme. Zwischen diese beiden gro­ßen Gruppen schiebt der Verfasser eine Würdigung des österreichischen Historikers Heinrich Ritter von S r b i k, des bekannten Metternich-Biographen, und Wilhelm Heinrich Riehls, des großen Kul­turhistorikers, dessen einzigartige Schilderungen deutschen Volkstums heute wieder auf besondere Aufmerksamkeit rechnen dürfen. Den Abschluß der schönen Sammlung bildet ein besonders warmher­ziger Nachruf auf den jungen Historiker Adalbert von Raumer, Nachfahre einer berühmten, weit­verzweigten deutschen Gelehrtenfamilie, selber hoch- begabt, für alles Schöne und Große aufgeschlossen, voller Pläne und Entwürfe für feine Arbeit, als er mit der jungen Mannschaft Deutschlands in den Krieg zieht und schon im Herbst 1914 von einem Patrouillengang nicht wieder zurückkehrt. Mit die­sem feinsinnigen Nachruf auf einen früh ins Grab gesunkenen Schüler und Freund schlingt Karl Alexander von Müller das Band zu denen, denen dies Buch gewidmet ist, der Jugend unter den deutschen Geschichtsforschern, von denen ein jeder nur mit Dank für den ästhetischen Genuß und die innere Bereicherung, die er empfangen hat, dies schmale Bändchen-aus der Hand legen wird. -e.

Dr. Otto Bickel, Rußland und die Entstehung des Balkanbundes 1912. Osteuropäische Forschungen Band 14. Im Ost- Europa-Derlag, Königsberg i. Pr. Preis geheftet 6 Mark. (159) Auf Grund amtlichen Akten­materials, namenttich aus österreichischen Archiven, wird hier unseres Wissens zum erstenmal eine zu­sammenfassende Darstellung der Entstehungsge­schichte des Balkanbundes gegeben, die bis hl die Zeit der Befreiungskämpfe der Balkanvölker gegen die Türkenherrschaft zurückreicht. Ein Problem der Polittk wird der Gedanke des Balkanbundes ober erst, als nach der Niederlage auf den mandschuri­schen Schlachtfeldern Rußland sich wieder dem Westen zuwendet und auf der Suche nach dem freien Zugang zum Meer darangeht, die Meer­engenfrage erneut aufzurollen. Die panslawistische Idee wird der Sturmbock bei den diplomatischen Vorbereitungen für die Lösung der Meerengen­frage im russischen Sinne. Die Annexion Bosniens

Graf Westarp: Konservative Po­litik im letzten Jahrzehnt d e s Kaiser­reichs. Band I. Don 1908 bis 1914. Preis ge­bunden 12 Mark. Deutsche Derlagsgesellschaft Ber­lin SW 11. (161) Der langjährige letzte Vor­sitzende der konservativen Reichstagsfraktion gibt in diesem insgesamt auf drei Bände berechneten Werk eine bis ins einzelne dokumentarisch peinlich genau belegte Darstellung der konservativen Politik in der wilhelminischen Aera, soweit er persönlich an ihr beteiligt gewesen ist. Das ist auch für den an sich willkürlich gewählten Ausgangspunkt des Werkes bestimmend' gewesen. Der Abgang Bismarcks und derneue Kurs" bleiben außerhalb der Darstel­lung, obwohl natürlich gerade zu dieser Epoche von konservativer Seite manches Neue zu sagen ge­wesen wäre. Aber die gewollte Begrenzung auf das als aktiver Politiker persönlich Erlebte schlossen das aus. So fetzt die Darstellung nach einem kurzen Rückblick auf den sich von der üblichen Laufbahn eines preußischen Verwaltungsbeamten in nichts unterscheidenden Lebensgang des Verfassers bis zu seiner Wahl in den Reichstag in der Zeit der Daily-Telegraph"-Affaire ein. Die Konservativen haben damals so wenig wie die anderen Parteien das falsche Spiel Bülows durchschaut, der dem Kai­ser die Verantwortung für die Folgen seines Inter­views zuschob, obwohl dieser den Instanzenweg ge­nau innegehalten hatte und der Kanzler keineswegs o überrascht und unbeteiligt sein konnte, wie er sich vor der Öffentlichkeit stellte. Der Kaiser hat den Konservativen ihre Zustimmung zu der sog. Maulkorbentschkießunq" des Reichstags niemals verziehen. Vielleicht ist das einer der Gründe für die bei einer so betont königstreuen Partei seltsam berührende Distanz zwischen dem Kaiser und den Konservativen. Durch das ganze Buch Westarps, der übrigens den konservativen Anschauungen vom We­sen der Monarchie 'gemäß die Person des Mon­archen ganz aus dem Spiel läßt, zieht sich der Ein­druck eines überaus kühlen Verhältnisses zwischen Kaiser und Konservativen, das anscheinend durch bestimmte Persönlichkeiten in der Umgebung des Monarchen und besonders auch wohl durch die bei­den Kanzler dieser Epoche, Bülow und Bethmann, bewußt genährt wurde. Aus der gleichen Anschau­ung der verfassungsmäßigen Stellung des Kaisers und Königs stammt auch die erstaunliche Zurück­haltung der Konservativen in allen Fragen der Außenpolitik und des Heeres. Beides sah man als dem parlamentarischen Einfluß entzogen an und überließ daher auch zwar folgerichttg, aber doch

gefährlich entsagungsvoll der Regierung diese Fra- gen. So können die Konservativen nicht sreigespro- chen werden von der Schuld, zumindest den ver­hängnisvollen außenpolitischen Kurs widerspruchs­los geduldet zu haben, wobei noch hinzugefügt wer­den muß, daß die außenpolitischen Kardinalfehler bereits im wesentlichen der Aera Bülow zur Last fallen, während sich der Hauptangriff der mit den Konservativen in außenpolitischen Fragen vielfach übereinstimmenden, aber in der Kritik sich keine Be- chränkung auferlegenden Alldeutschen gegen Veth- nann-Hollweg richtete. Wie man die Außenpolitik hinnahm, ohne den Versuch zu machen, auf sie Ein­fluß zu gewinnen wobei dahingestellt bleiben muß, ob das Verhängnisvolle der Bülowfchen Po­litik damals schon von den Konservativen durch­schaut worden ist, so blieb der konservativen Par- tei auch in den Wehrfragen nichts anderes übrig, als die Regierungspolitik nach Kräften zu unter­stützen. Die Frage, ob die Anträge der Regierung genügten, um das Heer für die drohende große Auseinandersetzung schlagfertig zu erhalten, über- ließ man den zuständigen Stellen. Gerade die über­raschende Zurückhaltung der Konservativen zu die- sen beiden Fragen, vom Grafen Westarp mit einem entschuldigenden Unterton festgestellt und durch zahlreiche Dokumente erhärtet, widerlegt eindeutig die törichten Behauptungen des Auslandes von dem überragendeck Einfluß einer zum Kriege treibenden Partei auf Außen- und Wehrpolitik des Reiches. Die Konservativen, die man gerne mit den All­deutschen identifiziert, haben so wenig wie diese irgendeinen bestimmenden Einfluß auf die Außen­politik genommen, ja nicht einmal gesucht. ,T>es Königs attergetreuefte Opposition" sah ihr Wir- kungsfeld ganz überwiegend auf innerpolitischem Gebiet. Daraus erklärt sich auch, daß Herr von Heydebrand, der Führer der konservativen Fraktion im preußischen Landtag, nicht nur die interessanteste, sondern auch die ausschlaggebende Persönlichkeit des Konservativismus im Vorkriegs­deutschland gewesen ist. Er übte auch auf die kon­servative Politik im Reichstag den denkbar stärksten Einfluß aus. Wenn auch der sehr ins Einzelne gehenden Darstellung der parlamentarischen Kämpfe um die großen innerpolitischen Probleme dieser Zeit in den Denkwürdigkeiten des Grafen Westarp heute nur noch ein sehr beschränktes Interesse zu- kommt, so ist sie doch ein wertvoller Beleg für die gründliche, sachkundige und fruchtbare Arbeit, die im Reichstag der Vorkriegszeit z. B. bei der Reichs- Versicherungsordnung, der Reichsfinanzreform, der

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Kinder um uns.

Von Jo Hanns Rösler.

Arno mag seine Suppe nicht essen. Um keinen Preis. Die Mutter zankt, redet gut zu, droht mit Schlägen. Nichts hilft. Ein Gewitter zieht heran, Donner kracht ums Haus, Blitze zucken. Die Mutter nimmt die gute Gelegenheit wahr:

Hörst du, der liebe Gott zankt auch, daß du deine Suppe nicht ißt!"

Das hilft. Eingeschüchtert löffelt Arno seine Suppe auf.

Das Gewitter schien verflogen.

Aber plötzlich rollt ein neuer, dumpfer Donner.

Arno sieht mürrisch zum Himmel:

Du, Mutti, was will denn der liebe Gott jetzt schon wieder von mir?"

Man muß hier oft im Geiste ordnen, was sich j neben Sondersammlungen als buntes Beieinander < von Stilen und Begabungen zeigt. Weithin auch blickt diese Kunstschau nur rückwärts Daß man - einem Thoma breiten Raum gab, darf als An- 1 requng gelten, nun in Ausstellungen immer eines früheren Meisters zu gedenken. Und gleich verdienst- i Heb ist es, manche Lebenden wie Bühler, Hil- denbrand und W e i n s h e im er in reicher Auswahl vorzuführen. Leider spürt man auf der Mathildenhöhe in Darmstadt auch wieder eine Verwirrung in Kunstfragen. Sie muß sich zur Erkenntnis klären, daß Kunst kein Abbild, sondern Sinnbild des Lebens und der Menschenstunde zu sein hat. Und man wird von jeder zwar könne- rischen, aber leeren Schönheitsformel abrucken uno jene Wahrhaftigkeit, jene Glut des Herzens fordern müssen, die sich nicht mit geschmacklichem Schäften zufrieden geben. Vom Drang zum Charakteristischen erfüllt, gehorchte deutsche Kunst seit je auf besondere Art den schöpferischen Antrieben und offenbarte dabei mehr vom Ringen einer Zeit, als alle brav beschauliche oder schönfärberische Kunst.

Auf Grund solcher Ueberzeugung ist zu prüfen, welchem Geiste ein Künstler dient Hans T h o m a erfreut-- uns, wo wir feiner redlichen re^lWe^ Malweise begegnen. Sehr viel trauliche Ge chopft lichkeit verraten Kind und Esel einerFlucht nach Aegypten", deren Josefsgestalt eben o ergreifend ist^ Aber die Engelsallegorie, der theatralisch verzückte Blick Marias verstimmen, und fern bleiben uns die mntboloaischen Bilder, die z. T. an Bocklm an­klingen g fern auch manche Niedlichkeiten. Der Thomaschuler Hans Adolf Bühler Karlsruhe treibt feine Kunst in eine gesteigerte Haltung, die sehr schön Thoma selbst gleichsam als getreuen Eckart deutschen Seins erscheinen laßt und em Menschenbild mit düster - grüblerischer Bedeutung malt Er glaubt weiter, seineGroße Familie mit einem Regenbogen drapieren zu müssen, heroisiert eine Stromlandschaft und benennt em Sreibilb Don Akten mit Namen der Mythologie, ohne erbliche Beziehung. So fesselnd seine Gestaltenzeichnung, mich her 3fenlanb=8rünnl)ilb fein taxin, bas ßanb; fcbafts- und Farbenfunoso des »Roten Reiters wirkt nur als dekorativ-phantastischer Spuk.

Mötzlich steht man vor Paul B ü rck s Kartons zu einem Fresko in München wie vor der drängend­sten Gegenwart, vor überlebensgroßen Entwürfen heutiger^Menschen, die uns mit einem reinen und erhebenden Adel der Form anrufen. Aber die des Gesamtaufbaues läßt befurchten,

Abgleiten ins Illustrieren.

Mit einem zahlreichen Wert ist noch Carl Käst­ner, München, vertreten, der aber mit feinem bekannten Farbendreiklang nichts Neues mehr zu sagen weiß. Im übrigen könnte man nun eine impressionistische Auswahl treffen, mit Zügels Sauhatz" als einem frühen Kraftbeispiel, mit Seltmanns flottem Frühling im Gefolge, dessen Nordische See allerdings sehr abfällt, mit Groe - b e r 5 enkeltragender Frau, farbig lebhaft aufgelok- fert, mit malerisch fesselnden Arbeiten Eugen Kampfs und Soeders, während Ahlers- Hestermann, Beyer, Croissant, auch Urban, recht flach bleiben und an Gref eraths Temperament das Aeußerste an Stilauflösung leistet. Man könnte Künstler sammeln, die ins Großartige streben oder doch einem bestimmten äußeren Schönheitsideal huldigen. Hier wäre derHagelböen" Bach­manns, derGefesselten Kraft" Fahren- b r u ch s , des Farbenfeuerwerks in Leipolds Venedig-Bildern oder Gerhardingers Kostümpracht ,u gedenken. Auch BayerleinsSommernacht" bleibt im Gegensatz zum Wachaubildchen wie vieles im Dekorativen stecken.

Oft wird versucht, Romantik mit überkommenen Mitteln der Stilisierung zu beleben, ja, auch das Heldische in die Natur einzubauen. Bewundern muß man dabei das Können, etwa der Münchener B r o e l E y e r, S t e p p e s. Aber wie wenig dringt es über die schöne Formel hinaus zu tieferem Sinn Das gilt auch für Bastanier. Prachtvoll reibt sich ein Weidebild des Düsseldorfers Jung- banns an. Sein Landsmann Fritz Köhler zeigt neben den nennenswerten Rheinbildern Gradls, Nürnberg, und Frieda K n i e p s, Frei­burg eine Landschaft, die den neuromantischen Stil folgerichtig aus der sachlichen Blickrichtung ent-

es werde bei der Ausführung viel von dieser Größe der Empfindung verloren gehen. Das Doppelaktbild der Kinder bezeichnet dann auch deutlich die weichere Haltung des Malers. Eine zweifellos starke, eigen­willige Begabung ist der Pforzheimer Adolf Hil- denbrand, bei dem man zuweilen Spuren van Goghs zu sehen vermeint, in selbständiger Formen­sprache verarbeitet. Am reifsten sind seine Land­schaften von der Art des Vogelbeerbaumes, des Brandweierbildes, der Tallandschaft mit Tauben. Manchmal bleibt noch ein ungelöster Rest vordring­licher Mittel. Aber aus dem totgepaarten Selbst­bildnis spricht ein überzeugender Ernst, der auch derFamilie" eine tiefe Empfindung mitgibt und dem Antlitz des Totengräbers, den Eltern, den Kriegskameraden, das Wesentliche abliest. Ein viel­seitig anregbarer, Motivstimmungen und Farben­reizen einfühlend folgender Maler ist der in Florenz lebende Weinsheimer, ein erzählender Poet, womit auch seine Problematik angedeutet sei, fein

wickelt. Auch Hermann Kunzes Königskerze ge­rät so in romantisches Schwingen. UeckersAm Wege" fei ihm beigeordnet.

Es gibt auch Porträts der Neuen Sachlichkeit, von Henrich, Düsseldorf, und Padua, Mün­chen, die ihre Malform sehr sicher beherrschen. Dann noch eine Gruppe der falschen Herztöne. Eine Ge- novefa ist bezeichnend, und manchmal glaubt man sich in die Zeit des Jugendstils versetzt. Um so mehr erfreut ein Dreitafelbild Wilhelm Hallers, Frei­burg, das in feiner schlichten Menschendarstellung und Naturliebe echtes Erleben ausdrückt. Und HerdtsHohlweg bei Noreuil" erschüttert durch die graue Trostlosigkeit des Schlachtfeldes. Eine zärtliche Arbeit ist Haiders Angelika. Fritz E r I e r hat ein Bild Hindenburgs beigesteuert, Fritz Haß, München, malt den Führer in der vollen Ergriffenheit des Redens.Mutter und Kind" malt Plontke, Berlin, mit genrehaft schildern­der Liebenswürdigkeit. Poetzelberger, Mün­chen, aber trifft unmittelbar die Idee. Nichts wird umschrieben, das Wesentliche tritt desto packender hervor. Auch Maier, Stuttgart, liefert einen aus­drucksvollen, zeitgemäßen Beitrag. Schließlich finden wir zahlreiche schlicht-volkstümliche Arbeiten: aus der hessischen Heimat von Bantzer, Beithan, Eimer, Hoelscher, Zernin, und selbst der neunzigjährige K r ö h zeigt sich rüstig am Werk.

Ein Wort noch über die Plastik. Man wird davon den Darmstädter Jobst mit seinem feingeformten Kinderkopf, ein strenges Frauenantlitz des Nürn­bergers Brückner, Schmid-Ehmens Strei­cherporträt, den trefflichen S ch l i e ß l e r , Karls­ruhe, den kraftvollen Saarländer Claus und die Stehende Richard S ch e i b e s, Frankfurt a. M., im Sinn behalten.

Karl Ludwig Stork.

Der Lehrer sprach über Sprichwörter.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Wer weiß ein Beispiel?"

Rief Rudi:Meine Hose, Herr Lehrer!" *

Die gute Mutter kam nach Hause. Drei Stunden war sie fortgewesen. Die Kinder warteten in der Küche. Evi lief ihr sofort entgegen. Fiel ihr stür­misch um den Hals. Herzte und küßte sie.

Gute Mutti! Liebe Mutti! Schöne Mutti!"

Der sechsjährige Hans stand daneben wie ein Klotz.

Siehst du, Hans", sagte die Mutter, ,,bein Schwesterchen ist viel lieber zu mir, als du!"

Der Junge nickte erwachsen:

Ja, Mama, aber ich habe auch nicht vor zehn Minuten die große Vase im Speisezimmer zer­brochen!"

Mümmchen sieht im Zoo zum erstenmal einen Tiger.

Schau, Mutti!", ruft sie begeistert,das Tier trägt dort genau so einen Mantel wie du!"

Latein ist die Sprache der Sprachen. Das we­nigstens fand der Professor. Die Sextaner fanden es weniger.

Was heißt femina?", fragte der Professor.

Femina heißt die Frau. Das weiß alle Welt. Nur der Schäler wußte es nicht. Der Professor half ihm.

Es fängt auch im Deutschen mit F an, Walter.

Der kleine Walter wußte es noch immer nicht.

Wenn du heimkommst, wirst du es in der Küche finden."

Eine Fliege, Herr Lehrer!"

Unsinn! Es fängt mit F an, dein Vater hat es und später wirst du es haben!"

Da endlich geht dem kleinen Walter ein Seifen­sieder auf und er sagt:

Unser Fischwarengeschäft, Herr Lehrer!"

Herbert verschlingt hastig seine Schokolade.

Langsam essen, mein Junge", mahnt die be­sorgte Mutter.

Warum denn, Mama?"

Weil es dir schadet. Ich habe einmal einen kleinen Jungen gekannt, der hat seine Schokolade so schnell auf einmal zusammengegessen, daß er geplatzt ist, bevor er mit der Hälfte fertig war!"

Herbert interessierte die Sache mächtig.

Seine erste Frage lautete:

Du, Mama, was ist denn dann mit der übrigen Schokolade geworden?"